15.03.2025 – Von Torrey zum Bryce Canyon

Torrey, ade. Nachdem es mit unserem Hotel etwas problematisch losging, hatte zumindest ich mich damit ausgesöhnt. Der Capitol Reef Nationalpark und die Umgebung hätten durchaus noch einiges zu bieten, aber wir haben die nächsten 4 Nächte im Rubys Inn am Bryce Canyon Nationalpark gebucht.

Für den Weg hat uns Google Maps den Weg über die 24 und Loa vorgeschlagen, aber wir schlagen die Empfehlung in den Wind und wählen die 12 über den Boulder Pass, den wir zwei Tage zuvor im heftigen Schneetreiben erlebt haben. Dann wollen wir hoffen, dass die Straße diesmal geräumt ist.

Wir schrauben uns mit dem Auto in die Höhe, die Straße selbst ist schneefrei und wir vermuten, dass mit Split und Salz nachgeholfen wurde. Am Larb Hollow machen wir eine erste Pause und genießen diese unbeschreibliche Landschaft vor uns. Links die Waterpocked Fold mal etwas größer, im Hintergrund die Berge auf dem Weg nach Hanksville, unter anderem die Factory Butte. Die Sonne beleuchtet Teile dessen, was zu unseren Füßen liegt.

Wir steigen weiter in die Höhe, nicht nur der Schnee ist weiß, auch die Birken strahlen uns in der gleichen Farbe an.

Ein weiterer Aussichtspunkt kündigt sich links der Straße an. Diesmal ist dort nichts geräumt, aber unten stehen zwei Autos, einer davon ein PKW. Versuchen wir unser Glück.

Über uns dunkle Wolken (kein Dreck auf der Linse) und meine Göttergattin steht mit den Füßen ein paar Zentimeter hoch im Schnee. Die Temperatur ist mittlerweile auf 22° Fahrenheit gesunken, das sind -5,5°C. Der niedrigste Wert, den wir bisher hatten.

Jetzt wird es spannend. Wir müssen aus dem Schneeloch wieder raus. Und das mit maximal Alljahresreifen, möglicherweise auch nur Sommerreifen. Genau für diesen Zweck hatten wir für ein 4-Rad getriebenes Fahrzeug gekämpft. Also schalte ich den Offroad-Modus ein und 4×4 und ganz gemütlich zieht sich unsere Dicker durch die festgefahrene Schneedecke bis zur geräumten Hauptstraße. Dort schalte ich wieder auf Normal um und merke direkt, wie die Hinterräder auf dem letzten Meter Schnee zu kämpfen haben.

Jetzt geht es nur noch bergab, bis nach Boulder. Und als wir dieses Nest durchquert haben, kommen wir in eine der großartigsten Landschaften, die Utah zu bieten hat: Das Grand Staircase Escalante National Monument, kurz GSENM (nicht zu verwechseln mit GNTM von Heidi Klum).

Es handelt sich um eine Ansammlung von Sandsteindünen, die Straße führt über eine Ridge und zu beiden Seiten erstrecken sich Canyons, die es zu durchwandern gibt. Im obigen Bild ist dies der Weg zum Lower Calfcreek Falls, der durch diese Schlucht zu einem wunderschönen Wasserfall führt.

Am liebsten möchte man hier verweilen, seine Zelte aufschlagen und den Ausblick genießen. Aber weitere schöne Ausblicke warten auf uns.

In der Nähe des Kiva Koffeehouse bekommt man einen tollen Überblick über das Tal des Escalante River.

Weiter geht es in die „Stadt“ Escalante hinein. Dort gibt es ein ausgezeichnetes Visitor Center, wo man mit guten Ratschlägen für großartige Wanderungen zugeworfen wird. Wir decken uns mit ein paar Wunschrouten ein, füllen unsere Wasserflaschen auf und setzen den Weg nach Bryce fort.

Irgendwo in der Nähe des Escalante Airport (nicht international) sehen wir die gegenüberliegenden Berge, wie sie wolkenumhangen zugeschneit werden. Hoffentlich betrifft uns das nicht.

Als wir dann schließlich Henrieville, Cannonville und Tropic passiert haben, tauchen die ersten roten Felsen auf. Hier sind wir richtig.

Jetzt ist es nicht mehr weit. Wieder auf der Höhe schwenken wir nach links ab und kurz danach stehen wir am Tresen des Rubys Inn. Wir hatten vier einzelne Tage gebucht und am Morgen telefonisch um ein Upgrade ins Haupthaus gebeten. Das hat den Hintergrund, dass man trockenen Fusses zum Frühstück und zu allen anderen Annehmlichkeiten, z.B. dem Schwimmbad oder der Kaffeemaschine gelangen kann.

Die Bedienstete sowohl heute morgen als auch am Nachmittag (ich vermute, es war die gleiche Dame) war nicht so richtig fit. Jedenfalls wollte sie uns ein Upgrade Zimmer für 100 USD mehr anbieten. Schließlich holte sie ihre Chefin und sie konnte es dann richten: 4 Nächte in einer King-Suite mit Jakuzzi im Haupthaus für ungefähr 381 USD.

Wir richteten uns ein und da es noch früh am Tag war, machten wir uns auf den Weg zum Mossy Cave Trail. Dieser liegt ca. 8 Meilen wieder zurück in Richtung Tropic und führt 0,4 Meilen durch ein hübsches Tal, an dessen einem Ende ein Wasserfall und eine bemoste Höhle liegt. Bzw. liegen soll.

Das Tal war da, die umliegenden roten Felsen leuchteten, was das Zeug hielt.

Aber der Wasserfall glänzte durch Abwesenheit, er wird von Bewässerungswasser nur zwischen April und Oktober gespeist. Schade.

Der Weg selbst ist auch wunderschön und über einen etwas vereisten Pfad kraxelten wir zur Höhle hinauf.

Dort erwartete uns weniger Moos als vielmehr eine Zauberwelt in Weiß. Wasser, das aus Spalten in der Decke tropfte, gefror am Boden schnell zu Eis und brachte diese wunderschönen Stalagmiten und Stalagtiten hervor.

Wir haben noch Zeit, bis es dunkel wird und fuhren in den Park hinein. Erstmal so weit wie möglich nach hinten durch bis zur Natural Bridge.

Das nächste Mal sollten wir etwas früher da sein, dann liegt sie noch nicht im Schatten.

Auf dem Rückweg nahmen wir noch den Bryce Point mit, ein Ausblick auf das großartige Amphitheater, mit Licht und Schatten, alles andere als langweilig.

Nun aber zurück zum Hotel. Gegenüber liegt ein großer Teil der Touristenattraktionen mit Buden, Pferdemieten, ATV-Touren und allem, was das Touristenherz begehrt.

Aber alles jetzt in der Wintersaison geschlossen.

Gut, dann können wir ja Feierabend machen. Während sich die beste Shopperin von allen noch in unserem schönen Hotel umsieht, fange ich mit der Bildbearbeitung an. Und zum Abendessen gibt es Barilla-Nudeln mit Ragu-Sauce und Rindfleisch-Bites. Sehr lecker.

14.03.2025 – Im Nirgendwo bei Hanksville

Was fällt Euch ein, wenn der Name Hanksville fällt? Bestimmt keine Assoziation mit dem Schauspieler mit Vornamen Tom. Auch sonst kommt es weder in Funk, Film, noch Fernsehen vor.

Selbst die Bezeichnung Drecksnest wäre noch sehr geschönt. Immerhin hatte es dort vor über 30 Jahren das einzige Motel im Umkreis von vielen zig Meilen, das Poor Boy Motel. Immerhin zieren den Ort eine Tankstelle, ein Laden, ein paar wenige Unterbringungsmöglichkeiten sowie ein Trödler, der offensichtlich alles aus der Umgebung gesammelt hat, was auf der Straße lag.

Dies ist nicht die aktuelle Tankstelle, aber der Trödel ist unverkennbar.

Aber warum existiert dieses Nest? Vermutlich, weil es die letzte Möglichkeit vor den Marinas am Glen Canyon ist. Und selbst diese Daseinsberechtigung schwindet mit jedem Tag, wo der Stausee weniger Wasser führt.

Wir kamen allerdings nicht, um das Tag- oder Nachtleben von Hanksville zu erkunden. Uns interessierte die tolle Landschaft nördlich davon.

Wer von Moab zum Capitol Reef Nationalpark fährt, kommt unweigerlich an außergewöhnlichen Felsformationen vorbei, die ihresgleichen suchen.

Wir starten jedoch den Morgen wie üblich in Torrey, genießen das Frühstück und setzen uns auf die 24 in Richtung Nationalpark, den wir durchqueren müssen.

Schon auf dem Weg dahin leuchten die roten Felsen in der Morgensonne. Es ist knackig kalt (so um die 0°C) und die Flüssigkeitsbehälter an der Tankstelle, mit der man die Scheiben reinigt, sind zu einem festen Block gefroren.

Wie schon die letzten Male rollen wir gemütlich den Hügel hinunter, passieren das Visitor Center und schlängeln uns über die Straße am Freemont River.

Der Blick zurück offeriert einen tollen Ausblick auf den sonnenbeschienenen Navajo Dome. Aber wir müssen weiter, die Zeit drängt.

Unser erstes Ziel ist der Moonscape Overlook. Schöne Fotos hatte ich davon gesehen. Und Google Maps kannte es ebenfalls. Von der 24 bogen wir nach Norden auf die Factory Butte Road ein, was uns auf dem Weg noch einen tollen Ausblick auf diese einzigartige Felsformation lieferte.

Vor uns her (die hatten wohl die gleichen Karten wie wir) fuhr eine Gruppe von 5 Autos, die auch zum Overlook wollten. Der Punkt ist doch nicht so unbekannt, wie wir glaubten.

Der Vorteil dieser Vortruppe war, dass wir uns ziemlich sicher sein konnten, dass die Wegstrecke auch für unseren Dicken befahrbar war, befanden sich doch zwei Normalos bei dem Trupp.

Dann endlich war das Ziel erreicht. Wenigstens ein Dutzend Autos hatte sich vor der Klippe eingefunden, der Sprache nach eine mexikanische Family Reunion.

Wir ließen die anderen Besucher links liegen und tasteten uns vorsichtig zum Rand vor. Sehr bröckeliges Gestein hat früher schon zu Unfällen geführt.

Aber die Aussicht ist absolut atemberaubend..

Wir genossen in einiger Entfernung die Stille und machten uns nach Anfertigung der obligatorischen Fotos wieder auf den Rückweg.

Das nächste Ziel waren eigentlich die Bentonite Hills. Und da begann der erste unserer kleinen Irrtümer. Unser Navi hatte die Adresse schnell gefunden und wollte uns auf der 24 wieder zurück in Richtung Torrey lotsen. Aber ein Pärchen, welches wir am Overlook getroffen hatten, meinte, diese befänden sich direkt neben der Mars Desert Research Station. Die liegt aber in genau der entgegengesetzten Richtung.

Ein paar Meilen folgten wir dem Navi, bis es uns zu komisch vorkam und wir umdrehten. Wir gaben die Mars Station ein, um uns anschließend nach Nase weiterzutasten.

Die MDRS liegt ein paar Meilen nördlich des Highway 24. Und wenn man sich diese rötliche Einöde anschaut, kann man schon verstehen, warum dieser Platz gewählt wurde.

Der Parkplatz vor diesem Schild sagte: Maximale Parkdauer 5 Minuten. Was erwarten die dort? Die Landung der Marsmännchen?

Wir jedenfalls fuhren weiter ein paar Meilen in die Hügel, um den Bentonit zu betrachten. Dieses Gestein ist eine mineralstoffreiche Tonerde, die allerdings nicht nur dort anzutreffen ist.

Es ist einfach schön, da durchzufahren. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, liegen die „offiziellen“ Bentonite Hills wirklich da, wohin uns das Navi lotsen wollte. Machen wir beim nächsten Mal.

Weiter sollte es zum nächsten Ziel gehen, Little Egypt. Ich hatte sehr schöne Fotos von Hoodos gesehen. Sie liegen ca. 13 Meilen südlich von Hanksville an der 95. Ein sehr schmaler Feldweg geht nach Westen ab, aber die Qualität war schlechter als alles, was wir bisher befahren haben (zumindest in diesem Urlaub). Es wurde sogar so schlecht, dass ich nicht mit gutem Gewissen in ein Bachbett einfahren konnte, ohne wahrscheinlich den Wagen zu beschädigen. Vom Gequietsche meiner Beifahrerin mal ganz abgesehen. Also umdrehen und zurück.

Was steht noch auf der ToDo-Liste? Da hätten wir den Little Wildhorse Canyon, der sich etwas nördlich des Gobelin Valley State Parks inmitten der San Rafael Swell befindet.

Es handelt bei ihr um eine beeindruckende, abgelegene Wüstenlandschaft mit tiefen Canyons, zerklüfteten Felsformationen, Hochebenen und Plateaus. Die Region ist etwa 120 Kilometer lang und 65 Kilometer breit und entstand durch tektonische Kräfte, die die Erdkruste vor Millionen von Jahren aufwölbten.

Wir fuhren also auf der 95 zurück nach Norden, um in Hanksville der 24 Richtung Interstate 70 zu folgen.

Am Statepark bogen wir ab und verließen ihn direkt wieder auf der Wildhorse Road. Die Straße bis zum Trailhead war wider Erwarten komplett asphaltiert, angenehm zu fahren.

Dort parkten schon ein halbes Dutzend Autos. Wir haben Freitag nachmittag und die Familien machen sich auf zu Wochenendausflügen.

Der Trail selbst ist als Rundweg ausgeschildert mit einer Länge von 8 Meilen. Die muss man aber nicht komplett laufen, man darf auch umkehren, es ist keine Einbahnstraße wie bei Ikea.

Zuerst geht es durch ein sandiges Flussbett, bis wir an einem Abzweig nach rechts in den Little Wildhorse Canyon abbiegen.

Hier verengt sich der Weg sehr schnell.

Noch bereitet das Durchkommen keine Probleme.

Aber mit zunehmendem Fortschritt treten die Felswände näher und näher zusammen.

Irgendwann mache ich mir Gedanken um meine Fototasche, die den breitesten Gegenstand darstellt.

Und nach 1,73 Kilomentern beschließen wir dann, umzukehren. Schließlich müssen wir ja auch noch fast zwei Stunden nach Torrey fahren.

Wieder auf der Straße leuchtet eine Bergkette im Osten (vermutlich hinter dem Arches Nationalpark, schon in Colorado).

Im Hintergrund von Hanksville, welches wir erneut durchqueren, ebenfalls ein hohes Bergmassiv, vermutlich der Mt. Pennell mit über 10.000 Fuß Höhe.

Liegt komplett in den Wolken, da wird es ordentlich schneien.

Im schwindenden Tageslicht durchqueren wir erneut den Capitol Reef Park und landen dann bei anbrechender Dunkelheit im Hotel. Was für ein Tag.

13.03.2025 – Hickman Bridge – Burr Trail

Wir haben gut geschlafen, schöne breite Kingsize Betten. Jetzt sind wir gespannt auf das Frühstück. Da wir wie üblich auf den Zimmerservice verzichten möchten, wollen wir das an der Rezeption anmelden. Fehlanzeige. Zur Zeit nicht besetzt. Der einzige Mensch, der vom Hotelpersonal durch die Gänge wuselt, ist der englischen Sprache absolut nicht mächtig. Und mein Spanisch ist leider noch nicht so weit, dass ich ihm so wichtige Dinge wie „no roomservice, please“ verständlich machen kann. Aber der junge Mann ist findig. Warum englisch lernen, wenn es doch ein Smartphone gibt. Wir sprechen ihm unseren Wunsch in den Google Translator und er weiß Bescheid. Geht doch.

Meine Göttergattin hatte mich schon auf ein katastrophales Frühstück hingewiesen. Sie hatte schon viel darüber gelesen. Dagegen gibt es ein Mittel: Weniger lesen. Jedenfalls waren die angebotenen Speisen ordentlich. Es gab zwar weder Rührei noch Schinken oder Patties, aber warme, frisch gekochte Eier und einiges andere, welches schmackhaft satt machte. Der Tag kann beginnen.

Der Blick aus dem Fenster zeigte, dass wir nicht an das Wetter des Vortages anschließen können. Aber für eine Wanderung sollte es reichen. Wir machten uns also auf den Weg in den Nationalpark und legten den ersten Stop am Panoramapoint ein.

Die Sonne wagte sich partiell durch die Wolken und ließ diesen tollen Ausblick zu. Eine halbe Meile weiter liegt dann der Goosenecks Overlook, eine Ansammlung an Flußschleifen, die von dem Aussichtspunkt vollständig eingesehen werden können. Nichts für Menschen mit Höhenangst.

Selbst durch ein Fischeye betrachtet bekommt man nur einen Teil der Schlaufen drauf.

Dramatisch die Wolkenformationen, durch die die Sonne einzelne Felsformationen anleuchtet. Eine wahnsinnige Stimmung.

Aber wir wollen weiter. Nur ein paar Meilen weiter hat das Visitor Center geöffnet und ist personell sehr gut besetzt. Wir erkundigen uns, ob der Trail zur Hickman Bridge begehbar ist und ob die Gefahr von Springfluten besteht. Alles in Ordnung, versichert uns die Dame, wollen wir ihr mal glauben.

Ein paar Meilen weiter liegt links der Parkplatz, noch sind reichlich Plätze frei.  Wir schultern unser Wandergepäck, ich ausnahmsweise mal mit Hoodie angezogen und marschieren los. Ungefähr eine Meile sieht die Trail Info vor, der Anfang steil nach oben.

Die Landschaft ist schon interessant, wirkt ohne Sonne natürlich nicht so wie mit.

Irgendwann stehen wir dann mit einem halben Dutzend Jugendlichen unterhalb dieses imposanten Naturschauspiels und ich turne durch die Felsen, um die Brücke ohne menschliche Beigaben auf die Platte zu bannen.

Nach einiger Zeit ist es mir gelungen und wir machen uns auf den Rückweg.

Dort bewundern wir noch eine Mini-Brücke, die das Wasser in den Fels gewaschen hat.

Zwischendurch beehrt uns die Sonne mit ein paar Strahlen und lässt diese prächtigen Berge im schönsten Licht erstrahlen.

Als wir wieder am Parkplatz ankommen, ist dieser bis auf den letzten Platz besetzt. Glück gehabt. Was machen wir jetzt? Der erste Gedanke war, weiter auf der 24 in Richtung Hanksville zu fahren und dort ein paar der vielen Naturschönheiten zu erkunden. Aber morgen soll das Wetter besser werden. Da ist es dort mit Sicherheit noch toller.

Aber wir können auch auf den Spuren der Vergangenheit wandeln. Wir fahren den Burr Trail.

Am östlichen Ausgang des Parks startet die Notom Road, die weiter nach Süden führt und von der der sogenannte Burr Trail abgeht. Dieser führt nach Boulder und von dort kann man über die Berge nach Torrey zurückkehren.

Der Name Notom stammt von einer (Ghost)-Town namens Notom. Über die Entstehung des Namens ist man sich nicht einig. Eine Vermutung ist, dass dort keine Toms (no-Tom) gelebt haben.

Der Einstieg war schnell gefunden, wir befinden uns außerhalb des Nationalparks, Farmen abseits der Straße prägen im Vordergrund das Landschaftsbild.

Im Hintergrund erhebt sich majestätisch die sogenannte Waterpocked Fold. Es handelt sich dabei um eine große geologische Verwerfung (ein sogenannter Monoklinalfaltenzug). Sie erstreckt sich über etwa 160 Kilometer und ist das zentrale geologische Merkmal des Capitol Reef National Park. Wie man sehen kann, ist von dem bisschen gutem Wetter nicht viel übrig geblieben.

Wir sind optimistisch, dass es eigentlich nur noch besser werden kann und rollen genüßlich mit 40 Meilen/Stunde an den weißen Gesteinsformationen vorbei. Der Verkehr hält sich in Grenzen, uns begegnet gerade ein Dodge Ram.

Dann geht es nach rechts ab zu den Burr Trail Switchbacks. Das sind 4 Haarnadelkurven, die uns direkt über ein solches Bergmassiv führen. Erinnerungen an den Shafer Trail und den Moqui Dugway werden wach.

Der Blick nach unten und zurück alleine lohnt schon die Fahrt über diesen Trail.

Als wir wieder auf gerader Strecke sind, zeigt sich noch einmal kurz die Sonne für ein Foto auf diese tolle Felsmassiv.

Das war es aber auch schon mit der Sonne. Kurz vor Boulder durchqueren wir den Long Canyon,

eine Schlucht, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Dann entern wir auch schon Boulder und legen eine kurze Futterpause auf dem hiesigen Citypark ein. Allerdings im Auto, draußen ist es zu ungemütlich.

Zwischendurch poppen auf unserer Google Maps App Warnungen auf, dass auf unserer Strecke Wintersturm-ähnliche Konditionen auftreten können.

Wird schon nicht so wild werden. Das war der Irrtum des Jahrhunderts. So langsam schrauben wir uns in die Höhe.

Das Schneetreiben ist noch überschaubar, aber wir müssen deutlich höher, auf fast 3000 Meter. Und da gibt es einen tollen Aussichtspunkt, wo man das ganze Land überblicken kann.

Aber meint ihr, wir hätten dort viel gesehen? Uns kamen zwei Schneeräumer entgegen und ich bin ziemlich vorsichtig den Berg rauf- und wieder runtergekrochen. Jedoch habe ich mich in dem Wagen zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Auch den Vierrad-Antrieb musste ich nicht zuschalten. Die Temperatur an der höchsten Stelle war auf den niedrigsten Wert gefallen: 28°Fahrenheit = -2,2°C. Gut, dass ich nicht mit meiner kurzen Hose nach draußen musste. Ich hätte zumindest die Fell-Flip-Flops anziehen müssen.

Wir waren schon ziemlich froh, als wir dann nach Torrey reinrollten und die Temperatur wieder im Plus-Bereich lag. Beim Einparken ein lustiges Detail: So sehen Wassertropfen auf der Rückfahrkamera aus.

Und während ich diese Zeilen schreibe, zieht das Unwetter zu uns nach Torrey runter. Hier der Blick aus dem Hotelzimmer:

Mal sehen, was wir morgen anstellen können.

12.03.2025 – Von St. George nach Torrey

Wir müssen unser gemütliches St. George verlassen. Einerseits hat es noch ein gewisses Kleinstadtflair, andererseits gibt es entlang des Interstate Highways alle großen Geschäfte, die unsereins zum (Über-)Leben braucht.

Und diese besuchten wir auch, um uns mit Vorräten für die nächsten sieben Tage einzudecken. Bei Walmart Gemüse und ein paar andere Sachen und bei Costco noch zwei verschiedene Sorten indisches Curry. Diese hatten wir zu Anfang unseres Urlaubes bei einem der vielen Probierständen angeboten bekommen und befunden, dass sie eine wesentliche Bereicherung unseres Speiseplans wären. Unser dicker GMC bekam noch ein paar Gallonen Sprit spendiert. Wer weiß, wann es wieder so billig wird?

Dann ging es auf den Interstate 15 nach Norden, immer geradeaus, bis wir bei Ausfahrt 95 auf die 20 einbogen und uns dort mit gemütlichen 55-60 Meilen treiben ließen.

Die Landschaft war nicht ganz so eintönig wir auf der Autobahn, als es dann in die Berge ging.

Weiter unten im Tal kamen wir dann auch an ein paar interessanten Felsformationen vorbei, die aber in keinem Führer auch nur erwähnt werden. So ist Utah.

In einem weiteren Tal ein Schild mit der Aufschrift: Butch Cassidy Childhood home.

In diese Hütte war der junge George Leroy Parker alias Butch Cassidy im zarten Alter von 14 Jahren mit seiner Familie gezogen. Wie es zu seiner Wandlung zu einem berüchtigten Verbrecher kam, wurde dort nicht beschrieben.

Aber sein Steckbrief hängt dort zumindest als Kopie aus.

Ein wenig weiter auf der Straße, wir haben mittlerweile auf die 62 gewechselt, fahren wir am Otter Creek Reservoir vorbei. Alle paar Meilen gehen Dirt Roads ab, die zum Wasser führen. Menschen begegnen wir fast nicht.

Schließlich passieren wir der Ortseingang von Torrey und alte Erinnerungen kommen hoch.

Im Chuckwagon Motel hatten wir vor langer Zeit mit meinen Eltern genächtigt. Es war damals (meines Wissens) die einzige Übernachtungsmöglichkeit im Ort. Und die Dusche total undicht. Mittlerweile wurde links neben dem alten Originalgebäude angebaut, was auf eine bessere Qualität hoffen lässt.

Auch haben sich andere Motels und Hotels im Ort breit gemacht. Da es hier kein Best Western gibt, hat uns Karin im Days Inn ein Zimmer geschossen. Dies war das einzige Hotel, welches zum ähnlichen Preis wie die umliegenden Etablissements zusätzlich noch ein (rudimentäres) Frühstück anbot.

Als wir eingecheckt hatten, war die (negative) Überraschung groß. Die Möbel waren fast alle abgestoßen, der Sessel ziemlich verwohnt und aus dem Sofa hing ein Stofffetzen undefinierbarer Farbe raus. Und der Kühlschrank zeigte beim Öffnen eine Pfütze Wasser im Bodenfach. Es sah nicht so aus, als würde er seiner Aufgabe gewachsen sein. Ich wandte mich an den Manager (jedenfalls machte der Typ den Eindruck, als könne er was entscheiden) und der transportierte uns kurzerhand aus einem anderen Zimmer einen anderen Kühlschrank herbei. Das Eisfach war total zugefroren und ihm wollten wir unsere Lebensmittel auch nicht anvertrauen.

Zusätzlich der Zustand des Zimmers? Was tun? Karin schaute sich schon nach einer Alternative im Ort um und ich wurde bei der Rezeption vorstellig, um mich nach der Möglichkeit einer Stornierung zu erkundigen. Von den drei Tagen hätten sie uns zwei erlassen. Als ich mit der besten Hotelbucherin von allen unsere Chancen durchging, war sie nur einen Klick von einer Neubuchung entfernt. Da klopfte es an der Türe und der Manager bot uns ein anderes Zimmer an: Die Königssuite mit einem funktionierenden Kühlschrank.

Das Zimmer selbst machte einen deutlich anderen Eindruck, fast ein Ballsaal und wir ließen uns zum gleichen Preis wie vorher darauf ein. Einen Ess- und Arbeitstisch habe ich auch dazubekommen.

Nachdem alles im Kühlschrank verstaut war, wollten wir noch ein wenig vom Park genießen, denn das Wetter war zumindest heute noch blendend.

Im frühen Nachmittagslicht liegen auf dem Weg in den Park die roten Felsen leuchtend vor unserer Nase.

Da muss man einfach ab und zu einen Fotostop machen.

So auch hier am Visitorcenter. Vermutlich waren den Sparmaßnahmen der aktuellen Regierung vernünftige Öffnungszeiten zum Opfer gefallen, denn um 16.30 war alles dicht, auch die Toiletten.

Wir ließen uns davon nicht abhalten, Karten konnten wir einem Ständer entnehmen und machten uns auf den Scenic Drive nach Süden.

Dieser ist ganz frisch asphaltiert, ein Fortschritt zu früheren Besuchen, da gab es nur eine Dirt Road.

Wir durchqueren viele Washes, diesmal alle trocken, bis wir zur Capitol Gorge gelangen. Hier machen wir eine kurze „Mittagspause“, seit dem Frühstück gab es nur eine Banane und ein paar Erdnüsse. Der Wind fegt ordentlich durch die Schlucht und wir müssen aufpassen, dass uns nicht das Brot vom Teller geweht wird.

Die Gorge selbst kann man mit dem Auto befahren (und bei Regen mit dem Kanu passieren).

Ein vor uns fahrendes Auto wirbelt ordentlich Staub auf und ich komme mir vor wie im Antelope Canyon.

Wieder auf der „Hauptstraße“ auf dem Rückweg steht die Sonne ein wenig tiefer und die Felsen sehen auch von der anderen Seite betrachtet nicht weniger schön aus.

Wir müssen leider immer wieder Stops einlegen, weil man diese Landschaft einfach nicht unfotografiert lassen darf.

Zum Glück ist kaum Verkehr oder es gibt passende Turnouts, an denen ich kurz aus dem Wagen springen und ein Foto machen kann.

Dann erreichen wir wieder die Durchgangsstraße (die 24) und fahren auf ihr in Richtung anderer Parkausgang im Osten.

Wir erinnern uns daran, dass es dort in einem Bachbett eine Art Rutsche gab, die unsere Kinder mit großer Freude runtergerutscht sind.

Diese ist auch noch da, wie man sieht. Aber eine massive Leitplanke und ein ebenso massives Verbotsschild hält jetzt die Leute davon ab, hier dem Freizeitvergnügen nachzugehen.

Wir befinden uns mittlerweile wieder auf dem Rückweg zum Hotel und die Sonne erleuchtet nur noch die Spitzen der weißen Berge.

Rechter Hand liegt das Fruita Schulhaus, eines von vielen historischen Gebäuden, die vor dem Verfall gerettet wurden. Aktiver Schulbetrieb findet hier meines Wissens nicht mehr statt. Im Gegensatz zur Gifford Homestead, wo (wenn es denn noch genug Personal gibt) aktiv Brot gebacken wird. Auch die Obstplantagen werden aktiv bewirtschaftet.

Wir haben das Visitorcenter und den Eingang zum Scenic Drive passiert und erfreuen uns am Glühen der Berge im Sonnenuntergang.

Schließlich drehen wir in westliche Richtung auf der 24 ab und rollen im Sonnenuntergang nach Torrey rein.

Heute gibt es frisch gekochte Kartoffeln mit Erbsen und Chicken Vindaloo. Sehr angenehm gewürzt und genau das richtige für einen tollen Tagesausklang.

11.03.2025 – Elephant Arch

Heute wenden wir uns einem Trail zu, der uns bisher unbekannt war. Auch sonst dürfte er nicht die Bekanntheit eines Zion National Parks haben.

Er liegt mit dem Auto nur eine Viertelstunde von unserem Hotel entfernt. Man verlässt den Interstate 15 auf der Main Street und fährt in ein Wohngebiet rein.

Am Ende der Main Street biegt man nach links auf den Washington Parkway ein. Der ist so neu, dass Google Maps ihn noch als Dirt Road darstellt. Nach maximal 100 Metern biegt nach rechts eine Art Feldweg ab, den wir ohne Navi nicht als solches identifiziert oder benutzt hätten. Der Zustand ist auch stellenweise recht rauh, aber durchaus befahrbar. Dann versperrt uns ein mit mehreren Vorhängeschlössern verriegeltes Gatter den Weg. Ich kombiniere goldrichtig, dass wir ab hier laufen dürfen.

Wir befinden uns mitten in der Pampa mit Blick auf eines der vielen neuen Wohngebiete, die in und um St. George wie Pilze aus dem Boden schießen.

Das Gatter hat einen Einlass, z.B. auch für Pferde und eine Karte zeigt uns, wo uns Alltrails auch hinlotsen würde. Gut, dass sich beide einig sind.

Es geht über eine breite, aber sandige Dirt Road in Richtung der Berge. Das ist viel versprechend.

Schließlich landen wir in einem Flussbett, dem Bone Wash. Ob wir hier viele Knochen finden? Die Felsformationen am Rand lassen nur erahnen, mit wieviel Kraft und Ausdauer das Wasser in den vergangenen Jahrmillionen den Sandstein zu diesen Formationen ausgewaschen hat.

Nach ca. 2,3 km gabelt sich der Weg, Schilder weisen auf den nach links abgehenden Bone Wash hin, rechts geht es zur Elephant Arch.

Die Auswaschungen werden immer abenteuerlicher.

Dann plötzlich Steinhaufen in unkoordinierten Positionen. Was will uns das sagen? Haben hier steinzeitliche Bewohner Kunst im Bachbett aufgestellt?

Vorsichtig bewegen wir uns da durch und stapfen langsam in die Höhe. Laut Alltrails steht uns eine Höhendifferenz von 100 Metern bevor. Meiner Göttergattin wird schon leicht flau.

In diesem Felsengewirr muss irgendwo die Arch liegen. Werden wir sie finden? Werde ich sie mit meiner Fantasielosigkeit überhaupt erkennen? Oder muss ich auf ein Trörö des Elefanten warten, damit meine Aufmerksamkeit in die richtige Richtung gelenkt wird?

Aber alles halb so wild. Auf der rechten Seite des obigen Fotos erkennt man eine Einbuchtung der Felsenkulisse. Und kurz unterhalb des tiefsten Teils ist ganz deutlich (auch für mich) die Arch zu erkennen.

Kurz vorher machen wir zu zweit Halt und ich mache mich alleine auf den Weg nach oben, ohne zu wissen, ob ich da wieder runter komme. Im Notfall mit der Textil- oder Vierpunktbremse.

So also sieht die Arch von der einen Seite aus. Wieder unten (ein anderer Weg erschien mir sicherer als rauf) gibt es noch ein Foto von der anderen Seite und wir haben genug gearcht.

Bisher waren wir auf der ganzen Strecke alleine, was das Fotografieren erheblich vereinfacht hat.

Auf dem Rückweg begegnen wir an der Gabelung zum Bone Wash noch einer Familie mit zwei kleinen Kindern und versuchen, deren Begeisterung für die tolle Formation und abenteuerliche Kletterei zu wecken. Sie sahen so aus, als hätten sie es nötig.

Ein kurzer Abstecher in den Bone Wash gibt uns als kostenloses Add-On einen kleinen Slot-Canyon dazu und dann geht es endgültig zurück.

Es ist mittlerweile gemütlich warm geworden und man kommt sich in der Weite des Flussbettes ein wenig einsam vor.

Dann auf dem Boden Hufspuren. Da kann ich endlich mal meine im Online-Kurs „Spurenlesen für Anfänger“ erworbenen Kenntnisse anwenden. Ich kombiniere haarscharf: Das Pferd hat einen ca. 85 kg schweren Mann getragen, der auf der linken Seite des Sattels eine schwere Wasserflasche angeschnallt hatte. Das Pferd war eine 3 Jahre alte Stute, welche vor 3 Monaten gefohlt hatte.

Und schon sind wir wieder am Wagen zurück. Das Wetter ist langsam zugezogen, der Wetterbericht hatte leider Recht.

Ich gebe den nächsten Ross-Store ins Navi ein, da uns dieser Laden noch in unserer Sammlung fehlt. Und die beste Shopperin von allen enttäuscht die Angestellten nicht.

Direkt nebenan gibt es noch eine Boot Barn, mein Lieblingsladen, den ich so leerkaufen könnte. Allein meiner außergewöhnlichen Körperbeherrschung ist es zu verdanken, dass ich mit nur einem Hemd vom Sonderangebotsständer wieder rauskomme.

Bevor es wieder nach Hause geht, machen wir noch einen Spaziergang durch den Pioneer Park. Dies ist ein wunderschöner kleiner botanischer Garten mit den Wüstenpflanzen, die hier gedeien. Der Eintritt ist frei und es macht Spaß, einfach mal durch den Canyon zu flanieren.

Oder trockenen Fußes die Wasserläufe zu überqueren.

Oder einfach nur die Flora aus der Nähe zu betrachten.

Dann auf dem Weg ins Hotel ein letzter Stop an einem Parkplatz an der roten Klippe oberhalb von St. George.

Deutlich kann man auf mittlerer Höhe auf der linken Seite mit dem roten Dach unser Hotel sehen und im Hintergrund weiter rechts ganz in weiß der Mormonentempel.