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04.10.2026 – Unterwegs in dünner Luft – Pikes Peak

Unser Hotelzimmer hatte ein kostenloses Upgrade erhalten. Wir bekamen ein Zimmer mit Mountain View. Was in Colorado Springs soviel bedeutet, dass man den Pikes Peak sehen kann. Gestern im Abendlicht sahen wir gerade noch die Sonne hinter den Felsen verschwinden. Dafür stand sie heute morgen so, dass sie langsam, aber sicher den 4000er ins Licht rückte.

Wir hatten heute Waschtag, weshalb sich unsere Abfahrt ein wenig herauszögerte. Auch dann ging es noch nicht in die Berge, zuvor blockierte ein REI unsere Fahrt. Der Rucksack meiner Göttergattin hatte so langsam sein Lebensende erreicht, weshalb wir in dem riesigen Outdorshop nach einem neuen, adäquaten Teil suchten (den alten gab es nicht mehr). Und wir wurden fündig. Jetzt noch schnell bei Costco vorbeifahren und vorsichtshalber den Tank komplett füllen. Auf dem Weg nach oben verbraucht unser an sich (relativ) sparsamer Wagen deutlich mehr als auf ebener Strecke.

Zum Pikes Peak Highway sind es etwas weniger als 20 Meilen. Plötzlich wird es unangenehm kalt. Wir haben schon die Vermutung, die Klimaanlage habe sich selbst auf höchste Stufe gestellt. Und dann sehen wir sie: Auf der rechten Seite, auf einem Grundstück, wachen drei Dementoren (oder sind es Demonteure?). Kein Wunder, dass es uns plötzlich nicht mehr gut geht.

Für einen Patronus-Zauber bleibt keine Zeit, denn die Ampel wird grün und wir biegen in die Berge ab. Zuerst geht es sachte bergan, bis wir an der Zahlstation den Seniorenpreis von 16 USD löhnen. Das ist es wert. Nach einigen Meilen erreichen wir das Crystal Reservoir.

Wir steigen aus, auch, um uns langsam an die Höhe zu gewöhnen. Als wir in einem unserer früheren Urlaub hier waren, litt meine Göttergattin heftig unter Höhenkrankheit. Aber wir sind optimistisch, dass es diesmal nicht passiert, da wir uns in den letzten drei Wochen ständig auf 1000 – 2000 Metern befunden haben.

Auf einem Parkplatz sahen wir ein Schild zu einer „Straße“, die zu weiteren Reservoirs führen sollte. Ein NSRA-Permit sei notwendig. Wir nahmen an, dass dies mit unserem Nationalparkpass abgedeckt sei und fuhren fröhlich rein. Und kurze Zeit später kam auch das South Catamont Reservoir in Sicht. Jetzt, zu Ende des Sommers, ist es wie die meisten Reservoire nicht mehr sonderlich gut gefüllt. Sollten wir vielleicht beim Duschen dran denken.

Wie auch immer, wir machten uns gerade auf den Weg zum Wasser, da kam ein Ranger auf uns zugestiefelt. Ob wir denn ein Permit hätten. Stolz zeigten wir ihm unseren Nationalpark Ausweis. Aber damit kamen wir nicht weiter. NSRA bedeutet North Slope Recreation Area und hat mit dem Nationalparksystem nichts zu tun. Aber er war total freundlich und holte für uns einen Aufkleber aus dem Auto, den er uns hinter die Windschutzscheibe klebte. Ohne Gebühr. Glück gehabt.

Wir spazierten ein wenig umher, fotografierten auch mal ein singuläres Aspen-Blatt (ist das 32te von unten auf dem obigen Foto)

und machten uns auf den Rückweg zum Pikes Peak Highway. Kuriositäten gibt es auch hier. So zum Beispiel diese Steinskulptur, aus der sogar ich ohne Schwierigkeiten was erkennen konnte. Ich habe nur keine Ahnung, was es sein soll.

Wieder auf dem Highway lassen wir die Baumgrenze hinter uns (oder unter uns?) und schon fangen die ersten Schneehaufen an, das Straßenbild zu schmücken. Die Straße ist absolut frei, trocken und gut befahrbar.

Als wir dann auf dem Parkplatz aus dem Wagen steigen und uns mit Reiseproviant eindecken, stellen wir deutlich den geringeren Luftdruck fest.

Selbst meine kleinen Erdnussriegel sind deutlich aufgebläht. Als erstes Ziel (weil wir in der Nähe geparkt haben) laufen wir den eigentlichen Peak an.

Über 4300 m und dann steht man in der Schlange für so ein Foto. Mein GPS in der Kamera sagt zwar 4307 m, aber um solche Kleinigkeiten streitet man sich nicht. Wir laufen einmal rund und blicken nach unten (nach oben gibt es nur Himmel und Wolken, das ist langweilig).

In der Mitte des Bildes sieht man die rötlichen Felsen des Garden of the Gods Park.

In jede Himmelsrichtung erstreckt sich das Land bis zum Horizont. Dann ein lauter Schrei: Oh my gosh. Wir werden gerade Zeuge eines Heiratsantrages, der auf über 4000 m Höhe gemacht wird. Wir bekommen mit, dass die Glückliche nichts davon gewusst oder geahnt hat. Jedenfalls hat sie „Ja“ (oder Yes) gesagt. Wäre auch peinlich, eine Stunde bergab in eisigem Schweigen zu verbringen.

Ebenfalls glücklich war offensichtlich diese Dame, die zwar die dünne Luft verspürte, aber die beim letzten Mal aufgetretenen Symptome der Höhenkrankheit nicht bemerkte.

Dann ging es wieder runter. Plötzlich ein Fahrzeugauflauf wie im Yellowstone. Und richtig: Eine kleine Herde Dickhornschafe (Ovis canadensis) machte sich auf den Weg nach oben, um die Aussicht zu genießen.

Der Rest des Weges verlief ohne Störungen und wir rollten ca. 1 Stunde später in Manitou Springs ein. Die Stadt liegt am Fuß des Pikes Peak und verdankt seinen Namen dem Begriff „Manitou“, der in einer Algonquian‑Sprache den „Großen Geist“ bezeichnet. Die natürlich sprudelnden Mineralquellen galten den indigenen Völkern als heilige Orte, was später zur Gründung eines viktorianischen Kurorts führte.

Heute prägen historische Gebäude, frei zugängliche Trinkbrunnen und eine lebendige Künstler‑ und Alternativszene das Stadtbild.

Besucher erleben eine Mischung aus Kurtradition, kreativer Atmosphäre und der Nähe zu bekannten Attraktionen wie der Zahnradbahn und dem Manitou Incline. Trotz seiner überschaubaren Größe bleibt Manitou Springs ein quirliger, charakterstarker Ort mit starkem Fokus auf Tourismus und Kultur.

Wir spazierten an der Hauptstraße entlang. Es ähnelte vom Flair her ein wenig Salida, wo wir gestern durchgekommen waren. Nur vielleicht etwas esoterischer angehaucht und nicht ganz so mit sportlichem Touch. Aber auch ein Nest, wo man gerne spazieren geht, wo es gemütlich ist. Allerdings gibt es im Gegensatz zu Salida in der ganzen Stadt(-mitte) keine kostenlosen Parkplätze. Alles ist zugepflastert mit Schildern mit QR-Code, wo man sich ein Parkticket buchen kann.

Bald ist ja Weihnachten, jetzt bitte an Geschenke denken.

Mir knurrte langsam der Magen und beinahe wäre ich in einem der urigen Restaurants gelandet. Aber die Viertelstunde ins Hotel halte ich durch.

Wieder ein toller Tag mit vielen neuen Erlebnissen.

 

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