Claymore live im Kattenturm – Celtic Rock mit Herz, Druck und Tradition

Am 13. Dezember 2026 gastierte die Celtic-Rock-Band Claymore aus Heiligenhaus/Kettwig im Veranstaltungszelt im Kattenturm und bescherte dem Publikum einen mitreißenden Abend zwischen schottischer Tradition und kraftvollem Rock. Die Location erwies sich dabei als idealer Rahmen: Der Kattenturm mit seinem bodenständigen, fast schon familiären Charakter bot kurze Wege zur Bühne und eine Nähe, die gerade dieser Musikrichtung besonders guttut. Ca. 200 Zuschauer:innen haten sich eingefunden und eine erwartungsvolle Stimmung sorgte dafür, dass von Beginn an klar war: Hier geht es um Live-Musik zum Erleben, nicht um bloßes Zuhören.

Als die in traditioneller schottischer Kleidung gewandete Band die Bühne betrat, füllte sich der Raum sofort mit dem markanten Klang von Dudelsack, Geige und Rock-Rhythmussektion. Die Band schaffte es mühelos, traditionelle Melodien mit druckvollen Gitarren und treibendem Schlagzeug zu verbinden. Der Sound war rau, erdig und zugleich präzise – genau das, was Celtic Rock ausmacht. Schon nach den ersten Stücken wippte das Publikum im Takt, klatschte mit und ließ sich von der Energie der Band tragen. Logisch, dass auch einige Zuschauer ihre Sympathie zur Band durch Tragen von Kilts zeigte.

Zwischen schnellen, tanzbaren Songs und ruhigeren, atmosphärischen Momenten zeigte Claymore große musikalische Bandbreite. Besonders die Wechsel zwischen traditionellen Elementen und modernen Rockpassagen sorgten immer wieder für Spannung. Der Kattenturm verwandelte sich an diesem Abend mehr als einmal in einen kleinen irischen Pub – laut, lebendig und voller Emotion.

Zur Band:
Claymore aus Heiligenhaus/Kettwig gehört seit Jahren zu den festen Größen des deutschen Celtic Rock. Die Band verbindet traditionelle irische und schottische Folk-Elemente mit kraftvollem Rock, ohne dabei den Respekt vor den musikalischen Wurzeln zu verlieren. Dudelsack und Geige treffen auf E-Gitarre und Schlagzeug, getragen von Spielfreude, Erfahrung und spürbarer Leidenschaft für die keltische Musiktradition.

Der Abend im Kattenturm zeigte eindrucksvoll, warum Claymore live so geschätzt wird: ehrliche Musik, große Energie und das Gefühl, für ein paar Stunden Teil einer gemeinsamen, musikalischen Reise zu sein.

Die Bandmitglieder
Claymore besteht aus erfahrenen Musikern, die ihre unterschiedlichen musikalischen Hintergründe zu einem geschlossenen Gesamtbild verbinden:

  • Volker Sauer – Lead-Gesang, Saxophon & Flöten. Er verleiht den Songs ihre emotionale Tiefe und führt das Publikum durch kraftvolle Rockpassagen ebenso wie durch ruhige, erzählerische Stücke.
  • Andy Ironhead – Keyboards. Er sorgt für harmonische Füllung, rhythmische Akzente und atmosphärische Klangflächen, die die keltische Musiktradition modern ergänzen. Aber auch andere Instrumente sind ihm – wie auch anderen Bandmitgliedern – nicht fremd.
  • Christian Johne – Gitarre. Mit druckvollen Riffs, klaren Akkorden und gelegentlichen Soli bringt er den Rockanteil in die Musik der Band.
  • Gerald Schmiechen – Bass & Gesang. Er bildet gemeinsam mit dem Schlagzeug das Fundament der Band und sorgt für den treibenden Groove, der viele Stücke tanzbar macht.
  • MacKenzie Doyle – Violine & Gesang. Sie schlägt die Brücke zwischen Tradition und Moderne, übernimmt melodieführende Passagen und bringt verspielte, folkloristische Elemente in die Songs.
  • Fabian Selt – Uilleann Pipes & Whistles. Mit seinen Pipes bringt er authentische keltische Klänge ein, die den typischen Claymore-Sound prägen.
  • Tim Lethen – Dudelsack (Bagpipe) & Whistles. Sein markanter Dudelsack-Ton gibt den Songs den unverwechselbaren keltischen Charakter.
  • Florian Sauer – Schlagzeug & Gesang. Er gibt Tempo und Richtung vor – mal kraftvoll nach vorne gehend, mal zurückgenommen und fein abgestimmt auf die traditionellen Instrumente.
  • Carel Ooms – Side Drums. Er ergänzt das Rhythmusteam, verstärkt Akzente und sorgt für zusätzliche Dynamik bei den treibenden Stücken.

02.10.2025 – Rückflug nach Frankfurt

Es geht wieder nach Hause. Die letzten zwei Nächte in unserem Hotel waren nicht so schlimm, wie es die Bewertungen vermuten ließen, nur der Verkehrslärm des angrenzenden Interstates war schon störend. Dafür war das Frühstück besser als in Oak Harbour. Und das Personal nicht so persönlich, wie wir das vielen anderen Hotels kennen.

Kleines lustiges Detail, welches mir im Walmart auffiel: Woran merkst Du, dass Du in Washington bist? Es werden Schutztüten für die Regenschirme angeboten, wenn du den Supermarkt betrittst. Wofür braucht man hier Regenschirme????

Großer Vorteil unseres Hotels: Wir sind laut Google Maps innerhalb von 10 Minuten am Flughafen. Was auch stimmte. Die Abgabe des Wagens war innerhalb von Minuten erledigt, der Shuttlebus zum Terminal stand ebenfalls schon da und wartete.

Das Einchecken ging ratz-fatz über die Bühne, der schwerste Koffer war mit 64 Pounds noch unter den erlaubten 70 Pounds, also keine Probleme.

Die Security lief auch sehr schnell ab und wir buchten uns in der United Lounge ein.

Hier gibt es keine Polaris Lounge, aber das Essen war überraschend gut, hätten wir denn mehr Hunger gehabt.

Denn die Völlerei geht ja vermutlich in SFO weiter. Das Boarden lief ebenfalls ohne Probleme ab und schon bald saßen wir im Flieger nach San Francisco.

Da Karin am Fenster saß, durfte sie die ganzen schönen Fotos machen (sie hat sowieso das bessere Handy).

Im Hintergrund grüßt vermutlich der Mount Rainier.

Und schon bald überfliegen wir die Bucht mit Treasure Island und der Oakland Bay Bridge.

Auch die Downtown Area ist klar und deutlich zu erkennen.

Jetzt noch das Handgepäck schnappen und ein bisschen spazieren gehen. Wir landen an einem D-Gate und müssen zum Abflug und zur Polaris Lounge an ein G-Gate. Zum Glück ist das mittlerweile in SFO so geregelt, dass man da nicht mehr durch die Security durch muss. So blieben uns die Querelen, die dort eventuell wegen des Lock-Downs hätten anstehen können, erspart.

In der Polaris Lounge wollen wir endlich einmal wieder mit richtigem Besteck essen und buchen uns im dazugehörigen Restaurant ein. Dies gehört dort mit zum Service. Die Speisekarte ist die gleiche wie auf dem Hinflug.

Ich entscheide mich wieder für den Burger, diesmal mit diversen „Toppings“ und als Nachtisch für das Chocolate Chip Skillet Cookie. Das ist ein Cookie, der in einer Mini-Pfanne „gebacken“ und mit einer Kugel Eis gekrönt wird. Nette Idee, wird auch immer frisch zubereitet.

Meiner Göttergattin geht es ebenfalls sehr gut, wie man sieht.

Anschließend geht sie noch duschen, während ich den Ruheraum ausprobiere. Dort halte ich es allerdings nicht lange aus, die Liege in S-Form ist sehr unbequem. Danach ist die Dusche frei und auch ich gönne mir den Luxus.

Der ist dann bald schon vorüber und wir müssen/dürfen ins Flugzeug einsteigen. Diesmal (weil es draußen sowieso dunkel ist) haben wir eine „Honeymoon Suite“ gebucht. Das sind zwei Sitze im Gang, die durch eine herunterlassbare Trennwand direkt nebeneinander liegen.

Den zweiten Teil des Fluges kann ich nicht so richtig genießen, irgend etwas ist mir auf den Magen geschlagen. Vielleicht nur Müdigkeit?

Pünktlich, sogar etwas eher, landen wir in Frankfurt. Unser Gepäck ist da, unbeschädigt und wir gehen die wenigen Meter zum Medical Center, um dort in den Bus zum Parkhaus einzusteigen.

Dort wartet schon unser Dicker auf uns, eine Freude und Wohltat, damit nach Hause fahren zu können.

Dank des Feiertages kommen wir nicht in Staus und landen um ca. 18.30 Uhr wieder zuhause. Ein langer Trip.

Resumée

Wir haben mal wieder einen fantastischen Urlaub verleben dürfen. Der Staat Washington hat soviel mehr zu bieten als das, was wir in vorigen Urlauben dort sehen konnten. Und wir haben jetzt „nur“ den westlichen Teil, also vieles westlich und einschließlich Mount Rainier und Mount St. Helens gesehen. Aber die Schärenlandschaft am Puget Sound und die Olympic Halbinsel sind schon verflixt schöne Landstriche. Und der Abstecher nach Oregon war auch nicht von schlechten Eltern.

Unser Wagen war mal wieder ein „großer“ Pickup. Das Platzangebot haben wir sehr genossen, schließlich hatten wir zum Schluss auf den Rücksitzen drei große Koffer. Macht das mal mit einem Fiat Panda. Die Ausstattungsvariante war ein Bighorn, allerdings mit einigen weiteren Extras bestückt, die normalerweise nicht dazu gehören. Der Spritverbrauch war dem 6-Liter Motor mit 400 PS geschuldet nicht optimal, wir haben insgesamt 205 Gallonen getankt. Daraus ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch von 14,72 l/100 km. Da komme ich mit meinem Dicken mit ca. der Hälfte hin. Vielleicht gibt es ja nächstes ja eine kleinere Variante zu mieten.

Mit den Hotels sind wir ebenfalls sehr gut gefahren. Bis auf Sequim, wo wir nicht auf Best Western zurückgreifen konnten. Aber auch dort haben wir uns sehr wohl gefühlt. Das Frühstück war in den allermeisten Fällen gut, wenn man von der Tatsache absieht, dass das Plastikbesteck häufig so labberig ist, dass es sich nicht durch eine Toastscheibe durchbohren lässt, ohne zu verbiegen. Da müssen wir beim nächsten Mal dran denken, was besseres mitzunehmen.

Ach ja, durch die Kochkünste meiner lieben Frau waren wir in diesem Urlaub nicht ein einziges Mal in einem Fastfood Restaurant, Costco und auch diverse andere Groceries haben uns mit Lebensmitteln versorgt, die sich sehr schmackhaft in mitgebrachter Tupperware in der Mikrowelle zubereiten ließen. Kartoffeln gehen da auch sehr gut.

01.10.2025 – Seattle

Der letzte ganze Tag unserer Reise ist angebrochen. Laut Wetterbericht ist viel Regen dabei. Eigentlich eine gute Gelegenheit, sich in Museen zu verkriechen und die gesamte Historie der Stadt aufzuarbeiten.

Aber da wir dem Wetterbericht prinzipiell misstrauen, beschließen wir, uns ein wenig Stadt anzutun und fahren nach Downtown Seattle. Ein Spaziergang über den Pike Place Market wird uns bestimmt kulinarisch und olfaktometrisch weiterbringen. Würde es, wenn wir den Gang antreten könnten. Vor dem Spazieren liegt das Ankommen und davor das Parken des Autos. Und in diesem speziellen Fall erweist sich die Größe, genau genommen die Höhe unseres Pickups, als entscheidendes Hindernis. Es gibt viele Parkgaragen, alle mit Preisen von 5-10 USD für zwei Stunden und teurer, aber bei allen steht als Einfahrthöhe: 6 Fuß, 8 Inches. ICH weiß nicht genau, wie hoch unsere Dicker ist und ich möchte auch nicht den Angaben von Google trauen, das sich in ungefähren Werten von 1,90 m bis 2,05 m, je nach Ausführung, auslässt. Mehrere andere Freiluftparkplätze sind so eng, dass ich rückwärts wieder ausparke, so wie sich Igel paaren: Ganz vorsichtig.

Also fahren wir die Straßen entlang, um an einem der „Groschengräber“ (so hießen die Parkuhren früher) einen Platz zu ergattern. Mit Park-Apps funktioniert das hierzulande ähnlich wie in Deutschland, aber wir fanden eine Säule, wo wir direkt mit der Kreditkarte zwei Stunden buchen konnten. Ecke Battery und Western.

Jetzt sind dem Sprung ins Vergnügen fast keine Grenzen mehr gesetzt. Wir stürzen uns, wie viele andere Touristen, ins Getümmel.

Vorbei an Fischständen, wo die Meterware durch die Luft geworfen wird: „Ich habe den Fisch selbst gefangen“. Vorbei an Gewürzständen, Blumenständen und allem anderen, was man genau genommen nicht oder nur selten benötigt.

Auf der Rückseite kann man das Gebäude verlassen und steht mit Blick auf den Puget Sound in einer friedlichen und ruhigen Atmosphäre.

Die Menschenmassen sind größtenteils im Market geblieben und wir verziehen uns auf einen vorgelagerten Kai mit bequemen Bänken, um den Ausblick und die relative Stille zu genießen.

Dann sind unsere zwei Stunden Parkzeit bald um und wir machen uns auf den Rückweg. Am Pier 66 gibt es ein Observation Deck und von hier aus hat man meiner Ansicht nach einen der besten Blicke auf die Skyline von Seattle. Oder liegt es nur daran, dass die Sonne rausgekommen ist?

Da wir schon an der Küste sind, können wir den von Karin erwünschten Discovery Park mit Leuchtturm besuchen.

Auf dem Weg dahin legen wir im Magnolia Park im Magnolia Drive eine kurze Mittagspause ein.

Leider ist im Discovery Park alles geschlossen und eine halbe Stunde Fußmarsch kommt zur Zeit nicht in Frage.

Nebenan ist eine Schleusenanlage bei Maps eingezeichnet, fahren wir dort hin.

Es handelt sich um die Ballard (Hiram M Chittenden) Locks, eine Anlage, die die Salmon Bay und den Lake Union vom Puget Sound trennt. Ca. 2 Meter Höhenunterschied haben die beiden Seiten, als wir ankommen.

Zuerst sehen wir allerdings diese hübsche Eisenbahnbrücke (ein Zug kommt gerade rübergerollt, als wir parken).

Diese Konstruktion war uns schon einmal aufgefallen, in Aberdeen. Der auf der rechte Seite hängende Klotz ist vermutlich das Gegengewicht zu dem Teil der Brücke, der hochgehoben wird? Die Brücke sieht nicht so aus, als wäre dort viel los, aber wir werden eines besseren belehrt.

Als wir zu den Locks kommen, fahren gerade diverse Schiffe in die Schleusenanlage ein. Wo in Deutschland kilometerweit alles abesperrt wäre, genügt hier ein hüfthohes Gitter und der Hinweis, man möge bitte eine Schwimmeste tragen.

Wir spazieren ohne rüber und sehen im Wasser einen Harbour Seal, einen Seehund, auch ohne Schwimmweste.

Er und diverse Seelöwen tummeln sich im Wasser und warten auf die Lachse, die auf ihrem Weg zu den Laichgründen die Fischtreppen raufmüssen.

In der Schleuse warten mittlerweile ein riesiger Schlepper, ein Ausflugsboot und ein Segelboot.

DasWasser ist schnell abgelassen und als sich die Tore öffnen, darf der kleine Segler als erstes losfahren. Als die Alaska Titan schließlich zum offenen Meer fährt, ist die Eisenbahnbrücke wirklich hochgefahren, oh Wunder.

Eine wirklich kurzweilige, interessante und vor allen Dingen unerwartete Unterbrechung unseres Tagesausfluges.

Unser nächstes Ziel ist die Space Needle, das Wahrzeichen von Seattle. Auch hier versuchen wir, einen Parkplatz außerhalb der teuren Optionen zu finden, 20 USD werden schnell aufgerufen. Und parken Ecke 5th und Mercer, diesmal mit einer App.

Zu Fuß sind es nur ein paar Minuten zurück und unser Schrittzähler freut sich.

Dann stehen wir endlich vor dem Luftspieß. Ist schon faszinierend, was die Ingenieure dort zusammengebaut haben.

Wir überlegen kurz, ob wir mit dem Aufzug nach oben fahren und uns Seattle aus der Höhe anschauen. Aber 44 USD/Person (Rentnertarif) sind uns doch zuviel.

Und so begnügen wir uns damit, das in meinen Augen fotografisch viel interessantere Museum of Pop Culture von außen zu begutachten.

Es wurde entworfen vom kanadisch-amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry, der bekannt ist für fließende, futuristische Formen. Unter anderem die Gehry Häuser am Düsseldorfer Medienhafen stammen von ihm.

Gehry ließ sich inspirieren, indem er E-Gitarren zerlegte und die Teile als Ausgangspunkte für die Gebäudestruktur nutzte. DIe Fassade besteht aus über 21.000 Aluminium- und Edelstahlplatten, in verschiedensten Farben und Formen – keine ist exakt gleich.

Die schillernde Außenhaut verändert ihre Wirkung je nach Sonnenstand, Wetter und Blickwinkel – mal wirkt sie flüssig wie Metall, mal wie zerknitterte Folie. Aufgrund der komplexen, unregelmäßigen Formen wurde der Bau stark von Computer Aided Design (CAD) unterstützt – damals noch eine ungewöhnlich fortschrittliche Anwendung.

Manche Einheimische vergleichen das Gebäude scherzhaft mit einem gigantischen, von Godzilla zertretenen Gitarrenberg.

Andere nennen es „The Blob“ oder „Chewed Gum“ oder „Das gekaute Kaugummi“: weil es aussieht, als hätte jemand einen Haufen Kaugummi an die Space Needle gespuckt.

Neben der Needle und dem MoPOP liegen noch die Chehuli Gardens, ein Park mit Glas-Blumen in XXXXL. Auch hier darf man einen zweistelligen Betrag hinlegen, um dort durchzuspazieren. Hatten wir in ähnlicher (und kleinerer Form) schon in der Gruga in Essen.

Auf dem Rückweg ein weiteres Kunstobjekt, die Grass Blades von John Fleming. Hier handelt es sich um 110 „Halme“, jeder 12-16 Meter hoch. Sie dienen als optische Abgrenzung zum dahinter liegenden Parkplatz.

Und damit endet unser Sightseeing in dieser schönen Stadt. Jetzt kommt der unangenehme Teil: Wir müssen „kurz“ beim Walmart und bei Costco vorbei.

Auf der Fahrt – und zum Glück erst jetzt, fängt es so an zu regnen, wie es für den größten Teil des Tages vorhergesagt war. Logischerweise unter Zuhilfenahme der in dieser Stadt üblichen Staus.

Das gibt uns die Möglichkeit, den Mt Rainier, der von Wolken verdeckt und mit einer frischen Scheehaube bedeckt ist, vor uns abzulichten.

Aber irgendwann sind wir auch da durch, haben den Wagen leergeräumt und versuchen, heute die Koffer weitgehend zu packen. Morgen geht es dann zur Abgabe des Autos und zum Rückflug. Hoffentlich. Denn der staatliche Lockdown verspricht, uns mit Unerwartetem zu überraschen.

30.09.2025 – Von Oak Harbour nach Renton

Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, hatte sich der Regen verzogen. Ein gutes Omen. Wir werden heute Oak Harbour und damit auch Whidbey Island verlassen und unser letztes Hotel weiter im Süden, in Renton, beziehen.

Ursprünglich hatten wir unser erstes Hotel in Everett für diese zwei Tage wieder gebucht, aber nachdem man uns nur die halben Best Western Punkte gutgeschrieben hatte und wir am letzten Tag quer durch Seattle zum Flughafen müssen, erschien uns ein Hotel, welches näher an SeaTac liegt, deutlich bequemer.

Um nach Renton zu kommen, gibt es vielfache Alternativen. Eine wäre gewesen, in den Süden der Insel zu fahren und die Fähre nach Mukilteo zu nehmen und wir wären wieder in Everett gelandet. Aber diesmal musste die beste Fährenfahrerin zurückstecken. Andere Wege haben auch interessante Zwischenziele.

Und so setzten wir uns wieder auf die Route 20 nach Norden, um den Deception Pass – diesmal bei schönstem Sonnenschein – erneut zu passieren. Wir verzichteten auf den anstrengenden Anstieg vom State Park aus und stellten uns direkt auf einen der Parkplätze an der Brücke.

So, einiges an Lauferei und Kletterei gespart.

Nur eine Meile hinter dem Deception Pass biegt links eine Straße zum Rosario State Park ein. Besonderheit(en)? Zum einen eine sehr hübsche Bucht, die natürlich in der Sonne gut rüberkommt.

Und zum anderen die Statue „Maiden of Deception Pass“ (die Samish-Legende rund um Ko-kwal-alwoot)

Die Geschichte stammt aus der Samish Native Nation. Die Legende handelt von Ko-kwal-alwoot, einer jungen Frau, die sich in ein Wesen aus dem Meer verliebt. Ursprünglich wollte ihr Vater diese Verbindung ablehnen. Später entscheidet Ko-kwal-alwoot sich dazu, unter dem Meer zu leben und nimmt in gewisser Weise eine Schutzherrinnenrolle für das Volk ein – sie opfert sich symbolisch, damit ihr Volk nie hungert.

Der Pfosten hat zwei Seiten. Die eine Seite zeigt Ko-kwal-alwoot als junge Frau in menschlicher Form, die andere Seite zeigt ihren Übergang, wie sie beginnt, sich zu verwandeln – Haare werden zu Kelp (Meeresalgen).

Das nächste Ziel ist der Mt Erie. Durch nichts wird auf einen der schönsten Ausblicke hingewiesen, die man über diese großartige Landschaft bekommen kann. Es wird wahrscheinlich daran liegen, dass die Straße seeehr schmal, seeehr gewunden und stellenweise seeehr steil ist.

Als wir unterwegs waren, schien die Sonne gerade durch den regennassen Wald und brachte diese wunderbaren Strahlen zum Vorschein.

Man kann auch von unten rauflaufen, dort gibt es Parkplätze. Aber wenn man wie wir a) wenig Zeit hatten und b) dazu noch vier gesunde Reifen, dann lässt man die 400 Pferdchen auf 8 Zylindern arbeiten und kommt an diesem Aussichtspunkt (etwas unterhalb der Kuppe) an.

Dass hier ein feuchtes Klima herrscht, sieht man auch immer wieder an den vielen Flechten, die in den Bäumen hängen und in der Sonne glitzern.

Jetzt tasten wir uns vorsichtig im ersten Gang den Berg runter und hoffen, dass uns keiner entgegen kommt. Glück gehabt.

Es geht weiter nach Anacortes. Wir befinden uns, nachdem wir den Deception Pass überquert haben, nicht mehr auf Whidbey Island, sondern auf Fidalgo Island. Das merkt man aber an der Landschaft nicht.

Als wir uns auf Anacortes zubewegen, kommen wir an einem kleinen Fährterminal an. Eine Minifähre setzt in 15 Minuten nach Guemes Island über. Da dies nicht zu unseren Zielen gehört, fahren wir gemütlich weiter und sehen an einer Straße das Anacortes Castle. Es handelte sich um ein Privatgebäude, dass ein spleeniger Besitzer dort hat errichten lassen, jedenfalls gibt es zur Historie keinerlei Quellen.

 

Wir wenden uns lieber der Stadt und speziell der Historic Downtown zu. Der Name „Anacortes“ wurde 1877 vom Siedler Amos Bowman geprägt. Er benannte die Stadt nach dem Mädchennamen seiner Frau („Anna Curtis“) und wählte eine Schreibweise, die spanisch klingen sollte.

Hier gibt es hübsche alte Häuser, die üblichen Kunstgewerbeläden und was man sonst in einem Touristenzentrum erwartet. Alles ist ruhig, sauber, das Leben geht einen gemächlichen Gang.

Als wir noch auf Whidbey Island waren, hat uns ein (einheimischer?) Besucher von der Stadt LaConner vorgeschwärmt. Tolle Hafenzeile, tolle Restaurants, in denen man hervorragend essen kann.

Mir war der Ort schon aufgefallen, weil es dort sehr billiges Benzin geben soll. Und auf unserem weiteren Weg liegt es auch.

Als wir zur Tankstelle kamen, waren wir wirklich baff. Die Gallone kostete 3,659 USD. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie sich im Reservat der Swinoish Indian Reservation befindet. Sie liegt direkt am Fischereihafen, man sieht hunderte von Fangkörben aufgreiht in der Sonne trocken.

Wir waren über eine schöne Brücke gekommen und die wollten wir nicht nur durchfahrend sehen. Unterhalb liegt der Pionieer Park mit einer witzigen Idee für ein Kinderspielgerüst.

Wie man sehen kann, handelt es sich um einen Lachs, der so groß ist, wie Angler ihn ohne zu übertreiben beschreiben. Aber es ist eine Rutsche, er ist innen hohl, wie man unschwer erkennen kann.

Vom Park aus hat man einen schönen Blick auf die Brücke, die gerade von der Sonne beleuchtet wird.

Und von der Brücke (ja, ich bin extra raufgeklettert) kann man die Waterfront von LaConner sehen.

Die mussten wir uns natürlich näher ansehen. Wir fanden auch einen Parkplatz an der Haupstraße und spazierten gemütlich über den Boardwalk in der einen Richtung entlang.

Kleine Kaffees und Restaurants sind vor der Mittagszeit noch spärlich besucht, aber alle erfreuen sich am schönen Wetter und genießen den sonnigen Herbst.

Auf der Hauptstraße, der 1st Street, geht es zurück. Auch hier die ruhige, stille Atmospäre eines Ortes, der sich langsam vom Tourismus zurückzieht,

um bald in den Winterschlaf einzutauchen. Ich gestehe, das war die Überraschung des Tages neben dem Mt Erie.

Jetzt geht es aber endlich auf die Piste. Wir haben ja vollgetankt und unser vorletztes Ziel ist der Troll in Issaqua mit dem stolzen Namen Jacob Two Trees.

Hinter dem Community College auf einem Waldweg verborgen, hält sich der süße Kerl an zwei Bäumen fest, lauter Vogelhäuschen baumeln als Schmuck um seinen Hals.

Und dann geht es zum letzten Ziel, einer viel besuchten Touristenattraktion: Die Snoqualmie Falls. Man kann direkt an den Falls kostenpflichtig parken, aber gegenüber gibt es einen kostenlosen Parkplatz mit einer Fußgängerbrücke zu den oberen Aussichtspunkten.

Ein toller Anblick. Und gut, dass ich mein Stativ so tief im Koffer vergraben habe, so dass ich die halbe Sekunde Belichtungszeit irgendwie mit Auflegen der Kamera realisieren muss.

Was wir bei vorigen Besuchen nicht geschafft haben: Es gibt auch einen unteren Aussichtspunkt. Um dorthin zu gelangen, muss man an gewaltigen Fallrohren für ein Kraftwerk vorbei.

Diese sind so dick, dass ich locker darin stehen könnte. Die Fälle sehen nicht viel anders aus als von oben, daher erspare ich euch ein weiteres Foto.

Auf dem Weg zum Hotel nehmen wir ein Stück Eisenbahngeschichte mit, den ehemaligen Bahnhof in der historischen Altstadt von Snoqualmie. Erinnert ein bisschen an Flagstaff.

Und dann geht es in Richtung Hotel. Auf dem Weg dahin befällt die beste Hotelbucherin von allen große Panik, weil sie sich jetzt erst die Bewertungen für unsere Unterkunft durchgelesen hat. Wenn man denen trauen darf, handelt es sich um ein rattenverseuchtes Drecksloch mit unfreundlicher Bedienung. Das ist natürlich von mir jetzt heftig übertrieben. Aber gewisse Zweifel kommen ihr doch hoch.

Das Hotel liegt direkt am Interstate, aber wir haben ein schönes Zimmer im vierten Stock bekommen und es gibt keinen Grund zur Beschwerde. Also Sturm im Wasserglas.

 

29.09.2025 – Whidbey Island – Tag 2

Jetzt hat uns das Washingtoner Wetter entgültig erwischt. War es gestern bedeckt mit partiell sonnigen Abschnitten, war heute morgen der Parkplatz nass und es fiel feucht vom Himmel. Endlich kann ich das mitgebrachte Rostschutzmittel einsetzen und den Sonnenschutz wegpacken.

Aber was macht man, wenn Regen, Regen und noch mehr Regen angekündigt ist? Am Strand baden kommt mir nicht in den Sinn. Da bleiben wir lieber hinter der Windschutzscheibe unseres Autos verborgen und schauen uns weitere Teile der Insel an.

Und beginnen mit Oak Harbour. Da wir mehrfach den Ortskern passiert haben, sind uns die Schilder zum Windjammer Park aufgefallen. Das klingt nach Seglerromantik, Hamburger Hafen oder zumindest Rostock, Fernweh und Shanties. Aber weit gefehlt. Als wir auf dem Parkplatz zum stehen kommen, erwartet uns ein stinknormaler Beachpark, weder von Wind noch großartigem Seglergejammer die Spur. Ich bin ein bisschen enttäuscht. Aber vielleicht meinen die Amis mit Windjammer ja etwas anderes als wir Deutschen?

Aber zumindest die öffentlichen Toiletten entsprechen dem typischen deutschen Standard: Am besten nicht benutzen, oder nur im Vollschutzanzug.

Gut, der Windjammerpark ist nicht Oak Harbour. Geben wir der Lokalität (ich weiß nicht, ob ich Stadt oder Ort dazu sagen soll) eine Chance. Wir landen schnell auf der Hauptstraße durch das historische Oak Harbour, dem SE Pioneer Way. Hier reihen sich alte Steinhäuser aneinander.

Aufgrund der frühen Stunde, dem Wetter und der Tatsache, dass Montag ist, finden wir schnell einen Parkplatz. Und wie man sieht, ist der Tourismus überschaubar.

Sehr viele Kunstläden buhlen um die Gunst der Kunden, aber sie sind nicht die Haupteinahmequelle der hiesigen Bevölkerung.

Da mich genau diese Frage schon seit einigen Tagen quälte, fragte ich die Hotelmanagerin, wovon hier die Leute leben. Die Antwort: Die Naval Base ist ein großer Arbeitgeber, daneben kommen Farmwirtschaft und auch Tourismus. Als wir am Abend in unser Hotel zurückkehrten, stand mit uns im Aufzug ein nach Arbeit aussehender junger Mann mit einer Papiertüte in der Hand. Ich vermutete etwas aus einem Fast Food Tempel. Er meinte nur, er wäre für vier Wochen in diesem Hotel und hätte normale Lebensmittel eingekauft. Es können also auch andere die Mikrowelle und den Kühlschrank bedienen. Ok, wofür wären sie sonst in fast jedem Hotelzimmer zu finden.

Es ging weiter zum Yachthafen, wo einige recht nette Pötte am Kai lagen. Interessant das „Regal“ mit den Schwimmwesten, die für die Kinder kostenlos zum Ausleihen dort aushängen.

In der Hoffnung, dass vernünftige Eltern sie auch benutzen. An einer der Segelyachten ein Anker, den ich eher einer ehemals versunkenen Galeere zugeordnet hätte.

Wir fahren über Land weiter und erfreuen uns an den vielen schönen Häusern, die sehr gepflegt mit Vorgärten und häufig sehr hohen Zäunen an den Straßen stehen. Die Zäune sollen vor den vielen Rehen schützen, die sich teilweise ungeniert über das Grün am Straßenrand und in den Vorgärten hermachen.

Ich glaube, dass uns diese Insel so gemütlich, heimatlich?, verträumt vorkommt, weil hier die Straßen und Häuser zwar auch, aber nicht so streng nach Schachbrettmuster wie in manch anderer amerikanischen Stadt angeordnet sind.

Unser nächstes Ziel ist Fort Casey, welches an der Westküste, ganz in der Nähe der von Port Townsend kommenden Fähre liegt.

Hier gibt es das Admiralty Head Lighthouse. Es wurde 1861 aus Holz und Backstein gebaut und 1903 neu aus Beton, damit die Erschütterungen der nahegelegenen Kanonen von Fort Casey die Struktur nicht beschädigen.

Es wurde genutzt, um Schiffe durch den Admiralty Inlet (Eingang zum Puget Sound) zu navigieren. 1922 wurde es deaktiviert, weil moderne Navigationssysteme und ein neuerer Leuchtturm übernahmen. Der Turm ist einer der wenigen Leuchttürme in den USA mit spanisch inspiriertem Baustil (weiße Wände, rote Ziegeldächer).

Wir konnten in dem kleinen Museum unter anderem die große Fresnel-Linse besichtigen, die dazu dient, das Licht nicht kegelförmig, sondern in einem gerichteten Strahl auszusenden.

Auch den Turm kann man besteigen und hat eine ein bisschen bessere Sicht in Richtung Port Townsend und den Puget Sound. Hätte man, wenn das Wetter nicht so besch… gewesen wäre.

Von den Fort-Anlagen sieht man im Endeffekt das Gleiche, so zum Beispiel ein gerade auslaufendes Kreuzfahrschiff, die Quantum of the Seas.

Schiffe gucken macht hungrig und so verzehrten wir erstmal im Auto sitzend Kartoffelsalat und Brot mit Artichocken-Jalapeno-Dip. Ob das die Karnickel angelockt hat, weiß ich nicht.

Jedenfalls tummelten sie sich ungeniert vor unserem Auto. Gut gesättigt und nach einem angemessenen Verdauungsschläfchen ging es dann zum Rundgang über die Batterien.

Imposant die Geschütze, die mir ca. 80 kg Pulver und einem entsprechenden Geschoss geladen werden.

Interessanter fand ich, dass gerade vor unseren Augen die Fähre einlief, die wir kürzlich benutzt hatten.

Das nächste und auch letzte Tagesziel war dann die Greenbank Farm, in etwa ähnlich dem, was man in Deutschland auch von Erlebnisbauernhöfen kennt.

Der Regen hatte mittlerweile zugenommen und wir fuhren zwar noch nach Freeland, etwas weiter südlich, aber das Aussteigen lohnte sich nicht mehr.

Ab nach Hause, wir können schon probeweise Koffer packen, im Moment haben wir die Zeit dazu.