|

13.05.2026 – Im Grand Teton National Park

Guten Morgen Jackson,

wir haben gut geschlafen, jetzt schauen wir mal, was das Frühstück so bringt. Die beste Urlaubsbucherin von allen hatte in stundenlanger Forschungsarbeit sämtliche Webseiten und Buchungsseiten durchforstet, um die preiswerteste Möglichkeit einer Hotelübernachtung zu finden. Es gab durchaus noch Hotels, die etwas günstiger waren (was bedeutet das in Jackson, einem der teuersten Urlaubsorte in den USA), aber die hatten kein Frühstück. Und das hat uns bisher immer viel bedeutet: gut gesättigt in den Tag zu starten, um nicht schon um die Mittagszeit von Nasch- und Schwenzleckereien leben zu müssen. Der Mensch lebt schließlich nicht vom Zucker allein.

Und das Hotelfrühstück entsprach in seiner Qualität den bisher von Best Western gewohnten Mahlzeiten. Ach ja, hatte ich vergessen zu erwähnen: Dies ist das einzige unserer Hotels, das nicht unserer Lieblingskette angehört.

Wir waren relativ frühzeitig auf der Straße. Erst mal entgegen dem Grand Teton National Park, denn wir mussten an einer Tankstelle mal wieder unsere Scheiben von Insekten befreien. Für diejenigen, die so etwas mögen, hätte das eine vollwertige Mahlzeit ergeben. Idaho- und Wyoming-Protein, frisch vom Kühler-Grill und von der Frontscheibe.

Aber jetzt sind wir auf der Straße, die, nachdem wir die Hauptstraßen verlassen haben, immer noch relativ leer ist. Ein Zustand, den man sich für deutsche Autobahnen manchmal wünschen würde.

An dem Schild, an dem wir gestern Halt gemacht haben, schieße ich auch diesmal ein Foto. Wir Eingeweihten sagen „The Tetons“. Kurz bevor wir auf die Jenny Lake Road abbiegen, schauen uns der Storm Point und der Mt. St. John majestätisch und verlangend an. OK, es gibt ein Foto von euch. Immer schön der Natur geben, was sie verlangt.

Auf der Jenny Lake Loop haben wir wieder Glück. Von den wenigen Parkplätzen sind welche frei. Später im Jahr muss man vermutlich einige Wartezeiten in Kauf nehmen, um für ein paar Fotos seinen Wagen abstellen zu können. Und hinter sich die hupenden und drängelnden anderen Autofahrer. Ein Naturerlebnis der besonderen Art.

 

Woher kommt eigentlich der Name? Jenny Leigh war eine Shoshone-Indianerin, die Mitte des 19. Jahrhunderts lebte. Sie war mit dem britischen Fallensteller Richard „Beaver Dick“ Leigh verheiratet. Beide unterstützten 1872 die Hayden-Expedition, die das Tal kartografierte und viele geografische Namen vergab. Zu Ehren des Paares wurden der Jenny Lake und Leigh Lake benannt.

Ich nehme diesmal ein Super-Weitwinkel, um die komplette Kulisse dieser fantastischen Berglandschaft auf einen Rutsch einzufangen.

Am Jackson Lake Dam scheint die Sonne (noch) genauso, die Berge von einer anderen Seite betrachtet sehen genauso gut aus. Manche Dinge bleiben eben zuverlässig.

Dann geht es wieder zu Willow Flats, der Stelle, wo man Tiere beobachten kann. Wenn denn welche da wären. Aber es ist genau wie gestern: Landschaft im Übermaß, ich lasse mich zu einem Panoramafoto hinreißen, aber vierbeinige Freunde? Fehlanzeige. Offenbar haben die auch heute frei.

Dann geht es wieder in Richtung Moran Junction. Wieder halten wir beim Oxbow Bend, wieder mache ich ein Panoramafoto, die Berge sind allerdings die gleichen wie gestern. Überraschung des Tages.

Diesmal fahren wir ein Stück über Moran Junction hinaus nach Osten, denn wir wollen einen kurzen Abstecher zur Heart Six Ranch machen. Hier hatten wir vor einigen Jahren mal eine Nacht verbracht, ein klitzekleines Stückchen vom Ranchleben erfahren. Etwas, was uns damals nachhaltig beeindruckt hat. Die Planwagen, in denen man übernachten kann (aber nicht muss), stehen immer noch brav aufgereiht in einer Wagenburg, falls mal ein Angriff kommt. Man weiß ja nie.

Und der Blick über das Tal ist und bleibt erhebend, das alleine ist am Morgen nach dem Aufwachen schon die Übernachtung wert.

Weil die Wolken sich mittlerweile stark verschoben haben, kehren wir noch einmal in den Park zum Oxbow Bend zurück. Diesmal mache ich kein Panoramafoto, sondern packe das Fisheye auf die Kamera. Was sieht besser aus? Dies oder das Panoramafoto? Die Jury tagt noch.

Als wir dann wieder über Moran Junction in Richtung Jackson unterwegs sind, sehen wir am Elk Ranch Flats Turnout in weiter Ferne eine Herde Büffel. Die ersten, die wir in diesem Urlaub sehen. Ich versuche, sie mit dem Tele näher heranzuholen, aber der Wind, der mittlerweile aufgekommen ist, lässt kaum einen verwacklungsfreien Schuss zu.

Am Snake River Overlook schauen wir in den Canyon des Snake River hinein und sehen gleichzeitig die Tetons im Hintergrund. Ein Motiv, das sich nicht mal Mühe geben muss, gut auszusehen.

Der Teton Point Overlook schließlich bietet das, was der Name verspricht: einen Ausblick auf die Tetons. Wer hätte das gedacht? Auch hier finde ich, dass ein Panorama diese fantastische Landschaft am besten wiedergibt.

Kurz danach geht es den Berg hinunter zum Schwabacher Landing. Im Gegensatz zu einer Dame habe ich Glück, bei mir läuft gerade kein Hansel durch den Fluss und verschandelt das Bild. Gehört zu dem Thema: 50 ways to ruin a photo. Dies ist einer davon. Und zwar ein Klassiker.

Als ein Muss auf dem Weg nach Süden gehört die T. A. Moulton Barn der Mormon Row. Von den vielen alten Gebäuden ist diese Scheune mit den Bergen im Hintergrund am sehenswertesten und fotografierenswertesten. Eigentlich war es mein Plan gewesen, mit einer Langzeitbelichtung die ziehenden Wolken in Bewegung einzufangen, aber so stürmisch war es dann doch nicht. Mir erschien es am besten, das Foto in SW umzuwandeln und so etwas von der dramatischen Stimmung einzufangen, die durch die heftigen Winde noch gepusht wurde.

Wir befinden uns bereits im östlichen Teil des Nationalparks. Dort gibt es auf der Gros Ventre Road die Kelly Warm Spring. Ein Teich, der mit heißem Wasser gespeist wird und langsam abläuft. Wäre es nicht so windig gewesen, hätten wir sicher einige Fische in dem klaren Wasser gesehen. Interessant das Schild am Rand, dass das Dumpen von Aquarien nicht erlaubt ist. Offenbar ein wiederkehrendes Problem.

Wir fahren weiter auf der Gros Ventre Road. Dies lockt wehmütige Erinnerungen in mir. Die Älteren unter den geneigten Lesern wissen vielleicht noch, dass Karl Mays Winnetou sein Leben in den Gros Ventre Bergen ausgehaucht hat. Ich weiß, ist nur ein Buch, aber wer hat nicht früher diese Bücher durchgefressen?

Jedenfalls schauten wir in dieses schöne Tal des Gros Ventre River, in welchem sich vor über hundert Jahren durch einen Erdrutsch ein See aufgestaut hat, der Lower Slide Lake. Einen anderen Namen hatten sie gerade wohl nicht zur Hand.

Auf dem Rückweg fiel uns ein Schild auf: Wedding Tree. Das machte uns neugierig. Ca. 100 Meter Fußweg, und man schaut zwischen Bäumen hindurch auf die großartigen Berge dahinter. Davor kann dann das Brautpaar platziert werden, und man bekommt wirklich einzigartige Fotos mit Erinnerungswirkung. Romantik mit Bergkulisse – funktioniert immer.

Falls jemand in Deutschland Interesse an solchen Fotos hat: Gegen Erstattung der Reisekosten bin ich als Fotograf dabei. Ich bringe sogar die Kamera selbst mit.

Langsam zog sich der Himmel zu. Und auch wieder auf. Und wir haben ein letztes Ziel vor der Nase: Ca. 5 Meilen westlich von Jackson lebt in Wilson ein Troll von Thomas Dambo, Mama Mimi. Dem wollten wir einen Besuch abstatten.

Im R Park an einem kleinen See neben dem Snake River (wo auch sonst) hat er sich hingehockt und streckt einen Fuss ins Wasser. Würde er sich umdrehen, könnte er die Ausläufer der Teton Range sehen, die südlichen Ausläufer dieser herrlichen Bergkette. Vielleicht macht er das ja morgen.

Jetzt geht es nach Hause, vorher einmal tanken, denn morgen in West Yellowstone ist der Sprit vermutlich deutlich teurer. Wir bezahlen 4,599 USD/Ga. Ein Schnäppchen, wenn man es lange genug anschaut.

Es ist noch recht früh, aber die Erlebnisse erfordern es, dass ich mich jetzt hinsetze und alles bearbeite. Mal sehen, ob wir heute Abend einen Gang durch das gemütliche Jackson machen oder den Tag im Whirlpool ausklingen lassen. Beides hat seinen Reiz.

Ähnliche Beiträge