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21.05.2026 – Von Liberty Lake nach Wenatchee

Wir hatten heute mal wieder sehr weiche Betten, deswegen gut gelegen. Auch das Frühstück war sehr ordentlich, und wir starten gut gesättigt in unseren Fahrtag. Und wenn ich Fahrtag sage, dann meine ich Fahrtag. Wir hätten die Strecke in ca. 184 Meilen schaffen können, aber das wäre gar zu langweilig gewesen (war es auch so noch). Also beschlossen wir, die Palouse Falls zu besichtigen – schließlich muss man sich ja irgendwie beschäftigen.

Der Name Palouse geht auf den indigenen Stamm der Palus / Palloatpallah zurück. Französische Pelzhändler machten daraus später eine Form, die an ihr Wort „pelouse“ (Grasland) erinnerte – passend zu den berühmten grünen Hügeln. So entstand der Name, den wir heute für die Region, den Fluss, die Stadt und den Wasserfall kennen. Ein schönes Beispiel dafür, wie man mit ein bisschen Sprachverwirrung ganze Landstriche umbenennen kann.

Die Fälle liegen in einem State Park, der wirklich „in the middle of nowhere“ liegt. Von Liberty Lake geht es auf der 90 zügig bis nach Ritzville, wo wir auf die 261 nach Süden abbiegen.

Die Gegend ist ausschließlich landwirtschaftlich geprägt. Wir kommen an vielen Kornspeichern und kleinen Farmen vorbei. Was fast vollständig fehlt, sind Städte oder Versorgungszentren wie z. B. Washtucna. Man könnte meinen, die Menschen hier leben ausschließlich von Traktoren und Einsamkeit.

Rollende Hügel erlauben keine Geschwindigkeiten über 45–50 mph, sodass wir einige Zeit auf der kurvigen Straße verbringen, bis wir auf die 2 Meilen Dirt Road zum State Park abbiegen.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, dass die Landschaft nicht nur gleichförmig und langweilig sein muss, bekommen wir auf dieser Strecke.

Dann parken wir unseren Wagen und stellen fest: Wir sind nicht die Einzigen. Ungefähr ein Dutzend anderer Fahrzeuge haben sich hier auch eingefunden. Wo kommen die alle her? Überholt haben wir keinen, und wir sind selbst auch nicht überholt worden. Vermutlich wohnen sie alle unter den Hügeln und kommen nur für Wasserfälle heraus.

Wir steigen einen kleinen Hügel zum Aussichtspunkt hinunter und blicken in einen grandiosen Talkessel, in den sich der Palouse River mit donnerndem Getöse hinabstürzt.

Zur entgegengesetzten Seite öffnet sich der Canyon, und der Fluss verabschiedet sich in diversen Windungen aus unserem Blickfeld.

Wir marschieren nicht nur zu dem Aussichtspunkt, sondern unternehmen auch eine kleine Wanderung, von wo wir die Säulen vulkanischen Ursprungs besser in Augenschein nehmen können.

Auch der Blick ins Tal geht von diesem Punkt ein wenig weiter.

Flussaufwärts gibt es ein paar Stromschnellen – die möchte ich nicht mit einem Boot (und auch nicht in einer Tonne) herunterfahren. Ich hänge an meinem Leben.

Zurück an den Picknickplätzen treffen wir auf ein paar Waldmurmeltiere, auch als Woodchuck oder Whistle‑Pig bekannt. Hätte mich auch gewundert, wenn in dieser Wärme die Yellow‑Bellied Murmler zu finden gewesen wären. Denn seit heute Morgen ist es deutlich wärmer als gestern. Es ist, als hätten wir mit der Zeitzone auch eine andere Wetterzone erreicht. Vielleicht sollten wir morgen einfach noch eine Zeitzone wechseln, nur um zu sehen, was passiert. Jedenfalls bin ich wieder in Shorts unterwegs.

Auf dem Weg zurück auf die Hauptstraße noch einmal die schönen rollenden grünen Hügel. Die allerdings nur dann so schön sind, wenn sie auch bewässert werden. Ansonsten ist die Erde trocken und zu nichts zu gebrauchen. Ein bisschen wie ich ohne Kaffee.

Als wir uns schließlich Wenatchee nähern (versucht mal, das per Sprachsteuerung ins Navi einzugeben – viel Spaß), wird die Gegend felsiger.

Wir treffen auf einen alten Freund: den Columbia River. Vor uns liegt der Rock Island Dam, einer von vielen, die zur Energieerzeugung genutzt werden. Der Columbia ist eben ein Arbeitstier.

Es geht weiter durch die Felder. Hier stehen Obstbäume, Spargel wird angebaut. Schnurgerade ziehen sich die Straßen von Nord nach Süd, von Ost nach West. Ich habe vor mir ein Auto, das immer knapp unterhalb der erlaubten 60 mph fährt. Und ich überlege ernsthaft, einmal richtig Gas zu geben und auf der geraden, fast leeren Strecke zu überholen. Aber der Wagen hinter mir weckt ein verdächtiges Gefühl in mir. Ich lasse es sein und warte, bis die Schnarchnase vor mir abbiegt. Und das war gut so. Denn als ich abbiege, sehe ich auf der Türe des Autos hinter mir die Aufschrift „Police“. Gerade mal an einem Ticket vorbeigeschrammt. Manchmal ist Intuition eben doch besser als PS.

Wir fahren nach Wenatchee rein. Zu Anfang würde ich sagen: A nice place to come from. Später, mehr in der Downtown Area, nähert sie sich mehr dem Standard der üblichen amerikanischen Kleinstädte.

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