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16.09.2026 – Cadillac Ranch – Palo Duro Canyon – Caprock Canyons

Is this the way to Amarillo? Dieses Lied von Tony Christie schoss mir heute morgen durch den Kopf als ich den tollen farbigen Himmel zum Sonnenausgang aus dem Fenster unseres Hotels sah. Es gibt noch viele andere Lieder, in denen diese Stadt erwähnt wird. Mir fällt nur noch von George Strait „Amarillo by morning“ ein.

Aber darum geht es heute nicht. Wir haben uns drei Ziele auf die ToDo-Liste geschrieben. Gestern Abend war es schon dunkel, daher holen wir es heute nach: Ein Besuch auf der Cadillac Ranch. Wikipedia erzählt dazu: Die Cadillac Ranch ist eine öffentliche Kunstinstallation westlich von Amarillo, Texas.
Sie besteht aus zehn Cadillacs (Baujahre 1949–1963), die schräg und nose-first in die Erde eingelassen wurden. Die Neigung entspricht laut Quellen sogar dem Winkel der Pyramiden von Gizeh.

Genau genommen fängt es auf der Zufahrtsstraße zur „Ranch“ schon an. Eine derart bunte Route habe ich noch nicht gesehen.

Und wenn ich daran denke, welchen Ärger damals eine Nachbarin gemacht hat, als unsere Jungs den eigenen Hof mit Kreide verziert haben. DAS hier hätte ihr bestimmt einen Herzinfarkt beigebracht.

Die zehn Fahrzeuge repräsentieren die Evolution der Cadillac‑Tailfins zwischen 1949 und 1963. Viele der Autos waren gebraucht oder Schrott, für rund 200–300 Dollar gekauft und dann in den Boden gesetzt. Heute sind die Cadillacs komplett mit Graffiti bedeckt. Das war ursprünglich nicht geplant – Besucher begannen sofort, ihre Namen zu hinterlassen. Die Autos wurden mehrfach komplett übermalt (weiß, pink, schwarz), aber das Graffiti kehrte immer zurück.

Heute darf jeder sprayen, der Farbe mitgebracht hat oder sich der herumliegenden Spraydosen bedienen.

Die Lackschicht auf den Oldtimern wird immer dicker und die Reifen haben sich in der Wüstenhitze aufgebläht.

Ca. 1,4 Millionen Besucher schauen sich jährlich diese Kunstinstallation an, man muss es einfach gesehen haben.

Genug Kunst gesehen, zurück zur Natur. Im Süden von Amarillo liegt der Palo Duro Canyon State Park. Das Wort Palo Duro aus dem spanischen bedeutet hartes Holz. Gemeint sind damit die Wachholderbüsche und Bäume. Der Park gilt als der Grand Canyon von Texas, so wie der Waimea Canyon den Grand Canyon von Hawaii bezeichnet.

Der Eintritt in den Park kostet pro Person 8 USD. Aber da wir vorhaben, nächstes Jahr den Staat Texas ausführlicher zu bereisen, entschieden wir uns, einen Jahrespass für zwei Personen für 70 USD zu kaufen. Das Geld sollten wir schnell raushaben.

So wie der Capulin Volcano ein Drive-in Vulkan ist, so ist der Palo Duro Canyon ein Drive-in Canyon. Der Ranger an der Eingangsstation empfahl uns diverse Wanderungen, von einer riet er aber definitiv ab: Wir sollten nicht zum Lighthouse Rock, dem Wahrzeichen des Parks wandern. Das sind 3 Meilen hin und 3 Meilen zurück, alles ohne Schatten. Da wir uns der Mittagszeit näherten, fanden wir den Vorschlag sehr vernünftig und schauten uns den Felsen nur durch ein dickes Teleobjektiv an.

Man muss halt Prioritäten setzen. Es ging runter in den Canyon, die Felsen zu den Seiten leuchteten herrlich rot und Erinnungen an das „Original“ bzw. die Farben von Arizona und Utah wurden wach. Kein Wunder, dass es uns hier gefällt.

Einen Trail dürfen wir aber laufen, den Cave Trail. Da ist das Ziel in Sichtweite, das schaffen wir gerade noch.

Über Stock und Stein (bzw. Lehm) ging es an diesen schön in der Sonne leuchtenden Felsen vorbei nach oben.

Der Weg – eigentlich verdient er diese Bezeichnung nicht – führt dann in das kühle „Loch“ und wie das so bei dererlei Höhlen ist, man kann nach draußen schauen. Wer hätte das gedacht?

Aber am allerbesten war, dass meine Göttergattin mit ihren Zauberstöcken ebenfalls den Weg nach oben geschafft hatte. Hier sehen wir sie wieder beim Abstieg, sie strahlt über beide Wangen.

Wir fuhren die Straße bis zum Ende durch, immer wieder überquerten wir Abschnitte, die mit getrocknetem Schlamm bedeckt waren. Hier ist in der Nacht wohl ein heftiger Regenguss runtergekommen, der die Kapazität der Flussbetten überstiegen hat. Gut, dass wir jetzt erst unterwegs sind. Nicht auszudenken, wenn wir in sowas reingeraten wären und der Sensor unseres Autos verdreckt worden wäre.

Wir müssen weiter. Der Caprock Canyons State Park wartet auf uns. Und jetzt haben wir erstmalig erfasst, wie groß Texas ist. Auf der Karte sah es nach einem Katzensprung aus, nicht viel weiter als die Strecke Amarillo – Palo Duro. Aber für die 117 Meilen brauchen wir locker 1,5 Stunden. Und das bei größtenteil 70-75 mph. Wow.

Als wir uns dem Ziel näherten, hatten Anwohner eine nette Idee: Der Zaun war mit Fahrrädern und auf den Zaunspitzen mit Cowboystiefeln geschmückt. Habe ich so auch noch nicht gesehen.

Am Visitorcenter konnten wir unseren Pass gleich zum zweiten Mal einsetzen, wie schön.

Eine Besonderheit des Parks ist die dort lebende Bisonherde: Sie ist die offizielle Texas State Bison Herd – sie stammt direkt von den letzten frei lebenden südlichen Plains-Bisons ab, die Charles Goodnight Ende des 19. Jahrhunderts vor der Ausrottung rettete. Damit ist sie genetisch eine der reinsten verbliebenen Linien dieser Unterpopulation. Die Tiere bewegen sich vollständig frei im gesamten Park, nicht nur in bestimmten Bereichen. Der Park verfolgt ein minimal-invasives Management:

  • keine Fütterung
  • keine Besucherlenkung durch Zäune
  • möglichst wenig Eingriffe in die Sozialstruktur

Dadurch verhält sich die Herde deutlich wilder als Bisons in vielen anderen Parks. Gruppen können sich schnell auflösen oder neu formieren, und die Tiere reagieren sensibel auf Geräusche, Windrichtung und menschliche Annäherung.

Eine Miniherde lagerte gegenüber des Besucherzentrums, aber dieses Schmuckstück trabte entlang unserer Fahrtroute. Im Besucherzentrum lernte ich noch den Unterschied zwischen Buffalo und Bison kennen: Bisons sind die in Amerika lebenden Tiere, Buffalos leben z.B. in Europa oder Asien. Aber dieser feine Unterschied scheint erst später herausgearbeitet worden zu sein, denn eine Strophe im Lied „Home on the range“ sagt: Where the buffalo roam. Und wie lächerlich hätte Bison Bill anstelle von Buffalo Bill geklungen? Aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Langsam gondelten wir durch den Park und machten an diversen Aussichtspunkten Halt.

Als wir über das Land blickten, kam mir ein Ausspruch von Sue Charlton aka Linda Koslowski in Crocodil Dundee in den Sinn (den genauen Wortlaut bekomme ich nicht mehr zusammen): Es herrscht eine merkwürdige Leere und Stille…

Was diesen Park so schön macht, ist die Tatsache, dass alles sehr viel ruhiger und einsamer verläuft als in anderen Parks. Vielleicht liegt es daran, dass er wirklich ziemlich weit weg von der „Zivilisation“ ist. Die Stille springt einen nahezu an und das tut gut.

Eine Wanderung auf einem der vielen Trails schenkten wir uns, denn unser Autothermometer zeigte zwischendurch 108° Fahrenheit = 42°Celsius an. In dem Augenblick war ich froh, dass unser Auto auch mit dem Schlüssel ferngestartet werden konnte, sobald er in Sichtweite war. Ökologisch eine Katastrophe, gesundheitlich eine Notwendigkeit.

Einen Stop mussten wir allerdings noch einlegen. Links und rechts der Straße befand sich eine Kolonie von Prairie Dogs. Solange man aus dem Auto nicht aussteigt, waren die Tiere überhaupt nicht ängstlich. Wir sind ja nur Menschen in Dosen.

Ich hatte auf dem Hinweg eine Rangerin gefragt, wie lange sie so zur Arbeit braucht. Ihre Antwort: 5 Minuten. D. h. sie muss in der großen und allseits bekannten Stadt Quitaque wohnen. Vermutlich ein einsames Leben. Hier ist Downtown mit der Hauptstrasse:

Und hier eines der hübscheren Häuser (hier mal die Tiergattung richtig verwendet):

Wir verabschiedeten uns von der Einsamkeit und machten uns auf den Rückweg. Knapp zwei Stunden veranschlagte Google Maps für die Heimfahrt. Ich hatte übrigens mein Handy wieder überreden können, mit dem Auto vernünftig zusammenzuarbeiten: Cache leeren etc.

Als wir auf Amarillo zufuhren, war der Himmel grau in grau. Ein weiterer Besuch bei der Cadillac Ranch mit entgegengesetztem Sonnenstand fiel daher aus, es geht direkt ins Hotel.

 

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