12.06.2017 – Outlaw Trail – Sedona

Die Sonne scheint (mal wieder) und uns zieht es in die roten Felsen von Sedona. Südlich der Stadt beginnt westlich des Highways 89A die FR525, auch als Red Rock Canyon Road oder auch als Loy Butte Road bekannt.

In unserem Führer “Guide to Arizona Backroads & 4-Wheel Drive Trails: Easy, Moderate, Difficult, Backcountry Driving Adventures” gab es von da aus einen Rundweg, der als Outlaw Trail bekannt war. Der Führer unterteilt “Straßen” in die Kategorien grün, blau und rot. Letztere ist für echte Hardcore-Jeeper das richtige, blau ist normalerweise oberhalb dessen, was ich mir und dem Wagen zumuten möchte. Grün ist im schlimmsten Fall unbequem zu fahren, aber nicht unmöglich. Der Trail heute war die meiste Zeit grün, also null Problemo.

Er führte uns in die Nähe der roten Felsen,

die aus der Nähe noch imposanter aussehen.

An einem Trailhead wollten wir uns mal wieder auf die eigenen Beine verlassen und stapften den Weg in die Berge.

Hätte ich mal auf die Beschreibung vorher geschaut, hätte ich gesehen, dass der Weg ca. 5 Meilen lang war und über 1000 Höhenunterschied mit sich brachte. Als wir dann vor einer Ranch (der Hankock Ranch) standen,

waren wir der Meinung, genug gesehen zu haben

und marschierten die ca. eine Meile zurück.

Kurze Zeit später hatten wir den Wendepunkt der Wegstrecke erreicht.

Hier musste dann die Entscheidung fallen: Ca. 2 Meilen blaue Strecke oder den gleichen Weg zurück. Ich entschied mich für die blaue Strecke. Und unser Dusty meisterte die stellenweise sehr steilen und felsigen Stücke mit Bravour. Ein bisschen können wir also auch.

Zurück schlugen wir uns mehr oder weniger durch die Pampa, immer die fantastische Felskulisse im Blick.

Auf der Hauptstraße angekommen, hatten wir erstmal genug vom Offroadern und gondelten ganz gemütlich im Abendlicht nach Sedona rein.

Und da ich sowieso schon vorhatte, einmal an den Ladenzeilen vorbeizubummeln, parkten wir einfach unsere dreckige Karre inmitten der schönen sauberen PKWs (wir von der Ranch haben halt etwas andere Autos). Und machten uns auf zum Stadtbummel.

Es war nicht so heiß wie gewöhnlich in Sedona, gerade mal 28°C, mit dem vorherrschenden Wind gut zu ertragen. Auf dem Hinweg war alles komplett voll gewesen, aber jetzt ging es recht gemütlich auf den Straßen zu.

Jeep-Tour-Anbieter in Hülle und Fülle.

Und die Kulisse lässt mich jedes Mal überlegen, ob man hier auch mal ein paar Tage verbringt.

Jetzt mal früh nach Hause, die letzte Nacht war etwas zu kurz.

 

11.06.2017 – Perkinsville – Granite Dells

Habe ich in der Garage gefunden. Wird in Deutschland wohl weniger Verwendung finden:

Heute entführen wir Euch in das Herz Arizonas. Wenn von allen möglichen Städten in der Umgebung Straßen zu dieser Location führen, dann muss da was los sein. Wir hatten von Jerome im Südosten eine Straße nach Perkinsville entdeckt, von Prescott im Süden führte eine dorthin, von Chino Valley im Westen ebenfalls und auch im Norden von Williams startete eine Perkinsville Road.

Also starteten wir unsere Fahrt in Williams. Dort war die nächtliche Euphorie etwas abgeklungen und es herrschte der übliche Sonntagsverkehr. Und wenn ein Nest wie dieses außer Bearizona und den Bahnhof zum Grand Canyon nichts großartiges zu bieten hat, muss man sich was einfallen lassen:

Zuvor noch ein Besuch im Visitor Center. Dort beriet man uns zu diversen Forestroads, meinte aber auch mit einem entsetzten Gesichtsausdruck, dass Perkinsville nichts weiter sei als “just a dot on the map”. Aber da der gute Mann uns früher schon den Sycamore Point vorenthalten hatte, trauten wir seinem Urteil nicht so recht.

Also machten wir uns von Williams aus in Richtung Süden auf über die 73 in Richtung Perkinsville, genau wie St Johns eines der Zentren des kulturellen Lebens in Arizona. Zuerst war die Straße auch noch asphaltiert, wurde dann aber zu einer gut erhaltenen Dirt Road.

Und an dieser Stelle muss ich mal das Adot loben = Arizona Department of Transportation. Ich weiß nicht, wieviele Meilen und Meilen diese Behörde unter sich hat und wieviele Meilen Forest Road in einem erstaunlich guten Zustand sind.

Die Landschaft links und rechts war sehr schön und wir wären auch beinahe mal links auf die 181 abgebogen, um uns der Sycamore Wilderness von einer anderen Seite zu nähern. Aber hier war wohl die Straße zu klein, um noch regelmäßig mit Schotter übergossen zu werden, wir ließen es sein.

Endlich kam dann Perkinsville in Sicht (rechter Rand mitte im Bild):

Der Knabe am Visitor Center hatte nicht übertrieben. Attraktionen: Ein Bahnübergang, eine Brücke, ein Viehtriebgestänge und ein bis zwei Farmen.

Das war Perkinsville. Logisch, dass wir auf einen Theaterbesuch mit anschließendem Kneipenbummel verzichteten. Erstens war es noch nicht spät genug, zweitens sind wir nicht so die Kneipengänger.

Nach Jerome waren es nur noch knapp 20 Meilen

und wir sahen unter uns die alte Minenstadt und die Gold King Mine Ghosttown.

Im Statepark nahmen wir unser “Mittagessen” zu uns und fuhren dann über die Berge nach Prescott. Dort noch kurz bei Costco den Tank aufgefüllt (2,199 USD/Ga). Falls ihr Euch wundert, warum wir so oft tanken: Ja, wir fahren eine ganze Menge. Aber mittlerweile haben wir auch herausgefunden, dass in Flagstaff der teuerste Sprit verkauft wird. Und so nutzen wir jede Gelegenheit, um uns billiger einzudecken.

Da es auf den Abend zuging, wollten wir eine schöne Stelle für einen Sonnenuntergang finden. Im Norden von Prescott befindet sich ein Areal, welches durch große Granitfelsen gekennzeichnet ist. Dazu gehören die Granite Basin Recreation Area, welche mit einem hübschen See gesegnet ist, aber für einen Sonnenuntergang nicht so geeignet (zumindest nicht ohne Wanderung).

Wir fuhren weiter in die Gegend nördlich vom Watson Lake, zur Granite Dells Road. Dort standen zwar die Felsen schön im Abendlicht, aber für ein Sonnenuntergangsfoto waren wir doch zu tief gelegen.

Eigentlich hatte ich den Gedanken an einen tollen Untergang der Sonne schon aufgegeben. Und wir wollten uns auf den Weg nach Norden machen, als hoch oben auf dem Berg ein indianisches Spielkasino auffiel. Warum nicht dort? Wir machten es uns auf dem Parkplatz gemütlich und ließen die Sonne hinter dem Berg verschwinden.

Im Licht der untergehenden Sonne auf der gegenüberliegenden Seite der Watson Lake.

Auf dem Weg nach Norden machten wir noch einen Ministop am Flughafen von Prescott, damit ich die bunten Lichter der Landebahn fotografieren konnte.

Und jetzt ab nach Hause.

10.06.2017- Chili Contest – Sycamore Point

Bisher dachte ich, wir hätten in der näheren Umgebung schon einiges gesehen, was wirklich schön ist. Aber dann setzt die Natur noch einen drauf.

Aber fangen wir vorne an. Heute fand in Flagstaff der alljährliche Chili-Contest statt. An ca. 20 Ständen boten die besten Chili-Köche der Region ihre roten und grünen Suppen an.

Wer den “Bericht” über den Chili-Wettbewerb schon gelesen hat, wird möglicherweise auch Tränen gelacht haben. Aus Copyright-Gründen kann ich jetzt nicht einfach den Text reinkopieren, aber das Video sollte kein Problem sein.

Wer (wie ich) den Text nicht komplett verstehen kann, sollte einfach mal bei Google danach suchen.

Soweit die Theorie. Ich war schon gespannt, was dort präsentiert wurde. Für 5 USD bekam man einen Löffel, ein paar kleine Töpfchen und 10 Gutscheine, die man an den verschiedenen Ständen einlösen konnte.

Etwas abseits davon gab es noch ein paar Tische, die den eigentlichen Juroren vorbehalten war.

Ich probierte mich mutig durch die verschiedenen Angebote durch. Es gab durchaus Unterschiede in der Zusammensetzung, was den Einsatz von Fleisch, Bohnen, Pepperoni und auch der Würze betraf. Aber offensichtlich hatte man auf den Einsatz von richtig scharfen Ingredienzien (wie z.B. Schwefelsäure) verzichtet, weil auch Kinder zugegen waren.

Jedenfalls waren alle Chilis lecker und hinterließen einen angenehm würzigen Nachgeschmack auf dem Gaumen. Aber ehrlich gesagt: Scharf ist was anderes. Auf meine Frage hin wurde mir geantwortet, dass auch die Juroren die gleichen Gerichte vorgesetzt bekommen. Vielleicht werden ja in Texas (s. oben) richtig gewürzte Chilis angeboten.

Der Tat war noch jung und wir hatten von einem Besuch im Visitor Center in Williams noch in den Ohren, dass es in der Nähe den Sycamore Canyon und die Sycamore Falls gebe. Also Kartenmaterial herausgesucht und los geht es.

Erst über den I40  bis zur Abfahrt 178, um dann nach Süden auf die Garland Prarie Road einzubiegen. Es geht über Farmland,

bis wir den Abzweig zur 56 fanden. Dort bis zum Ende durchfahren. Eine gut ausgebaute Dirt Road und ab und zu in den Wäldern ein paar Wohnwagen und Camper. Am Ende eine Schleife der Beginn eines Wanderweges. Eine halbe Meile? Das schaffen wir gerade noch ohne Auto. Plötzlich öffnete sich der Blick in den Sycamore Canyon.

Ganz nett, aber wo sind die Falls?

Zurücklaufen, in den Wagen (vorher auf der Ladefläche im Schatten der Bäume noch gemütlich Mittagspause und ein Nickerchen gemacht)

und dann wieder die 56 zurück in Richtung Norden, bis wir auf die FR13 stießen. Diese führt in Richtung Westen bis zur 109. Dort waren freundlicherweise die Sycamore Falls schon ausgeschildert. Auch hier eine kleine Wanderung, an deren Ende steil nach unten abfallende Klippen der besten Höhenwanderin von allen schon einiges abverlangten.

Wir wanderten ein wenig am Rim entlang. Plötzlich spannte sich ein Seil von einem Baum über den Klippenrand. Ein vorsichtiger Blick nach unten zeigte zwei Kletterer, die gerade auf dem Weg über 100 m nach unten waren. Und hoffentlich wieder rauf…

Die Fälle selbst führten zu dieser Jahreszeit schon kein Wasser mehr, aber imposant war der Blick ins Tal und auf die Felsen gegenüber schon.

Da wir schon mal in der Gegen waren, beschlossen wir, auch den Schildern zum White Horse Lake zu folgen. Ein weißes Pferd sahen wir dort zwar nicht, aber der See ist für die Amerikaner am Wochendende wie gemacht. Malerisch gelegen, die Temperaturen angenehm, was will man mehr?

So kann man auch die Nacht verbringen, nur gegen Bären hilft DIESE Höhe nicht.

Eigentlich hätte die Fahrt hier zu Ende sein können, jedenfalls hatten wir alles gesehen, was uns der freundliche Ranger im Visitor Center beschrieben hatte. Und auf dem Rückweg sahen wir dann auf einem der Schilder noch “Sycamore Point”. Wenn wir schon in der Gegend sind, die 11 Meilen schaffen wir auch noch, wenn die Straße so gut bleibt. Tat sie. Am Ende der Straße dann wieder ein kurzer Trail und dann kam das Highlight des Abends: Vor uns eröffnete sich ein riesiger Canyon, fast vergleichbar mit dem Grand Canyon und dem Waimea Canyon, nur dass wir hier total alleine waren. Und davon hatte uns kein Mensch erzählt.

Es erinnerte mich an unseren Urlaub 2015 in Moab, wo wir den Malboro Point angefahren hatten und auch eine tolle Landschaft in absoluter Stille genießen konnten.

Nur der Wind blies und wir genossen den Anblick. Bis die Sonne unterging und die roten Felsen in Dunkelheit getaucht wurden.

Auf dem Rückweg (jetzt aber wirklich, wie wir dachten) dann noch der Himmel in Flammen.

Wir hätten die gleiche Straße zurückfahren können und uns durch das Straßengewirr navigieren können. Aber ich hatte die Idee, einfach mal “Home” ins Navi einzugeben und zu schauen, woher uns “Bärbel” lotst. Und das Navi zeigte uns auch wirklich eine Strecke an.

Jetzt im Nachhinein habe ich eine ungefähre Ahnung, was mit uns passierte: Wir wurden (vermutlich) über die 109, die 14 und dann über die 73 direkt nach Williams geführt. Weil Bärbel meinte, das wäre der schnellste Weg.

Und da erwartete uns noch die letzte Überraschung des Tages. Das Nest, das wir als nettes und verschlafenes Westernnest an der Route 66 bei Tageslicht kennengelernt hatten, war zum Leben erwacht.

Fast wie Las Vegas, Leuchtreklamen an allen Ecken und Kanten, ein im Cowboy-Dress angezogener Kutscher, der “Stadtrundfahrten” offerierte.

Die Lokale und die Motels waren voll. Ich habe keine Ahnung, was die Leute an einem Samstag Abend hier machen. Vielleicht am Sonntag mit der Eisenbahn zum Grand Canyon fahren?

Jedenfalls machten wir uns nach einem Stadtrundgang auf die Reifen, setzten uns auf den Interstate I40, tankten bei Pilot (2,299 USD/Ga) nochmal voll und waren dann froh, als wir zuhause ankamen.

09.06.2017 – Roosevelt Lake – Phoenix

Heute machen wir noch einen etwas längeren Fahrtag. Der Roosevelt Lake südlich von Flagstaff ist das Ziel.

Dazu setzen wir uns auf die Lake Mary Road und gondeln ganz gemütlich durch Strawberry und Pine mit seinem süßen Honigladen

bis nach Payson, wo wir uns im Visitor Center eine kurze Pause gönnen. Unter anderem fällt mir eine Broschüre ins Auge: Zane Grey Cabin. Und da sowohl mein Dad als auch ich früher die vielen Western-Romane durchgefressen haben, machen wir einen kurzen Abstecher dahin. Das Haus

liegt direkt an einer herrlichen See-Anlage, dem Green Valley Park.

Payson strahlt so wie Flagstaff eine gemütliche Ruhe einer Kleinstadt aus.

Hier kann man sich wohlfühlen.

Weiter geht es Richtung Süden. Die ersten Säulenkakteen – Saguaros – kommen in Sicht.

Und die beste Kakteenliebhaberin von allen schaut sich fast die Augen aus nach einer Säule, die auch wenigstens eine Blüte trägt. Schließlich sind wir fast ausschließlich zum Roosevelt Lake (ach was sage ich: NACH ARIZONA) gefahren, um blühende Kakteen (oder sagt man Kaktusse?) zu sehen. Und sie wird nicht enttäuscht. Irgendwann finden wir einen – oder auch die anderen -, die ihre schönen weißen Blüten noch auf sich tragen.

Das schöne, aber auch dumme ist, dass die Biester so groß sind. So kann man nur sehr schlecht aus dem Stand von oben fotografieren. Aber ich hoffe, es gefällt auch so.

Die Temperaturen sinken mittlerweile nicht mehr unter 102° Fahrenheit, der Roosevelt Lake kommt in Sicht.

Bei den Temperaturen wäre eigentlich eine Abkühlung im See nötig, aber allein die Wanderung zum Wasser…

Kurze Zeit später überqueren wir die Brücke am Staudamm (kriegen wir später nochmal)

und befahren das Tonto National Monument. Hoch in den Felsen kleben Wohnungen aus alten indianischen Zeiten.

Eine Besichtigung ist aufgrund der Hitze ab 12 Uhr Mittags nicht mehr erlaubt. Die Ranger hatten es wohl satt, ständig Leute mit Hitzschlag und Sonnenstich dort abzuholen. Schade. Da oben hatten wir vor vielen Jahren mal das Foto gemacht, welches wir für unsere Hochzeitsanzeige verwendet hatten. Wäre schön gewesen, dies mal nachzustellen.

So verzogen wir uns in den Schatten der Picnic-Area und vernichteten unsere mitgebrachte Brotzeit. Unsere Kühlbox war eine der besten Anschaffungen (Preis ca. 23 USD, die haben sich gelohnt). Wir stecken über Nacht immer halbvolle mit Wasser gefüllte Cola- und sonstige Getränkeflaschen ins Eisfach unseres Gefrierschrankes. Dies kühlt den Inhalt der Kühlbox locker bis zum Abend und hat den Vorteil, dass es nicht den ganzen Inhalt in einer triefenden Wasserlache hinterlässt.

Hier auch mal eine neue Spezies von Kaktus: Der Schwiegermuttersitz in Blüte.

Nach der Pause “lustwandeln” wir weiter auf den Spuren unserer Vergangenheit. Vom Roosevelt-Dam

mit seinen herrlichen Blümchen

und pinkfarbenen Kakteen

führt der sogenannte Apache Trail in westlicher Richtung entlang dem Salt River und dem Apache Lake,

dem Canyon Lake

und dem Saguaro Lake. Meistens von oben offerieren sich Einblicke in eine herrliche Landschaft.

Auf Wasserhöhe sieht es dann so aus.

Und dann traf mich beinahe der Schlag. War ich doch in den vorangegangenen Wochen froh gewesen, wenn ich immer wieder mal eine vereinzelte Yucca Pflanze in Fotoweite zu sehen bekam, hier standen ganze Felder davon rum.

Nur die schönste(n) raussuchen…

Den Apache Trail hatten wir schon ein paarmal befahren, allerdings noch nie so bewusst. Das erste Mal vor ca. 30 Jahren, damals bei Dunkelheit und auf der Suche nach einem kostenlosen Campground. Das zweite Mal bei schlechtem Wetter und im Wohnmobil mit den Kids. Wenn ich mir die Straße heute so anschaue: Wir waren damals noch verrückter als heute…

Am westlichen Ende des Apache Trails liegt der Lost Dutchman Statepark mit einem tollen Blick auf die Superstition Mountains. Ich musste auch erstmal nachschlagen, was das Wort bedeutet: Aberglaube, Geisterglaube.

Ein paar letzte Nahaufnahmen von unseren stacheligen Freunden:

Es war noch relativ früh und als letztes Ziel stand noch ein Shop von “The Walking Company” auf der Liste. Die beste Ehefrau von allen hatte sich nach der ersten Sendung an Schuhen noch ein Paar Wanderschuhe bestellt, die aber aufgrund einer fehlerhaften Verarbeitung an einer Stelle untragbar waren. Zurückschicken wäre zwar auch gegangen, aber sie wollte ja a) das Sonderangebot mitnehmen und b) die Schuhe auch wirklich haben. Der nächste Laden lag in Gilbert, einem Vorort von Phoenix im Osten der Stadt. Wir wurden freundlichst bedient, allerdings hatte man dort keinen Ersatz. Aber wie das in einer 4-Millionen Metropole (so groß ist Phoenix mit umliegenden Trabanten) so ist, nur 12 Meilen entfernt liegt die nächste Depandance.

Mittlerweile ging unser Tankinhalt so langsam zur Neige, gerade mal 99 Meilen Restreichweite zeigte das Display an. Dafür war die Temperatur auf über 100 gestiegen. 109° Fahrenheit = 43°C, da kann Deutschland nicht mithalten.

In Chandler (keine Verwandschaft zum Schauspieler in Friends) hatten sie den Schuh dann zwar in einer anderen Farbe, aber dafür passend, parat. Was für ein Glück. Jetzt nur noch tanken. Ich hatte mich am Morgen noch umgeschaut. In Phoenix sollte der Sprit wirklich billig sein – und war deshalb auch nicht mit vollem Tank losgefahren…

Kurz bei Google Maps nachgefragt: Direkt um die Ecke liegt ein Costco. Spritpreis: 2,139 USD/Ga. Der niedrigste Preis des gesamten Urlaubs. D.h. wir zahlten für 21 Gallonen ungefähr 46 USD. Damit kann ich leben.

Jetzt aber auf die Piste nach Norden in unser “kühles” Flagstaff. Man merkt schon den Unterschied zu unserer Kleinstadt, wenn man durch diese Metropole fährt. Lange ist man unterwegs, bis man den Großstadtbereich hinter sich gelassen hat. Da ist Flagstaff deutlich übersichtlicher.

Irgendwann auf der Strecke genehmigten wir uns noch einen Burger und kamen dann um 9.40 Uhr wohlbehalten wieder in unserer Hütte an.

 

08.06.2017 Flagstaff – Elden Mountain Lookout Road – Snowbowl

Kennt Ihr das, wenn ein Tag total nichts sagend anfängt und dann mit einem Knaller endet, mit dem keiner gerechnet hat? So war es bei uns. Nach der späten Heimkehr gestern schrieb ich die Ereignisse des letzten Tages am Morgen zusammen und wir gammelten ein wenig vor uns hin. Bis mir einfiel: Wir müssen ja noch den Ölwechsel organisieren. In den letzten Tagen schon war der Ölwechselzyklus bei 10% seiner Lebensdauer angekommen. Und wir hatten bei Hertz in Flagstaff angerufen, um zu erfahren, ob wir den Ölwechsel selbst vornehmen lassen könnten. Immer in der Hoffnung, dass man uns nicht zu einer Hertz-Station schickt, wo sie den Wagen dann austauschen. Es hat uns soviel Zeit und Dirt Roads gekostet, Dusty seinen Spitznamen zu verpassen, das wäre doch echt schade. Die freundliche Dame nahm unsere Daten auf und meinte dann, wir könnten nicht in eine Werkstatt fahren, sondern sollten uns bei der Roadside Assistence melden.

Was wir dann heute morgen auch taten. Diesmal meinte die nächste freundliche Dame, es gäbe da eine Werkstatt am Huntington Drive, gab uns eine “Case-Nummer” und sagte, wir sollten dort vorbeifahren. Warum nicht gleich so?

Dort angekommen, hatte Hertz (wahrscheinlich die freundliche Dame) schon angerufen und die Jungs dort vorgewarnt. Wann man unseren Wagen fertig machen könne, fragten wir. Eine Stunde müssten wir schon warten. Klasse. Wir gaben dem freundlichen Herrn unsere Handy-Nr. und fuhren zu Marshalls in der Nähe. Die haben immer was. Kaum waren wir da wieder draußen – ich musste meinen Besuch bei Best Buy leider canceln – kam schon der Anruf, wir könnten kommen.

In der Werkstatt gaben wir unseren Wagen und die Schlüssel ab und verzogen uns in den Warteraum. Zum Glück hatten sie dort freies WLan. Und schon nach einer Stunde waren sie fertig mit dem Ölwechsel. Die Kosten – ca. 50 USD – würden direkt mit Hertz abgerechnet. Wieviel Öl wurde denn eingefüllt? 8 Quarts war die Antwort, also ca. 8 Liter. Ich glaube, ich komme mit meinem Wagen demnächst auch hierhin. In Deutschland wäre ich locker mehr als 120 Euro nur für das Öl losgeworden.

Zur Mittagspause wollten wir einen City-Park aufsuchen und gondelten durch eines der Wohngebiete südlich der I40, in der Nähe der Butler Ave gelegen.

Gegenüber von uns türmte sich über den San Francisco Mountains eine riesige Rauchwolke auf.

Waldbrand?

Auf zum Visitor-Center. Wir wollten dort noch ein paar Fragen loswerden (und die Antworten mitnehmen) und ich wollte unbedingt das Gebäude mal mit einem einlaufenden Zug fotografieren. Was gar nicht so einfach ist. Denn bei ca. 100 Zügen pro Tag kommt ungefähr jede Viertelstunde einer. Aber der muss aus der richtigen Richtung kommen. Also setzte ich mich (in sicherer Entfernung) auf eine ehemalige Bahnschwelle und wartete, derweil die beste Kartenleserin von allen die Karten studierte. Eine tolle Art der Entschleunigung.

Übrigens: Der Waldbrand war ein mit Absicht abgefackelter “Holzstapel”, den die Forest-Verwaltung angezündet hatte.

Und nach zwei Güterzügen aus der falschen Richung (einer mit 178 Wagen dran) kam dann endlich die Lok, auf die ich gewartet hatte.

Und weil der Zug so lang war und gemütlich fuhr, konnte ich noch eine Langzeitbelichtung machen, so dass es echt flott aussah.

Wir wollten danach eigentlich nochmal zur Snowbowl fahren, um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Auf der 180 am Pionier-Museum eine historische Version der Eisenbahn, die früher den Westen eroberten.

Da meine liebe Göttergattin soeben ja genug Zeit zum Lesen hatte, kam sie dann mit dem Vorschlag: Duuuu, lass uns doch mal die Elden Mountain Road reinfahren, nur so weit, bis es ungemütlich wird. Laut Führer sollten da einige sehr rauhe Stellen vorkommen, und davon war mein Bedarf von gestern noch gedeckt.

Wir fuhren die Elden Mountain Lookout Road (557, abgehend von der Schultz-Pass-Road) rein, und zu unserer Überraschung waren die Karteninformationen überholt. Eine Dirtroad mit gutem Grading führte bis auf den Gipfel, wo die ganzen Handymasten stehen. Endlich mal super Empfang.

Der Blick ins Tal offerierte tolle Ausblicke auf Flagstaff, so wie man sie sonst nicht zu sehen bekommt.

Noch war genug Tageslicht, um zum Snowbowl raufzufahren. Das schafften wir auch ganz wunderbar, parkten unseren Dusty mit Klappe “zum Strand” und machten es uns mit Futterage an einem der Tische gemütlich.

Und dann ging es los. Dank der Wolken legte die Sonne einen Untergang hin, wie ich ihn seit langem nicht mehr gesehen hatte. Die Berge staffelten sich in Schichten, wie ich es so liebe

und der Abend tauchte alles in ein goldenes Licht. Elefantös, gigantometrisch, oberaffentitten…..g.

Als das letzte Licht verblasste, gemütlich wieder den Berg runter und Fotos aussortieren.