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30.04.2026 – Fahrt von Portland nach Bend

Wir mussten unser schönes Hotel in Portland verlassen. Schade eigentlich. Man gewöhnt sich an Orte, an denen man gut schläft und an Gesichter, die man wiedererkennt. Aber Reisen bedeutet Bewegung, und Bewegung bedeutet Abschied. Also weiter.

Das heutige Ziel: Bend, Oregon. Man könnte von Portland aus einfach in die Berge abbiegen, 163 Meilen geradeaus, drei Stunden später wäre man da. Eine saubere, effiziente Lösung. Aber Effizienz ist etwas für Leute, die keine Fantasie haben. Außerdem: Was will man um die Mittagszeit schon in Bend? Also wählten wir die längere Route. Die schönere. Und, wie sich herausstellen sollte, die mit dem größeren Unterhaltungswert.

Zuerst die Columbia River Gorge. Ein Tal, das so tut, als wäre es schon oft fotografiert worden — und trotzdem jedes Mal überrascht. Wir tankten vorher bei Costco. 4,899 USD pro Gallone. Ein Preis, der einem das Gefühl gibt, man hätte gerade ein Schnäppchen gemacht, obwohl man genau weiß, dass das nicht stimmt.

Die Multnomah Falls ließen wir rechts liegen, den Bonneville Dam links. Piet Klocke hätte gesagt: „Das geht alles von unserer Zeit ab.“ Und er hätte recht gehabt. Also weiter nach Hood River.

Ein Nest, das so gemütlich ist, dass man fast vergisst, dass die Stadtverwaltung inzwischen beschlossen hat, Parkplätze wie Gold zu behandeln: selten, begehrt und garantiert nicht kostenlos.

Ein kurzer Stopp, ein paar Fotos, dann wieder auf die I‑84. In The Dalles bogen wir ab, überquerten die Stahlbrücke

und warfen einen Blick auf den Damm.

Und noch einmal zurück auf die Brücke.

Dann ging es nach Süden. Hügel, Felder, Grün. Viel Grün. Die Art von Landschaft, die einen beruhigt — wenn man nicht gerade versucht, aus dem Auto bei 55 Meilen/Stunde zu fotografieren, während der Wind einem die Kamera aus der Hand reißen will.

Auf der 197 bogen wir ab und fanden uns in einem kleinen State Park wieder, dem White River Falls State Park. Der Campground Host mähte den Rasen mit einem Aufsitzrasenmäher, den meine Gattin neidisch beäugte.

Ein paar Schritte weiter: eine Schlucht in der einen Richtung,

ein Wasserfall in der anderen. Picknicktische unter Bäumen. Ein Ort, der so friedlich war, dass man fast misstrauisch wurde. Wir machten trotzdem Mittagspause.

Auf dem weiteren Weg begleitet uns ständig der Mt. Hood.

Weiter entlang des Deschutes River. Ein Fluss, der sich nicht entscheiden konnte, ob er wild oder zahm sein wollte.

Maupin ließen wir links liegen.

Ein Raubvogelpaar baute auf einem Strommast ein Nest. Eine ruhige Nachbarschaft.

Dann Shaniko. Die Stadt entstand zur Zeit des Goldrausches, der in Canyon City begann. Ursprünglich wurde sie Cross Hollow genannt. Als Postbediensteter war ein August Scherneckau vor Ort. Und durch eine Amerikanisierung wurde aus diesem Namen Shaniko.

Einige alte Häuser, ein Fahrzeugmuseum,

ein paar Menschen, die vom Tourismus leben, obwohl der Tourismus selten vorbeikommt.

Man könnte sagen: ein Ort für Leute mit Geduld. Oder Humor. Oder beidem. Ein Klavierbauer wäre auch nicht schlecht.

Das letzte Zwischenziel: die Clarno Unit. Teil des John Day Fossil Beds National Monument. Die Clarno Palisades — Klippen, die vor 44 Millionen Jahren entstanden sind. Plus/minus fünf Jahre.

Die Natur nimmt es nicht so genau. Wir wanderten einen Kilometer bergauf, bis wir vor einer Arch standen.

Ein Felsbogen, der aussah, als hätte er schon viele Geschichten gesehen und wäre nicht bereit, eine einzige davon zu erzählen.

Dann wurde es Zeit, zum Hotel aufzubrechen. Zwei Stunden Fahrt durch hügeliges, grünes Land.

Die Art von Strecke, die einen daran erinnert, dass Reisen manchmal anstrengend ist — und trotzdem genau das Richtige. Gegen 18 Uhr schlugen wir schließlich im Hotel auf und mussten erstmal das Lagerfeuer im Schlafzimmer reparieren. Aber jetzt funktioniert es und die Göttergattin ist glücklich.

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