Wir brechen also wieder in die Vereinigten Staaten auf. Ich glaube, ich erwähnte es bereits – und wenn nicht, dann sei es hiermit nachgeholt. Beim letzten Mal hatten wir dort einige unerwartet gute Erfahrungen gemacht, und wie es so ist: Wenn man etwas findet, das funktioniert, hält man daran fest.
Also fliegen wir erneut mit United Airlines, wieder Polaris Class. Einmal probiert, nie mehr vergessen. Es war damals schlicht zu gut, um es nicht zu wiederholen.
Die Route bleibt ebenfalls vertraut. Seattle als Ausgangspunkt, dann ein weiter Bogen über den Norden von Oregon, Idaho und Wyoming hinauf nach Montana, bevor wir über Washington zurückkehren. Eine Strecke, die man nicht einfach so abfährt – sie verlangt Vorbereitung. Und Vorbereitung bedeutet Karten. Atlanten, schwer genug, um jeden Koffer zum Feind zu machen. Aber mit zweimal 32,5 Kilo Freigepäck lässt sich selbst dieser Gegner besänftigen.

Neu ist diesmal nur eines. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich bei meiner Fotoausrüstung nicht mit einem Handy zufrieden gebe. Sie hat Gewicht. Mehr, als die Lufthansa einem Passagier im Handgepäck zugesteht. Und ich habe sie bisher auf dem Rücken durch jeden Flughafen geschleppt, über jeden Parkplatz, bis ins Hotel hinein.
Man wird nicht jünger – höchstens besser – und so habe ich mir einen Handgepäckkoffer zugelegt, der exakt den Vorgaben von United entspricht. Vier Rollen, solide gebaut. Die Fototasche wandert in den „großen Klamottenkoffer“, und vor Ort wird umgeladen.
Der gepackte Koffer sieht aus wie ein kleiner, gepanzerter Tresor: Kameras und Objektive gut gepolstert und sauber verstaut, jedes Stück an seinem Platz, als warteten sie auf einen Einsatz, der jederzeit beginnen könnte.

Unser Flug soll um 12.55 Uhr in FFH starten. Normalerweise rechnen wir sechs Stunden dazu: Drei Stunden vorher da sein (einchecken, Security, Lounge-Buffet leeressen). In den letzten Jahren waren wir immer sehr staufrei durchgekommen, aber in diesem Jahr wussten wir aus Erfahrung, dass uns auf der Ruhrtalbrücke auf der A52 etwas bevorstehen könnte. Also brachen wir vorsichtshalber schon um 6 Uhr auf, man kann ja nie wissen.
Kurz vor dem Hildener Kreuz beim Abzweig auf die A3 (das Navi hatte uns automatisch schon die A535 und die A46 vorgeschlagen) erwischte es uns kurzzeitig. Aber danach hielt sich der Verkehr in Grenzen. Als Parkhaus hatten wir aus Preisgründen diesmal Economy Parken am Terminal 3 ausgewählt. Bis vor kurzem wäre von dort aus ein wenigstens halbstündiger Bustransfer nötig gewesen, aber seit dem 23.04.2026 wurde das Terminal mit einem Skytrain mit unserem Terminal 1 verbunden. Nachdem wir beim ersten Mal in die falsche Einfahrt des Parkhauses gefahren waren, suchten wir uns einen Platz für den Dicken und luden unsere VIER (nur) Gepäckstücke aus. Zwei große Koffer mit ca. 24 kg jeder, der Handgepäckkoffer von Karin (federleicht) und mein Fotokoffer (über das Gewicht sprechen wir nicht). Und noch der Minirucksack meiner Göttergattin.
Dann ging es durch das Parkhaus ein ziemliches Stück bis zum Skytrain. Dank der verwirrenden Ausschilderung landeten wir wie auch andere Gäste auf dem falschen Bahnsteig, aber als wir uns dann an der richtigen Stelle einfanden, ging es zügig: 5 Minuten dauert die Fahrt zum Terminal 2, weitere 2 Minuten zum Terminal 1. Zur Qualiät des Ritts möchte ich folgendes sagen: Nehmt keine rohen Eier mit ins Gepäck. Wir sind ja schon mit einigen Flughafenzügen unterwegs gewesen, aber hier hatte ich das Gefühl, dass man aus nostalgischen Gründen Kopfsteinpflaster verlegt hatte.
Als wir nicht gerührt, aber gut durchgeschüttelt am Terminal 1 ankamen, stand uns noch ein weiterer Fußmarsch bevor. Ich schätze, dass wir vom Parkhaus bis zur Gepäckabgabe ca. eine Stunde gebraucht haben. Vom Parkhaus Platzhirsch war das gefühlt schneller.
Die Gepäckabgabe klappte problemlos. Ich bat die sympathische Dame, doch bitte einen Gepäckaufkleber anzubringen, damit wir schneller an unsere Koffer kämen. Das machte sie auch und wir sind gespannt, ob es was gebracht hat.
Die Security war auch ziemlich leer, Schuhe konnten wir anbehalten und noch nicht einmal meine Kameraausrüstung wurde abgestaubt.

In der Lufthansa Business-Lounge ließen wir uns in die bequemen Sessel fallen und checkten das Buffet ab. Ich entschied mich für Nürnberger Rostbratwürstchen, Rührei und Spinat. Eine gute Wahl.

Dann geht es an die Arbeit, das Schreiben dieser Zeilen beginnt.

Unser Flug startete mit einer tollen Aussicht über Frankfurt.

Nebenan leuchteten die Raps-Felder.

11 Stunden später. Wir verbrachten unsere Zeit in der Polaris-Klasse, ziemlich weit vorne, die meiste Zeit in waagerechter Position. Das Essen war auch gut, leider hatte ich gerade ein Nickerchen begonnen, als es serviert wurde. Danach gelang es mit dem Schlafen nicht mehr so richtig.

Kurz vor Ende des Fluges überquerten wir vermutlich den Mount Shasta mit seinem weißen Schneehäubchen.

Und zum Schluss tat uns der Pilot noch einen besonderen Gefallen: Er flog von Nord nach Süd westlich der Küste auf SFO zu. Wunderbar lagen die Golden Gate Brücke und die Stadt im herrlichsten Sonnenlicht. Da hat die beste Reiseplanerin genau die richtigen Sitze rausgesucht.


Aufgrund unserer Sitzposition hatten wir auch sehr schnell wieder festen Boden unter den Füßen, warfen die MPC-App an und fotografierten unsere leicht übermüdeten Gesichter. Und die Schlange für MPC-Einreisende war … nicht vorhanden. Wir konnten direkt zum Kiosk durchgehen, erledigten das obligatorische Frage- und Antwortspiel und warteten auf unsere Koffer. Sie kamen (trotz oder wegen?) des Priority-Tags relativ schnell und wir checkten sie kurz danach für den Weiterflug ein.
Dann ein kurzer Gang durch die Security und ich sitze hier in der Polaris-Lounge an einem bequemen Tischchen und kann diese Zeilen schreiben.

Auf das Essen in der Lounge verzichteten wir diesmal, wir waren vom Flieger noch zu satt. Als es Zeit zum Boarden war, machten wir uns auf den langen Weg durch die Gänge, um zu unserem Abfluggate zu gelangen. Wie bei ARD und ZDF saßen wir in der ersten Reihe, diesmal rechts.

Einen Teil des Fluges verschliefen wir, bis wir kurz vor Seattle die majestätischen Berge von Washington im Abendlicht schimmern sahen. Mt Rainier strahlte uns an, dann ging es nach unten mit einer Schleife, so dass wir auf unserer Seite des Flugzeuges einen wunderbaren Blick auf die abendliche Skyline von Seattle hatten. Da hatte die beste Bucherin von allen auch hier excellente Arbeit geleistet.


Unser Gepäck kam auch einigermaßen zeitig. Ein Hotelshuttle holte uns ab und der sehr redselige Hotelangestellte übergab uns dann die Zimmerkarten für einen Raum, der leider schon belegt war. Ärgerlich für ihn, für den Bewohner und auch für uns.
Aber jetzt geht es erstmal ins Bett.



