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17.09.2026 – Von Amarillo (TX) nach Artesia (NM)

Heute steht uns wieder ein Fahrtag bevor. Das Land ist so groß, man kann sich nicht mal eben von Punkt 1 nach Punkt 2 beamen. Und das Land ist so leer, da müssen wir in den sauren Apfel beißen und fahren. Zum Glück haben wir ja einen super Wagen, das macht es gut erträglich.

Am Abend wollen wir in Artesia in der Nähe der Carlsbad Caverns sein. Von Amarillo aus sind das mehr als 4 Stunden ziemlich langweilige Fahrt. Also entschließen wir uns, ein paar Wachhalte-Stopps einzulegen.

Bevor es auf die Piste geht, fahren wir nach Downtown Amarillo. Amarillo ist einer der wichtigsten Orte entlang der Route 66 – ein Mix aus Cowboy‑Kultur, High‑Plains‑Weite, Neon‑Nostalgie und ikonischen Roadside‑Attractions wie der Cadillac Ranch, die wir gestern besuchten. Die Stadt war ein zentraler Verkehrsknotenpunkt und ist bis heute einer der lebendigsten Abschnitte der „Mother Road“. Die Route 66 wurde 1926 offiziell eingerichtet und führte von Chicago nach Los Angeles. Amarillo lag genau im Herzen des Texas Panhandle und war die einzige größere Stadt auf dem Texas‑Abschnitt der Straße.

Die Straße verlief durch Amarillo zunächst über den Amarillo Boulevard, dann über Pierce/Buchanan Street und schließlich über die SW 6th Avenue, die heute den historischen Kern bildet.

Wir fuhren in relativ früher Morgenstunde auf der 6th Avenue entlang, kaum Autos, die störten, keine Läden, die geöffnet hatten.

Nur alte, orginale Häuser und dann eine Reparaturwerkstatt, die wirklich so aussah, als sei die Zeit dort stehengeblieben.

Hübsche Bemalungen, die natürlich die Route 66 zum Thema haben. Weite High Plains Landschaften, Neon Reklame, Cowboy Tradition.

Und wenn wir schon bei Cowboys sind, dann fahren wir an einer weiteren ikonischen Figur vorbei, die in der Nähe der Cadillac Ranch steht: Der 2 amendment Cowboy. Er ist eine moderne Symbolfigur, die den Cowboy‑Mythos mit dem Recht auf Waffenbesitz (2nd Amendment der US‑Verfassung) verbindet. In Artikeln über dieses Thema wird der Cowboy oft als Sinnbild für Freiheit, Selbstständigkeit und Schutz ohne staatliche Hilfe dargestellt.

Solche Texte erklären meist, dass Cowboys historisch in einer Zeit lebten, in der Waffen ein Alltagswerkzeug waren – für Jagd, Selbstverteidigung und das harte Leben an der Frontier. Dieser historische Hintergrund wird genutzt, um die heutige Debatte über Waffenrechte kulturell aufzuladen: Der Cowboy steht für den unabhängigen Bürger, der Verantwortung selbst übernimmt.

Moderne Artikel betonen außerdem, dass dieser Cowboy‑Mythos stark romantisiert ist. Befürworter des 2nd Amendment sehen darin ein positives Freiheitsideal, während Kritiker argumentieren, dass die historische Cowboy‑Welt mit der heutigen Gesellschaft wenig zu tun hat.

Am Ende geht es in solchen Artikeln meist weniger um echte Geschichte, sondern um Identität, Symbolik und amerikanische Kultur, die den politischen Streit um Waffenrechte emotional verständlich machen soll.

Jedenfalls hat man eine überlebensgroße Figur aufgestellt, zu seinen Füßen zwei nicht sehr naturgetreue Revolver.

Und hinter ihm stehen in leichter Hanglage (sonst würden sie vermutlich nicht mehr anspringen) drei Cadillacs.

Jeder von ihnen mit einem berühmten Star am Steuer: Elvis Presley, Willie Nelson und John Wayne. Man kann die Personen sogar ohne viel Fantasie erkennen.

Jetzt aber müssen wir auf die Piste. Mehrere Stunden Fahrt, meistens schnurgeradeaus warten auf uns. Wir stellen im Navi in Lubbock die Prairie Dog Town ein, ein Gebiet, in dem vielen von diesen possierlichen Tierchen hausen.

Und sie sind auch da.

Lubbock hat einen der wenigen Costcos in der weiteren Umgebung, weshalb wir die Gelegenheit nutzen, um unseren Dicken mal wieder vollzutanken und uns sowohl in der Lebensmittel- als auch in der Kleidungsabteilung umzusehen. Diesmal habe ich Glück. Drei Jeans, zwei Flanellhemden und zwei Stücke Pizza sind wir wohlgesättigt wieder draußen und überlegen, wie wir den weiteren Weg zurücklegen.

Als einziges Highlight bietet sich mit einem kleinen Umweg die Stadt Roswell in New Mexico an. Wir überqueren die Grenze zu diesem Staat und sind direkt wieder in einer anderen Zeitzone. Heißt: Kameras umstellen.

Die Sonne brannte während der Fahrt heiß hernieder und wir hielten am Himmel immer wieder Ausschau nach ungewöhnlichen Gegenständen.

Aber außer Ölförderanlagen am Straßenrand und ab und zu Antilopen konnten wir nichts vermelden. Ob J.R. Ewing bei ersterem noch seine Finger im Spiel hat?

Roswell wurde 1947 berühmt, als auf einer Ranch ungewöhnliche Trümmer gefunden wurden, die das Militär zunächst als „fliegende Scheibe“ meldete. Kurz darauf erklärte die Army, es handele sich nur um einen Wetterballon – später stellte sich heraus, dass die Teile zu einem geheimen Überwachungsprojekt namens Project Mogul gehörten. Trotz dieser offiziellen Erklärung entwickelte sich daraus eine der bekanntesten UFO‑Legenden der Welt, die bis heute Touristen und Verschwörungstheorien anzieht.

Roswell nennt sich offiziell die „UFO Capital of the World“ und lebt stark vom Tourismus rund um das 1947‑Ereignis. Das International UFO Museum and Research Center ist die wichtigste Attraktion und zieht Besucher aus aller Welt an.

Wir strandeten am Visitor Center und wurden mehr als überschwänglich und freudig begrüßt, so als wären wir seit Jahren die ersten Touristen, die hier einkehren.

Eine Fotoanlage zu einem Snapshot mit ein paar einheimischen Aliens stand bereit, aber mir was es zu umständlich, mir einen Ausdruck in womöglich schlechter Qualität zuschicken zu lassen und drückte der Lady meine Kamera in die Hand.

Die beiden in der Mitte sind die Aliens. Und damit nicht genug, wir bekamen direkt eine Straßenkarte in die Hand gedrückt, damit wir auf unserem Rundgang ja nichts verpassen.

Nicht genug damit, dass Roswell die Alien Capital of the World ist. Man ist auch stolz darauf, dass die USA mittlerweile 250 Jahre alt sind. Es äußert sich in den blau-weiß-roten Farben wirklich überall.

Hier sind es die Fähnchen, mit denen man die Boden pisakt. Und an jeder Straßenecke stehen Hydranten, jeder anders bemalt. Eine wirklich nette Idee.

Aber auch der Cowboy-Kult kommt hier nicht zu kurz. Obwohl die Longhorn-Rinder eigentlich mit Texas assoziiert werden, dürfen sie wohl auch auf New Mexicos Weiden grasen.

Kommen wir zum Schluss an die Hauptattraktion, dem Alien- und Ufo-Kult. Kaum ein Laden, der nicht die kleinen grünen Männchen als Aushängeschild hat.

Selbst die Filiale von McDonalds ist als Raumschiff aufgebaut. Das nenne ich konsequent.

Was wirklich normal ist, das ist das Gerichtsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob das herrliche Grün der Kuppel nicht eine Anlehnung an die kleinen grünen Männchen sein soll.

Whatever, wir haben jetzt noch 45 Minuten bis nach Artesia, ein schön renoviertes Hotel, welches zur Zeit leider nur Continental Breakfast anbietet, sie haben die Konzession für Rührei noch nicht erhalten. Und unsere Elektronik am Auto spinnt wieder, wir haben zu viele Fliegen aufgelesen.

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