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22.05.2026 – Wenatchee Area

Unser Hotel heute, das Best Western Chieftain Inn erinnerte vom Namen an die Kneipe in Elmo, Alaska, wo die Serie “Men in Trees” handelt. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Meine Göttergattin hatte, bis wir in dem Laden unsere Zelte aufschlugen, etwas Angst, dass wir uns dort nicht wohlfühlten. Wegen schlechter Bewertungen in der Vergangenheit. Der neue Besitzer war aber eifrig drangegangen und hatte diesbezüglich einiges getan. Unser Zimmer war ordentlich und hatte einen winzigen Patio, vor dem wir unseren Wagen abstellen konnten. So nah waren wir noch nie dran.

Das Frühstück war in Ordnung, wir wurden von zwei charmanten Küchenhelferinnen begrüßt, Hope und Anne, die offensichtlich instruiert waren, uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Da hatten sie nicht viel zu tun. Wir sind es gewohnt, uns selbst den Tisch einzudecken und auch das gebrauchte Pappgeschirr zu entsorgen.

Für den heutigen Tag hatten wir uns vorgenommen, über den Lake Chelan nördlich von Wenatchee bis nach Winthrop zu fahren. Eine meiner alten Routen vor fast 40 Jahren, als ich das erste Mal in den USA war und vier Wochen in Washington verbrachte.

Aber erstmal zu Costco. Hier in Washington funktioniert die GasBuddy-App wieder und zeigte mir, dass uns dort der günstigste Preis erwartete. Was nicht wirklich günstig heißt. Im Staate Washington sind die Spritpreise extrem hoch, wir zahlten 5,359 USD/Ga. Das ist mehr als ein Dollar mehr pro Gallone als unser billigster Sprit: 4,299 USD/Ga. Aber schieben wollte ich den Wagen auch nicht.

Jetzt geht es nach Norden. Wir befinden uns auf der östlichen Seite des Columbia River und die Straße entlang des Flusses verläuft immer etwas in der Höhe. Eine wunderbare Gelegenheit, Wenatchee in seiner vollen Größe und “Schönheit” zu zeigen.

Irgendwann überqueren wir den Columbia und bewegen uns westlich des Flusses nach Norden. Nach ca. 5 Meilen kommt der Rocky Reach Dam. Der Name kommt mir bekannt vor, aber optisch klingelt nichts.

Aber wir stoppen trotzdem und schauen uns die Exponate und auch die Fischtreppe zuerst von außen an. Dort ist wie meistens nichts zu sehen, da das Wasser zu tief ist.

Innen können wir wie bei vielen Staudämmen einen Blick in das grünliche Wasser werfen. Ab und zu kommen Lachse und andere Fische vorbei und werfen und neugierige Blicke zu. Wir werfen sie zurück. Damit müssen sie leben.

Gegenüber des Damms erheben sich steil nach oben schroffe Felswände. Sogar festgeschraubte, bewegliche Binokulare stehen dort. Also gibt es vermutlich Steinböcke oder Bergziegen zu sehen. Wir sind ja mittlerweile recht geübt im Erkennen dieser Viecher, aber offensichtlich hatten sie gerade Feierabend.

Auf der anderen Seite des Parkplatzes ein etwas futuristisch aussehender Chevy Silverado. Das “e” vom Silverado war farblich abgehoben und die dicken Auspuffrohre eines Trucks fehlten. Da habe ich meinen ersten vollelektrischen Chevy Silverado gesehen. Der Ford F150 Lightning begegnet einem ja schon ab und zu, aber dieses Auto hat auf amerikanischen Straßen Seltenheitswert.

Wenn es keine Steinböcke zu sehen gibt, müssen wir uns nach anderen interessanten Dingen umsehen. Wir durchfuhren in nördlicher Richtung Entiat, um kurz danach nach Nordwesten auf die 971 abzubiegen. Diese führt quasi als Abkürzung erst in die Berge, damit wir ein Überblicksfoto schießen können

und dann wieder runter zum Lake Chelan, wo wir den gleichnamigen Statepark entern und einfach nur Pause machten. Nach dem gestrigen Fahrtag tat das auch gut.

In östlicher Richtung ging es zuerst auf der 971 und dann auf der 97 in die Stadt Chelan. Ein auf Tourismus ausgerichtetes Nest, aber es macht trotzdem einen saugemütlichen Eindruck. Wir parkten mitten in der Downtown (drei Stunden kostenfrei) und spazierten zuerst über die Hauptstraße, dann am Riverwalk entlang zum See.

An der Autobrücke hingen auf jeder Seite deutlich lesbare Schilder: No jumping from bridge. 200$ fine. Aber entweder konnte die Jugend nicht lesen (halte ich für unwahrscheinlich), oder ihre Elten hatten genügend Geld für eine Zehnerkarte. Oder es war ihnen einfach egal.

Jedenfalls hatten sie ihren Spaß.

Wir wollten weiter, Winthrop ruft. Als wir schon ein paar Meilen gefahren waren, stellten wir fest, dass wir immer noch mehr als 60 Meilen, also Fahrzeit mehr als eine Stunde, vor uns hatten. Die wir auch wieder zurück müssen. Und das lässt sich in unseren Augen nicht mit einem Erholungstag vereinbaren. Also kurzerhand das Fahrziel von der Liste gestrichen und den Panda Express von Wenatchee ins Navi eingegeben.

An einem Kreisel von Wenatchee fanden wir diesen wunderschönen Baum, der auch bei größter Sommerhitze nicht gegossen werden muss.

Panda Express schmeckte wie immer vorzüglich,

wir verspeisten unser Abendessen im Walla Walla Point Park. Das ist das schöne im Westen (wie es im Osten ist, können wir nicht beurteilen): Überall, auch im kleinsten Dorf gibt es hübsche, total saubere Parks. Man kann sich einfach friedlich hinsetzen, sein Abendessen genießen oder einfach nur in die Gegend starren.

Auf dem Weg zum Hotel mussten wir an einer Stelle die Bahngleise überqueren. Und hier hatte sich wie eine dicke, fette Kuh ein langer Zug auf den Schienen niedergelassen, der letzte Waggon genau an unserem Übergang. Alle Aufforderungen, er möge sich bitte ein Stückchen weiterbewegen, fruchteten nichts. Und so fuhren wir ein Stück parallel zu den Bahngleisen, bis wir an einer Unterführung die Bahnline kreuzen konnten. Hätten wir das nicht gemacht, wir würde vermutlich immer noch an der Schranke stehen.

Ein ziemlich entspannter Urlaubstag. Eigentlich sollten sie alle so sein.

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