Erstmal ein kleiner Nachtrag zu gestern. Es war noch zu früh, um schlafen zu gehen, aber schon zu spät für den Whirlpool. Also bekämpften wir unseren inneren Schweinehund und rafften uns zu einem Abendspaziergang durch die Stadt auf. Das schöne an unserem Hotel und einer „Stadt“ wie dieser ist die Tatsache, dass man Downtown- oder Oldtown wirklich fußläufig erreichen kann, ohne die müden Knochen übermäßig zu strapazieren.
Ouray liegt eingebettet in einem engen Tal der San Juan Mountains und wirkt fast wie ein alpines Dorf mitten in Colorado. Die steilen Berghänge rücken so nah an den Ort heran, dass man das Gefühl hat, die Natur würde ihn schützend umarmen. Viele der historischen Gebäude entlang der Main Street erinnern an die Zeit des Bergbaus, die den Ort einst geprägt hat. Heute lebt Ouray vor allem vom Tourismus, denn die umliegenden Berge bieten unzählige Möglichkeiten zum Wandern, Fotografieren und Staunen. Durch seine Lage und Atmosphäre wird Ouray oft als „Switzerland of America“ bezeichnet. Speziell den US-historischen Teil kann man hier gut nachvollziehen. Wir warfen den Blick in die Halle eines der Hotels hinein, der wilde Westen lässt grüßen.
Aber auch die Moderne hat Einzug gehälten. Die Cowboys von damals hätten mit den Rooftop-Bars nicht allzuviel anzufangen gewusst. Da hätten sie mit ihren Pferden auch gar nicht raufreiten können.
Obwohl ich die Main Street nicht als übermäßig voll bezeichnen würde, gibt es hier doch so etwas wie Abendleben (Nachtleben haben wir nicht ausprobiert, dazu waren wir zu müde). Ein insgesamt sehr gemütliches Nest, welches frei von Fast-Food-Ketten ist. Einzige Ausnahme im Hotelbereich ist unser Quality Inn, und das liegt in einer Seitenstraße etwas ab vom Trubel.
Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster schaute, war es noch genauso verhangen wie gestern. Wird also nichts mit Sonnenbaden am Pool. Da müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.
In direkter Nähe zum Hotel liegen die Box Canyon Falls. Das amerikanische Pendant zur Partnachklamm. Letztere kenne ich nicht, habe mir aber von kundiger Stelle versichern lassen, dass es da durchaus Ähnlichkeiten gäbe. Auf dem Weg dahin gibt es in den Serpentinen einen Turnout, von dem aus man Ouray von oben betrachten kann.
Der Eintritt beträgt für Senioren 7 USD, die wir gerne bezahlten. Dann geht es auf einen kurzen Trail. Hier stürzt der Canyon Creek in einem engen Felsspalt in die Tiefe.
Die Schlucht ist so schmal, dass man an manchen Stellen fast beide Wände berühren könnte. Die Angaben variieren je nach Quelle zwischen rund 85 Fuß (unterer Fallbereich) und 285 Fuß (gesamte Fallhöhe bzw. vertikale Strecke des Canyon Creek im Box Canyon). Ein kurzer Weg führt über Metalltreppen und einen Steg direkt in die Schlucht.
Dort steht man praktisch im Canyon, umgeben von Felswänden und Sprühnebel.
Die Treppen und die Felsen sind durch die Gischt immer feucht, also Obacht, man kann leicht ausrutschen. Wir passten gut auf und genossen das Naturschauspiel.
Eine Brücke überspannt die Schlucht und erlaubt den Blick von oben in den engen Spalt und auf den Wasserfall. Die bessere Sicht darauf hat man aber eindeutig von unten.
Um zur Brücke zu kommen, muss man allerdings kräftig klettern. Der erste Teil des Weges ist mit „moderate“ zu bezeichnen, ab da geht es ziemlich steil bergauf über wilde Felsen. All dies bewältigte meine Göttergattin mit ihren Wanderstöcken bravourös.
Deswegen durfte sie auch zu Recht auf sich stolz sein und den Blick von oben nach Ouray genießen.
Der Abstieg war nicht weniger knifflig, aber aufgrund der am Wegesrand gespannten Drahtseile durchaus zu bewältigen.
Unten angekommen, wartete dort schon eine Horde Skipmunks, die sich um die Körner stritten, welche aus Vogelfutterstellen herabfielen. Zum Glück sind sie nicht über uns hergefallen.
Am Wagen angekommen, kehrten wir noch einmal kurz in die Fliesenabteilung unseres Hotelzimmers ein, bevor wir uns auf den Weg nach Telluride machten.
Der Ort begann als abgelegenes Bergbaucamp, das im 19. Jahrhundert Gold- und Silbersucher in die steilen Täler der San Juan Mountains lockte. Viele der alten Backstein- und Holzgebäude entlang der Hauptstraße erinnern noch heute an diese Zeit, als der Ort rau, laut und voller Hoffnung auf schnellen Reichtum war. In der Umgebung stürzen mehrere Wasserfälle von den hohen Felswänden herab, darunter der markante Bridal Veil Falls, der wie ein weißer Schleier über dem Tal hängt. Die kostenlose Gondel, die Telluride mit Mountain Village verbindet, schwebt lautlos über Wälder und Hänge und bietet einen fantastischen Blick auf das enge Tal. Während der Fahrt sieht man gut, wie steil die Berge rund um den Ort aufragen und warum Telluride oft als eines der spektakulärsten Bergstädtchen Colorados gilt. Im Winter verwandelt sich die Region in ein großes Skigebiet, das für seine langen Abfahrten und die Mischung aus einfachen und anspruchsvollen Pisten bekannt ist.
Das alles wollten wir auf einen Rutsch erkunden. Die Fahrt dorthin dauert etwas über eine Stunde und führt durch die wunderbare Bergwelt Colorados. Die Aspen leuchten gelb, selbst bei diesem bescheidenen Wetter.
Kurz vor Telluride ein Menschenauflauf wie im Yellowstone Park. Nicht ganz zu Unrecht, eine stattliche Herde Wapiti-Hirsche hatte es sich auf den saftigen Weiden gemütlich gemacht.
Hier stellvertretend der Chef der Bande mit einem imposanten Geweih. Den möchte bestimmt manch ein Jäger über seinem Kamin hängen haben. Wozu das allerdings gut sein soll, hat sich mir bisher nicht erschlossen.
Wir fuhren erstmal durch den Ort durch, bis wir vor einer imposanten Felswand standen. Der Bridal Veil-Fall ist mit 365 Fuß (111 Meter) der höchste frei fallende Wasserfall in Colorado, ein langer, eleganter Fall, der wie ein weißer Schleier über der Felswand hängt – daher der Name. Oben am Wasserfall steht ein historisches Kraftwerk, das früher die Region mit Strom versorgte und heute wie ein kleines Adlernest über dem Abgrund klebt. Es gibt eine Straße, die hinaufführt, aber dafür bekam ich von meiner Göttergattin nicht die Genehmigung. Also beschränkten wir uns auf den Anblick von unten, das war auch schon sehr imposant.
Jetzt aber zur eigentlichen Hauptattraktion: Dem Free Gondola Ride. Da haben sich die Stadtväter was sehr cleveres einfallen lassen. Vermutlich ist einer der Bewohner der Besitzer einer Firma, die Schilder herstellt: No Parking anytime, oder No Parking from 0 am till 12 pm. Und ähnliches. Jedenfalls gibt es im gesamten Innenstadtbereich keine einzige Möglichkeit, sein Auto – auch nicht für ein paar Minuten – kostenlos abzustellen. Wenn schon die Gondelfahrt nichts kostet, holen wir uns das Geld dadurch wieder rein. Am Parkplatz für die Wasserfälle (und der war kostenlos, weil weit außerhalb) trafen wir einen netten Amerikaner mit seiner Tochter, der uns zur Silver Jack Parking Garage in der Stadt riet. Die hatte ich gesehen. Einfahrtshöhe über 8 Fuß. Das sollte reichen.
Also steuerte ich unseren Dicken dort hinunter, immer ein etwas mulmiges Gefühl über dem Kopf. Wäre aber nicht nötig gewesen, dort stand ein ebenso dicker GMC-Truck. Wenn der passt, dann passen wir auch. Über das Internet buchten wir uns für 4 Stunden á 2 USD die Parkgebühr und machten uns auf den Weg zur Gondel. Kleiner Tip: Bucht Euch nicht zuviel Zeit zum Parken, denn wie bei deutschen Park-Apps kann man den Parkvorgang nicht vorher abbrechen. Verlängern geht problemlos.
Die Gondeln sind bequem und groß, es passen locker 8 Leute rein. Wir warteten, bis wir eine für uns alleine hatten. Schließlich wollen wir ja in ALLE Richtungen fotografieren und filmen und dabei nicht andere Mitfahrer belästigen.
Die erste Fahrt geht bis zu San Sofia Station. Hier stiegen wir aus (weil wir es nicht besser wussten) und schauten uns auf dem langweiligen Berg um. Um dann schließlich zur Mountain Village zu kommen, mussten wir erneut einsteigen und landeten dann schließlich in einem Skidorf allererster Klasse.
Ich vermute mal, die Verlosung der Geschäftsbetriebe wurde ausschließlich zwischen drei Gewerken durchgeführt: Neben Sportgeschäften (übrigens: Der Skihersteller Rossignol hat sich der Zeit angepasst und stellt jetzt auch Mountain Bikes her) gibt es Restaurants und Hotels. Was anderes haben wir nicht gesehen. Und Europas Alpenwelt hat einen nicht geringen Einfluss gehabt. So gibt es eine Franz Klammer Lodge (einer der berühmtesten alpinen Skirennläufer Österreichs).
Ein nettes Feature: Überall stehen alte Gondeln, die umgewandelt wurden, damit man für eine Pause oder einen Snack darin sitzen kann.
Die Preise haben sich wunderbar dem Flair angepasst. Eine „Slice“ Pizza kostet lockere 7 USD, bei Costco 1,99. Die können rechnen. Von den 3% leben die hier.
Nachdem wir die Village der Länge und Breite nach durchquert hatten (ohne Franzerl die Hand zu schütteln), ging es wieder in der Gondel nach unten. Diesmal waren wir cleverer und blieben in der San Sofia Station einfach sitzen, wie die Profis.
Unten noch ein Blick auf die Main Street. Wenn die Berge nicht so vom Nebel verhangen gewesen wären, hätte man bestimmt eine tolle Bergkulisse im Hintergrund gehabt. Ach ja, ich musste unbedingt einmal Streetfood probieren. Ein Taco, frisch zubereitet, war echt lecker. Und bisher noch ohne darmtechnische Konsequenzen.
Auf dem Weg zurück verließen wir den Ortskern. Bis zum Ortsausgang stehen an den Seiten viele sehr hübsche alte Wohnhäuser, die man wirklich als eine Zierde bezeichnen kann.
Es hatte wieder zu regnen begonnen, aber das störte uns nicht, der Wagen ist wasserdicht. Und die Schlammlawinen, die stellenweise vor nicht allzulanger Zeit die Straße bedeckt hatten, waren auch weggeräumt. Freuen wir uns aufs Hotel.