10.03.2025 – Yant Flat und Candy Cliffs

Zum Standardprogramm an Wanderungen in St. George gehört auch der Besuch von Yant Flat. Dies ist eine Felsenlandschaft, welche im Endeffekt direkt nördlich der Stadt liegt. Leider ist sie nicht auf direktem Weg zu erreichen. Wir fahren dazu auf dem Interstate 15 nach Norden, um bei der Ausfahrt Leeds den Weg in die Berge zu nehmen. Nach wenigen Meilen durch ein sehr schönes neues Wohngebiet (tolle Häuser, ehrlich) endet der Asphalt und wir hoppeln ca. 8 Meilen auf der Danish Ranch Road (031) bis zum Parkplatz vom Trailhead. Google Maps hatte uns als kürzere Route die Fahrt aus westlicher Richtung vorgeschlagen, aber von anderen Besuchern erfuhren wir im Nachhinein, dass sich dieser Teil in wesentlich schlechterem Zustand befindet. Also alles richtig gemacht.

Auf dem Weg dorthin kommen wir noch am Yankee Doodle Canyon vorbei, eine beeindruckende Schlucht mit ziemlich steil abfallenden Felswänden.

Vom Parkplatz aus geht es los. Alltrails hat ca. 5 km für die gesamte Strecke veranschlagt, davon gehen 1 bis 2 km für den Anmarsch drauf. Sechs weitere Autos stehen in den „Parkbuchten“, wir werden also nicht alleine sein.

Unterwegs die ersten frischen Kakteen, leider noch nichts in Blüte, so, wie wir es früher schon erlebt haben.

Der Weg ist eigentlich leicht zu begehen, kaum Steigungen, festgetretener Lehm etc. Nach ca. 1,5 km wird es dann sandig und wir stapfen eine Art Düne hoch, bis wir dieses Naturschauspiel unter uns sehen.

Bevor wir uns auf dieses Abenteuer einlassen, noch ein Blick zurück, damit wir uns merken können, von wo wir eingestiegen sind (hat nicht wirklich geholfen, aber sieht schön aus).

Ich halte mich ganz rechts, um zu sehen, wie weit sich dieses Amphitheater ausdehnt und was dahinter kommt. Genau genommen kommt nach meinen Felsen nichts, beziehungsweise ein großes Loch, senkrecht fallen die Felswände nach unten ab.

Halten wir uns also besser nach links, das hatte Alltrails auch vorgeschlagen. Es geht über Stock und Stein, bzw. über Stein und Stein, jeder Felsvorsprung bringt andere Einsichten in die Landschaft.

An diesem Punkt beschließe ich dann, dass mir ein wenig Klettern gut tut. Die Kameratasche kann ich bei der Göttergattin oben lassen und begebe mich auf dem direkten Weg nach unten.

Der rote Felsen hat es mir angetan. Die Schuhe haften wie Klebstoff auf dem rauhen Sandstein. Ich hätte einen guten Werbespruch für die Firma: Mountain goats would buy Merrells.

Von unten sieht der rote Hügel natürlich ganz anders aus als von oben.

Aber rauf muss ich trotzdem. Da es nicht brütend heiß ist wie es im Sommer üblicherweise vorkommt, ist der Aufstieg auf den kleinen Hügel minder anstrengend.

Und der Blick zurück offeriert einen Blick in die Höhe, von wo ich gekommen bin.

Deutlich kann ich ganz oben in der Mitte die beste Kamerataschenbewacherin von allen ausmachen, die mich nach eigenem Bekunden genauso gestalkt hat wie ich sie. Mal sehen, wessen Kamera die bessere Auflösung hat.

Logischerweise darf ich dann auch wieder rauf. Erstaunlicherweise sind das laut GPS der Kamera „nur“ 20 Höhenmeter, aber es kommt mir trotzdem mehr vor, als ich leicht keuchend wieder oben ankomme.

Wir wenden uns wieder nach links, um an den Rand dieses Amphitheaters zu gelangen und wechseln dann zu den Candy Cliffs. Warum diese so heißen? Keine Ahnung. Woher kommt der Name Yant Flat? Ebenso keine Ahnung.

Nachdem wir diesen Hügel überquert haben, kommen wir zu weiteren versteinerten Sanddünen, die wir allerdings nur von oben betrachten.

Wir laufen seitlich daran vorbei und genießen die Ruhe und die Einsamkeit.

Die paar Leutchen, deren Wagen wir gesehen haben, sind uns nicht begegnet. Für den nächsten Urlaub in dieser Gegend nehmen wir uns vor, die Candy Cliffs etwas näher in Augenschein zu nehmen.

Das lohnt sich mit Sicherheit.

Jetzt kommt der prickelnde Teil: Wir müssen zurück zum Auto. Ich erinnere mich an unseren ersten Besuch hier, als es weder GPS (für alle zur Verfügung stehend) noch Alltrails gab. Für die Anfahrt hatten wir an einer bestimmten Stelle den Tacho genullt, auf Wegmarkierungen und Abzweigungen geachtet und wären trotzdem fast vorbeigefahren.

Die Wanderung verlief ähnlich ahnungslos und auf dem Rückweg damals wurde es langsam dunkel und wir fahren froh, als wir den Haupttrail wiedergefunden hatten.

Diesmal war es einfacher. Mit der Nase auf dem Handy klebend konnte mich Karin nach rechts, nein, ein Stückchen weiter links, nein, hier am Kuhhaufen rechts vorbei sicher bis zum Hauptweg lotsen.

Gut, dass ich mir diesen Kaktus gemerkt hatte. Der Rest der Wanderung verlief ereignislos, im Auto hoppelten wir die 11 Meilen zum Interstate zurück und machten noch einen Einkehrschwung bei Costco, mal schauen, was wir dort noch übersehen hatten (war komischerweise einiges).

Das Abendessen (Kartoffeln, Brokkoli, Mais und Rindfleischhäppchen) nahmen wir natürlich in unserer Lounge Ecke ein. Es ist gemütlich warm und so langsam fühlen wir uns heimisch.

09.03.2025 – The Vortex

Heute morgen wurden wir eigentlich nur durch den zimmereigenen Wecker geweckt, den unser Vorgänger auf 6 Uhr gestellt hatte. Sehen wir mal, was das Frühstück bringt und machen uns dann auf zum Wandern.

Die wichtigste Mahlzeit des Tages konnte nicht mit Las Vegas konkurrieren, aber es war in Ordnung.

Auf geht es zur Vortex, auch The Bowl genannt. Dies ist eine außerordentlich schöne Felsenlandschaft, die wie im Zion Nationalpark wie eine Checkerboard Mesa aussieht.

Um dorthin zu gelangen, fuhren wir zuerst den Old Highway 91 nach Nordwesten aus St. George heraus, um nach einiger Zeit auf die Gunlock Road abzubiegen. Diese führt am Gunlock Reservoir vorbei, einem Stausee mit Freizeitmöglichkeiten.

Am Ausfluss des Reservoirs gibt es eine „Felsentreppe“, über die das Wasser normalerweise in Form einen hübschen Wasserfalls plätschert. Wenn denn genug Wasser vorhanden ist.

Heute war das nicht der Fall, trocken liegen die Felsen vor unseren Augen.

Der Statepark am Reservoir ist mäßig besucht, obwohl wir Wochenende haben. Vielleicht doch noch zu kalt?

Dabei spiegeln sich die schneebedeckten Berge und der stahlblaue Himmel schön im klaren Wasser.

Kurz danach geht es nach Osten ab auf die Lower Sand Cove Road. Nach wenigen Meilen erreichen wir den Parkplatz wie ein paar andere Fahrzeuge vor uns.

Vor uns liegen die roten und gelben Felsen. Da müssen wir rein.

Um sie zu erreichen, müssen wir erstmal den Berg runter über grobes Lavagestein, durch einen Wash (zum Glück trocken) hindurch und anschließend durch dieses Tal wieder hoch.

Wir kennen die Strecke, sind wir sie vor 6 Jahren bereits einmal gelaufen. Und es hat sich nichts geändert.

Der Blick zurück ins Tal ist genauso schön wie das, was vor uns liegt.

Dann heben wir den Kopf und sehen die zwei weißen Felsen. Irgendwo links des linken Piddels liegt die Vortex.

Päuschen machen, Krönchen richten und weiter geht es.

Auf dem Sattel angekommen ein weiter Blick in die Ferne. Tief durchatmen und ein schönes Panoramafoto erzeugen.

Auch von weiter oben ein schöner Blick auf den gegangenen Weg.

Und dann sehen wir es:

Die Vortex (zu deutsch Wirbel) liegt direkt vor und unter uns. Ein tiefes Loch mit einem kleinen Tümpel am Grunde. Ich erinnere mich daran, dass sich bei unserem letzten Besuch ein Hund nach dort unten verirrt hatte. Die Besitzer hatten ihre liebe Mühe, das Tier wieder nach oben zu bekommen.

Es geht weiter, ein anderer Tümpel ist bei weitem nicht so tief und eine Familie spielt mit ihrem Hund Stöckchen werfen. Ich gedulde mich, bis alle müde sind und kann dann endlich ein Lebewesen freies Foto machen.

Wir genießen eine ganze Zeit die Stille, die uns in dieser wunderschönen Landschaft umgibt, bis wir uns auf den Rückweg machen.

Natürlich sieht aus dieser Richtung alles total anders aus, so dass ich die Kamera doch nicht im Rucksack lassen kann.

Auch dieses Mal müssen wir wieder durch den Wash durch und uns nach oben kämpfen.

Ein letzter Blick auf die weißen Berge und wir sind froh, wieder am Auto zu sein.

Dort beratschlagen wir, was zu tun ist.

Nicht allzuweit entfernt liegt ein anderer Teil des Zion Nationalparks, der Kolob Canyon. Woher kommt der Name Kolob? Das Internet sagt dazu, dass der Mormone Joseph Smith schrieb: Kolob ist die erste Schöpfung und steht dem Himmlischen oder dem Wohnsitz Gottes am nächsten.

Ihn erreichen wir, in dem wir die Lower Sand Cove Road einfach weiterfahren, bis wir auf der 18 (gleiche Straße wie gestern) in Richtung St. George hoppeln.

Auf dem Weg auf dem Interstate 15 überfällt uns eine kleine Hungerattacke, der wir zum Glück im nahegelegenen Costco entgegenwirken können. Und weil es soviel Spaß macht, tanken wir auch gleich noch einmal voll. Wir bezahlen 2,929 USD/Ga, das ist der billigste Sprit seit langem (auch vorige Urlaube eingeschlossen).

Wir fahren noch ca. 30 Meilen nach Norden, um dann auf die Kolob Canyon Road im Nationalpark einzubiegen.

Wir steigen schnell in die Höhe, was man auch an den höher werdenden Schneeresten am Straßenrand sieht.

Mächtig ragen die roten Felsen in den Himmel. Hier herrscht schon fast ein Übermaß an Farben vor: Blau der Himmel, grün die Vegetation, rot die Felsen und dazu noch der weiße Schnee.

Am Ende der Straße könnten wir auch noch eine knapp 2 Meilen lange Wanderung machen, aber die Rangerin im Visitorcenter hatte uns schon gewarnt, dass es matschig dort sein könnte.

Die rot gefärbte Hose einer zurückkommenden Wanderin konnte davon ein buntes Zeugnis ablegen.

Und da wir heute schon fast 5 Kilometer gelaufen sind, begnügen wir uns mit diesem fantastischen Anblick. Zum ersten Mal haben wir diese Felsen so schön in der Sonne gesehen.

Auf dem Rückweg springen wir noch beim Walmart rein und bunkern weitere Lebensmittel. Mittlerweile ist es recht warm geworden, lockere 20°C zeigt das Thermometer an.

Eigentlich eine gute Gelegenheit, das Abendessen in unserer Lounge-Ecke einzunehmen.

 

08.03.2025 Von Las Vegas (NV) nach St. George (UT) – Cathedral Gorge State Park

Nun ist es soweit, wir müssen die Stadt der Sünde und des Gamblings verlassen. Das Hotel hat uns sehr gut gefallen, vor allem das Frühstück war reichhaltig und abwechselungsreich.

Unser Ziel für heute ist St. George in Utah. Hier werden wir vier Nächte verbringen. Aber dazu müssen wir erstmal hinkommen. Normalerweise setzt man sich auf den Interstate 15 und fährt durch die Virgin River Gorge mit einem Mini-Abstecher durch Arizona in den südlichsten Teil des Staates Utah, nach St. George, auch Utahs Dixie genannt.

Die Temperaturen in Las Vegas liegen wieder um die 13°C, bei Bedarf zieht man sich einen Hoodie (oder wie in meinem Fall: einen Kapuzenpullover) drüber.

Unser Auto hat sich bzgl. des Internetzuganges eines Besseren besonnen, wir sind mit Google Maps wieder online. Hatte vielleicht gestern einen schlechten Tag. Computer sind auch nur Menschen.

Die Strecke auf dem Interstate sind wir bisher immer gefahren. Aber mich reizt schon seit Jahren der Cathedral Gorge State Park. Er liegt etwas abseits der Strecke, von St. George aus 1 h und 40 Minuten nordwestlich. Da kommen wir üblicherweise nicht hin. Aber diesmal wollen wir diesen Umweg einbauen.

Wir tanken am Interstate bei Costco noch einmal voll (3,199 USD / Ga) und schlendern auch einmal durch. Das war der billigste Costco-Besuch jemals (Tip für alle Männer: Wenn da steht Business-Center, reingehen). Nicht nur gab es keine Bäckerei, auch die Textilabteilung war zur großen Enttäuschung meiner Göttergattin nicht existent. Aber wie gesagt: Man spart enorm Geld, wenn man mit leerem Einkaufswagen wieder rausgeht.

Etwas nördlich von LV biegt die Route 93 nach Norden ab. Die Strecke wechselt sich von langweilig nach öde ab, es geht lange Zeit einfach nur geradeaus durch die Wüste.

Eine Abwechselung bringt ein grünes Feld von Joshua Trees. Was tun die soweit nördlich? Haben die sich verfahren?

Kurze Zeit später geht es in die Berge. Die Temperatur sinkt auf schnuckelige 6 °C, Schneefelder blinken am Straßenrand. Aber die Straßen selbst sind geräumt und trocken.

Wir bleiben auf der 93, durchqueren Caliente und biegen dann nach links in den Statepark ein. Besorgen uns eine Karte und steuern in leichter Verkennung der Lage den Miller Point Aussichtspunkt an.

Eine unwirtliche und gleichzeitig wahnsinnig schöne Landschaft breitet sich unter uns aus.

Wir stapfen ein paar Treppen runter und lassen diese vielen Spitzen auf uns einwirken. Wo soll man zuerst fotografieren?

Von untern kommen Leute rauf. Sie sind komplett durch das Tal gelaufen, um diesen Anblick von oben zu genießen.

Das können wir auch. Wir müssen nur noch einmal zum Eingang zurückfahren und die Hauptstraße zur Picknickarea fahren.

Das machen wir und finden uns in einer Landschaft wieder, die eine Mischung aus Bryce Canyon, Ah-Shi-Sle Pah Wilderness und Hoodos irgendwo in Arizona darstellt. Direkt an der Picknick-Area die Säule, die man immer wieder auf Prospekten sieht.

Logisch, dass wir diese und auch viele, viele andere fotografieren.

Unser Weg führt uns auf dem Miller Point Trail an Hoodos der verschiedensten Formen, Größen und Farben vorbei.

Wie schon gesagt, es fällt schwer, den Auslösefinger im Zaum zu halten.

Als wir dann an dem Aufgang stehen, den wir von oben gesehen hatten, drehen wir uns noch einmal um 360° und nehmen die Bilder in uns auf.

Der Boden ist stellenweise matschig und wir müssen aufpassen, um uns nicht der Länge im Lehm zu wälzen.

Als wir das Tal verlassen haben, wenden wir uns ein Stückchen nach Westen, um der Juniper Draw Loop eine Weile zu folgen.

Auch hier beschert die langsam tiefer sinkende Sonne ein tolles Licht- und Schattenspiel.

Und sagt selbst: Ist das nicht ein Bryce Canyon Orange?

Zurück an der Picknickarea schauen wir noch einmal auf die Karte. Denn: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: Dort werden diverse „Slot Canyons“ angepriesen. Das ist Wasser auf unseren Mühlen.

Wir entern diverse und das ist schon ein tolles Gefühl. 7-10 Meter hoch über uns erstrecken sich die Lehmwände, die stellenweise so eng zusammenrutschen, dass ich an einer Stelle meinen Rucksack abnehmen muss, um mich seitlich durchzuquetschen. Wie gut, dass ich sooo schlank bin.

Unter uns der Matsch, der in der kühlen Witterung ohne Sonnenstrahlen keine Gelegenheit hatte, auszutrocknen. Über uns der blaue Himmel, der wie die Silhouette von irgendwas zwischen den Felsen hervorschaut.

Und wenn man dann in Richtung Sonne blickt, aus dem Slot heraus, eine wunderschöne Beleuchtung der Felsen. So wünscht es sich der Fotograf.

Draußen warten natürlich auch wieder weitere Hoodos im Nachmittagslicht.

Schließlich marschieren wir zurück zum Auto und klopfen unsere Matschtreter so gut wie möglich ab. INS Auto kommen die NICHT. Ab auf die Ladefläche mit euch.

Wir geben ins (immer noch funktionierende) Navi unser Hotel ein und machen uns auf den 1h 40 Minuten dauernden Weg.

Meistens können wir mit 65 mph dahinrollen, auch die Berge behindern unsere Fahrt nicht. Einen Pass mit über 2000 m überqueren wir, bis wir in die roten Berge von St. George einrollen. Ein heimatliches Gefühl überkommt uns.

Das Zimmer ist einfach, aber wir können unser Essen draußen in einer gemütlichen Lounge-Ecke einnehmen. Immerhin ist es 16°C draußen.

07.03.2025 – Valley of Fire State Park

Für heute haben wir uns ein weiteres „Muss“ auf den Plan geschrieben. Wer in Las Vegas übernachtet, sollte oder besser muss eine Tour in den Valley of Fire State Park unternehmen. Dieser liegt ca. eine Stunde Fahrzeit (also für amerikanische Verhältnisse direkt vor der Haustür) nordöstlich von Vegas und ist am schnellsten über den Interstate 15 zu erreichen. Wir hatten ja in den letzten Tagen festgestellt, dass unser tolles Auto eine Verbindung zum Internet hatte und wir daher Google Maps uneingeschränkt nutzen konnten. Damit war es leider heute vorbei. Ohne Internetzugang läuft dort gar nichts mehr. Auf der anderen Seite wollten wir auch nicht unsere wertvollen Datenpakete verbraten, nur um eine relativ einfache Strecke zu fahren. Also gaben wir unser Ziel ein und stellten mobile Daten auf „aus“. Es werden zwar keine Staus angezeigt, aber wenn man die Stadt einmal hinter sich gelassen hat, ist in dieser Richtung nichts mehr zu befürchten. Hoffentlich.

Es ging alles gut und nach ca. einer Stunde Fahrzeit erreichten wir den Park. Auf dem Eingangsschild wurden 15 USD Eintritt aufgerufen, für Autos mit Nevada-Nummernschild 10 USD. Gut, dass wir in LA noch den Wagen getauscht haben. Unser jetziger hat ein Nevada Licence Plate. Meine Anfrage auf einen Senior Discount wurde leider abschlägig beantwortet.

Im Visitor Center erkundigten wir uns kurz nach der Begehbarkeit des Fire Wave Trails. Dieser wird im Sommer regelmäßig komplett gesperrt. Die Hitze dort ist so groß, dass die Wanderer reihenweise zusammenbrechen. Und die Ranger haben verständlicherweise auch keine große Lust, bei den Temperaturen Hitzeopfer durch die Gegend zu schleppen.

Der Trailhead liegt fast am Ende des Parks beim Parkplatz 3 (Stand heute, 07.03.2025). Der Weg dorthin führt über eine gut ausgebaute kurvige und hügelige Straße.

Vorbei geht es an fantastischen roten, gelben und braunen Felsformationen,

die in eine unbeschreibliche Landschaft eingebettet sind.

Die Temperaturen heute waren gut. Sie lag bei 13-15 °C, also zum Wandern sehr gut geeignet. Shorts oder lange Hose? Ich entschied mich aus Prinzip für ein kurzes Beinkleid, auch weil dieses meine Unterschenkelmuskulatur besser zur Geltung bringt. Einen Pullover band ich mir noch um die Hüften, benötigt habe ich ihn auf dem ganzen Trail nicht.

Wir wollten gerade lostraben, als von einem Pickup eine ganze Wagenladung Kinder heruntersprang, die auch den Trail zur Fire Wave gehen wollten. Das kann ja lustig werden. Soviel kann ich gar nicht retuschieren, wie die Kids mir vor die Linse springen. Aber wir ließen uns nicht entmutigen und ließen die Bande voranrennen.

Dann machen wir eben an der Wave Pause und warten, bis sich dort alles wieder beruhigt hat.

Irgendwann war es dann soweit. Die Jugend hatte sich verzogen und wir hatten die Wave

und auch die umgebenden Felsen fast für uns alleine.

Danach hätten wir einfach nur zurücklaufen können, aber die beste Fährtensucherin von allen hatte in Zusammenarbeit mit Alltrails eine vielversprechende Route ausgeknobelt, die wie ein Überraschungsei Spannung, Spiel und Schokolade versprach. Ok, auf die Schokolade mussten wir verzichten.

Aber es ging durch Täler,

vorbei an bizarr geformten Felswänden,

hinein in kleine Slotcanyons und

auch durch größere Slotcanyons hindurch.

Die Farbenpracht der Felsen in der Sonne, als Komplementärfarbe der blaue Himmel, man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Und wieder biegt man um eine Ecke, um durch ein Loch in der Felswand den Blick auf die schneebedeckten Berge werfen zu können.

Dann habe ich mir die Kamera gerade wieder auf die Schulter gehangen, als der nächste futuristisch geformte Felsen auf mich wartet.

Zwischendurch trifft man immer wieder auf andere Wanderer. Schließlich haben wir Freitag mittag und die Amis machen sich alle auf ins Wochenende.

Und wenn ich schon jemand mit aufs Bild bekommen muss, dann sollte es wenigstens lustig aussehen.

Mittlerweile ballen sich über uns dicke Wolken zusammen, erste Tropfen benetzen die Erde und wir hoffen, trotzdem noch trocken zum Auto zu kommen.

Klar, wenn die Sonne nicht scheint, leuchten die Farben bei weitem nicht so schön.

Schließlich machen wir (gewollt oder ungewollt?) eine Punktlandung. Als wir einen Felsen hochkraxeln, steht direkt vor unserer Nase unser hübscher GMC.

Wir beschließen, dass wir für heute genug gewandert sind und machen uns auf den Rückweg.

Einen Stop legen wir noch ein am Overlook des Fire Canyon. Wir parken unseren Dicken mit Ladefläche mit Blick zum Canyon und genießen ein kleines Picknick. Vorteilhaft bei diesem Wagen: Die Radhäuser der Hinterräder sind so ausgeformt, dass man wunderbar Gegenstände darauf abstellen kann, wie man sieht. Das muss ich mir merken.

Als dann für ein paar Sekundenbruchteile die Sonne doch mal wieder durchkommt, laufe ich schnell zum Rand und lichte auch diesen Anblick ab.

Dann geht es endgültig zurück. Erst noch einmal zum Visitor Center, die Fliesenabteilung aufsuchen und in den Autositzen ein kleines Päuschen einlegen.

Für den Rückweg wählen wir den anderen, den östlichen Ausgang. Dort führt die Straße am Lake Mead entlang, eine landschaftlich sehr schöne Strecke innerhalb der Lake Mead National Recreation Area.

Und wir können kurz vor dem Ausgang noch den Elefant Rock bewundern.

In früheren Zeiten gab es dort keine Restriktionen, heute ist (zum Glück) das Hinaufklettern untersagt. Wäre auch zu schade, wenn dem Jumbo durch menschliches Zutun der Rüssel abfallen würde.

Die Straße führt in leicht geschwungenen Kurven durch die Landschaft. Eine Attraktion lohnt einen Abstecher: Die Rogers Spring. Eine heiße Quelle, in der man sogar baden darf. Allerdings wird davon abgeraten, da die dort ansässigen Amöben besser nicht in die Nase gelangen sollten.

Von aussen sieht sie auch gut aus.

Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu und die Schatten der Berge lassen die Landschaft in einem herrlich plastischen Licht erscheinen.

In Henderson wollten wir eigentlich noch einen Aldi West besuchen (liegt in direkter Nähe eines Costco und wir erinnerten uns daran). Aber an dessen Tür steht nur ein Schild: Coming soon. Schade.

Schließlich im Hotel zurück zaubert die beste Köchin von allen in der Mikrowelle eine Pasta al formaggio an pomodori mit prosciutto di tacchino.

Wir haben gespeist wie die Könige. Ein würdiger Ausgang eines tollen Tages.

 

06.03.2025 – Las Vegas und Hoover Dam

Was machen wir heute, nachdem die Nacht (mit Unterbrechungen) gegen 5 Uhr zu Ende war? Und was sehen wir? Vor schönstem Sonnenschein die Skyline des Strips.

Wenn wir in Las Vegas sind, gehört unbedingt ein Besuch des Hoover Dam dazu.

Aber vorher sind noch einige Sachen zu erledigen: In einer Mall wollte ich mich nach speziellen Socken umsehen, wir mussten bei Walmart noch einige Dinge besorgen und Karin benötigte bei REI einen neuen Hut und – falls vorhanden – neue Wanderschuhe.

Da die Läden (bis auf Walmart) erst um 10 Uhr aufmachen, beschlossen wir, einen kurzen Ritt über den Strip zu unternehmen und zu scouten, wo man denn parken kann. Mittlerweile sind die früher kostenlosen Parkplätze der Kasinos zu wichtigen Einnahmequellen geworden. Und wir wollten doch unbedingt mal die neueste Attraktion „The Sphere“ sehen. Chanael vom Empfang unseres Hotels empfahl uns, das Parkhaus des Treasure Island zu benutzen, das sei als einziges noch kostenlos. Also gaben wir dies in unser Navi ein und bummelten gemütlich mit dem Auto über den Strip dorthin.

An einer Ampel nutze ich die Gelegenheit, das New York, New York abzulichten. Rechter Hand der Löwe des MGM Grand.

Was ein wenig wehmütig stimmt, sind die Erinnerungen an vergangene Kasinos, an die nur noch die Straßennamen erinnern: Sands Blvd und die Tropicana Av.

Auf dem Weg können wir (diesmal noch bei Tageslicht) die Sphere sehen, wie sich bunt und bunter in den Himmel reckt.

Im Parkhaus werden wir nach dem Zweck des Besuches gefragt. Natürlich antworte ich im Brustton der Überzeugung: „Visiting the casino“. Die einzig richtige Antwort.

Wir verlassen das Parkhaus wieder und machen uns auf den Weg zum Walmart, um dort noch diverse benötigte Lebensmittel zu bunkern.

Anschließend geht es zu den Las Vegas South Premium Outlets. Leider gibt es den Laden, wie ich ihn kannte, nicht mehr, aber zumindest kann ich ein schönes Jeans-Hemd erstehen.

Auf dem Weg zum Hoover Dam richten wir es so ein, dass wir in Henderson dem dortigen REI einen Besuch abstatten. Ein echtes Outdoor Paradies mit guter Beratung. Und liegt inmitten einer netten Einkaufsstraße.

Meine Göttergattin wird auch fündig mit sowohl einer Kopfbedeckung als auch ein paar neuen Merrels.

Dann können wir weiter fahren in Richtung Hoover Dam.

Etwas oberhalb des Damms gibt es einen Aussichtspunkt, den man mit einem zusammengesetzten Panoramafoto auch komplett zeigen kann.

Die Straße führt bergab und an einem großen Parkplatz halten wir, um den obligatorischen Gang über die Mike O’Callaghan – Pat Tillman Bridge anzutreten. Ist einfach notwendig, um meiner Wanderin die Höhenangst abzutrainieren. Noch steht sie nicht am Geländer, aber das üben wir noch.

Abgesehen davon hat man einen der besten Blicke auf die Staumauer.

Es ist nicht übermäßig voll und wir machen uns auf den Weg über die Mauer. Jenseits, mittlerweile haben wir die Staatsgrenze nach Arizona überquert und alle Uhren umgestellt, gibt es auf beiden Seiten zu zahlende Parkplätze. Aber wir wissen, dass es weiter oben mit gutem Blick auf den Damm auch kostenlose Gelegenheiten gibt.

Nach dem ersten Stop fahren wir den Rest der Straße bis nach ganz oben, parken den Dicken mit der Ladefläche zum Damm ein und genießen auf der Ladeklappe (die Trittstufe eignet sich hervorragend um Abstellen der Füße, wenn man auf der Klappe sitzt) ein kleines Picknick.

Auch von hier ist die Sicht nicht ohne.

Der frühe Nachmittag ist hereingebrochen und wir wollen zumindest noch bei Costco tanken, bevor es morgen auf eine längere Wegstrecke geht.

Logisch, dass wir auch noch einen Gang durch den Laden machen (und beim Verlassen des Geländes natürlich das Tanken vergessen).

An einem der Probierstände fällt uns ein Indisches Fleischgericht mit Tomatencurry auf, was so gut schmeckt, dass wir direkt eine Portion in den Wagen legen. Unter anderem gesellt sich auch noch ein Kapuzenpullover (die jüngeren dürfen Hoodie dazu sagen) und endlich auch die geliebt Vanille-Soja-Milch dazu.

Wie schon gesagt, das Tanken vergessen wir über das Glück unserer Beute und müssen noch einmal umkehren. Was man nicht im Kopf hat, muss man im Tank haben.

Zurück im Hotel räumen wir nur noch die zu kühlenden Sachen in den Kühlschrank ein und machen uns direkt danach auf den Weg. In ca. 15 Minuten ist Sonnenuntergang.

Das Parkhaus ist dank der strategischen Vorbereitung rasch gefunden und wir laufen ganz brav durch das Kasino – hatten wir ja schließlich so angegeben – auf die Straße, um auf einer der Fußgängerbrücken einen schönen Platz für Fotografie der riesigen Kugel zu finden.

Laut Wikipedia hat das Gebilde einen Durchmesser von 157 Metern und eine Außenfläche von 81.300 m². Diese ist mit 57,6 Millionen LEDs bestückt, eine faszinierende Anlage. Die Baukosten betrugen über 2 Milliarden USD und zur Zeit fährt die Anlage rote Zahlen.

Im Inneren haben 23.600 Menschen Platz. Die Beleuchtung er Außenhülle wechselt ständig und man kann sich eigentlich gar nicht satt sehen.

Aber irgendwann ist auch dieser Reiz vorbei und wir machen uns am Palazzo vorbei auf den Weg zum Venezian mit Blick auf das Treasure Island.

Auch hier scheint man langsam den Betrieb herunterzufahren. Gab es bei unseren ersten Besuchen (und die sind jetzt über 30 Jahre her) noch eine regelrechte Schlacht auf den Piratenschiffen, so liegen diese heute trist und noch nicht einmal angeleuchtet im „Hafen“.

Von einer Fußgängerbrücke werfen wir noch einen Blick in Richtung Venezian und den Strip und dann geht es auf dem schnellsten Weg zum Hotel zurück. Schließlich haben wir dort etwas Leckeres zu essen. Und ich kann Euch sagen, es schmeckte mit frischen Kartoffeln vorzüglich.