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27.09.2026 – Bisti Badlands – Teil 2

Und wieder warf mich meine Frau heute früh aus dem Bett. Na ja, nicht wirklich, da ich kurz nach fünf Uhr sowieso wach bin. Aber das übliche „in den Tag gammeln“ war diesmal nicht möglich. Zu groß die Verlockung, diesmal von der Balloon Rally gegenüber unseres Hotels etwas mitzubekommen. Um sieben Uhr sollte es dort losgehen. Frühstück im Hotel ist heute von 7-10 Uhr, sollte also kein Problem sein.

Und so machten wir uns gegen SIEBEN Uhr relativ pünktlich ZU FUSS auf den Weg zu Animas Valley Mall. Diese war am Abend zuvor schon komplett abgesperrt worden, alle noch geöffneten Zufahrtsstraßen waren überwacht. Und es tummelten sich dort diverse Trucks, auf deren Ladefläche die Körbe der Ballonfahrer ruhten oder gerade abgeladen wurden.

Gespannt schauten alle in den Himmel, wie wird das Wetter werden. OK, sieht gut aus, lasst uns auspacken.

Testen wir mal den Brenner, ohne läuft hier nichts. Einen E-Ballon hat man noch nicht erfunden.

Check, dann legen wir mal die Hülle aus und sehen zu, dass wir Luft reinbekommen.

Ein extrastarkes Gebläse wird eingeschaltet. Mehrere freiwillige Helfer halten die untere Öffnung auf und ein mächtiger Propeller bläst die Seide auf.

Und wenn die Öffnung groß genug ist und sich der Ballon schon bläht, schalten wir den Brenner ein und fügen heiße Luft hinzu. Denn erst die garantiert aufgrund ihrer geringeren Dichte, dass sich diese Kugel mit dem Korb unten dran auch in die Lüfte erhebt.

Dann ist es soweit. Der einzige „kommerzielle“ Ballon hebt ab und hebt die zahlungswilligen Kunden für eine ca. viertelstündliche Fahrt über Farmington und Umgebung nach oben.

Er ist nicht der einzige, aber der erste, der den Aufstieg schafft.

Nach und nach erwachen auch die liegenden Ballone zum Leben und erheben sich über dem Boden.

Auch bei ihnen heißt es dann irgendwann: Leinen los, wir fahren. Beim Heißluftballon sagt man „fahren“, weil Ballone keine aktive Steuerung haben und sich wie ein Fahrzeug vom Wind tragen lassen. Historisch wurde der Begriff bewusst gewählt – und er ist sogar offiziell so festgelegt.

Schön, wie sie sich nach und nach in die Luft erhaben. Am Boden zurück bleibt die „Balloon Chasing Crew“. Sie packen alles zusammen und warten darauf, eine Nachricht zu bekommen, wo „ihr“ Luftschiff wieder runtergeht.

Herrlich, wie die bunten Kugeln über dem Boden oder hoch über Farmington langsam entschweben.

So hatten wir es uns damals in Albuquerque gewünscht. Aber dort waren erheblich mehr als die heutigen 16 Ballone am Start. Und dort ist das dann ein Großevent, welches eine ganz andere Organisation und Sicherheitsvorkehrungen erfordert. Und auch schon Eintrittsgelder alleine für das Zuschauen beim Start. Da haben wir es heute viel besser getroffen.

Jetzt geht es erstmal zum Frühstück und Kaffee-Muggs füllen.

Und dann wieder auf die Straße. Diesmal mit dem Auto. Es geht wieder auf die 371 Richtung Süden. Die Straße zieht sich wie ein endloses Band durch das Nirgendwo.

Dann endet auch die Netzabdeckung und wir sind auf uns gestellt. Bzw. auf die schon runtergeladenen Karten bei Google Maps. Wir biegen diesmal schon nach ca. 30 Meilen nach links auf die 7293 ab und kurz danach auf die 7290. Hier passieren wir noch eine Kirche und stehen kurze Zeit später auf einer großen freien Fläche. Vor uns und links neben uns Stacheldrahtzäune.

Wir machen uns gerade wanderfertig, als noch ein Wagen hinter uns hält. Ein Holländer mit seinem Sohn hat ebenfalls diesen Trail auserkoren.

Der Zaun hat einige Stellen, wo man ihn überschreiten kann und wir durchqueren für ca. einen Kilometer baumlose Steppe, bis wir auf die ersten Steinformationen stoßen.

Es ist zur Zeit noch nicht so aufregend wie gestern, aber wir sind ja geduldig. Schließlich haben wir ein festes Ziel: Den Bisti Wings Trail. Die Felsformationen in New Mexico tragen diesen Namen, weil sie wie ein überdimensionale steinerne Flügel aussehen, die weit über den darunterliegenden Fels hinausragen. Die Form entsteht durch jahrtausendelange Erosion: Weicheres Gestein wird abgetragen, während eine härtere Schicht oben stehen bleibt und einen langen, dünnen Überhang bildet. Es gibt eine noch größere Formation, den King of Wings. Und für diesen, von uns nicht besuchten „King“ habe ich folgende Deutung. Gerade in dieser Region gibt es sehr viele Formationen, die über den unterbauenden Fels hinausragen, wie Flügel. Der King das größte und imposanteste Teil mit 12-15 Fuß. Aber er liegt in einer anderen Region und so gaben wir uns mit diesem und anderen Exemplaren zufrieden.

Wie man sehen kann, ist das hier keine Seltenheit. Wir halten uns weiter an die Wegbeschreibung von Alltrails, die uns in einen gewundenen Canyon hineinführt, optisch nicht der Leckerbissen, den wir erwartet hätten. Auch da habe ich eine Vermutung: Die Weg von Alltrails entstehen ja auch nur durch Aufzeichnungen von Menschen, die mit der App vor uns hier gelaufen sind. Und wahrscheinlich ist der Ersteller dieses Trails einfach mal in den Canyon gelaufen und hat irgendwann festgestellt: Hier gibt es ja nichts mehr zu sehen.

Wir jedenfalls drehten um und orientierten uns ausschließlich nach optischen Gesichtspunkten. Und da sprach uns diese Sektion an.

Ein wenig herumklettern und schon ist der Chip um einige Fotos voller. Und wir sehen, wohin wir zurück müssen. Durch das Nichts und das Nirgendwo.

Aber ganz so schlimm kann es nicht sein. Denn wie üblich – wenn wir weitab von jeder Zivilisation sind und Handy-Empfang eigentlich ein Fremdwort ist – klingelt das Smartphone meiner Frau und einer unsere Söhne ist dran. Riechen die, dass wir in einer unheimlich schönen Landschaft sind? Diesmal jedenfalls waren wir wirklich weitab von gut und Böse und die Verbindungsqualität war wirklich schlecht. Ausnahmsweise.

Jetzt müssen wir nur noch durch dieses Stückchen Erde zurück und dann steht uns die Wüste bevor.

Zum Glück wehte ein nicht zu heißer Wind. Aber man kann sich ganz gut vorstellen, wie es einem gehen könnte, wenn die Wasservorräte aufgebraucht sind und man noch Meile um Meile um Meile zu laufen hat. Wir waren froh, als wir den Wagen wieder sahen. Die Holländer hatten wir zwischendurch verloren, die hatten anscheinend nicht soviel Interesse. Jedenfalls war ihr Wagen weg. Jetzt ab nach Hause und ein Päuschen machen.

Auch heute hätte der Abend laut Schrittzähler zu Ende sein dürfen. Aber wir sind nicht wir, wenn uns nicht noch etwas Verrücktes einfällt. Ich wollte unbedingt zum Shiprock, nach Möglichkeit, um ihn bei Sonnenuntergang zu erleben und zu fotografieren. Für uns – nicht Navajo – ist es einfach nur ein Felsen, der wie ein Schiff bzw. ein Segel aussieht.

Für die Navajo ist Shiprock weit mehr als eine markante Felsformation. In ihrer Sprache heißt er Tsé Bitʼaʼí, was sich etwa mit „Der Felsen der geflügelten Wesen“ übersetzen lässt. Dieser Name verweist auf eine zentrale Erzählung: Ein gewaltiges, übernatürliches Wesen – oft als Vogel beschrieben – soll die Navajo einst auf seinem Rücken in Sicherheit getragen haben, weg von Gefahren und hinein in das Land, das später ihre Heimat wurde. Shiprock gilt als der versteinerten Überrest dieses Wesens, ein Ort, an dem sich Mythos und Landschaft berühren.

Auf dem Weg dahin musste ich erneut bei der Boot Barn reinspringen, ein paar sehr schöne Hemden haben es mir gedankt, dass ich sie vom Kleiderständer gerettet habe.

Als wir schließlich nach einer Fahrt durch den Ort Shiprock ankamen, baute sich die langgestreckte Mauer links neben uns auf. Auf die Straße, die zum Felsen führt, wollten wir nicht fahren, da es Navajo Gebiet ist und das respektieren wir.

Als wir gerade da standen und ich mir Gedanken machte, wie ich die riesige Pfütze am besten ins Bild setzen kann, kam aus der Richtung des Felsen ein Bronco aus New York angefahren und stellte sich klatschdich vor die Pfütze. Indianische Traditionen zählen bei manchen Leuten nichts.

Es gelang mir trotzdem, den Felsen hübsch in Szene zu setzen. An einen vernünftigen Sonnenuntergang war nicht zu denken, also setzten wir uns auf den Weg zurück nach Farmington. Ich hatte von einer Tankstelle gelesen, die den Premium-Sprit für 5,099 USD/Ga verkauft, deutlich billiger als überall anders.

Auf dem Weg dahin gelangten wir dann in eine allgemeine Verkehrskontrolle, das hätte ich jetzt nicht gebraucht. Hat einfach viel Zeit gekostet.

An der Tankstelle schließlich wollte die Säule meine Kreditkarte nicht haben, es war eine kommerzielle, die kein Büdchen nebenan angeschlossen hatte. Also irgendwo in der Nähe teurer tanken und dann ab ins Hotel.

 

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