Project Digital – Negative selbst digitalisieren

1975 fing ich mit der Fotografiererei an. Damals war eine Minolta SRT 303 meine erste Kamera. In den folgenden 30 Jahren sammelten sich 529 Filme im S/W- und im Farbbereich an. Diese lagerten (zum Glück ziemlich sortiert) in Ordnern in Folienhüllen im Schrank.

Digitalisieren, aber wie? DM (und andere Laboratorien) bieten diesen Service an. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich früher mal für einen Film 10 Euro bezahlt. Und bekam dafür eine CD mit .jpg-Dateien zurück. Wo das bei über 500 Filmen hinführt, kann sich jeder selbst ausrechnen. Also: Selbst ist der Mann.

  1. Möglichkeit: Die Papierbilder abfotografieren. Theoretisch möglich, aber dazu müsste man alle Fotos geordnet vorliegen haben. Und eine Apparatur mit Blitzanlage, Stativtisch etc. aufbauen. Umständlich, sehr zeitaufwändig.
  2. Möglichkeit: Die Papierbilder einscannen. Sowohl theoretisch als auch praktisch möglich. Dauert nur EWIG.
  3. Möglichkeit: Die Negative über einen Dia-Scanner einscannen. Ich habe zuhause einen Magazinscanner, den ich automatisch laufen lassen kann. Ca. 1,5 Stunden für 50 Aufnahmen. Und bei gerahmten Dias auch ein wunderbare Sache. Aber ca. 19.000 Negative zerschneiden, rahmen und dann einscannen? Nein danke.
  4. Möglichkeit: Einen speziellen Negativscanner kaufen. Wäre auch eine Option gewesen. Nur hätte die Scanzeit bei einer vernünftigen Auflösung bestimmt eine Minute oder länger pro Aufnahme gedauert. Die Zeit wollte ich nicht investieren. Außerdem hat man dann nur jpg-Files und keine Raw-Fotos, die sich schlechter nachbearbeiten lassen.
  5. Möglichkeit: Mit der Kamera abfotografieren. Dazu einen DSLR-Objektiv-Aufsatz zum Digitalisieren von Negativen verwenden. Kostet ein „Appel und ein Ei“, aber ich hatte zu der „supereinfachen“ Lösung nicht so das rechte Vertrauen. Vor allen Dingen: Wie sieht es da mit einer Beleuchtungsquelle und deren Befestigung aus? Daher entschied ich mich für die folgende Variante zum Abfotografieren: Do it yourself:
  6. Möglichkeit:  Was wird dazu benötigt? Eine „normale“ digitale Spiegelreflexkamera, ein Objektiv, mit dem man variabel an die Negative heranfahren kann (z.B. mit einem Balgengerät), eine Halterung für die Negativstreifen und eine Lichtquelle. Bis auf die Halterung war alles vorhanden. Also bat ich meinen bastelnden Sohn Mike, mir eine solche zu bauen. Er hat Spaß daran.

Und dann ging es los.

Hier als erstes das Ausgangsmaterial:

Halbwegs ordentlich katalogisiert musste ich „nur“ noch die Streifen aus der Hülle frickeln. Und dabei trat schon die erste Schwierigkeit zutage. Als ich damals die Fotos aus dem Labor zurückbekam, waren diese (zur Vermeidung von Fingerabdrücken und um sie für Nachbestellungen beschriften zu können) an einer Papierlasche befestigt.

Diese ließ sich zwar ohne Beschädigung der Negative entfernen, aber winzige Klebstoffreste sorgten bei der jetzigen Aktion dafür, dass sich die Streifen stellenweise nur mit etwas Gewalt herausziehen ließen.

Nächster Schritt:


Negativstreifen einfädeln. Man sieht hier den Aufbau der Apparatur. Das Handy stellt die Beleuchtungsquelle dar, davor ist die Halterung, in die die Negative eingefädelt werden. Diese zu bekommen war das größte (und doch kleinste) Problem. Wonach im Netz suchen? Selbst mein Fotohändler des geringsten Misstrauens, Calumet in Essen, konnte mir da weder mit Rat noch mit Tat weiterhelfen. Und die Lösung lag soooo nah: Einfach mal ins Bad, da stand noch mein altes Vergrößerungsgerät im Schrank und genau dort befand sich die Schablone, um die Negative einzuziehen.

Als Kamera verwendete ich meine bewährte Nikon D4. Mit 16 MP stellt sie für mich einen guten Kompromiss aus Auflösung und Dateigröße dar. Hätte ich meine D800 mit 36 MP genommen, ich wäre der Datenflut nicht mehr Herr geworden. Und die Bearbeitungszeit am Rechner wäre auf ein vielfaches angewachsen.

Als Beleuchtungsquelle darf ich hier mein Android-Handy vorstellen. Es gibt verschiedene Apps für diesen Zweck, ich entschied mich für Pocket-Softbox. Hier kann ich einen „weißen“ Hintergrund einstellen. Genauer gesagt konnte ich sogar die Farbtemperatur wählen. Ich entschied mich für 5000 K und stellte diese auch an der Kamera ein.

Dann die Kamera auf dem Stativ leicht nach oben richten, damit das Handy nicht so leicht runterfällt und justieren. Für die ersten Aufnahmen hatte ich so exakt wie möglich an das Negativ herangezoomt, stellte aber fest, dass ich es nicht schaffte, den wirklich genauen Ausschnitt immer zu treffen. Schon geringste Anstubser am Handy verschoben mir diesen. Und was noch lästig war: Da ich mit zu kurzen Armen und daher einer Lesebrille gesegnet bin, musste ich zum Einfädeln die Brille aufsetzen, zum Blick durch den Sucher diese wieder abnehmen und so fort. Ein weiteres Problem ergab sich durch die Schwerkraft. Jeweils beim ersten und letzten Bild eines Streifens hing dieser zur Seite etwas durch (Schablone hatte ein wenig Spiel), so dass das Bild etwas schräg in der Halterung stand. Festhalten mit der Hand ging nicht, dazu war die Belichtungszeit zu lang.Eine Lösung all dieser Probleme ergab sich durch einen Wechsel der Kameraaufstellung. Linse, Kamera + Halterung nach unten, das Negativ hängt nicht mehr schräg durch, die Sucherfokussierung wurde durch den Live-View ersetzt. Und das Handy fällt auch nicht runter, wenn man ein stärkeres Gummi wählt.

Und wie man sehen kann, habe ich den Ausschnitt etwas großzügiger angesetzt. Im Liveview kann man relativ leicht das einzelne Bild im Rahmen einpassen, so dass keine weißen Ränder entstehen. Zur Belichtung wählte ich an meinem 60mm Makro Objektiv die Blende 8 und ließ die Zeitautomatik den Rest erledigen. Dabei kamen üblicherweise Belichtungszeiten zwischen einer 15tel Sek. bis zu einer Sekunde raus. Autofokus funktioniert mit dem Balgengerät natürlich nicht und es wurde einmal im Liveview fokussiert.

Nach jedem Film einmal ohne ein Bild vor der Linse auf den Auslöser gedrückt, damit ich die Filme voneinander trennen kann am Rechner.

Bei ganz alten Filmen, die ich noch selbst entwickelt hatte, konnte ich diese Papierhüllen verwenden (da sie nicht vom Labor in kleinere „Einheiten“ zerschnitten wurden). Das reduziert den „Einfädelaufwand“. Und die Zeit für einen Film auf ca. 7 Minuten.

Los gehts. Ungefähr 10 Minuten brauchte ich für einen normalen 36er Film in den Hüllen mit 4er-Streifen, dann hatte ich alle Aufnahmen auf dem Chip.

So wühlte ich mich durch die Negativstreifen, bis ich ca. 400-500 Fotos gemacht hatte.

Dann ab an den Rechner. Alle Bilder erstmal in ein temporäres Verzeichnis auf der Festplatte. Dann für jeden Film ein Verzeichnis anlegen und die Fotos dort hineinschieben.

Für jeden Film einzeln der Import in Lightroom:

Beim Import vergab ich für jeden Film vorsichtshalber das Stichwort „negativ“, um sie später mal schnell wiederzufinden. Zusätzlich noch weitere Stichworte, wo es passend erschien.

Nun haben Farbnegative den eklatanten Nachteil, dass sie durch die Filmemulation schon einen kräftigen Rotstich mitbringen. Dieses Problem wurde durch ein spezielles Template gelöst, welches die Invertierung und die Beseitigung dieses Farbstiches hinbekommt. Und wenn dann die Vorschaubildchen so nach und nach erzeugt werden, kommt das große „Aha-Erlebnis“: Die Bilder werden schöööön.

Für die SW-Negative verwendete ich ein weiteres Template, welches nach ein paar Filmen in Richtung Helligkeit, Kontrast, Tiefen und Lichter optimiert wurde.

 

Jetzt gibt es nur noch vier Schritte zu tätigen: Beschneiden, die Ausrichtung korrigieren, Verschlagworten und letzte Bildanpassungen vornehmen. Das Beschneiden ist relativ einfach zu erledigen: Im Entwicklen-Modus wird das erste Bild zugeschnitten. Dann in den Bibliotheksmodus wechseln, mit strg+A alle Bilder außer dem ersten markieren und mit strg+alt+v die Einstellung auf alle anderen Aufnahmen anwenden.

Das Verschlagworten kann filmeweise erfolgen, wenn es sich um das gleiche Thema handelt. Bei Einzelpersonen kommt man nicht um die Handarbeit herum. Zur Personen-/Gesichtersuche in LR habe ich nicht so das rechte Vertrauen, zumal ich die gefundenen Personen dann nicht bei den Stichworten wiederfinde, sondern eine extra Suche/Filterung aufmachen muss.

So far, so good. Fehlt jetzt noch der Export. Den kann und sollte jeder selbst für sich konfigurieren.

Tipps:

  • Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Handybildschirm so zu sperren, dass bei einer versehentlichen Berührung nicht die Softbox-App weggeschaltet wird, solltet ihr sie nutzen.
  • Wenn ihr nicht den Live-View, sondern den Sucher verwenden wollt, achtet darauf, ob eure Kamera 100% des Sucherbildes anzeigt.
  • Die Arbeit mit dem Live-View kostet Akku-Kapazität. Seht zu, dass ihr einen Reserve-Akku bereit liegen habt.
  • Beim Entwickeln dran denken: Der Regler für die Belichtung funktioniert in der entgegengesetzten Richtung.
  • Jedes Bild setzt den „Shutter-Count“ hoch. D.h. wenn ich fertig bin, hat die Kamera ca. 19.000 Auslösungen mehr auf dem Buckel. Das kann bei preiswerten Konsumerkameras schon einen erheblichen Teil der Lebensdauer ausmachen.

Und die Quintessenz aus der Geschichte: An den ersten beiden Tagen des Jahres 2018 habe ich ca. 80 Filme digitalisieren können. D.h. es wird mir für lange und regnerische Abende noch genug Arbeit übrig bleiben. Der Lohn der Mühe besteht darin, längst vergessene, in Alben verstaubende Fotos von alten Freunden, von Verblichenen und sonstigen geliebten Menschen wiederzufinden. Und (so sie noch leben) auch mit diesen zu teilen.

Sollte also jemand aus meiner Vergangenheit diesen Post bis hierhin lesen, sich daran erinnern, dass er oder sie mal vor meine Linse gelaufen ist, sei es bei einer Vereinsveranstaltung, bei Mannschaftsfotos oder bei Fotoshootings: Ihr seid herzlich eingeladen, euch bei mir zu melden. Ich werde dann sehen, welche Namen/Gesichter ich noch identifizieren kann und euch gerne die Aufnahmen – dann natürlich DIGITAL – zukommen lassen.

BVB Dortmund spielt gegen Oldenburg

Erste Damenmannschaft des BVB Dortmund gewinnt gegen Oldenburg.

Südöstlich der Westfalenhalle in Dortmund liegt im Stadtteil Wellinghofen eine unscheinbare Halle. Dort hat der BVB Dortmund seine Heimspiele. Nein, nicht die Fußballer. Die Handballerinnen spielen ebenso wie ihre kickenden Vereinskameraden in der 1. Bundesliga, zum heutigen Zeitpunkt auf dem 7. Platz. Liebe Dortmunder, lieber BVB: Gönnt Euren Handball-Damen mal was Besseres. Sie haben es wirklich verdient.

Und zu einem solchen Spiel hatte ich die Erlaubnis bekommen zu fotografieren. Eigentlich hatte ich mich auf ein Derby in der Westfalenhalle gefreut, aber dem Damenhandball wird noch immer nicht der entsprechende Rang unter den Sportlerinnen eingeräumt. Der Parkplatz war ungemütlich voll, aber es gelang mir, einen Platz zu ergattern. Immerhin fasst die Halle 2500 Zuschauer. Dass es sich um ein Spiel in der 1. Bundesliga handelte, merkte ich, als ich an einem Heer von Sicherheitskräften vorbeimusste und auch daran, dass vier Fernsehkameras von Sport-TV das Event übertrugen.

_D574479.jpgDie Halle war brechend voll und die Stimmung wurde professionell angeheizt. Etwas, was sich auch kleinere Vereine antun sollten.

_D574478.jpgNach dem Einlauf der Gegnerinnen wurden die HEIMISCHEN Spielerinnen ins rechte Licht gerückt und einzeln begrüßt.

_D574484.jpgDie Begrüßung unterschied sich nicht von dem, was ich in den unteren Klassen gewohnt war.

_D574490.jpgZu Anfang taten sich die Dortmunderinnen noch etwas schwer. Aber mit zunehmendem Spielverlauf bekamen die grünen Nordlichter die schwarz-gelben immer weniger in den Griff. Besonders Anne Müller war am Kreis nicht zu stoppen.

_D574505.jpgTorhüterin Clara Woltering entnervte zusätzlich die Gegnerinnen durch das Halten eines Siebenmeters.

_D574547.jpgGegen Ende der ersten Halbzeit griffen die Oldenburger zu einer Verzweiflungstat: Sie tauschten im Angriff die Torhüterin gegen eine Feldspielerin aus. Etwas, das sich die Routiniers aus dem Ruhrpott nicht entgehen ließen: Würfe über das ganze Feld führten so einige Mal zum Tor und ließen den Vorsprung ohne kräftezehrende Angriffe wachsen.

Am Ende der ersten Halbzeit stand es dann 16:8 für Dortmund.

In der zweiten Halbzeit ging man also mit einem schönen Polster ins Spiel.

Sprunggewaltig Nadja Mansson.

_D574572.jpgSaskia Weisheitel weicht keinem Zweikampf aus.

_D574589.jpgUnd die flotten Mädels ließen nichts anbrennen. Logisch, dass in dieser Klasse ordentlich zugepackt wurde. Aber damit kann Alina Grijseels (übrigens mit 7 Toren eine der Torschützenköniginnen in diesem Spiel) umgehen.

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Die Trikots scheinen sehr reißfest zu sein. Aber auch den Gegnerinnen schenkte man nichts.

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Ob von vorne (hier Johanna Stockschläder),

_D574717.jpgvon links (hier Svenja Huber mit ebenfalls 7 Toren)

_D574700.jpgoder von rechts (hier Virag Vaszari),

_D574548.jpgvon allen Seiten prasselten die Tore auf Niedersachsens Handballelite ein.

Nach 60 Minuten stand es dann verdient 34:19 für die Dortmunderinnen.

_D574764.jpgLogisch, dass die Freude und der Jubel groß war. Die Halle tobte._D574610.jpg

_D574774.jpgDanke, dass ich dabei sein durfte.

BVBDortmund-Oldenburg

Suzan Köcher spielt im alten Stellwerk in Solingen

Am Samstag trieb es mich ins bergische Land. In der Klingenstadt Solingen steht das „Alte Stellwerk“, eine Kunstgalerie, welche sich durch auch durch Konzerte einen Namen gemacht hat.

_D478371.jpg_D573848.jpg _D573994.jpgAn diesem Abend spielte ein Solinger Kind, Suzan Köcher, mit der Band Palace Fever, die seit ca. 3 Jahren auf der musikalischen Bühne unterwegs ist.

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_D573952.jpgDiese möchte ich kurz vorstellen. Zu Suzans linker Seite (aus Zuschauersicht) spielt Julian Müller (Blackberries und Palace Fever) die Gitarre,

_D573852.jpghinten links Pieet Knorke,

_D573886.jpgAlfie Joy

_D574154.jpgund Jens Vetter am Schlagzeug.

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Zur Musik der Gruppe hatte ich mal kurz bei Youtube reingehört und es gefiel mir. Nichts, was ich vorher kannte, aber trotzdem vertraut. Vielleicht lag es daran, dass sie einen Musikstil spielen, der aus „meiner“ Zeit stammt, die 60er, ein bisschen Country dabei, ein bisschen Folk. Man fühlt sich einfach direkt zuhause in der Musik. Und dazu passt es auch, dass man in der Pause Schallplatten erwerben konnte. An die heutige Jugend: Das waren die Vor-Vor-Vorgänger zu Napster, Spotify und Konsorten. Man legte die Schallplatte auf einen Plattenteller, legte sehr vorsichtig die Nadel auf die Platte und konnte Musik genießen. Perfekt dazu passte es natürlich, dass in der Pause ein DJ mit einem Plattenspieler das Publikum unterhielt. Ach ja, Publikum: In das Alte Stellwerk passten ca. 50 Leute rein, vom Alter her so mein Genre._D478337.jpg

_D478399.jpg _D478394.jpg _D478390.jpg

Nach einer Pause ging es in den zweiten Teil und die Musiker mussten sich wieder warmspielen, denn die Heizung in der Galerie funktionierte im Erdgeschoss noch ganz gut, im oberen Stockwerk eher supoptimal.

Aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch, eine Zugabe konnten wir herausholen, dann war Feierabend.

Auf jeden Fall empfehlenswert. Schaut euch auf der Webseite von Suzan um für weitere Tourdaten. Wenn ich wieder die Gelegenheit bekomme, bin ich wieder dabei.

Suzan Köcher

18.11.2017 – Von LA nach Düsseldorf

Der letzte Tag bricht an. Wir haben die Nacht in einem sehr schönen Hotelzimmer verbracht, das größte, das wir auf dieser Reise hatten. Mal sehen, was das Frühstück zum Abschied für uns bereit hält: Ahhh, Kalifornien steht auf Abwechselung: Neben Rührei gibt es (deutlich anders schmeckende) Bratkartoffeln und in Scheiben geschnittene, angebratene Scheiben Wurst, eine Art Salami. Dazu die Haferflocken direkt als warmen Porridge aufbereitet, auch nicht schlecht.

Dadurch, dass wir das Hotel nicht in Flughafennähe gebucht haben, dürfen wir noch einige Meilen fahren, so ca. 50 bis 60 (oder noch mehr?). Am Interstate 10 liegen direkt nebeneinander eine Burlington Coat Factory, die Hosen für mich abwirft und gegenüber noch ein Costo. Letzterer hält ein Sweatshirt für mich bereit (hatte ich in allen anderen Costcos gesucht, aber nicht gefunden). Hawaii-Hemden haben sie dort leider nicht. Dann dort noch tanken. Vor dem Tanken noch alles in die Koffer gepackt. Die Gewichtsreserven schwinden bedenklich.

Hier übrigens mal ein Blick auf das Mäusekino unseres RAM. Sehr interessant: Der Ganghebel ist kein fetter Schalthebel mehr, sondern ein zarter Drehknopf. Wenn man manuell in kleinere Gänge schalten möchte, gibt es dafür am Lenkrad Knöpfe oberhalb des Tempomaten. Unterhalb des Schaltknopfes die Einstellungen für 4-Rad-Antrieb.

SIrius Radio hat uns die Fahrten deutlich angenehmer gestaltet.

Dann endlich in Richtung Küste, dort liegt auch der Flughafen. Und endlch auch die (nicht unbedingt ersehnten, aber befürchteten) Staus auf den Autobahnen.

Wir quälen uns durch bis Venice, weil wir dort nach 30 Jahren mal die Kanäle besichtigen wollen. Gut „besichtigen“ ist nicht ganz der richtigen Ausdruck, die Straßen in den Wohngebieten um die Kanäle sind eng, freie Parkplätze sind Mangelware.

Wir stellen uns für Sekundenbruchteile in eine rote Zone, ich springe raus und mache ein paar Fotos.

Dann nochmal in anderer Richtung durchfahren und von den Brücken auch in alle Richtungen fotografieren.

Dann kurz vor dem Flughafen den letzten Rest an Sprit auffüllen und zum Car Rental Return. Den Wagen räumten wir leer und ich wechsele meine kurze Hose gegen eine lange und tausche das leichtere Hemd gegen das schwerere. Jedes Gramm zählt, feste Schuhe tauschen gegen die Flip Flops. Regenjacke an die Fototasche gehängt.

Checkin läuft problemlos, wir haben noch reichlich Zeit und machen es uns in der Alaska-Lounge gemütlich. Es gibt frischen Salat und Chili (hoffentlich nicht mit zuviel Bohnen, aber das müssen meine Hintermänner ausbaden…)

Von der Alaska-Lounge geht es vorbei am Wahrzeichen des Flughafens, diesmal schon im Abendlicht.

Der Flug nach London dauert 9 h und 45 min, alles läuft abgesehen von ein paar kleineren Turbulenzen glatt.

Jetzt sitze ich in der Plaza Lounge in LHR und tippe diese Zeilen, da hier (im Gegensatz zu LA) das Internet gut funktioniert. Gleich gibt es noch etwas leckeres zu Essen und um 3.40 Uhr geht der Flug nach Düsseldort. In der Annahme, dass dort nichts aufregendes mehr passieren wird, nutze ich die Zeit, den Urlaub zusammenzufassen und ein Resumée zu ziehen:

  • wir haben alles richtig gemacht
  • die Urlaubszeit war für das Urlaubsziel absolut passend. Ein Escape aus der kalten und nassen Jahreszeit, zwei Wochen Shorts und kurzärmelige Hemden
  • die Woche in Tucson war sehr schön. Dort gibt es viele kleine Ziele zu sehen und Tucson ist auch nicht die riesige Großstadt, die das Fahren ungemütlich macht
  • mit dem Tausch des Wagens haben wir auch einen guten Griff getan. Für uns sind Pickup-Trucks nicht einfach nur Autos, sondern ein Lebens-, ein Urlaubsgefühl. Der Spritverbrauch wäre bei einem 6-Zylinder eventuell etwas niedriger gewesen, aber für so ein Auto ist das akzeptabel. Angezeigt werden die Werte für unseren gesamten Trip, einmal in metrischen, einmal in amerikanischen Einheiten.
  • Die Hotels waren alle sehr schön, das Hotelpersonal durchweg freundlich und wir konnten dank Karins ausgeklügelter Buchungsstrategie reichlich Hotelpunkte sammeln, die sich bald zu einer Freinacht aufsummieren.
  • Was sich (zum Teil) als nachteilig erwiesen hat, war, dass die Tage relativ kurz waren. Dafür hat uns keine große Hitze in den Wüstengebieten belästigt. Und Sternenfotografie ist schon ab 18 Uhr möglich, nicht erst ab 23 Uhr.

Danke an alle die mitgelesen haben, es war schön, Euch mitzunehmen.

17.11.2017 – Fahrt von Phoenix nach LA

Heute geht es in Richtung Westen. Los Angeles ist das Ziel. Nicht nach Downtown, sondern ein Hotel in Colton (Nähe San Bernadino) hat Karin ausgesucht. Liegt nicht direkt in Flughafennähe, aber wir müssen morgen ja auch erst gegen 17 Uhr los. Also Zeit satt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedeten wir uns von Phoenix. Das weinende Auge galt dem Staat Arizona, das lachende dem absolut miesen Internet in unserem Zimmer (424). Sie hatten zwar angeboten, den Empfang zu verbessern, aber wirkungslos. Und umziehen wollten wir auch nicht.

Um 10 Uhr noch kurz bei Costco rein, dort sollte heute eine Roadshow mit besonderen Brillen von Maui Jim stattfinden. Tat es. Und ich fand eine, die mir gefiel und passte. Ab ins Gepäck damit. Was übrigens auch noch den Weg in meine Tasche fand:

Endlich mal eine für mich passende Größe.

Die Straßen in Phoenix waren frei und wir setzten uns auf den I10 Richtung Westen. Meine Beifahrerin konnte ihren schlimmen Erkältungszustand von gestern noch toppen und döste die meiste Zeit vor sich hin (wenn sie sich nicht von einer der vielen Klopapierrollen bediente). Als ob das Wetter uns den Abschied leichter machen wollte, war es von Phoenix an bewölkt und ab und zu kamen auch ein paar Regentropfen runter.

Nach einigen Stunden (und einigen kurzen Pausen auf Rest Areas) waren wir auf der Höhe vom Joshua Tree National Park angelangt und beschlossen, uns diesen zu gönnen. In den letzten Urlauben hatte es regelmäßig nicht geklappt und so freuten wir uns, diesmal ein wenig mehr Zeit dort verbringen zu können. Kurz nach dem Parkeingang fing es schon gut an. Wenn in einem Nationalpark Autos ohne Parkbucht am Straßenrand stehen und Leute angestrengt irgendwo hinschauen, ist meistens etwas außergewöhnliches in Sicht. So auch hier. Die Leutchen starrten angestrengt nach unten. Und im Vorbeifahren konnte ich auch von der Gegenspur die fette Tarantel erkennen, die sich (ohne nach links oder rechts zu schauen) auf den Weg über die Straße gemacht hatte.

Ein paar Meilen weiter ein jetzt immer noch blühender Ocotillo. Der hatte offensichtlich den Termin zum Blätter abwerfen verpasst. Was dem Kolibri zugute kam, der immer mal wieder die Blüten anflog, um sich zu bedienen. Leider war der kleine Kerl so scheu, dass ich ihn nicht vernünftig aufnehmen konnte.

Von Joshua Trees bisher keine Spur. Im Visitor Center zeigten wir brav unseren Ausweis vor und holten uns eine Karte des Parks ab. Und staunten, was es alles zu sehen gab. Ein Tage füllendes Programm. Da wir aber am Abend im Hotel sein wollten/mussten, und weil die Klopapiervorräte meiner schniefenden Beifahrerin sich gefährlich dem Ende zuneigten, musste die Kurzversion ran.

Man fährt zuerst durch den Cholla Kaktus Garten. Das hatten wir zwar früher auch schonmal, aber nicht in der Schönheit, Größe und Ausdehnung. Mittlerweile hatte sich für den Fotografen auch wieder die Sonne eingefunden.

Nach dem Garten kommt man an verschiedenen Campgrounds und Parkbuchten vorbei. Der besondere Reiz besteht meistens in den riesigen Felsen, die dekorativ in der Gegend rumliegen und sich mit den Joshua Trees zu reizvollen Fotos ergänzen.

Einer hat den treffenden Namen „Skull head“ bekommen. Konnte sogar ich erkennen.

Die Campgrounds haben dank der Felsen einen besonderen Reiz. Vor allen Dingen zu dieser Jahreszeit, wo die Temperaturen noch erträglich sind. Im Sommer? Nicht auszuhalten.

Weiter an der Straße war dann wieder tierisch was los: Steinböcke hatten wir noch nie so nah in der Wildnis gesehen. Die Viecher schauten sich auch ganz interessiert das Logo unseres Autos an. Verwandtschaft?

Vorbei an dem einen oder anderen Joshua Tree zweigte die Straße zum Keys View ab. Wir waren schon eine ganze Weile gefahren und meine Fährtensucherin neben mir meinte, wir sollten besser umdrehen, das ginge noch ewig so weiter. Gut, dass ich nicht auf sie hörte.

Ca. eine Meile später dockten wir dann auf dem Parkplatz an und hatten einen tollen Überblick unter anderem bis zur Salton Sea.

Und ich dachte schon, ich käme heute mal mit weniger Fotos aus. Pustekuchen.

Auf dem Rückweg gegen den mittlerweile rötlich gewordenen Himmel noch mal Joshua Trees

und dann die 90 Meilen bis LA. Eigenartigerweise kamen wir auch hier nicht in einen Stau.

Das Zimmer, welches wir als Upgrade bekommen haben, ist riesig, über das Internet berichte ich morgen.