Heute geht es von Tucson nach Globe. Tucson hat uns gut gefallen, als wir gestern unterwegs waren, sind wir kaum in Staus gekommen. Es ist eine gemütliche Stadt, die ein bisschen Großstadtflair versprüht, aber immer noch sehr viel kleinstädtisches an sich hat.
Unser Hotel hat uns auch gut gefallen, im Adobe Stil gehalten hat es einen gemütlichen Innenhof, in dem sich auch das Frühstücksrestaurant befindet.
Globe liegt nordöstlich in der Nähe des Roosevelt Lake und mit der Stadt verbindet uns eine besondere Geschichte. Als wir das letzte Mal in der Gegend waren, hatten wir vier Nächte in Tuscon und danach eine Nacht in Globe gebucht. So ähnlich wie heute. Aber statt nach der vierten Nacht einfach abzureisen, hatten wir das verpennt, bzw. nicht mehr auf dem Schirm und haben nach der vierten Nacht einfach einen schönen Tagesausflug gemacht. Als wir zurückkamen, war der Hotelmanager schon in heller Aufregung, weil unser Zimmer nicht ausgeräumt war. Wir hätten eigentlich – inklusive unserer Klamotten – längst in Globe sein sollen. Aber dank des freundlichen Personals konnte er die Nacht in Globe ohne Kosten stornieren und wir konnten die Nacht zu gleichen Konditionen im gleichen Zimmer verbringen. War das peinlich. Das passiert uns nicht nochmal. Dieses Mal passten wir genau auf, dass wir den Absprung nicht verpassten.
Also auf nach Globe. Es ist eine kleine, geschichtsträchtige Stadt im Herzen Arizonas – rau, authentisch, ein echtes Stück „Old West“, das sich seinen Charakter bis heute bewahrt hat. Gegründet wurde Globe um 1875 als Silber‑Miningcamp, später wurde Kupfer zur entscheidenden Wirtschaftsgrundlage. Die Stadt ist County Seat von Gila County und liegt malerisch im Tal des Pinal Creek zwischen den Pinal und Apache Mountains.
Der Name „Globe“ geht auf eine fast kugelförmige Silberader zurück, die Prospektoren Mitte der 1870er Jahre fanden – sie sah aus wie eine kleine Silberkugel. Der Begriff blieb erst für das Mining District, dann für die Siedlung selbst.
Nachdem die Silbervorkommen nachließen, wurde Kupfer zum Motor der Stadt. Die Old Dominion Mine (ab 1880) war jahrzehntelang das wirtschaftliche Herz Globes.
- Extrem ergiebige Kupfererze (10–12 % Kupferanteil)
- Bis zu zwei Millionen Pfund Kupfer pro Monat wurden verschifft
Bevor wir uns auf die Strecke begaben, mussten erst noch ein paar Lebensmittel in die RAM-Box. Anschließend erwarben wir bei Costco einen 12er Pack Vanille-Soja „Milch“, der erste ging langsam zur Neige. Jetzt noch den Tank vollmachen, die Restreichweite lieg bei unter 100 Meilen. Und da kam der erste Schreck des Tages. Da unser Dicker den extrem performanten Hurricane H.O. Motor eingebaut hat, müssen wir das teurere Benzin mit 91 Oktan tanken. Üblicherweise lag der Preis immer 50-60 Cent/Ga über dem von Regular. Hier kostete Regular 4,199 USD/Ga, aber Premium wurde mit 5,049 USD/Ga angeboten. Das sind 85 Cent mehr. Habe ich noch nicht erlebt. Aber was sollen wir machen? Sprit zu anderen Tankstellen verfahren in der Hoffnung, dass es dort billiger ist? Wir ließen den Tank so weit wie möglich volllaufen, es passten 27,251 Ga hinein. Den Preis kann sich jeder selbst ausrechnen. Dafür sind wir aber auch 544 Meilen gefahren.
Wir setzten uns auf die 77 nach Norden und bogen beim Aravaipa Canyon ein. Dort soll es schöne Wanderungen geben. Nach ca. vier Meilen hörte die geteerte Straße auf und wir ruckelten mehr recht als schlecht weitere 8 Meilen bis zum Trailhead. Ob uns das auf dem Foto auch bevorsteht?
Dies ist „Wilderness-Area“, wir mussten uns vorher ein Permit schießen.
Dann konnten wir uns auf den von schroffen Felswänden umgebenen Weg machen. Es ging durch Kakteenwälder, diese wollten unbedingt auch Tuchfühlung gehen.
Im Tal angekommen floss noch immer der Aravaipa Creek, eine Seltenheit in dieser durch Trockenheit gezeichneten Wüstenlandschaft.
Aber da es sich hier um Wildnis handelt, gibt es neben schlecht ausgeschilderten Pfaden – man rät, ob schon jemand hierher gegangen ist – keine Brücken, die uns trockenen Fußes zum anderen Ufer führen.
Also kühlen wir uns die Füße ab, die Schuhe werden schon irgendwann wieder trocknen. Das gute bei den „waterproof“ Versionen der Merrels ist, dass eigentlich kein Wasser reinkommen kann. Der Nachteil ist: Wenn es doch einmal drin ist, geht es nicht wieder raus.
Nachdem wir über einen Kilometer gelaufen waren und die Strecke immer unübersichtlicher wurde, beschlossen wir, genug Wildnis für den Tag erlebt zu haben und drehten einfach um.
Wieder mussten wir durch die Kakteenwälder, aber diesmal kannten wir unsere Pappenheimer bereits und konnten Tuchfühlung vermeiden.
Am Auto zurück, erstmal die nassen Schuhe und Socken auf die Ladefläche. Die Sonne war ein wenig herausgekommen und strahlte die umliegenden Berge prächtig an.
Auf dem Weg zurück mussten wir logischerweise erneut diese schöne Stahlbrücke passieren und nach insgesamt 12 Meilen waren wir dann wieder auf der 77 Richtung Norden.
Jetzt noch ein Stündchen gemütlich fahren. Kurz vor Globe an einem Pass ein Ausblick auf die Landschaft. Hier dürfen wir Urlaub machen.
Das Hotel war schnell gefunden und gefällt uns gut. Es wird mittlerweile schnell dunkel, 18.18 Uhr ist hier Sonnenuntergang. Den wollten wir eigentlich von einer Bergkuppe nahe unseres Hotels erleben. Aber als wir auf dem Parkplatz standen, waren in Richtung Westen nur Wolken zu sehen, deswegen kraxeln wir nicht den Berg rauf. Vor allen Dingen hätte ich meine nassen Socken anziehen müssen, die auf der Ladefläche vor sich hingammelten…
Aber es gibt noch andere schöne Dinge zu sehen. Zum Beispiel die Stadt Miami. Nein, wir haben uns nicht nach Florida verirrt. Ca. sechs Meilen entfernt von Globe liegt eine weitere Minenstadt, die auch eine schöne Oldtown haben soll. Wir passierten die Freeport-McMoran Copper & Gold Company, deren Industrieanlagen schon aus weiter Ferne zu sehen waren. Bisher hatten wir Miami immer sträflich vernachlässigt, weil man üblicherweise von Norden kommend früher auf den Weg zum Roosevelt Lake, dem Tonto National Monument und dem Apache Trail abbiegt. Heute konnten wir uns das Vergnügen gönnen.
In Miami selbst gilt das, was ich schon zu einigen dieser Westernstädte gesagt habe: Halb so groß wie der Zentralfriedhof in Chicago, aber doppelt so tot. Aber einige der Gebäude waren wirklich hübsch und alt.
Dann geht es jetzt zurück. Die Sonne hat sich noch einmal Mühe gegeben und aus dem Dunst vorgekämpft, um die gegenüberliegenden Wolken als kleine Entschädigung anzuleuchten.
Zum guten Schluss fahren wir noch durch die Oldtown von Globe, aber auch hier herrscht größtenteils tote Hose. OK, dann ist der Abend früh zu Ende.