14.11.2017 – Patagonia Lake State Park

Nein, wir sind nicht in Südamerika gelandet. Auch wenn der Titel so verheißungsvoll anfängt.

Wir fangen lieber beim Frühstück an. Rührei, Kartoffeln, Würstchen und Gravy mit Bisquits standen auf dem Speiseplan. Mutig, wie ich manchmal in bezug auf Speisen sein kann und experimentierfreudig, wie ein ausgebildeter Chemiker nur sein kann, versuchte ich mein Glück mal mit Bratkartoffeln und Gravy. Die Kartoffeln waren nicht mehr ganz so trocken und der Geschmack der Sauce wurde durch die Erdfrucht abgemildert. Es hätte schlimmer kommen können.

Nachdem wir gestern am Sabino-Canyon vorbeigekommen waren (bei Dunkelheit), wollten wir diesem mal einen Besuch bei Tageslicht abstatten. Von unserem Hotel aus ging es schnurstracks in Richtung Osten, durch nette Wohngebiete, immer die Felsen im Hintergrund.

Die Recreation Area konnten wir dank unseres Interagency Passes auch problemlos betreten und ein freundlicher Ranger erklärte uns, was wir alles unternehmen könnten. Z.B. den Canyon für 10 USD pro Person mit dem Shuttlebus durchfahren. Nur: Weil es in den letzten Wochen nicht geregnet hat, war dort alles trocken. Dafür war uns das Geld dann doch zuviel. Die Gegend hat noch mehr zu bieten.

Was noch auf unserer Liste stand, war der Patagonia Lake Statepark, einige zig Meilen südlich des Interstate 10. Die Stateroute 83 ist als landschaftlich schöne Strecke ausgezeichnet, weswegen ich hier auch ein Foto der Gegend zeige.

In der Nähe des Parks sehr viele sehr teure Häuser, immer elegant auf den Berg gesetzt. Ob die Nähe zu Mexico was damit zu tun hat? Wer hat soviel Geld und setzt sich dann in die Wüste solche Hütten hin?

Der Statepark selbst besteht aus einem schönen See, auf der einen Seite umgeben von vielen Stellplätzen für Wohnmobile, von denen so einige auch belegt waren. Die Temperatur hatte angenehme 28°C und wir machten an einem der Picnic-Plätze Mittagspause. Danach ein wenig am See entlangschlendern und Eindrücke einfangen.

Kurzer Blick nach unten: Nein, wir hatten unser Picnic schon beendet.

Um auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause zu kommen, war es nötig, erst noch 11 Meilen nach Süden zu fahren, nach Nogales, der Grenzstadt zu Mexico. Die Stadt selbst unterscheidet sich nicht von irgendeiner anderen amerikanischen Stadt, außer dass an manchen Stellen plötzlich der Grenzzaun zu sehen ist.

Wir schwangen uns auf den Interstate 19 Richtung Norden, um nach einigen Meilen im Tumacacori National Historic Park aufzuschlagen.

Auf dem Weg endlich mal das schöne Schild von Arizona mit dem kupfernen Stern in der Mitte.

In Tumacacori gab es eine alte, schöne Kirche und natürlich einiges an geschichtlichem Hintergrund einzupacken.

Unter anderem die Geschichte von einem Father Kino. Worauf mir dann einiges klar wurde: Immer wieder war der Name aufgetaucht, als Straßenname und auch sonstwo. Und ich hatte mir überlegt, ob nicht Cinema die korrekte Bezeichnung sei. Wieder was dazugelernt.

Vor der Mission fette Schmetterlinge, gar nicht so einfach zu fotografieren.

Jetzt aber auf die Straße, eine Grenzkontrolle passieren (die Jungs müssten uns doch langsam kennen) und dann in Richtung Sonora Desert Museum. Ich wollte an der Straße dort einen Turnout nutzen, um den Sonnenuntergang vor einem Kaktus zu fotografieren. Aber entweder waren die Turnouts an der falschen Stelle oder die Saguaros glänzten just dort durch Abwesenheit.

Also ab zu einer bewährten Stelle. Der kürzeste Weg nach Tucson führt über den Gates-Pass (nicht, wie die beste Kartenleserin noch heute steif und fest behauptet: Grants Pass. Scheint eine Aversion gegen Microsoft-Produkte zu sein). Und genau dort hatten wir schon einen schönen Sonnenuntergang erlebt. Und genau das taten wir jetzt wieder.

Von der Sonne angestrahlt die Berge mit den Saguaros.

Und wir gingen noch weiter: Wir warteten bis zur Dunkelheit, um die Milchstraße zu begrüßen. Leider waren in der Zwischenzeit leichte Schleierwolken rangezogen, die das Bildergebnis trübten.

Nicht gerade eine meiner Glanzleistungen in Sachen Milchstraßenfotografie. Es war auch zu hell in der Umgebung. Daher ab nach Hause. Auf dem Weg lief uns noch ein Panda-Express über den Weg, bestes chinesisches Fastfoot. Lecker. Das Orange-Chicken müsst ihr probieren.

Und: Kein Ross, kein Marshalls, kein TJ-Max. Auch ein finanzieller Erfolg…

Morgen früh geht es nach Phoenix.

13.11.2017 – San Catalina Mountains

Das Frühstück bestand heute morgen wieder aus Rührei, Würstchen, Kartoffeln und Fladen mit Gemüse. Gravy, die hätte ignorieren können, war nicht auf dem Plan.

In der Hotel-Lobby fiel uns noch dieses Coupon-Heft auf: Kostet zwar 22 USD, aber wenn man kostenpflichtige Attraktionen besuchen möchte, hat man das Geld schnell raus. Wir sind leider erst zu spät auf den Trichter gekommen.

Wo geht es heute hin? Wir wollten uns im Osten und Südosten von Tucson umsehen. Dort liegt das Pima Air Museum. Auf dem Weg kurz noch in einen Walmart reingehüpft und Salat und andere gesunde Sachen gekauft: Weintrauben, Bananen, M&Ms…

Die beiden Anzüge habe ich übrigens NICHT gekauft. Konnte mich nicht entscheiden, welcher mir bessser steht. Was meint Ihr?

Das Pima Air Museum beherbergt eine erkleckliche Anzahl von Fluggeräten, mehr oder weniger intakt, unter anderem eine B52, einen der bekanntesten Bomber.

Aber das Museum selbst war eigentlich nicht sooo interessant für uns, weswegen wir uns auch den Eintritt schenkten (kann man nutzbringender verwenden, wie ihr später noch sehen werdet). Direkt an das Museum anschließend liegt einer der größten (wenn nicht sogar der größte) Fluggeräteabstellplatz der USA.

Den Begriff habe ich deshalb so gewählt, weil die Nutzung zweigeteilt ist. In einem Teil stehen hunderte von Flugzeugen und Hubschraubern, die ihr Leben endgültig ausgehaucht haben und im Endeffekt nur darauf warten, zerlegt zu werden.

Im anderen Teil, sorgfältig eingepackt (allerdings nicht in Geschenkpapier, obwohl wir kurz vor Weinachten haben – die Begrüßerinnen im Walmart hatten schon Weihnachtsmützen auf, fürchterlich) standen ebenfalls hunderte von Flugzeugen aller Größenordnungen, in der trockenen Wüstenluft kaum der Korrosion ausgesetzt. Möglicherweise harren sie auf einen späteren Einsatz.


Wir konnten von außen am Zaun vorbeifahren.

Und da zahlte es sich mal wieder aus, mit einem Truck unterwegs zu sein. Einfach auf die Ladefläche steigen und schon sind die besten Fotos ohne störenden Zaun möglich.

Vom Flugzeugfriedhof bis zum östlichen Teil des Saguaro Nationalparks sind es nur wenige Meilen. Die freundliche Dame im Visitor Center überfiel uns mit Dutzenden von Vorschlägen für Wanderungen. Aber wir konnten uns ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Saguaros hier so viel anders aussehen als z.B. im Sonora Desert Museum oder im Organ Pipe NM. Deswegen heuchelten wir die notwendige Begeisterung – die Leute sind ja wirklich total nett und hilfsbereit, wenn man auch nur ein wenig Interesse zeigt und dann noch sagt, dass man vor 30 Jahren schonmal hier war und einem alles sooo bekannt vorkommt.

Jedenfalls drehten wir eine Runde auf der Mountain Loop

und gingen auch einen kleineren Trail.

Wieder nur ein paar Meilen weiter ging die Strasse zum Mt. Lemmon los. Zitronenberg, klingt viel versprechend. Wie wir später erfuhren, war der Berg nach dem Ehepaar Lemmon benannt, die dort botanische Studien betrieben hatten.

Auf dem Weg nach oben fiel uns auf, dass hier in den Bergen die Saguaros wesentlich dichter stehen als im Nationalpark. Vielleicht sollte man diesen mal erweitern.

Es ging in langsamen Kurven bergauf, den ersten größeren Halt machten wir am Molino Canyon.

Eine schöne Bergwelt erwartete uns, etwas, was wir absolut nicht erwartet hatten.

Wir schraubten uns höher bis zur Windy Ridge, wo es einen fantastischen Überblick über das Tal nach Tucson gab.

Höher ging es, wir passierten ein Schild mit der 8000 Fuß-Marke und es wurde merklich kühler. Unser Picnic nahm mein kleiner Frierpitter schon mit Jacke ein.

Hoch droben auf dem Berg (gleich unter den funkelnden Sternen – wenn sie denn am frühen Nachmittag schon zu sehen gewesen wären) liegt dann der aus Film, Funk und Fernsehen bekannte Wintersportort Summerhaven.

Obgleich er normalerweise mit St. Moritz und Aspen in einem Atemzug genannt wird, hat er nicht den Zulauf wie die beiden erstgenannten. Vielleicht liegt es daran, dass nur ein Schlepplift vorhanden ist oder das Wüstenklima doch nicht die notwendige Schneesicherheit garantiert, jedenfalls war heute dort nichts los. Aber immerhin (wir hatten ja zum Glück noch keinen Schnee) konnten wir noch zum Mt. Lemmon ganz nach oben fahren.

Höhe: 9157 Fuss = 2387 m laut dem GPS in meiner Kamera.
Von dort aus auch ein toller Blick ins Tal in alle Richtungen, die Sonne stand schon etwas tiefer.

In der Mitte auf dem Foto oberhalb des Textes übrigens das Biosphere 2, eine abgeschlossene „Landschaft“, in der das Überleben trainiert werden sollte. Karin wollte es unbedingt mal sehen. Hat sie jetzt.

Wenn wir jetzt einen schönen Platz für den Sonnenuntergang erwischen wollen, müssen wir uns sputen. Also die erlaubte Höchstgeschwindigkeit am Tempomat eingestellt – er hält diese auch beim bergab fahren, schaltet dann automatisch hoch, ich musste fast nicht bremsen – und wir landeten just in time wieder bei der Windy Ridge. Und ein solches Farbenspiel habe ich noch nicht gesehen. Wie sich die Sonne an den unterschiedlichsten Stellen den Weg durch die Wolken suchte, ich finde keine Worte, um das zu beschreiben.

Aber irgendwann war auch das vorbei und wir machten uns auf den Weg nach Hause. Da unsere Ankunft gegen 19 Uhr anvisiert war, stellte mich die beste Rossbändigerin von allen vor die Wahl: entweder in einem teuren Waschsalon zeitaufwändig ein paar T-Shirts waschen oder lieber kurz bei Ross ein paar neue rausfischen. Als ob ich eine Wahl gehabt hätte. Und so kommt es, dass ich in knapp 1,5 Stunden diesen Bericht auf dem Handy getippt habe. Ich bitte die Autorenkorrektur zu entschuldigen.

P.S. Der Waschsalon wäre doch billiger geworden.

12.11.2017 – Auf den Spuren von Wyatt Earp

O. k. heute war das Frühstück genauso wie gestern, sprich, es gab Rührei, Kartoffeln, Würstchen und Biquits mit Gravy. Logischerweise verzichtete ich auch heute auf Gravy, denn es schmeckte vermutlich immer noch, wie es aussah.

Wir hatten uns für heute einen Ausflug in die Vergangenheit vorgenommen und zwar in die Vergangenheit des wilden Westens. Was ist dort besser geeignet als Tombstone in Arizona?

Zuerst fährt man auf der Interstate 10 bis nach Benson und biegt dort nach Süden in Richtung Tombstone ab.

Bekannt geworden ist dieses Nest durch eine große Schießerei, dem sogenannten O. K. Coral shootout. Um die Touristen anzuziehen, wird dieses Event im stündlichen Abständen gegen Zahlung eines kleinen Unkostenbeitrages wiederholt. Wir waren vor vielen Jahren einmal dort gewesen und wunderten uns heute, wie weit sich das Nest verändert hatte. Die Hauptstraße war mittlerweile komplett für den PKW-Verkehr gesperrt, es verkehrten dort nur noch Kutschen mit Männern in merkwürdigen Verkleidungen.

Diese waren auch sonst über all in den Straßen zu treffen

und man fühlt sich wie in den wilden Westen versetzt. Absicht? Bestimmt. Wobei die Technik auch hier nicht stehengeblieben ist.

Wir schlenderten durch die Straßen über die geschichtsträchtigen Bürgersteige (die Holzwürmer in den Balken waren bestimmt noch nicht volljährig)

an den vielen Andenkenläden vorbei, warfen dann und wann auch einen vorsichtigen Blick hinein,

bis wir am historischen Gerichtsgebäude (Courthouse) ankamen. Dort wurde die Vergangenheit auf andere Weise touristisch ausgewertet, nämlich mit Fakten und Zahlen. Wir bekamen alte Fotos der damaligen Stars der Schießerei zu sehen, als da wären die Brüder Earp, bestehend aus Virgil, Morgan und natürlich Wyatt und der vierte im Kleeblatt war Doc Holiday.

Aber wir hatten auch einmal die Gelegenheit einen richtigen Gerichtssaal, wie man ihn nur aus dem Fernsehen kennt, zu besichtigen.

Daneben gab es logischerweise viele alte Relikte aus der damaligen Zeit. Als wir aus dem Gebäude raus kamen, begannen sie gerade in der Hauptstraße mal wieder eine Schießerei basierend auf einem Handgemenge nachzustellen.

Die Darsteller liefen logischerweise in den entsprechenden Kostümen herum, wobei ich der Meinung war, sie hätten sich schon mal die Stiefel putzen können. Als alle Hauptdarsteller tot am Boden lagen (Doc Holiday war gerade nicht da, um letzte Hilfe zu leisten),

marschierten wir weiter und stiegen in unser Auto, nicht in die Kutsche. Circa 20 Meilen südlich von Tombstone liegt das alte Bergbaunest Bisbee.

Auch dort war unser letzter Besuch viele, viele Jahre her und unsere Erinnerung war anscheinend auch hier etwas verblasst. Im Gegensatz zu Tombstone, welches komplett aus Holzhäusern (Ausnahme Courthouse) erbaut wurde, ist Bisbee zu großen Teilen mit Ziegelhäusern erbaut.

Während sich in der Schweiz  Banken und Uhrengeschäfte abwechseln, ist es hier etwas anders: Hier wechseln sich Galerien und Restaurants ab. Das ganze ist ein großes Künstlerdorf geworden

und erinnert sehr stark an Jerome. Auch hier hier spazierten wir gemütlich durch, fotografierten alles, was sehenswert war und fuhren wieder weiter. Bisbee ist ebenso wie Tombstone auf Minentätigkeit zurückzuführen und wir konnten nebenan direkt in einen großen ehemaligen Tagebau reinschauen.

Circa 100 m weiter fielen wir quasi über ein weiteres Dorf namens Lowell, welches offensichtlich in den fünfziger Jahren stehengeblieben ist, die Autos, die Tankstellen und alles andere erinnerten sehr stark daran.

Nächstes Ziel auf unserer Etappe war das Coronado National Memorial.

Eigentlich hatten wir hier eine Ausstellung voll mit Geschichte erwartet (Stichwort: Coronado, die sieben Städte von Cibola) , aber der Ranger, der sehr stark an einen Rasta-Man erinnerte mit seiner Frisur, meinte, es gebe auch andere interessante Sachen zu sehen. Auf einer kleinen Wanderung könnte man in eine Höhle hinein klettern und diese durchwandern. Da gab es natürlich bei uns kein Halten, denn die größte Höhlenforscherin von allen hatte sich auf so etwas schon lange gefreut. Wir bekamen zwar noch die Empfehlung, jeder zwei Stirnlampen mitzunehmen, aber diese schlugen wir in den Wind. Wir fanden, dass wir mit einer Fotostirnlampe und zwei Handy-Lampen bestens ausgerüstet sein. Circa 1/4 Meile vom Visitor-Center entfernt war dann auch der Parkplatz und wir begannen den Aufstieg

zum Eingang der Höhle, der circa 800 m weit entfernt war. Vor uns im letzten Tageslicht der Berg (vermutlich der Montezuma-Peak) in dessen Inneren sich die Höhle befinden sollte. Logisch, dass wir da ein wenig außer Atem waren.

Dann klettern wir ins Innere der Höhle hinein, zuerst noch mit Tageslicht, danach wurde es wirklich stockfinster. Da wir keine Lust hatten, unsere Handys zu verlieren bei der Kletterei über Stock und Stein, hauptsächlich Stein, begnügten wir uns mit der kleinen Stirnlampe, die ich normalerweise für Nachtfotografie auf dem Kopf habe. Klar, dass dann die Beleuchtung nicht gerade optimal ist. Wir tasteten uns mehr oder weniger im Halbdunkel bis zu drei viertel der Höhe durch und konnten auch schöne Stalagmiten und Stalaktiten fotografieren.

Danach war es uns dann aber auch genug, mit einer vernünftigen Lampe wären wir vielleicht noch weiter geklettert. Dann wieder ab aus der Höhle hinaus und zur nächsten Empfehlung des Rangers, dem Montezuma Pass. Die letzten Meilen den Berg hinauf fuhren wir über eine relativ schlechte Dirt-Road, und erreichten den Pass gerade noch zum Sonnenuntergang. Und wie ich schon gesagt habe, Sonnenuntergänge in Arizona können sich sehen lassen. So auch hier.

Die Felsen gegenüber wurden in ein wunderbares rotes Licht getaucht. Auf der Gegenseite des Passes konnte man bis nach Mexiko sehen.

Unter anderen konnte man den Zaun an der Grenze als dunklen Strich erkennen (schwarzer Strich vorne links im Bild).

Sonne ist untergegangen, wir fahren jetzt nach Hause. Eigentlich hätten wir die Straße auch weiterfahren können, aber das hätte uns sehr, sehr viel Zeit gekostet. Also drehten wir um und fuhren über Sierra Vista nach Norden. Auf dem Weg begegnete uns eine Tankstelle mit 2,249 USD/Gallone, ein sehr guter Preis, aber das war mir noch nicht genug, die nächste Tankstelle bot uns dann 2,229 USD pro Gallone an. Da schlug ich dann zu. Und ärgerte mich, dass an der nächsten Tankstelle der Sprit nur 2,209 USD pro Gallone kostete. Die Weiterfahrt nach Norden war nicht weiter aufregend, außer dass wir mal wieder in eine Grenzkontrolle kamen. Was mich dabei wundert, diese Grenzkontrollen sind soweit nördlich aufgestellt, da sind sämtliche illegalen Einwanderer schon längst im Land. Leicht hungrig fuhren wir in Tucson noch kurz bei einem Fast Food-Restaurant vorbei und beluden unserem Truck mit einem Burger für jeden. Endlich zu Hause.

10.11.2017 – Tucson – Chiricahua National Monument

Die Nacht war nicht wirklich erholsam. OK, nach drei Tassen Kaffee darf ich ein Durchschlafen auch nicht erwarten, aber meine „running nose“ wächst langsam zu einer echten Erkältung aus. Ich hatte noch die Hoffnung, es sei „nur“ Heuschnupfen, aber ein dicker Kopf zeugt von der anderen Vermutung.

Kurzer Zwischenstop am Frühstücksbuffet: Heute im Angebot: Tortillafladen mit Gemüsefüllung, Rührei, Kartoffeln und Schinken.

Daher heute keine großen Spaziergänge. Solange die Wegstrecke länger ist als das Auto, wird gefahren. Erstes Tagesziel die San Xavier del Bac Mission, die im Südwesten von Tucson abseits liegt. Sie hat auch den Beinamen „Weiße Taube der Wüste“. Wer möchte, kann sich nähere Informationen bei Wikipedia und auf der Seite der Missionskirche (oder sonstwo im Netz) holen.

Wir machten einen kleinen Rundgang

und dann ging es wieder auf die Straße. Ziel war das Chiricahua National Monument, ein Park, den wir vor einigen Jahrzehnten mal besucht hatten und wo wir die Erinnerung mit digitalen Fotos auffrischen wollten.

Karin war noch frisch und so verschlief ich die größte Strecke der 120 Meilen. In Wilcox biegt man von der I10 ab auf die 186 und fährt über Farmland

in die Berge.

Das Monument selbst sieht so aus, als wäre es eine Mischung aus Externsteinen, Bastei und vielleicht noch Bryce Canyon (nur nicht in rot). Die freundliche Rangerin empfahl uns, zuerst zum Massai Point (Ende der Straße) zu fahren, dort einen kleinen Rundgang zu machen und dann in den Echo-Canyon herunterzuwandern bis „The Grotto“.

Nachdem wir den kurzen Rundweg am Massai Point absolviert hatten (mit Fotos),

machten wir erstmal die längst fällige Mittagspause. Und in der Zeit verzogen sich dann auch die Schleierwolken, die mir kameratechnisch so gar nicht behagten.

Wir beschlossen, den Weg nach unten so lange zu gehen, wie wir Lust hatten, denn: Wer runter geht, muss auch wieder rauf. Und mit der Erkältung im Leib bitte keine richtig großen Klettertouren.

Auf dem Weg zu „The Grotto“ (eine wild durcheinandergewürfelte Ansammlung von dicken, fetten Steinen) bekommt man einen wesentlich besseren Einblick in die Gegend, als wenn man nur von oben reinschaut.

The Grotto selbst, zum Durchklettern interessant, aber ansonsten wenig aufregend, ist das eine oder andere Foto wert,

ließen wir dann liegen und kletterten noch ein wenig in den Canyon hinab. Irgendwann war aber auch das gut und wir begaben uns an den Aufstieg. Gut, dass wir auf dem Hinweg schon die meisten Fotos gemacht hatten.

Die Schatten wurden länger und tauchten die Felsen (unter anderem) in ein schönes Licht.

Oben überfiel uns beide eine heftige Müdigkeitsattacke und wir stellten die Rückenlehnen in Liegeposition für ein Nickerchen. Mich erfrischte dieses, wohingegen meine Göttergattin über Kopfschmerzen und Übelkeit klagte. Höhenkrankheit, ausgelöst durch Erkältung? Immerhin waren wir locker 2.000 Meter hoch.

Ich schwang mich hinter das Steuer (eine k… Karin wäre an der Stelle suboptimal gewesen) und wir machten uns auf den Weg nach Hause. Auf der Landstraße noch ein Sonnenuntergang, der sich sehen lassen konnte. Arizona steht (wenn es will) Hawaii in nichts nach.

Die Fahrt nach Hause verlief ziemlich einsilbig, weil meine Beifahrerin es vorzog, sich schlafender Weise in Schweigen zu hüllen.

Auf der Straße nach Wilcox verschlief meine Göttergattin neben dem Sonnenuntergang gleich 3 Sachen: Zwei Skunks, die (noch erkennbar und NICHT vor sich hinduftend) auf der Straße lagen und einen PKW, der auf der Gegenspur in die Balustrade eines Hauses reingerast war. Wie er das geschafft hat, ist mir rätselhaft.

Übrigens: Wer sagt, dass ein Auto mit 8 Zylindern und 5,7 Liter Hubraum viel Sprit fressen muss:

Um 7.15 Uhr waren wir dann auch wieder im Hotel und mittlerweile geht es ihr wieder besser. Keine Ahnung, was das war…

Hoffen wir mal, dass wir heute nacht Ruhe bekommen. Die kläffendenTaschenratten eines anderen Gastes lassen das Schlimmste befürchten…

06.11.2017 – San Diego

Suuuper. Um 2 Uhr hatte ich einen dringenden Termin in der Fliesenabteilung. Keine Chance, diesen abzulehnen. Und bis 5 Uhr schleppte sich die Zeit dann so langsam hin. Dann endlich Frühstück. Der Frühstücksraum war (für meinen Geschmack) ziemlich klein, aber das Frühstück war OK. Frisches Rührei, Egg-Roles und Würstchen an der Warm-Theke, alles andere mehr oder weniger Standard. Ach ja: Frische Blaubeeren hatte es im Angebot.

So, wo geht es heute hin? San Diego steht auf dem Plan. Die Stadt selbst ist natürlich zu groß, um ALLES an einem Tag zu erschlagen. Meer und Küste sollte schon dabei sein. Hochhäuser gibt es auch in anderen Städten (OK, Strände auch, aber jede Welle ist anders). Nach dem Frühstück erstmal die Rechnung bezahlen und eine zarte Beschwerde loslassen. Der Bürostuhl hat den Sitz in einem Winkel festgestellt, der in die Oberschenkel einschneidet und ein vernünftiges Arbeiten sehr schmerzhaft macht. Außerdem flackert die Leuchte am Schreibtisch und zischt ab und zu. Mal sehen, ob sich was machen lässt.

Das erste Ziel, was wir anfahren, hat mit Strand nur indirekt zu tun: Ich wollte mir ein paar Flip-Flops kaufen und wir gaben ins Navi die Adresse von Ross ein. Glücklicher Zufall (zum Teil für mich): Neben Ross gab es auch noch einen TJ-Max und eine Burlington Coat Factory. Bei TJ-Max passierte das Übliche: Keine Schuhe gefunden, aber wir marschierten mit einer Handtasche wieder raus.

Ross hatte gar nichts für mich und so zog ich die Ross-Bändigerin schnell aus dem Laden, bevor es wieder teuer wurde.

In der BCF wurde ich dann fündig: Slippers (so heißen die Dinger in den USA) von Nautica für 9,95 USD. Also gleich zwei Paar in den Einkaufswagen. Und die Göttergattin fand logischerweise die passenden Socken (natürlich für SICH) dazu.

Nun geht es auf zur Natur. Die La Jolla Shores waren das nächste Tagesziel.

Ein schöner großer Parkplatz direkt vor dem Strand, und dazu noch kostenlos, das fängt doch schonmal gut an. Die beste Wellensteherin hatte ihren Spaß und es dauerte nicht lange, bis die Hosenbeine Wasser gefangen hatten.

Die Strandpromenade erinnert schon ein wenig an Venice Beach, nur dass es hier kleiner und gemütlicher und längst nicht so überlaufen ist. Empfehlenswert.

Etwas südlich der Shores liegt das La Jolla Cove. Wir fuhren einen steilen Berg runter und parkten richtig schön am Hang. Als wir die Türen öffneten, stieg uns ein entsetzlicher Gestank in die Nase. Sind wir hier richtig? Ein Blick über die steilen Klippen offenbarte die Ursache: Eine riesige Pelikankolonie hatte die Felsen zum großen Abort erklärt.

Aber man durfte trotz allem zu Fuß runterlaufen. Die Vögel waren die Menschen offensichtlich gewohnt und ließen sich auch von Fotografen nicht stören. In diesem Moment war ich froh, den Telekonverter mitgenommen zu haben, denn er erweiterte mein 200er Tele auf ein 400er. Coool.

DAS Schild sollte man nicht allzu ernst nehmen.

Als wir den Gestank nicht mehr ertragen konnten (meine Göttergattin) bzw. ich genügend Fotos geschossen hatte, ging es an der Küste weiter, wo sich einige Seelöwen und Seehunde auf die faule Haut gelegt hatten.

Auch da musste meine Kamera wieder ran und ich bekam schon Angst um die Kapazität meines Chips.

Nachdem sich unsere Tierliebhaberin (die sind ja so süß) schweren Herzens verabschiedet hatte, war das Cabrillo National Monument das nächste Ziel. Auf einer Landspitze umgeben von Militärgelände gelegen, kann sich hier die Natur frei entfalten, ohne dass Menschen dazwischenfunken. Auf dem Weg dahin noch ein großer Friedhof, wo Opfer der Kriege als auch Veteranen zur letzten Ruhge gebettet worden waren.

Vom National Monument selbst gab es einen tollen Blick auf die Stadt incl. Skyline, Hafen und umgebende Vororte.

Wenn man von der Stadt genug gesehen hat, fährt man mit dem Wagen auf der anderen Seite der Landspitze hinunter ans Wasser und macht dort erstmal Picknick. Anschließend geht es auf einen kurzen Spaziergang zu den dortigen Tidepools.

Gut, die kannten wir von Oregon schon zur Genüge und vor allen Dingen: Wir kannten sie bei Sonnenschein. Ein Fotograf, den ich bei seiner Arbeit sprach, meinte, dass dieser Landzipfel immer von Wolken umgeben ist. Toll. OK, ein paar Fotos machte ich zu Beweiszwecken.

Nächstes Ziel war die Coronado Insel. Wie bei Inseln so üblich, erreicht man diese mit einem Landfahrzeug entweder per Fähre oder Brücke. In diesem Fall war das die höchste Brücke, die ich in meiner Erinnerung befahren hatte.

Und ich musste auch das Schild hinten an die Heckklappe hängen: My wife forces me to drive on the left lane. Logisch, dass ich bei den schrillen Panikschreien keine vernünftigen Fotos erwarten durfte. Und sie hatte auch was dagegen, dass ich vom Fahrersitz aus die Fotos machte. Warum nur? Immerhin gab es zur Wasserseite eine ca. 1 m hohe Brüstung…

Als wir die Brücke verließen, sahen wir rechter Hand einen schönen Beachpark, von wo aus wir (auch meine Göttergattin) ohne Gefahr für Leib und Leben fotografieren konnten. Auch geschafft.

Die beste Naviprogrammiererin wollte schon ins Navi das Coronado Hotel eingeben, als ich ihr sagte, dass sie schließlich ein zweibeiniges Navi neben sich sitzen hätte und dass wir gleich da wären. So war es auch.

Ein guter und kostenloser Parkplatz war auch schnell gefunden und so marschierten wir den Beachwalk entlang. Auf der rechten Seite der Strand, auf der linken Seite kleine Häuser,

die zum Hotel gehören und die man mieten kann. Abgesehen vom Preis (ich schätze, bei den Kursen hätten wir uns vielleicht eine Urlaubnacht gönnen können) wäre es nicht mein Ding, für sämtliche Spaziergänger auf dem Präsentierteller zu sitzen.

Am Strand war ein Sandburgenbauer unterwegs.

Aber nicht nur er. Eine Horde amerikanische Soldaten joggten fröhlich am Strand entlang.

Die Sonne strahlte noch so gerade eben am Cabrillo NM durch die Wolken.

Jetzt kam die schwierige Frage: Wo verleben wir den Sonnenuntergang? Da, wo wir waren, war nicht viel zu erwarten. Am LaJolla Cove könnte es besser sein. Wie lange brauchen wir dahin? Google-Bärbel (so meine Bezeichung für G-Maps) meinte 17 Minuten. Könnte klappen. 5-7 Minuten vor Sonnenuntergang müssten wir da sein. Und so war es auch. Zuerst machte ich ein paar Aufnahmen von Boardwalk.

Richtig gut wurde es aber erst, als ich die Tidepools in den Vordergrund nahm. Eine tolle Stimmung, ein toller Abend. Die Sonne legte einen Untergang hin, wie ich ihn lange nicht gesehen hatte. Ich wage sogar zu sagen, dass es der schönste Sonnenuntergang war, den ich heute gesehen habe. Anschließend setzten uns noch auf eine Bank und hörten den Seehunden bei ihrem fröhlichen Gebelle zu.

Sorry für die vielen Fotos. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche ich weglassen sollte.

Eigentlich sollte es noch ins Gaslamp-Quarter gehen, aber auf dem Weg stellten wir beide fest, dass die Batterien (also unsere) doch so langsam leer waren und kehrten kurzerhand zum Hotel zurück. Schließlich warteten ca. 500 Fotos darauf, auf den Rechner geladen und ausgewertet zu werden. Ich hatte wohl meinen Auslösefinger nicht so recht unter Kontrolle bei dem Versuch die Pelikane im Flug zu erwischen. Mal sehen, was der Autofokus der D800 daraus gemacht hat.