4. Reisetag – Wandern in der Sächsischen Schweiz

Gestern hatten wir hauptsächlich das Auto bemüht, heute wollten wir die Wanderschuhe abnutzen. Im Elbsandsteingebirge ist die Bastei die bekannteste Anhäufung von Felsbrocken, die relativ kommod auch für Bustouristen mit wenig Aufwand zu erreichen sind.

Aber wir wollten mittenrein ins Abenteuer. Auf der Webseite

https://www.saechsische-schweiz.de/

gibt es Dutzende von Wanderungen, die man nach Abenteuer oder Länge durchsuchen kann. Wir entschieden uns für für die Rundwanderung Bielatal, Länge ca. 4 km mit interessanten Steigen und Klettereien durch die Felsen.

Die Anfahrt zum Parkplatz Schweizermühle dauerte eine knappe Stunde durch eine wunderschöne Landschaft. So einsam, wie die Fahrt war, dachte ich, wir würden auf dem Pfad keiner Menschenseele begegnen. Weit gefehlt, die Zivilisation hatte hier schon kräftig hingespuckt in Form eines gebührenpflichtigen Parkplatzes. Dieser liegt direkt gegenüber einer steilen Felswand, ein gutes Zeichen.

Wir hatten uns eine Wegbeschreibung als PDF-Datei runtergeladen, diese aber nicht ausgedruckt, weil der hoteleigene Computer mit Drucker gerade keine Verbindung zum Internet hatte. Aber die freundliche Dame an der Rezeption erklärte sich bereit, uns die paar Blätter auszudrucken. Was ich nicht wusste: Es brauchte zur Übermittlung der Mail an das Postfach des Hotels geschlagene 15 Minuten trotz des sehr schnellen Wlans in den Zimmern.

Nach der Beschreibung konnten wir uns gut orientieren und fanden den Einstieg auch direkt. Über den feuchten Waldboden ging es bergauf und bergab, Orientierung wurde (zu Anfang) durch quadratische Steelen, anschließend, als ihnen die Steine ausgingen, nur noch durch einen gelben Punkt an den Bäumen geboten.

Immer wieder stiegen die Felsen steil in die Höhe, manchmal gab es enge Durchlässe

und irgendwann standen wir dann (wie auch zwei Dutzend anderer Wanderer) vor den Herkulessäulen.

Hier hatte sich die Felsenklettererelite versammelt und versuchte sich am Aufstieg. Warum klettern sie die Felsen hoch? Weil sie da sind. Einleuchtend.

Irgendwann hatten wir dann den Parkplatz Ottomühle erreicht und gingen auf der anderen Seite der Straße zurück, bis wir auf einem Pfad in den Wald eindringen konnten.

Was ich noch nie in der Vielfalt, wenn überhaupt gesehen hatte, das waren unzählige Fliegenpilze in allen möglichen Ausprägungen und Formen.

Hier war der Weg nicht ganz so spektakulär, bis wir auf der Johanniswacht einen guten Überblick über das Tal bekamen. Das war klettertechnisch noch leicht zu bewältigen.

Interessanter wurde es dann am Sachsenfelsen. Ich möchte es mal so beschreiben: Rucksackträger mit Klaustrophobie und Höhenangst hätten extrem schlechte Karten. Da ich nur mit ersterem Problem geschlagen war, versuchte ich mich trotzdem und gelangte auch (nach Ablage der Kameratasche) bis auf die Spitze. Es war wirklich absolut eng und die Kamera war schon einige Male im Weg. Meine großen Füße übrigens auch.

Der Anblick von oben glich dem von der Johanniswacht. Genau genommen klettert man also nur wegen des Nervenkitzels nach oben. Meine Göttergattin zog es auf der obersten Stufe der ersten Leiter vor, lieber den Waldboden zu bewachen.

Eine merkwürdige Ansicht herrscht hier bezüglich der Definition von Bauarbeiten vor. Aber das Schild sagt es eindeutig aus:

 

Zurück am Parkplatz drehten wir noch eine kleine Schleife auf den gegenüberliegenden Felsen, um uns dann in Richtung Bad Schandau auf den Weg zu machen.

Hier deckten wir uns bei Penny mit ein paar Lebensmitteln und Getränken ein. Ich hatte die Vorstellung, dass sich Bad Schandau mit einem der vielen Dörfer am Rhein vergleichen ließe. Aber das stimmt nur sehr entfernt.

Also langsam zurück. Am Aussichtspunkt Ziegenrücken einen Blick über das Land geworfen.

Dann beim Blauen Wunder in Loschwitz eine kurze Pause eingelegt und überlegt, was man noch mitnehmen könnte.

Der Zwinger fiel meiner Göttergattin ein. So gerade noch rechtzeitig, um ihn im Licht der untergehenden Sonne abzuspazieren.

Jetzt ab nach Hause, der Tag war superschön, aber auch anstrengend. Werde wohl gut schlafen.

 

3. Reisetag – Vogtland

Was tun, wenn die Wetter-App namens Fenster alles andere als Sonnenschein verheißt? Man schaut auf dem allwissenden Handy nach, was a) within a days drive und b) auch noch mit Sonnenschein gesegnet ist.

Aber fangen wir mit dem Frühstück an. Dieses fand heute im Frühstücksraum des Best Western Hotels statt. Obwohl die Einmalhandschuhe nicht optimal platziert waren, gab es wie im Marriot eine reichhaltige Auswahl, so dass wir gut gesättigt in den Tag starten konnten.

Auf unserem Plan stand sowieso die Göltzschtalbrücke, ein imposantes Bauwerk aus genau 26.021.000 Ziegeln (habs natürlich gleich nachgezählt).

Diese mehretagige Brücke überbrückt für die Eisenbahn das Göltzschtal. Ein kleiner Park macht das Ganze sehr gut begehbar und das bei strahlendem Sonnenschein.

Gerade wenn man darunter steht, wird einem bewusst, wie mächtig dieses in nur fünf Jahren errichtete Bauwerk mit seinen 78 Metern Höhe und 574 Metern Spannweite ist.

Weiter geht es nach Mylau. Hier stehen teilweise schöne Häuser, die in ihrer Ziegelbauweise an alte amerikanische Minenstädte erinnern.

Auch ein Schloss steht zur Verfügung. Der Hauptzugang befand sich gerade in Reparatur, aber durch unauffälliges Umrunden konnten wir doch noch in den Burghof eindringen.

Hier sind die Restaurationsarbeiten stellenweise fortgeschritten, zum Teil besteht noch Handlungsbedarf.

Nächtes Ziel, was wir auf der ADAC-Karte identifiziert hatten, war die Stadt Greiz.

Auf dem Weg dahin ein kurzer Abstecher zum Schloss Netzschkau, ein Foto ist es wert.

Greiz war für uns die Überraschung überhaupt. Wir konnten auf einem Parkplatz am Flussufer den Wagen abstellen, 1 Euro für 3 Stunden. Das sollte reichen, um uns die Hacken plattzulaufen.

Die Altstadt schmiegt sich an den Fluss an mit insgesamt drei Schlössern. Das untere Schloss liegt direkt in der schönen Altstadt und beherbergt unter anderem die Tourist Information, wo wir alles für einen Rundgang nötige erhielten.

Es ging durch die Altstadt und dann suchten wir uns den Weg zum oberen Schloss.

War ein bisschen verzwickter, aber meine Göttergattin ist ja glücklicherweise mit einem Mann mit eingebautem Navi verheiratet.

Oben angekommen konnte man feststellen, dass das Schloss im Endeffekt wie eine Kleinstadt aufgebaut ist (was es wahrscheinlich früher mal war). Von Einheitlichkeit der Bauweise und bzgl. des Restaurierungszustandes keine Spur.

Aber man hat einen fantastischen Blick über Greiz.

Wir stiegen auf der anderen Seite des Berges wieder hinab, um in den Greizer Park mit dem Sommerpalais zu gelangen.

Von dort aus ging es wieder am Fluss zurück zum Parkplatz. Mir persönlich hat die Stadt sehr gut gefallen.

Etwas Zeit war noch über, wir waren offensichtlich noch lange nicht ausgelastet.

An der Göltzschtalbrücke an der Imbissbude hatte uns die freundliche Thüringerin (die auch Thüringer Bratwürste verkaufte) empfohlen, die kleine Schwester der eben erwähnten Brücke, die Elstertalbrücke zu besuchen. Sie könne man auch überqueren.

Also gaben wir sie ins Navi ein. Der Weg erschien uns immer obskurer, bis wir auf einem Parkplatz den Wagen abstellten und bei einer Mutter/Tochter-Kombi nachfragten, ob und wie man zur Brücke käme.

Kein Problem, da vorne geht ein Weg her und da kann man auch rauf.

Dann mal los. Offensichlich hatten wir trotz Navi den einzig strategisch richtigen Punkt gefunden. Wie war das mit dem eingebauten Navi?

Nach ca. 10 Minuten gemütlicher Wanderung ging ein Weg kurz vor der Brücke steil nach oben. Ist das richtig? Keine Ahnung, wir gehen weiter.

Wieder begegneten uns Spaziergänger, die uns empfahlen, irgendwo die Treppe zu nehmen. Die war nur nicht in Sicht. Also kurz zurück und den Trampelpfad hinauf. Der besten Wanderin von allen kamen zwischendurch heftige Zweifel, aber selbst Google konnte hier nicht helfen (kein Empfang und dann wäre der Weg auch nicht auf Maps eingezeichnet gewesen). Auf der Höhe (der beste Fährtensucher von allen war ein wenig vorausmarschiert) ging plötzlich ein Steig direkt an der Brücke bergab. Ich hatte mal wieder mit traumwandlerischer Sicherheit den wichtigen Punkt gefunden.

Auf Höhe der ersten Etage ging es über die Brücke. Meiner charmanten Begleiterin wurde es zwischendurch schon etwas schwummrig beim Blick nach unten, aber todesmutig überquerte sie die schwindelnde Höhe. Auf der anderen Seite ging es zum Glück auch wieder zurück.

Am Bahnhof Barthmühle überquerten wir die weiße Elster erneut, diesmal auf einer normalen Brücke.

Mit Eindrücken gesättigt machten wir uns auf den Rückweg durch das schöne Vogtland.

Bei Sonnenschein erreichten wir Dresden und ich konnte noch einen Klick auf die gläserne Manufaktur von VW im Abendlicht erhaschen.

Was für ein Tag. Das Vogtland ist, obwohl wir nur einen winzigen Teil sehen konnten, sehr empfehlenswert.

 

2. Reisetag – Bastei und Umgebung

Eigentlich hatten wir einen Abstecher in die nördliche Umgebung von Dresden geplant. Aber der Himmel war so schön blau, wir nehmen uns das Recht heraus, uns spontan umzuentscheiden.

Aber vorher steht ein gutes Frühstück an. Mal sehen, wie das Hotel zu Corona-Zeiten ein Buffet meistert. Als wir zur festgelegten Zeit eintrafen, waren die Tische nicht einmal zur Hälfte besetzt, ein gutes Zeichen. Am Anfang des Buffets stand eine Schachtel mit Einmalhandschuhen, so wie man sie auch beim Tanken von Dieselkraftstoff kennt. So wird vermieden, dass man das Anlegebsteck des Vorgängers berührt. Gute Lösung. Das Personal, das den Tisch zwischendurch abräumte, war brav mit Schnutenpullis bekleidet. Das Frühstück (im Frühstücksraum des Marriot-Hotels) war reichhaltig und sehr lecker. 10 von 10 Punkten.

Jetzt ging es über die Dörfer in Richtung Bastei. Wir waren in früheren Jahren schon einmal dort gewesen, allerdings hatte da das Wetter nicht mitgespielt.

Auf dem Weg stellten wir fest, dass der blaue Himmel sich hauptsächlich hinter uns erstreckte, aber vor uns immer mehr Schleierwolken hinzukamen. Wenn das mal gut geht.

Einige Kilometer vor dem Hauptparkplatz ein Schild zu einem anderen Parkplatz mit der einem riesigen Foto der Bastei. Sollten wir da parken? Das hatten wir anders in Erinnerung. Wir fuhren also noch ca. 3 km weiter – die hätten wir auch laufen können, aber wer macht das schon, solange er noch 4 gesunde Räder hat? – und ereichten den in einem Waldstück gelegenen Hauptparkplatz. 3 Stunden für 5 Euro. Von dort aus schlossen wir uns den Besuchermassen (ja, wirklich wahr) an und wanderten (meistens mit Mund-Nasen-Bedeckung) die wichtigsten Punkte der Felsenlandschaft ab.

Auch durfte ein Besuch der Felsenburg nicht fehlen (Eintritt 2 Euro/Person). Schon erstaunlich, dass dort Menschen gelebt haben.

Imposant immer wieder der Blick über das Elbetal und auch der Blick nach unten, senkrecht und nichts für Leute mit Höhenangst.

Auf dem Weg zurück begegneten wir einer Informationstafel, die mit einem schönen Wasserfall, dem Amselfall, warb. Nur eine halbe Stunde. Ja, hin und bergab. Anschließend die gleiche Strecke zurück und bergauf. Mussten wir in dem frühen Stadium des Urlaubs nicht haben.

Was gibt es noch in der Nähe? Die Burg Stolpen (nicht stolpeRn) stand auf der Karte. Wir fuhren durch Dörfer mit teilweise schwer aussprechlichen Namen, bis wir in Rathewald – was sollen wir da rathen? – ein Hinweisschild zum Amselfall sahen. Laufzeit 15 Minuten. Das schaffen wir gerade noch. Also aufrödeln und los geht es. Bergab ging es in eine Schlucht, wo doch tatsächlich noch Häuser standen, malerisch an die Felsen gezwängt. Das war die Rathewalder Mühle, in früheren Zeiten wohl wirklich als Wassermühle betrieben.

Kurz dahinter war dann der Weg zum Amselfall zu Ende. Wegen Steinschlag gesperrt. Schade. Hätte gerne eine Langzeitbelichtung gemacht.

Also zurück zum Auto, auch andere Rathewalder Häuser sind sehr mutig erbaut worden.

Ganz in der Nähe liegt die Burg Hohnstein. Ich vermute mal, dass sie aus Sparsamkeitsgründen das „e“ zwischen h und n weggelassen haben, denn sie hebt sich imposant auf hohen Steinen in den Himmel.

Leider weist sie eine sehr unrühmliche Vergangenheit durch Begebenheiten während des 2. Weltkrieges auf.

Schaffen wir noch ein Burg? Ach ja, die Stolpener stand ja auf dem Plan und im Norden sollte es ja auch sonniger sein. Stolpen selbst hat den Status einer Stadt – und das will bei den ganzen Dörfern was heißen – und hat wohl deswegen auch einen eigenen Marktplatz.

Die Burg ist von dort durch einen kleinen Fußmarsch gut zu erreichen. Das Raubrittertum hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Allein um in das Burginnere zu gelangen, sollten wir 7 Euro pro Person abdrücken.

Und dann vielleicht noch einem Schlossgeist begegnen, der auf dem Weg dorthin beworben wurde? Klar, dass der auch eine Gage verlangt, aber dazu waren wir doch etwas zu erschöpft und gönnten uns nur die Anlage von außen.

Etwas erschlagen von den Eindrücken beschlossen wir, nach Dresden zurückzukehren und dort etwas Mittagspause zu machen. Ein kleiner Snack bei Netto ließ uns die Fahrtüchtigkeit wieder herstellen und wir machten anschließend auf dem Zimmer gemütlich Pause.

Super, die Pause hat gut getan. Dem Wetter allerdings weniger. Es nieselt leise vor sich hin. Für Regenfotos die ideale Voraussetzung. Aber für mich weniger. Aber da sich sowieso der Abend und damit die Dunkelheit ankündigt, können wir das nutzen. Ca. 15 Min. in nördlicher Richtung liegt Moritzburg mit dem gleichnamigen Schloss. Das auf ein Jagdhaus des 16. Jahrhunderts zurückgehende Jagdschloss erhielt seine heutige Gestalt im 18. Jahrhundert unter August dem Starken (Wikipedia).

Bei Tag sollte man es schon im Sonnenschein sehen. Dann macht es was her. Als wir ankamen, fiel es feucht vom Himmel und meine Göttergattin igelte sich auf dem Beifahrersitz ein, während ich mich opferte, um in der Dämmerung erste Fotolocations zu erspähen. Und das lohnte sich. Obwohl mir die Kamera nassgeregnet wurde, ging im Westen gerade die Sonne unter und bescherte mir ein Abendglühen, wie ich es selten gesehen hatte.

Kurz auf die Westseite des Schlosses gewandert und über dem Teich zeigte sich ein Nachglühen, welches ich eher von Hawaii oder Arizona kannte.

Hat sich doch gelohnt. Oben auf der Schlossterasse wurde ich dann noch mit einem Regenbogen überrascht.

Dann aber erstmal zurück zum Wagen, denn das Dämmerlicht brachte das Schloss nicht vorteilhaft zur Geltung. Der Porzellanladen war auch gerade geschlossen, also konnte ich die beste Ehefrau von allen damit nicht aus dem Wagen locken. Auf dem Weg zum Auto stieg mir ein pferdiger Geruch in die Nase. Hier werden Vierbeiner gehalten.

Noch ca. eine halbe Stunde warten und dann war es dunkel genug, um die gleiche Runde – diesmal mit der treuesten Fotografenbegleiterin, die man sich vorstellen kann – noch einmal zu drehen.

Diesmal kam die Beleuchtung voll zur Geltung und obwohl der Himmel total bedeckt war, es nieselte immer noch leise vor sich hin, kam die blaue Stunde voll zur Geltung und ermöglichte diese Aufnahmen, deren Stil ich so liebe.

Das war dann doch ein wirklich gelungener Abend trotz des schlechten Wetters (schon gemerkt? Genitiv korrekt angewendet 😉 ).

Auf dem Rückweg schnell noch etwas zu Essen geholt und wieder geht ein toller Urlaubstag zu Ende.

Herbsturlaub – Fahrt nach Dresden

Nun sind wir wieder unterwegs. Nicht in die USA, wie von langer Hand geplant, sondern in die entgegengesetzte Richtung: Richtung Osten, immer geradeaus. Erstes Ziel: Dresden. Von dort aus wollen wir die Sächsische Schweiz und das Umland unsicher machen. Eigentlich sollte unsere Reise schon am Freitag beginnen, aber da das Regenradar 100% Regen angekündigt hatte, konnten wir zwei Nächte in Dresden stornieren und fuhren erst am Sonntag los. Die Fahrt verlief absolut problemlos und vollkommen ohne Staus. Nach 5,5 Stunden kamen wir am Best Western Macrander Hotel im Norden von Dresden an. Das Hotel hat – zur Zeit – keine Maskenpflicht (wohl aufgrund der geringen Fallzahlen in Sachsen), aber freiwilliger Schnutenpulli ist erlaubt. Verwaltet wird es mit dem angrenzenden Marriot-Hotel der Macrander-Gruppe. Beides moderne Bauten. Frühstück – mit Buffet – findet am nächsten Morgen im Marriot Hotel statt. Um den Andrang geringer zu halten, müssen wir uns für eine Uhrzeit entscheiden und bekommen ein 45 minütiges Zeitfenster. Sollte reichen. Der Zimmerservice kommt offiziell erst nach 3 Tagen rein, aber wir verzichten ganz. Schließlich haben wir unsere eigene Kaffeemaschine mitgebracht und ein Käffchen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Frische Handtücher sollten zu organisieren sein.

Aber noch sind wir nicht soweit. Unser Zimmer ist ein Upgrade auf die höchste Kategorie. Und das ist sogar wörtlich zu nehmen. Der Aufzug zeigt die 8. Etage und damit sind wir im Panoramaflügel untergebracht. Auf dem Fensterbrett liegt ein Fernglas (angebunden) und eine Tafel, die die Sehenswürdigkeiten im vor uns liegenden Dresden beschreibt. Na ja…

Nachdem wir uns an dem Anblick hin- und weggesehen haben, stellt sich so langsam auch der kleine Hunger ein. Knoppers haben wir nicht dabei, also müssen wir selbst was jagen. Aus dem Hotel dringen verführerische Düfte durch den Flur, aber uns ist nicht so nach Restaurant. Also suchen wir uns – die Dämmerung bricht langsam herein – die Königsklasse des schnellen Essens und werden in der Nähe der Altstadt auch fündig. Leib und Seele sind gestärkt, eine Wanderung durch die beleuchtete Altstadt kann beginnen. Wir finden in der Nähe der Staatskanzlei einen Parkplatz – der nach 20 Uhr sogar kostenlos ist, wir kamen um 19.56 Uhr an – und marschieren zu den Elbewiesen, um den Blick zu den Elbterassen zu genießen.

Danach geht es über die Brücke – eine riesige Baustelle – zur Hofkirche und zum Schlossplatz.

In einem Durchgang hält mich meine Göttergattin an und meint: Mach doch mal so ein Foto von der Frauenkirche:

Gebongt.

Aber auch vom Neumarkt aus ist das Kapellsche gut zu sehen.

Auf dem Rückweg vorbei an der großen Flieseninstallation (Fürstenzug, goldenes Flies)

noch einen Abstecher zur Semperoper (nein, wir trinken kein Radeberger)

und dann geht es zurück zum Auto.

In 8 Minuten sind wir wieder im Hotel und können den Tag ausklingen lassen.

Kein Regen, für den ersten Urlaubstag ein guter Anfang.

Besuch der Falknerei Bergisch Land

Nach langer Zeit hatten wir mal wieder die Gelegenheit, das zu tun, wozu wir Lust hatten. In Erinnerung an eine Flugshow, die wir in Arizona im Desert Museum mitbekommen hatten, interessierte es mich, ob es so etwas auch in Deutschland, nach Möglichkeit in der Nähe gibt. Beim Stöbern im Internet – Suchbegriff Flugshow NRW – wurde ich direkt zur Falknerei Bergisch Land geleitet. In der Nähe von Remscheid, das ist erfahrbar und eine Show sollte um 15 Uhr starten. Auch das ist machbar.

Also machten wir uns auf den Weg. Schön durch landschaftlich schönes und hügeliges Land stießen wir auf einen staubigen Parkplatz – ziemlich voll, wir waren nicht die einzigen – und daneben auf ein sehr modernes Gebäude. An der Kasse – der Eintritt kostet 8 Euro/Person – hätte man noch einen Fototermin für 4,50 Euro extra buchen können. Darf ich die Kamera etwa nicht mit hineinnehmen? Doch, natürlich. Der Fototermin heißt nur, dass man sich einen der Greifvögel auf die behandschuhte Hand setzen lassen und sich damit fotografieren lassen darf.

Der Weg zum Flugplatz führte coronamäßig gut ausgeschildert in einer Einbahnstraße vorbei an einigen großen Käfigen – schon fast Volieren. Aber auch mehr als ein dutzend Vögel saßen einfach so frei auf „Parkplätzen“, nicht angeschnallt oder angeleint.

_D893094Das Licht an der Stelle war schon recht mäßig. Um mein 500er Tele betreiben zu können, musste ich mit dem ISO-Wert auf 1000 hoch gehen. Klar, dass ich mein Stativ vergessen hatte. Damit hätte es deutlich besser geklappt, denn die Tiere saßen dort wie angeleimt und rührten sich so gut wie nicht.

DSC_0458Ca. 200 m weiter kamen wir auf eine Lichtung, wo in Form einer Tribüne schon die Zuschauer saßen. Auch hier brav auf Abstand.

Da ich noch nicht genau wusste, was mich erwartete, ließ ich mich auf einem freien Platz nieder.

DSC_0361In die Mitte trat ein junger Mann, waidmännisch gewandet und führte uns in die Welt der Raubvögel ein. Zuerst ging es um die Eulen, von denen eine plötzlich (angelockt durch Futter) herbeiflog und sich auf seinen Handschuh setzte. Er ließ sie ein paarmal hin und herfliegen, bis sie sich sattgegessen hatte und wieder im Backstagebereich verschwand. Dies machte er auch mit einem Uhu, einem Geier, einem Rotschwanzmilan und auch mit einem Weißkopfseeadler.

DSC_0492Es kam die Frage auf, ob die Tiere nicht einfach so ausbüchsen? Ja, tun sie, besonders der Golden Eagle, das Wappentier der USA. Aber sie fliegen meistens nicht weit. Und den Adler mussten sie schon einige Male in Remscheid wieder abholen, alleine wollte er nicht zurückkommen. Aber die Remscheider wissen schon Bescheid.

DSC_0595Den Vögeln geht es gut dort, sie wissen, dass sie dort ihr Futter bekommen. Es besteht keine Notwendigkeit, das bequeme „Heim“ zu verlassen.

DSC_0480Beim Fotografieren konnte ich allerdings nicht auf meinem Platz sitzenbleiben, dann hätte ich die hier gezeigten Aufnahmen nicht schießen können. Ich hatte für die Action-Fotos meine Nikon D500 mit dem 70-200/2.8 fertiggelegt. Und für die Fotos musste ich dann einige Male den Platz wechseln, da die Flugbahnen mal von rechts nach links, dann bei anderen Tieren von vorne nach hinten gingen.

DSC_0683
DSC_0727Dann schien das Licht durch die Bäume, mal waren die Vögel hell erleuchtet, mal flogen sie tief im Schatten. Ich habe schätzungsweise über 600 Fotos verschossen und davon ca. 400 wieder gelöscht. Bei der D500 brauchte ich auch einen ISO-Wert von 2000-2500, um eine Belichtungszeit von 1/1250 bis 1/1600 zu realisieren. Schon eine Herausforderung. Auch, die Vögel zu erwischen. Es geht alles so rasend schnell. Und selbst, wenn man weiß, welche Flugbahn sie nehmen, ist es ziemlich unberechenbar und viele Aufnahmen werden hinterher verworfen. Sei es, weil nur ein Teil des Vogels drauf ist oder der Kopf eines Zuschauers.

_D893090Nach der eigentlichen „offiziellen“ Flugschau kamen noch die „Falkner für einen Tag“ zum Zuge. Für 150 Euro kann man sich einen Tag auf Du und Du und Tuchfühlung mit den Tieren buchen.

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DSC_0595Die Falknerei wird zu großen Teilen von Freiwilligen betrieben und stand wegen der anfänglichen Corona-Regeln kurz vor dem Aus. Hoffentlich gelingt es der Truppe, diese Attraktion weiterhin am Leben zu erhalten. Ein Mitarbeiter sagte uns, dass das Futter für einen kleinen Vogel/Jahr ca. 100 Euro kostet. In diesem Rahmen kann man eine Patenschaft übernehmen, die einem für dieses Jahr freien Eintritt gewährt.

Fazit: Mir hat es sehr gut gefallen. Beim nächsten Mal nehme ich auf jeden Fall ein Stativ mit. Besonders hat es mir der Weißkopfseeadler angetan. Stolz den Kopf gereckt, die Klauen ins Holz gegraben ist das schon ein imposanter Anblick. Ich würde ihm auch gerne mal in freier Wildbahn begegnen, dann aber nicht unbedingt als Beute.

Wer zur Falknerei möchte, bediene sich dieses Links.