Wir wechseln mal wieder die Staatsgrenze. Von Arizona nach New Mexico. Meine innere Uhr ist mittlerweile komplett durcheinander gerüttelt. New Mexico hat eine andere Zeitzone als Arizona, dafür hat Arizona keine Sommerzeit. Und im Reservatsgebiet herrschen noch andere Regeln.
Jedenfalls machen wir uns auf den Weg Richtung Osten. Den gestern begonnenen Besuch im Petrified Foreste National Park wollten wir fortsetzen. Wir hatten ja nur am Anfang reingeschnuppert in der Angst, man könne uns festsetzen. Diese Angst war wie viele andere unbegründet. OK, ab 17 Uhr lassen sie niemanden mehr rein. Aber es standen reichlich Schilder rum, die da besagten: Bis 18.30 Uhr am Auto sein. Wieder was gelernt. Eine Rangerin meinte auch: Wir würden nicht gekidnappt.
Unser erster Stop führte uns zum Lacey Point. Es ist ein großartiger Anblick, von oben in diese Landschaft zu schauen.

Weiter geht es entlang der Straße. Des öfteren stießen wir auf Schilder mit der Aufschrift „Dry Wash“. Wenn ich mir den auf dem nächsten Bild anschaue, halte ich das für etwas übertrieben. Vielleicht hätte man schreiben sollen: Mostly dry wash.

Ein weiterer Turnout ließ uns auf einen Felsen blicken, der mit indianischen Zeichungen geschmückt war. Indian Grafiti. Ein Newspaper Rock. Wie aktuell die Nachrichten darauf sind, kann ich nicht beurteilen, auch nicht, ob es vielleicht Fake News sind.
Endlich kamen wir zu einer größeren Parkbucht, der zur Blue Mesa. Von oben aus blickt man in nach unten in eine kolorierte Berglandschaft, wie man sie nur selten findet. Und man kann über einen eine Meile langen Rundweg die Schönheit dieses Parks voll erfassen.
Unten angekommen trifft man hie und da auf die Namensgeber dieses Parks, auf versteinertes Holz. Hier wäre Markus Krebs mit seinem T-Shirt mit der Aufschrift: Brennholzverleih vielleicht richtig gewesen. Ungenutzt zurück.
Wenn man an den Begriff Camouflage denkt, kommt einem normalerweise ein Oliv-Grün in allen Schattierungen in den Sinn. Aber sagt selbst, könnt ihr meine Göttergattin in dieser Landschaft erkennen? Ich selbst musst ab und zu nach ihr rufen, sonst hätten wir uns verloren.
Wieder zurück auf der Hauptstraße besuchten wir als nächstes die Agate-Bridge. Selbstverständlich, dass man da nicht drüberlaufen darf. Obwohl sie vermutlich stabiler ist als manche Brücke in Deutschland. Hat auch schon einige Jahrmillionen gehalten.
Je weiter wir Richtung Süden fuhren, um so schlechter wurde das Wetter. Auf dem Giant Logs Trail erwischten wir einige der richtig großen versteinerten Baumstämme und der Regen erwischte uns.
Meine Göttergattin beschloss zuerst, am Wet T-Shirt Contest mitzumachen, überlegte es sich aber am Auto hinterher doch anders und zog sich was trockenes an. Außer Konkurrenz macht der Wettbewerb keinen Spaß.
Den Rückweg legten wir auf der gleichen Strecke zurück, es war die schnellste Empfehlung, um zur Hubbell Trading Post zu kommen. Auf dem Weg liegen ca. 20 Meilen Autobahn, was bei dem Wagen immer angenehm ist, da ich häufig „Hands free“ fahren kann.
Die Trading Post in Ganado, Arizona liegt ca. eine halbe Stunde entfernt und ist als National Historic Site deklariert. Sie ist die älteste durchgehend betriebene Handelsstation auf dem Gebiet der Navajo Nation. Sie wurde 1878 von John Lorenzo Hubbell übernommen und entwickelte sich schnell zu einem zentralen Treffpunkt zwischen Navajo und weißen Siedlern.
Hubbell war ein wichtiger Vermittler zwischen den Kulturen. Der Posten war bekannt für seine Navajo Webkunst und den Silberschmuck. Hubbell verlangte hohe Qualität und half, die heute berühmten Navajo-Rugs weltweit bekannt zu machen.
In der Trading Post selbst gibt davon reichlich zu kaufen. Da es sich um echte Handarbeiten handelt, sind die Preise, die dafür aufgerufen werden, entsprechend hoch.
Es geht weiter mit unserer Fahrt. Nächstes Ziel ist Window Rock. Es ist einer der bedeutendsten Orte der gesamten Navajo Nation. Die Stadt ist Hauptstadt der Navajo Nation und trägt den Navajo-Namen Tségháhoodzání, was „Felsen mit Loch“ oder „perforierter Fels“ bedeutet. Das Wahrzeichen der Stadt ist der natürliche Sandsteinbogen, der der Hauptstadt ihren Namen gibt. Er entstand durch Wind- und Wassererosion über Millionen von Jahre.
Leider blieb uns nicht die Zeit, diesen Tribal Park näher zu erkunden, denn nach Farmington, unserem heutigen Tagesziel, waren es noch 2,5 Stunden Fahrt. Und mit der anderen Zeitzone würde es deutlich nach 19 Uhr sein, wenn wir endlich dort ankommen.
Nachdem wir beim Tanken in Window Rock beinahe noch einmal geduscht worden wären, klarte sich das Wetter nach diesem schönen Sonnenbogen auf und wir rollten mit meistens 65 mph gemütlich die hügelige Landstraße entlang.
Im Moment ist Monsun-Zeit und irgendwo geht immer ein Regenguss runter. Meistens örtlich sehr begrenzt, aber was dann runterkommt, reicht, um aus dem dry wash einen feuchten zu machen.
Schließlich näherten wir uns einem besonderen Felsen. Shiprock ist ein vulkanischer Monolith, der rund 480 Meter aus der Ebene des nordwestlichen New Mexico aufragt.
Er entstand vor etwa 27 Millionen Jahren, als ein unterirdischer Vulkan explodierte und Magma in langen, senkrechten Spalten erstarrte. Die umliegende Landschaft erodierte – der harte vulkanische Kern blieb stehen.
Das Ergebnis:
Ein Fels, der aussieht wie ein riesiges Segelschiff, das durch die Wüste gleitet. Daher der Name.

Für die Navajo heißt Shiprock Tsé Bitʼaʼí – „Der Felsen der geflügelten Wesen“.
In der Überlieferung:
- Ein riesiger Vogel trug die Navajo auf seinem Rücken in ihre heutige Heimat.
- Shiprock ist der versteinerte Überrest dieses Wesens.
- Der Ort ist heilig – Zeremonien, Legenden und Geschichten sind eng mit ihm verbunden.
Aus diesem Grund ist Klettern streng verboten, und der Fels wird mit großem Respekt behandelt.
Aber Anschauen aus der Ferne ist erlaubt. Und am Stand der Sonne könnt ihr sehen, dass sich der Tag langsam dem Ende zuneigte. Wir hatten „nur“ noch ca. 40 Meilen vor der Nase. Vorteil, wenn man nach Osten fährt: Man schaut nicht in die untergehende Sonne, sondern sieht nur den von ihr angeleuchteten Himmel.
Um 19.39 rollten wir dann endlich auf den Parkplatz des Hotels, etwas erschlagen. Wir hatten die Entfernungen incl. der Wanderung(en) und Pausen sehr unterschätzt.