15.06.2018 – Grand Canyon North Rim

Heute lief mal wieder alles nach Plan – einfach deshalb, weil wir keinen gemacht hatten. Wir wollten unbedingt noch den nördlichen Rand der großen Schlucht (Grand Canyon North Rim) wiedersehen und uns auch ein wenig Zeit dafür lassen.

Zuerst aber mussten wir noch kurz bei unseren neuen Freunden vorbeischauen. Wir hatten am Vorabend unsere Campingstühle dort vergessen und ich wollte ihnen noch die Fotos vorbeibringen, die ich bei der Family Reunion gemacht hatte.

Übrigens bekam ich auch noch von unserer Sandaktion vom Vortag ein Foto geliefert, das ich dort dann eingebaut habe.

Von Kanab aus ist der Eingang des Parks ca. 68 Meilen entfernt, also tankten wir nochmal für 3,389 USD/Ga in Kanab voll. Man weiß ja nie, welche sandigen Dirt Roads dazwischen kommen…

Die Hälfte der Strecke verschlief ich – während Karin fuhr – und am Park erwartete uns eine angenehme Kühle, schließlich sind wir ca. 2500 Meter hoch. Auf der Karte kurz orientiert: Es gibt den Bright Angel Point, der direkt vom Visitor Center ausgeht, zu Fuß gut zu erreichen, auch für Kinder, wie die beste Mutter von allen noch panisch in Erinnerung hatte. Denn an manchen Stellen geht es direkt nach unten.

Von dort aus gibt es noch eine weitere Straße. Diese führt zum Point Imperial und zum Cape Royal. Wir hatten nicht mehr in Erinnerung, diese mal befahren zu haben und jetzt hatten wir Zeit.

An der Picnic Area vom Point Imperial legten wir erstmal ein kleines Päuschen ein, erst Lunch, dann Ladefläche und Augen zu.

Vom Visitor Center bis zu den beiden eben genannten Punkten sind es lockere 23 Meilen, diese führen über eine ziemlich gewundene Straße, also sollte man Zeit einplanen, denn mehr als 35mph sind nicht erlaubt. Dafür offerieren sich an diversen Aussichtspunkten tolle Blicke auf das große Tal, stellenweise kann man sogar den Fluss sehen.

Und auf der anderen Seite, auf den Fotos nicht mehr erkennbar, der Turm vom Desert View Point des South Rim. OK, Orientierung wiedergewonnen, wir wissen, wo wir sind.

Am Cape Royal machten wir dann noch einen etwas längeren Stop. Hier kann man auf dem Weg zum Cape noch ein Blick auf und durch das Angels Window werfen (möchte wissen, ob Bill Gates schon irgendwelche Rechte auf den Begriff „Window“ angemeldet hat). Auf dem Felsen unter dem Angel Window erwischten uns dann die ersten Regentropfen dieses Urlaubs, zum Glück nur ein paar Tropfen.

Und schließlich geht es zum Cape selbst. Leider versperrt ein Zaun den besten Ausblick nach unten, was uns aber nicht abhielt, etwas weiter vorne Position zu beziehen. Der Besucherverkehr, der am North Rim sowieso wesentlich spärlicher fließt als am South Rim, war hier noch weniger geworden und auf unserer „Spitze“ (keine Sorge, die Dame mit der klitzekleinen Höhenangst hatte immer noch lockere 10 Meter bis zur Kante) waren wir dann ganz alleine. Im Westen kämpfte sich die Sonne (leider vergeblich) durch die Wolken und tauchte ab und zu die eine oder andere Bergspitze ins Licht.

Würden wir hier einen guten Sonnenuntergang erleben? Meiner Meinung nach wären wir am Bright Angel Point besser aufgehoben, weil uns da der Bergkamm auf der rechten Seite nicht im Weg steht. Also wieder ab auf die Straße, die beste Zaunkletterin von allen graziös wie ein Reh

und dann zügig zum Visitor Center und dem Bright Angel Point zurück. Wir erreichten diesen „just in time“ und konnten noch mitbekommen, wie die Sonne sich hinter dem Bergkamm versteckte.

Dank der Wolken (die sonst in der Menge nicht so mein Fall sind), legte Arizona mal wieder einen Sonnenuntergang hin, wie wir ihn gewohnt waren. Danke, Arizona.

Mittlerweile war es etwas dunkler geworden (passiert üblicherweise, wenn die Sonne untergegangen ist) und wir mussten noch die 81 Meilen nach Hause fahren. Erschwerend kam dazu, dass wir wieder die Zeitumstellung nach Utah mitmachen mussten, d.h. wir kamen erst gegen 23 Uhr in unserem Haus an.

Ach ja, noch eine kleine Zusatzinfo: Fünf Meilen vor Kanab (Utah) liegt in Arizona das Nest Fredonia. Dort kostete der Sprit „nur“ 3,309 USD/Ga – anderer Bundesstaat, andere Steuern? Und bei den 200 Meilen, die wir an dem Tag verfahren hatten , lohnte sich das schon.

Auswertung der Fotos und Reisebericht wird verschoben auf den nächsten Tag.

Gute Nacht.

14.06.2018 – Peek-a-Boo Canyon? – North Rim Grand Canyon?

Man macht nur einmal einen Plan. Und sieht dann, wie dieser Stück für Stück über den Haufen geworfen wird.

Begonnen hatte der Tag mit einem wunderschönen Frühstück auf unserer Veranda, etwas, was wir in einem Urlaub sehr zu schätzen wissen.

Aber kurz danach drängte mich meine Göttergattin, wir müssten dringend zum Visitor Center des BLM (Bureau of Land Management) fahren, dort würde um 8.30 Uhr die Lotterie beginnen für die begehrten Tickets für die Wave, einem Wanderziel erlesener Schönheit. Blöd (und gut für die Landschaft), dass pro Tag nur eine begrenzte Anzahl an Wanderern zugelassen werden. Und die werden jeden Tag für den Folgetag ausgelost. Neben 50 anderen Leuten füllten wir also brav unser „application sheet“ aus.

Dann warf der Ranger wie bei 6 aus 49 Kugeln in die Lostrommel und fischte sich eine entsprechende Anzahl raus. Natürlich waren wir nicht dabei: Glück in der Liebe, Pech im Spiel. Aber wir können es jeden Tag wieder versuchen. Werden wir auch.

Auf dem Rückweg mal kurz unser Haus von vorne, es lag gerade so schön in der Sonne.

Die Gegend ist zum Glück so vielfältig, dass wir nicht lange überlegen mussten, was wir als Ersatz nehmen: Am Morgen der Peek-a-Boo Canyon, nur fünf Meilen von unserem Haus entfernt und am Abend den Sonnenuntergang am Grand Canyon North Rim beobachten.

An der Ranger Station gab man uns noch genaue Hinweise, wie man dort hinkommt: Vom Parkplatz aus 3,7 Meilen fahren, dann ein paar Schritte laufen. Aber dort wäre tiefer Sand. Ob wir ein 4×4-Auto hätten? Haben wir, kein Problem. Oder doch? Vom Parkplatz aus ging es los, noch so leidlich in der Geschwindigkeit, den Vierrandantrieb hatten wir direkt eingeschaltet. Und dann ging es einen Hügel hinab. Mir wurde langsam immer unwohler, als ich hörte, wie sich die Reifen durch den immer tiefer werdenden Sand wühlten. Der Entschluss stand schnell fest: Wir kehren nach 0.8 Meilen um. Leichter gesagt als getan. Die Wende bekamen wir noch eingeleitet, aber der Rückweg den steilen Hügel hinauf erwies sich für unseren braven Truck (mit seinen Straßenreifen) leider als unmöglich. Sch….

Uns kamen den Berg herunter drei Fahrzeuge entgegen: Zwei Ford F150 und ein Jeep Wrangler. Sie mussten etwas ausweichen und stehenbleiben, als sie unser Gewürge den Berg hinauf sahen. Und als sie feststellten, dass es bei uns nicht weiterging, trat die großartigeste Hilfsaktion in Kraft, die ich seit langem gesehen hatte. Der älteste Herr der Gesellschaft, Tom, setzte sich ans Steuer, stellte den 4-Rad-Antrieb um und alle Herren der Belegschaft fingen an zu schieben. Leider vergeblich. Wir bekamen die Karre nicht den Berg hinauf. Der Rest der Reisetruppe, die hauptsächlich aus Kindern zu bestehen schien, hatte es sich im Schatten eines Baumes bequem gemacht. Zum Zählen der Kinder reichten meine Finger und Zehen nicht, es waren ihrer 22. Wir hatten gemeinsam diverse Wege versucht und auch mit einem der Ford-Trucks einen vergeblichen Abschleppversuch, als ein Hummer die „Straße“ heruntergerollt kam. Er hatte eine der schließlich zum Ziel führenden Ideen: Lasst Luft aus den Reifen. Unsere waren auf die üblichen 45 PSI aufgepumpt. Also ließen wir sowohl bei dem Ford-Truck als auch bei uns Luft aus den Reifen (um eine größere Auflagefläche zu bekommen) und der Ford kam zumindest alleine den Berg rauf. Mit dem Jeep hätten wir unseren Dodge Ram nicht ziehen können, dazu war der zu leicht. Und der zweite Ford hatte auch keine Geländereifen drauf, der konnte auch nicht helfen. Letzte Möglichkeit, bevor man Hilfe eines Abschleppdienstes ruft: Wir unterlegten die Vorder- und Hinterreifen mit Ästen, Gestrüpp und den Fußmatten unseres Autos. Damit bekamen wir für ca. 10 Meter genug Fahrt, bis sich die Räder wieder eingruben. Aber nach 5 Versuchen hatten wir unseren Truck über den Berg.

An eine Weiterfahrt zum Canyon war nicht zu denken. Aber auch für die illustre Reisegruppe – unsere tollen Helfer – war der Weg hier zu Ende. Sie hatten diese Tour früher schon einmal mit dem Jeep (komplett) gemacht, aber in diesem Jahr hätten sie auch damit keine Chance gehabt. Der Sand war aufgrund eines regenarmen Frühjahres bis in große Tiefe total trocken und auch mit dem Geländewagen wären sie dort stecken geblieben. Also versuchten wir gemeinsam mit der mittlerweile erprobten Taktik, auch die beiden anderen Fahrzeuge zurück über den Berg zu bekommen, was auch gelang. Puuuuh, Glück gehabt. Na ja, nicht ganz. Bei der Reifenfreischaufelei unseres Wagens war Tom aufgefallen, dass wir vorne links im Reifen einen Nagel hatten. Auch das noch.

Am Parkplatz angekommen

tauschten wir unsere Telefon-Nummern und -adressen aus und versprachen, beim heutigen Family-Dinner vorbeizukommen. Bei unseren neuen Freunden handelte es sich um eine Family-Reunion. 2 Großeltern, 6 Kinder (nebst Partnern) und 22 Enkelkinder waren aus Idaho, Texas, Utah und Washington zusammengekommen, um in Kanab ein paar schöne Tage zu verleben.

Den Weg nach hause fuhren wir schön langsam (wir hatten ja weniger als die Hälfte an Reifendruck) und zu einer Reifenwerkstatt.

Jake von Napa Autoparts reparierte uns innerhalb einer halben Stunde das Loch im Reifen und pumpte auch die anderen wieder auf. Danach erstmal unter die Dusche und ein wenig entspannen.

Um 17 Uhr ging es wieder los zur Großfamilie, wo es High Life in allen Gassen gab. Die Kinder wuselten friedlich zwischen den Erwachsenen rum, es gab Nudelsalat und nach dem Essen noch eine kleine Vorführung von Sketchen und Tanzeinlagen. Das Ganze wirkte aber in keinster Weise gekünstelt oder aufgesetzt, so dass auch wir daran Spaß hatten. So ging der Abend langsam in die Dunkelheit hinein, bis bei der Kindern der Sprit alle war und sie reihenweise umkippten. Zeit auch für uns zu gehen. Von unserer Veranda aus machte ich noch einen Versuch, die Milchstraße abzulichten, aber da war (um 23 Uhr) noch nichts zu sehen.

Übrigens: Den Grand Canyon North Rim haben wir auch nicht gesehen.

Trotz allem: Ein schöner und vor allen Dingen aufregender Tag. Man macht nur einmal einen Plan. Aber Fotos gibt es heute weniger. Danach war uns beiden nicht der Sinn. Wir hatten Wichtigeres zu tun.

13.06.2017 – Grand Canyon – die große Schlucht bei Tag und bei Nacht

Wie die aufmerksamen Leserinnen und Leser dieses kurzen Reiseberichts vielleicht mitbekommen haben, hatten wir den Grand Canyon an einem unserer ersten Tage zum Sonnenaufgang heimgesucht. Und etwas später nochmals zum Sonnenuntergang am Desert View Point.

Aber wir wollten mal etwas mehr sehen. Deshalb machten wir uns nach der Mittagspause auf und fuhren die 89 Richtung Norden. In Cameron bogen wir auf die 64 ab und gabelten noch einen jungen Mann auf, der so aussah, als könnte er einen Ritt gebrauchen. Seinen indianischen Namen konnten wir nicht genau verstehen, weil er ziemlich schnell sprach, aber er erklärte uns, dass es „Sunset“ bedeutete. Sehr passend für unser heutiges Vorhaben. Er erzählte uns auch, dass er Künstler sei, von der Abstammung her Hopi und Navajo (hatte bisher angenommen, dass die Stämme sich voneinander fernhalten) und auch, dass er Höhenangst hatte. Das speziell erstaunte mich umso mehr, als es Indianerstämme gibt, die genau dieses Feature nicht aufweisen und deshalb bei Hochhausbauten gerne eingesetzt werden. Die Hopi und Navajo gehören offensichtlich nicht dazu. Ich erwähne das deshalb, weil wir unseren ersten Stop an der Little Colorado River Gorge machten, einem eindrucksvollen Vorgeschmack auf das, was uns im Laufe des Nachmittags noch erwarten würde.

Selbst meine Göttergattin traute sich (voooorsichtig und langsam, das Handy hatte sie mir in die Hand gedrückt) am Geländer entlang bis ziemlich weit nach vorne.

Und da ging es schon einige Meter nach unten. Auf direktem Weg. Quasi die Abkürzung.

Unser indianischer Freund hielt sich in sicherer Entfernung.

Etwas weiter oben setzten wir ihn dann bei seiner Familie ab und enterten den Nationalpark. Die Planung war, soviele wie View Points wie möglich zu sehen, aber angesichts der Ausmaße des Canyons und der Tatsache, dass sich die Sonne doch schon wieder dem Horizont zuneigte, ein aussichtsloses Unterfangen. Daher machten wir mit dem Auto einen Stop am Grand View Point.

Ein weiteres Foto direkt am Rande der Straße

und dann noch ein Stop am Mather Point.

Unterwegs noch eine Sichtung von Elks mit Nachwuchs.

Auf westlicher Seite am Ende der Route parkten wir Dusty in der Nähe der Grandview Lodge. Die Straße, die weiter nach Westen führt, ist in den Sommermonaten wegen des hohen Besucheraufkommens für private Autos gesperrt. Ein Shuttlebus fährt alle 10-15 Minuten diverse Viewpoints ab.

Ziel dabei war es, eine schöne Location für den Sonnenuntergang zu finden. Die erste schöne Stelle lag am Hopi Point.

Diverse andere Stellen ließen wir geflissentlich aus, weil unsere Führer sie nicht als „Sunset locations“ deklariert hatten.

Den Pima Point fanden wir dann akzeptabel, fuhren aber noch weiter bis zur Endstation, Hermits Rest. Dieser gab fotografisch fast gar nichts her, so dass wir zum Pima Point zurückkehrten.

Man muss dazu erklären, dass „westbound“ alle möglichen Punkte angefahren werden, „eastbound“ aber nur Hermits Rest, Pima, Mohave, and Powell Point. Also sollte man sich schon überlegen, wo man den Abend verbringt, weil nach Sonnenuntergang die Busse nur alle halbe bis volle Stunde fahren. Nach Dunkelheit gar nicht mehr. Und man sollte den Einstiegspunkt möglich weit westlich wählen, weil auf dem Rückweg Besucher von alle anderen Punkten eingesammelt werden.

Soweit, so gut, der Sonnenuntergang war schön, wenn auch nicht so spektakulär wir kürzlich am Desert View Point.

Auf dem Rückweg nahmen wir noch einen Schweizer mit, der die ganze Zeit neben uns fotografiert hatte. Diesen brachten wir noch zu seinem Campmobil auf dem Mather Campground und fuhren dann Richtung Osten. Wie wir gehört hatten, war eine der westlichen Straßen, die nach Süden führten, aufgrund von Waldbränden immer noch teilweise gesperrt. Und ich wollte am Desert View Point nochmal mein Glück mit der Milchstraße versuchen.

Als wir dort ankamen, hatte ich in zweierlei Hinsicht Glück, dass der Mond noch nicht aufgegangen war. Erstens hatte ich meine Mondcreme vergessen und nichts ist ärgerlicher als ein heftiger Mondbrand und zweitens kam die Milchstraße dadurch richtig schön durch.

Mal einfach so mit Cameron im Hintergrund,

mal mit der großen Schlucht im Vordergrund,

dann auch mal mit dem Tower

und einmal mit ein paar Bäumchen, die von der vorhandenen Beleuchtung dankenswerterweise angestrahlt wurden.

Um 23 Uhr waren wir dann zuhause bei 6°C, ab in die Falle. Entwickelt wird morgen.

28.05.2017 – Wupatki National Monument – Grand Canyon

So langsam spielt sich unser Tagesablauf ein: Papa schreibt den Reisebericht (wenn er es am Abend nicht mehr geschafft hat), sortiert die Fotos, dann gibt es ein gemütliches Frühstück auf dem Balkon, dann wird noch ein wenig gechillt und wenn keine große Tour ansteht, starten wir nach dem Mittag in die Wüste. Da kommen die Strukturen plastischer heraus und alles macht fotografisch mehr her.

So auch heute. Das Wupatki National Monument stand auf dem Plan. Etwas nördlich vom Sunset Crater gelegen (wir erinnern uns, eine knappe halbe Stunde nordöstlich von Flagstaff, gerade eine Autobahnausfahrt weiter), zeigt es diverse Ruinen aus indianischer Zeit in einem sehr guten Erhaltungszustand. Die erste Ausfahrt, die wir nahmen, war die zum Wukoki Pueblo:

Auf dem Rückweg mussten wir noch in eine Dirt Road einbiegen, die laut Karte zum Little Colorado River führte. Fluss, Wasser, immer gut. Nach einigen Meilen hatten wir wirklich das Flussbett erreicht. Und konnten sogar durchfahren. Hier ist seit Monaten kein Wasser mehr geflossen.

Zurück auf die Straße ging es zum Visitor Center und der Hauptruine. Diese ist noch wesentlich größer als die vorige und hat sogar einen „Sportplatz“.

Da wir uns sowieso schon in Richtung der großen Schlucht bewegten, beschlossen wir kurzerhand, den Sonnenuntergang am Desert View Point zu verbringen. Dazu mussten wir die Loop Road zu Ende fahren. Unterwegs noch eine weitere Ruine, die Zitadelle (ich habe sie deswegen kurz abgelichtet, weil sie im Laufe des Tages noch erwähnt werden wird).

Von der Loop Road biegt man nach Norden auf die 89 ab und bei Cameron verlässt man den Kreisverkehr (in USA der Roundabout) Richtung Westen und Grand Canyon. Langsam aber sicher geht es nach oben, vorbei an einem Ausblick auf eine Schlucht des Little Colorado (später seeeehr trocken) und zum Parkeingang. Gut, dass wir uns schon vor einiger Zeit einen Nationalparkpass (für die Älteren: der Golden Eagle, heute der Interagency Pass) besorgt hatten. Der Pass selbst kostet 80 USD und berechtigt für ein Jahr zum Eintritt in sämtliche Nationalparks, -monumente, Historical Sites und viele mehr. Ein einwöchiger Eintritt nur in den Grand Canyon National Park hätte alleine 30 USD gekostet.

Der Parkplatz war – es ist Memorial Day Weekend – gut gefüllt, aber die Menschenmassen verlaufen sich. Weit hervorstehendes Merkmal ist der Watchtower.

Auch etwas abseits vom Hauptaussichtspunkt ist der Blick in die Schlucht wie immer Atem beraubend.

Weiter links strebt die Sonne langsam auf den Horizont zu. Dort werden die verschiedenen Lagen der Felsen in ein besonderes Licht getaucht. Ein Anblick, der mich immer besonders fasziniert.

Und wie man sieht, nicht nur mich:

So langsam geht die Sonne unter und die Schatten werden länger und länger. Das Licht wird wärmer und bringt eine tolle Stimmung hervor.

Als sie dann hinter den Bergen verschwunden ist, beginnt das „Nachglühen“, eine Färbung des Himmels, der von „unten“ angestrahlt wird und den wir auch auf Hawaii schon so oft bewundert haben.

Als alle Leute verschwunden sind, gehen wir noch zur „Landspitze“ und ich schieße noch ein Foto bei Dunkelheit.

Über uns der Mond und – vom letzten Sonnenlicht rot angeleuchtet, die Kondensstreifen von Flugzeugen.

Eigentlich könnte der Abend hier zu Ende sein. Ab ins Auto und auf dem schnellsten Weg zurück nach Flagstaff.

Aber verrückt, wie wir sind, beschließen wir, der Zitadelle noch einen Besuch abzustatten und sie mit der Milchstraße zu fotografieren.

So schön das auch aussieht, es hat nicht geklappt. Warum? Weil sich die Milchstraße gegenüber aufbaute und ich a) keine Lust hatte, bei Dunkelheit durch die Wüste zu stolpern und b) die vorgegebenen Pfade im Nationalpark nicht verlassen wollte. Daher nur von der Straße:

Es gibt sie also doch. Schauen wir mal, ob ich das Wukoki Pueblo als Vordergrund nutzen kann.

Pech gehabt, auch hier in der falschen Richtung.

Letzter Versuch: Vor ein paar Tagen waren wir mit Yvonne unterwegs und hatten uns darüber geärgert, dass wir die Milchstraße über dem Sunset Crater nicht zu Gesicht bekamen. Kein Wunder, wenn man in die falsche Richtung schaut. So kann es aussehen:

Als wir dann um kurz nach 12 zu Haus in die Betten fielen, war wieder ein toller Tag zu Ende.

20.05.2017 – Sonnenaufgang am Grand Canyon

Zu jedem Nachteil gibt es auch einen entsprechenden Vorteil – sagte W. Clement Stone.

In unserem Fall war es die Tatsache, dass wir wieder um 2.45 Uhr wach waren. Eindeutig ein Nachteil. Vorteil: Wir können, ohne uns großartig mit Frühjahrsmüdigkeit rumquälen zu müssen, zum Grand Canyon fahren, um dort um 5.22 Uhr den Sonnenaufgang zu genießen.

Da wir ja noch reichlich Zeit hatten, kamen wir dann doch nicht so richtig rechtzeitig los. Und das Navi sagte zu Anfang, dass wir fünf Minuten NACH Sonnenaufgang eintrudeln würden. Nun sind Angaben von Navis bei Frauen ja gesetzte Tatsachen, bei Männern Herausforderungen. Und tatsächlich: Mir gelang es, auch ohne die zulässige Geschwindigkeitsbegrenzung GROßARTIG zu überschreiten, dass wir zwei Minuten vorher an der großen Schlucht standen. Schnell ein einsames Plätzchen gesucht und die Stille und die majestätische Landschaft genossen.

Danach noch am Rim Trail ein wenig in beide Richtungen gelaufen und die Aussicht genossen.

So langsam machte sich dann doch bemerkbar, dass wir beide nur ca. vier Stunden Schlaf gehabt hatten. Also besser zurück und dann sehen wir weiter. Gegen Mittag hatten wir unser Nickerchen beendet.

Da die Sonne gerade richtig stand, nutzte ich die Gelegenheit und lichtete unsere bescheidene Hütte mal von vorne und hinten ab. Auch die restlichen Zimmer kamen dabei dran. Eine Beschreibung mit Details könnt ihr auf der Vacation-Rental-Seite sehen.

Und dann mussten wir noch Frischgemüse etc. einkaufen sowie Infos aus dem Visitorcenter in Flagstaff besorgen. Dieses befindet sich im Bahnhofsgebäude

und ist richtig schön. Der junge Mann, dem wir erzählten, dass wir uns jetzt vier Wochen in seiner Stadt aufhalten wollten, war total erstaunt und begeistert und warf uns geradezu mit Karten und anderen Materialien zu. Super, dann sind ja gut beschäftigt.

Anschließend noch ein Rundgang durch Downtown,

wo wir von einem Native American angesprochen wurden. Wie sich herausstellte, vom Stamme der Hopi.

Nach Downtown ab zum Walmart und reichlich Gemüse und Fleisch einkaufen. Dieses warfen wir dann auf den Grill und genossen unser erstes richtiges Abendessen in Flagstaff. Angekommen.

Wir hatten zwar überlegt, ob wir zum Sonnenuntergang noch rausfahren sollten, aber die Vernunft sagte NEIN und so genossen wir den Abend mit Chillen (= die Fähigkeit, nichts zu tun, ohne sich dabei zu langweilen) und Chocolat Chip Cookie Dough.

Mal schauen, was der morgige Tag bringt.