Heute steht uns ein längerer Fahrtag bevor. Aus Gründen, die ich vielleicht später mal erläutere, haben wir uns als Tagesziel Amarillo in Texas ausgesucht. Diese Stadt ist entweder in einer langweiligen 4 1/2 Stunden Fahrt zu erreichen, oder wir brauchen etwas länger und erleben dafür was. Wir entschieden uns für letztere Version und drehten das Lenkrad Richtung Norden, um über Taos Richtung Cimarron zu kommen.
Vorher – und das kriegen wir immer nur so hin, wenn wir in Santa Fe sind – machten wir einen kleinen Abstecher in die Oldtown, die Plaza. Wie auch Taos ist sie sehr hübsch anzusehen.
Und zwischen 8 und 9 Uhr ist dort auch noch nicht allzuviel los. Man gibt sich Mühe mit den vielen Blumen auf der einen Seite und Verkehrsberuhigung auf der anderen.
Gut, dass sie es mit letzerem nicht übertreiben, sonst hätten wir nicht mal eben durchfahren und ein paar Fotos schießen können. So auch von dem bekannten La Fonda Hotel.
Jetzt aber geht es flott weiter. Taos und Taos Pueblo lassen wir links liegen und fahren auf der 68 Richtung Eagle Nest.
Eagle Nest ist ein kleines Bergdorf im Colfax County mit rund 315 Einwohnern und liegt auf etwa 2.500 m Höhe am Eagle Nest Lake.
Es befindet sich im Moreno Valley, eingerahmt von den Sangre de Cristo Mountains und dem Baldy Mountain, was die Landschaft besonders eindrucksvoll macht. Der Ort ist heute vor allem für Tourismus, Angeln und Outdoor-Aktivitäten bekannt und ein beliebter Stopp entlang des Enchanted Circle Scenic Byway.
Süße Läden – es gibt ihrer nicht allzuviele – säumen die Straße und versorgen die Touristen mit allem, was man braucht oder auch nicht braucht.
Dann machen wir noch einen winzigen Abstecher nach Elizabethtown. Sie war New Mexicos erste eingemeindete Stadt, gegründet 1866 nach Goldfunden am Baldy Mountain und wuchs zeitweise auf bis zu 7.000 Einwohner an.
Heute ist Elizabethtown eine Geisterstadt, von der nur noch wenige Steinmauern und ein Hügel-Friedhof erhalten sind. Als wir uns dort umsahen, liefen ein paar Männer herum und schauten sich alles sehr gründlich an. Es ist nicht auszuschließen, dass man diese alten Mauern demnächst ein wenig aufpeppelt und mit dem Tourismus Geld verdient.
Schauen wir in ein paar Jahren wieder vorbei. Wie es dann wohl aussieht?
Ob dann auch diese wunderschönen Oldtimer (die allerdings nicht aus der original Westernzeit stammen) noch vorhanden sind?
Ein kurzer weiterer Stop am „Visitor Center“ und ein Blick auf die herrlich blühenden Blumen.
Wir sind 2500 m Höhe und das Hochtal ist mit dem Eagle Nest Lake wunderschön. Der gleichnamige Statepark, der sich um den See legt, ist Ziel für Wassersportler aller Art.
Es ist eine gemütliche Idylle und erinnert irgendwie an die Gegend um Stanley in Idaho. Ein Ort, an dem man verweilen und es sich gut gehen lassen kann. Wir können es nicht, denn unser nächstes Etappenziel wartet schon: Die „Stadt“ Cimmaron. Irgendwie hatte ich einen verklärten Blick auf dieses Nest, sei es durch den Song von Emmylou Harris (Rose of Cimmaron) oder durch zu viele gelesene Westernromane. Und vielleicht auch durch Bilder, die ich glaubte, gesehen zu haben.
Jedenfalls war ich ziemlich enttäuscht und so blieb es bei einem Foto des St. James Hotel
und einem weiteren der alten Gebäude.
Schnell weiter, denn uns stehen noch einige Stunden Fahrt bevor. Und dann fing unser schöner Truck an, Zicken zu machen. Viel Elektronik birgt viel Fehlerpotential. Zum einen meckerte er ständig, dass der Totwinkelwarner nicht funktioniert. Das ist zwar lästig, aber ohne diese Funktion habe ich jahrzehntelang Auto gefahren. Was viel schlimmer war, war die Tatsache, dass der Tempomat und der Spurhalteassistent nicht mehr wollten. Und wir hatten schon alle möglichen und unmöglichen Sensoren vorne, hinten und an den Seiten wiederholt abgewischt und gesäubert. Als Karin dann schließlich „manuell“ unterwegs war, befragte ich eine der manchmal nützlichen KIs und diese führte mich zu einem unscheinbaren Radarsensor, einer 10×15 großen Plastikplatte oberhalb des Nummernschildes. Hier hatten sich Staub und Fliegen niedergelassen und die Radarstrahlen blockiert. Endlich den Fehler gefunden.
Die Straße war alles andere als interessant. Schnurgerade zog sie sich Meile um Meile um Meile durch die Pampa. Auf dem Navi stand: 113 Meilen bis zum Abbiegen.
Bis wir dann ankommen am Capulin Volcano National Monument. Eigentlich sehr unscheinbar, gehört dieser „Drive-In-Vulkan“ zu den National Monuments, die das Besuchen der Nationalparks so wertvoll machen.
Wir konnten an einer Straße entlang des Hanges herauffahren. Der Vulkan im inneren ist nicht wirklich spektakulär (außer für Geologen und Vulkanologen)
Aber der Blick in die Runde entschädigt für alles. Wir entschieden uns, mal eben den einen Meilen Rundweg zu laufen und die Landschaft in jeder Richtung zu oklularinspizieren.
Abgesehen von tollen Ausblicken erfuhren wir auch von den Rinderherden und Viehtrieben, die von Texas (San Antonio) aus kommend hier nach Colorado und Wyoming bis nach Cheyenne durchgeführt wurden.
Weiter erfuhren wir auch, welche zerstörende Kraft Blitze haben. Nein, dass war nicht meine Göttergattin mit einem ihrer langen Zauberstäbe gemacht, da ist ein Gewitter Schuld.
Jetzt nur noch 3 lockere Stündchen auf nach Texas. Ich persönlich hatte den Panhandle immer mit riesigen Rinderherden verbunden, die über die platte Landschaft ziehen. Aber speziell in Texline (an der Staatsgrenze) mussten wir sehen, dass dort riesige Silos stehen. Und in denen werden mit Sicherheit keine Longhornrinder gestapelt.
Zum Glück sind auf den Landstraßen die Geschwindigkeitsbegrenzungen mit 70-75 mph ziemlich hoch, so dass wir (auch wegen des fast nicht vorhanden Verkehrs) gut durchkamen. Alledings hatte ich noch das Problem, dass sich mein Handy zwar mit dem Auto koppeln ließ, aber Google Maps wollte absolut nicht auf den Bildschirm. Audio-Übertragung klappte. Und so nutzten wir das eingebaute Navi, um uns ins Hotel zu lotsen.
