22.10.2021 Unterwegs auf Cape Breton Island

Ich tue mich mit dem Titel etwas schwer, weil nach meiner Definition Cape Breton Island die Insel ist, auf der sich der Cape Breton Highlands National Park befindet. Da die Landabschnitte, die wir heute besucht haben, nur durch Fähren oder Brücken erreichbar sind, sind dies für mich neue Inseln. Aber bei Maps konnte ich (bisher) keine Bezeichnungen dafür finden. Also bleibt es bei Cape Breton Island für den gesamten Inselkomplex.

Eine Aufnahme muss ich noch nachliefern: Den gestrigen Sonnenuntergang aus unserem Hotelfenster.

Wäre es heute so weitergegangen, der Tag wäre anders verlaufen. So begaben wir uns sehr gemütlich zum Frühstück, welches cooked to order gut und reichhaltig war. Nur der Kaffee hatte die Stärke von Batteriesäure und hätte normale Pappbecher glatt durchgeätzt.

So gaben wir uns noch ein wenig der Faulheit hin und starteten erst gegen 12 Uhr unsere Tour Richtung Süden. Ich hatte gesehen, dass nicht weit entfernt von unserem Hotel (also nur eine halbe Stunde) die Gillis Lake Wasserfälle liegen. Ein wenig Dirt Road hat uns noch nie gestört, aber um zu den Wasserfällen zu gelangen, mussten wir durch ein offenes Tor und über eine Brücke marschieren, die zu einem Privathaus führte. Andererseits stand dort nirgendwo ein Schild „Privat Property – no trespassing“ und im Notfall hätte ich jemanden angequatscht und um Erlaubnis gefragt. War aber nicht nötig. Direkt hinter der Brücke führte ein Trampelpfad (ähnlich wie gestern, nur ohne Seil und nicht ganz so steil) direkt zum Fuße des hübschen Wasserfalls:

Foto gemacht. Check.

Wir wollten diesen Teil der Insel über die Nordroute nach Süden befahren und wählten daher den direkten Weg durch die Wälder. Die Befürchtungen meiner Göttergattin, wir würden unseren Dicken über schmale Trampelpfade lenken müssen, waren absolut unbegründet. Eine riesig breite Dirtroad führte uns direkt zur Küste. Auf dem Weg nach Südwesten fuhren wir die Straße zum Christmas Island rein. Was erwartet uns dort? Weihnachtsschmuck? Nikoläuse? Geschmückte Tannen? Keine Ahnung, warum dieser Name vergeben wurde. Jedenfalls fuhren wir mit dem Pickup rückwärts auf den Strand (wie wir das von Hawaii gewohnt waren) und genossen dort die Mittagspause.

Auf einem Baum mehrere hundert Meter entfernt sah ich ein Geschöpf, welches kollossal einem Weißkopfseeadler ähnelte. Also das lange Tele (die dicke Berta) angesetzt und in Richtung des Baumes am Strand marschiert. Musste noch unter ein paar Angelleinen durchnavigieren, die ein älteres Ehepaar ausgeworfen hatte. Der Adler war mittlerweile verschwunden, aber wir kamen mit den Oldies ins Gespräch. Währenddessen zog die Dame des Hauses einen Teil des Mittagessens an Land, eine Regenbogenforelle mit ca. 30-40cm Länge.

Abgesehen davon erfuhren wir auch noch, dass eine Insel weiter, am South Cove, noch mehr Adler zu sehen seien. Das wollen wir mal sehen. Ehrlich.

Folgerichtig machten wir uns auf den Weg (nachdem wir es auf der Karte gefunden hatten).

Auf dem Weg überraschte uns der MacGormack Beach Provincal Park. Zum einen mit den karstigen Felsen, aber auch mit der wunderbar gepflegten Umgebung und der liebevollen Blumenbepflanzung. Das sahen wir auf unseren Fahrten sehr oft: Sorgsam gemähte Rasen und liebevolle Bepflanzungen.

Am Gillis Point Lighthouse ein schneller Blick über die Bucht, bevor es wieder Richtung Süden zum South Cove ging.

Dort führte eine Art Schotterdam über einen Meeresarm und ein Pickup mit Anglern stand drauf. Am anderen Ende am Waldesrand konnte ich schon Weißkopfseeadler Nummer 1 sehen. Also hielten wir erstmal an, um uns langsam ranzupirschen.

Da warf der Angler den großen Kopf eines gerade gefangenen Fisches mitten auf die Straße und der Adler breitete seine Schwingen aus, um sich diesen zu schnappen. Im Endeffekt ca. 10 m von uns entfernt. Leider hatte ich meine Kamera noch nicht perfekt eingestellt, so dass mir leider nur ein unscharfes Foto vom Zugriff gelang. Danach überflog er die Stelle noch einmal und ich konnte ihn dabei erwischen.

Er ließ sich auf einer Tanne nieder in Erwartung von noch mehr Futter.

Was leider nicht kam und er zog dann gelangweilt ab.

In der Zwischenzeit hatte sich ein anderer Artgenosse fliegend angepirscht

und ließ sich auf einem anderen Baum nieder. Der war vielleicht 50 m entfernt und wir starrten einander in die Augen. Man konnte förmlich sehen, wie er uns beobachtete.

Beobachtet wurde ich auch. Sogar mit Kamera.

Da uns mitgeteilt worden war, dass es im gesamten South Cove mehrere Adler gäbe (also vielleicht noch mehr als die zwei) drängte mich meine Göttergattin dazu, doch bitte weiterzufahren bis zum Ende der Straße. Was ich gerne tat. Und was sie kurz danach bereute. Denn die Straße wurde nicht nur schmaler, sie war auch von metergroßen Pfützen und Schlammlöchern durchzogen. Umdrehen ging nicht. Rückwärtsfahren? Nein danke, das brauche ich nicht. Also Gas geben und durch. Gut, dass neben der Straße niemand stand. Der wäre anschließend reif für die Dusche gewesen. Und das Gequietsche meiner Beifahrerin hätte seinen Ohren auch nicht gut getan. Jedenfalls meisterte unser Dicker alle Herausforderungen mit Bravour und wir kamen unversehrt am Ende der Straße an. Da war leider gar nichts zu sehen und mir blieb nur die Freude, den Wagen nochmal durch den Schlamm zu wälzen. Karin wollte auch nicht aussteigen und den Akt filmen. Schade eigentlich.

Aber sie kam neben dem kleinen Abenteuer doch noch auf ihre Kosten. Ich sage nur: Fähre. Wir kamen just in dem Augenblick in Little Narrows an, als die Beladung der Seilfähre begann. Keine Zeit verloren. Wirklich aufregend war die Fahrt für mich nicht, aber es ist doch immer schön, wenn sich neben dir im Wagen jemand freut.

Eigentlich hatten wir auf der Rückfahrt noch einen weiteren Wasserfall eingeplant, aber das Wetter war ziemlich trübe und die Dunkelheit kündigte sich an, so dass wir in Navi einfach nur die Hoteladresse eingaben, um das Abendessen auf den hübschen Stühlen der Hotelpromenade zu genießen.