Wir haben gut geschlafen, die Klimaanlage blieb brav aus. Offenbar hatte die Nacht beschlossen, sich von selbst abzukühlen. Sehr rücksichtsvoll.
Zum Frühstück starten wir unsere Sport‑App, denn unser Zimmer liegt gefühlt am anderen Ende des Hotels. Der Schrittzähler freut sich. Es gibt die Eier cooked to order. Ich nehme „over easy“, also beidseitig gebraten. Nur was heißt bitte „Dotter kaputt machen“ auf Englisch? So hieß das früher jedenfalls bei uns zuhause. Egal – geschmeckt hat’s.
Heute stehen alle Wasserfälle am Snake River auf dem Programm. Hemingway hatte seine Straße der Ölsardinen, wir haben den Fluss der Wasserfälle. Den Anfang machen die Perrine Coulee Falls. Sie sind a) wenig spektakulär und b) komplett im Schatten. Schade, heute habe ich kein Foto für dich.
Also weiter, diesmal flussabwärts. In der Nähe der „Ortschaft“ Tuttle liegt der Kelton Trail. Wir wären in wenigen Minuten dort gewesen, hätte uns nicht kurz vor der Auffahrt ein Polizist umgeleitet. I‑84 gesperrt. Zum Glück gibt es parallel eine Landstraße, die man mit 50 mph befahren darf. Nach ein paar Meilen sehen wir auch warum: Ein Leichtbauanhänger auf der Autobahn liegt auf dem Rücken, die Räder gen Himmel. Da kommt keiner durch. Wir nehmen die nächste Auffahrt und erreichen Tuttle doch noch. Ein paar Abzweige später stehen wir auf einem Dirt‑Road‑Parkplatz. Kein Schild, kein Hinweis, nichts. Natur zum Selbersuchen.

Ein ausgetretener Trampelpfad führt weg vom Parkplatz. Den nehmen wir, bevor wir in der Sonne durchgaren. Nach kurzer Zeit verblasst auch dieser Pfad und nur noch einzelne Grasstellen verraten, dass hier schon mal jemand entlanggelaufen ist. Die Richtung wird schon stimmen. Dann hören die Beifuß‑ und Sagebrush‑Büsche auf und wir stehen auf der merkwürdigsten Lavaformation, die ich je gesehen habe: Lava, aber mit Höhlungen und rundgewaschen, als hätte jemand mit einem übermotivierten Kärcher gearbeitet.

Wir hören den Malad River rauschen und treten vorsichtig näher (meine Göttergattin noch vorsichtiger). Vor uns eine tiefe Schlucht, bestimmt zehn Meter, in der sich der Fluss durchquetscht, nachdem er von einer Klippe gestürzt ist.

Überall Löcher im Gestein, die das Laufen spannend machen. Als wir genug gesehen haben, versuchen wir, den Weg zurückzufinden. Sichtbar ist er nicht, und die AllTrails‑App hat offenbar beschlossen, dass unser Ausflug nicht existiert. Zum Glück habe ich ein eingebautes Navi.

Gegenüber der Hauptstraße erreichen wir die Malad Gorge Unit des Thousand Island Springs Park. Ein paar Schritte später stehen wir vor der deutlich breiter gewordenen Schlucht des gleichnamigen Flusses.

Auf dem Rückweg zum Auto eine kleine grüne Eidechse. Immerhin – es gibt also doch Leben hier.
An der Bootsanlegestelle des Lower Salmon Falls Dam starren wir auf eine nasse Wasseroberfläche. Muss man nicht zeigen. Interessanter ist ein Gehege mit Steinböcken, die dort aus unbekannten Gründen die Wiesen kahlfressen. Neugierig sind sie auch.

Im Visitor Center führen wir ein angeregtes Schwätzchen mit den Angestellten. Sie versorgen uns mit Karten und Informationen, sodass wir nun eine Route entlang des Snake zusammenstellen können. Das Visitor Center gehört zum Hagerman Fossil Beds National Monument. Allerdings haben wir nirgends Spuren von Ausgrabungen, geschweige Dinosauriern gesehen. Deshalb muss dieses Riesenbiest für ein Foto herhalten.

Es beginnt mit dem Malad River Gorge Dam. Der Damm ist so interessant, wie kleine Dämme eben sind. Also nicht. Aber die Stromschnellen liegen schön in der Sonne, also gibt es wenigstens davon ein Bild.

Vom nächsten Aussichtspunkt, den Bell Rapids, hatten wir uns mehr versprochen. Keine Klingel, keine Stromschnellen. Schade.

Als Nächstes wollen wir zum Snake River Overlook. Was uns keiner gesagt hat: Auf dem Weg dorthin steht eine alte Eisenbahnbrücke, stillgelegt, aber für Angler und Fußgänger offen. Die Owsley Bridge. Ein hübsches Ding. Der Name Owsley Bridge geht auf eine lokale Familie zurück – und zwar auf Lea Owsley und seine Söhne, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Owsley Ferry betrieben. Diese Fähre war der Vorgänger der heutigen Brücke. Als die Fähre zunehmend als unsicher galt und der neue Idaho Highway‑Bau begann, wurde sie 1921 durch die Brücke ersetzt, die dann den Namen der Fährbetreiber übernahm.

Der Aussichtspunkt selbst ist wirklich schön, und ich beschließe, mehrere Fotos zu einem Panorama zusammenzusetzen.

Dann geht es zum Thousand Springs Preserve. Ein faszinierendes Phänomen: Oben die Lava‑Abbruchkante, unten der Snake River. Und die Lava ist undicht. Zum Glück für uns, zum Glück für das Land. Denn überall schießt Wasser aus der Wand. Ob es wirklich tausend Quellen sind, haben wir nicht nachgezählt. Aber es sind viele. Und sie führen alle noch Wasser. In ein, zwei Monaten wären es nur noch traurige Rinnsale.

Auf dem Weg ins Tal fällt uns der Lemmon Fall auf. Mal sehen, ob wir näher rankommen.

Kurz darauf schießt Wasser aus Röhren in einem gewaltigen Schwall herunter und wird zur Stromerzeugung eingefangen. Das Gebäude sieht aus wie ein altes Schloss. Die Amis haben Fantasie.

Weiter zu den Lemon Falls. Herrlich sprudeln sie den Berg hinunter und glitzern im Sonnenlicht.
Auf dem weiteren Weg ein Blick auf die Landwirtschaft. Riesige Felder, kreisförmig bewässert. Jetzt wissen wir auch, wohin das Wasser fließt. Und warum die Felder aussehen wie aus dem Zirkelkasten.

Neben der Agrarwirtschaft passieren wir zig Kuhställe und -weiden. Milchwirtschaft wird hier großgeschrieben. Was wir noch nicht gesehen haben: die Erdfrucht, die Idaho zu seinem Slogan verholfen hat – Land of Potatoes. Vielleicht später.

Als eines der letzten Ziele steht die Box Canyon Springs Reserve auf der Liste. Von oben hat man einen guten Blick auf den Canyon und das tief grünblaue Wasser. Wir hätten runterlaufen können, aber es ist Nachmittag und es gibt noch ein paar Fälle (im wahrsten Sinne des Wortes) abzuarbeiten.

Die Farben sind fantastisch. Ich würde gerne wissen, wie viel davon im Sommer übrig bleibt. Bei über 33 Grad macht der Abstieg wenig Spaß. Der Aufstieg noch weniger.

Gestern hatten wir das westliche Äquivalent der Niagara‑Fälle, heute die Niagara Spring Falls. Eine winzige Parkbucht deutet an, dass man hier halten darf. Der Weg – vielleicht 20 Meter – ist sogar rollstuhlgerecht.
Jetzt wird es Zeit für das Ende. In diesem Fall auch das Ende des Weges. Gegenüber eines Sees liegen die Crystal Falls. Ich würde sie eher als Quellen bezeichnen, die gerne Wasserfälle wären. Aber sie spiegeln sich hübsch im See.

Während ich so aufs Wasser starre, fliegt plötzlich eine Reihe großer Vögel vorbei: Pelikane, die es sich auf dem Snake River gemütlich gemacht haben und nun auf Futtersuche sind.

Jetzt haben wir genug gesehen und fahren heim. Gegenüber unseres Hotels liegt ein Walmart, der Karin mit einer Salatbowl versorgt. Ich versuche mich an einem Chicken Marsala aus der Mikrowelle, weil ich das Gericht bei Costco eigentlich sehr schätze. Aber dieses schmeckte gar nicht mal so gut. Also kehre ich reumütig zu Costco zurück.



