11.10.2022 – Pecos National Historical Park

Nachdem wir trotz unserer Befürchtungen auf eine unruhige Nacht gut geschlafen hatten – der Bus mit den Kids war schon relativ früh weg, genehmigten wir uns ein ausgedehntes Frühstück (zwischendurch musste nebenan eine Waschmaschine laufen).

Neben uns – direkt am Fenster – hatte sich ein riesiger Schmetterling verflogen.

Er hatte sich zwischen Mückengitter und Scheibe für die Nacht eingenistet und fand jetzt nicht mehr den Weg raus. Aber ein freundlicher Hausangestellter kam von außen, nahm das Mückengitter ab und das schöne Tier konnte in die Freiheit flattern.

Hier ein paar Fotos unserer King Suite mit Balkon.

Ich würde mir zuhause eine Wohnung vermutlich nie so einrichten, vor allem nicht das Waschbecken, aber hier passt es hin, hier fühlt man sich wohl.

Heute geht es, wie die Überschrift schon sagt, zum Pecos National Historical Park. Dieser liegt ca. 30 Meilen südöstlich von Santa Fe und gehört zu den kleinen Schätzchen, die die Nationalparkverwaltung bereit hält.

Das Visitor Center selbst ist in einem schönen Adobe-Haus untergebracht.

Wir wurden gefragt, ob wir uns einen kurzen Film anschauen wollten, sie würden ihn für uns nochmal starten (so ist das in den kleinen “Monumenten”). Der “Kinoraum” war wie ein kleines Amphitheater aufgebaut, liebevoll und hübsch.

Wir erfuhren, dass diese Siedlung am Pecos eine lange und wechselvolle Geschichte mit Ureinwohnern, christlichen Geistlichen, Spaniern und anderen feindlich gesonnenen Stämmen hatte.

Bis zu 2000 Menschen lebten hier im Tal des Rio Pecos, auf einer Anhöhe, so dass man liebsame und auch unliebsame Besucher schon frühzeitig erkennen konnte. Wir befinden uns auf ungefähr 2.100 m Höhe, der Rundgang zeigt, in welch toller Umgebung die damaligen Einwohner gelebt haben. Ob sie das auch so empfunden haben, sei dahingestellt.

Das Leben in einer Kiva jedenfalls wäre auf die Dauer nichts für mich (dazu ist mein Fotorucksack einfach zu sperrig).

Auf dem Weg sollte man den Blick nicht nur in die Ferne schweifen lassen. Direkt vor einem Kakteenfrüchte und

vor uns auf dem Weg schlängelte sich eine Bullsnake in die Büsche.

Wie schon erzählt, hatte sich die Kirche auch angrenzend an die Pueblobauten breit gemacht. Und mit breit meine ich auch die Wände. Bestimmt 1,5 m waren diese dick.

Auf dem Foto unten kann man auch erkennen, welche Ausmaße das Gebäude in seiner ersten Version gehabt haben muss. Imposant.

Nach diesem äußerst informativen Besuch ging es zurück durch die Stadt Pecos. Etwas verschlafen, keine eigene Ampel. Wir fragen uns immer, wovon leben die Leute?

Der KFZ-Mechaniker sieht jedenfalls nicht so aus, als hätte er viel zu tun. Ob er auch schon Elektroautos kann?

Ein paar Meilen aus der Stadt raus fahren wir an einem Benediktiner-Kloster vorbei, bei Google wird es “Our Lady of Guadalupe Abbey” genannt, aber ich bin mir sicher, dass draußen was anderes stand. Jedenfalls ein hochmodernes Gebäude, natürlich im Adobe-Stil.

Dazu gehörig ein eigener See, der Monastery Lake, von den Amerikanern logischerweise zum Fischen verwendet.

Wieder ein paar Meilen weiter auf der 63 ein Schild zu einer Picnic Area. Hatten wir das Gefühl des Hungers vor drei Minuten noch vehement von uns gewiesen, überfiel es uns beim Anblick der Picnic Tables mit Macht.

Es ist wildromantisch hier. Der Pecos fließt vorbei, die Sonne scheint in die gelben Blätter, das Leben ist schön.

Wir beschließen, die 63 weiter Richtung Norden zu fahren. Es fühlt sich an, wie in Idaho an einem Fluss entlang zu fahren.

Wir kommen an romantischen Meadows vorbei,

an alten historischen Brücken, bis wir schließlich am nördlichsten Punkt dieser Fahrt landen, Cowles. Auf der Landkarte aus Papier ist das noch als kleinstmögliche Stadt eingezeichnet, aber auch das ist schon die Übertreibung des Jahrhunderts.

Obwohl wir zwischendurch immer wieder mal an Häusern, möglicherweise sogar Feriensiedlungen im Blockhausstil vorbeigekommen sind.

Jedenfalls sagt Google Maps, dass wir uns bei den Cowles Ponds befinden, zwei Teiche, extra zum Angeln.

Genug von der Gegend gesehen. Nicht, dass wir nicht noch hätten weiterfahren können, aber wir müssen die gleiche Strecke zurück und in den Abendstunden kommt gerne mal Wild auf die Straße, um zu schauen, welche idiotischen Touristen gerade hier herfahren.

Dass hier mal mehr losgewesen sein muss, zeigt diese historische Zapfsäule aus der Zeit Alexander des Großen.

Wieder in der Zivilisation zurück sehe ich rechter Hand das Schild eines Ross-Ladens und mache unvorsichtigerweise den Vorschlag, ob meine Göttergattin den Store nicht um einige Kleidungsstücke erleichtern möchte. Die Antwort könnt ihr euch vorstellen. Zum Glück gab es direkt nebenan ein Best Buy, welcher mich mit schnellem Internet für die Wartezeit versorgte.

Und es waren nur noch 0.3 Meilen bis zum Hotel. Hätte ich das gewusst, wäre ich schon vorgefahren und hätte mich aufs Sofa gelegt.

So kamen wir in der Abendsonne an und das Hotel strahlte im schönsten Licht.

Auf dem Zimmer nutzten wir noch den Balkon für das Abendessen und ließen den Abend ausklingen.

 

 

 

10.10.2022 – Bandelier National Monument

Ungefähr 50 Meilen nordwestlich von Santa Fe liegt das Bandelier National Monument. Wie schon so oft plagten mich wage Erinnerungen daran, die ich im Nachgang beim Betrachten meiner alten Dias verifizieren konnte.

Es geht zuerst über die 84 nach Norden, dann über die 502 und die 4 Richtung Westen, Richtung Los Alamos. Dunkle Erinnerungen werden bei dem Namen wach, wurde dort unter dem Namen Manhatten Projekt die erste Atombombe entwickelt.

Aber noch sind wir nicht da und kommen dort auch nicht hin.

Vor dem Monument liegt die Stadt White Rock, mir gänzlich unbekannt. Auf der Karte war sie durch einen Overlook aufgefallen. Das verspricht einen guten Ausblick, vor allen Dingen, weil endlich mal wieder die Sonne scheint. Für eine kurze Hose ist es gerade noch zu kalt, aber grundsätzlich nicht unangenehm.

Der Overlook hält, was der Name verspricht: Ein weiter Blick ins Land, zur einen Seite purzeln – dank des schlechten Wetters der vergangenen Tage – Wasserfälle den Berg runter. Im Tal fließt träge der Rio Grande durch sein Bett.

Uns fallen auf der Hauptstraße immer wieder Schilder auf “Shuttle Service zum Monument” und “Overflow Parking”. Sind wir hier im Zion gelandet?

Aber wir sind ja gut erzogen und stellen uns auf einen der Parkplätze, besteigen das Visitor Center dort und erfahren, dass der Bus alle 20 Minuten fährt. Und nein, mit dem eigenen Auto geht es nicht.

Also stellen wir uns brav mit ca. 30 anderen Leutchen in die Schlange und der Bus fährt pünktlich ab. Ungefähr 25 Minuten und und 15 Meilen später steigen wir aus dem Sammeltransport und werden von einem indianisch aussehenden Ranger empfangen, der uns einen kurzen Überblick über den Park gibt.

Wir entschließen uns für den Pueblo Loop Trail. Er führt entlang an steil aufragenden Felswänden, die von Natur aus schon gelöchert sind wie ein Schweizer Käse.

Aber die vor 500-700 Jahren dort wohnenden Menschen haben aus der Not eine Tugend gemacht und weitere Höhlungen in den Felsen getrieben bzw. vorhandene erweitert.

In dem Pulk der Gleichgesinnten, der sich nur langsam auföst, trotten wir hinterdrein und staunen über die Landschaft und dass hier Menschen gelebt haben, leben konnten.

Am Long House noch eine Begegnung mit einem lebenden Vertreter dieser Gegend, eine fette grüne Heuschrecke.

Ein Teil der Loop führt jetzt zurück, aber ein Highlight hat sich der Park noch aufgespart: 0,6 Meilen geht es zum Alcove House, eine Ruine, 140 Fuß über dem Bachbett. Aufzug oder Rolltreppe? Fehlanzeige. Wir müssen über Leitern nach oben, eine besondere Domäne der besten Felsenkletterin von allen.

Aber endlich sind die 4 Leiterabschnitte geschafft

und wir bewundern die für dortige Verhältnisse große Eigentumswohnung mit viel Frischluftanteil.

Runter geht es leichter, andere Wanderer vor uns haben deutlich mehr mit ihrer Höhenangst zu kämpfen und tasten sich von Sprosse zu Sprosse nach unten, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Dann geht es insgesamt 1,1 Meilen am Bachbett entlang zurück zur Bushaltestelle, wo nach ca. 10 Minuten Wartezeit ein Bus die Ex-Wanderer aufnimmt und zurück nach White Rock bringt.

Im Alcove House konnte man schon deutlich sehen, dass dicke, dunkle Wolken heranzogen und wir hofften, dass wir nicht auf glitschigen und nassen Tritten nach unten mussten.

Je weiter wir nach Santa Fe kamen, umso besser wurde das Wetter.

Dann noch ein Zwischenstop beim Camel Rock Monument. Musste sein. Habe ich vor über 30 Jahren auch gemacht.

Schließlich schwenkten wir bei unserem Hotel ein und bekamen ein neues Zimmer, diesmal die “Balcony Suite”. Echt schön. Hier können wir bleiben. Gut, dass wir eine Nacht mit BW-Punkten bezahlen können. Würden wir jetzt buchen, kostete ein Zimmer pro Nacht 202 USD+Tax.

DAS haben wir gut gemacht. Fotos werden morgen nachgeliefert.

Auf dem Balkon genossen wir in der Abendsonne unseren Salat, um uns anschließend nach der physischen Stärkung auch ein wenig psychische Stärke in Form eines Nickerchens zukommen zu lassen.

Wohlgeruht, es war schon dunkel geworden, fuhren wir nochmal in die Innenstadt.

Erstes Ziel: Das Kapitol. Auch wenn es von der gewohnten Form abweicht, macht es doch was her.

Danach zur Plaza, wohl dem bekanntesten Ort in Santa Fe.

Obwohl auch hier wie in vielen anderen Städten Touristenware feilgeboten wird, hat man hier den Eindruck, dass der Kunstgedanke überwiegt.

Sehr geschmackvolle mexikanische und auch indianische Ware – Schmuck, Töpfereiartikel, Mode. Alles passt hier ins Gesamtbild und wirkt nicht überladen.

Zum Gesamtbild gehört natürlich auch, dass die Häuser samt und sonders im Adobe-Stil gehalten sind, ein Stil, den ich persönlich sehr mag.

Unter anderem natürlich auch das berühmte La Fonda Hotel, wo selbst die Parkgarage nicht aus der Norm fällt.

Nach einem gemütlichen Rundgang ging es wieder in unser gemütliches Hotelzimmer. Hoffentlich verläuft die Nacht einigermaßen ruhig, ein Reisebus mit Jugendlichen hat sich ins Hotel entladen. Hoffentlich bleiben die die ganze Nacht eine Etage tiefer im Schwimmbad…

09.10.2022 – Von Las Cruces nach Santa Fe

Das Bett in unserem Hotel ist so gut, dass wir beinahe das Frühstück verschlafen hätten. Es gibt schlimmere Schicksale, aber nicht viel schlimmer.

Heute ist mal wieder Fahrtag. Erstens müssen wir uns so langsam wieder in Richtung Denver nach Norden bewegen und zweitens gibt es auch in Santa Fe schöne Dinge zu entdecken.

Reine Fahrzeit etwas über 4 Stunden, ca. 285 Meilen. Aber wir verstehen es ja, die Strecke mit uns genehmen Unterbrechungen zu würzen.

Auf dem Weg nach Norden hatte ich den San Lorenzo Canyon gefunden, ein toller Canyon mit hoffentlich super Ausblicken. Google Maps hatte diesen auch gelistet und wir konnten eine Wegbeschreibung aufs Handy laden. Abfahrt vom I25 bei Ausfahrt 163, danach ein paar Meilen nach Westen.

Pustekuchen. Nach wenigen Meilen war Schluss. Wir standen vor dem verschlossenen Gatter eines Naturschutzgebietes.

Aber wir sind ja Kummer gewohnt. Deshalb hatte ich bei meinen Recherchen schon eine Karte incl. Beschreibung vom BLM runtergeladen, die allerdings komplett anders aussah: Abfahrt 156, danach der Frontage Road für ca. 4 Meilen folgen, wenn diese nach rechts abbiegt, links halten und den Schildern folgen.

Diese Dirt Road vereinigt sich dann mit einem Flussbett (hoffentlich trocken, denn Schwimmen hat unser Truck noch nicht gelernt) und dann noch ca. 2,5 Meilen. Hört sich machbar an.

Die Ausschilderung war vorhanden, das Flussbett auch.

Reifenspuren zeugten davon, dass hier vor uns schon jemand hergefahren war. Es war auch nicht matschig, so dass (noch) keine Gefahr bestand, sich festzufahren. Nach der angegebenen Meilenzahl kamen tolle Felsen ins Blickfeld und wir stoppten inmitten des Canyons im Flussbett.

Wenn jetzt irgendwo in den Bergen eine Flashflood runtergeht und sich ausgerechnet diesen Weg sucht, tun wir gut daran, die Schnauze unseres Trucks in Fließrichtung auszurichten (damit wir sehen, wohin wir getrieben werden).

Von oben zogen plötzlich sehr dunkle Wolken heran und wir beschlossen, das Abenteuer nicht auf die Spitze zu treiben und die Erkundung dieses Canyons auf einen anderen Urlaub zu verschieben. Also bitte merken.

Die Rückfahrt war genauso trocken wie die Hinfahrt, wahrscheinlich habe ich mir zuviele Gedanken gemacht.

Jetzt ist es nur noch eine Stunde bis Albuquerque, Gelegenheit zum Volltanken, Mittagessen und vielleicht sogar ein wenig Shoppen. Es ist Sonntag Mittag, halb Albuquerque ist unterwegs zum Costco und während ich in der Schlange der Tankstelle stehe, hat sich die beste Shopperin von allen schon auf den Weg nach innen gemacht, um einen gewissen Vorsprung rauszuarbeiten. Die Angst, von mir nicht wiedergefunden zu werden, wurde überspielt vom Wunsch, die Ladentische leerzuräumen.

Als ich dann drin war, holte ich noch schnell einen Doppelpack Baguettes. Die sind genauso cross, knusprig und fest wie die europäischen und schmecken hervorragend zu unserem Artischocken/Jalapeno-Dipp.

Während ich mich in der Sonnenbrillen-Abteilung austobte, nutzte meine Göttergattin die Gelegenheit, ihre Brille reparieren zu lassen. Bei ihr (also der Brille) war eine Schraube nicht nur locker, sondern ganz rausgefallen. Und die Mitarbeiter:innen in der Optik-Abteilung sind immer extrem hilfsbereit, wenn es um solche Problemchen geht.

Wir vernichteten auch noch ein Stück Pizza, ein wenig Softeis und einen Hot Dog und machten uns dann auf den Weg zum zwei Minuten entfernten REI-Shop.

Karin suchte noch Sandalen mit hohem Fußbett (Arch-Support) und wurde auch fündig. Praktischer Nebeneffekt: Wir können in der Wohnung demnächst das Licht auslassen, so krass, wie die Riemen aussehen. Foto kommt irgendwann später. Oder ich kriege Augenkrebs!?!?.

Jetzt wieder auf die Autobahn und noch eine knappe Stunde bis Santa Fe zu fahren. Vor uns türmte sich der Thompson Peak auf, unterstützt von gewaltigen Wolkengebilden. Manchmal konnte man gar nicht unterscheiden, ob es sich um Gebirge oder von der Sonne weniger angestrahlte Wolken handelte.

In dem Hotel werden wir drei Nächte verbringen. Nach dieser Nacht müssen wir umziehen, sie sind leider nicht so richtig flexibel. Wir schon.

Das Zimmer ist nicht so wirklich groß (im Vergleich zu Las Cruces) und das Internet auch nicht so riesig schnell, aber es ist gemütlich und wir werden uns hier wohlfühlen.

Gute Nacht zusammen.

08.10.2022 – White Sands National Park

In unserem sehr weichen Bett haben wir extrem gut geschlafen. Jedenfalls, wenn man das an Aufwachzeit festmacht.

Für heute steht der White Sands National Park auf dem Plan. Ca. 60 Meilen nördlich von Las Cruces am Highway 70 gelegen, ist der Park eingebettet in militärisches Spezialgebiet wie Missile Ranges etc.

Der Park selbst trägt irreführenderweise den Namen “Sands”, obwohl es sich um eine Gipswüste, also Calziumsulfat handelt. Dünen erstrecken sich kilometerweit und laden zum Durchlaufen, Runterkugeln oder Arbeiten mit dem Minibagger ein – der größte Sandkasten der USA halt.

Auf dem Weg dahin schwant uns nichts Gutes, die Bergkette vor uns ist in dichten Wolken verhangen.

Als wir in den Bergpass überfahren, tropft es auch feucht vom Himmel. Hoffentlich bleibt der Park davon verschont.

Im Park angekommen verschaffen wir uns im Visitor Center einen Überblick, was wir am besten machen könnten. Empfohlen wird der Alkali Flat Trail. Vor dem Verlaufen wird gewarnt, auch könnten GPS-Daten in der Nähe der Militäreinrichtungen mal nicht funktionieren, also Obacht.

Die Fahrt dahin geht zuerst noch über eine normale Straße, wandelt sich dann aber zur “Sand”-Piste, ist aber gut zu befahren.

Die ersten Dünen kommen in Sicht, noch gut mit Gräsern bewachsen, man kommt sich vor wie in Schleswig Holstein oder an der Ostsee.

Dann machen wir uns auf den Weg. Da es zumindest am Vortag geregnet hat, ist der Untergrund schön fest und das Laufen fällt leicht.

Düne um Düne um Düne erklimmt man und läuft sie wieder runter. Wir haben zwar Sonnenlicht, aber dies steht zu hoch am Himmel, als dass man von den Dünen plastische Aufnahmen zustande bringen würde.

Nach einer Weile können wir nicht mehr Düne 1 von Düne 27 unterscheiden und orientieren uns anhand von Komoot zurück zum Auto. Denn wir haben eigentlich noch ein paar andere Ziele an diesem Tag:

Erstens beim Walmart die Vorräte auffrischen. Check.

Dann geht es zu McGinns PistachioLand. Im Endeffekt etwas ähnliches wie Carls Erdbeerhof in MV, nur keine Erdbeeren, sondern Pistazien, und wesentlich kleiner (dass sowas in den USA geht).

Man kann zum Glück reichlich alle Geschmackssorten probieren und – wenn man möchte – auch kaufen.

Und natürlich gibt es auch die größte Pistazie der Welt.

Ach ja, so sehen Pistazienbäume aus.

Und so hängen die Früchte am Baum.

Der reinste Bildungsurlaub.

Auf der Karte hatte ich gesehen, dass nicht weit (also unterhalb einer Tagesreise in den USA) von dort entfernt die Bridal Veil Falls sein mussten.

Unser Navi hatte auch für den Trailhead eingehakt und wir fuhren wohlgemut in die Wildnis. Kurvige Strecke (waren wir ja noch von gestern gewohnt), aber nur ca. 8 Meilen.

Das Wetter wurde schlechter und als wir am Trailhead standen, beschloss die Vernunft in uns, dass es besser wäre, JETZT umzukehren, solange es noch möglich ist.

Wie man sieht, konnten wir uns bei dieser Flussdurchfahrt eine kostenlose Unterbodenwäsche holen.

Und der Regen hatten noch einen interessanten Nebeneffekt: Bisher haben wir Bachbetten ja zu 105% immer ausgetrocket und leer gesehen. Jetzt endlich erfuhren wir mal, dass darin wirklich Wasser transportiert werden kann.

Zurück auf dem Highway ging es noch einmal zu den White Sands, diesmal mit der Absicht, die Dünen schön plastisch im Licht der untergehenden Sonne zu fotografieren.

Wir marschierten auch ca. einen Kilometer weit rein auf die höchste Düne, die zu finden war. Und genossen auch die tolle Abendstimmung, als die Sonne durch die Wolken brach und mit tausend Strahlen auf uns herableuchtete.

Allein, Dünen wurden dabei nicht touchiert.

Aber kein Grund, Trübsal zu blasen. Auch so war die Stimmung toll. So ganz allein auf dem Top zu stehen (bzw. zu sitzen), um uns herum Stille, Landschaft und Natur.

Als dann klar war, dass wir die Dünen nicht mehr im Sonnenlicht sehen würden,

machten wir uns auf den Rückweg, stiegen in den Wagen und düsten eine Stunde zurück nach Las Cruces.

Was für ein toller Tag.

07.10.2022 – Silver City – Gila Cliffs Dwellings NM – Las Cruces

Die Nacht in unserem Hotel war angenehm und ruhig. Trotz der Nähe zu einer Eisenbahnlinie.

Frühstück war auch OK, Internet schnell genug, das Zimmer schön eingerichtet. Hierhin können wir wiederkommen.

Endziel für die Fahrt des heutigen Tages ist Las Cruces am Interstate 25. Eigentlich nur 60 Meilen reine Strecke, also können wir uns zwischendurch noch etwas vornehmen.

Und das liegt in den Bergen. Nördlich von Deming (ca.  60 Meilen) liegt die Stadt Silver City. Auch hiermit verbindet uns eine lange Geschichte. Woran ich mich erinnere (und das mit aller Klarheit), ist eine Seitenstraße mit einem Hotel, wo wir mit meinen Eltern eine Nacht verbracht haben. Das besondere daran war, dass das Hotel nicht im damals üblichen Stil, sondern wie vor über 100 Jahren eingerichtet war. Sowohl die Lobby als auch die Zimmer.

Als wir in Silver City eintrafen, war zuerst meine Enttäuschung groß. Ein stinknormale amerikanische Stadt mit Tankstellen, modernen Hotelkomplexen, Freßtempeln und was man sonst noch so erwartet.

Auf der Suche nach einem Visitor Center stießen wir auch auf ein Schild: Historic Oldtown. Fahren wir mal dahin. Die Stadt ist (noch) so klein, dass sie es noch nicht zu eigenen Parkuhren gebracht haben. Sehr sympatisch.

Und dann um die Ecke gebogen sah ich – in einer Seitenstraße – das Palace Hotel.

Direkt hingwetzt und einen Blick durch die Fenster geworfen, die Eingangstür war aus welchen Gründen auch immer geschlossen.

Das war das Etablissement, wo wir 1990 genächtigt hatten. Alles noch so, wie es damals aussah. Richtig schön.

Dann ging es durch die Oldtown. Leider sind auch hier viele Geschäfte geschlossen, einige scheinen den ganzen Trödel dieser Geschäfte aufgekauft zu haben und verkaufen ihn jetzt als “historic”.

Hervorzuheben wären noch die extrem hohen Gehwege, bestimmt 50 cm hoch. Ein paar Fotos an einer Wand illustrierten, warum: Flashfloods hatten in einem Jahr die Straßen unter Wasser gesetzt und das erschien die einfachste Lösung für die Zukunft.

Nach Silver City stand als nächstes (und letztes) noch das Gila Cliff Dwellings National Monument auf dem Programm.

Und da begann zumindest mein großer Irrtum: Obwohl nur 45 Meilen entfernt, wurde von Google Maps eine Fahrzeit von 1,5 Stunden angesetzt. Kurze Zeit danach merkten wir auch, warum. Eine dermaßen lange kurvige Strecke hatten wir lange nicht mehr erlebt. Und uns lief etwas die Zeit davon. Denn wir wussten, um 16 Uhr macht der Laden dicht. Und wir wollten ja noch die Dwellings erwandern.

Als drückte ich etwas auf die Tube und wir schafften es, im leichten Nieselregen um 14.45 Uhr an der Ranger Station anzudocken.

Ein freundlicher Volunteer empfing uns und es war ihm anzusehen, dass wir eigentlich besser nicht gekommen wären. Also erklärte er uns flux, wo wir herzuwandern hätten: Ca. eine Meile, Dauer etwas über eine Stunde. Wenn wir bis 16.15 nicht wieder draußen sind, geht er uns suchen. Welche Konsequenzen das hätte, wollten wir nicht wissen.

Also machten wir uns schnurstracks auf den Weg, zuerst am Fuße des Canyons entlang, zu beiden Seiten die senkrechten Felswände im Blick.

Irgendwann ging es dann in Serpentinen (kommt übrigens vom lateinischen Begriff Serpens=Schlange) nach oben und wir konnten aus der Ferne die Höhlenwohnungen sehen.

Oben angekommen konnten wir die Wohnungen mit der tollen Aussicht bestaunen.

Ob die viel kälter waren als unsere Wohnungen im kommenden Winter sein werden?

Wir trafen noch auf ein Pärchen aus New York, sie mit leichten Tretern und er mit Badelatschen angetan. Wir rieten ihnen, sich langsam auf den Rückweg zu machen, denn sie hatten die andere Richtung genommen und den längeren Weg noch vor der Nase.

Nachdem wir mutig die Leiter abgestiegen waren (ja, das Höhentraining macht sich bei der besten Kletterin von allen doch bemerkbar), ging der Abstieg schnell vonstatten und wir erreichten kurz vor 16 Uhr die Station. Meldeten uns brav zurück und quatschen noch ein wenig mit den Leutchen. Das Eingangstor war mittlerweile geschlossen worden und ich bin gespannt, ob wirklich jemand losgegangen ist, um das Pärchen aufzusammeln. Hoffentlich ist ihnen nichts passiert. Hier einen Rettungswagen herzubeordern, kostet halt locker 1,5 Stunden.

Auf einem Brückengeländer eine von mehreren Raupen, die hier anscheinend häufiger vorkommen.

Wir jedenfalls machten uns auf den Rückweg.

Die Aussicht muss grandios sein, wenn man sie dann hat. So blieb uns nur der Blick in die grauen mit Wolken verhangenen Berge.

An einer Restarea ein kleiner Ausflug in die tiefere und auch die eigene Vergangenheit: Wer von Euch älteren erinnert sich noch an die Serie “Rauchende Colts”? In den USA hieß sie “Gunsmoke” und die schöne Bardame Kitty hat bei der auf dieser Tafel beschriebenen Dame ihre Wurzeln.

Um 19.30 erreichten wir in Las Cruces unser Hotel und bekamen ein schönes Zimmer mit akustischer Anbindung an die vorbeilaufende Eisenbahn.

Bin gespannt, wie die Nacht wird. Jedenfalls trotz Regen ein toller Tag.