Es ist einer der letzten Tage unserer Reise. Wir finden Colorado Springs sehr schön. Und wir haben uns vorgenommen, ein wenig die Umgebung zu erkunden. Die Stadt ist eine mit einem hohen Freizeitwert. Eine sehr moderne Stadt. Hier kann man sich wohlfühlen.
Für heute entschieden wir uns, den Pulpit Rock zu erwandern. Pulpit heißt soviel wie Kanzel. Also sollte es nicht gerade eine Höhle oder ein Canyon sein. Im nördlichen Teil der Stadt, nicht weit vom Interstate Highway 25 entfernt, liegt dieses Naherholungsgebiet, auch die Uni der Stadt befindet sich dort. Ein kleiner Parkplatz war schnell gefunden, nur wenige andere Wagen parkten dort.
Der Blick nach oben offerierte eine Felsenburg, oder auch eine Kanzel. Der Weg war mit ca. 4km hin und zurück ausgeschrieben, ca. 100 Höhenmeter. Auf dem direkten Weg wären das weniger gewesen. Also machten wir uns auf den Weg. Sanft stieg der Weg an, anstrengend erschien es nicht, nur die Wärme machte sich zunehmend bemerkbar.
In langen Schleifen zog sich der Weg langsam in die Höhe. Immer wieder tauchten zwischendurch andere kleinere interessante Formationen auf, die ein Foto lohnend machten.
Ja, sind wir hier in den Bisti Badlands gelandet? Kaum möglich, dazu gibt es hier zuviel Bewuchs. Unter anderem diese leckeren Kakteen, mit denen meine Göttergattin schon schlechte Erfahrungen gemacht hatte.
Diesmal hielt sie ihren Mund in sicherer Entfernung. Schon taucht die nächste Felsenburg auf. Wir klettern rauf und suchen eine Stelle für ein optimales Foto.
Richtig schön, diese Hoodoos. Und das ist weder ein Nationalpark noch ein Statepark.
Wir klettern weiter bergan. Im Hintergrund grüßt immer wieder der Pikes Peak. Die Wärme, die auch uns umgibt, hat auch auf dem Gipfel den Schnee ein wenig schmelzen lassen.
Mittlerweile haben wir den Rim erreicht und ich bin schon gespannt, wie die Felsen, die wir unten gesehen hatten, aus der Nähe ausschauen. Aber Alltrails ist da offensichtlich anderer Meinung. Es geht nicht in die Richtung, die ich erwartet hätte. Dafür sehen wir zwischen den Bäumen eine andere Felsformation auftauchen.
Kommt mir unbekannt vor. Sieht nicht so aus wie das, was wir von der Straße gesehen haben. Aber der Weg führt eindeutig dort hin. Los geht es. Vom Rim aus müssen wir nach unten, die Fähigkeiten der Wanderstöcke werden gefordert.
Aber schließlich stehen wir vor dieser nächsten Felsenburg, die größer und schöner ist als das, was wir von unten nicht gesehen hatten. Und darin kann man rauf- und rumklettern, wie man möchte.
Auch hier gibt es tolle Hoodoos. Ich wage mich ein wenig höher, um den Ausblick auf Colorado Springs zu genießen. Costco ist deutlich in der Nähe zu erkennen.
Meine Felsenkletterin wagt sich so nahe an den Abgrund, wie es möglich ist. Weiter wollte sie nicht gehen, auch nicht für ein Foto.
Dann geht es wieder zurück. Erst steil bergauf, im Rückblick sieht die Kanzel genau so schön aus.
Und einen kleinen Hoodoo nehme ich auf dem Chip noch mit.
Jetzt geht es final zum Auto zurück. Obwohl immer ein leichter Wind geht, sind es doch lockere 37°C. Wir kämpfen uns langsam den Berg runter. Die andere Felsenburg erreichen wir nicht mehr, dazu fehlt die Kraft. So langsam gehen die Wasservorräte zur Neige, aber wir schaffen es bis zum Auto.
Der Costco ist nah und wir gönnen uns im „Restaurant“ erstmal was kühles und überlegen dann weiter, was wir noch machen können. Die Entscheidung fällt für ein Wasserfallgebiet südlich von Colorado Springs, die „Seven Falls“. Hier muss man pro Senior 22 USD zahlen, um die Wasserfälle besichtigen zu können. Als wir dort ankommen, um zu parken, werden wir von einem jungen Mann, der versucht, Deutsch zu sprechen, darauf hingewiesen, dass es in vier Meilen einen Sammelparkplatz gibt, von dem uns ein Bus zu den Fällen bringt. Wir machen uns auf den Weg, stellen aber fest, dass es für uns zu anstrengend ist, für den Geldbetrag wieder in einem Shuttle zu sitzen, dort zu laufen und anschließend wieder zurückzufahren. Also geben wir kurzerhand das Hotel ins Navi ein und statten REI und der Boot Barn einen kleinen Besuch ab. Bevor wir das Hotel enterten, kamen wir an einer Autowaschanlage vorbei. Unser Dicker hatte es nötig. Nur waren wir in fast 40 Jahren noch nie durch eine automatische Anlage gefahren und wussten auch nicht, ob unser Truck das verkraftet. Zuhause kann unsere Aral Tankstelle zumindest meinen Ranger. Aber wir wurden beruhigt, das klappt. Also fuhren wir vorsichtig in die Straße ein, eine hilfreiche Hand seifte den mit Insekten gespickten Kühler ein und bat uns, die Schaltung auf N=Neutral zu stellen. Dann genossen wir um uns herum das beruhigenden Getöse, bis das Tageslicht uns wieder hatte.
Jetzt aber schnell aufs Zimmer. Irgendwie hat uns die Lauferei mehr geschlaucht, als wir es vorderhand zugeben mochten. Also ein wenig Klamotten packen und abschalten.