30.10.2021 – Von Rivière du Loupe nach Québec

Heute ist die Nacht auch für meine Frau früh zu Ende. Ich bin sowieso wach, mich stört das nicht. Wir wollen heute um 8 Uhr die Fähre von unserem Übernachtungsort auf die andere Seite des St. Lorenz Stroms nehmen, Fahrzeit etwas über eine Stunde, Kosten ca. 90 Can-Dollar.

Da wir nicht wissen, wieviel Betrieb uns erwartet, hat man uns geraten, ca. eine Stunde vorher am Fähranleger zu sein. Frühstück gibt es nicht in dem Hotel, also fahren wir bei MD vorbei, um wenigstens etwas im Bauch zu haben. Dies gestaltet sich schwieriger als erhofft. Durch Maske und die schlechte Audioqualität am Drive through Schalter verbunden mit der Unfähigkeit (oder dem Unwillen) der Bedienung, Englisch zu sprechen, fahren wir schließlich zum Zahlschalter vor und versuchen, uns verständlich zu machen. Wir wissen nicht, was uns die Jungs in die Tüte gepackt haben. Aber es stellt sich heraus, dass es annähernd das war, was wir wollten. Und es schmeckt sogar noch (etwas) besser als letztens bei Tim Horton. Glück gehabt.

Wir fuhren zum Fähranleger vor. Die Temperatur war mittlerweile auf 1°C gesunken und eine trübe Erbsensuppe erwartete uns.

Da können wir unser mitgebrachtes Frühstück in Ruhe vernichten, die Beladung beginnt erst um 7.40 Uhr. Ein Bediensteter kommt vorbei und versucht unser Begehr auf Französisch zu erfragen. Als er merkt, dass er damit nicht weiterkommt, schaltet er auf Englisch um und nimmt unsere Daten auf.

Pünktlich und genauso unspektakulär wie auf vorigen Fährbeladungen geht es auch diesmal vonstatten. Wir sind halt richtige Profis im Fähre fahren. Haben es auch oft genug trainiert.

Diesmal dürfen (bzw. müssen) wir aussteigen und dürfen auf dem Passagierdeck die Fahrt erleben. Was mich ein wenig irritiert: Wozu die Bremsklötze? Wird damit das Schiff im Hafen verkeilt? Und wenn ja, warum liegen die soweit oben?

Es geht los, der Blick zurück verheißt nichts Gutes.

Wir stehen gerade gemütlich auf dem Oberdeck und starren in die Erbsensuppe, als uns ein lautes Tuten fast aus den Schuhen reißt. So hört sich ein Nebelhorn an.

Das lasse ich mir an meinen neuen Truck anmontieren.

Wir starren weiter ins Graue, um Wale zu sichten. Wenn wir welche sehen würden, wären es wahrscheinlich Grauwale?

Dann, nach ca. einer Stunde laute Rufe: Land in Sicht. Die von Skorbut und Ausdürstung geplagten Seefahrer schöpfen neue Hoffnung.

Und da liegt St. Simeon im Sonnenschein.  Inzwischen hatten wir unsere Fahrt bezahlt und fuhren am Anleger mit der gleichen Routine lässig winkend vom Schiff. Auch das können wir.

Von St. Simeon aus geht es noch ein paar Kilometer nach Norden, wo uns die nächste Fährfahrt erwartet. Richtig, Karin hat nichts ausgelassen, wir nehmen sie alle mit.

Diesmal führt die Fahrt nach Tadoussac und dauert nur ca. 10 Minuten. Sie überquert den Rivière Saguenay, eine Fjord-ähnliche Bucht, die schon ein wenig an Norwegen erinnert.

Unterwegs glaube ich, einen dunklen Rücken gesehen zu haben, der nicht von einem Seelöwen stammt. Aber sicher bin ich mir nicht.

Das Dorf selbst ist sehr hübsch, wie viele Küstenstädtchen, die wir durchfahren haben.

Um doch noch zu einer Walsichtung zu kommen (und damit es nicht beim Walsuchen bleibt), fahren wir noch zu den Dünen in der Nähe. Von dort aus ein toller Blick in die Landschaft, aber von Walen keine Spur. Aber wir geben nicht auf.

Auf dem Rückweg die Spielwiese der hiesigen Spielkinder, die Sanddünen, die mit Dune-Buggies durchpflügt werden.

Und noch eines der vielen hübschen Häuser, die am Straßenrand stehen.

Noch ein wenig weiter nördlich, bei Cap Bon Desir, machen wir einen kleinen Spaziergang hinter das geschlossene Tor und erfreuen uns an der wilden Felslandschaft.

Lassen uns auf den Steinen nieder und halten nach Walen Ausschau.

Und? Wieder Fehlanzeige. Ich glaube, dass die Wale nach Beendigung der Touristensaison vom Fremdenverkehrsbüro nicht mehr bezahlt werden und deshalb keinen Grund haben, sich weiter hier vor der Küste aufzuhalten.

Jetzt müssen wir aber langsam los. Bis Québec sind es noch so einige Kilometer.

Auf dem Weg zum Auto nehme ich noch den Leuchtturm

und ein paar besonders schöne Blätter auf die Fotoplatte, bis es mehr oder weniger öde in die Großstadt geht.

Logisch, dass wir in Tadoussac noch einmal die Fähre nehmen mussten. 3 mal Fähre pro Tag ist zwar nicht der Rekord, aber schon ganz gut.

Was auffällt, ist, dass die Häuser, die hier am Wegesrand stehen, auch gut gepflegt und hübsch sind, aber längst nicht den Stil von New Brunswicks oder Nova Scotias Küsten aufweisen.

In Québec fahren wir erstmal zu Costco, um den Tank aufzufüllen. Dann steht Abendessen an. Um nicht die Prozedur vom Frühstück zu wiederholen, beschließen wir, wieder zu MD zu gehen. Schließlich haben die so Bestellautomaten, da kann man sich ohne größere Verständigungsprobleme seine Mahlzeit selbst zusammenklicken. Und was ist? Ausgerechnet hier sind die Automaten außer Betrieb. Aber wir schaffen es, eine Angestellte mit „ein bisschen“ Englisch zu erwischen und stellen die einfachste Möglichkeit für ein Essen zusammen.

Jetzt aber ins Hotel, morgen wird gepackt, dann schauen wir uns Québec an und fahren nach Montreal zum Flughafen.

29.10.2021 – Von Moncton nach Rivière du Loupe

Mit Riesenschritten geht es weiter. Einige hundert Kilometer haben wir vor der Nase. Gut, dass es in Moncton einen Costco gibt, der auch eine Tankstelle hat.

Also laden wir uns den Bauch unseres Dicken nochmal mit Sprit voll, nachdem wir unser schönes Hotelzimmer nach einem reichhaltigen Frühstück verlassen hatten. Gut: Die Dame im Frühstücksraum erkannte uns wieder und ersparte uns das Vorzeigen der Impfzertifikate.

Da Costco gerade geöffnet hatte, sprangen wir noch „kurz“ rein, auch um mit leerer Blase die Fahrt beginnen zu können. Aufgrund ihrer geringen Ortskenntnis verirrte sich meine Göttergattin auf dem Weg dorthin in die Textilabteilung und hatte wie durch ein Wunder plötzlich einen Stapel Shirts auf dem Arm.

Wenn ich schon einmal da bin, kann ich auch mal was für meinen Astralkörper tun. Ich entdeckte auf einem Stapel Levis-Jeans in genau ZWEI Größen und in schwarz. Und zum Preis von 9,97 Can-Dollar. Umkleidekabinen gibt es dort nicht, also erstanden wir eine davon und ich probierte sie auf dem Parkplatz zwischen Hinter- und Vordertür an. Passt wie angegossen. Also wieder rein und mal schauen, ob sie davon noch welche haben. Auf dem Stapel lagen noch 4 weitere, die für mich in Frage kommen. Also vorher lagen sie da. Jetzt liegen sie in meinem Koffer.

Nun können wir endlich los. Erstes Tagesziel ist Fredericton, die Hauptstadt der Provinz New Brunswick.

Provinz stimmt schon. Wir verließen die Autobahn relativ früh, um gemütlich am St. John River entlangzugondeln.

Zwischendurch immer mal wieder Anzeichen von Landwirtschaft.

Wobei: Eigentlich ist doch Idaho das „Land of Potatoes“. Will da jemand dem Bundesstaat in den USA den Rang ablaufen?

Immer wieder sieht man auch, dass die Leutchen hier langsam den Winter erwarten. Hier haben nicht nur die Frauen viel Holz vor der Hütte.

Dann überquerten wir den St. John River über diese imposante Brücke.

Wir kamen gerade dem Zentrum näher als die Fahrerin unseres Wagens trocken meinte: Fahr Du weiter, Du kennst Dich hier besser aus! Hä? War ich in einem früheren Leben schonmal hier?

Wenn man Provinzhauptstadt sagt, dann ist das auch so. Mit ca. 58.000 Einwohnern gibt es größere Hauptstädte auf der Welt. Aber das tut der Schönheit keinen Abbruch.

Wir parkten unseren Wagen auf einem zentralen Parkplatz und ich wühlte mich durch diverse Menüs, bis ich für zwei Stunden ein Ticket gebucht hatte (hoffentlich).

Dann machten wir uns auf den Weg am Fluss entlang

vorbei am Leuchtturm

und dann in Richtung Fußgängerbrücke, eine alte Eisenbahntrasse.

Gut, sowas haben wir in Kupferdreh auch, aber längst nicht sooo lang.

Den Rückweg wollten wir uns durch den Anblick der vielen hübschen Häuser den Weg verschönern.

Dadurch, dass diese Gegend durch Holzindustrie vor ein paar hundert Jahren reich geworden ist,

konnte man sich derart schicke Villen leisten.

Und die Kirchen sind auch nicht ohne.

Auf dem Rückweg kamen wir dann auch noch auf der Main Street in Downtown vorbei.

Der Knochenmann wird auch wohl nur zur Nachtzeit Spaziergänger erschrecken.

Und weiter geht es wieder auf die Autobahn. Hatte ich eigentlich schon erzählt, dass wir heute das beste Wetter des ganzen Urlaubs hatten? Hiermit gern geschehen.

Auf dem Weg nach Norden machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Grand Falls, wo wir auf dem Hinweg schon übernachtet hatten. Aber so trocken sehen die Fälle auch im Sonnenlicht nicht besser aus.

Die Sonne ging langsam auf den Horizont zu und die Straßen waren leer wie fast immer. Und die Bäume übrigens auch. Was sich vor zwei Wochen noch farbenfroh mit Blättern gezeigt hatte, war jetzt einem zarten Grau gewichen.

Als die Sonne verschwunden war, tauchte sie den Horizont in ein herrliches purpurnes und oranges Licht.

Kurz vor Rivière du Loup mussten wir noch durch eine Baustelle durch. Und die beste Truckfahrerin von allen hat da so eine Eigenschaft: Wenn ihr die Autos auf der Stoßstange kleben, fährt sie besonders vorschriftsmäßig. Schließlich wollen wir ja nicht von den kanadischen Polizisten ein Ticket bekommen.

Einige Kilometer spielte sie ganz brav Pilot-Car. Mark Zuckerberg würde es anders ausdrücken: Sie hatte eine Menge Follower.

Oberhalb der Stadt konnten wir die Verfolger durch ein paar beherzte Abbiegemanöver abschütteln und noch ein Foto der abendlichen Stadt machen.

Das Hotel (hier gibt es kein Best Western) ist total modern und das Zimmer gefällt uns gut. Auf einen Gutschein zur Benutzung des Spaßbades verzichteten wir.

Morgen geht es früh los, damit wir um 8 Uhr die Fähre auf der anderen Seite des St. Lorenz Strom bekommen.

 

28.10.2021 – Von Digby nach Moncton

Vor uns liegen drei mehr oder weniger langweilige Fahrtage, um zum Flughafen nach Montreal zurückzukommen.

Dazu müssen wir erstmal das wunderschöne Zimmer in Digby verlassen, welches uns die stürmischen Tage in diesem süßen Fischernest doch sehr angenehm gestaltet hat. Falls jemand mal unbedingt nach Digby muss (z.B. geschäftlich in Sachen Muscheln), dann sollte er sich unbedingt dort einquartieren. Es gibt dort sehr viele unterschiedliche Zimmer, jedes auf seine Weise sehr modern und unterschiedlich gestaltet.

Da wir gestern schon festgestellt hatten, dass das Frühstück beim Zimmer nicht dabei war und wir andererseits auf die Wiederholung von Tim Horton verzichten konnten, zauberte meine Göttergattin aus Brötchen von Costco, Käse, Schinken und Tomaten mit Hilfe der Mikrowelle ein mindestens ebenbürtiges, nein, ein deutlich besseres Frühstück.

Nun geht es auf die Piste. Reine Fahrzeit ca. 4,5 Stunden (wir wollten ja nicht die Fähre nehmen, die ja sowieso nicht fährt).

Aber das lässt uns Zeit, am Wegesrand liegende Ziele anzufahren (unter anderem einen Modeladen, liegt halt am Wegesrand).

Zuerst stoppten wir kurz in Anapolis Royal, ein Nest, von dem es außer dem Namen nicht viel Interessantes zu berichten gibt.

Ca. 2 Autostunden später trudelten wir dann in Truro ein. Ich hatte mir von Fotos, die ich gesehen hatte, mehr davon versprochen. Aber zumindest die Library und eine der Steinkirchen

sehen nicht schlecht aus von außen.

Bitte nicht wundern über den merkwürdigen Vordergrund: Dort war gerade Vogelscheuchenfest.

Die Mainstreet downtown: Wie viele andere hier.

Weiter geht es. Von Truro aus führt eine (ziemlich große) Landzunge nach Westen, in die Bay of Fundy hinein. Dort liegt das Örtchen Parrsboro, welches für seinen Mineralienreichtum an den Küsten bekannt ist. Das wollten wir auch sehen.

Wir wendeten uns nach Partrige Island, fuhren auf den Strand und suchten diesen nach Amethyst-Drusen und Achaten ab. Zumindest mir fehlte die Qualifikation, einen Amethysten, der noch eingeschlossen ist, zu erkennen. Achate hätte ich noch erkannt, aber davon gab es genauso wenige. Ein Einheimischer, der uns über den Weg lief, meinte, dass diese auf der Seeseite der insel zu finden seien. Aber die ist nur mit dem Boot zu erreichen.

Na gut, haben wir zumindest etwas für unseren Schrittzähler getan und einen langen Strandspaziergang gemacht.

Und eine schöne Schale einer Schnecke gefunden. Habe ich aber dagelassen. Wir haben was Besseres zum Abendessen.

Jetzt noch 1,5 Stunden bis nach Moncton, wo wir schon einmal 4 Nächte verbracht hatten. Bei der Reservierung hatte ich mich richtig eingeschleimt und um ein Zimmerupgrade gebeten.

Als wir ankamen, meinte die freundliche Dame an der Rezeption, dass wir eines bekommen hätten.

Wie groß war unsere Überraschung, als wir das gleiche Zimmer wie beim letzten Mal bekamen. Also die Business-Suite mit dem Riesen-Schreibtisch. Nur diesmal für einen deutlich günstigeren Kurs.

Aus Freude darüber mussten wir das gesparte Geld wieder loswerden. Und wo geht das besser als bei Marshalls. Liegt ja wie erwähnt am Wegesrand. Nicht direkt an unserem, aber an irgendeinem.

Nach erfolgreicher Jagd noch den restlichen Kartoffelsalat und ein paar andere Reste vernichten. Der Tag war doch nicht so langweilig wie befürchtet.

27.10.2021 Digby Neck oder „Das hatte ich so nicht erwartet“

Letzteres war mit der häufigste Ausspruch meiner Göttergattin an diesem Tag, der eigentlich wenig aufregend zu beginnen schien. Der Wettergott meinte es mal wieder nicht gut mit uns, das Regenradar zeigte ein fast durchgehend grünes Band über der Halbinsel und den beiden vorgelagerten Inseln Long Island und Brier Island.

Aber erstmal gibt es Frühstück. Da unser Hotel trotz des tollen Zimmers kein Futter beinhaltete, machten wir uns selbst auf die Suche. Eine in Kanada weit verbreitete Kette speziell für Frühstück ist Tim Hortons. Test, Test, Test. Im Endeffekt nicht anders als MD oder jede andere Fastfood-Kette. Das hatten wir so jetzt fast erwartet.

Die zweite Insel gedachten wir zum Endziel unseres heutigen Ausfluges zu machen. Höhepunkt(e): Um vom „Festland“ nach Long Island und von dort nach Brier Island zu kommen, mussten (inkl. Rückweg) 4 Fährfahrten durchgeführt werden. Fast wie Weihnachten für meine bessere Hälfte. Aber auch nur fast (warum, das sehen wir später).

Wir kämpften uns durch den Wind und den Regen bis zur Südspitze von Brier Island, um den dortigen Leuchtturm zu umrunden.

Echt aufregend, vor allen Dingen, wenn Dir der Wind dermaßen stark entgegenbläst, dass Du Dich mit vollem Körpergewicht (und das will bei mir was heißen) dagegenlehnen kannst.

Auf dem Rückweg sahen wir mal, wie stark der Wind sein kann: Selbst Kühe werden total verstrubbelt.

Kurz danach lief uns ein Minischwein über den Weg. Sachen gibts. Dabei heißt es doch in Norddeutschland erst dann Sturm, wenn die Schafe keine Locken mehr tragen.

In Westport auf Brier Island natürlich wieder süße Häuser, wenn sie auch nicht ganz so piko aussahen wie an manch anderen Stellen.

Auch der Hafen klein, schnuckelig und gut vor den Elementen geschützt.

Die Fähre kam relativ schnell (sie fährt jeweils zur vollen Stunde von Ost nach West und jeweils 25 nach in die Gegenrichtung).

Auf dem Rückweg durch Long Island hatten wir endlich die Gelegenheit zu einer etwas längeren Wanderung: Es gibt dort (analog zum Arches National Park) einen balancierenden Felsen. In den USA heißt er Balanced Rock, hier Balancing Rock. Nach ca. 1 Kilometer durch feuchten Nadelwald geht es 253 Stufen nach unten, bis man vor einer wilden Felsenküste aus Basalt steht.

Wer von Euch mal Harry Potter und die Jagd nach den Horkruxen gesehen hat, wird unwillkürlich bei diesem Anblick daran denken. Kommentar von K.: Das hatte ich so nicht erwartet.

Und dass der einsame Felsen bei dem Sturm immer noch steht, ist schon ein Wunder. Wir haben uns jedenfalls vorsichtshalber NICHT dagegengelehnt.

Von Long Island aus geht die vierte Fährfahrt wieder auf das Festland. Und da wurde es dann richtig spannend. Vom Meer her rollten meterhohe Wellen an und meine sonst so fährbegeisterte Gattin wurde ziemlich kleinlaut, als es auf das Schiff ging. Das hatte sie so nicht erwartet. Und sie war auch ziemlich froh, als wir dann nach schwankender Überfahrt (ab und zu schlug uns ein ziemlicher Brecher auf die Windschutzscheibe) heil wieder festes Land erreicht hatten. Als ich vorschlug, sie könne ja nochmal hin- und herfahren, lehnte sie dankend ab. Das hatte ICH jetzt nicht so erwartet.

Die weitere Fahrt nach Norden lief recht problemlos ab. Einen Abstecher machten wir noch ins Whale Cove. Dort soll man Wale sehen können. Ich würde eher sagen, dort kann man Wale suchen, aber bei dem Wellengang einen blasenden Wal zu erkennen, grenzt schon an ein Wunder. Aber zumindest sichteten wir dort zwei Seelöwen. Das hatten wir dort nicht erwartet.

In der Nähe von Digby fuhren wir dann zum Fähranleger für die Fähre nach Saint John. Ursprünglich war geplant gewesen, am Nachmittag des kommenden Tages die Fähre zu benutzen, um a) innerhalb von ein paar Stunden nach Saint John zu kommen, wo wir ein Hotel reserviert hatten. Und b) die tolle Überfahrt und genießen und viele Wale zu sehen.

Aber schon gestern kristallisierte sich raus, dass es sowohl mit a) und b) nicht viel würde, weil die Fähre incl. Personenbeförderung uns knapp 200 Dollar gekostet hätte. Also entschlossen wir uns, die Hotelnacht zu stornieren und dafür in Moncton noch einmal Station zu machen. Ist zwar mit Fahrerei verbunden, das stellt für uns aber kein Problem dar.

Wie gut, dass wir das gemacht haben. Gegen 15 Uhr erreichten wir das Terminal und dort war nichts los. Wegen des schlechten Wetters war der Fährbetrieb kurzerhand eingestellt worden.

Aber den Leuchtturm vor Digby (Point Prim) wollten wir zumindest noch sehen. Auf dem Weg dahin sahen wir im Meer eigenartige Anlagen, deren Sinn wir uns nicht so recht erklären konnten. Ob dort Hummer oder Muscheln nach dem Fang „geparkt“ werden, um sie frisch zu halten? Für sachdienliche Hinweise, die zur Klärung des Tatbestandes führen, gibt es ein Dankeschön und auf Wunsch eine namentliche Erwähnung in diesem Text.

Beim Leuchtturm selbst wehte der Wind so stark, dass mir beinahe die Tür beim Öffnen aus der Hand gerissen wurde (damit hatte keiner von uns gerechnet).

Schließlich stellten wir uns parallel zur Leitplanke am Abgrund auf und sahen zu, wie die Wellen meterhoch an die Küste brandeten.

Ach ja, im Original und weniger romatisch sieht das dann so aus:

26.10.2021 – Von Dartmouth/Halifax nach Digby

Leider haben die Wetterfrösche mit ihrer Vorhersage Recht gehabt: Im Süden der Halbinsel war 98% Regen angesagt. Und der kam auch. Fast die ganze Fahrt nach Süden schüttete es wie aus Kübeln. Einen Stop machten wir in Liverpool, der City of Privateers. Darunter versteht man im Endeffekt Piraten, die im Auftrag der englischen Krone fremde Schiffe kaperten, um sich den Gewinn dann aufzuteilen. Viel hat sich daran bis heute nicht geändert, nur dass man nicht mehr zur See fährt, um Fremde auszunehmen. Man nennt es auch Tourismus.

Der Regen hatte ein ganz klein wenig nachgelassen und wir konnten zumindest den Leuchtturm ablichten und uns kurz die Füße vertreten, ohne bis auf die Haut nass zu werden.

Auch das schöne Haus an der Hauptkreuzung ließ sich ohne Fluten der Kamera fotografieren.

Dann schlug der Regen wieder voll zu. Den nächsten Halt legten wir bei MD in Yarmouth ein, um mehreren körperlichen Bedürfnissen nachzukommen. Also Essen hatten wir eigentlich genug eingepackt 😉

Löblich: Wir saßen gerade am Tisch, als eine Bedienstete vorbeikam, um sich unsere Impfnachweise zeigen zu lassen. Das tat sie bei jeder Person, die etwas im Lokal verzehrte.

Sie verriet uns auch noch, dass der Leuchtturm besuchenswert wäre. Warum nicht, Zeit haben wir noch genug und der Regen hatte etwas nachgelassen.

Der Leuchtturm ist schon eine Besonderheit. Nicht nur, dass er der höchste in Nova Scotia ist, er ist auch am Kopf breiter als am Fuß. Im Gegensatz zu den üblichen Leuchttürmen. Ich gestehe übrigens: Den Himmel habe ich mit Photoshop ausgetauscht.

Wir machten einen kurzen Spaziergang durch das Gelände (war nicht ganz einfach, gegen den Wind), der Wal hatte es da deutlich leichter, ihm ging die Brise durch und durch.

Nette Idee: Eine Bank aus Hummerkörben, nur nicht die Füße in die Löcher stecken…

Und dann das Highlight des Nachmittages: Auf der Entfernungstafel hatte man die wichtigste Stadt (zweite von unten) nicht vergessen: Essen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich aus Essen komme?

Leicht zerzaust machten wir uns auf den weiteren Weg.

Auf dem Rückweg von der vorgelagerten Insel konnte man sehen, dass die Einwohnerschaft a) nicht viel von rechten Winkeln hält und

b) offensichtlich zu beschäftigt ist, um einen verrotteten Kai abzureißen.

Der Regen fing pünktlich wieder an, als wir im Auto saßen. Jetzt ist es nur noch eine Stunde bis Digby. Was erwartet mich dort? Ein Fischerdorf. Ein winziges muffiges Hotelzimmer, wo der Schimmel lebhaft von den Wänden kriecht.

Aber nein, die Überraschung war perfekt, als wir an der alten Fassade des Hauses vorbei eine saubere, helle Treppe hinaufstiegen und unser Luxus-Appartement betraten.

So etwas haben wir den ganzen Urlaub noch nicht gehabt.

Auch so macht Digby den Eindruck eines gemütlichen Dorfes, in dem der Tourismus zwar eine Rolle spielt, aber nicht die Haupteinnahmequelle. Die besteht aus der Fischerei. Und zwar Jakobsmuscheln und Makrelen.

Die Sonne ging schon langsam unter, als wir einen kleinen Spaziergang in den Fischereihafen machten. Bestimmt hundert Boote lagen dort vertäut und warteten hell erleuchtet darauf, rauszufahren. Oder waren gerade zurückgekommen?

Bemerkenswert fand ich die Form der Boote. Bestimmt 7-8 Meter breit und dabei so kurz, dass sie schon fast stummelig wirkten.

Auf dem Rückweg mal ein Foto über die nächtliche Straße von Digby (die Bürgersteige wurden gerade hochgeklappt)

und den Boardwalk.