15.06.2017 – Flagstaff

Morgen ist Abreisetag – Packen ist angesagt.

Zum Frühstück haben wir einen seltenen Gast. Ein fettes Kaibab-Squirrel hat es sich direkt im Baum neben unserem Haus gemütlich gemacht und knabbert einen Tannenzapfen nach dem anderen ab. Von uns möchte es nichts haben. Dazu ist es doch zu zurückhaltend. Wir kennen uns ja schließlich kaum…

Zu den Reisevorbereitungen gehört, dass wir unseren Dusty durch die Waschanlage schicken. Liebevoll wird er von Hand eingeschäumt, abgebürstet und abgesprüht. Sieht jetzt fast aus wie neu. Hoffentlich kommt keine zu große Baustelle, die das alles wieder zunichte macht.

Am späten Nachmittag machen wir uns nochmal auf zur Snow Bowl, um den Stand des Feuers zu begutachten, aber auch, um den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen.

Auf dem Weg nach oben stehen die Aspen im schönsten Sonnenlicht.

Diesmal liegen hinter den Bergen ein paar Wolkenschichten und lassen alles rot aufglühen.

Als es dunkel wird, rollen wir den Berg runter und gönnen uns noch einen letzten Rundgang durch die Innenstadt von Flagstaff.

08.06.2017 Flagstaff – Elden Mountain Lookout Road – Snowbowl

Kennt Ihr das, wenn ein Tag total nichts sagend anfängt und dann mit einem Knaller endet, mit dem keiner gerechnet hat? So war es bei uns. Nach der späten Heimkehr gestern schrieb ich die Ereignisse des letzten Tages am Morgen zusammen und wir gammelten ein wenig vor uns hin. Bis mir einfiel: Wir müssen ja noch den Ölwechsel organisieren. In den letzten Tagen schon war der Ölwechselzyklus bei 10% seiner Lebensdauer angekommen. Und wir hatten bei Hertz in Flagstaff angerufen, um zu erfahren, ob wir den Ölwechsel selbst vornehmen lassen könnten. Immer in der Hoffnung, dass man uns nicht zu einer Hertz-Station schickt, wo sie den Wagen dann austauschen. Es hat uns soviel Zeit und Dirt Roads gekostet, Dusty seinen Spitznamen zu verpassen, das wäre doch echt schade. Die freundliche Dame nahm unsere Daten auf und meinte dann, wir könnten nicht in eine Werkstatt fahren, sondern sollten uns bei der Roadside Assistence melden.

Was wir dann heute morgen auch taten. Diesmal meinte die nächste freundliche Dame, es gäbe da eine Werkstatt am Huntington Drive, gab uns eine “Case-Nummer” und sagte, wir sollten dort vorbeifahren. Warum nicht gleich so?

Dort angekommen, hatte Hertz (wahrscheinlich die freundliche Dame) schon angerufen und die Jungs dort vorgewarnt. Wann man unseren Wagen fertig machen könne, fragten wir. Eine Stunde müssten wir schon warten. Klasse. Wir gaben dem freundlichen Herrn unsere Handy-Nr. und fuhren zu Marshalls in der Nähe. Die haben immer was. Kaum waren wir da wieder draußen – ich musste meinen Besuch bei Best Buy leider canceln – kam schon der Anruf, wir könnten kommen.

In der Werkstatt gaben wir unseren Wagen und die Schlüssel ab und verzogen uns in den Warteraum. Zum Glück hatten sie dort freies WLan. Und schon nach einer Stunde waren sie fertig mit dem Ölwechsel. Die Kosten – ca. 50 USD – würden direkt mit Hertz abgerechnet. Wieviel Öl wurde denn eingefüllt? 8 Quarts war die Antwort, also ca. 8 Liter. Ich glaube, ich komme mit meinem Wagen demnächst auch hierhin. In Deutschland wäre ich locker mehr als 120 Euro nur für das Öl losgeworden.

Zur Mittagspause wollten wir einen City-Park aufsuchen und gondelten durch eines der Wohngebiete südlich der I40, in der Nähe der Butler Ave gelegen.

Gegenüber von uns türmte sich über den San Francisco Mountains eine riesige Rauchwolke auf.

Waldbrand?

Auf zum Visitor-Center. Wir wollten dort noch ein paar Fragen loswerden (und die Antworten mitnehmen) und ich wollte unbedingt das Gebäude mal mit einem einlaufenden Zug fotografieren. Was gar nicht so einfach ist. Denn bei ca. 100 Zügen pro Tag kommt ungefähr jede Viertelstunde einer. Aber der muss aus der richtigen Richtung kommen. Also setzte ich mich (in sicherer Entfernung) auf eine ehemalige Bahnschwelle und wartete, derweil die beste Kartenleserin von allen die Karten studierte. Eine tolle Art der Entschleunigung.

Übrigens: Der Waldbrand war ein mit Absicht abgefackelter “Holzstapel”, den die Forest-Verwaltung angezündet hatte.

Und nach zwei Güterzügen aus der falschen Richung (einer mit 178 Wagen dran) kam dann endlich die Lok, auf die ich gewartet hatte.

Und weil der Zug so lang war und gemütlich fuhr, konnte ich noch eine Langzeitbelichtung machen, so dass es echt flott aussah.

Wir wollten danach eigentlich nochmal zur Snowbowl fahren, um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Auf der 180 am Pionier-Museum eine historische Version der Eisenbahn, die früher den Westen eroberten.

Da meine liebe Göttergattin soeben ja genug Zeit zum Lesen hatte, kam sie dann mit dem Vorschlag: Duuuu, lass uns doch mal die Elden Mountain Road reinfahren, nur so weit, bis es ungemütlich wird. Laut Führer sollten da einige sehr rauhe Stellen vorkommen, und davon war mein Bedarf von gestern noch gedeckt.

Wir fuhren die Elden Mountain Lookout Road (557, abgehend von der Schultz-Pass-Road) rein, und zu unserer Überraschung waren die Karteninformationen überholt. Eine Dirtroad mit gutem Grading führte bis auf den Gipfel, wo die ganzen Handymasten stehen. Endlich mal super Empfang.

Der Blick ins Tal offerierte tolle Ausblicke auf Flagstaff, so wie man sie sonst nicht zu sehen bekommt.

Noch war genug Tageslicht, um zum Snowbowl raufzufahren. Das schafften wir auch ganz wunderbar, parkten unseren Dusty mit Klappe “zum Strand” und machten es uns mit Futterage an einem der Tische gemütlich.

Und dann ging es los. Dank der Wolken legte die Sonne einen Untergang hin, wie ich ihn seit langem nicht mehr gesehen hatte. Die Berge staffelten sich in Schichten, wie ich es so liebe

und der Abend tauchte alles in ein goldenes Licht. Elefantös, gigantometrisch, oberaffentitten…..g.

Als das letzte Licht verblasste, gemütlich wieder den Berg runter und Fotos aussortieren.

 

06.06.2017 – Cinder Cone OHV Area

Nachdem es ja gestern etwas später geworden war und ich heute sowieso wieder um 6 Uhr wach war, ließen wir es etwas ruhiger angehen.

So (oder so ähnlich) frühstücken wir übrigens.

Urgemütlich mit schönem Blick auf den Wald vor uns.

Ab und zu gesellt sich ein Kolibri zu uns.

Wir wollten noch ins Visitor Center, uns noch ein paar Tipps abholen, tanken, zum Walmart, mal das Angebot von Marshalls checken und irgendwo den Abend ausklingen lassen.

Visitor-Center -> Check
was erleben -> Check
Tanken -> 2,299 USD/Ga Check
Marshalls -> Check
Walmart -> Check
Abend ausklingen lassen -> Check

Auf der Liste der Offroadstrecken der besten Fährensucherin von allen gehörte die OHV (Off Highway Vehicle – das sind die knatternden Vierräder, die immer mit wahnsinniger Geschwindigkeit durch die Botanik brettern) in der Cinder Cone OHV Area. Eingezeichnet war der Zugang von der Straße des Sunset Crater NM, aber als wir ein paar Meilen da reingefahren waren, stand da das Schild: Da kommt ihr nicht rein von hieraus. Also zurück und die “offizielle” Einfahrt nehmen. Die Dirtroad in das Gelände war eigentlich recht glatt, wären da nicht ab und zu “Wasserrillen” gewesen, ca. 50cm hoch bzw. tief, leicht geschwungen und bei sehr geringer Geschwindigkeit kein Problem. Nur ein paar Meilen zu schnell und man konnte den Beifahrer von der Fahrzeugdecke abkratzen und die Sachen aus der Kühlbox auf der Ladefläche neben dem Wagen wieder einsammeln.

Dann ging es richtig los. Tripple seven hieß die Devise. Auf der Route 777 ging ein 14 Meilen langer Rundweg durch Lavaasche.

Zwei Stunden Dauer. DAS verstand ich nun gar nicht. Zumindest zu Anfang. Die oben beschriebenen Wasserrillen wiederholten sich hier im Abstand von ca. 2 Metern, so das man sich vorkam wie auf einer Nusschale in hohem Wellengang. Echt super. Dazu kam dann ungefähr nach der Hälfte des Rundkurses, dass die Asche immer tiefer wurde und ich wirklich den 4-Rad-Antrieb incl. Differentialsperre einschalten musste, damit sich Dusty nicht zu sehr in den Sand wühlte mit allen vier Rädern.

Aber irgendwann war auch dieses Abenteuer vorbei. Wir wollten gerade auf die Hauptstraße einbiegen, als ein kleines Tier vor uns über die Straße huschte. Zu groß für ein Squirrel, zu klein für eine Katze. Und dann sahen wir, dass neben der Straße eine Kolonie von Erdmännchen (Prairie Dogs) ihr unterirdisches Höhlenlabyrinth gegraben hatte. Natürlich hatte der Wachposten unseren an den Straßenrand gefahrenen Wagen direkt entdeckt und Alarm geschlagen. Alle Viecher weg.

Wir blieben ruhig mit geöffnetem Fenster sitzen und hofften, dass neben uns der eine oder andere den Kopf rausstrecken würde. Taten sie aber nicht. In etwas größerer Entfernung trauten sich dann Teenager raus und hatten immer ein wachsames Auge auf den Feind in rot.

Irgendwann düsten wir dann ab und fuhren bei Marshalls vorbei, um das neue Angbot zu checken. Für mich waren neue Flipflops dabei, die vom Walmart fallen nach einer Woche auseinander.

Nächste Station: Walmart: Flipflops zurückgeben und noch ein paar Lebensmittel einkaufen.

Im Visitor Center hatte uns Anna den Rat gegeben, den Abend im Buffalo Park zu verbringen. Wir waren da schon vorbeigefahren, hatten aber angenommen, dass es sich um so etwas ähnliches wie Bearizona handelt. Weit gefehlt. Ein schön angelegter Park in den Bergen, wo die Flaggstaffianer joggen, spazieren, den Hund ausführen und den Abend genießen.

Genau das taten wir auch, aßen zu Abend und genossen den Sonnenuntergang.

04.06.2017 – Flagstaff

Nach dem gestrigen anstrengenden Tag hatten wir uns ein wenig Erholung verdient. Es gab so einiges zu erledigen, warum nicht heute?

Aber damit die Neugierigen in Punkto Bilder nicht zu kurz kommen, präsentiere ich etwas von Flagstaff.

Als erstes fuhren wir durch unsere Wohnstraße(n), ordentliche bis luxuriöse Reihenhäuser, ein Standard, in dem man sich sehr wohl fühlen kann, wie wir in den letzten zwei Wochen festgestellt haben.

Irgendwie kamen wir dabei an einer anderen Ecke aus dem Wohngebiet raus als sonst und sahen gegenüber die Einfahrt vom Pine Canyon Flagstaff Golf Course Real Estate. Auf der Karte ungefähr 10 mal so groß wie unser Wohngebiet wurde es auch prompt von einer Wache mit Eingangstor verschlossen. Aber so schlimm war es dann doch nicht. Auf unsere Frage, ob wir denn mal durchfahren dürften, bekamen wir einen Besucherausweis (Größe Letter, Visitor No 5) und die Instruktionen: Nicht schneller als 25 mph, nicht aussteigen, Fotografieren erlaubt.

Also drehten wir die Runde auf dem Clubhouse Drive und stellten fest, dass es a) doch noch schönere Häuser als das unsere gibt und b) dass unser Budget maximal für eine Woche Miete dort gereicht hätte.

Übrigens wird auch hier zuerst mit Holz gebaut und dann mit Stein verkleidet.

Das witzige daran war, dass wenigstens 10% zum Verkauf standen. Wieder zurück unterhielten wir uns mit dem Posten. Der meinte, die Besitzer kämen häufig nur 3-4 Monate im Jahr zum Wohnen hierher. Aber mieten könne man durchaus. OK, sollte ich mal im Lotto gewinnen oder einen Erbonkel in den USA ausgraben – äh ausfindig machen – dann reden wir weiter.

Kehren wir zu den Niederungen der normalen Leute zurück. Ein Feature unseres Urlaubes ist es, unseren Hochzeitstag mit einem leckeren Essen zu begehen. In Deutschland hatten wir das nicht mehr geschafft, und hier gibt es ein Restaurant, welches wir gut weiterempfehlen können: Sizzler Steakhaus. Aber die Kritiken bei Trip-Advisor waren nicht so richtig gut, also entschieden wir uns für die nächstbessere Wahl: Panda Express. Und ja, ich kann auch Essen fotografieren, nur poste ich es nicht sofort vor Ort.

Wir mussten noch unsere Gasflasche auffüllen. Im Internet hatten wir eine Tankstelle gefunden, wo so etwas angeblich ging. Nur füllten sie dort nicht auf, sondern tauschten für einen bescheidenen Betrag von 24.99 USD + Tax die Flasche aus. Merkwürdig? Im Laden fragte ich nach einem Fill-up und bekam die nächste Tankstelle genannt. Dort auch nur Tausch, allerdings für 19.99 + Tax. Die Dame dort nannte mir einen Laden in der 4th Street, der allerdings nicht aufzufinden war. OK, dann erstmal tanken. Das Navi hatte eine recht eigenwillige Interpretation der städtischen Grundrisse, woraufhin wir sehr viele nette Wohngebiete kennenlernten. Erst der Rückgriff auf Google Maps brachte uns dahin, wo wir wollten.

Ach ja, Sightseeing haben wir ja auch noch gemacht: Das Riordan Mansion House liegt in der Mitte von Flagstaff und ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was vor 100 Jahren schon alles möglich war.

Jetzt noch schnell zum Walmart, frische Lebensmittel einkaufen und dann den Abend faul ausklingen lassen.

Und auf dem Weg – oh Wunder – eine Station von U-Haul, der großen DIY-Umzugsfirma bietet auch Gas zum Nachfüllen an. Für 15,78 USD incl. Tax bekamen wir die Flasche wieder voll.

Kühlschrank ist auch voll, alles ist gut.

21.05.2017 – Flagstaff Seenplatte

Unsere Vermieterin hatte sich für den Vormittag angekündigt – ohne sich vorher groß festzulegen, wann es denn soweit wäre. So schlugen wir bis 11 Uhr die Zeit tot (man könnte es auch Erholung nennen, oder Chillen), hatten aber anschließend mit ihr ein sehr nettes Schwätzchen. Da der Tag sowieso schon halb rum war, beschlossen wir, die Seen um Flagstaff herum zu erkunden. In südöstlicher Richtung liegen an der Lake Mary Road derer viele. Zuerst passierten wir der Lower Mary Lake,

um nach links in die Berge abzubiegen zum Marshall Lake. Der war so idyllisch gelegen, mit Blick auf die San Francisco Mountains, dass wir kurzhand (wie so üblich) mit dem Pickup rückwärts an den “Strand” fuhren, unsere Stühle ausklappten und dort Mittagspause machten.

Noch bequemer als die Stühle ist allerdings die Ladefläche.

Weiter ging es am Mormon Lake vorbei.

Da wir nicht die gleiche Strecke zurückfahren wollten (für den Abend hatte sich Yvonne angekündigt), ging es direkt zur I17. Und auf dem Weg sahen wir das in der Gegend typische “Ranchland”. Ich gestehe, ich hatte mir in Arizona Rinderfarmen anders vorgestellt.

Am Straßenrand die ersten blühenden Kakteen.