28.09.2025 – Whidbey Island, 1. Tag

Wir befinden uns auf Whidbey Island.

Mit ca. 90 km Länge ist es die größte Insel im Bundesstaat Washington und eine der größten Inseln der USA. Sie ist bekannt für ihre landschaftliche Vielfalt: Strände, Wälder, landwirtschaftliche Flächen und kleine Küstenstädte und ist beliebt bei Künstlern, Naturliebhabern und für Wochenendausflüge von Seattle (wie wir im Laufe des Tages noch sehen werden). Auffällig für mich waren beim Überfahren der Insel folgendes: Es gibt (für meinen Geschmack) überdurchschnittlich viele rechtwinklige Kurven. Warum das so ist? Keine Ahnung. Und es gibt (das ist meiner Göttergattin auch aufgefallen) überdurchschnittlich viele hübsche und gepflegte Häuser, die auf recht großen Grundstücken schön verteilt in der Landschaft rumstehen.

Unser heutiges Pensum beinhaltet den nördlichen Teil der Insel, beginnend beim Deception Pass. Dies ist eine enge Meerenge zwischen Whidbey Island und Fidalgo Island, bekannt für ihre markanten, türkisfarbenen Strömungen und die imposante Deception Pass Bridge (erbaut 1935).

Vor dem Bau der Brücke gab es nur Fährverbindungen vom Festland. Auf Drängen der Anwohner wurde im August 1934 mit dem Bau der Brücke begonnen und in ca. 12 Monaten wurde sie fertig gestellt.

Sie besteht eigentlich aus zwei Teilen, einmal die Überquerung des Desception Pass selbst (281 m) auf das sogeannte Pass Island und eine kleinere Brücke, welche das Pass Island mit dem Fidalgo Island verbindet (163 m). Die Baukosten damals betrugen rund 482.000 USD und der Bau wurde als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeführt. Man kann die Straßenseiten unterhalb der Brücke unterqueren und bequem zu Fuß auf die andere Seite laufen. Diese Unterquerung ist auch notwendig, da ein nie abreißender Strom von Autos die Brücke überquert. Nicht auszudenken, was passiert, wenn diese Hauptverkehrsader einmal stillgelegt werden muss.

Dabei bietet sich von der Brücke als auch vom Rand ein atemberaubender Ausblick nach Westen auf den Puget Sound und Vancouver Island.

Wir stellten unseren Wagen am Deception Pass State Park unten in der Nähe des Wassers ab und stapften die ca. 50 Meter zur Brücke rauf. Diese überquerten wir (zumindest ich) lockeren Fußes, obwohl man immer wieder entgegenkommenden Spaziergängern ausweichen muss. Und ihr könnt mir glauben, da ist nicht wirklich viel Platz.

Oben gibt es riesige Rhododendron-Bäume mit einer roten Rinde, hatten wir noch nie vorher so gesehen.

Den Namen hat der Pass übrigens von George Vancouver (s. auch Vancouver Island), der durch die Schärenlandschaft segelte und der Meinung war, dass es sich bei Whidbey Island um das Festland handelte. Der Name „Deception“ („Täuschung“) entstand, weil Vancouver sich getäuscht fühlte. Erst durch die Entdeckung des schmalen Durchgangs durch seinen Offizier Joseph Whidbey stellte sich heraus, dass es sich um eine Insel handelt.

Um die Brücke in ihrer vollen Schönheit zu sehen, muss man in einen anderen Teil des State Parks fahren und hat dann von einem der Strände folgenden Ausblick.

Das Wetter war bisher eher durchwachsen, aber die Sonne traute sich etwas heraus. Unser nächstes Ziel war der sogenannte Ala-Split. Hat nichts mit dem Eis von Langnese zu tun, ist einfach eine Landzunge im Nordosten der Insel, welche sich durch die Gezeiten ab und zu verändert.

Sieht schön aus, und es ist nicht viel los hier. Wie auch an allen anderen Stellen, die wir zum Rest des Tages besuchten, nicht viel Touristenverkehr zu bemerken war. Und das an einem Sonntag Nachmittag.

Uns zog es weiter in das Städchen Coupeville (benannt nach dem Ehepaar Coupe). Es handelt sich dabei um die zweitälteste Stadt im Bundesstaat Washington (gegründet 1852) und ist bekannt für historische viktorianische Häuser und die malerische Waterfront.

Im Endeffekt ist es eine Kleinstadt mit charmantem, historischem Charakter und regelmäßigem Kunst- und Kulturangebot, welche vom Tourismus lebt.

Und für die Mediziner unter den geneigten Lesern: So sieht eine Meerjungfrau von innen aus.

Nicht weit entfernt von Coupeville liegt der Price Sculpture Forest. Der Park war ursprünglich das Grundstück von Scott Price. Er hat daraus einen kostenlosen Skulpturenpark gemacht. Man kann auf einem einen Kilometer langen Rundweg diverse Kunstinstallationen bewundern. Zu jeder Skulptur gibt es zumindest einen Namen.

Viele der Objekte sind dadurch leicht verständlich.

Der herabstürzende Adler wäre auch ohne Schild zu verstehen gewesen, ebenso der Thyrannosaurus Rex. Der Typ in seinem Mund stand nicht auf dem Schild. Und ich bin froh, dass er nicht zugebissen hat.

Auch ein Baby-T-Rex kann einem den Tag versauen.

Bei manchen Installationen steht man vor dem Schild und fragt sich: Was will uns der Künstler damit sagen?

Als letztes Ziel visierten wir an der Westküste den Fort Ebey State Park an, etwa 5 km westlich von Coupeville.

Das Fort wurde ursprünglich 1942 während des Zweiten Weltkriegs als Küstenverteidigungsfort errichtet.

Heute ist es ein State Park mit Wanderwegen, Picknickplätzen, Camping und alten Militärbunkern, die man besichtigen kann. Und natürlich auch für spektakuläre Ausblicke auf den Puget Sound und die Olympic Mountains.

Den ersten Stop machten wir an einem tiefergelegenen Teil des Parks, so dass wir bequem zum Strand laufen konnten.

Aber uns erschien es verlockender, an einem höhergelegenen Punkt auf den Sonnenuntergang zu warten.

Während sich die Sonne langsam zum Horizont zuneigte, saßen wir einfach nur auf einer Bank und schauten nach Westen. Hier zeigen sich im Nebel die Berge der Olympischen Halbinsel, uns gegenüber liegt vermutlich Sequim.

Ein Kreuzfahrtschiff zog von Seattle aus Richtung offenes Meer, die Wolkenformationen wurden immer schöner. Obwohl Linsenwolken ja eigentlich schlechtes Wetter verheißen.

Ob das wahr ist? Jedenfalls war die Sonne am Horizont hinter den Wolken verschwunden und strahlte die im Vordergrund liegenden von hinten an. Eine herrliche Stimmung und wir saßen auf unserer Aussichtsbank total alleine.

Einzig eine Fotografin mit ihrem Model versuchte, das Licht auszunutzen. Nicht meine Baustelle. Nicht heute.

Als das Licht dann nichts mehr hergab, brauchten wir ca. 20 Minuten nach Hause. Es gab Tikki Masalla mit Nudeln. Lecker.

27.09.2025 – Von Dupont nach Oak Harbour

Habe heute morgen auf meiner Bank-Abrechnung nachgesehen wegen der gestrigen Zahlung bei Costco mit meiner EC-Karte: Für 200 USD wurden mir 171,44 Euro abgezogen. Als ich vor etwas über einer Woche 200 USD in bar am Automaten von Bank of America abgeholt hatte, wurden 171,51 Euro abgezogen.

Aber das nur nebenbei. Der Plan für heute sieht vor, dass wir unsere nächste Nacht in Oak Harbour auf Whidbey Island verbringen. Wir befinden uns ganz im Süden des Puged Sounds und müssen auf die mittlere Höhe hoch, so auf den Breitengrad von Vancouver Island in Kanada. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste und (ohne Staus) die schnellste wäre es, durch Seattle nach Norden zu fahren und über Anacortes und den Deception Pass die Insel mittels Brücken zu betreten. Einfach, aber langweilig.

Wir entschieden uns daher für die westliche Route über Olympia ganz im Süden des Sounds und dann auf der 101 nach Norden am Hood Canal vorbei, um in Port Townsend auf die Fähre zu fahren – wir erinnern uns, mit im Wagen sitzt die Fährenspezialistin – und in Coupeville an Land zu gehen und unser Hotel aufzusuchen. Und wie könnte ich einer Fährenspezialistin reinreden? Hat das schon jemand versucht? Und überlebt?

Der Start begann damit, dass ich Gasbuddys befragte, ob es eine Tankstelle billiger als Costco gäbe. Mir wurde der Nisqually Market auf dem Weg vorgeschlagen, 10 Cent billiger als Costo. Aber dort mussten wir trotzdem noch einmal rein, ein Brot holen und die neue Wintercollection inspizieren. Es lohnte sich für Costco.

Und da nebenan sowohl ein Ross als auch eine Boot Barn lagen, beschlossen wir, auch diese Läden um einige Artikel zu erleichtern. Ok, für mich hatte ich es eigentlich nicht beschlossen, aber durch Zufall geriet ich in die Hutabteilung und der erste Stetson, den ich mir aufsetzte, passte. Nun ist es bei Hüten so, dass sie wirklich exakt passen müssen. Da kann man kein Gewinde am Kopf nachfräsen oder das Kleidungsstück ausweiten. Er passt und steht einem oder er tut es nicht.

Die beste Shopperin von allen hatte bei Ross ebenfalls mächtig abgeräumt. Unter anderem landete ein weiterer Koffer im Einkaufswagen. Den werden wir voraussichtlich auch brauchen.

Aber jetzt können wir uns endlich auf Sightseeing bzw. die Reiseroute machen.

Als wir vorgestern an Olympia vorbeifuhren, war mir das Kapitol aufgefallen. Das wollte ich unbedingt noch sehen. Also nahmen wir den kleinen Umweg in Kauf und schauten uns kurz von außen das Gebäude an.

Der Blick von dort ist für die Regierungsbediensteten auch nicht ohne, der Puget Sound ist einfach schön.

Nun ging es entgültig auf die Reise. Am Wegesrand entlang der 101 liegen einige Parks und Naherholungsgbiete. Wir pickten uns fürs erste die High Steel Bridge an der Forest Road 2340 heraus. Früher eine Eisenbahnbrücke, jetzt für den Autoverkehr umgebaut, überspannt sie eine tiefe Schlucht.

Man rechnet hier nicht mit viel Verkehr, denn die Sicherungsmaßnahmen (Geländer etc.) sind marginal bis nicht vorhanden.

Wenn man einen Waldweg ein paar hundert Meter reinläuft, bekommt man diese Ausblicke.

 

An der Brücke selbst sieht man nicht viel von ihr, aber ein bisschen von der Struktur kann man schon erkennen.

Weiter sollte man auf den Trampelpfaden nicht runterklettern, wenn man nicht von der Feuerwehr ganz oder in Stücken gerettet werden möchte, wie kürzlich geschehen.

Der Weg zur Brücke und auch wieder zurück führt durch Farmland, Zeitzeugen wie dieser ehemalige Baum erzählen von Waldungen.

Dieses hübsche Feuerwehrauto gehört eigentlich in ein Museum.

Über eine kleinere Brücke fahrend schauen wir in einen Birkenwald, der sich direkt am Flussufer niedergelassen hat.

Auf der Hauptstraße zurück fangen unsere Mägen an zu knurren und wir lassen uns am Potlatch State Park zu einer Mittagspause nieder. Der Ausblick auf den Puget Sound wirkt sehr beruhigend und wir würden gerne länger hierbleiben.

Aber die Sehnsucht – und die noch vor uns liegende Fahrstrecke – treibt uns weiter, bis wir schließlich in Port Townsend einfahren.

Eine wirklich hübsche Stadt, der wir bisher leider keine Beachtung geschenkt haben.

Das sollten wir, so wir denn erneut hierhin kommen, unbedingt nachholen.

Wir gondeln also gemütlich an den alten Häusern vorbei bis zum Ferry Terminal, diesmal mit der festen Absicht, unsere Fähre wirklich zu bezahlen. Und es gibt auch ein Tickethäuschen, die Dame knöpft uns Senioren insgesamt 18,10 USD ab und wir reihen uns auf einem der wenigen noch nicht reservierten Plätze in die Schlange ein. Kaum eine Viertelstunde warten wir und schon werden wir eingeschifft. Eng an eng stehen die Autos auf dem Schiff und wir haben Probleme, die Türen zu öffnen und auszusteigen.

Aber auf dem Oberdeck genießen wir dann für eine halbe Stunde die Seeluft und den Ausblick.

Der Begriff Wasserstraße bekommt angesichts der Info in Google Maps eine durchaus passende Bedeutung, wird der Highway 20 doch von Port Townsend über Coupeville weitergeführt.

Das Ausschiffen geschieht genauso unspektakulär wie das Beladen und wir reihen uns in die an Land strebenden Fahrgäste ein. Das Hotel ist nach einer halben Stunde Fahrt gut gefunden. Leider ist das Upgrade nicht verfügbar, am Wochenende ist hier einfach zu viel los.

Die Dame an der Rezeption berät uns, wie wir am besten den Abend verbringen können: Der Westcoast Park seit geeignet, um mit dem Wagen auf den Strand zu fahren. Das klappte bei Flut nicht, aber wir konnten sehr nah am Wasser den frühen Abend verleben.

Die Häuser, die etwas im Hintergrund zu sehen sind, müssen auch bei etwas höherer Flut damit rechnen, nasse Füße zu bekommen.

Schließlich ist die Sonne hinter den Wolken verschwunden und wir schauen kurz im Grocery Outlet vorbei, um uns für die nächsten Tage mit Lebensmittel einzudecken.

26.09.2025 – Mount Rainier – Paradise

Fürs Protokoll: Ich war gestern noch im Whirlpool, aber die Sprudelanlage funktionierte leider nicht. Egal. Dafür hatten wir ein gutes Frühstück. Das ganze Hotel macht einen sehr guten Eindruck, es könnte in meinen Augen ein Best Western Plus sein. Auf unsere Frage an der Rezeption, warum das nicht so ist, wurde uns geantwortet, dass Gaststätten nicht nahe genug vorhanden seien. Unergründlich sind die Wege des Herrn.

Für die Fahrt zum Mount Rainier National Park hatte uns Google Maps eine Fahrzeit von 2 Stunden und 8 Minuten ausgerechnet, fast 80 Meilen. Da tanken wir vorher. Ein Costco liegt auf dem Weg in Lacey. Wir laden unsere Membership Karte auf und ich versuche, ausnahmsweise mit meiner EC-Karte zu bezahlen, um die Gebühren von VISA zu sparen. Es klappt. Schauen wir, was die Abrechnung hinterher sagt. Die Gallone kostet „nur“ 3.999 USD, für Washington erstaunlich wenig.

Wir durchqueren diverse Städte und Nester, unter anderem auch die Nisqualli Indian Reservation. Und dort wird der Sprit 10 Cent billiger angeboten.

Auf dem weiteren Weg kommen wir durch Farmland und Wälder, unter anderem passieren wir den Alder Lake. Hier bietet sich ein erschreckender Anblick: Der ursprüngliche Wasserpegel ist stark gesunken und hunderte Baumstümpfe ragen wie Mahnmale aus dem Seeboden hervor.

Einige Meilen später stehen wir im Stau: wir sind am Eingang des Nationalparks angekommen. Geschätzt 20 Minuten später sind wir da durch.

Es sind noch weitere 15 sehr kurvige Meilen bis zum Paradise Parkplatz, der nach den Schildern am Wegesrand schon komplett voll ist.

Wir ignorieren diese Information genau wie alle anderen Viewpoints, die am Wegesrand liegen. Auch der Mount Rainer interessiert uns zu diesem Zeitpunkt primär nicht. Wir wollen nur vor allen anderen einen Parkplatz bekommen.

Und schon nach 15 Minuten geduldigen Wartens erbarmt sich ein Besucher und macht eine Parklücke frei. Endlich. Denn unsere Blasen haben schon vor einiger Zeit angekündigt, dass sie einer Entleerung bedürfen. Die normalen Toiletten sind alle geschlossen, aber die Dixi-Klos sind ziemlich sauber.

Wenn das auch für den Ausblick gelten würde. Der von der Straße zu Anfang noch recht gut zu sehende Berg liegt jetzt komplett in den Wolken, man kann nicht einmal ahnen, wo die Spitze ist oder ob er überhaupt eine hat. Und wir haben nach Angaben der Parkverwaltung nur zwei Stunden, die wir auf dem Parkplatz stehen dürfen…

Wir informieren uns über die Trails, derer es viele gibt und entscheiden und für die Myrtle Fall.

Mittlerweile sind die Blaubeerbüsche in ein herrliches Rot getaucht und trösten uns darüber hinweg, dass der Berg zwar ruft, aber sich nicht sehen lässt.

Dieser und auch alle anderen Wanderwege sind gelinde gesagt sehr gut besucht, die am meisten zu hörende Sprache ist indisch.

Endlich stehen wir vor dem Fall und machen die obligatorischen Fotos. Auf dem Rückweg entschließen wir uns zu einer kurzzeitigen Trennung, Karin hat ein wenig mit der Höhe zu kämpfen und legt auf einer Bank eine Pause ein. Ich lasse die Kameratasche bis auf eine Kamera bei ihr und mache mich auf den Weg zum Alta Vista Summit. Wie der Name sagt, handelt er von großer Höhe. Zuerst geht es steil bergan, dann wird es von einem steileren Stück abgelöst, um dann erheblich steiler fortgeführt zu werden.

Auf dem Summit reißt der Himmel etwas auf und gibt ein wenig von diesem großartigen Berg frei. Das hatte sich wohl rumgesprochen, denn auch ein Murmeltier steckte den Kopf raus.

Ich machte mich wieder auf den Weg nach unten über einen anderen Weg und erhielt von der besten Bärenkennerin von allen die Nachricht, dass bei ihr ein Bär wäre. Gut, ich war noch nie so schnell einen Berg runtergegangen, aber die Bärin mit ihren zwei Kindern war schneller. Karin konnte sie zumindest mit dem Handy einfangen. Und dazu fällt dann der passende Joke ein: Was machst Du, wenn ein Bär Deine Frau angreift? Nichts. Er hat sie angegriffen, soll er sich auch selbst verteidigen.

In der Hoffnung, sie erneut zu sehen, marschierten wir ein Stück des Skyline Trails entlang, natürlich ohne auch nur den Hintern eines pelzigen Freundes mitzubekommen.

Dafür hatte sich und der Mount Rainier von seinen Wolken befreit und lag im allerschönsten Nachmittagslicht vor uns.

Auf dem Weg nach unten kurz vor dem Visitorcenter plötzlich eine große Menschentraube: Bärensichtung. Und da war Mama Schwarzbär und graste mit ihren Sprösslingen die Blaubeerfelder ab. Leider noch recht weit entfernt, aber möchtet ihr beim Essen gestört werden?

 

Dann verschwanden sie im Gebüsch und die Stalker auf den Wanderwegen.

Der Berg, der bei unserer Ankunft so gut wie nicht zu sehen war, zeigt sich zum Abschied in voller Größe und Schönheit.

Die erlaubten zwei Stündchen auf dem Parkplatz haben wir bei Rückkehr um 1 Stunde und 10 Minuten überschritten. Zum Glück hat es keine Konsequenzen.

Jetzt nur zwei Stündchen nach Hause fahren. Das wäre schön. Einen Stop müssen wir noch einlegen, und das sind die Narada Falls.

Die Fahrt geht zwar kurvenreich, aber ohne Zwischenfälle über die Bühne. Ich tippe am Handy wieder einen großen Teil dieses Textes. Aber auf den letzten 4 Meilen erwischt uns auf dem I5 ein Stau, der uns locker eine halbe Stunde kostet. Also nicht viel anders als in Deutschland.

Und schon ist wieder ein toller Tag rum, der so ganz anders geendet als er begonnen hat.

 

 

25.09.2025 – Von Portland nach Dupont

Schade, dass wir das Hotel in Portland verlassen müssen. Das Frühstück war schon ein bisschen besser als das der meisten anderen BW-Hotels. Aber so ist das Leben.

Heute geht es nach Dupont, einer kleinen Stadt am südlichsten Ende  der Wasserwelten, die die SeaTac-Gegend so attraktiv und lebenswert machen. Nur wenige Meilen südöstlich liegt die Hauptstadt Washingtons, Olympia.

Wir hatten uns für diese Stadt entschieden, weil wir auf relativ kurzem Weg morgen in den südlichen Teil des Mount Rainier National Parks fahren wollen. Und auf dem Weg von Portland konnten wir eine Tour zum Mount St. Helens unternehmen, zur Johnson Ridge.

Gestern hatten wir vorgehabt, in den Südteil, zur Windy Ridge und dem Spirit Lake zu fahren, hatten dieses Vorhaben aber fallengelassen, weil uns Google Maps die wichtigste Straße als gesperrt anzeigte.

Heute wird das Johnson Ridge Observatory auch geschlossen sein, aber wir werden bis auf 8 Meilen herankommen und hoffentlich auch so schon tolle Blicke auf den aktiven Vulkan haben. Das Observatorium hatte ich ins Navi eingegeben, aber Maps hat im Augenblick seine eigenen Vorstellungen, was die Fahrwege betrifft. Es wollte uns ein paar Ausfahrten vorher vom I5 runterlotsen, was wir natürlich nicht tolerieren konnten.

So kamen wir dann auf die 504 und stießen relativ schnell auf ein Visitor-Center, welches uns mit allen möglichen Informationen zu dem am 18.05.1980 erfolgten Ausbruch versorgte. Unter anderem mit der Info, dass die Straße, die wir gestern fahren wollten und die uns Google Maps als gesperrt zeigte, seit dem Wochenende doch wieder geöffnet sei.

Bereits im März 1980 begann eine Phase erhöhter seismischer Aktivität und sichtbarer Deformationen (ein „Bulge“ an der Nordflanke wuchs mehrere Meter pro Tag). Zunächst ereignete sich ein Erdbeben (Magnitude 5,1), das einen gewaltigen Bergsturz auslöste – der größte jemals dokumentierte in historischer Zeit. Danach folgte eine seitliche Explosion. Die Druckentlastung führte zu einer plinianischen Eruption, bei der die Asche bis zu 24 km in die Atmosphäre geschleudert wurde. Riesige Pyroklastische Ströme verwüsteten die Umgebung. Rund 540 Millionen Tonnen Asche wurden ausgestoßen und über weite Teile Nordamerikas verteilt. Der Gipfel verlor etwa 400 Meter an Höhe (vorher 2.950 m, nachher ca. 2.550 m). 57 Menschen starben, dazu zehntausende Tiere. Die wirtschaftliche Schäden beliefen sich auf  schätzungsweise über 1 Milliarde US-Dollar (damals).

Der Ausbruch gilt als einer der bestuntersuchten vulkanischen Prozesse weltweit und wird oft als Lehrbeispiel für Gefahren durch explosive Vulkane herangezogen.

Am Visitor Center selbst merkten wir, dass der Herbst langsam Einzug hält. Die ersten Blätter färben sich herrlich bunt.

Auf dem weiteren Weg stießen wir auf einen Abzweig, der zu einer „sediment retention structure“ führte. Was ist das? Wir machten uns kundig:

 

Beim Ausbruch des Mount St. Helens stürzte ein Großteil des Berges ein und löste riesige Erdrutsche, Lahare (Schlammströme) und spätere Sedimentbewegungen aus. Diese Massen flossen vor allem in den Toutle River, der wiederum in den Cowlitz River und dann in den Columbia River mündet.

Die enormen Mengen an Asche, Sand und Geröll bedrohten Schifffahrtswege im Columbia River, Stauseen und Infrastruktur wie Dämme. Ohne Gegenmaßnahmen hätten die Ablagerungen die Wasserwege stark verlandet und Überschwemmungen begünstigt. Daher wurde 1987 die Sediment Retention Structure (SRS) am North Fork Toutle River gebaut – ein 56 Meter hoher Erddamm mit Durchlass.

Er hält den Großteil des vom Mount St. Helens kommenden Sediments zurück und verringert die Sedimentlast im Columbia River und schützt so Häfen, Schifffahrtswege und Gemeinden.

Ursprünglich war er ausgelegt, um rund 200 Millionen Kubikmeter Sediment zurückzuhalten. Über die Jahrzehnte hat sich die Struktur teilweise gefüllt, weshalb wiederholt Maßnahmen wie Dammaufschüttungen oder neue Abflussrinnen nötig waren. Die SRS beeinflusst auch die Fischwanderung (z. B. von Lachsen), weshalb ergänzende Fischtreppen und Managementprogramme eingerichtet wurden.

Die SRS ist eine gigantische Sedimentfalle, die seit den 1980ern entscheidend dabei hilft, die Folgen des Mt.-St.-Helens-Ausbruchs für Flüsse, Häfen und Siedlungen in der Region zu begrenzen.

Das alles hatten wir nicht gewusst. Auf dem weiteren Weg – es sind ca. 40 Meilen bis zum Ende der Straße – begegneten uns immer wieder Lastwagen, die mit Baumstämmen beladen waren, Log-Trucks. Sie stammen von der Firma Weyerhaueser, die seit Jahrzehnten die Holzindustrie in dieser Gegend betreibt. Immer wieder sieht man Schilder die besagen, dass die Wiederanpflanzung z.B. 1999 an der Stelle begonnen hat.

Die Straße ist sehr gut ausgebaut, was die Trucker natürlich freut, aber sie wurde hauptsächlich für die Besucher der Johnson Ridge gebaut und führt über einige tolle Brücken, von denen die Hoffstadt Creek Bridge die schönste ist.

An einem weiteren Visitor Center machten wir ebenfalls Halt und bekamen von einem freiwilligen Helfer Informationen zum Ausbruch des Vulkans. Er war selbst früher als Holzarbeiter tätig und konnte viele Geschichten erzählen. Aber auch einige Besucher kamen aus der Gegend und hatten entweder selbst oder durch Freunde und Verwandte den Ausbruch miterlebt.

Das Tal, durch welches sich die Schlammlawinen Richtung Küste gewälzt hatten, ist nicht für den Tourismus freigegeben. Unser Erzähler wusste, dass sich die Straßen 30 Fuß, also 10 Meter über der ursprünglichen Straße befinden.

Im Forest Learning Center schauten wir uns auch noch zwei Videos an, eines zum Ausbruch und eines zur Forstwirtschaft in dieser Gegend.

Dann ging es weiter zum Elk Rock Viewpoint. Von jedem dieser Aussichtspunkte sieht man sehr gut den Vulkan, aus jeder Ecke sieht er und auch das Tal anders aus.

Im Hintergrund links liegt der Mount Adams, ein weiterer der Vulkane in dieser Kette.

Wenn man beim Mount St. Helens ein wenig ranzoomt, kann man an der rechten Flanke ab und zu ein wenig Rauch erkennen, der aus den Erdspalten emporsteigt.

Der Weg endet dann am Coldwater Lake, welcher zu diversen Wanderungen einlädt, zu denen wir aber leider keine Zeit hatten.

Aber ein kurzer Abstecher auf die eine der Inseln mit Plankensteg war drin.

Und dass man von hier aus auch einen schönen Blick auf das gefärbte Laub hatte, störte auch nicht.

Man darf aber nicht nur den Blick in die Ferne schweifen lassen, direkt von den eigenen Füßen tummelt sich die einheimische Tierwelt.

Jetzt müssen wir uns aber auf den Weg machen. Ich wollte in Centralia noch in einem Western Store vorbeischauen und dieser machte bald zu. Wir schafften es gerade noch zu Öffnungzeiten, während Karin auf einem Schotterparkplatz parkte, wo sie leicht Zug bekommen konnte. Hoffentlich hat sie das Fenster nicht geöffnet.

Centralia ist ein süßes Nest, hätten wir so gar nicht vermutet. Nach einem weiteren Abstecher in die dortige Outlet-Mall hatten wir für den heutigen Tag genug erlebt und fuhren eine halbe Stunde weiter nach Dupont. Das Hotel sieht sehr neu aus und unser Zimmer hat sogar einen Whirlpool. Vielleicht probiere ich den nach dem Schreiben dieses Berichts noch aus.

24.09.2025 – Mount Hood

Man macht nur einmal einen Plan. Um ihn denn geschwind umzuwerfen. Wir hatten uns in Portland eingenistet, a) weil wir das Hotel kannten und für gut befunden hatten und b) weil wir den Mount St. Helens von der Seite des Spirit Lake besuchen wollten. Das sind immer noch ca. 2 Stunden Fahrt, aber das ist es wert.

Als wir gestern Abend in die Routenplanung einstiegen, um einen Vorgeschmack auf den Weg zu bekommen, stellten wir mit großem Schreck fest, dass die südöstliche Route mehrere Vollsperrungen aufwies. Google Maps in seiner unendlichen Weisheit wusste dies natürlich und schlug uns den Weg nördlich am Vulkan vorbei auf die Südost-Flanke. Zeitbedarf ca. 3 1/2 Stunden. Für jede Strecke. Gut, wir sind ja verrückt, aber so heftig mit dem Klammerbeutel gepudert nun auch wieder nicht.

Was solls, Portland wird als Stadt mit großem Freizeitwert ausgelobt. Schauen wir, ob da was dran ist. Ich wollte mich ein wenig in der Stadt umsehen und so fuhren wir zum sogenannten Overlook-Park, von wo aus man laut dem Netz der Netze einen „tollen“ Überblick auf die Brücken und die Stadt hat. Nun, man hatte einen Überblick, aber auf dem Weg dahin konnte ich die Brücken deutlich besser erkennen.

Deshalb stelle ich lieber diese Fotos zur Ansicht. Vielleicht kommen wir später mal zu einem noch besseren Aussichtspunkt…

Jedenfalls lockte uns das Navi dann in die Innenstadt, vermutlich das Chinatown von Portland, wie man an den hübschen Laternen sehen kann.

Auf dem Rückweg passieren wir wieder den Willamette River, logischerweise wieder unter Zuhilfename einer Brücke.

Das nächste ins Navi eingegebene Ziel war der Store WinCo. Auf dem Weg dahin sahen wir viele interessante Gebäude.

Wer unsere Berichte aufmerksam verfolgt, weiß, dass wir seit langem eine Costco-Karte besitzen, die für den Eintritt dort notwendig ist. Zuerst dachte ich, die beiden gehören irgendwie zusammen, aber das Netz hat mich eines besseren belehrt:

WinCo und Costco gehören nicht zusammen; sie sind eigenständige, konkurrierende Großhandelsketten, auch wenn sie ähnliche Geschäftsmodelle für Großverpackungen und eine lagerähnliche Ladenstruktur verfolgen.

WinCo ist ein unabhängiger Großhändler, der sich auf den Verkauf großer Mengen von Produkten an Privatkunden konzentriert und sich dabei von anderen Einzelhändlern unterscheidet.

Costco ist ebenfalls eine sehr beliebte Großhandelskette mit einem ähnlichen Fokus auf Großverpackungen und einem Mitgliedschaftsmodell, um Kundenbindung zu fördern.

WinCo hatten wir früher schon einmal besucht, aber es war aufgrund anderer Läden etwas aus dem Fokus geraten. Da wir ein bestimmtes Produkt suchten (Soja- oder Mandelmilch mit Vanille-Geschmack) und irgendwo anders nicht genau das fanden, was wir suchten, probierten wir es hier einmal.

In Bezug auf das, was wir suchten, wurden wir auch hier nicht fündig, konnten uns aber einen Eindruck verschaffen, was es alles zu kaufen gibt. Ich hatte noch nie in einem amerikanischen Supermarkt gesehen, dass Lebensmittel in derartigen Bulk-Mengen verkauft werden.

Und das traf nicht nur für Süßigkeiten zu, Reis, getrocknete Waren, Mehl aller Sorten und vieles mehr wurde in großen Fässern zum Selbstabwiegen zu sehr günstigen Preisen angeboten. Als ich wie üblich mit meiner Amex-Karte bezahlen wollte, streikte das Lesegerät. Ebenso bei allen anderen Kredit-Karten. Erst meine EC-Karte wurde problemlos akzeptiert. Offensichtlich nehmen die nur Debit-Karten.

Jetzt geht es aber endlich auf die Straße. Ziel war, wie der Titel schon sagt, der Mount Hood. Theoretisch hätte man einfach die Route 26 nach Südosten fahren können und hätte in max. 1,5 Stunden dort sein können. Aber das wäre zu einfach – und langweilig. Wir setzten uns daher auf den Interstate 84 Richtung Hood River und bogen bei Corbett auf den alten Highway 30 ab. Dort landet man, wenn man den Berg raufgekraxelt ist (mit dem Auto logischerweise), am Portland’s Women’s Forum, einem Aussichtspunkt über die Columbia River Gorge mit dem Crown Point im Vordergrund.

Diesen wollten wir als nächstes besuchen und dem Highway 30 weiter folgen, aber auch hier hinderte uns eine Straßensperre am Weiterkommen.

Also gondelten wir den Berg wieder runter und gaben als nächstes Ziel den Bonneville Dam ein.

Es ist immer wieder schön, hier Pause zu machen, an den riesigen Turbinenanlagen vorbeizufahren

und anschließend die Fischtreppen zu besuchen. Hier waren sogar einige Lachse zu sehen, die sich gerade am Geländer festhaltend die Treppenstufen raufquälten.

Anschließend machen wir einen kleinen Abstecher, um den Riesen-Stör namens Herrman zu besuchen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er uns wiedererkannt hat, aber ich schwöre, ich habe ein leichtes Lächeln in seinen Mundwinkeln gesehen.

Zum guten Schluss konnten wir in der Fish Hatchery noch den Teil besichtigen, der normalerweise geschlossen ist: In speziellen Becken werden Lachse aufgesammelt, die fertig zu Laichen sind. Diesen wird der Laich entfernt und dann zur ungefährdeten Aufzucht verwendet. Diese Becken kann man logischerweise nur sehen, wenn die Lachse auf dem Weg zu ihren Geburtsstätten sind.

Wie man sieht, geben sie das Springen nicht auf und versuchen, über den Zaun zu hüpfen. Aber Rehe sind es deswegen noch nicht.

Schließlich gaben wir ins Navi den Trillium Lake ein, von dessen Ufern aus man den Mount Hood schön gespiegelt sehen kann (wenn der Spiegel nicht gerade Pause macht).

Eigentlich wären wir gerne auf dem Weg gemütlich durch Hood River gefahren, aber so langsam drängte die Zeit. Zum Trillium Lake waren es locker über eine Stunde. Als wir dann dort ankamen, wurden uns erstmal 10 USD abgezogen, unsere gesammelten Pässe und Eintrittskarten wurden dort nicht anerkannt. Wir hätten einen weiteren benötigt: Den Northwest Forest Path.

Aber der Weg hatte sich gelohnt, auch wenn die Spiegelung aufgrund der plantschenden Kinder so gut wie nicht vorhanden war.

Es wurde später und später und wir hatten 15 Minuten zur Timberline Lodge zu fahren.

Dort angekommen konnten wir natürlich den Berg sehen (siehe Titelbild), aber auch die schöne Lodge von innen besichtigen.

Von der Aussichtsplattform gibt es einen tollen Blick auf die umliegende Landschaft. Im Hintergrund grüßt der Mount Jefferson.

Im Vordergrund meine Göttergattin, die gerne noch länger geblieben wäre.

Aber mich drängte es zurück nach Portland. Um 20.30 Uhr macht der Costco zu und ich wollte zum Abendessen ein Stück Pizza haben.

Auf dem Weg stand plötzlich ein junger Mann auf dem Dach seines Autos und hielt das Handy Richtung Sonne. Das muss sich lohnen.

Wie man sieht, war der Ausblick klasse. Und dann beeilten wir uns, um rechtzeitig die Lichter der Großstadt zu sehen. Um 20 Uhr standen wir auf dem Parkplatz, Pizza gab es auch und tanken konnte ich auch noch.