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01.05.2026 – Entlang des McKenzie River

Wir hatten gut geschlafen. Zu gut vielleicht. Die Betten weich, die Nacht ruhig – verdächtig ruhig. Doch als wir aufwachten, hing Rauch in der Luft. Nicht der gemütliche Kaminrauch, der an Winterabende erinnert. Nein, das war die Sorte, die einem sagt: Irgendwo brennt es, und zwar ordentlich. Für einen Moment dachten wir, Brat Pitt hätte unter unserem Fenster einen Würstchenstand eröffnet. Aber Brat Pitt war uns keine Hilfe. Der Blick aus dem Fenster schon: Die Welt draußen war milchig, als hätte jemand vergessen, den Nebel wieder auszuschalten. Ein Waldfeuer bei Bend. Kontrolliert, angeblich. Google Maps zeigte keine Brände bei uns in der Nähe an, beruhigend.

Unser Ziel: die Three Sisters. Drei ehemalige Vulkane, die aussehen, als könnten sie jederzeit wieder schlechte Laune bekommen. Die Wälder drumherum voll mit Seen, Flüssen und Wegen, die mehr versprechen, als sie halten wollen. Wir wollten sehen, was davon übrig war.

Zuerst aber Costco. Der neue im Norden, mit Tankstelle. Der alte im Süden war Geschichte. Wir tankten für 4,599 USD/Ga. Ein Preis, der einen kurz an die guten alten Zeiten erinnert.

Auf der 126 nach Westen hielten wir kurz am Cline Falls Scenic Viewpoint. Nett, aber nicht nett genug für eine längere Wanderung.

Wir wollten mehr. Sisters empfing uns mit Holzhäusern, Coffee Shops und dem Charme einer Westernstadt, die weiß, dass sie fotografiert wird.

Weiter ging es zum Big Lake, der Mt. Washington wie ein Postkartenmotiv präsentierte.

Dann zum Fish Lake, der im Frühjahr von Schmelzwasser gespeist wird und im Sommer austrocknet wie ein schlechter Krimi im dritten Akt. Die Forellen hatten das verstanden und ziehen rechtzeitig flussaufwärts ab. Klüger als mancher Tourist.

An der Santiam Junction bogen wir ab. Der McKenzie River Highway wartete – und mit ihm die Sahalie Falls. Ein paar Minuten bergab, und wir standen vor einem Wasserfall, der aussah, als hätte die Natur beschlossen, heute mal Eindruck zu machen.

Der McKenzie River donnerte weiter, gönnte sich zwischendurch eine Pause im tiefen Grün,

nur um dann bei den Koosah Falls wieder loszulegen. Mit Regenbogen. Als hätte jemand Effekte bestellt.

Die Tamolitch Falls ließen wir aus. 16 Meilen Fußmarsch wären ein guter Weg gewesen, uns beide endgültig zu ruinieren – Karins Knöchel, meinen Rücken. Also Mittagspause am Trail Bridge Reservoir. Neu, sauber, die Picknicktische und auch die Toiletten.

Der McKenzie River zeigte sich in tiefstem blaugrün.

Nach Brot mit Artichoken‑Jalapeño‑Dip fuhren wir weiter zur Belknap Covered Bridge. Die dritte Version seit 1890. Die ersten beiden hatten dem Verkehr 1939 und einer Weihnachtsflut (1964) nicht standgehalten. Diese hier wirkte entschlossen, es besser zu machen.

Zurück ging es über die 20. Mt. Washington zeigte sich noch einmal,

dann die Three Sisters im Abendlicht – drei stille Riesen, die so taten, als hätten sie mit all dem Rauch nichts zu tun.

Im Norden von Bend enterten wir Costco ein zweites Mal. Lebensmittel bunkern. Und eine neue Sonnenbrille kaufen. Die alte hatte einen Belastungstest meines Hinterteils nicht überlebt. Gut, dass es hier keine Mehrwertsteuer gibt. Wenigstens etwas, das nicht brennt.

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