Das Hotel in Butte hat uns extrem gut gefallen. Vor allem hatte ich – es war Sonntagabend – um 21 Uhr endlich die Gelegenheit, eine Folge der Serie „Marshalls“ auf CBS zu sehen. Die Neugier war groß, und ich wurde nicht enttäuscht.
Das Frühstück war erneut hervorragend. Gestern hatten wir die wichtigste Mahlzeit des Tages schon über den grünen Klee gelobt, aber die Bar heute setzte noch einen drauf: Bratkartoffeln, Omelett, Bacon, Patties – normalerweise verteilt über mehrere Tage, hier alles auf einmal. Zumindest ich war danach bestens gesättigt und bereit für den Tag.
Heute stand uns ein eher unspektakulärer Fahrtag bevor. Ziel: Kalispell in Montana, am Südende des Glacier National Parks. Über 220 Meilen lagen vor uns, Google Maps versprach 3 Stunden und 44 Minuten. Es gibt mehrere „Scenic Routes“, aber wir entschieden uns für die schnellste Variante – der Nachmittag war bereits verplant. Damit fielen ein paar Nebenziele weg: die Yellowstone Ranch in Darby, das Kapitol in Helena. Alles schön, aber alles mit deutlichem Umweg. Montana ist groß, und die Strecken sind es auch. Das sieht man in den Serien, die hier spielen, eher selten.
Ein paar Stopps gönnten wir uns trotzdem. Der erste – Fahrerwechsel – am Nevada Lake.

Auf dem weiteren Weg tauchte eine alte Scheune auf, die sich wunderbar vom satten Grün abhob, das wiederum perfekt mit den Bergen kontrastierte.

An der Abzweigung in Clearwater zum Seeley Lake trafen wir dann auf den legendären Clearwater Bull. Eine riesige weiße Fiberglas-Kuh, seit Jahrzehnten Wegweiser, Fotomotiv und inoffizielles Maskottchen der Region. Montana eben.

Am Salmon Lake bot sich erneut ein schöner Fotostopp an.

Zwischen 12 und 13 Uhr erreichten wir unser Hotel, das Kalispell/Glacier Park West Hotel & Suites. Wir hatten am Morgen nach einem Upgrade gefragt – und tatsächlich eine wunderschöne Suite bekommen, inklusive Küchenzeile und Spülmaschine. Letztere brauchen wir zwar nicht, aber die räumliche Trennung zwischen Schlafzimmer und dem Rest der „Wohnung“ ist sehr angenehm.
Lange blieben wir nicht, denn der Lake McDonald wartete. Vorher noch tanken und ein paar Lebensmittel besorgen. Costco war nicht weit, und wir füllten für 4,529 USD/Gal auf. Kein Schnäppchen, aber immerhin etwas günstiger als die Konkurrenz.
Dann ging es weiter zum See, der als einer der schönsten Nordamerikas gilt. Am Ufer selbst gab es kaum Fotomöglichkeiten, die Lodge wollten wir auf dem Rückweg mitnehmen.
Oberhalb des Sees liegen die McDonald Falls – ein Foto wert, keine Frage.

Die Straße führt eigentlich weiter zum Mary Lake, ist aber wegen des noch nicht abgeschlossenen Winters bis auf Weiteres am „Trail of the Cedars“ gesperrt. Den Trail durften wir aber laufen, er ist sogar rollstuhlgerecht.

Parken durften und mussten wir auf dem Campground, wo wir sofort von Rehen „überfallen“ wurden. Sie streiften völlig unbeeindruckt über Straßen und durch den Wald, als wären wir nur Statisten in ihrem Nationalpark.

Wir überquerten den Avalanche Creek, im Hintergrund die steil aufragenden Felsen. Ein paar Wasserfälle gab es auch, allerdings nicht barrierefrei erreichbar.

Auf dem Rückweg – die Rehe hatten wir erfolgreich hinter uns gelassen – ergaben sich noch ein paar Gelegenheiten, die Berge ohne Wolken zu erwischen.

Direkt oberhalb des Sees konnten wir ein Stück eine Dirt Road hineinfahren und bekamen sowohl See als auch Berge auf die Speicherkarte.

Das Ufer besteht ausschließlich aus flachen Kieseln. Ich fiel kurz in die Jugend zurück und ließ Steine übers Wasser hüpfen. Manche Dinge verlernt man nicht.

Letztes Ziel war die McDonald Lodge. Vom Steg aus hat man einen herrlichen Blick auf die Berge. Wenn sie denn sichtbar wären. Hoffentlich kommt das morgen.

Die Lodge selbst wirkt sehr alpin – zumindest von außen.

Innen dann eher weniger Bayern.

Schließlich ging es endgültig zurück zum Hotel. Etwas mehr als eine Stunde Fahrt, begleitet von kräftigem Regen, der immerhin den Wagen ein wenig sauberer machte.
Im Zimmer gab es Chicken Tikka Masala mit Nudeln. Einen Esstisch suchten wir vergeblich, aber das Bügelbrett erwies sich als hervorragender Ersatz. Improvisation gehört schließlich zum Reisen.



