Komischer Titel, nicht wahr? Aber der passte am besten.
Wir begaben uns zum Frühstück (wir brauchten unser Impfzertifikat nicht zu zeigen, weil uns die Dame im Frühstücksraum noch kannte). Das Frühstück ähnelte dem gestrigen wie ein Ei dem anderen.
Zwischendurch kam ein Paar herein. Er zeigte sein Zertifikat, sie hatte ihres nicht dabei und wurde sofort wieder höflich herauskomplimentiert. Gut, dass darauf geachtet wird. Man fühlt sich sicherer.
Erstes Tagesziel: The Tidal Bore. Deepl.com übersetzt das mit Tidenbohrung oder auch Gezeitenbohrung. Was verbirgt sich dahinter? Wie schon gestern erwähnt, fließt der Petite Codiac River durch Moncton in die Bay of Fundy. Als wir kurz vor 8 Uhr ankamen, wälzte sich der Fluss träge von rechts nach links durch sein Bett. Schlammige Ufer standen meterhoch im Trockenen. Wir (speziell ich) schauten gebannt nach rechts in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten. Und dann schaute meine Göttergattin durch eine Eingebung nach links und da kam sie: DIE WELLE.
Das Meereswasser strömte einfach so flussaufwärts und drängte das Flusswasser zurück. Reversing River.
Der Fluss war anschließend gut gefüllt. Da hatten wir genau den richtigen Zeitpunkt erwischt.
Der Wetterbericht hatte für die ganze Gegend den Durchzug eines Regengebietes angekündigt. Aber erfahren durch die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen in Deutschland schlugen wir die Warnung in den Wind (von dem es reichlich gab) und machten uns auf den Weg zum Fundy National Park.
Auf halber Strecke kamen wir – wie schon gestern – an den Hopewell Rocks vorbei. OK, wenn die Flut soeben mit voller Kraft den Fluss nach Moncton raufgeströmt ist, wie sieht es dann bei den Felsen aus? Wir nahmen diesmal nicht die gestern verwendete Zufahrt, weil die Rampe schätzungsweise sowieso unter Wasser stand, sondern gingen direkt den Höhenweg, um das Schauspiel von oben zu bestrachten. Schon faszinierend, dass wir gestern auf dem Meeresboden entlangspazieren konnten, wo heute meterhoch die Wellen an die Felsen schlagen. Reversing Tide.

Gut, jetzt können wir beruhigt zum Nationalpark fahren. Leider ist der Wetterbericht in Kanada zuverlässiger als in Deutschland. Als wir durch das Dörfchen Alma durchwaren, goss es in Strömen. Am Eintrittstor des Parks drehten wir um.
Machten noch ein Foto vom Hafen auf dem Kai (wollte schon immer mal mit dem Wagen drauf fahren)
und eines vom Dorfrestaurant.
Jetzt können wir zum Hotel zurückfahren. Aber da gab es doch noch einen tollen Aussichtspunkt: Cape Enrage (als meine Göttergattin mir den Namen zum ersten Mal mitteilte zur Eingabe ins Navi, hieß es bei mir Cape in rage. Hat Google natürlich nicht gefunden…)
Es ging einige Kilometer über mehr oder weniger schlechte Straße, bis wir oben auf dem Kap standen, welches den ältesten Leuchtturm in New Brunswick hostet. Sieht man ihm gar nicht an. OK, so nah sind wir auch nicht herangekommen, da uns nicht nach einer Dusche zumute war.
Auf dem Rückweg als Beispiel mal eines der hübschen Häuser, die auf der Straße am Wegesrand stehen. Die allermeisten sehr gepflegt, manche schon in Sachen Halloween eingerüstet. Man hat den Eindruck, als würden sich die Menschen hier wohlfühlen.
Wieder im Hotel gab es eine Salatbowl, die wir gestern bei Costco erstanden hatten und dann eine kurze Siesta.
Denn noch steht was Wichtiges auf dem Plan: Wir müssen zumindest einen Klamottenladen leerkaufen. So ganz gelang uns das nicht, aber mit leeren Händen verließen wir den Shop auch nicht.
Jetzt gibt es nur noch ein letztes Ziel: Der Magnetic Hill. Im Nordosten der Stadt gibt es eine Art Vergnügungspark, dessen eine Attraktion ist, dass man zu Anfang eine Straße „bergrunter“ fährt. Dann hält man an einer bestimmten Stelle an. Stellt den Wahlhebel auf N und lässt sich dann (gefühlt) den Berg wieder raufrollen. Wir wissen, das ganze ist eine optische Täuschung, aber es war trotzdem faszinierend, dieses mitzuerleben.
Eigentlich könnte der Tag hier abgeschlossen werden, aber ich hatte mir noch ein Highlight für den Abend aufgehoben: Ich wollte von der gegenüberliegenden Seite des Flusses die „Skyline“ von Moncton bei Nacht fotografieren. Wir waren ja mittlerweile zweimal dort auf dem Weg nach Fundy vorbeigekommen und ich musste mir „nur“ noch ein Eckchen raussuchen mit freier Sicht vom Hügel aus.
Und dann ergab es sich, dass die Tidal Bore auch noch einmal um 20.40 Uhr vorbeirauschen sollte.
Also ins Navi den Fundy NP eingegeben. Nur suchte sich Bärbel diesmal eine KOMPLETT andere Strecke raus. Bis ich das begriffen hatte, waren wir irgendwo im Nirgendwo. Zum Glück wusste ich noch einen Straßennamen, die ich mir zu diesem Zweck gemerkt hatte. Also den ins Navi einhacken. Aber auch hier spielte Maps nur suboptimal mit. Ich gab schließlich aus Zeitgründen auf und wir fuhren zu dem Park, in dem wir das Naturschauspiel am Morgen beobachtet hatten. Wie schon am Morgen drängelten sich KEINE Menschenmassen am Aussichtspunkt und mir gelangen zumindest noch zwei Fotos:
Eines von der Flutwelle.
Und weil es so schön ist, eines von einer Skulptur direkt nebenan.
Übrigens: Die Videos stammen beide aus dem Händy meiner Göttergattin.
Gute Nacht zusammen.

Doch zuerst mussten wir dringend tanken. Auch ein 136-Liter-Tank ist irgendwann leer. Und Sprit bekommt man nirgends billiger als bei Costco. In diesem Fall waren das lockere 7 Cent/Liter zu normalen Tankstellen. Kleiner Haken: Bei Costco braucht man mindestens eine Kundenkarte. Die ist ein Jahr gültig und muss dann kostenpflichtig erneuert werden. Wer die Nachrichten bzgl. Covid 19 aufmerksam verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass wir im letzten Jahr keine Chance hatten, unsere US-Karte zu erneuern, warum auch?
Und wir haben eine Menge dazugelernt.
Man geht an der Schranke vorbei und läuft die ca. 1,2 km zu Fuß.
Dann standen wir an einer Rampe, die zum Strand runterführte. Das Wasser schwappte nahe an die „Flowerpot“-Rocks heran, ein Zustand, der nicht allzulange andauern sollte. Denn Tidenhübe von 12 Metern (in Buchstaben ZWÖLF) sind hier nicht selten. Wir konnten fast darauf warten, dass sich das Wasser von den Felsen zurückzog. Mal konnte man über felsige Abschnitte weiterklettern, mal über Seetang. Letzteres ließ ich aber nach einem zarten Versuch sein, da es doch recht rutschig war.
Als der Weg dann endgültig zu Ende war (Wasser zu hoch), kehrten wir um. Entgegenkommende Wanderer informierten uns darüber, dass man auch oben entlang an diversen Aussichtspunkten einen guten Blick auf die Blumentöpfe hätte.
Los geht es. Durch lichten Wald kamen wir an einigen Punkten vorbei, unter anderem an einer Treppe, die zur Küste führte. Logischerweise war diese gesperrt…
Als wir dann zurück am Anfangspunkt angelangt waren, stellten wir fest, dass sich das Wasser – vor Schreck über unseren Anblick? – noch weiter zurückgezogen hatte. Also die ganze Strecke nochmal laufen und diesmal noch ein Stück weiter.
Zwischen diesen Fotos ca. 2 Stunden.
Ach ja, ich machte noch das, was ich in jedem Urlaub einmal hinbekomme: Richtig gut einsauen. Ich hatte eine Stelle erwischt, die weniger festen Untergrund aufwies. Ja, und das ist das Resultat:
Am Auto zurück machten wir erstmal eine kurze Mittagspause und vernichteten einen Teil der mitgebrachten Snacks.
Und dann sollte es EIGENTLICH weiter Richtung Westen gehen. Aber da es zart vor sich hin nieselte, überfiel uns plötzlich eine große Unlust und wir drehten einfach um und fuhren ins Hotel zurück. Genauso EIGENTLICH war eine ausführliche Pause eingeplant, um danach noch Costco leerzukaufen. Aber da dieser am Samstag schon um 18 Uhr schloss, machten wir uns zeitig auf den Weg, um das Angebot zu checken.