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21.09.2026 – Mt Lemmon

Tucson ist schon ein interessantes Städtchen. Verlässt man es in Richtung Westen, landet man nach wenigen Meilen, wenn die Bebauung nachlässt, in der Sonora Wüste. Säulenkakteen prägen das Landschaftsbild, es ist trocken, heiß und noch viel heißer. Man kommt sich nach kurzer Zeit wie eine gedörrte Pflaume vor. Oder eine Rosine, je nach Geschmack und Neigung.

Fährt man aber aus der Stadt Richtung Osten raus, so säumen auch hier die Saguaros den Straßenrand, einer schöner als der andere. Aber dann geht es direkt in die Berge. Steil erhebt sich der Mt Lemmon aus der flachen Landschaft. Benannt wurde er übrigens nicht nach der gelben Citrusfrucht, sondern nach einem Mr. Lemmon, der ihn als erster erkundete. Ca. 30 Meilen windet sich die gut ausgebaute Straße in die Höhe. So langsam lassen wir die Kakteen hinter uns, die Landschaft wird karger. Immer wieder laden Turnouts zum Blick in die Gegend ein. Den ersten Stop machen wir am Molino Canyon und gehen ein Stück den Weg hinunter. Jetzt im September ist von dem sonst feuchten Flussbett nicht viel zu sehen, einzelne Gumpen führen noch ein bisschen Wasser. Wir befinden uns auf etwas über 4000 Meter Höhe mittlerweile.

Der Regen hat dazu geführt, dass die Pflanzenwelt sich einen Ruck gegeben hat und noch einmal Blüten austreibt. So auch bei diesem „Schwiegermuttersitz“, wie der Kaktus im Volksmund genannt wird.

Aber auch die Saguaros, deren weiße Blüten man üblicherweise nur im Frühjahr sieht, geben sich alle Mühe. Und wir müssen uns beim Fotografieren keine geben, weil dieses herrliche Exemplar direkt am Wegesrand auf der richtigen Höhe steht. Sehr aufmerksam von der Parkverwaltung.

Uns treibt es weiter in die Höhe, die Temperaturen liegen selbst auf 2000 m Höhe immer noch im 100er Bereich. Endlich erreichen wir den Aussichtspunkt Windy Point Vista, eine der schönsten Stellen auf diesem Sky Island Scenic Byway. Man verlässt den Parkplatz in Richtung Tal in einer genauso unwirklichen wie schönen Felsenlandschaft.

Dann setzt man sich soweit vorne, wie man sich traut, auf einen Vorsprung und genießt die Natur, den Wind im Haar und den prämienreifen Himmel.

Meine Göttergattin trabt mit ihren Stöcken munter hinterher, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Gut, dass ich ihr dieses Foto noch nicht gezeigt habe. Sie hätte nachträglich vor Höhenangst noch einen Herzkasperle erlitten. Als wir zum Parkplatz zurückgekehrt waren, stellten wir fest, dass es auch schon andere Deutsche hierhin verschlagen hatte. Obwohl der Spruch eigentlich ganz witzig ist „Hömma, nett hier. Abba warste schon im schönsten Stadion Deutschlands? Ruhrstadion Bochum“, halte ich nicht viel von derlei Verunstaltungen.

Dann fiel der Blick auf einen alleine am Straßenrand stehenden Felsen. Und mein erster Gedanke war: Verrückte Ideen beginnen häufig mit „Halt mal mein Bier“. Oder: Da haben wir einen neuen Anwärter auf den Darwin-Award.

Aber beim Näherkommen konnte man erkennen, dass es sich um Profi-Kletterer handelte, Seile waren vorhanden und der Typ war auch nicht alleine unterwegs.

Ein Stückchen weiter die Straße herauf stand rechts am Wegesrand eine der merkwürdigsten Figuren, die ich bisher in Stein gesehen habe.

Selbst meine Göttergattin, die sonst jedes Tier und auch alle anderen Figuren in so etwas hineininterpretiert, hatte auf Anhieb keine Erklärung bei der Hand.

Schließlich erreichten wir das Örtchen Summerhaven. Etwas für alle, die der Sommerhitze entfliehen wollen. Hier oben ist es lockere 5 bis 10 Grad kühler. Ein paar Bewohner haben sich Häuser wie Waben an die Felswände geklatscht, die Hauptstraße hat ein paar Hotels und Unterbringungsmöglichkeiten.

Uns treibt es weiter, der Berg ruft. Und wir hören genau hin. Als wir das Schild „Oktoberfest“ lesen, gibt es kein Halten mehr. Aber es wird gerade erst aufgehängt. Dafür gibt es einen Skilift auf den Mt Lemmon hinauf. Fast genauso gut wie Schweinshaxen im Bierzelt, wenn nicht besser. Wie war das mit mit dem „Halt mal mein Bier“. Jedenfalls saßen wir ein paar Minuten später im Sessellift und gondelten ca. 15 Minuten nach oben, während meine Göttergattin versuchte, ihre Höhenangst zu besiegen. Also mehr ein therapeutischer Akt.

Wir hätten genauso gut mit dem Auto rauffahren können, wäre schneller und billiger gewesen.

Jedenfalls waren wir jetzt auf 2766 m Höhe und konnten die Landschaft um uns herum genießen. Leider nicht zu lange, denn unser straffes Programm hatte noch etwas mit uns vor.

Nach den obligatorischen Beweisfotos machten wir uns wieder auf den Weg ins Tal. Da ich schon wusste, dass mir ein langer Abend bevorstand, hatte ich vorsorglich den Rechner mitgenommen und spielte auf dem Beifahrersitz (auf der Fahrerseite ist zu wenig Platz für das Notebook wegen des Lenkrades) die bisher geschossenen Bilder auf die Platte. Der Wagen hat zum Glück einen 110 V-Anschluss und so hatte ich, als wir wieder im Tal waren, schon etwas an Tagwerk erledigt.

Zum Sonnenuntergang wollten wir uns eine schöne Stelle raussuchen. Ein sicherer Kandidat ist der Gates Pass ganz im Westen von Tucson, aber der war noch relativ weit entfernt.

Als zweite Option bot sich der Sentinel Peak an, etwa 10 Minuten schneller erreichbar. Knapp 10 Minuten vor Sonnenuntergang rollten wir auf den Parkplatz, welcher bei Sonnenuntergang geschlossen wird.

Ich zog meine Rennschuhe an und wetzte so weit wie möglich den Berg rauf, um noch die allerletzten Strahlen der Sonne einzufangen.

Puh, gerade noch geschafft. Dann war sie auch schon hinter den Bergen verschwunden

und ließ die Stadt Tucson im Abendglühen zurück.

Vom Parkplatz klang über ein Megafon der Aufruf, man möge doch bitte schleunigst den Parkplatz räumen, er wird geschlossen. Ich rannte so schnell wie seit langem nicht mehr zurück und entschuldigte mich wortreich. Aber der Ranger war ein netter Kerl und wir unterhielten uns sogar noch ein Weile, bis es dann in Richtung Stadt zurück ging. Der Himmel setzte sein bestes Glühen auf, Arizona hat mal wieder geliefert.

Bis zum Hotel ist es nicht mehr weit, aber es eigentlich noch relativ früh am Tag, erst 19:13 Uhr. Da können wir auf dem Weg noch unseren Lieblings-Outfitter REI ausplündern, Karin braucht neue Merrels.

Und was soll ich sagen? Ich bin dieser Schuhfirma so dankbar. Schon das zweite Paar fand ihre Billigung und kurze Zeit später standen wir an der Kasse. Jetzt noch 2,7 Meilen zu unserer Suite und „mal eben“ den Rest der Fotos bearbeiten und diesen Text einhacken.

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