Heute lassen wir es ruhig angehen. Die gestrige Wandererei hat dem Knöchel meiner Gattin nicht gutgetan. Am besten hilft da ein kleines Nickerchen nach dem Frühstück. Schaden tut’s jedenfalls nicht.
Und endlich machen wir uns auf die Reifen. Irgendwie entlang des Schlangenflusses, da gibt es auf jeden Fall etwas zu sehen. Und so ist es auch. Die beste Urlaubsplanerin von allen hatte auf ihren Topo-Maps die Kuna Cave entdeckt. Ein wenig Nachforschung im Netz der Netze ergab, dass es sich um eine Lavahöhle, genauer eine Lavatube, handelt, die frei zugänglich ist. Klingt harmlos. War es auch.
Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Google Maps wusste zwar genau, wie wir fahren sollen, aber diese Gegend hat ihre Eigenheiten. Durch das Land ziehen sich wie ein Schachbrett die Straßen, und gefühlt alle zwei Meilen kommt entweder ein Stoppschild oder man muss im rechten Winkel abbiegen. Oder beides, zur Abwechslung. Endlich waren wir kurz vor dem Ziel. Und da wurde der Weg richtig schlecht. Hatte ich mich gestern schon über den Zustand der Straße beschwert, wäre ich heute darüber glücklich gewesen.
Etwas weniger als eine Meile hoppelten wir mit weniger als Schritttempo entlang. Aber besser schlecht gefahren als gut gelaufen. Vor allem mit dem Knöchel.

Mitten in der Pampa ragte ein Metallgerüst aus dem Boden: die Leiter mit einem kreisförmigen Umbau, damit man nicht so leicht den Halt verliert. Ich habe in letzter Zeit zwar gut auf mein Gewicht geachtet, aber mit Fototasche wäre ich da nicht durchgekommen. Es war auch so schon eng genug.

Unten war es, wie nicht anders zu erwarten, dunkel und kühl. Ein wenig Müll hatte sich angesammelt, und in zwei Richtungen zog sich die Cave hin. In der einen Richtung war nach ein paar Metern Schluss, in der anderen wurde es so eng und niedrig, dass ich auf allen Vieren hätte weiterkrabbeln müssen. Nichts für meines Vaters Sohn. Und schon gar nicht für dessen Knie.

Also wieder in die Aufstiegsröhre gezwängt und langsam nach oben geklettert.

Oben wartete schon eine Mutter mit ihren zwei Teenagern. Der größere von ihnen hatte zum Geburtstag die Höhlentour versprochen bekommen. Der kleinere war noch nie unten gewesen und deshalb noch etwas zaghaft. Verständlich. Als er unten war, machte sich auch die Mutter auf den Weg. Sie hatte uns anvertraut, dass man dort stundenlang in verschiedenen Gängen unterwegs sein kann. Schön. Aber wenn ich es dunkel haben möchte, lasse ich die Rollos runter. Hauptsache, sie haben Spaß und kommen sicher zurück. Das allerdings warteten wir nicht ab, sondern fuhren weiter zum Peregrine Fund’s World Center.

Dort wird sich unter anderem um den Fortbestand der Peregrine Hawks=Wanderfalken gekümmert.

Diese, ein Red‑Tailed Hawk und ein paar junge Kondore konnten besichtigt werden. Sehr majestätisch, alle miteinander — und alle mit besserem Blick als ich.

Um 13 Uhr ging eine Flugschau los. Eine winzige Eule flatterte aufgeregt zwischen der Falknerin (oder nennt man sie hier Eulerin?) und den Zuschauern hin und her.

Leider nur drinnen, draußen sei der Wind zu stark. Offenbar hat selbst die Natur hier ihren eigenen Zeitplan.



In einer angrenzenden Ausstellung erfuhren wir noch etwas, das mir bis dahin nicht bekannt war: Viele Raubvögel leiden an Bleivergiftung. Woher? Wenn Wild geschossen wird, splittern die Bleigeschosse im Körper auf und gelangen so in die Vögel. Wieder etwas gelernt, das man nicht unbedingt wissen wollte.
Und was ich auch noch nicht wusste: Sie sind die schnellsten Tiere auf der Erde. Mit bis zu 220 mph=354 km/h stoßen sie auf ihre Beute zu. Und (ich habe eine der Mitarbeiterinnen gefragt) sie sind auch noch nie geblitzt worden.
Nach diesen lehrreichen Stunden hatten wir uns etwas Zerstreuung verdient. Also enterten wir nacheinander erst einen Ross, dann eine Boot Barn, einen TJ Maxx, einen Walmart und nahmen dann ein verspätetes Mittagessen bei Costco ein. Bildungsreise mit Snackpause.
So gut gesättigt konnten wir unser letztes Ziel für heute ansteuern: den Dedication Point, einen Aussichtspunkt über den Canyon des Snake River. Wir waren dort völlig alleine (zumindest, was Menschen betrifft) und wären auch noch länger geblieben, hätten nicht die vielen kleinen Fliegen an uns geknabbert. Offenbar hatten die auch Hunger.

Also flüchteten wir und fuhren noch fünf Meilen weiter zu einem weiteren Aussichtspunkt, der einen Blick über den Damm erlaubte.

Jetzt nur noch eine Dreiviertelstunde kreuz und quer durch die Pampa.
Und weil die Straße so schön leer war, konnte ich auch eines dieser schönen Häuser ablichten, die mitten in der Gegend stehen, rundherum das große Nichts.

Bald sind wir wieder am Hotel. Wenn uns nicht noch ein Stoppschild überrascht.



