19.05.2024 – Von Redding nach Novato

Heute haben wir einen langen Fahrtag vor uns. Mit wenig Aufregung. Da müssen wir – damit wir überhaupt was zu berichten haben – vorsorgen.

Wir fahren deshalb noch einmal zur Sundial Bridge. Vom gestrigen Parkplatzchaos ist nichts mehr zu merken, alles ist extrem sauber, alles geht gesittet vor sich.

Wir schnappen uns einen der Parkplätze, die wir gestern schon belegen wollten und gehen die paar Schritte zur Brücke.

Elegant spannt sie sich über den Sacramento River und jung und alt erfreuen sich an dem Anblick der Brücke, am schönen Wetter und dem Fluß, der gemächlich fließend unter uns hergluckert.

Die Brücke ist Teil des Turtle Bay Exploration Parks, dem Naherholungsgebiet nicht nur für die Reddinger.

Wikipedia sagt dazu:

Die Sundial Bridge ist eine freitragende Schrägseilbrücke in der kalifornischen Stadt Redding. Sie überspannt in einer Länge von 213 Metern den Sacramento River und verbindet die beiderseits des Flusses gelegenen Teile des Turtle Bay Exploration Parks. Architekt der Brücke ist der Spanier Santiago Calatrava.

Wir schlendern wie alle anderen gemütlich hinüber und sehen am linken Ende einen riesigen Drachen.

Der gehörte – soweit ich mich erinnere – beim letzten Mal nicht zur Brückenkonstruktion.

Er ist ein Teil einer Ausstellung “Glowing Wild”, die auf auf unsere Fauna und Flora aufmerksam machen soll. Ähnlich wie z.B. das Parkleuchten in der Gruga gibt es hier hunderte von Exponaten, aus Draht und Stoff konstruiert und mit ich weiß nicht wie vielen Leuchtkörpern versehen.

Wir können jetzt, bei Tageslicht, einfach so durch diese wunderbare Ausstellung flanieren.

Aber nicht nur künstliche Tiere beglücken uns im Riesenformat. An einem gut Baum, der aussah wie ein Flieder (war aber keiner) schlugen sich die Schmetterlinge um die Blüten.

An der Akelei hatten die Tierchen kein Interesse. Vielleicht zu groß? In Karins Garten werden sie jedenfalls gut angenommen.

Ein bisschen Spaß muss sein. Hier ein Fotoframe von einer glücklichen Besucherin, die neben einem Otter posiert. Sieht der Otter nicht glücklich aus?

Ich hingegen hatte meine Probleme, mir das Riesenviech vom Hals zu halten. Jetzt weiß ich ungefähr, wie sich Crocodile Dundee gefühlt haben muss.

Auf dem Rückweg an einem Seerosenteich trafen wir noch auf eine allerliebste Libelle, welch ein Glück, dass ich meine dicke Berta nicht im Auto gelassen hatte.

Die Blumen halten zum Glück still und ich muss kein langes Tele bemühen.

Dann ein Blick zurück, die Schlange, die sich um den ganzen Weg windet. Hatte wohl schon gefrühstückt und an uns keine Interesse.

Wir spazieren noch zum Amphitheater, welches mit einem Fisheye eine minimalistische und ungewöhnliche Perspektive auf einen Teilaspekt der Brücke erlaubt.

Dann geht es zurück, die Brücke ist gerade mal ziemlich leer und meine Göttergattin bietet einen süßen Vordergrund zu diesem architektonisch besonderen Bauwerk.

Nun müssen wir nur noch bei Costco einmal volltanken (4,19 USD/Ga) und es geht auf die langweilige Strecke in Richtung San Francisco.

Etwas nördlich davon hat uns Karin für zwei Nächte das Novato Oaks Inn als Übernachtungsmöglichkeit besorgt.

Die erste Nacht haben wir sogar kostenlos erhalten im Rahmen einer Werbeaktion. Und das Hotelzimmer ist das luxuriöseste und beste, was wir während des gesamten Urlaubes hatten.

Deshalb ausnahmsweise unsere Hütte in größerer Ausführlichkeit als sonst üblich.

Nachdem wir eingecheckt und es uns gemütlich gemacht haben, geht es erstmal an die Reparatur von Karins Handy. Beim Anschluss an ein Ladekabel meckerte es dauernd, dass wohl Wasser in den Anschluss gedrungen sein. Das war mit Sicherheit nicht der Fall. Auspusten mit meinem Kamerapüsterich brachte leider keinen Erfolg, aber mit den guten Zahnzwischenraumbürsten von DM konnten wir eine halbe Tonne Dreck entfernen und das gute Stück ließ sich wieder laden. Puh, Glück gehabt.

So jetzt relaxen wir ein wenig und fahren gleich nochmal los zur Nordseite der Golden Gate Brücke. Im Abendlicht und bei Dunkelheit fotografieren.

Auf dem Weg liegt zum Glück mal wieder ein Panda Express. Mit der Tüte mit leckeren Gerichten hinten drin fahren wir in den Park. Vor uns viele Autos. Hoffentlich bekommen wir da einen Parkplatz. Aber diesmal haben wir Glück. Nur 100 Meter vor dem Aufgang gibt es eine Lücke, in die ich mich mit meinem Dicken reinquetschen kann.

Wir ziehen uns schön dick an (selbst ich mit langer Hose, Sweatshirt und Jeansjacke) und wandern zum Aussichtspunkt wie viele andere. Im Licht der untergehenden Sonne

verzehren wir bei dem tollen Ausblick unser Futter.

Nebel zieht in die Bucht hinein und taucht San Francisco wie in Watte gepackt.

Schön. Richtung mehr ist der blaue Himmel immer mehr einem zarten Dunst oder Nebel gewichen und macht einen malerischen Übergang.

Bis es richtig dunkel wird, dauert es bestimmt noch eine halbe Stunde. Wir maschieren zum Auto zurück und legen ein Hörbuch ein. Die Brücke haben wir zumindest mit der Spitze immer im Blick, um zu sehen, wann die Beleuchtung eingeschaltet wird.

Schließlich ist es dunkel genug und wir machen uns erneut auf den Weg zum Aussichtspunkt. Die Menschenmassen haben sich deutlich gelichtet und es gibt keine Probleme, die Brücke mit normaler Beleuchtung abzulichten.

Jetzt aber schnell nach Hause, der Abend ist schon ganz schön fortgeschritten. Gute Nacht.

 

18.05.2024 – Von Ashland nach Redding

Ashland, wir müssen scheiden. Nach anfänglichen Vorbehalten meiner Göttergattin bezüglich des Hotels haben wir uns trotz des weit entfernt liegenden Parkplatzes mit der Unterkunft ausgesöhnt. Auch die Tatsache, dass es in dem Deluxe-Zimmer keinen extra Schreibtisch gab, konnte ich überwinden. Wahrscheinlich hatte im Mittelalter keiner einen Laptop auf Reisen dabei. Auch meine Bedenken, dass das Netz nur auf Sparflamme laufen könnte, bestätigten sich nicht.

Dafür ist Ashland ein süßes Nest, mit dem ich mich im Gegensatz zu Bend direkt angefreundet habe. Sehr viel Grün, sehr viele Blumen, sehr viel alter Hausbestand in einem sehr gepflegten Zustand.

Da macht Durchfahren einfach Freude und entspannt. Wir fuhren noch am Lithia Park vorbei, ein 40 ha großer Park, sehr gepflegt. Die Leute alle ziemlich entspannt und freundlich, grüßen beim Vorbeigehen.

Eine schöne “Innenstadt”, wir fahren ganz gemütlich durch, bis wir uns auf die

99 setzen, die uns direkt auf den Interstate 5 leitet. Dort geht es ca. 60 Meilen nach Süden, dort liegt unser erster Wasserfall, der Hedge Creek Wasserfall.

Auf dem Weg dahin leuchtet im Osten der Mt Shasta, ein möglicherweise noch aktiver Vulkan mit einer Höhe von 4.322 Metern. Schön strahlt seine schneebedeckte Krone.

Dort angekommen haben wir ca. eine halbe Meile zu laufen, also ruht man sich im kunstvoll geschnitzten Sessel eines Baumes erstmal aus, bevor es den anstrengenden Weg nach unten geht.

Dies gelingt uns zum Glück problemlos und der Wasserfall ist wie einige andere, die wir kennengerlernt haben, “begehbar”.

Und das Wasser ist nass, sehr zur Verwunderung meiner Göttergattin. Sie hätte es nicht geglaubt, hätte sie es nicht selbst versucht.

Danach folgen wir den verlockenden Schildern, die auf die Historic Oldtown von Dunsmuir hinweisen.

Aber das interessanteste ist schließlich der alte Eisenbahnwaggon, auch nicht schlecht.

Wir setzen uns wieder auf den Interstate 5, allerdings Richtung Norden, denn dort biegt nach Osten die 89 ab, welche eine große Schleife nach Süden dreht, um dann wieder auf den Insterstate zu stoßen.

Hier liegen gleich ein paar Wasserfälle, die wir bisher noch nicht erkundet haben.

Wir fangen an mit den McCloud Falls an. Mich erinnert der Name immer an einen Film mit Dennis Weaver: Ein Sheriff in New York (der den Name McCloud trug).

Aber die Wasserfälle haben mit Sicherheit nichts damit zu tun. Es gibt derer drei: Den Lower, den Middel und – wer hätte das gedacht – den Upper Fall.

Wir fangen mit ersterem an und sind schon recht angetan.

Man könnte theoretisch jetzt etwas über sechs Meilen am Fluss entlang bis zu den beiden anderen Wasserfällen laufen. Aber dann hätten wir ein paar Probleme: 1. Wenn die Wegstrecke länger ist als das Auto, wird gefahren. 2. wer hätte uns dann wieder zum Auto zurückgebracht? Zurücklaufen hätte einfach zeitlich nicht gepasst.

Also setze ich mich wieder hinters Steuer und wir fahren gemütlich zum nächsten Viewpoint.

Also ehrlich, so richtig viel macht er von oben nicht her. Aber wir sehen unten Menschen, viele Menschen. Es scheint also einen Weg nach unten zu geben. Wir machen uns auf selbigen und stehen nach einiger Zeit vor dem schönsten Wasserfall, den wir auf unserer Reise gesehen haben. Hier möchte ich bleiben.

Schäumend stürzt sich das Wasser in einer breiten Kaskade in die Tiefe.

Wir müssen leider weiter. Die Upper Falls warten auf uns und noch andere Ziele.

Die Upper Falls sind ebenfalls imposant, aber sie lassen sich leider nicht so darstellen, wie sie es verdient hätten, weil es keine “offiziellen” Wege nach unten gibt. Und quer durchs Gebüsch hatte ich auch keine Lust.

Schließlich sind wir zurück am Auto und machen uns auf den Weg zu den McArthur-Burney Falls (viele Schotten in dieser Gegend unterwegs gewesen).

Dies ist der berühmteste Wasserfall auf dieser Schleife und wir dürfen auch 9 USD Eintritt (mit Seniorenrabatt) als Parkeintritt blechen.

Leider ist der Weg, der zum Fuß der Falls führt, wegen Bauarbeiten geschlossen, weshalb wir nur einen Blick von oben auf ihn werfen können. Irgendwann kommen wir wieder und holen das nach.

 

Dann gibt es erstmal nur noch ein Ziel: Unser Hotel in Redding. Das haben wir deshalb gewählt, weil wir den Abend an einem besonders schönen Punkt verbringen wollen: An der Sundial Bridge.

Soweit zumindest der Plan. Für das Abendessen war schnell gesorgt: Ein Panda Express liegt auf dem Weg. Mit duftend gutem Essen auf der Rückbank suchen wir uns den Weg zum Parkplatz am Fluss, von wo aus wir bequem zur Brücke laufen können, bzw. könnten.

Aber schon dabei werden uns Steine in den Weg gelegt: Straße gesperrt wegen eines temporären Events. Wir tasten uns doch durch und stellen fest, dass in den angrenzenden Rodeo Grounds offensichtlich das große Pfingstturnier stattfindet. Parkplätze? Seit Tagen ausgebucht. So geht es nicht. Was tun? Ein kurzer Blick auf Google Maps offeriert, dass sich am anderen Flussufer ein Park befindet, der als Anlaufpunkt geeignet wäre.

Wir fahren also hin und genießen unser chinesisches Abendessen auf einer Bank mit Überblick über Redding. Die Sundial Bridge ist mit ihrer Spitze gerade noch zu sehen.

Aber um die Brücke zu erreichen, hätten wir fast noch eine Meile den Berg runter laufen müssen. Und logischerweise anschließend wieder rauf. Danach stand uns nicht der Sinn.

Aus diesem Grund gibt es zwei Fotos von der Brücke von einem früheren Urlaub, eines noch bei Tageslicht,

und eines bei Dunkelheit.

Vielleicht schaffen wir es morgen früh auf dem weiteren Weg noch einmal zum richtigen Parkplatz.

17.05.2024 – Von Bend nach Ashland – Crater Lake National Park

Jetzt geht es in den warmen und sonnigen Süden. Obwohl es sich absolut nicht so anfühlt. Gerade mal 11°C  zeigt das Thermometer, als wir am Morgen unseren Wagen beladen. Aber das macht nichts. Beim groben ersten Packvorgang kommen wir ins Schwitzen, weil wir feststellen, dass wir mit unseren Koffern bei weitem nicht hinkommen. Selbst der “kleine” Handgepäckkoffer kann nicht das aufnehmen, was sich auf wundersame Weise zu unseren Sachen dazugesellt hat. Aber wir haben ja noch einen vollen Tag in Oregon, d.h. einkaufen ohne Mehrwertsteuer.

Eigentlich wollen wir in Bend noch bei Costco vorbei, Verpflegung für den Tag mitnehmen und den Tank noch einmal füllen. Aber dieser Costco hat keine Tankstelle. Ist aber auch nicht ganz so schlimm, direkt vor unserem Hotel bietet eine Tankstelle den Sprit für 3,859 USD/Ga an. Das ist nun wirklich der niedrigste Preis auf dieser Reise. Da Costco erst um 10 Uhr öffnet, setzen wir uns auf den Highway 97, der fast schnurgerade nach Süden führt. Karin zockelt mit den erlaubten 65 mph entlang und da die Landschaft bis auf wenige Ausnahmen nicht zum Fotografieren einlädt, gönne ich mir ein Nickerchen.

Wir passieren den Crater Lake zuerst östlich, um dann von Süden aus den South Entrance anzufahren.

Als wir uns südlich des Parks befinden, sehen wir am Straßenrand eine Hinweistafel.

An dieser Stelle befinden wir uns auf Höhe des Seegrundes, welcher mit 592 Metern der tiefste See der USA ist. Der See selbst ist die Caldera des Mt. Mazama, der seine Spitze vor ca. 7.700 Jahren verlor. Der See ist auch einer der klarsten in den USA und wird ausschließlich von Regen- und Schmelzwasser gespeist.

Auf dem Weg nach oben (an den Kraterrand) kommen wir noch am Annies Canyon vorbei. Den hätten wir vermutlich länger erkundet, hätten wir etwas mehr Zeit gehabt. Schließlich dauert die Fahrt von Bend zum Rand des Kraters schon fast 3 Stunden.

Wir kommen höher und neben und vor uns wachsen die Schneeberge.

Ich erinnere mich noch an unsere Hochzeitsreise vor 33 Jahren, als wir mit einem Ford Probe hier unterwegs waren. Es war noch weniger zugänglich und um den See überhaupt sehen zu können, hatte man an großes Loch in die Schneewand geschlagen.

Heute ging es wesentlich zivilisierter zu. Die Schneemenge ist noch immer beachtlich, schließlich schneit es hier im Jahr 13 Meter.

Und so sieht unser Dicker relativ mickrig aus gegenüber dem Hintergrund. Vielleicht sollten wir demnächst doch besser einen F250 oder F350 mieten.

Von unserem Parkplatz aus kann man bequem durch den Schnee stapfen (ich tausche sogar meine Flipflops gegen Merrels) und steht dann vor einem überwältigenden Anblick.

Natürlich ist man nicht alleine, aber das gibt mir die Chance, jemand anderem die Nikon in die Hand zu drücken in der Hoffnung, dass ein einigermaßen brauchbares Foto dabei rauskommt.

Einigermaßen trifft es.

Da nach der langen Fahrt die Blasen gut gefüllt sind, sehen wir uns nach einem stillen Örtchen um. Die Türen sind schnell gefunden und ich erwarte eine Location á la Dixieklo. Aber weit gefehlt. Wie man auf dem Foto sehen kann, ist das nur der Eingang zu einem Tunnel, welcher dann zu den regulären Örtchen im Sommer führt. Raffiniert. Ob man in Deutschland auf eine solche Idee gekommen wäre?

Aber nicht nur diese Behausung ist hoch mit Schnee bedeckt. Das Visitor-Center schaut erst ab Stockwerk 2 hinaus.

Und die Jugend freut sich, dass sie endlich mal vom Dach aus “Schlitten fahren” kann.

Aber diese Schneemengen sind schon imposant. Und auch der Grund dafür, dass der 33 Meilen lange Weg um den Krater, der Rim Drive, erst so langsam wieder vom Schnee befreit und danach geöffnet wird.

Auf dem Weg zur Lodge begegnen wir noch einem Auto der besonderen Art. Der Typ wird wohl kaum Anhalter mitnehmen, höchstens auf der Ladefläche.

Die Lodge selbst ist urgemütlich. Man kann dort auch dinieren. Preise? Der Umgebung angepasst. Das teuerste Gericht lag bei gerade mal 48 USD.

Aber durchschlendern und in den Polstern fläzen dürfte man sich umsonst.

Und von vorne sieht der Bau auch solide und Vertrauen erweckend aus.

Wir gönnen uns ein paar Sekunden auf der “Sonnenterrasse”. Länger geht nicht, ich habe nur ein Hemd und kurze Hosen an.

Es geht zurück durch “Schneetunnel”, bis wir in wärmeren Gefilden den Park verlassen.

Ja, Schnee hat es hier wirklich reichlich.

Nach Ashland sind es noch 1,5 Stunden und wir müssen ja auch noch einkaufen.

Die Fahrt führt zum großen Teilen entlang des Rogue River entlang, welcher schließlich in Gold Beach in den Ozean mündet, wo wir ihn schon begrüßen durften.

Der Fluss ist einer der wildesten Amerikas und wird heute gerne für das Whitewater Rafting benutzt. In früheren Zeiten stand er auch im Mittelpunkt von Goldfunden, aber heute zieht man hauptsächlich Lachse aus dem Fluss.

Wir gönnten uns einen kurzen Stop an einer der Stromschnellen, wo das Wasser in eine “Chasm”, eine Schlucht, eine Spalte, mit ungeheurer Wucht einströmt, um dann später wieder ruhig fließend seinen Weg zum Meer fortzusetzen.

Irgendwann kamen wir dann am Interstate 5 auf der Höhe von Medford an. Wir müssen noch einen Koffer kaufen und bei Costco auftanken. Können wir alles ja in Ashland machen.

Ashland liegt ungefähr 15 Meilen südlich von Medford und beheimatet das Shakespeare Festival. Wohl auch einer der Gründe, warum unser Hotel den Namen “The Bard’s Inn”, der Barde hatte. Am Morgen hatten wir noch angerufen und versucht, unser Flohzimmer (sorry, man nennt es Pet-Friendly) upgraden zu lassen. Dies gelang uns auch.

Leider sind die Parkplätze hier so rar gesät, dass ich mit dem Dicken schon ganz schön kurbeln musste, um mich in eine Lücke reinzuquetschen.

Ach ja, es gibt hier weder Ross, noch TJ-Max noch Costco. Also wieder auf die Straße, wo wir sowohl einen Koffer fanden wie auch alles andere erledigen konnten.

Als wir dann wieder im Hotel aufschlugen, war der Parkplatz so wie alle anderen natürlich belegt und wir stellten uns (für unsere Verhältnisse) weit entfernt auf der Straße hin. Kein Wunder, dass unser Schrittzähler trotz der vielen Fahrerei einen oberen vierstelligen Wert aufwies.

16.05.2024 – Smith Rock State Park

Guten Morgen Bend. So wie die Sonne hinter den Bergen untergegangen ist,

so scheint sie heute morgen von Osten auf die Sisters.

 

Einfach nur schön. Was unternehmen wir heute? Das Wetter scheint ja – traut man dem obigen Foto – mitzuspielen. Wir fahren in den Smith Rock State Park. Dieser liegt ca. 20 Meilen nördlich von Bend. In der ansonsten nicht langweiligen Landschaft bietet er ein echtes Highlight. In mehreren Kehren zieht sich der Crooked River durch eine wahnsinnige Felsenlandschaft, die in der Umgebung ihresgleichen sucht. Logischerweise gibt es dort sehr viele Wanderwege und auf dem Weg dorthin lud sich die beste Routenführerin von Alltrails alle möglichen Trails von leicht bis moderat, die uns wegen unseres Alters, unserer Schönheit und unserer Kondition zugestanden hätten.

Wir fanden ganz in der Nähe des Traileinstiegs einen Parkplatz, zahlten die 5 USD für einen Tagespass (der für die Dauer dieses Tages auch noch für andere Parks gelten würde) und wurden bei der Trailberatung vorstellig. Zwei ältere Herrschaften – also in unserem Alter, oder doch noch ein bisschen mehr – berieten uns. Die von uns heruntergeladenen Wege wären zwar leicht zu gehen, aber wie sagt man so schön im amerikanischen, nicht unbedingt rewarding. Also gingen wir in uns und entschieden uns nach langem Nachdenken für den als “difficult” ausgezeichneten Misery Ridge Trail. Der Name ist Programm. Wie leidensfähig sind wir?

Der Trail geht zuerst vom Parkplatz aus runter zum Flussufer. Die Strecke müssen wir auf jeden Fall wieder rauf. Dann geht es direkt in steilen Kehren in die Berge. Die Manager am Besucherzentrum hatten nicht zuviel versprochen. Das “difficult” bezog sich nicht auf technische Schwierigkeiten, sondern auf die Höhe, die wir zu überwinden hatten. Immer wieder sind Pausen erforderlich. Aber das ist auch gut so. So können wir einer heraufrasenden Schulklasse elegant Platz machen. Wäre ja ein Unding, die 13-15 jährigen Kids beim Vergeuden von Energie auszubremsen.

Endlich sind wir oben. Ich spanne das Sauerstoffzelt auf und wir lassen gefühlt jeder zwei Gallonen Flüssigkeit in uns reinlaufen.

Kurz vor dem Abstieg erwartet uns noch eine Belohnung (einer der Hauptgründe, warum meine Göttergattin dem Trail zugestimmt hat):

Wir sehen einen Felsen namens Monkey Face.

Ich gestehe, meine Vorstellungskraft scheint auf dem Weg nach oben irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein. Vielleicht funktioniert das Gehirn in der dünnen Luft (ca. 1066 Meter über N.N.) nicht mehr so gut. Jedenfalls haben wir uns den Abstieg verdient.

Da werde auch ich belohnt. Vor uns schlängelt sich über den Weg eine Baby Rattlesnake, eine Klapperschlange. Normalerweise sind ja bei männlichen Schlangen die Rasseln blau und bei weiblichen rot, aber hier hatte sich das Jungtier noch nicht für ein Geschlecht entschieden.

Wir ließen sie ihres Weges ziehen und setzten unseren Weg fort.

Linker Hand immer wieder Kletterer in den Felsen. Ob die nicht wissen, dass es Wanderwege gibt? Vor allem: Zu den Kletterpunkten führen ausgebaute Stufen. Können die Bergsteiger so schlecht klettern, dass die das brauchen? Wir Wanderer bekamen diesen Service nicht geboten.

Dann ein Blick zurück und dann erkannte ich es auch: Das Monkey Face.

Aber schließlich sind wir auch fast 200 Meter tiefer. Muss doch an der Höhe liegen.

Munter wälzt sich der Crooked River durch das Tal und die restlichen ca. 3 Kilometer ziehen sich und ziehen sich.

Da hilft es auch nur wenig, wenn man ein Schwätzchen mit einem der Lehrer anfängt, der uns mit der Schulklasse mal wieder überholt. So schnell waren die wohl auch nicht.

Endlich erreichen wir die Brücke am Fluss, überqueren ihn und schleppen uns die paar zig Meter wieder den Berg hoch.

Geschafft. Am Auto angekommen, auch wieder Wasser einlaufen lassen. Ein Gang in die Keramikabteilung ist nicht so nötig, das habe ich alles verdunsten lassen.

Wir haben wieder ca. 5,8 Kilometer und 270 Höhenmeter (so die Daten von Alltrails für den Misery Ridge und River Trail) unter schwersten Bedingungen zurückgelegt und besonders meine Göttergattin ist stolz, das geschafft zu haben. Ich auf sie auch.

Es ist noch zu früh, um ins Hotel zurückzufahren, also geben wir “The Cove Palisades State Park” ins Navi ein. Tolle Fotos von einer Schlucht haben wir gesehen. Von oben sieht es dann auch sehr schön aus.

Als wir dann im Tal ankommen, sehen wir, dass es sich um ein normales Wassersportgebiet mit einer hübschen Brücke am Ende handelt.

Wir drehen um und vernichten in einer der schattigen Picnic Areas ein paar Snacks.

Auf dem Weg nach Hause liegt noch eine Sehenswürdigkeit: Der Peter Skene Ogden State Scenic Viewpoint. Ihr wisst nicht, wer Peter Skene Ogden war? Es gibt sogar eine Wikipedia-Seite auf deutsch über ihn. Er war ein kanadischer Trapper, der die nordwestlichen Staaten der USA bis hinunter nach Kalifornien erkundet hat.

Interessanter als seine Geschichte ist für uns allerdings der Ausblick, den man zum Einen zur Fußgängerbrücke,

und von dieser in die Schlucht des Crooked River hat.

Es geht zurück durch die Nebenstraßen von Terrebone und Redmond, die Sonne steht langsam etwas tiefer und die schneebedeckten Sisters glänzen im Sprühregen der Bewässerungsanlagen.

Gestern hatten wir im Hotel noch festgestellt, dass es im Ort einen Panda-Express gibt.

Den mussten wir einfach heimsuchen. Orange Chicken und Bejing Beef als Beilage, ein Genuß.

Aber wir haben noch gar nichts von Bend gesehen. Deshalb suchen wir uns den Whitewater Park raus und kutschieren durch diese mittlerweile unheimlich groß gewordene Stadt dorthin.

Irgendwie schaffe ich es nicht, mit Bend warm zu werden. Zu groß, zu viel Verkehr, der “Old Mill District” ist (zumindest, was wir gesehen haben) komplett neu aufgebaut, sehr viele moderne und neue Häuser. Es ist mit Sicherheit ein lebenswertes Städchen, zum einen wegen des sehr häufigen Sonnenscheins, zum anderen, weil Freizeitaktivitäten in allen vier Himmelsrichtungen angeboten werden.

Machen wir noch einen Abstecher zum Walmart und dann dürfen wir heute ein wenig früher im Hotel sein.

15.05.2024 – Von Portland nach Bend

Auch diese Nacht war wieder ruhig, nach dem Frühstück sahen wir ein Flugzeug direkt über uns hinweg fliegen, von denen wir im Zimmer nichts gehört hatten. Anscheinend können die Amis Schallisolierung.

Heute geht es nach Bend in Oregon. Gestern hatten wir noch vollgetankt, also ab auf die Piste. Wir setzen uns wie gestern auf den I84, lassen aber diesmal den Umweg über den Historic Highway 30 aus und verlassen die Autobahn erst an einer Ausfahrt am Bonneville Dam.

Eine riesige Staudammanlage mit zwei großen Wasserkraftwerken und einer angeschlossenen Fish Hatchery.

Wir ließen einen Mitarbeiter des Civil Corps of Engineers erzählen und als er hörte, dass wir aus Deutschland kämen, wurde er richtig zutraulich. Sein Nachname war Brautigam, kein Amerikaner wüsste etwas mit dem Namen anzufangen geschweige denn, wie man in ausspricht.

Er teilte uns mit, dass wir um 11 Uhr ins Turbinenhaus eingelassen werden könnten, also machten wir uns gemütlich auf den Weg. Fotografierten die Stautore, die zur Zeit gerade geöffnet waren. Warum, erklärte er uns auch: Um Fische flussabwärts passieren zu lassen. Wenn man sie durch die Turbinen lassen würde, würden dabei zuviele sterben.

Es geht an den Fischtreppen vorbei, später besichtigen wir sie von “innen”. Übrigens wurden diese schon vor Errichtung der Staustufe und der Kraftwerksblöcke errichtet. Da hat mal jemand vorrausschauend an die Natur gedacht.

Die Turbinen sind schon ganz schön imposant und wir bekommen auch einiges zur Technik im speziellen, aber auch zur Stromversorgung im allgemeinen erzählt. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass in Idaho das einzige Geothermalkraftwerk der USA steht? Ich war jedenfalls gebührend erstaunt.

 

Zurück im Visitor Center begeben wir uns noch an die Fish Viewing Area.

Normalerweise ist nicht allzuviel los, obwohl die Mitarbeitenden anscheinend Buch über jeden einzelnen Fisch führen.

Ich hatte das Glück, dass gerade, als ich die Kamera hochhob, einer sehr nah an der Scheibe vorbeischwamm und mich dumm anglotzte. Das kann ich auch. Also glotzte ich genauso dumm zurück und beleidigt schwamm er von dannen.

Dann wurden wir noch darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf einem der Stahltürme ein Nest eines Fischadlers befand, welches sogar bewohnt wurde. Wir fanden gleich zwei Nester, aber selbst nach einigem Warten bequemten sich die Eltern nicht, ihre Nachzöglinge mit Futter zu versorgen.

Was solls, fahren wir zu Fish Hatchery. Auf dem Weg dorthin soll es noch ein Nest geben, vielleicht haben wir dort mehr Glück.

Hatten wir. Karin fand den Pfosten, auf dem Elter Osprey hockte und sich auch zu einem Foto herabließ. Und begab sich dann zum Nest, um den Nachwuchs vor neugierigen Stalkern wie mir zu schützen.

In der Fish Hatchery selbst wie dort üblich große, überdachte Becken (die wissen schon, was Fischadler fressen). Und es gibt dort noch eine Besonderheit: Es gibt dort ein Stör-Habitat, welches man auch direkt auf Augenhöhe und von oben beobachten kann. Star der Einrichtung ist Herman, ein ca. 3 Meter langer Stör, der in dem Becken gemütlich und gar nicht verstört seine Kreise zieht.

Logischerweise gibt es auch die Regenbogenforellen, Rainbow Trouts, die sich zu hunderten im Wasser tummeln.

Jetzt geht es weiter nach Cascade Locks. Diesem Nest haben wir bisher wenig Beachtung geschenkt, warum auch? Am Ufer liegt ein Schaufelraddampfer, der Columbia Gorge Sternwheeler.

Auf der anderen Seite eine kostenpflichtige Brücke, die “Bridge of the Gods”.

Da wir weder Dampfer fahren noch nach Washington wollten, setzten wir uns wieder auf die Autobahn bis zur Ausfahrt von Hood River. Dieses Nest fand ich früher sehr gemütlich, so dass wir dort sogar mal eine Woche in einem Ferienhaus verbrachten. Heute vergraulte mir eine riesige Baustelle und lauter “Groschengräber – so hießen früher die Parkuhren” etwas die Laune, so dass nach dem Motto “Heute habe ich kein Foto für Dich” einfach durchfuhren. Abgesehen davon steht uns noch einiges bevor.

Es geht in die Berge. Vor uns liegt majestätisch und schneebedeckt der Mount Hood. Im Vordergrund Obstplantagen, die Temperatur beträgt locker 25°C.

Und als wir in den Rückspiegel blicken, ein weiterer Ex-Vulkan auf der Reihe, der Mount Adams.

Wir kommen näher an den Mt Hood heran, er liegt quasi direkt rechts neben uns, wenn wir unsere Wanderung beginnen.

Diese führt uns zu den Tamanawas Falls. Und hier beginnt eine Reihe von Irreführungen. Auf einer Karte am Trailhead steht: 1,1 Meilen. Das sind hin und zurück ca. 3,5 km und lässt sich ganz gut bewerkstelligen. Ich schalte meine Running App ein und los gehts.

Schneefelder blinken, der wilde Bergbach verschönt uns den Weg. Dann, nach ca. einem Kilometer ein Wegweiser mit der Info: noch 1,5 Meilen zum Wasserfall. So hatten wir nicht gewettet.

Aber jetzt umkehren? Kommt auch nicht in Frage. Wir treffen verschiedentlich rückkehrende Wanderer. Die einen sagen: jetzt noch 40 Minuten. Ein anderer berichtet von einem “Landslide”, dahinter um der Ecke liegt der Fall dann.

Es gibt viele Erdrutsche auf der Strecke und nach jedem freue ich mich leider vergeblich, denn wir sind noch immer nicht da.

Endlich, ein Riesen Geröllfeld, das muss es sein.

Wir kämpfen uns durch und dann, ein bis zwei Kehren weiter, stehen wir endlich vor dem wunderschönen Wasserfall.

Ich lege die Kamera so gut es geht auf meine Kameratasche und lasse den Selbstauslöser die restliche Arbeit machen. Noch ein bisschen das Bild gerade richten und beschneiden. Fertig.

Ach ja. Als wir da waren, zeigte meine App 2,62 Kilometer an.

Zurück war es dann eigenartigerweise genauso lang, nach 5,34 km waren wir wieder am Auto.

Wir düsen los, denn bis Bend sind es immer noch fast zwei Stunden. Wir haben uns bei dieser Wanderung ordentlich verschätzt. Nur gut, dass wir am Morgen schon im Hotel angerufen und um ein Zimmerupgrade gebeten hatten.

Noch ein letzter Blick auf den Mount Hood und es geht in Richtung Indianer Reservat Warm Springs. Eine tolle Landschaft tut sich auf.

In Madras laufen wir einer Tankstelle über den Weg, die uns den Sprit für 3,959 USD/Ga verkauft. Billigster Sprit auf der Reise bisher.

Zum Schluss begleitet und noch die Bergkette “Three Sisters”, welche wir dann auch im Abendlicht von unserem upgegradeten Zimmer sehen können.

Ein sehr schönes Hotel und auch Hotelzimmer. Mal wieder.