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01.10.2026 – Von Ouray nach South Fork

Explosion der Farben. Besser kann man den heutigen Tag nicht beschreiben. Wir wachten auf, schauten aus dem Fenster und der Himmel war blau. Eine Belohnung für unser Durchhaltevermögen der letzten Tage, dafür, dass wir Ouray trotz des scheußlichen Wetters die Treue gehalten hatten. Blauer Himmel bedeutet in dieser Stadt zu dieser Uhrzeit noch nicht viel. Zu steil sind die Felswände, als dass das Sonnenlicht bis zum Talboden durchdringen könnte. Aber wir wissen schon, wohin wir uns wenden können. Wir schlugen das Lenkrad in Richtung Durango ein, die Richtung, aus der wir gekommen waren. Leider war uns der graue, regnerische Himmel noch zu gut in Erinnerung.

Wir kletterten mit dem Auto die Serpentinen nach oben, um den Million Dollar Highway in südlicher Richtung zu befahren. Zumindest ein Stück, das ist er uns bei Sonnenschein schuldig.

Gestern hatten wir südlich der Baustelle am Crystal Lake die Laubfärbung für so schön befunden, dass wir dort gestoppt hatten. Heute wollten wir zuerst bis zur Yankee Girl Mine fahren, alles an buntem Laub mitnehmen und dann durch Ouray zurück und Richtung Norden auf der 550 über Ridgway weiterfahren.

Aber so schnell schießen die Preußen nicht. Ich gondelte gemütlich auf der Straße entlang, hinter mir kein Verkehr, als mich ein Aufschrei an den Rand fahren ließ: Ein kapitaler Elch, ein Moose zockelte gemütlich links neben der Straße her und machte sich gerade daran, selbige zu überqueren. Wir bereisen jetzt seit fast 40 Jahren die USA, meisten in schönen Naturgebieten. Aber wir haben erst einmal, in unserem ersten Urlaub 1987, im Yellowstone ein solches Tier gesehen. Und waren regelmäßig etwas enttäuscht, wenn wir selbst in diesem Park keine Elche zu sehen bekamen. Aber wir müssen ja auch mal Glück haben.

Der Elch ließ sich nicht von uns stören und verschwand in den nahen Büschen. ABER WIR HABEN EINEN GESEHEN.

Es ging weiter. Die Laubfärbung an den Berghängen erschlug uns geradezu.

Nach jeder Kurve neue Farbenpracht, andere Bäume, eine andere Zusammenstellung von Kolorierungen.

Dazu der blaue Himmel, die grauen Felswände, ein wenig weißer Schnee auf den Bergspitzen. Ein Panorama für ein Poster.

Endlich erreichten wir die Yankee Girl Mine. Obwohl sie im Gegenlicht stand, holte ich sie mit dem Tele ran, der Vollständigkeit halber.

Der Blick zurück offerierte eine genauso schöne Farbenpracht und wir mussten (leider, mein Kamera-Chip füllte sich) immer wieder anhalten, um dieses Naturschauspiel auf die Platte zu bannen.

Habt ihr eigentlich eine Ahnung, wo der Ausdruck herkommt? Früher, also kurz nach der Steinzeit, als weder Handys noch digitale Fotoapparate gab, existierte (und tut es noch) eine Technik, die man analoge Fotografie nennt. Hierbei wurde noch vor einigen Jahren ein „Film“, ein Zelluloidstreifen von 35mm Breite in eine Kamera gespannt und wenn auf ein 24x36mm großes Stück Zelluloid Licht fiel, dann wurde damit ein Foto aufgenommen. Diesen Film musste man umständlich entwicklen und konnte daraus Fotos vergrößern. Die Vorgänger dieser Technik war die Plattenfotografie. Eine Glasplatte, mit einer lichtempfindlichen Silberemulsion wurde dem Licht auf eine bestimmte Weise ausgesetzt und dann entsprechend weiterverarbeitet.

Diese Arbeit hatten wir nicht, wir hielten die Kamera auf eine bestimmte Weise ins Licht, drückten auf den Auslöser und zack

war ein wunderschönes Foto fertig.

Wir rollten wieder den Berg runter. Am Crystel Lake parkten schon wieder viele Autos und viele Kamerabesitzer füllten ihre Chips mit Material. Es war aber auch so schön, den buntgefärbten Berg als Spiegelung im See zu sehen.

Gegenüber dampfte der Red Mountain Creek.

Er unterquerte die Straße und floss dann langsam bergab. Manchmal, je nachdem welche Erze er freilegt, ist er total bunt gefärbt. Heute war er nur ein wenig schlammig.

Wir beschlossen, genug Speicherplatz auf diese Laubfärbung verschwendet zu haben und fuhren den Rest des Million Dollar Highways zurück nach Ouray. Dort hatte die Sonne mittlerweile den Weg ins Tal gefunden und beleuchtete die Stadt aufs schönste.

Auch in Ouray selbst sieht alles viel freundlicher aus.

Aber wir müssen weiter. Ridgway an der 550 ist unser nächstes Ziel. Wir tanken noch einmal für 50 USD voll und machen uns auf den Weg nach Montrose. Von dort aus biegt die 50 nach Osten ab und führt unter anderem über die 347 zum Black Canyon of the Gunnison. Der Canyon beeindruckt durch extrem steile, dunkle Felswände, die nur wenig Sonnenlicht erreichen und dem Ort seinen Namen geben. Die Tiefe beträgt 828 m und entspricht ziemlich genau der Höhe des Burj Khalifa in Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt mit 829 m. Der Gunnison River hat den Canyon über Millionen Jahre in uraltes metamorphes Gestein geschnitten und dabei eine der steilsten Flussabstürze Nordamerikas geschaffen. An seiner engsten Stelle misst die Schlucht nur etwa 40 Fuß Breite, was die dramatische Enge besonders sichtbar macht. Die Region zeigt einige der ältesten Gesteine Colorados und beeindruckt mit markanten Strukturen wie den hellen Pegmatitadern der Canyonwände.

Wir hatten leider nicht ewig Zeit und begaben uns daher „nur“ auf die nach Westen führende Schleife mit diversen Aussichtspunkten.

Es ist absolut imposant, von einem Geländer (das gibt es an den meisten Stellen) direkt über 800 m in die Tiefe zu blicken. Wenn einem da beim Filmen oder Fotografieren das Handy runterfällt: Good bye, Spielzeug. Grundsätzlich kann man auch an einer nicht ganz so engen Stelle nach unten fahren, aber wie gesagt, dazu fehlte uns die Zeit.

Uns zog es weiter auf der 50 Richtung Osten, entlang an der Currecanti National Recreation Area. Diese ist ca. 20 Meilen = 32 km lang. Das entspricht, um ProSieben Maßeinheiten zu verwenden, einer durchgehenden Wasserfläche so lang wie 500 Fußballfelder aneinandergereiht. Die NRA wird hauptsächlich zum Wassersport genutzt und umfasst 176 Quadratkilometer, also 24.000 Fußballfelder.

Wenn man das stahlblaue Wasser so sieht, bekommt man schon Lust, in Richtung Waterkant abzudrehen und einen Sprung ins kühle Nass zu machen. Aber wir rissen uns zusammen und drehten an der Lake City Bridge ab auf die 149 nach Süden.

Hier ging es sanft ansteigend in die Berge. Wieder begleitete uns die tolle Laubfärbung, aber auch kleinere Canyons lockten diesmal für Fotos.

Aber immer kann man der Versuchung auch nicht widerstehen, zu groß ist die Versuchung.

Schließlich rollten wir in Lake City ein, ein kleines gemütliches Nest, ähnlich Ouray, aber weniger alte Steinhäuser und etwas mehr zersiedelt.

Und dann hatte ich das Gefühl, wir sind im falschen Film gelandet. Kennt jemand von Euch noch die Serie „Men in trees“ mit der verstorbenen Anne Heche? Ob die wohl hier gedreht wurde? Und nicht in Elmo, Alaska?

Wie auch immer. Ein weiterer Aussichtspunkt ist der Lake San Cristobal Overlook. Ein atemberaubendes Panorama tut sich hier auf. Bin ich hier in den Alpen gelandet?

Weiter auf der 149 gibt es die Windy Point Oberservation Site. Und auch da hatte ich erneut das Gefühl, im falschen Film zu sein. Sieht das nicht dem Matterhorn täuschend ähnlich?

Nachdem wir den Slumgullion Summit (11530 feet, die Bedeutung des Namens könnt ihr selber googlen) passiert hatten, ging es in sanften Schleifen wieder ins Tal.

Dort machten wir einen kurzen Stop am Weminuche Wilderness Vista, einem alten Bekannten, der uns in einem früheren Urlaub schon begeistert hatte. Und es jetzt auch tat.

Weiter geht es in dieses wunderschöne Tal. Schon früher hat mich diese Landschaft verzaubert. Ich könnte mir vorstellen, hier auf einer Ranch zu wohnen. Warum? Weil es mich an Montana oder Wyoming erinnert? Was mich davon abhalten könnte, ist die Tatsache, dass die Winter hier echt hart sein dürften und die nächste größere Stadt wenigstens 2 Stunden entfernt ist.

Schließlich hatten wir dieses wunderschöne Fleckchen Erde durchquert. Plötzlich fuhren wir in Creede ein, einem alten, wunderschönen Bergarbeiterdorf, welches eingezwängt zwischen den Felswänden sein Dasein fristet.

Jetzt nur noch 20 Meilen bis South Fork. Dort gibt es ein total neues Best Western Hotel der Signature Collection, genaueres dazu gibt es morgen.

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