|

02.05.2026 – Tumalo Falls

Heute morgen wachten wir ohne Grillgeruch auf. Ein Segen. Der Hunger, der uns sonst wie ein Meutenführer zum Frühstück getrieben hätte, blieb aus. Wir konnten uns also den Luxus erlauben, den Tag langsam anzugehen.

Unser Ziel waren die Tumalo Falls westlich von Bend. In der Sprache der Klamath bedeutet tumolo „wilde Pflaume“. Eine harmlose Frucht, die in dieser Gegend wächst. Tumola hingegen heißt Bodennebel. Beides klang friedlich. Nichts deutete darauf hin, dass der Tag uns mehrfach in die Irre führen würde.

Wir jedenfalls wollten die Wasserfälle erwandern. Der Wetterbericht versprach Bewölkung. Ich vertraue solchen Prophezeiungen nur, wenn sie mir in den Kram passen. Also konsultierte ich die App „Fenster“. Ein paar blaue Flecken am Himmel grinsten mich an. Das reichte.

Die Fahrt zum Trailhead verlief ruhig – zu ruhig. Schon mehrere hundert Meter vor dem Parkplatz standen Autos am Seitenstreifen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir zu spät dran waren. Wir versuchten es trotzdem. Erfolglos. Also reihten wir uns ein und marschierten die Dirt Road entlang, als wären wir Teil einer schlecht organisierten Expedition.

Die Karte am Trailhead zeigte alles Mögliche, nur keine Wasserfälle. Ein Detail, das man bei einem Wasserfall-Trail erwarten könnte. Aber die Schilder deuteten in die richtige Richtung, und AllTrails tat so, als wüsste es, was es tat. Der Weg war auch als Bike Path markiert, allerdings ohne E‑Bikes zu erlauben. Das empfinde ich als krasse Diskriminierung. Aber da wir sowieso zu Fuß unterwegs waren, konnten wir mit der Einschränkung leben.

Nach kaum 100 Metern standen wir vor den Tumalo Falls. Über 30 Meter stürzte das Wasser in die Tiefe – ein beeindruckender Anblick, der uns kurz vergessen ließ, dass wir noch nicht einmal warmgelaufen waren.

Der Aussichtspunkt lag etwas weiter oben. Weniger Menschen, mehr Ruhe, mehr Zeit für Kameraeinstellungen. Ich probierte eine längere Belichtungszeit: 1/6 Sekunde. Gerade genug, um das Wasser weichzuzeichnen, ohne dass es wie ein missglückter Nebelgenerator aussah.

Man sieht deutlich, dass man diese Belichtungszeit schon benötigt, um ein schönes Verwischen des Wassers zu erreichen.

Hier einmal der Fall aus der Nähe.

Der Weg stieg steil an, bevor er in einen sanften Anstieg überging. Wanderer kamen uns entgegen, Trailrunner schossen an uns vorbei, als würden sie vor etwas fliehen, das wir noch nicht gesehen hatten. Die Sonne kam heraus, die Stimmung stieg. Ein Kilometer später erreichten wir die Double Falls.

Der Name war Programm. Zwei Stufen, viel Wasser, wenig Schatten. Ich musste auf 1/15 Sekunde gehen. Selbst voll abgeblendet und mit niedrigstem ISO war nicht mehr drin. Die Sonne meinte es zu gut.

Weiter oben lagen ein paar Rapids im Schatten. 1/5 Sekunde. Viel besser. Das Wasser sah aus, als hätte es Stil.

Dann, ein paar hundert Meter weiter, ein weiterer Wasserfall. Nicht auf Google Maps verzeichnet. Ein Phantom. Eine KI verriet mir später, dass er „Upper Double Falls“ heißt. Damit wäre das auch geklärt.

Hier ist er/sind sie. Wir hätten weitergehen können. Middle Tumalo Falls, Upper Tumalo Falls – alles erreichbar. Aber der Knöchel meiner Göttergattin erinnerte uns daran, dass wir sterblich sind. Also kehrten wir um.

Auf jeden Fall hatten wir beide bis dahin Spaß an der Wanderung.

Der Rückweg führte uns erneut an den Double Falls vorbei. Mein Zeigefinger zuckte. Der Auslöser hatte keine Chance.

Zurück am Auto hatten wir etwas über fünf Kilometer hinter uns. Es fühlte sich nach weniger an – ein gutes Zeichen. Da es erst auf 14 Uhr zuging, beschlossen wir, den Paulina Lake anzugreifen. Er befindet sich im Newberry National Volcanic Monument. Die Wegbeschreibungen auf Google Maps waren ziemlich diffus, aber wir beschlossen, es trotzdem zu wagen. Ein Entschluss, der uns teuer zu stehen kommen sollte.

Auf der 97 kamen wir in einen Platzregen, der sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hatte, zumindest was die Insekten auf unserer Frontscheibe betraf. Maps hatte uns eine Straße in die Berge vorgeschlagen, die der besten Routenplanerin von allen spanisch vorkam, beinhaltete sie doch ein gute Stück Forrest Road = nicht asphaltiert. Aber die eigentliche „Hauptstraße“ zum Lake hätte nur 3 Minuten länger gedauert und war geteert. Also drehten wir um und begaben uns auf selbige. Ob das der schlechteste oder zweitschlechteste Entschluss war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr sagen. Jedenfalls standen wir ca. drei Meilen vom Paulina Lake vor geschlossenen Schranken.

Super. Aber Google Maps hat wie immer eine Lösung parat. Einfach rechts abbiegen und weiterfahren. Dauert relativ lange für die kurze Wegstrecke. Und überhaupt: Welcher Weg? Nach einigem Suchen fanden wir die Lösung: Da ging ein besserer Trampelpfad mit dem Namen Transamerica Trail in den Wald hinein. Unser Truck hätte darin ausgesehen wie ein Wal in einer Badewanne.

Dass sich Maps traut, so etwas vorzuschlagen. Wir trauten uns jedenfalls nicht, mit unserem Dicken in diese hohle Gasse einzufahren. Wer weiß, wo wir gelandet wären.

Also drehten wir um und fuhren – außer Spesen nichts gewesen – wieder zur Hauptstraße zurück. Wieder Netz. Diesmal fragten wir Gemini. Die Stimme erklärte uns, dass die Paulina Lakes erst ab dem 7. Mai geöffnet sind. Hätten wir mal vorher gefragt.

Wieder in Bend zurück gönnten wir uns noch ein Schmankerl. Östlich der 97 liegt der Pilot Butte Neighbourhood Park, ein 150 Meter hoher Berg vulkanischen Ursprungs, der – wie sollte es in den USA auch anders sein – mit dem Auto befahrbar ist. Die Straße ist zwar enger als sonst üblich und zwei Trucks hätten nur schwer nebeneinander vorbei gepasst. Aber wir hatten Glück, uns kam keiner entgegen.

Oben hat man eine wunderbare Übersicht über die ganze Hochebene. Kein Wunder das die Ureinwohner dieses Fleckchen schon früher genutzt haben, um z.B. Pferdeherden zu entdecken.

Ein paar Fotos später rollten wir wieder hinunter. Ein Grocery Outlet lag in der Nähe – Salat für morgen. Und ein TJ‑Maxx, den meine Göttergattin um ein paar Kleidungsstücke erleichterte.

Jetzt geht es wieder quer durch Bend zum Hotel zurück. Wenn man Deschutes-River überquert, fallen die Stromschnellen und die schönen Parkanlagen auf. Wir hatten noch ein wenig Zeit und ankerten vor Ufer für ein paar Fotos.

Zum einen auf die Stromschnellen selbst, dann ein Schuss in Richtung Mill-District,

Und dann ab ins Hotel, so langsam merken wir, was wir getan haben.

Ähnliche Beiträge