22.06.2018 – Fahrt von Kanab nach Las Vegas

Nun ist es soweit. Wir müssen unser gemütliches Heim in Kanab verlassen. Die roten Felsen, die wir an jedem Morgen beim Frühstück von unserem Frühstückstisch aus gesehen haben, werden uns fehlen. Ebenso diese fantastische Landschaft, diese in Stein gegossenen Kunstwerke in rot, gelb, weiß und anderen Farben.

Obwohl das Navi nach Hurricane die südliche Route vorschlägt, fahren wir auf der 89 nach Norden bis Mt. Carmel Junction, um dort auf die 9 in Richtung Zion Nationalpark abzubiegen.

Auf dem Weg dahin schon die Felsen im Morgenlicht.

Ein unbekannter Canyon lockt mit einem tollen Ausblick.

Der Zion Nationalpark sieht, wenn man von Osten kommt, total anders aus als aus der Gegenrichtung und ich muss zwischendurch immer wieder Stopps einlegen.

Dann kommen wir zum Tunnel und haben reichlich Zeit, uns umzuschauen, weil einige Busse und RVs nur in einer Richtung durch die Röhre passen. Man bekommt beim Fahren quasi einen Tunnelblick und freut sich, wenn man durch ein Fenster schauen kann.

Nachdem wir Springdale und Rockville hinter uns gelassen haben (die Straßen waren übrigens bis weit hinter Springdale am Rand zugeparkt und selbst bis Rockville gibt es „Groschengräber“).

Kurze Zeit später erreichen wir Hurricane, wo sich Yvonne vor kurzem nach einem einjährigen Aufenthalt in Hawaii niedergelassen hat. Wir „deponieren“ dort unsere Kühlkiste und Campingstühle, weil wir sie nicht mehr brauchen und nach ein wenig Smalltalk und dem Versprechen, demnächst wiederzukommen, geht es gemütlich nach Las Vegas. Wir haben uns wie schon im letzten letzten Jahr im Rose Parkway Best Western Hotel einquartiert. Dort gibt es schöne große Zimmer, vernünftige Preise und ein gutes Frühstück.

Der Weg dahin wird durch unser Navi etwas verkompliziert. Offensichtlich kennen auch die hiesigen „Bärbels“ sowas wie Verkehrsnachrichten. Jedenfalls ist die Interstate 15 dicht, weshalb wir einen kleinen Abstecher ins Nord-Las Vegas machen. Wieder auf dem Highway sehen wir, was wir in Kanab absolut nicht vermisst haben: Hochhäuser, Staus, 5-spurige Autobahnen und viel Verkehr. Selbst die imposanten Casino-Türme können darüber nicht hinwegtrösten.

Und in den Laden würde ich für kein Geld in der Welt einziehen.

Im Hotel angekommen gibt man uns ein Upgrade auf eine Suite, sehr gemütlich.

Aber bevor es ans Zocken, Spielen und auf den Strip geht, müssen wir noch ein paar Sachen erledigen. Für Karin hatten wir auf dem Hinweg bei „The Walking Company“ Einlagen für ihre Schuhe bestellt, die wir nur noch abholen mussten. Und da wir noch einen 20-Dollar Gutschein bei REI hatten, wollten wir auch den verprassen. Zu Beginn des Urlaubs waren wir einmal quer durch Las Vegas gefahren, um im nordöstlichen REI Schuhe zu erstehen.

Und jetzt stellten wir fest, dass quasi um die Straßenecke zur „Walking Company“ die Filiale von Henderson lag. Suuuper.

Wieder zurück, erstmal duschen, dann geht es auf die Piste.

Um 9 Uhr ging es wirklich los, wir konnten uns aufraffen. Und ein Urlaub, bei dem man in LV nächtigt, aber nicht wirklich auf dem Strip war, ist kein Urlaub.

Die Fahrt über den Highway ging noch recht zügig und unser Navi schlug uns zum Treasure Island einen Weg über den Interstate vor. Warum gerade dieses Casino? Laut Informationen meiner Göttergattin verlangen jetzt ALLE Casinos (hatte sie irgendwo gelesen) Parkgebühren. So ähnlich wie vor dem Zion Nationalpark. Ich konnte das nicht so recht glauben und befragte die allwissende Seite im Netz. Es mag noch mehr geben, aber diese bestätigte mir, dass die Lage noch nicht ganz so aussichtslos sei.

Wir hatten ziemlich großkotzig den Vorschlag mit dem Interstate in den Wind geschlagen, wenn es denn welchen gegeben hätte. Aber auch weil wir es genießen, im Auto den Strip runterzufahren (zumindest einmal), stellten wir uns zu vielen anderen in den üblichen Stau bei 102° Fahrenheit (knapp 39°C) um halb 10 Uhr abends.

Auf der linken Seite leuchtete das New York.

Ca. eine halbe Stunde später standen wir in der sechsten Etage des Parkhauses. Das war eine echte Zitterpartie, da wir ständig in der Furcht lebten, unser schöner Truck würde bei einem der Überhänge oben ankratzen. Aber alles ging gut. Stellplatz gemerkt (6f) und mit dem Aufzug nach unten.

Und dann begann das Drama: Wenn ihr jemanden dabei habt, der unter akuter oder auch permanenter Desorientierietis leidet, nehmt euch ein großes Wollknäuel (wahlweise auch eine Hundeleine mit Selbstaufroller) mit und bindet das andere Ende an den Menschen ohne eingebautes Navi fest. Ich weiß nicht, wieviele Apps meine Göttergattin bemühte (Find my Car, Find my Husband), um ihren Standort zu fixieren und dann noch den Weg zum nächsten Casinoziel einzugeben. Für mich war die Sache klar: An der nächsten Straßenecke rechts abbiegen und wir sind auf dem Strip.

Da gab es logischerweise zuerst das Treasure Island mit seinen Schiffen und der nicht mehr vorhandenen Show.

Von einer Brücke, die zum Venetian führt, mal eine Langzeitbelichtung auf den zuweilen doch fließenden Verkehr.

Dann mal das Venetian aus einer anderen Perspektive.

Auf dem Weg durch die Katakomben kamen wir an einer langen Schlange von Leuten vorbei: Herrlich aufgebrezelt und für den Abend fein gemacht. Wie die Ladies das mit ihren High Heels durchhalten, ist mir schleierhaft. Aber auch so machte es mir Freude, das ganze Volk zu beobachten, von normal über stylisch bis skurril, in LV ist alles erlaubt.

Wenn wir schon in Europa sind, schnell beim Eifelturm vorbei.

Auf der anderen Seite begannen im Bellagio die Wasserspiele, immer wieder sehenswert.

Vorbei an einigen anderen „namenlosen“ Impressionen, bis wir nach ca. 2 Kilometern beschlossen, wieder zurückzukehren.

Wir hatten eingedenk unserer Erfahrungen in der Wüste genügend Wasser eingepackt, so dass wir dort nicht zu leiden hatten.

Auf dem Rückweg noch vorbei am Glanz vergangener Tage: Das Cesars Palace hat schon bessere Tage erlebt, für die Wasserspiele und deren Beleuchtung fehlt wohl das Geld.

Das Auto zu finden war kein Problem und den Rückweg traten wir dann über den Interstate ein. Ging komischerweise bedeutend schneller.

Um 0.30 Uhr waren wir dann wieder im Hotel. Den südlichen Teil des Strip nehmen wir uns ein anderes Mal vor. Wenn wir dort eine kostenlose Parkmöglichkeit finden… Und unser Auto wiederfinden.

05.06.2018 – Fahrt zum Bryce Canyon – Red Canyon

Nun dürfen wir unsere gemütliche Hütte in St. George verlassen. Wir haben uns sehr daran gewöhnt und es hat uns gut gefallen. Besonders positiv zu vermerken war die sehr dezente und doch effektive Klimaanlage, die die Vermieter auf ca. 25°C eingestellt hatten und wo es keiner Nachregelung bedurfte. Auch die Einrichtung war genau das, was man in einer gut ausgestatteten Ferienwohnung erwartet. Nicht ganz optimal war der Internet-Anschluss. Speziell die Upload-Geschwindigkeit schwankte zwischen 580kb/sek und 5kb/sek. Es ließ sich auch nicht herausfinden, woran es lag. Da das Problem auch nur temporär auftauchte, war unsere Vermietungsfirma leider nicht in der Lage, den Engpass zu lokalisieren und zu beseitigen. Und die Bestuhlung auf dem Balkon und am Esstisch war zwar hochmodern, aber unter „bequem“ stellte ich mir etwas anderes vor.

Bevor wir St. George verließen, machten wir noch zwei letzte Stopps im Walmart und bei Costco, um wirklich frisches Gemüse und Obst zu bunkern und den Tank noch einmal randvoll zu machen (2,97 USD/Ga). Dann ging es über die übliche Strecke in Richtung Zion. Über Cedar City wäre es laut Google Maps schneller gewesen, aber wir wollten auch die Landschaft genießen.

In Rockville auf der 9 musste ich noch einmal anhalten, um endlich dieses wunderschöne Häuschen zu fotografieren.

Als wir mal wieder vor dem Tunnel im Zion Nationalpark standen, nötigte mich meine Gattin, doch noch eiiiiin Foto zu schießen.

Nach dem Tunnel blieb es nicht bei einem Foto. Man kommt auf rotem Teer durch eine wunderschöne Felsenlandschaft, der das Fotografenherz einfach nicht widerstehen kann. Immer wieder mal zwischendurch stoppen war einfach unabdingbar.

Außerhalb des Parks wurde es dann wesentlich weniger spektakulär, aber nicht unbedingt unschöner.

Wir durchquerten die Stadt Hatch (wer kennt sie nicht?)

und irgendwann kamen die roten Felsen des Bryce Canyon in Sicht. Zuvor gelagert ist ja der Red Canyon mit ganz besonders intensiven roten Farben. Hier werden wir auf jeden Fall mal ein bisschen mehr Zeit verbringen. Immerhin haben wir sechs Nächte im Best Western Rubys Inn gebucht. Allerdings in einer außergewöhnlichen Konstellation: Die ersten 3 Nächte verbringen wir (gegen Geld) in einer 2-Bedroom-Suite, ordentlich, großer Kühlschrank, schon ein bisschen abgewohnt, aber OK. Die weiteren drei Nächte verbringen wir mit Best-Western Punkten im Haupthaus direkt am Pool.

Nachdem unsere komplette Eiskiste aus- und der Kühlschrank damit eingeräumt war, ließen wir die Kaffeemaschine Marathon laufen (ist ja erst 16 Uhr) und legten ein kleines Päuschen ein.

Jetzt noch zum Event des Abends. Schon soooo oft waren wir auf dem Weg von und zum Bryce Canyon durch den Red Canyon gefahren, der ca. 10 Meilen westlich vom Bryce liegt. Wunderschöne rote Felsen, die Lust auf den Bryce machen. Und wir hatten nie die Zeit, diese Gegend näher in Augenschein zu nehmen. Aber heute konnten wir. Das Visitorcenter der Forest-Verwaltung hatte bis 18 Uhr geöffnet und die freundliche Dame empfahl uns einen ca. 2,4 Meilen langen Roundtrip. Zu Anfang war dieser auch noch leidlich ausgeschildert, aber das verlief dann mehr oder weniger im Sande.

Manchmal kamen wir total ab von der Route, um uns in einem wunderschönen Felsengewirr wiederzufinden.

Who needs Bryce Canyon? Schön vor allen Dingen auch, weil uns während der ganzen Wanderung insgesamt vier Leutchen über den Weg liefen. Das schafft man im Bryce locker innerhalb von 4 Minuten.

Die Sonne neigte sich langsam dem Horizont zu und tauchte die roten Felsen in ein warmes Licht.

Doch halt, was ist das? Lädt Smokey the Bear meine Göttergattin zum Tanzen ein? Gut, dass sie ihre Tanzschuhe gerade nicht dabei hatte.

Wir machten uns auf den Weg zum Hotel,

um vor dem hauseigenen See auf der Ladefläche des Pickups das Abendessen und den Sonnenuntergang zu genießen.

Nicht viel gemacht, aber trotzdem ein toller Tag.

04.06.2018 – Angels Landing

Nachdem nach unserem ersten Besuch schon zarte Andeutungen gekommen waren, warum wir noch nicht auf „Angels Landing“ raufgekrabbelt waren, beschlossen wir, dieses Ziel für den heutigen Tag in Angriff zu nehmen. Wenn ich den Schauergeschichten meiner Göttergattin trauen durfte, war der Trail mordsmäßig gefährlich und schon hunderte waren dort abgestürzt. Ich ziehe mal das übliche Jägerlatein ab, die Parkstatistik sprach von 7 Menschen seit 2004. Was meine mich liebende Gattin aber nicht davon abhielt, mir die ganze Fahrt gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben: Halt Dich gut fest, kehr um, wenn es zu gefährlich wird, schubs niemanden runter mit Deiner Fototasche, schmeiß keine Felsen runter, nimm keine größeren Felsen mit, lass die Squirrels in Ruhe und so weiter.

Ihre eigenen Ratschläge und vor allen Dingen ihre Höhenangst (sie muss sich normalerweise an einer Laterne festhalten, wenn sie auf den Bürgersteig tritt) in den Wind schlagend machten wir uns trotzdem auf den Weg.

Wir waren – wie wir meinten – sehr früh auf der Straße und bekamen trotzdem nur das Schild zu sehen: Parking Lot full – park in town. Das war logischerweise das einzige, was wir nicht wollten und wir stellten uns in bewährter Manier auf einen Seitenstreifen. Nach kurzem Spaziergang über den angrenzenden Campground standen wir vor einer ewig langen Schlange.

Das, was man auf dem Foto zu sehen bekommt, ist ca. nur die Hälfte. Ungefähr 40 Minuten später saßen wir dann doch im Bus und fuhren bis zur Haltestelle „Grotto“. Auf der Fahrt hatte ich die Gelegenheit, die schon früher erwähnten unförmigen Treter fürs Canyoneering etwas näher in Augenschein zu nehmen. Sie heißen Adidas Terrex Hydro Lace, kosten regulär ca. 130 USD und dürfen anscheinend nur mit einem ähnlich hässlichen Fusskleid getragen werden.

Aber wenn man sich mal im Internet umschaut, wird man begründet bekommen, warum man nicht mehr ohne auskommt, sobald die erste größere Pfütze kommt. Vielleicht sollte ich mir bei dem ständigen Regenwetter in Deutschland auch mal welche bestellen.

Der Weg zu Angels Landing beginnt mit einem Gang über eine Brücke über den Virgin River, um dem West-Rim oder auch Kayenta Trail ca. eine Meile relativ flach am Fluss entlang zu folgen.

Schließlich geht es in Serpentinen ein paar hundert Meter höher, um schließlich in den Refrigerator Canyon zu münden.

Um diese Uhrzeit kann man den Namen nachvollziehen, es scheint kaum Sonne rein und es ist angenehm kühl. Nachdem man den Canyon mit sehr steil aufragenden Felswänden durchlaufen hat, geht es wieder in Serpentinen,

diesmal kürzer und steiler, hoch bis zu einer Weggabelung, dem Scout Point. Hier trennt sich der West Rim Trail ab. Weiter führt der Trail zu Angels Landing, 0,5 Meilen steht auf dem Schild.

Ob allerdings nach oben oder nach vorne gemeint ist, steht dort nicht. Jedenfalls wurde es jetzt richtig knusprig. Meine Göttergattin hatte mich schon im Canyon vorgeschickt, weil sie nicht wusste, wie weit ihre Höhenangst ihr einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Der „Weg“ führt jetzt mehr oder weniger am Hang entlang nach oben, an manchen Stellen durch massive Metallketten als Railing gesichert.

Und diese Haltetaue braucht man auch. Meine Kamera hatte ich – ausnahmsweise – mal in die Fototasche gepackt, um beide Hände freizuhaben. Zwischendurch kamen immer mal wieder Absteiger entgegen. Und es sich auf der ganzen Strecke um eine einspurige Piste handelte, musste ich (und die anderen Aufsteiger mit mir) immer wieder eine Pause einlegen. Natürlich kann man diese Gelegenheit auch für ein Foto in die Umgebung nutzen.

Die Pausen war mir speziell im ganz oberen Stück nicht unlieb, litt ich doch immer schneller unter Atemnot. Und hoffte, dass sie oben ein Sauerstoffzelt aufgebaut hätten. In diesem Punkt war der Hike schon eine Enttäuschung für mich. Es gab keines. Aber auch in einem anderen Punkt musste ich in die Röhre gucken: Ich sah keinen Engel, der gelandet wäre. Dafür ein paar Dutzend Leute aller Nationen, die die Aussicht genossen. Zuzüglich der Squirrels und Skipmunks, die auf Lebensmittelreste lauerten.

Aber da ich ja nicht wegen der Aussicht, sondern zum Fotografieren hochgekommen war, erledigte ich erstmal diesen Job,

ließ ca. einen Liter Flüssigkeit in mich reinlaufen und genoss doch den Ausblick.

Und damit man mir auch glaubt, dass ich oben war, mit Fisheye ein Selfie:

Da ich meine Felsenkletterin aber nicht bis ultimo alleine lassen wollte, machte ich mich auf den Rückweg, diesmal die Kamera vor dem Bauch.

Diesmal war es wesentlich leerer und ich kam auch zu ein paar Fotos.

Doch was war das? Ich hatte noch nicht mal die Hälfte der „Todesstrecke“ hinter mich gebracht, als mir ein grünes T-Shirt mit rotem Rucksack, getragen von meiner Göttergattin, entgegenkam. Sie hatte einen Teil ihrer Höhenangst überwunden und wollte sehen, wie weit sie kommt.

Wir vereinbarten, dass ich am Scout Point auf sie warten würde und sie versuchte so weit zu kommen, wie es ging. Da sie nicht sofort wiederkam, musste sie noch ein ganzes Stück weitergeklettert sein. Herzlichen Glückwunsch zu soviel Mut (aber vielleicht haben ja die neuen Schuhe auch einen kleinen Beitrag geleistet).

Zusammen marschierten wir gen Tal, ich hatte etwas Angst, dass meine Knie irgendwann nicht mehr mitmachen würden. Aber sie hielten durch bis fast ganz unten. An der Haltestelle Grotto füllten wir unsere Wasserflaschen nach und ließen uns das kühle Nass über Kopf und Körper laufen. Tat das GUUUT.

Kurze Bustour zum Visitor Center, danach in den Wagen, Klimaanlage an (die Temperaturanzeige zeigte 110° Fahrenheit = 43°C) und gemütlich Richtung St. George gedackelt. Dort gönnten wir uns zur Belohnung einen Besuch bei Panda Express, den wir sehr genüsslich in der guten Stube verputzten.

01.06.2018 – Zion National Park

Um ein Thema von gestern aufzugreifen: Meine Schlaflosigkeit in St. George hatte wirklich am Kaffee gelegen. Dafür wurden wir um 6 Uhr durch das Läuten von Karins Handy geweckt. Unser Sohn hatte eine Videokonferenz mit meinen Eltern hergestellt. Freude auf beiden Seiten. Er konnte die Senioren virtuell auf unsere Reise mitnehmen und die Tatsache, dass er zuhause zur Verfügung steht, ermöglicht uns diese Reise überhaupt erst. Und dafür sind wir ihm unendlich dankbar. Musste mal gesagt werden.

Nach dem (wie üblich) leckeren Frühstück beluden wir den Wagen. Unser Haus lag mit diesem Teil gerade in der Sonne, Zeit, die Hütte von außen vorzustellen.

Vom Parkplatz aus der Blick über die Oleander in das weite Land der roten Felsen.

Für heute hatten wir uns Teile des Zion-Nationalparks vorgenommen. Dieser Park gehört zu den „Big Five“ und mit zu den schönsten Parks, die der Südosten von Utah zu bieten hat. Der Virgin River hat sich tief in die Felsen gegraben und mehrere hundert Meter hoch steigen die Felsen senkrecht in die Höhe.

Der Park hat soviel an Beliebtheit zugelegt, dass man die Stichstraße, die ins Tal führt, nicht mehr mit dem eigenen Auto befahren darf. Statt dessen gibt es Parkplätze und von dort aus fahren Shuttle-Busse in den Park hinein. Einziges zartes Problem: Als wir gegen 10 Uhr ankamen, waren die normalen Parkplätze schon proppevoll. Findige Bewohner des Dorfes Springdale hatten die Gelegenheit genutzt, um private Flächen für 20 USD pro Tag und Auto zu vermieten. Für uns indiskutabel. Wir fuhren an den vollen Parkplätzen vorbei und fanden am Straßenrand ein Plätzchen, wo wir unsern Truck abstellen konnten. Leider ragte das Heck noch ziemlich weit in die Straße rein, was uns böses Gehupe von vorbeifahrenden Bussen einbrachte. Aber den Platz verlassen, der sogar legal war? Kommt nicht in Frage. Also den Wagen umdrehen und das ausladende Heck einfach über die Wiese parken. Problem gelöst.

Danach kurze Wanderung zur Bushaltestelle und kurze Zeit später befanden wir uns am Ausgangspunkt der ersten Wanderung. Ins Auge gefasst hatten wir die Emerald Pools, eine Kette von drei „Teichen“, die sich in unterschiedlichen Höhen an den Felswänden entlang zogen.

Auf dem Weg dahin ging mir der Song von Michael Jackson nicht aus dem Kopf: You are not alone. Völkerscharen (zu denen wir logischerweise auch beitrugen) trabten mehr oder weniger schnell die Wanderwege rauf und runter.

Die „lower“ Pools haben einen schönen Überhang, von wo das Wasser fröhlich den Berg runterfließt.

Eine Langzeitbelichtung muss ich noch ausprobieren. Wozu habe ich sonst die ganze Zeit das Stativ mitgeschleppt?

Weiter geht es zu den „medium“ Pools, höher gelegen und einem schon besseren Ausblick über das Tal.

Noch ein Stück höher dann die „upper“ Pools und hier ist gleichzeitig auch das Ende des Weges. Oberhalb des Pools türmt sich die Felswand steil empor und ist nur mit einem Fisheye-Objektiv komplett zu erfassen.

Auch Zeit für eine kleine Mittagspause mit Zaungästen. Die richtig fetten Squirrels wissen genau, dass für sie etwas abfällt. Füttern ist allerdings bei Strafe verboten. Fotografieren zum Glück nicht.

Weiter geht es auf dem Grotto-Trail nach unten bis zur nächsten Haltestelle. Man sieht, hier sind Familien mit Kindern unterwegs:

Dort füllen wir unsere Wasserflaschen auf und fahren bis zur Haltestelle „Weeping Rocks“. Auch dort tropft Wasser aus den undichten Felsen, aber leider nicht genug, als dass es sich wirklich gelohnt hätte. Aber der Blick über die Balustrade ist schon sehenswert.

Am oberen Rand der Felsen versuchen kleine Blümchen, ihr Dasein zu fristen.

Wieder unten angekommen fahren wir mit dem Bus bis zum Ende der Buslinie, dem „Temple of Sinawawa“. Dort beginnt der ca. 2,5 Meilen lange Weg, an dessen Ende das „Gateway to the narrows“ beginnt.

Auf dem Weg hörten wir die amerikanische Version von „sind wir bald da“. Die Antwort lautete (immer wieder): Pretty soon. Auf dem Weg kamen uns ständig Leute entgegen mit speziellen Wanderstöcken und noch spezielleren Schuhen. Diese sahen so unförmig und hässlich aus, das mussten „special purpose“ Schuhe sein. Ich ließ mich belehren, dass es sich um Treter speziell fürs „Canyoneering“ handelt. Ob das Wasser da besser rausläuft, wenn es einmal drin ist?

Und ob sich dieses Squirrel wirklich für das interessiert, was auf dem Schild steht?

Das „Gateway“ ist im Endeffekt der Virgin River, durch den man soweit laufen kann, wie man möchte. Nasse Füße sind da default. Vor 31 Jahren hatten wir den „Trail“ schonmal gelaufen und jetzt war es Zeit für ein Remake. Allerdings ohne spezielle Stöcke (mit bunter Handschlaufe) und unförmige Treter. Wanderstöcke übernahmen wir von rückkehrenden Wanderern und Schuhe? Die wurden einfach nass. Und kalt. Aber das machte nichts, ich hatte ja wieder das Hemd mit den langen Ärmeln an, die konnte ich runterrollen.

Als das Wasser hoch genug stand, vorsichtig die Kamera aus dem Rucksack holen und die Fotos von früher erneuern. Ich finde, man sieht gar keinen Unterschied. Waldschrat bleibt Waldschrat.

Die beste Flussläuferin von allen sieht logischerweise so gut aus wie immer.

So stapften wir ein paar hundert Meter (gefühlt 2 Meilen) durch die kalte Brühe.

So sollten sich Squirrels ernähren. Gesundes Korn, Müsli etc.

Zurück am Startpunkt wurden die langen Schatten im Canyon ausgenutzt für die eine oder andere Langzeitbelichtung

und dann mit dem Bus zurück zum Auto.

Die Sonne stand relativ schräg am Himmel und manche Felsen wurden vom reflektierten Licht angestrahlt.

Letztes Ziel (vorerst) war der „East entrance overlook“, wo man einen tollen Blick über das Tal hat. Dazu mussten wir den Park in östlicher Richtung durchfahren und standen kurze Zeit später vor dem Tunnel. Wartezeit 8 Minuten wurde uns angekündigt (weil ein Bus den Tunnel passieren wollte).

Zeit genug, um auszusteigen und ein Foto zu schießen.

Vom Parkplatz aus (falls kein Stellplatz frei ist, einfach warten) nochmal ca. 15 Minuten laufen und ein schönes Plätzchen suchen. Auch hier waren wir nicht allein, aber das mindert die Qualität des Sonnenuntergangs nicht.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, noch länger zu warten, um eine extreme Langzeitbelichtung mit den Lichtspuren der auf der Straße fahrenden Autos zu machen. Aber dann hätten wir bei totaler Dunkelheit zurückmarschieren müssen. Suboptimal. Als wir uns dann im Auto auf den Rückweg machten, hatte ich noch die Idee (Ankunftszeit in St. George wäre gegen 11 Uhr gewesen), ein wenig Milchstraßenfotografie zu praktizieren. Es gibt Webseiten, die genau darüber informieren, wo man „Dunkelheit“ am besten sehen kann. Und eine dieser Stellen war auf dem Parkplatz vom White Rock am Snow Canyon. Wir fanden diese Stelle auch, aber dafür nicht die Milchstraße. Auch OK.

Als wir dann zuhause ankamen, war es 23.30 Uhr. Wir warens sowas von kaputt, wir konnten einfach nur noch ins Bett fallen. Und das ist auch der Grund dafür, dass ich den Reisebericht nicht mehr gestern abend geschrieben habe. Ich hoffe, das geht klar.

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