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11.09.2026 – Fahrt nach Alamosa

Und wieder war die Nacht viel zu früh zu Ende. Wir eröffneten wie schon gestern das Frühstücksbuffet und ließen uns die Omletts und anderen Sachen schmecken. Wenn wir sowieso schon wach sind, können wir auch losfahren.

Unser heutiges Ziel ist die Stadt Alamosa im südlichen Colorado. Eigentlich eine Fahrzeit von ca. vier Stunden. Aber es gab ein paar Zwischenziele, die wir in unserem letzten Urlaub noch nicht gesehen hatten und denen wir jetzt unbedingt einen Besuch abstatten wollten.

Da ist als erstes der Roxborough State Park. Dieses ist eines der besten Schaufenster der Fountain Formation. Die roten Felswände stehen dort extrem steil (60–70°) und bilden dramatische Fins und Hogbacks. Vergleichbares findet man beim Red Rock Amphitheater und auch bei den Garden of the Gods.

Man sieht viele Formationen auf engem Raum – ein geologisches Lehrbuch zum Durchwandern. Die Felsfins sind besonders steil und wirken wie aufgeschobene Karten. Irgendwie erinnern sie mich an den Arches Nationalpark, nur dass dort die Felswände absolut senkrecht stehen und deshalb zur Ausbildung von Arches anscheinend besser geeignet sind. Aber wer weiß? Falls jemand die Zeit hat, in ein paar Millionen Jahren hier mal wieder vorbeizukommen, möge er an meine Worte denken und nach Naturbögen Ausschau halten.

Da es sich hier um einen Statepark handelt, mussten wir ein Tagesticket für 10 USD ziehen.

Der Park hat seinen Namen übrigens nicht von der Schauspielerin Melissa Roxborough, sondern von der historischen Roxborough Ranch, die im 19. Jahrhundert das gesamte Gebiet umfasste. Der Name „Roxborough“ selbst stammt wiederum aus der frühen Siedlerzeit Colorados – und hat keinen geologischen Ursprung, sondern einen kulturell‑historischen.

Die Landschaft ist an dieser Stelle noch ziemlich unspektakulär.

Dann ging die Fahrt weiter und bald standen wir auf dem Parkplatz des Besucherzentrums. Eine freundliche Parkrangerin empfing uns und erklärte uns, wo wir mit dem geringsten Aufwand maximale Sichtungserlebnisse verzeichnen könnten. Sie empfahl uns einen ca. zwei Meilen langen Rundweg, die Fountain Valley Loop. Wir sollten sie am besten – und den Tip gebe ich hier gleich weiter – gegen den Uhrzeigersinn durchlaufen. Die östliche Strecke liegt komplett in der Sonne und der Rückweg hat zumindest ein wenig Schatten.

Außerdem muss man unbedingt den Lyons Overlook Trail laufen, ein kleiner Stichweg von 0,2 Meilen, der sich lohnt. Wir hörten gut zu und machten uns auf die Socken. Karin erstmalig mit ihren Wanderstöcken, um die Beine zu entlasten.

Linker Hand türmen sich zu Anfang noch die Felsenscheiben auf, ein absolut imposanter Anblick.

Dann geht es den erwähnten Weg zum Lyons Overlook. Und kurze Zeit später standen wir auf einer Aussichtsplattform und schauten in das Fountain Valley.Und direkt vor uns – sogar von mir erkennbar – der von uns erwartete Löwenkopf.

Jetzt aber kommt das eigentlich Kuriose: Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass Lyon nicht mit i, sondern mit y geschrieben wurde. Das hat folgende Bewandtnis: Der Lyons Overlook im Roxborough State Park wird mit „y“ geschrieben, weil er nicht nach dem englischen Wort lion (Löwe) benannt ist, sondern nach dem Lyons Sandstone – einer geologischen Formation, die wiederum nach der Stadt Lyons, Colorado benannt wurde. Das „y“ kommt also aus der Ortsbezeichnung Lyons, nicht aus dem Tiernamen. Da haben wir alle wieder was dazu gelernt.

Wir wanderten wieder runter, der Weg war leicht zu gehen, etwas bergab. Was uns daran erinnerte, dass wir anschließend wieder rauf müssen. Zumindest hatten wir an einigen Stellen Schatten.

Und die Felswände immer schön vor der Nase.

Schließlich landeten wir wieder am Besucherzentrum und füllten noch einmal unsere Wasserflaschen auf, denn mittlerweile war es ziemlich warm geworden.

Unser nächstes Ziel ist der Paint Mines Interpretive Park. Er liegt „nur“ ca. 80 Meilen von Roxborough entfernt, die Anreise ist aber trotzdem mit einem größeren Zeitaufwand verbunden. Wer sich die Location auf der Karte anschaut, sieht, dass sie irgendwo im Nirgendwo befindet. Größere Städte? Fehlanzeige. Google Maps kannte natürlich den schnellsten Weg, und der lief für ca. 10 Meilen über eine gut ausgebaute Dirt Road. Obwohl es überall nach land- bzw. viehwirtschaftlicher Nutzung aussieht, konnten wir nur wenige bis keine Kühe oder andere Tiere entdecken. Dafür grüßten uns die drei Trucks, die uns auf der Strecke entgegen kamen, freundlich zurück. Haben wohl unseren Dicken als ihresgleichen anerkannt. Und sich gewundert, welcher Nachbar sich den gekauft hat…

Der Paint Mines Interpretive Park besteht aus jungen, weichen Sedimenten wie Ton, Schluff und feinem Sand, die durch Eisen‑ und Manganoxide sowie weißen Kaolinit in kräftigen Farben erscheinen und durch Wind‑ und Wassererosion zu Hoodoos und Badlands geformt wurden; er unterscheidet sich damit völlig von den alten, harten Sandsteinen der Front Range.

Seinen Namen erhielt der Park, weil indigene Gruppen dort über viele Jahrtausende die farbigen Tone als natürliche Pigmente für Zeremonien, Körperbemalung und Keramik gewannen – echte „Farbminen“, die dem Ort seine Bezeichnung gaben.

Ich hatte zuvor ein paar Fotos von dem Park gesehen, die mich neugierig gemacht hatten. Aber auf das, was uns dort erwartete, war ich nicht gefasst.

Wir haben in den USA ja schon einiges an Hoodos gesehen: Die orangen im Bryce Canyon, die weißen Toadstool Hoodos und die ebenfalls weißen in der White Mesa in Arizona. Das hier übertraf alles. Auf dem Parkplatz wurden wir freundlich von zwei Damen empfangen, die uns die Wegemöglichkeiten erklärten. Man geht von einem der Parkplätze runter ins Tal und der Hauptteil der Hoodos und Badlands liegt dann an einer „Stichstraße“, von der aus dann wieder Sackgassen abgehen, wo man die verschiedensten Formationen in Ruhe betrachten kann. Genau das machten wir in aller Ruhe und mein Auslösefinger kam nicht zur Ruhe.

Jedes Tal, das wir betraten übertraf das vorige in Form, Farbe und Schönheit. Obwohl die Sonne ziemlich steil am Himmel stand – eigentlich ein Garant für flache, nicht plastische Fotos – wirkte diese Tal auf uns überwältigend in seiner Vielfalt.

Schließlich hatten wir es geschafft und kämpften uns wieder der Berg hinauf. Oben am Auto angekommen, ließen wir erstmal jeder einen Liter Flüssigkeit in uns hineinlaufen und machten uns auf den Weg nach Westen. In Colorado Springs stoppten wir kurz, um bei Costco aufzutanken. Und nein, meine Göttergattin bestand nicht darauf, die Textilabteilung zu plündern, dazu war sie zu kaputt.

Wir setzten uns auf die I25 nach Süden und ließen unseren Truck – größtenteils Hands free – auf der Autobahn rollen. Hat den Vorteil, dass man – ohne schlechtes Gewissen und mit Vertrauen auf die Technik und die leeren Straßen – kurz selbst die Kamera in die Hand nehmen kann und die Straße vor sich mit dem Head Up Display fotografieren kann.

Ein paar Meilen vor Alamosa ging im Westen die Sonne unter und bescherte uns einen Untergang, der des heutigen Tages würdig war.

Im Hotel gab es leider kein Upgrade, sie waren ausgebucht. Egal. Kaffeemaschine anschließen und an die Arbeit. Die Fans warten. Alles in allem ein toller Tag.

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