22.06.2018 – Fahrt von Kanab nach Las Vegas

Nun ist es soweit. Wir müssen unser gemütliches Heim in Kanab verlassen. Die roten Felsen, die wir an jedem Morgen beim Frühstück von unserem Frühstückstisch aus gesehen haben, werden uns fehlen. Ebenso diese fantastische Landschaft, diese in Stein gegossenen Kunstwerke in rot, gelb, weiß und anderen Farben.

Obwohl das Navi nach Hurricane die südliche Route vorschlägt, fahren wir auf der 89 nach Norden bis Mt. Carmel Junction, um dort auf die 9 in Richtung Zion Nationalpark abzubiegen.

Auf dem Weg dahin schon die Felsen im Morgenlicht.

Ein unbekannter Canyon lockt mit einem tollen Ausblick.

Der Zion Nationalpark sieht, wenn man von Osten kommt, total anders aus als aus der Gegenrichtung und ich muss zwischendurch immer wieder Stopps einlegen.

Dann kommen wir zum Tunnel und haben reichlich Zeit, uns umzuschauen, weil einige Busse und RVs nur in einer Richtung durch die Röhre passen. Man bekommt beim Fahren quasi einen Tunnelblick und freut sich, wenn man durch ein Fenster schauen kann.

Nachdem wir Springdale und Rockville hinter uns gelassen haben (die Straßen waren übrigens bis weit hinter Springdale am Rand zugeparkt und selbst bis Rockville gibt es „Groschengräber“).

Kurze Zeit später erreichen wir Hurricane, wo sich Yvonne vor kurzem nach einem einjährigen Aufenthalt in Hawaii niedergelassen hat. Wir „deponieren“ dort unsere Kühlkiste und Campingstühle, weil wir sie nicht mehr brauchen und nach ein wenig Smalltalk und dem Versprechen, demnächst wiederzukommen, geht es gemütlich nach Las Vegas. Wir haben uns wie schon im letzten letzten Jahr im Rose Parkway Best Western Hotel einquartiert. Dort gibt es schöne große Zimmer, vernünftige Preise und ein gutes Frühstück.

Der Weg dahin wird durch unser Navi etwas verkompliziert. Offensichtlich kennen auch die hiesigen „Bärbels“ sowas wie Verkehrsnachrichten. Jedenfalls ist die Interstate 15 dicht, weshalb wir einen kleinen Abstecher ins Nord-Las Vegas machen. Wieder auf dem Highway sehen wir, was wir in Kanab absolut nicht vermisst haben: Hochhäuser, Staus, 5-spurige Autobahnen und viel Verkehr. Selbst die imposanten Casino-Türme können darüber nicht hinwegtrösten.

Und in den Laden würde ich für kein Geld in der Welt einziehen.

Im Hotel angekommen gibt man uns ein Upgrade auf eine Suite, sehr gemütlich.

Aber bevor es ans Zocken, Spielen und auf den Strip geht, müssen wir noch ein paar Sachen erledigen. Für Karin hatten wir auf dem Hinweg bei „The Walking Company“ Einlagen für ihre Schuhe bestellt, die wir nur noch abholen mussten. Und da wir noch einen 20-Dollar Gutschein bei REI hatten, wollten wir auch den verprassen. Zu Beginn des Urlaubs waren wir einmal quer durch Las Vegas gefahren, um im nordöstlichen REI Schuhe zu erstehen.

Und jetzt stellten wir fest, dass quasi um die Straßenecke zur „Walking Company“ die Filiale von Henderson lag. Suuuper.

Wieder zurück, erstmal duschen, dann geht es auf die Piste.

Um 9 Uhr ging es wirklich los, wir konnten uns aufraffen. Und ein Urlaub, bei dem man in LV nächtigt, aber nicht wirklich auf dem Strip war, ist kein Urlaub.

Die Fahrt über den Highway ging noch recht zügig und unser Navi schlug uns zum Treasure Island einen Weg über den Interstate vor. Warum gerade dieses Casino? Laut Informationen meiner Göttergattin verlangen jetzt ALLE Casinos (hatte sie irgendwo gelesen) Parkgebühren. So ähnlich wie vor dem Zion Nationalpark. Ich konnte das nicht so recht glauben und befragte die allwissende Seite im Netz. Es mag noch mehr geben, aber diese bestätigte mir, dass die Lage noch nicht ganz so aussichtslos sei.

Wir hatten ziemlich großkotzig den Vorschlag mit dem Interstate in den Wind geschlagen, wenn es denn welchen gegeben hätte. Aber auch weil wir es genießen, im Auto den Strip runterzufahren (zumindest einmal), stellten wir uns zu vielen anderen in den üblichen Stau bei 102° Fahrenheit (knapp 39°C) um halb 10 Uhr abends.

Auf der linken Seite leuchtete das New York.

Ca. eine halbe Stunde später standen wir in der sechsten Etage des Parkhauses. Das war eine echte Zitterpartie, da wir ständig in der Furcht lebten, unser schöner Truck würde bei einem der Überhänge oben ankratzen. Aber alles ging gut. Stellplatz gemerkt (6f) und mit dem Aufzug nach unten.

Und dann begann das Drama: Wenn ihr jemanden dabei habt, der unter akuter oder auch permanenter Desorientierietis leidet, nehmt euch ein großes Wollknäuel (wahlweise auch eine Hundeleine mit Selbstaufroller) mit und bindet das andere Ende an den Menschen ohne eingebautes Navi fest. Ich weiß nicht, wieviele Apps meine Göttergattin bemühte (Find my Car, Find my Husband), um ihren Standort zu fixieren und dann noch den Weg zum nächsten Casinoziel einzugeben. Für mich war die Sache klar: An der nächsten Straßenecke rechts abbiegen und wir sind auf dem Strip.

Da gab es logischerweise zuerst das Treasure Island mit seinen Schiffen und der nicht mehr vorhandenen Show.

Von einer Brücke, die zum Venetian führt, mal eine Langzeitbelichtung auf den zuweilen doch fließenden Verkehr.

Dann mal das Venetian aus einer anderen Perspektive.

Auf dem Weg durch die Katakomben kamen wir an einer langen Schlange von Leuten vorbei: Herrlich aufgebrezelt und für den Abend fein gemacht. Wie die Ladies das mit ihren High Heels durchhalten, ist mir schleierhaft. Aber auch so machte es mir Freude, das ganze Volk zu beobachten, von normal über stylisch bis skurril, in LV ist alles erlaubt.

Wenn wir schon in Europa sind, schnell beim Eifelturm vorbei.

Auf der anderen Seite begannen im Bellagio die Wasserspiele, immer wieder sehenswert.

Vorbei an einigen anderen „namenlosen“ Impressionen, bis wir nach ca. 2 Kilometern beschlossen, wieder zurückzukehren.

Wir hatten eingedenk unserer Erfahrungen in der Wüste genügend Wasser eingepackt, so dass wir dort nicht zu leiden hatten.

Auf dem Rückweg noch vorbei am Glanz vergangener Tage: Das Cesars Palace hat schon bessere Tage erlebt, für die Wasserspiele und deren Beleuchtung fehlt wohl das Geld.

Das Auto zu finden war kein Problem und den Rückweg traten wir dann über den Interstate ein. Ging komischerweise bedeutend schneller.

Um 0.30 Uhr waren wir dann wieder im Hotel. Den südlichen Teil des Strip nehmen wir uns ein anderes Mal vor. Wenn wir dort eine kostenlose Parkmöglichkeit finden… Und unser Auto wiederfinden.

20.06.2018 – Dragon’s Belly

Ok, der Titel klingt reißerischer als es im Endeffekt war. Wir hatten den Vormittag mehr oder weniger vertrödelt (darf im Urlaub ja auch mal sein), um uns dann doch noch aufzuraffen und etwas aus der Gegend anzusehen.

Unser Führer aus dem Visitor Center hatte uns „Dragon’s Belly“ empfohlen, eine in den Fels geschlagene Röhre, die die 89 unterquert. Was natürlich für die beste Höhlenforscherin von allen DAS Highlight des Urlaubs zu werden versprach.

Wir namen nicht den direkten Weg, sondern fuhren eine Schleife über den Kanab Canyon, einfach nur, um die schöne Aussicht zu genießen und uns von dem Zittern abzulenken, falls uns mal wieder ein Reifen platzen würde.

Die „Sehenswürdigkeit“ findet man, indem man auf der 89 von Kanab kommend bis Mt. Carmel Junction fährt, bzw. bis 1/2 Meile davor und dann links in eine Dirt Road einbiegt. Nach ca. 0,25 Meilen steht man dann vor der Tunnelöffnung, in die man hinabklettern muss.

Dunkel ist es in der Mitte, am Ende des Tunnels ward es dann Licht. Die beste Höhlenforscherin von allen kam logischerweise mit festem Schuhwerk und Stirnlampe ausgerüstet in den Bauch des Drachen, während ich Unwissender einfach nur in Flip-Flops da durchmarschierte.

Wie ich es bis zum Ende des Tunnels derart schlecht ausgerüstet geschafft habe, ist mir im Nachhinein ein Rätsel. Das Licht am Ende der Röhre

legte den Blick auf die Felsen der anderen Straßenseite frei.

Welch Wunder. Blick und Foto zurück

und schon begann der beschwerliche Marsch zu unserem Ausgangspunkt. Gut, dass ich zumindest mein Stativ dabei hatte, um mich zuweilen abzustützen. Geschafft.

Auf dem Weg zurück machten wir noch einen kleinen Abstecher zu den Coral Pink Sanddunes, die im frühen Abendlicht auch von einer anderen Stelle nicht viel hermachten.

Also zurück ins Dorf.

Dort hatten wir von einem Reservoir gehört, welches zwar nett aussah, aber mehr für Kanuten und Angler geeignet war.

Jetzt noch den Wagen durch die Waschstraße schicken und er fühlt sich wieder wohl.

Der Abend ist auch da und wir lassen ihn in Ruhe ausklingen.

19.06.2018 – Coyote Butte South

Nachdem wir ein weiteres Mal erfolglos an der Lotterie um die „Wave“ teilgenommen hatten – zwei Versuche bleiben noch in diesem Urlaub – gönnten wir uns erstmal ein gemütliches Frühstück und überlegten, wie wir diesen Tag stressfrei angehen könnten. Für einen anderen Teil des GSENM, die Coyote Butte South (die Wave trägt auch den Namen Coyote Butte North) hatten wir immerhin online ein Permit bekommen. Und das wollten wir auch nicht verfallen lassen.

Am Morgen machten wir uns erstmal auf, um unsere Vorräte zu ergänzen. Da die Sonne so schön auf Kanab herabschien, hier eine gute Gelegenheit, das Dorf kurz vorzustellen.

Dank seiner Lage in direkter Nähe zu so vielen Naturschönheiten hatte es sich in der Vergangenheit als Schauplatz und Ausgangspunkt vieler Filme etabliert und auch den Namen „Utahs Little Hollywood“ zugelegt. Daran erinnert das Film-Museum. Solltet ihr mal reingehen. Und uns dann berichten, was es dort zu sehen gibt.

Wir hatten nicht die Zeit dazu. Aber auch an diversen Straßenecken zeugen aufgestellte Schilder davon, welche Stars sich bei Filmen hier ein Stelldichein gegeben haben. Hier nur ein Paar davon.

Aber auch sonst ist es eine gemütliche Kleinstadt mit dem üblichen Flair an Häusern,

Läden und natürlich auch einem Visitor Center.  Dieses betraten wir und wurden von einem echten „Westerner“ begrüßt. Cowboyhut, Weste, kariertes Hemd, das lässt das Touristenherz höher schlagen. Er konnte uns (schließlich lebte er seit ca. 50 Jahren in Kanab) auch noch ein paar Tipps geben, die abseits der Touristenrouten und bekannten Monumente liegen. Vielleicht schaffen wir es, davon welche anzufahren.

Mit gefülltem Einkaufskorb ging es nach Hause und da die Uhr die Mittagszeit anzeigte, schoben wir eine Pizza in den Ofen und genossen in unserem schönen Haus eine gute Mahlzeit.

Dann endlich ging es auf die Piste. Wie schon erwähnt, war das Ziel die Coyote Butte South (CBS). Dieser Bereich ist erreichbar über die 89 (38 Meilen, wie üblich) und dann auf der Houserock Valley Road nochmal 19.6 Meilen. Dort gibt es einen Trailhead „Lone Tree“ und von dort aus eine „Straße“ zum Access Point Paw Hole. Dies ist der absolut südlichste Teil von CBS. Den nördlicheren hätten man durch einen großen Umweg über eine sehr sandige Piste erreichen können. Und mit Sandpisten hatten wir schlechte Erfahrungen gemacht. Auch die Strecke von Lone Tree nach Paw Hole war von Rangern als „sandig“ deklariert worden.

Dagegen standen halt vier Kilometer durch den Sand bergauf zu stapfen. Die Mittagssonne war zwar weg, aber von angenehmer Kühle konnte man nicht reden. Also entschlossen wir uns zu einer Kombilösung: Wir fahren die Strecke, soweit wir kommen und laufen den Rest. Gesagt, getan. Zu Anfang ging es auch noch ganz gut. Ca. 0.8 Meilen machten unsere Straßenreifen auch noch gut mit. Dann aber kamen die sandigen Stellen, bei denen ich nicht riskieren wollte, steckenzubleiben. Also drehten wir an einer Stelle, wo es noch problemlos ging, um und stellten den Wagen am Straßenrand ab.

Jetzt nur noch den Berg rauf durch die Sandspuren der Autos, die es geschafft hatten. Bei unserer Wanderung zum Lower Calf Creek Falls hatte ich eine Liste von unangenehmen Eigenschaften für einen Wanderweg aufgestellt. Jetzt kann ich noch einen Negativpunkt hinzufügen: Fliegen, die einen umsurren, während man sich den Berg hinaufkämpft.

So langsam kamen die Tippies in Sicht

und nach 2,5 km (laut runtastic) standen wir vor dem Schild, dem Ziel unserer Träume, dem verheißenen Land, der Schönheit aller Schönheiten…

Aber damit war die Wanderung noch nicht zu Ende, nur der Weg.

Wir stapften dort durch die Botanik, wo wir andere Fußspuren sahen, umrundeten eine Felsformation nach der anderen, um dann schließlich festzustellen: Diese steilen Mauern kommen wir nicht rauf. Sowohl technisch als auch zeitlich nicht zu bewältigen.

Immerhin waren wir schon am Nachmittag angelangt und die Sonne versprach uns noch ca. 2-3 Stunden Tageslicht. Dafür eine Stunde für den Rückweg abziehen, also ab ins Gelände. Die Paw Hole Region wird nicht als das Highlight von CBS deklariert, ist im Abendlicht aber auch absolut sehenswert.

So manches Mal mussten wir uns den Weg um die Felsen herum und an den Felsen vorbei suchen. Dabei kamen auch einmal die Schuhe der besten Felsenkletterin von allen an ihre Grenzen (SIE hätte es noch geschafft, aber die Schuhe…)

Als wir sahen, dass wir nicht nach oben weiterkamen und auf der anderen Seite auch nur ein Abgrund wartete, machten wir uns so langsam auf den Heimweg. Das einzig gute daran war, dass es jetzt stetig bergab ging.

Allerdings spielte der Knöchel von Karin immer weniger mit. Während der Zwangspausen schaute ich mir die Flora in der näheren Umgebung an.

So waren wir froh, als wir dann endlich den Wagen erreichten und im Gegenlicht der untergehenden Sonne mit mehr oder weniger Überblick über die Sandpiste die Dirt Road wieder erreichten.

Eingedenk der schlechten Erfahrungen mit dieser Art von Straßen beschlossen wir, die 19.8 Meilen zur 89 nach Norden nicht noch einmal zu fahren und lieber die ca. 10 Meilen nach Süden zur 89A zu hoppeln. Dort waren wir auf dem Weg nach Kanab schon einmal vorbeigekommen (Condor Release Station). Kurz bevor wir die Hauptstraße – diesmal ohne Reifenpanne – erreichten, wurde der Himmel vor uns in ein herrliches Licht getaucht.

Auf der 89A in der Gegend von Jakob Lake war auf der Straße geschäftiges Treiben. Ich habe noch nie soviele Rehe und Hasen auf der Straße gesehen wie an diesem Abend. Hätte ich die alle auf die Stoßstange genommen, wir hätten eine hunderköpfige Partygesellschaft satt bekommen.

Kurz vor Fredonia gibt es noch den Le Fevre Overlook, der bei Tag ganz nett ist, aber fotografisch nicht sooo viel hergibt. An diesem Abend glühte der Himmel.

In Fredonia machten wir wieder einen Stop zum Tanken. Wir erinnern uns, hier kostet der Sprit „nur“ 3,309 USD/Ga im Gegensatz zu den wenigstens 3,369 USD/Ga in Kanab/Utah. Hinzu kommt noch, dass der Normaltreibstoff in Utah 85 Oktan hat, in Arizona 87, was sich geringfügig besser auf den Verbrauch auswirken sollte. Und die Tankstelle ist echt urig.

Zuhause angekommen bestaunten wir den Sternenhimmel und fuhren für ein paar Testfotos noch ans Ende unserer Straße. Die Milchstraße ging gerade hinter dem Berg auf, dieser war allerdings durch den Halbmond so hell erleuchtet, dass keine richtig schönen Bilder des „Milky Way“ herauskamen.

Trotzdem ein toller Tag.

 

18.06.2018 – Buckskin Gulch – Coral Pink Sanddunes

Ich höre schon die Kommentare: Schon wieder Buckskin Gulch? Da wart ihr doch erst gestern. Stimmt, aber das war das nördliche, weite Ende dieses Flusses, des Washes, den wir als Ausgangspunkt zu einem anderen Endpunkt für die gestrige Wanderung genommen hatten.

Aber fangen wir vorne an. Heute besucht uns mal wieder unsere liebe Freundin Yvonne. Das wächst sich langsam zu einer schönen Gewohnheit aus. Immer, wenn wir die USA besuchen, besuchen wir auch sie oder sie besucht uns. Um 8.30 Uhr stand sie vor unserer Tür und begleitete uns zu unserem üblichen Gang zu Lotterie, wo wir genauso üblich KEIN Glück hatten.

Danach erstmal gemütliches Frühstück und dann ging es los zur Houserock Valley Road. Diesmal ein wenig weiter als beim letzten Mal, bis zum Wire Pass Trailhead. Von dort aus beginnen zwei Wanderungen. Eine beginnt in den Bereich der Coyote Butte North (wofür wir bisher kein Permit ergattern konnten) und in den engen Teil des Canyons des Buckskin Gulch.

Der Weg beginnt wie so häufig wenig spektakulär, um dann schnell sehr eng zu werden. Besonderes Schmankerl: Der Abstieg zwei Meter tiefer, der sich nur mit Baumstämmen und Steinen bewerkstelligen ließ.

Je nach Tageszeit fällt das Licht total unterschiedlich in die enge Schlucht und bringt ein Farben- und Formenspiel hervor, von dem Fotografen nur träumen können.

An den Rändern getrockneter Schlamm, Zeitzeuge für die Wassermassen, die zuweilen durch diese enge Schlucht schießen.

Ich habe mich diesmal bemüht, so wenig wie möglich Hochkantfotos und dafür mehr im Querformat hochzuladen, da die erstere Perspektive in meinen Augen für den Betrachter auf die Dauer anstrengend sein kann. Zu Anfang aber doch noch ein paar davon.

Nachdem wir den ersten Teil durchlaufen hatten (es war auch angenehm kühl da drinnen), weitete sich das Tal zum Zusammenfluss des Paria River und des Buckskin. Nach rechts ging der Buckskin weiter, an den Wänden gesäumt von Rockart (ich nenne es immer noch Indian Graffitti).

Auch dort turmhohe Wände,

bis uns ein entgegenkommender Wanderer mitteilte, dass in ein paar hundert Metern ein Schlammloch läge, ca. 3 Meter lang und ca. 50cm tief.

Bis dahin kann man ja noch gehen und dann weiter entscheiden. Dort angekommen, stellte sich dann heraus, dass das Kind nicht nur in jedem Manne, sondern auch in manchen Frauen steckt:

Unsere Sachen, speziell unsere Schuhe, wollten wir in dieser zähflüssigen, übelriechenden Masse nicht unbedingt einfärben, so dass wir umkehrten und in den Canyon des Paria River einbogen. Dieser war nicht ganz so spektakulär, bot aber an einer Stelle die Möglichkeit einer schönen Mittagspause im Schatten.

Auf dem Rückweg immer wieder faszinierende Details, wie z.B. das einzelne Pflänzchen, was um sein Überleben kämpft oder der einzelne Stein, der von der Parkverwaltung dekorativ in eine Höhlung gelegt wurde?

Oder der Jumbo-Rock, den sogar ich auf den ersten Blick als Skulptur eines Rüsselsäugers identifizieren konnte.

Gewaltig türmen sich auch die Felsen auf dem Rückweg auf, das Farbenspiel ist dank der weitergewanderten Sonne ein total anderes. Eigentlich müsste man noch einmal alle Fotos wiederholen (und hier posten), aber das erspare ich Euch diesmal. Es gibt nur einige wenige.

Dann ging es aus dem Canyon wieder raus. Jetzt noch 2 Kilometer bis zum Auto. Mein runtastic meinte zum Schluss, wir wären ca. 9,5 km gelaufen, Yvonnes App meinte, es wären 9.7 Meilen gewesen. Da mein Telefonspielzeug ab und zu die Witterung – den Satelliten – verloren hatte, traue ich der Meilenangabe mehr. Macht sich auch besser…

Zurück zu unserer Hütte, wo wir ein leichtes Abendessen zu uns nahmen, um dann in die Coral Pink Sanddunes weiterzufahren.

Diese liegen ca. 17 Meilen von Kanab entfernt. Auch zu diesen hatten wir sehr viel früher schon einmal Kontakt. Mit dem Wohnmobil und den Kindern hatten wir in dieser Gegend übernachtet. Damals schickten wir die Kids dick angezogen auf die zum Teil mit Schnee bedeckten Dünen.

Vom Schnee war nicht viel zu sehen, dafür angenehme Temperaturen und eine tief stehende Sonne.

Vom Aussichtspunkt aus präsentierten sich die Dünen ziemlich flach und unattraktiv.

Dafür hatten wir knapp eine Meile vorher einen Einblick in das Tal gewonnen, wo schöne lange Schatten zu sehen gewesen waren. Also fuhren wir mit unseren beiden Autos zurück, um von dort aus in die Dünen zu wandern. Das war ein Fehler, wie wir später feststellten.

Bei unserem „Spaziergang“ durch den tiefen Sand – etwas, was wir eigentlich zu vermeiden suchen – fielen uns immer wieder die herrlichen Blumen auf, die einen so wunderbaren Vordergrund und farblichen Kontrast zu restlichen Umgebung bieten. Und irgendwelche dieser vielen Pflanzen (ob es diese gelben waren, weiß ich nicht) warfen Samenkapseln ab. Und damit ihr mal seht, welche Mühen der Fotograf dieses Blogs auf sich nimmt für gute Fotos, hier ein Making of und das Resultat:

Endlich hatten wir den „Endpunkt“ unserer Wanderung erreicht und stellten fest, dass wir gar nicht so weit von der Aussichtsplattform entfernt waren. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir versuchen, die I… mit den Dune Buggies so weit wie möglich aus unseren Gedanken und den Bildern zu verbannen und genossen die Zeit, bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden war.

In der Zwischenzeit hatte ich mich als treusorgender Ehemann auf den beschwerlichen Weg zur Aussichtsplattform gemacht, um von dort aus die 0.7 Meilen auf der Straße zu unseren Autos zu laufen – in Wander-Flip-Flops – und unseren Wagen zu holen, damit die beiden Grazien nicht den ganzen Weg zurücklaufen mussten. Ist das Gentleman-like?

An Yvonnes Wagen tränenreicher Abschied und das Versprechen, dass wir uns am Freitag bei ihr zuhause in Kanab auf dem Rückweg nach Las Vegas wiedersehen.

16.06.2018 – Lick Wash – Willis Creek

Für heute hatten wir uns einen besonders schönen Plan ausgedacht: Nach dem „Nieten-Ziehen“ in der Lotterie wollten wir zum Buckskin Gulch, einer sehr schönen landschaftlichen Gegend im GSENM. Hierzu fährt man von Kanab aus auf der 89 Richtung Page, um dann auf die House Rock Valley Road nach Süden abzubiegen.

Wir waren schon einige Meilen aus Kanab heraus, als wir feststellten, dass sich im Süden dicke Wolken zusammenballten, wogegen der Himmel nördlich der 89 noch deutlich viele blaue Flecken aufwies.

Also Wenden auf der Fahrbahn in einem Zug, den alten Plan umwerfen und einen neuen machen. Es gibt nördlich die Johnson Canyon Road, die auch in interessante Gebiete führt. Erstmal 16 Meilen auf Asphalt, dann noch mal 16 Meilen gute Dirt Road und schon landet man am Lick Wash, einem „Slot-Canyon“. Auf dem Weg liegt noch eine alte Movie Location, von der aber jetzt nicht mehr viel übrig geblieben ist.

Abgesehen vielleicht von den Cowboys, die wie in alten Tagen ihre Rinder zu Pferde durch die Gegend treiben.

Weiter geht es durch den Canyon,

bis man vor dem Eingang des nächsten Canyons steht, diesmal etwas enger. Wir marschierten einmal durch, neben den hohen Felswänden beeindruckten auch die großen Schmetterlinge, die sich hier sehr wohl fühlten.

Die Felswände sind zum Teil schön abgeschliffen, es geht auch durch eine „Narrows“ durch.

 

Danach schwangen wir uns wieder in den Sattel bzw. Autositz (auch Leder) und beschlossen, noch ein paar Meilen weiter zum Willis Creek zu hoppeln.

Unterwegs hat man einen schönen Blick auf den Bryce Canyon von unten.

Schon beim letzten Mal hatten wir auf dieser Straße die Bull Valley Gorge passiert, die über 100 m nach unten geht und deren Brücke ein abgestürztes Auto als Fundament hat.

Auch den Willis Creek hatten wir schon einmal besucht, damals allerdings etwas unter Zeitdruck, aber nicht, ohne einen bleibenden Eindruck mitgenommen zu haben.

Los geht es. Wir erfuhren von zurückkehrenden Wanderern, dass es sich insgesamt um 5 Canyons handele, wobei der letzte der schönste sei. Wäre natürlich leichter gewesen, damit anzufangen, aber so war es auch in Ordnung.

Man läuft zu großen Teilen entlang des Bachbettes, in dem noch Wasser fließt. Aber durch geschickt platzierte Steine kann man normalerweise (wenn man sich nicht zu dumm anstellt) trockenen Fußes durch den gesamten Canyon spazieren.

Und wir sahen, was wir damals alles verpasst hatten.

Senkrechte Felswände, Arches, merkwürdige Figuren, Himmel am Ende des „Tunnels“.

Und dann weitete sich das Tal, der Spaziergang war für uns zu Ende.

Auf dem Weg zurück (der Himmel hatte sich langsam auch bei uns zugezogen) noch ein paar Eindrücke aus der anderen Richtung.

Wunderschön.

Wie kommen wir jetzt wieder zurück? Damals waren wir vom Bryce Canyon hierhin gefahren, hätten also auch darüber wieder zurückfahren können. Dann aber vom Bryce Canyon aus eine große Schleife nach Kanab drehen müssen.

So entschieden wir uns, die kürzere Route zu nehmen, den Weg zurückzufahren, den wir gekommen waren. Vielleicht war das ein Fehler, denn plötzlich zischte es laut und vernehmlich aus einem unserer Reifen. Der dritte Platten in diesem Urlaub. Langsam sollte ich mir beim Reifenservice mal eine Zehnerkarte nehmen.

Geübt, wie wir waren, wechselten wir rasch den Reifen (ja, das kann echt schnell gehen) und hofften, dass der Ersatzreifen nicht das gleiche Schicksal erleidet wie sein Vorgänger.

In Kanab angekommen steuerten wir direkt den Napa Autoservice an, der bis 16 Uhr geöffnet hatte. Als wir um 17.20 Uhr dort aufschlugen, war ein freundlicher Mitarbeiter gerade noch zugange (vielen Dank an Nick), der uns den Reifen tauschte. Flicken ging nicht. Während der Zeit hingen wir gleichzeitig in der Warteschleife bei Hertz, um die 241 USD genehmigt zu bekommen. Ich fürchte, die diskutieren jetzt schon, was mit diesem Mieter los ist.

Nick erklärte uns auch ganz freundlich, dass die Reifen, die wir drauf haben, nur für die Straße geeignet seien. Im Prinzip untauglich fürs Gelände. Aber da er einen solchen nicht vorrätig hatte, packte er uns einen wesentlich „aggressiveren“ Reifen drauf. Super, jetzt brauchen wir nur noch drei davon, dann sind wir fit für die Sandpiste.

Auf den Schreck im Supermarkt ein Törtchen mit Creamchease und dann ab nach Hause, den Schreck verarbeiten.