18.10.2021 Fundy National Park

Wir starten heute den dritten Versuch, den Fundy National Park zu erobern und der Länge und Breite nach zu durchforsten.

Vor uns liegt die übliche Fahrtstrecke von ca. einer Stunde an der Küste der Bay of Fundy entlang. Aber vorher versuchen wir, die Tidal Bore gegen 9 Uhr noch einmal zu erwischen. Leider habe ich Schusselchen mein Sweatshirt im Hotel vergessen und die Minuten fehlten uns dann leider zum pünktlichen Eintreffen. Aber wenn wir schon in Downtown stehen, können wir auch versuchen, Hertz zu erreichen. Hatte ich noch gar nicht davon erzählt? Gestern kam an einer Baustellenampel der Fahrer des hinter uns fahrenden Autos zu uns und meinte, bei uns würde etwas unter dem Boden raushängen. Ich hatte schon den Verdacht, wir hätten ein Reh oder zumindest einen Waschbären oder ein Skunk (aber das hätten wir gerochen) mitgenommen. Zum Glück war das nicht der Fall. Es handelte sich um die Plastikabdeckung des Getriebes, wo eine Schraube ausgerissen war. Ich befragte am Abend sofort das Schwarmwissen eines F150-Forums, wo man mir prompt die englische Bezeichnung rüberreichte.

Heute morgen also riefen wir am Flughafen in Moncton an und fragten nach, ob sie einen Ersatz für uns hätten. Glück gehabt: Ab Mittag steht einer zur Verfügung. Den holen wir uns dann auf dem Rückweg ab.

Jetzt geht es aber zum dritten Mal auf die 114. Großer Unterschied zu gestern und vorgestern: Die Wolkendecke riss auf und und zuweilen kam richtig schön die Sonne durch und ließ die Bäume im schönsten Licht erstrahlen.

Da wir es nicht eilig hatten, konnten wir ganz in Ruhe auch mal den einen oder anderen Stop machen, um verschiedene Dinge abzulichten. Da wären zum einen diese merkwürdigen Boxen, deren Sinn sich uns bisher nicht erschlossen hat:

Sollte jemand wissen, wofür die achteckige Kiste da ist, bitte melden.

Und es gibt natürlich die vielen hübschen Häuser. Da gibt es ja durchaus Unterschiede:

Die gut renovierten und offensichtlich auch bewohnten.

Die nicht mehr bewohnten, aber noch brauchbaren Häuser.

Und die „haunted houses“, die für einen Gruselfilm taugen oder am besten abgerissen werden sollten.

Wo wir gerade beim Gruseln sind: Auf der Strecke bereitet man sich intensiv auf Halloween vor:

In Alma war ein Garten richtig schön geschmückt.

Die Boote sehen immer so aus.

Aber jetzt geht es endlich in den Fundy NP. Der Park ist nicht das, was wir von amerikanischen Parks her kennen: Rudimentäre Versorgung mit Wasser, Straßen und Wanderwegen. Hier gibt es einen riesigen Strauss von Aktivitäten, zu denen Wandern als eine der einfacheren gehört.

Wir beschlossen, einen der Wasserfälle zu besuchen und machten uns auf den Weg zu den Dickson Falls.

Vom Trailhead aus hat man auch einen schönen Überblick über die Bucht.

Und auch hier erschlagen einen die Bäume mit Farben.

Weiter geht es zum Wolfe Point über eine schön angemalte Covered Bridge

bis zum Herring Beach. Erinnerungen an Hawaii poppten auf. Wären da nicht die deutlich kühleren Temperaturen gewesen.

Auf dem Rückweg machten wir am Visitor-Center Halt zum Zwecke der Nahrungsaufnahme.

Dort hatte man – wie an vielen Stellen – diese roten Stühle aufgestellt, die bequemer sind, als es die Form vermuten lässt.

Jedenfalls genossen wir eine kurze Mittagspause dort bei einem wunderschönen Ausblick, um uns anschließend auf den Weg zurück nach Moncton zu machen.

Ach ja, zwischendurch hatte mein Handy seinen Geist aufgegeben. Hat den Sturz von der Ladekante in die Ladefläche nicht so gut verkraftet. Werde bis zum Ende des Urlaubs weder über Whatsapp oder Telefon erreichbar sein.

Wir verließen den Park diesmal in nördlicher Richtung und machten noch einen letzten Fotostop am Bennet Lake.

Ins Navi gaben wir direkt Costco ein, da wir den Wagen ja vollgetankt abliefern mussten. Von dort aus zum Flughafen, wo ein schöner F150 in braun metallic für uns bereit stand. Leider ist der Tank deutlich kleiner und unser Aktionsradius verringert sich von ca. 1200 km auf etwas über 800. Egal.

Wir fahren jetzt ins Hotel, machen uns ein Tässchen Kaffee und Kakao und entspannen den Rest des Tages. Morgen geht es nach Chetikamp und damit nach Cape Breton Island.

17.10.2021 – Alles läuft umgekehrt in New Brunswick

Komischer Titel, nicht wahr? Aber der passte am besten.

Wir begaben uns zum Frühstück (wir brauchten unser Impfzertifikat nicht zu zeigen, weil uns die Dame im Frühstücksraum noch kannte). Das Frühstück ähnelte dem gestrigen wie ein Ei dem anderen.

Zwischendurch kam ein Paar herein. Er zeigte sein Zertifikat, sie hatte ihres nicht dabei und wurde sofort wieder höflich herauskomplimentiert. Gut, dass darauf geachtet wird. Man fühlt sich sicherer.

Erstes Tagesziel: The Tidal Bore. Deepl.com übersetzt das mit Tidenbohrung oder auch Gezeitenbohrung. Was verbirgt sich dahinter? Wie schon gestern erwähnt, fließt der Petite Codiac River durch Moncton in die Bay of Fundy. Als wir kurz vor 8 Uhr ankamen, wälzte sich der Fluss träge von rechts nach links durch sein Bett. Schlammige Ufer standen meterhoch im Trockenen. Wir (speziell ich) schauten gebannt nach rechts in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten. Und dann schaute meine Göttergattin durch eine Eingebung nach links und da kam sie: DIE WELLE.

Das Meereswasser strömte einfach so flussaufwärts und drängte das Flusswasser zurück. Reversing River.

Der Fluss war anschließend gut gefüllt. Da hatten wir genau den richtigen Zeitpunkt erwischt.

Der Wetterbericht hatte für die ganze Gegend den Durchzug eines Regengebietes angekündigt. Aber erfahren durch die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen in Deutschland schlugen wir die Warnung in den Wind (von dem es reichlich gab) und machten uns auf den Weg zum Fundy National Park.

Auf halber Strecke kamen wir – wie schon gestern – an den Hopewell Rocks vorbei. OK, wenn die Flut soeben mit voller Kraft den Fluss nach Moncton raufgeströmt ist, wie sieht es dann bei den Felsen aus? Wir nahmen diesmal nicht die gestern verwendete Zufahrt, weil die Rampe schätzungsweise sowieso unter Wasser stand, sondern gingen direkt den Höhenweg, um das Schauspiel von oben zu bestrachten. Schon faszinierend, dass wir gestern auf dem Meeresboden entlangspazieren konnten, wo heute meterhoch die Wellen an die Felsen schlagen. Reversing Tide.

Gut, jetzt können wir beruhigt zum Nationalpark fahren. Leider ist der Wetterbericht in Kanada zuverlässiger als in Deutschland. Als wir durch das Dörfchen Alma durchwaren, goss es in Strömen. Am Eintrittstor des Parks drehten wir um.

Machten noch ein Foto vom Hafen auf dem Kai (wollte schon immer mal mit dem Wagen drauf fahren)

und eines vom Dorfrestaurant.

Jetzt können wir zum Hotel zurückfahren. Aber da gab es doch noch einen tollen Aussichtspunkt: Cape Enrage (als meine Göttergattin mir den Namen zum ersten Mal mitteilte zur Eingabe ins Navi, hieß es bei mir Cape in rage. Hat Google natürlich nicht gefunden…)

Es ging einige Kilometer über mehr oder weniger schlechte Straße, bis wir oben auf dem Kap standen, welches den ältesten Leuchtturm in New Brunswick hostet. Sieht man ihm gar nicht an. OK, so nah sind wir auch nicht herangekommen, da uns nicht nach einer Dusche zumute war.

Auf dem Rückweg als Beispiel mal eines der hübschen Häuser, die auf der Straße am Wegesrand stehen. Die allermeisten sehr gepflegt, manche schon in Sachen Halloween eingerüstet. Man hat den Eindruck, als würden sich die Menschen hier wohlfühlen.

Wieder im Hotel gab es eine Salatbowl, die wir gestern bei Costco erstanden hatten und dann eine kurze Siesta.

Denn noch steht was Wichtiges auf dem Plan: Wir müssen zumindest einen Klamottenladen leerkaufen. So ganz gelang uns das nicht, aber mit leeren Händen verließen wir den Shop auch nicht.

Jetzt gibt es nur noch ein letztes Ziel: Der Magnetic Hill. Im Nordosten der Stadt gibt es eine Art Vergnügungspark, dessen eine Attraktion ist, dass man zu Anfang eine Straße „bergrunter“ fährt. Dann hält man an einer bestimmten Stelle an. Stellt den Wahlhebel auf N und lässt sich dann (gefühlt) den Berg wieder raufrollen. Wir wissen, das ganze ist eine optische Täuschung, aber es war trotzdem faszinierend, dieses mitzuerleben.

Eigentlich könnte der Tag hier abgeschlossen werden, aber ich hatte mir noch ein Highlight für den Abend aufgehoben: Ich wollte von der gegenüberliegenden Seite des Flusses die „Skyline“ von Moncton bei Nacht fotografieren. Wir waren ja mittlerweile zweimal dort auf dem Weg nach Fundy vorbeigekommen und ich musste mir „nur“ noch ein Eckchen raussuchen mit freier Sicht vom Hügel aus.

Und dann ergab es sich, dass die Tidal Bore auch noch einmal um 20.40 Uhr vorbeirauschen sollte.

Also ins Navi den Fundy NP eingegeben. Nur suchte sich Bärbel diesmal eine KOMPLETT andere Strecke raus. Bis ich das begriffen hatte, waren wir irgendwo im Nirgendwo. Zum Glück wusste ich noch einen Straßennamen, die ich mir zu diesem Zweck gemerkt hatte. Also den ins Navi einhacken. Aber auch hier spielte Maps nur suboptimal mit. Ich gab schließlich aus Zeitgründen auf und wir fuhren zu dem Park, in dem wir das Naturschauspiel am Morgen beobachtet hatten. Wie schon am Morgen drängelten sich KEINE Menschenmassen am Aussichtspunkt und mir gelangen zumindest noch zwei Fotos:

Eines von der Flutwelle.

Und weil es so schön ist, eines von einer Skulptur direkt nebenan.

Übrigens: Die Videos stammen beide aus dem Händy meiner Göttergattin.

Gute Nacht zusammen.

 

16.10.2021 – Hopewell Rocks

Hallo Fans und sonstige Mitleser,

der heutige Tag steht etwas mehr auf Entspannung und ist im Wesentlichen auf ein Ziel ausgerichtet: Die Hopewell Rocks liegen an der Mündung des Petit Codiac Rivers in die Bay of Fundy im Hopewell Rocks Provincial Parks. Was damit auf sich hat, erzähle ich gleich.

Nach dem tollen Wetter gestern hatte ich die Hoffnung, dass sich das heute fortsetzt. Der Blick am Morgen aus dem Fenster sah auch nicht so schlecht aus.

Doch zuerst mussten wir dringend tanken. Auch ein 136-Liter-Tank ist irgendwann leer. Und Sprit bekommt man nirgends billiger als bei Costco. In diesem Fall waren das lockere 7 Cent/Liter zu normalen Tankstellen. Kleiner Haken: Bei Costco braucht man mindestens eine Kundenkarte. Die ist ein Jahr gültig und muss dann kostenpflichtig erneuert werden. Wer die Nachrichten bzgl. Covid 19 aufmerksam verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass wir im letzten Jahr keine Chance hatten, unsere US-Karte zu erneuern, warum auch?

Wenn man eine gültige Karte hat, kann man sich eine sg. Giftcard mit einem beliebigen Betrag auffüllen lassen, mit dem man dann an der Kasse bezahlen, aber – was noch wichtiger ist – tanken kann.

Wie bezahlt man jetzt bei Costco sowohl die Mitgliedskarte als auch den Betrag zum Aufladen? Ganz zu Anfang unserer Zeiten ging das problemlos mit Amex, dann wechselte Costco zu Visa und mittlerweile sind sie bei Mastercard gelandet. Aber wir erinnerten uns, dass wir auch mit unserer „normalen“ EC-Karte dort schon bezahlt hatten. Sollte also irgendwie klappen. Pustekuchen. Die EC-Karte wollte der Kartenleser nicht haben. Und die Mastercard hatten wir schon seit Ewigkeiten nicht benutzt, sodass zumindest ich keine Ahnung mehr vom PIN-Code hatte. Karin ging es nicht viel anders. Also zahlten wir erstmal mit Bargeld die Mitgliedsgebühr in der Service-Abteilung und wurden dann zum Aufladen an eine normale Kasse geschickt. Fast unser gesamtes Bargeld ging dafür drauf, die Gift-Card aufzuladen, damit wir endlich unseren Wagen tanken konnten.

An der Tankstelle steckte ich dann den Zapfhahn in den Einfüllstutzen und ließ für 150 Can-Dollar Sprit in den Tank fließen. Danach machte die Zapfsäule dicht. Verstehe ich nicht, wir haben doch nicht den einzigen Truck in Kanada.

Mittlerweile hatte Karin auch den PIN-Code ihrer Mastercard wiedergefunden und wir konnten die restlichen paar Liter damit betanken.

Soweit, so gut. Aber jetzt haben wir kein Bargeld mehr. Auch blöd. Ich erinnerte mich daran, dass wir an irgendeiner Kasse (Costco? Walmart? Ross?) angeboten bekamen, auch Bargeld ausgezahlt zu bekommen. Kurz: Bei Costco ging das nicht, vielleicht doch Walmart?

Jedenfalls wollten wir nicht ohne Bargeld in einen Provincial Park fahren, der 10 Dollar Eintritt pro Person haben möchte. Aber wir haben ja noch einen Plan C: Mit der Deutschen Bank verbandelt ist die Scotia-Bank, wo man (angeblich) ohne extra Gebühren Bargeld abheben kann. Also ging es auf nach Downtown, wo wir tatsächlich einen (sogar kostenlosen) Parkplatz fanden und dann mit der EC-Karte etwas Bargeld abhoben.

Nebeneffekt: Ein Foto von Downtown Moncton mit Regenbogen-Fußgängerüberwegen.

Und wir haben eine Menge dazugelernt.

Ist das alles kompliziert. Mittlerweile war es ca. 10.30 Uhr geworden und die Fahrt zu den Rocks dauert ca. 30-40 Minuten. Also ungefähr zu dem Zeitpunkt, wo die Flut den Höchststand erreicht.

Und der Park ist natürlich geschlossen. Gut, dass wir uns Bargeld besorgt haben. Dass der Park offiziell geschlossen ist, stört dort niemanden.

Man geht an der Schranke vorbei und läuft die ca. 1,2 km zu Fuß.

Dann standen wir an einer Rampe, die zum Strand runterführte. Das Wasser schwappte nahe an die „Flowerpot“-Rocks heran, ein Zustand, der nicht allzulange andauern sollte. Denn Tidenhübe von 12 Metern (in Buchstaben ZWÖLF) sind hier nicht selten. Wir konnten fast darauf warten, dass sich das Wasser von den Felsen zurückzog. Mal konnte man über felsige Abschnitte weiterklettern, mal über Seetang. Letzteres ließ ich aber nach einem zarten Versuch sein, da es doch recht rutschig war.

Als der Weg dann endgültig zu Ende war (Wasser zu hoch), kehrten wir um. Entgegenkommende Wanderer informierten uns darüber, dass man auch oben entlang an diversen Aussichtspunkten einen guten Blick auf die Blumentöpfe hätte.

Los geht es. Durch lichten Wald kamen wir an einigen Punkten vorbei, unter anderem an einer Treppe, die zur Küste führte. Logischerweise war diese gesperrt…

Als wir dann zurück am Anfangspunkt angelangt waren, stellten wir fest, dass sich das Wasser – vor Schreck über unseren Anblick? – noch weiter zurückgezogen hatte. Also die ganze Strecke nochmal laufen und diesmal noch ein Stück weiter.

Es war schon imposant, wieviel Küstenlinie freigelegt worden war in der kurzen Zeit. Ich lege mal jeweils zwei Fotos vom ungefähr gleichen Standpunkt untereinander. Zwischen diesen beiden Fotos liegen ca. 70 Minuten.

Zwischen diesen Fotos ca. 2 Stunden.

Ach ja, ich machte noch das, was ich in jedem Urlaub einmal hinbekomme: Richtig gut einsauen. Ich hatte eine Stelle erwischt, die weniger festen Untergrund aufwies. Ja, und das ist das Resultat:

Am Auto zurück machten wir erstmal eine kurze Mittagspause und vernichteten einen Teil der mitgebrachten Snacks.

Was nun? Ist ja noch nicht so richtig spät. Lass uns doch zum Fundy Nationalpark fahren.

Auf der 114 kamen wir an vielen schönen Häusern vorbei. Das war uns in den letzten Tagen schon öfters aufgefallen: Sehr gepflegte Grundstücke, nette Häuser, alles sehr entspannt, kaum Raser auf der Straße.

An der Sawmill Creek Covered Bridge schoss ich schnell ein Foto.

Und dann sollte es EIGENTLICH weiter Richtung Westen gehen. Aber da es zart vor sich hin nieselte, überfiel uns plötzlich eine große Unlust und wir drehten einfach um und fuhren ins Hotel zurück. Genauso EIGENTLICH war eine ausführliche Pause eingeplant, um danach noch Costco leerzukaufen. Aber da dieser am Samstag schon um 18 Uhr schloss, machten wir uns zeitig auf den Weg, um das Angebot zu checken.

Leider gab es viele Sachen, die zu unserem absoluten Grundbedarf gehören, dort nicht (mehr?): Soja-Vanille-Drink, Baguette, Jalapeno-Dip, Erdnuss-Riegel…

Zumindest die XXXXL-Packung M&M gab es und um sich zu trösten, konnte Karin sich noch mit Klamotten eindecken, während ich den Lebensmittelbedarf checkte.

OK, genug für heute, ab ins Hotel und schauen, was die Speisekammer hergibt.

 

 

15.10.2021 Fahrt von Grand Falls nach Moncton

Heute steht noch ein etwas längerer Fahrtag auf dem Programm. Reine 4,5 Stunden Fahrzeit für die Reise nach Moncton. Aber wir wären nicht wir, wenn wir einfach nur so durchgeheizt wären. Gut, dass wir so früh wach waren. Das Frühstück wurde – natürlich Corona-konform – mal auf eine andere Weise kredenzt: Wir fanden uns im Frühstücksraum ein (immer schön eine Person oder eine Familie) und eine nette Angestellte stellte uns auf Wunsch das ganz persönliche Mahl zusammen: Rührei als Scheibe (sie nannte es Omelette), dazu Bacon, Toast und noch einige andere Dinge, die das Leben ach so lebenswert machen. Dann ab aufs Zimmer und mit Genuss verschlingen.

Da es danach immer noch dunkel war, machten wir noch einen Abstecher zu den Wasserfällen in Grand Falls in der Hoffnung, dass diese jetzt (noch) angeleuchtet waren. Aber hier spart man Strom und schont die Umwelt, alles dunkel. Also auf die Piste. Erstes Zwischenziel (s. oben) war die Hartland Bridge im gleichnamigen Ort.

Was diese Brücke so besonders macht, ist die Tatsache, dass es sich um die längste „covered bridge“ handelt mit einer Länge von etwas über 390 m. Man kam darauf, die Brücken mit einem Häubchen zu versehen, um sie haltbarer zu machen.

Normalerweise haben Brücken dieser Bauart eine Lebensdauer von ca. 20 Jahren, bis die Elemente an ihnen zerstörend genagt haben. Mit dem Dach können sie ein Alter von 100 Jahren erreichen.

Weiter ging es an alten Scheunen vorbei durch die farbenprächtige Landschaft von New Brunswick.

Normalerweise schlagen die Bäume ja im Mai aus, aber in diesem Fall fühlte man sich von den bunten Blättern geradezu erschlagen. Gelb, verschiedene Töne von rot, dazwischen das nüchterne grün der Nadelbäume.

Genüßlich fuhren wir durch die Landschaft, an hübschen Wohnhäusern vorbei, allerdings ohne einer Menschenseele zu begegnen. Wo sind die alle? Gut, in der kanadischen Weite kann man sich aus dem Weg gehen, aber so gut?

Schließlich landeten wir in einem Nest namens St. Andrews, welches auf einer Landspitze direkt gegenüber den USA liegt.

Eines der hübschesten „Seebäder“ in der Gegend.

Wir machten auch einen kleinen Stadtbummel – hier wuchsen auch wieder Menschen, allerdings schon seit laaanger Zeit, ein Rentnerparadies.

Meine Göttergattin meinte ganz trocken, es würde sie nicht stören, wenn hier keine Touristen wären. Ladies and Gentlemen, merkt es euch.

Auf der östlichen Seite der Halbinsel auf dem Weg nach Norden liegt die Insel Ministers Island. Besonderheit: Sie ist nicht immer zugängig. Nur bei Ebbe – und der Tidenhub hat hier mehrere Meter – liegt ein Streifen Meeresboden frei, über den man zur Insel laufen oder auch fahren kann.

Natürlich ließen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen. Scheibenwischer vorher kontrollieren – falls das Wasser unvorhergesehen und schnell kommen sollte – und ab auf den glitschigen Kies. Es war im Endeffekt weniger aufregend als gedacht und festgefahren haben wir uns auch nicht.

Von hier hätten wir jetzt eigentlich direkt nach Moncton durchfahren können. Aber es war noch früh und noch haben wir Hummeln im Hintern.

Die beste Inselhopperin von allen schwärmte mir von von dem wunderschönen Deer Island vor. Diese ist allerdings nur über eine (kostenlose) Fähre zu erreichen. Dort angekommen, umrundeten wir die Insel einmal – und es sah ehrlich gesagt nicht viel anders aus als auf dem Festland. Man merkt auch, dass viele Menschen vom Meer leben. Hummerfang ist groß in Mode.

Im Nachgang hatte ich den Verdacht, dass mich meine Beifahrerin nur wegen der Fährfahrt auf die Insel verschleppt hat. Was sie natürlich vehement bestritt. Auf dem Rückweg zum Anleger dachte ich mir, wir schalten bei Google Maps „Fähren vermeiden“ ein schauen, was er dann macht. Lässt uns das Programm bis zum leeren Tank um die Insel fahren?

Jedenfalls kann unser Truck auch auf dem Wasser fahren, wie das nächste Bild zeigt:

Jetzt machen wir uns aber wirklich auf den Weg zum Hotel. Auf dem Highway durch bunte Wälder kamen wir auch an Saint John vorbei. Gab es da nicht eine Touristenattraktion namens Reversing Falls? Genau. Und weil mittlerweile die Sonne rausgekommen war, machten wir auch einen Abstecher dorthin.

Normalerweise strömt der St. John River über Stromschnellen in die Bay of Fundy. Aber bei Flut (wir erinnern uns, großer Tidenhub) drückt das Meerwasser flussaufwärts, so dass sich dort mächtige Strudel bilden (Bäcker hätten ihre Freude dran) und das Wasser die Stromschnellen raufströmt.

Als wir dort ankamen, war nicht viel davon zu sehen, aber wir genossen trotzdem den Ausblick und das schöne Wetter.

Jetzt noch ca. 1,5 Stunden ganz entspannt durch die Herbstlandschaft nach Moncton fahren. Dort wartet schon eine Junior-Suite auf uns mit einem riesigen Schreibtisch. Da kann man doch endlich mal arbeiten…

14.10.2021 – Fahrt von Montreal nach Grand Falls

Wie nicht anders zu erwarten, war die Nacht für mich um 2 Uhr zu Ende. Trotz Melatonin-Tablette. Vielleicht wirken die in den USA gekauften nicht in Kanada?

Karins Telefonkarte funktioniert immer noch nicht (zumindest nicht die mobilen Daten). Der Provider hat sich gemeldet und meinte, dass evtl. Frequenzen nicht passen. Und wir mögen uns bei ATT melden und Frequenzen wieder freischalten lassen. Oh Mann. Die Dame am anderen Ende der Leitung hatte a) keine Ahnung und b) hätte sie genauso gut ohne Telefon auf dem Mond sitzen können, so schlecht war sie zu verstehen. Durch das ganze Frequenz-Gerangel blicke ich nicht durch. Aber wenn das, was ich verstanden habe, richtig ist, könnte es kniffelig werden. Wahrscheinlich werden wir in einen Best-Buy oder Rodgers Store gehen und noch eine weitere Datenkarte kaufen. Und hoffen, dass uns die zuerst gekaufte – wie versprochen – erstattet wird. In USA war das deutlich leichter, wohl auch, weil die Frequenzbänder mit den Europäischen kompatibler sind.

Aber kehren wir zu angenehmeren Dingen zurück. Ab 6.30 Uhr (also für uns schon fast Mittag) gab es Frühstück. Natürlich Corona-konform. Ich entschied mich für einen Teller einer Quiche, einem halben Bagel mit Melone sowie Waffeln/Pancakes. War gut.

Dann mal ab auf die Straße. Ca. 600 km liegen vor uns. Das Tagesziel heute ist Grand Falls in New Brunswick – also Neu Braunschweig. Oder wie die Einwohner aus der Provinz Quebec es sagen: Nouveau Brunswick.

Erstmal mussten wir natürlich aus Montreal raus, aber als wir schließlich auf der Autobahn waren, ging es deutlich besser. Unser Ford F150 glitt geräuschlos und komfortabel dahin, wie wir es gewohnt waren.

An einem Rastplatz machten wir dann Fahrerwechsel, damit meine Göttergattin auch mal in den Genuss des Fahrens kam.

Die Strecke führte uns vorbei an Quebec. Dies ließen wir links liegen, a) weil uns die Zeit fehlte, b) weil wir auf dem Rückweg sowieso eine Nacht dort eingeplant hatten und c) weil ich so schnell wie möglich aus dem Französisch sprechenden Teil raus wollte. Nicht, dass ich mit der Sprache nicht klar gekommen wäre. Aber während eines AMERIKA-Urlaubes brauche ich mich nicht auch noch mit dieser Sprache herumschlagen. War damals schon froh, als ich in der Schule Französisch als schriftliches Fach abwählen konnte. Die ganzen Accents sprechen fiel mir leichter als sie an der richtigen Stelle zu schreiben.

Von Quebec geht es weiter nach Norden, immer auf der 20 bis Riverière du loup (die Essener werden es kennen, bei uns firmiert es frei übersetzt unter Wolfsbachtal).

Vorher noch kurz Fahrerwechsel machen. Und dann geschah es: Ich spielte mit meinen dicken und tappsigen Fingern an Karins Handy rum und plötzlich hatten bei den mobilen Daten im Display ein H+ stehen. D.h. der Datenempfang klappt!!. Welch eine Erleichterung. Fragt mich nicht, was ich gemacht habe, wahrscheinlich mal wieder „magic fingers“.

Die Mittagspause verbrachten wir in besagtem Städtchen bei einer bekannten Imbisskette.

Aber damit wir wenigstens etwas Bewegung bekamen, fuhren wir noch zu einem der örtlichen Parks, dem Chute du Rivière du Loup. Schöne Wasserfälle – noch besser, wenn es geregnet hat – luden zum Wandern ein.

Das bunte Herbstlaub, hier auch als foilage bekannt, hatte uns schon auf der ganzen Fahrt begleitet.

Hier stapften wir durch den Wald und konnten die Fälle beinahe hautnah betrachten.

Jetzt noch ca. 2 Stunden fahren und wir sind in Grand Falls. Als wir die Grenze nach New Brunswick überquert hatten – wie offensichtlich viele Elche vor uns,

ging bei Karin eine Mail ein mit dem Ergebnis des PCR-Tests vom Flughafen in Montreal. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Wäre der Test positiv ausgefallen, hätten wir die nächsten zwei Wochen bei Wasser und Pizza in einem Hotelzimmer ausharren dürfen. Wonnige Aussichten…

Aber: Das Ergebnis (wie auch bei mir) lautete: NOT-Detected (negative). Erleichterung breitete sich im gesamten Wagen aus. Jetzt kann der Urlaub richtig beginnen. Auch deshalb, weil endlich wieder alles auch in Englisch beschildert war.

Das Hotel in Grand Falls ist sehr schön, und wir machten uns danach direkt auf den Weg zu den Fällen, die im Frühjahr zur Schneeschmelze mit Sicherheit noch viel imposanter aussehen. Aber auch so waren die Felsformationen sehr beeindruckend.

Auch die Information, dass zu Hochzeiten (also nicht zwischen zwei Menschen) 9/10 der Wassermassen der Niagarafälle über die Klippen stürzen, trug dazu bei.

Wir suchten uns verschiedene Stellen für Fotos raus und kehrten dann gut gelaunt und hungrig in unser Hotelzimmer zurück.

Übrigens: Unser Spritfresser (dafür sind Pickups ja im allgemeinen verschrien) hat auf der Autobahn bei 100-110 (mehr war nicht erlaubt) einen Durchschnittsverbrauch von ca. 10l/100 km gehabt. Für so einen Wagen nicht übel, oder?