Reisetag. Von Globe nach Holbrook. Das Hotel hat uns auch sehr gut gefallen. Es sieht ziemlich neu aus und die Zimmer sind modern eingerichtet. Von einem kleinen Feature sollte ich vielleicht noch berichten: Nachdem wir ja kürzlich durch den Fluss gewatet waren, hatten meine Socken nicht mehr ihren 1a-Zustand. Und ich wollte nicht, dass sich bei einer Wäsche der ganze Sand und Dreck auf die anderen Kleidungsstücke verteilt. Denen wäre es egal gewesen, aber ich hatte es gut gemeint. Also drückte ich den Stopfen vom Waschbecken rein und ließ meiner Fußbekleidung eine gründliche Reinigung zukommen. Der Färbung des Wassers im Becken nach war es wirklich nötig gewesen. Jetzt Wasser ablaufen lassen und Socken trocknen lassen. Nur: Wie bekommt man den Stopfen wieder raus? Bei deutschen Waschbecken bin ich es gewohnt, dass irgendwo ein Hebel existiert, mit dem man das gute Stück nach oben drückt. Gab es da nicht. Nochmal reindrücken? Klappt auch nicht. Ich hatte das halbe Badezimmer nach einer technischen Lösung abgesucht, wurde aber nirgenwo auch nur andeutungsweise fündig. Meine Göttergattin war kurz davor einen „Plumber“ zu bestellen. Aber wofür gibt es das Internet und die KI? Als ich herausgefunden hatte, dass der Stopfen von der Firma Kohler produziert worden war (wer kennt sie nicht, die bekannteste Marke für Waschbeckenstopfen?), ging es ganz einfach: Stöpsel reindrücken und gegen den Uhrzeigersinn drehen, dann kommt er schnell wieder raus. Plumber gespart, neues Wissen gesammelt.
Gestern hatten wir wenig Gelegenheit, Globe der Länge und Breite nach zu durchforsten. Also machten wir uns heute auf den Weg. Das Hotel hat – so schön es sonst ist – die eine Eigenart, Frühstück von 6 bis 8 Uhr zu servieren, normal ist von 6-9. Ist wahrscheinlich der arbeitenden Bevölkerung geschuldet, die im Minengeschäft tätig ist. Und die andere Eigenart: Es gibt eine Frühstücksbar, aber diese ist sehr spärlich bestückt. Wenn man seine Mahlzeit aufpeppen möchte, z.B. mit Ei und Kartoffeln und Fleisch, das gibt es, wie einige andere Sachen, nur an der Bedientheke. Aber es wurde – vermutlich – nicht nachgezählt, wie oft ich dort vorgesprochen habe.
Jetzt geht es aber endlich in die „Stadt“. Hier hatten wir uns zwei Ziele vorgenommen. Fangen wir mit dem Old Dominon Historic Mine Park an. Das riesige Gelände einer alten Mine ist zu großen Teilen frei begehbar und man erfährt an diversen Stellen, welche Gerätschaften zu welchem Zweck benutzt wurden.
In dieser Mine wurde größtenteils unterirdisch gearbeitet. Offensichtlich wurde es später günstiger, den ganzen Berg zur Seite zu räumen und so sieht dann eine aktuelle Mine aus, die im Tagebau abgebaut wird.
Landschaftlich nicht gerade ein Leckerbissen. Fördertürme gab es wegen des Untertagebaus ebenfalls. Und ich war schon versucht, mir einen Aufkleber drucken zu lassen mit der Aufschrift: Netter Turm, aber schon mal den Doppelbock von Zollverein gesehen?
Nee, das wäre gemein. Schließlich hatten wir unseren Schrittzähler um einige viele Schritte erweitert und konnten zum nächsten Ziel weiterfahren. Als da wäre das berühmte Stairizona. Flagstaff hat Bearizona, San Franzisco und Los Angeles haben ihre Treppen, warum nicht auch Globe? Was den PR-Leuten so alles einfällt, nur um die Leute auf sich aufmerksam zu machen. Im Navi eingegeben, standen wir am Zielpunkt auf der Broad St und schauten uns dumm um. Nichts, was irgendwie auf Treppe hindeutete. Vielleicht bei der nächsten Querstraße? Karin holte auch ihr Navi raus und so wanderten wir mit wechselnden Vorschlägen durch Globe, so wie es die Gründungsväter wahrscheinlich vorgesehen hatten. Schätzungsweise die Hälfte der Läden sind geschlossene Rumpelkammern, die andere Hälfte besteht aus Kaffees und geöffneten Rumpelkammern, sorry, Antiquitätenläden.
Aber viele schöne alte Gebäude gibt es auch.
Unter anderem das höchste 3-stöckige Gebäude der Welt (wenn man dem Schild trauen darf, welches genau diesen Text ausgibt).
Als wir dann schließlich wieder am Wagen standen, sahen wir (ziemlich verschämt und etwas von Büschen verdeckt) das Schild zum Stairizona Trail. Wir hätten nur in die andere Richtung schauen müssen.
Da war sie nun, die Golden Poppy Staircase mit ihren 138 Stufen. Logisch, dass wir sie raufgehen mussten und dem Staircase Trail weiter folgten. Interessantes Detail, was aber im Internet bisher nirgendwo erwähnt wird: Das Geländer ist in Kupferfarbe gehalten, des Metalls, welches auch zu einem inoffiziellen Nickname – The Copper State – geführt hat. Die Farbe Kupfer ist übrigens auch in der Flagge von Arizona im Stern wiederzufinden.
Nachdem wir unsere Schrittzähler jetzt wirklich genug gequält hatten, setzten wir uns auf die 60 Richtung Norden. Erstes Zwischenziel ist eigentlich der Saltriver Canyon, aber vorher fielen mir noch ein paar ziemlich zerfallene Häuser auf, ein „Ortsschild“ zeigte Seneca an. Es ist heute eine Geisterstadt – ein verlassener Bergbau‑Ort im Tonto National Forest, etwa 20 Minuten nördlich von Globe. Sie besteht aus Ruinen, einem stillgelegten Tunnel, einem verfallenen Hotel und mehreren Bergbaugebäuden aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Gut, dass uns Karin nicht in dem Hotel eingebucht hat. Dann geht es aus ca. 1500 Höhe nach unten zum Salt River Canyon. Kurz vorher eine Baustelle ein Turnout mit Blick ins Tal.
Der Salt River Canyon liegt zwischen Show Low und Globe entlang der US‑60. Viele nennen ihn den „kleinen Bruder des Grand Canyon“, und das ist keine Übertreibung. Der Salt River ist einer der wichtigsten Flüsse Zentralarizonas. Er entsteht aus dem Zusammenfluss von White River und Black River im Apache-Gebiet. Bis auf die Brücke liegt der Canyon im Reservationsgebiet. Der Name kommt nicht von echtem Salz, sondern von hohem Mineralgehalt im Wasser, der früher als „salzig“ beschrieben wurde.
Ein Teil gehört zur White Mountain Apache Reservation. Ein Stamm, den auch Geronimo seine Heimat nannte, obwohl er später in Oklahoma gestorben ist.
Auf dem Parkplatz ein paar Vorläufer des Autos, welches ich gerne in Deutschland fahren würde: Zwei uralte Ford F100, gut im Lack und anscheinend in einem Zustand, der es erlaubt, auch größere Strecken zu fahren. Obwohl ich gestehe, dass speziell der vordere in meinen Augen ein Widerspruch in sich ist: Ein tiefergelegter Truck?
Auf der anderen Seite der Brücke geht es dann wieder in vielen Kurven nach oben, die Straßenbauer haben ganze Arbeit geleistet. An einem nicht benannten Turnout hat man nach meiner Meinung einen der besten Überblicke über die hufeisenförmige Biegung des Flusses, der das Tal in seiner ganzen Schönheit erstrahlen lässt.
Jetzt aber schleunigst weiter. Bis nach Holbrook sind es noch ca. 2 Stunden. In Show Low legten wir eine kleine P-Pause ein. Und als ich nach einem Linksabbieger an einer Ampel gemütlich mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit weiterfahren wollte, hatte ich plötzlich einen State Trooper mit Blaulicht hinter mir. Was habe ich falsch gemacht? Die Ampel war grün, zu schnell war ich auch nicht. Der Officer kam auf der Beifahrerseite heran und erklärte, bei einem Linksabbieger dürfe ich auf eine zweispurige Straße nicht direkt auf die rechte Spur abbiegen. Ich müsse erst auf die linke Spur abbiegen und dann auf die rechte wechseln. Er gab mir kein Ticket, sondern beließ es bei einem „educational“ Verweis. Glück gehabt.
Schließlich erreichten wir Holbrook. Da ein kilometerlange Zug gerade unseren Weg querte (zwei Loks vorne, zwei in der Mitte und zwei hinten), hatte ich genügend Zeit, dieses Schild zu fotografieren.
Am Hotel angekommen, checkten wir ein und machten erstmal ein wenig Pause. Das war ein Fehler, wie wir hinterher feststellen sollten. Denn wir wollten noch in den Petrified Forest National Park fahren. Und als wir um 16.30 Uhr dort ankamen, hieß es, um 17 Uhr wird geschlossen.
Also schnell die ersten Aussichtspunkte des Painted Desert abfahren. Dank der späten Stunde hatten sich schöne Schatten gebildet und ließen die Berge malerisch im Abendlicht erscheinen. Das letzte Foto sogar mit „Sonnenbogen“.
Pünktlich um 17 Uhr (wir sind ja gute Deutsche) verließen wir den Park wieder und setzten uns – Hands free – wieder auf die Autobahn. Jetzt haben wir noch reichlich Zeit für Holbrook.
Aber ehrlich gesagt, lohnt sich das nicht wirklich. Der Zahn der Zeit nagt an allem, was der Wüstensand verschont hat.
Im Hotel zurück gab es Nudeln, frisch aus der Tupper-Küche. Lecker.