05.03.2025 – Fahrt von Los Angeles nach Las Vegas

Wie gewohnt sind wir wieder sehr früh wach. Trotz Melatonin-Gabe. Aber warum eigentlich? Der Himmel ist grau und macht uns die Abreise leichter.

Da es Frühstück erst ab 7 Uhr gibt, beschließen wir, vorher noch einen Versuch mit einem anderen Wagen zu starten. Kurz zuvor bei Costco reinspringen und den Tank vollmachen (kostet nur 3,899 USD/Ga, für Californien und LA wirklich ein Schnäppchen) und wieder bei Alamo vorstellig werden. Der Manager, Jeffrey, kennt uns bereits und weist uns an, den Wagen wie beim letzten Mal an der Seite zu parken.

Danach gehen wir von der Rückgabe-Seite auf die Rental-Seite und tragen erneut unser Anliegen vor. Die beiden Dodge-RAMs, die direkt vor uns stehen, haben schon bessere Tage hinter sich und außerdem keinen Vierrad-Antrieb.

Wir fragen nach, ob National – eine zum gleichen Firmenkonglomerat gehörende Partnervermietung – vielleicht unsere Wünsche erfüllen kann.

Kurze Zeit später kommt tatsächlich ein silberfarbener GMC Sierra vorgerollt. Hinten prangt der 4×4-Aufkleber und auch die entsprechenden Schalter sind vorhanden. Der Truck hat zwar keine Ladeflächenauskleidung, aber wir wollen nicht zu wählerisch sein. Er hat auch nur ca. 5000 Meilen runter.

Wir packen unsere Sachen um und fahren zurück zum Hotel, um uns die Bäuche vollzuschlagen. Auschecken, Koffer in den Wagen laden und es könnte losgehen.

Der Weg nach Las Vegas bedeutet etwas über 4 Stunden reine Fahrzeit. Aber da wir das Jetlag noch nicht ganz überwunden haben, überprüfen wir nach dem Frühstück noch einmal das Bett auf seine Qualität und kommen schließlich um 10 Uhr los.

Der Verkehr in LA hält sich für dortige Verhältnisse in Grenzen, so dass wir kaum in Staus geraten.

Nachdem wir den Großraum Los Angeles hinter uns gelassen haben, können wir den Autopiloten auf 65-70 mph einstellen und der Wagen läuft ruhig vor sich hin.

Nördlich von Barstow gönnen wir uns eine Abwechselung. Wer die Strecke LV-LA ein- oder mehrmals gefahren ist, wird sich über eine Ausfahr an der zzyzx-Road gewundert haben, genau wie wir auch. Diesmal fahren wir nicht vorbei, sondern biegen ab und fahren knapp 2 Meilen an einem ausgetrockneten See vorbei, bis wir an einem palmenumwachsenen Parkplatz stehen. Was ist hier los? Wikipedia zufolge wurde der Name vom Methodistenprediger Curtis Howe Springer erfunden und stellt das letzte Wort im amerikanischen Wörterbuch dar.

Der gute Mann hatte dort illegalerweise ein Hotel, Heilbad, Kirche und vieles mehr errichtet und betrieben, bis diese Tätigkeit 1974 unterbunden wurde. Heute ist dort die California State University Desert Studies Center untergebracht.

Für Besucher gibt es nur die Möglichkeit, einmal um den Lake Tuendae zu wandern.

Diese Palmenoase ist schon ein Wunder in der Wüste.

Ein Boot zeugt von anderen Zeiten.

Und die Straßennamen zeugen von großen Träumen, die der Erbauer zu realisieren gedachte.

Auf dem Parkplatz darf ich kurz unseren „Neuen“ vorstellen:

Heute, nach einem Tag mit ihm, können wir ein insgesamt positives Fazit ziehen.

Aber wenn man auf hohem Niveau nörgeln möchte, hätte ich ein paar Verbesserungsvorschläge, die bei Autos der gleichen Klasse bei Mitbewerbern deutlich besser gelöst wurden: Dieser Wagen ist wie seit Generationen mit einem dicken Schalthebel am Lenkrad ausgestattet. Sowohl Dodge als auch Ford haben dies in meinen Augen eleganter gelöst.

In der Mittelkonsole und in den Türen sind Flaschenhalter, welche die Literflaschen und unsere Isolierkannen nicht vernünftig aufnehmen können.

Die Verbindung zum Handy via Bluetooth klappt leider noch nicht automatisch und schnell, da sind wir Besseres gewohnt.

Sehr positiv ist das große Display in der Mitte, welches dankenswerterweise nicht über den oberen Rand des Dashboardes hinausragt. Auch das Mäusekino habe ich mittlerweile begriffen und kann mir alle Informationen auf Knopfdruck hervorholen.

Im Moment noch ist dieser Wagen mit einem eingebauten Google Maps ausgestattet, welches sich aktuelle Daten aus dem Internet zieht. Das ist sehr schön, spart es doch die eigenen Daten im Handy.

Es geht zurück am ausgetrockneten See, bis wir wieder auf dem I15 landen.

Auf dem Weg nach Norden kommen wir an Baker vorbei, wo das größte Thermometer (der Welt?) steht.

Noch ein Stückchen weiter nördlich steht eine riesige Solarthermie-Anlage namens Ivanpah. Bei dieser werden die Sonnenstrahlen mit unzähligen Spiegeln gebündelt und auf Kollektoren gestrahlt. Leider wird diese Anlage aus Wirtschaftlichkeitsgründen 2026 ihren Betrieb einstellen.

Wie man sieht, braut sich in den westlichen Bergen etwas zusammen. Die Wettervorhersage hatte uns schon vor Schnee in den San Bernadino Mountains gewarnt, welcher uns aber zum Glück erspart blieb.

Ein letztes Zwischenziel liegt in Nevada. Nördlich von Primm biegt eine Straße parallel zum Highway ab und führt an den 7 Magic Mountains vorbei.

Dies ist ein Kunstwerk, bei dem diverse Felsbrocken herrlich bunt angemalt und zu 7 Stapeln in die Wüste gestellt wurden. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen.

Dank des schlechten Wetters halten sich nicht allzuviele Menschen dort auf.

Dann geht es noch eine halbe Stunde durch nach Las Vegas. Wir haben diesmal in einem Best Western Hotel direkt am Flughafen eingecheckt, damit wir zu einem Besuch des Strips nicht extra aus Henderson anfahren müssen. Das Hotel ist schön renoviert und wir bekommen eine Suite.

Schön, dass wir so nahe am Strip liegen, aber auch heute ist am frühen Abend die Luft raus und wir beschließen, es ruhig bis sehr ruhig angehen zu lassen. Der Strip ist morgen und übermorgen auch noch da.

Und vom Hotelzimmer können wir ihn zumindest sehen.

04.03.2025 – Los Angeles – Stadt der Engel

Wie üblich verläuft die erste Nacht in den USA sehr kurz. Auch wenn wir kurz vor Mitternacht noch von der Telekom-Hotline aufgescheucht wurden, um 3 Uhr war die Nacht dann doch zu Ende.

Wir quälen uns noch ein paar Stunden durch Herumwälzen durch die Dunkelheit, bis wir meinen, die Nachbarn durch Duschen belästigen zu können.

Ich war ja schon immer ein Freund vom Frühshoppen. Also genauer gesagt, vom früh Shoppen. Wir hüpften leichtfüßig wie die Rehe in unseren dicken GMC – ich hatte in der Bedienungsanleitung nachgeforscht, wo sich der Bordcomputer befindet und ich verband mein Handy via Android Auto mit unserem fahrbaren Untersatz. Ziel: Ein Smart & Final, um die nötigsten Lebensmittel zu bunkern. In nur 3 Minuten Entfernung liegt einer. Und dort liegen jetzt ca. 213 USD. Da sind auch schon Vorräte dabei, die wir in Deutschland aufbrauchen wollen. Und einiges an Frischware, da Karin die Fähigkeiten der Hotel-Mikrowelle bis zum letzten ausreizen möchte. Ich werde berichten.

Anschließend zurück ins Hotel, wo sich der Frühstücksraum soweit von den zwei Busladungen entleert hatte, dass wir in Ruhe und reichlich frühstücken konnten.

Nächstes Ziel ist die Autovermietung Alamo. Bei etwas genauerer Inspektion unseres GMC Sierra hatten wir festgestellt, dass dieser keinen 4-Rad-Antrieb hat. Dass es Trucks überhaupt ohne gibt. Ich bin sehr erstaunt.

Bei Alamo hat man zumindest einen Fullsize-Truck, der das 4 x 4-Kriterium erfüllt. Allerdings ist die Karre schon ziemlich abgeranzt, z.B. hat das Bodenflies auf Fahrerseite ein faustgroßes Loch. Dieses Auto möchten wir nicht. Andere Trucks mit 4 x 4 stehen nicht zur Verfügung, also einigen wir uns mit einer Managerin darauf, morgen relativ früh wiederzukommen und zu schauen, was dann auf dem Hof steht.

Jetzt geht es zu Costco. Dort gibt es immer Sachen, die anderorts nicht oder nicht so günstig zu bekommen sind. Als wir aus dem Wagen aussteigen und uns einen Einkaufswagen geholt haben, stellen wir fest, dass die Schlange zum EINGANG bestimmt 100-200 Meter lang ist. Was ist hier los? Immer wieder kommen uns Kunden entgegen mit riesigen Mengern an Eiern. 72 Stück ist Standard, bei manchen auch deutlich mehr.

In der Nähe des Eingangs ruft ein Bediensteter laut in die Menge: No more eggs, no more eggs. Die Verknappung, von der man auch in Europa gehört hat, ist hier Realität. OK, wir brauchen keine Eier, aber dafür Walnussbrot, Baguettes, Artischoken-Jalapeno-Dip, Erdnussriegel. Für mich sind auch noch ein paar Arbeitshandschuhe aus Leder und eine Shorts drin. Unsere geliebte Soja-Vanille-Milch gibt es leider nicht mehr, wir versuchen uns jetzt an Hafer und Mandelprodukten. Ach ja, so einige Kleidungsstücke für meine Göttergattin sind auch noch in unseren Wagen geflüchtet, sie bitten bei uns um Asyl.

Die Schlangen an der Kasse sind nicht minder lang, aber irgendwann haben wir auch das geschafft.

Wo bitte geht es auf dem schnellsten Weg zur Küste? Einfach immer nach Westen fahren, bis die Reifen feucht werden. Wenn die Scheibenwischer es nicht mehr schaffen, dann sind wir zu weit. Am Hermosa Beach finden wir ein Plätzchen ganz in Strandnähe und lassen uns zwecks Nahrungsaufnahme auf der Ladefläche nieder. Das ist Urlaub. Wie man sieht, haben sich GMC und Chevrolet zur Gestaltung der Ladeklappe extra für uns Touristen etwas einfallen lassen: Eine Trittstufe. Etwas anders gelöst als bei Ford, aber nicht schlecht.

Da wir aus dem Jetlag noch lange nicht raus sind, legen wir uns ein wenig in die Waagerechte (Karin streckt sich auf der Rücksitzbank aus, ich auf der Ladefläche).

Etwas ausgeruht machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Pier und anschließend unter denselben,

die frische Seeluft ist anregend und tut gut.

 

 

Auf dem Weg zurück lustwandeln wir noch durch die Straßen,

denn viele Häuser sind fantastisch bemalt.

Fahrräder haben hier Hochkonjunktur.

Eigentlich wollten wir noch in den Norden, aber die Energie war mittlerweile verpufft, ein Ziel zu erreichen hätte mehr als eine Stunde gebraucht. Also wenden wir uns nach Süden und wir zuckeln immer küstennah durch Palos Verdes.

Wie früher schon machen wir am Point Vicente Lighthouse einen Stop und schauen den Walzählern über die Schulter. Und sehen auch in einiger Entfernung den einen oder anderen Wal blasen. Ein Schauspiel wie im letzten Urlaub ist das allerdings nicht. Aber man wird ja bescheiden.

Genug gewalt, wir fahren jetzt zur Korean Friendship Bell. Diese 17 Tonnen schwere Glocke wurde anlässlich der 200-Jahr-Feier der USA aufgestellt.

Was diese beiden Figuren in der Nähe der Glocke zu sagen haben, konnten wir nicht herausfinden. Für mich haben sie Ähnlichkeite mit Dick und Doof.

Wir widerstanden der Versuchung, ihr mit dem Klöppel den einen oder anderen Gong zu entlocken.

 

Von dem Hügel aus, auf dem man bei der Glocke steht, gibt es auch einen sehr guten Blick in den Containerhafen.

Erstmal genug für heute gesehen. Eine halbe Stunde braucht es nach „Hause“. Dort gibt es einen frischen Salat und erstmalig Kartoffeln aus der Mikrowelle. Gar nicht so schlecht.

03.03.2025 – Flug nach Los Angeles

Zum Glück geht es wieder los. Nachdem wir ein paar turbulente Monate hinter uns haben, sind wir froh, doch wieder auf dem Weg in den Westen zu sein. Ausgewählte Teile von Utah und Nevada stehen diesmal auf dem Plan.

Auf der Straße nach Süden (also zum Flughafen) sind wir um 6.31 Uhr. Zum Fahren selbst ein guter Tag. Es ist Rosenmontag und die Straßen sind relativ frei. Nachteil: Auf den NRW-Radio-Sendern dudelt auf allen Kanälen Karnevalsmusik. Da schaffen die Nachrichten und der Wetterbericht eine angenehme Abwechselung. Als wir dann schließlich auf SWR3 wechseln, geht es besser.

Die Sonne lacht, als bekäme sie es bezahlt, aber die Temperaturen liegen zwischen -3 und 3° Celsius.

Wir haben uns diesmal im Parkhaus Platzhirsch eingebucht für 170 Euro für 3 Wochen. War die preiswerteste Alternative. Mal schauen, wie das funktioniert. Das Parkhaus liegt nördlich der A3 und ist von der Autobahn gut zu erreichen. Die Parkplätze sind (für meinen Geschmack) relativ großzügig bemessen, wir sehen auch einen Ford Ranger dort stehen. Das macht uns Hoffnung, dass wir demnächst auch mit unserem Dicken hier landen können.

Wir haben Glück, gerade als wir im Wartebereich ankommen, trudelt der Shuttle-Bus ein. Die Fahrt zum medizinischen Zentrum dauert nur 6 Minuten, das empfinden wir als angenehm.

Bevor wir die Koffer abgeben, wiegen wir sie noch einmal an den öffentlichen Waagen. Da ist noch Luft nach oben. Also stopfen wir unsere dicken Winterjacken auch hinein in der Hoffnung, sie bis LA nicht zu benötigen.

Die Schalter bei United sind so gut wie leer, genau drei Stunden nach dem Start zuhause haben wir unser Gepäck abgegeben und die Bordkarten (zur Sicherheit) in der Tasche.

Die Luxx-Lounge wartet schon auf uns, viele Bereiche sind umgestaltet worden. Die Tische mit den Stühlen sind nicht ganz so bequem wie die Ledersessel, aber dafür lässt sich mit dem Computer hervorragend hier arbeiten. OK, der Urlaub kann beginnen.

Pünktlich machen wir uns auf den Weg zum Gate, an der Security eine etwas längere Schlange. Aber nur für die Premium-Kunden. Für das normalsterbliche Volk ist alles frei und wir sind schnell durch.

Wir haben wie beim letzten Mal Premium Eco gebucht und zwei sehr gute Sitze bekommen.

 

 

 

Das Essen ist mehr oder weniger geschmacksneutral, aber essbar (hier unsere Frühstücks-Pizza gegen Ende des Fluges).

Nach ca. 11 Stunden starten wir den Landeanflug auf SFO. Der Flieger war nicht sonderlich gut gefüllt und wir hoffen, bei der Einreise nur kurz warten zu müssen.

Karin startet die MPC-App, wir melden uns mit unseren eigenen Gesichtern an. An dem Kiosk für MPC-Willige haben wir kaum die Zeit, unsere Pässe aus der Hosentasche zu holen, schon stehen wir vor dem Beamten, machen das Frage- und Antwortspiel und sind schon in den USA eingereist.

Während wir auf die Koffer warten, versuchen wir, unsere Handys startklar zu machen für den USA-Empfang. Wir haben beide mittlerweile relativ teure Telekom-Verträge, um aus familiären Gründen unter unserer „normalen“ Rufnummer erreichbar zu sein. Bei meiner Göttergattin klappt dies auf Anhieb, meine sprechende Knäckebrotscheibe widersetzt sich.

Wir bringen unsere Koffer zum „Re-Checkin“ und gehen wir erstmal zum nächsten Gate, von wo der Weiterflug nach LA starten soll. Wir müssen wieder durch die Security und bekommen diesmal das volle Programm geboten.

Am Gate vergleichen wir dann die Einstellungen für den Mobilfunk, aber mein Gerät kann sich nicht mit den hiesigen Netzen anfreunden. Schließlich finden wir eine Auslands-Hotline, wo wir einen Telekom-Mitarbeiter zur nachschlafenden Stunde erreichen. Aber er kann uns auch nicht weiterhelfen. Wir mögen es doch mal zu deutscher Tageszeit bei der Hotline versuchen.

Etwas müde setzen wir uns in den Flieger nach LA und verschlafen einen Großteil des Fluges.

In LA erneute vergebliche Versuche, mein Handy zum Laufen zu bringen, während wir auf die Koffer warten.

Als diese schließlich vor uns stehen, machen wir uns auf den Weg zu den Shuttle-Bussen. Auf die Busse von Hertz haben wir bisher immer relativ lange gewartet, die Kutsche von Alamo kommt erfreulich schnell. Warum diesmal Alamo? Erstens war die gewünschte Wagenklasse mehr als 150 Euro billiger und wir hatten die Befürchtung, bei Hertz wieder ein „Upgrade“ auf die 250er Serie zu bekommen.

Bei Alamo hatte sich Karin extra in langwieriger Kleinarbeit zuhause durch den Anmeldeprozess gekämpft, um den Schalter zu umgehen und direkt am Kiosk „mal eben“ die notwendigen Dokumente zu bekommen. Und warum? Nur, um dort einen Zettel mit unserer Buchungsnummer ausgedruckt zu bekommen, auf dem stand: Melden sie sich am Schalter.

Der Bedienstete ging also noch einmal den Buchungsvorgang durch und schließlich konnten wir uns auf den Weg zum Auto machen.

Zur Auswahl standen ein Dodge RAM und GMC Sierra. Letzten hatten wir noch nie gefahren. Logisch, dass wir uns den genauer anschauten: Knapp 5000 Meilen auf der Uhr, Ledersitze mit Sitzheizung, das ist alles was für meine Beifahrerin zählte. Nehmen wir.

Das Rückabteil ist erwartungsgemäß riesig und wir verladen unsere Koffer. Da ist noch Platz für mehr…

Im Hotel klappt alles gut und da es mittlerweile in Deutschland nach 7 Uhr morgens ist, versuchen wir es mit Hotline erneut. Offensichtlich muss etwas bei der Telekom intern für meine SIM-Karte umgestellt werden, dann nach gefühlt einer weiteren Stunde endlich die Nachricht meines Handys: Im Netz registriert. Eigentlich hatte uns ein Mitarbeiter der Telekom versprochen, dass er uns diesbezüglich in der nächsten halben Stunde zurückruft. Aber wir fallen einfach nur totmüde ins Bett.

Als dann etwas später wirklich das Telefon klingelt und die Stimme fragt: Was kann ich für sie tun?, lautet meine spontane Antwort: Auflegen. Aber ich raffe mich doch noch auf, ihm zu bestätigen, dass jetzt alles funktioniert. Bitte nur schlafen.

01.10.2024 – Marina – SFO – Heimreise

Nun ist er angebrochen, der letzte Tag unserer wunderbaren Kalifornien-Reise. Den wollen wir voll auskosten. Unser Flieger ab SFO geht erst um 19.30 Uhr, wir haben mehr als genug Zeit, von Marina gemütlich an der Küste nach Norden und dann zum Flughafen zu fahren.

Beim Auschecken wäre beinahe noch ein Malheur passiert. Wir hatten vor zwei Tagen zwei Travelcards mit abgegeben. Diese kann man unter anderem bei Payback gegen Punkte erwerben. Auf jeder „Karte“ sind 20 Euro drauf.

Die müssen bei der Abrechnung in USD umgerechnet und dann von der Rechnung abgezogen werden. Aber das erfordert etwas mehr Sachkenntnis als ein übliches Einchecken und wird daher gerne von den weniger hoch dotierten Kräften an „Spezialisten“ weitergeleitet. Wenn es denn geschieht. So auch in diesem Fall. Ich fragte nach der Rechnung, und ob die Travelcards berücksichtigt worden wären. Welche Travelcards? Die Angestellte war erstaunt. Aber wir konnten sie überreden, nach den Papierdokumenten zu suchen und nach einiger Zeit wurde sie auch fündig. Und sie war sogar in der Lage, den Euro-Betrag in USD umzurechnen, so dass uns von der Rechnung 44,26 USD abgezogen wurden.

Dem Strand von gestern Abend (dem Marina State Beach) müssen wir noch einen Besuch abstatten.

Wie üblich sind die Parkplätze auch zu früher Morgenstunde gut besucht, aber wir wollen nicht lange bleiben, wir haben unser volles Gepäck im Auto.

Bei einer vorigen Reise hatten wir vor der Küste noch Delfine gesehen, die waren anscheinend gerade beim Einkaufen.

Jetzt geht es nach Norden, immer an der Bucht entlang bis hinauf nach Santa Cruz. Es geht vorbei an Feldern, auf denen die Pflücker fleißig arbeiten/ernten.

Südlich von Santa Cruz liegt noch die Stadt Capitola mit ca. 10.000 Einwohnern. Ich hatte ein Foto von dort gesehen mit vielen bunten Häusern.

Der erste Parkplatz oberhalb der Bucht ließ zwar den Pier gut zur Geltung kommen, aber von den Häusern ist nicht viel zu sehen.

Also machten wir uns auf den Weg nach Downtown und fanden einen passablen Platz für zwei USD/Stunde.  Das ist fair.

Auf der anderen Straßenseite eine hübsche Häuserzeile, die mit ihren Vorgärten schon fast einen englischen Touch hatte.

Dann quetschten wir uns durch zwei Häusern durch und standen vor dieser allerliebsten Hausreihe, so bunt, wie man sie selbst bei den Painted Ladies in San Francisco nicht findet. Die Sonne scheint und die Gebäude spiegeln sich im Wasser. Das Ganze nennt sich historic Venetian Court.

Auf dem Pier blickt man auf eine wilde Steilküste.

Auch die nicht zum Venetian Court gehörenden Häuser sind hübsch und malerisch.

Auf dem Rückweg queren wir den Soquel River mit einer imposanten Eisenbahnbrücke im Hintergrund.

Jetzt geht es weiter nach Norden. Das nächste Ziel, was gerade noch in unsere Zeitplanung passt, ist das Shark Fin Cove. Zumindest ist die Bucht unter diesem Namen im Internet gelistet. Wenn man von oben auf das Wasser schaut, erkennt man auch, warum.

Bevor es den Weg runtergeht, lesen wir allerdings Shark Tooth Beach. Was denn nun?

Unten gibt es eine Höhlung im Felsen, durch die man die komplett im Wasser liegenden Felsen sehen und auch fotografieren kann. Aber die Flut spült immer wieder Wellen hoch an den Strand, so dass ich nicht zu einem Schuss komme, auf dem der Shark Tooth komplett sichtbar ist. Das hätte für mich (und wahrscheinlich auch für die Kamera) ein Vollbad bedeutet. Heute am letzten Tag so kurz vor der Abreise keine Option.

Ich begnüge mich mit dem kleineren Felsen und einem Ausschnitt mit dem Shark Tooth, soweit ich ihn mit trockenen Füßen draufbekomme.

Wir mühen uns den Berg wieder rauf, es ist am ersten Oktober ganz schön warm und fahren weiter nach Norden.

Einen Stop machen wir noch vor dem südlich von Pacifica liegenden Tunnel, um noch ein letztes Stück Steilküste

und den Tunneleingang abzulichten.

Von Pacifica geht es direkt zum Costco, mein Koffergewicht lässt noch genau eine Dose M&Ms (ca. 1,7 kg) zu. Bevor wir tanken, ziehen wir uns noch die Reisekleidung an, tanken noch ein letztes Mal voll und geben den Wagen ab.

Gepäckaufgabe und einchecken klappen problemlos und kurz vor unserem Gate gibt es ein Restaurant, welches uns mit unserem Priority Pass einen sehr leckeren Burger spendiert.

Da es bis zum Abflug noch etwas dauert, kann ich mir eine Steckdose suchen und Bilder und Text vorbereiten.

Der Flug startet pünktlich und es gibt – im Gegensatz zu anderen Reisen, wie wir im Internet mitlesen – keine Komplikationen. Kurz nach 15 Uhr setzen wir auf deutschem Boden auf.

Die Einreiseformalitäten sind in Sekunden erledigt, so wünsche ich mir das in den USA auch.

Das Gepäck ist vollständig dabei. Aber dann geht es zum ersten Mal nicht direkt zu Fuß zum Parkhaus, sondern zu Holiday Parking Süd. Wir marschieren aus dem Zollgebiet raus und stehen schon direkt am Ausgang. Müssen uns nur links halten und ca. 100 Meter zur Bushaltestelle am Medical Centre laufen.

Der Bus fährt pünktlich los (ok, wir haben ca. 20 Minuten gewartet, aber es ist nicht zumutbar, die Ankunftzeit des Flieges mit Gepäckabholung etc. genau auf einen Abfahrttermin abzustimmen). So sitzen wir denn 50 Minuten nach Verlassen des Flughafengebäudes im Auto und verlassen das Parkhaus. Die reine Laufstrecke war deutlich geringer als zum direkt angrenzenden Parkhaus, dafür war die Gesamtdauer deutlich länger. Es kann sich jeder überlegen, wie er es gerne hätte.

Aber die Rückfahrt gestaltete sich leider so verstaut wie selten. Es dauerte bis 20.30, bis wir uns wieder in Essen befanden.

Resumée

Ihr wart doch schon in Amerika. Warum schon wieder? Die Frage bekommen wir häufig gestellt und die Antwort lautet: Ja, wir waren schon öfters dort und wir haben festgestellt, dass wir noch immer nicht alles gesehen haben, obwohl wir uns immer „nur“ im Westen rumtreiben. Auch diese Reise hat viel Schönes und Bekanntes mit genauso viel Neuem verknüpft. Aber warum soll man nicht bewährte Hotels wieder besuchen? Orte, die vertraut und schön sind, erneut besichtigen? Die Waltour war ein Special und auch Carmel haben wir noch nie so gesehen. Bishop war wieder der Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen zu Seen, die bisher noch weiße Flecken auf unserer Karte waren. Den Lake Tahoe konnten wir erstmal so sehen und erkunden, wie wir es immer wollten. Capitola war die Überraschung des Tages.

Ich sage, wir haben alles richtig gemacht. Was war anders als sonst? Wir sind wieder ca. 3000 Meilen gefahren. Aber diesmal mit einem anderen Auto als sonst. Es war ein Dodge RAM 2500. Das ist eine Kategorie höher als die Pickups, die wir bisher unter dem Hintern hatten. Und da sind die Unterschiede nicht zu vernachlässigen:

  • Der Wagen ist deutlich höher als die F150-Klasse. Für das nächste Mal müssen wir uns einen Fußtritt besorgen, damit man halbwegs bequem auf die Ladefläche aufsteigen kann
  • Der Spritverbrauch ist deutlich höher. Ohne jetzt genau gemessen zu haben, lag er bei den Tankfüllungen ungefähr bei 15-16 mpg, das entspricht 14-15 l /100 km
  • Aufgrund des höheren Chassis sind die oberen Griffe an den Türöffnungen eine Notwendigkeit, das Runningboard eine willkommene Hilfe
  • Die Bedienung verlief intuitiv, da gab es nur wenig Eingewöhnungsprobleme
  • Interessant ist bei dem Wagen, dass er beim Bergabfahren die Geschwindigkeit sehr gut hält, das auch, wenn der Tempomat abgeschaltet ist
  • Wenn der Wagen, um die Geschwindigkeit zu halten, hochschaltet, schaltet er erst sehr spät wieder runter
  • Ein sehr praktisches Feature, welches ich sehr schätzen gelernt habe: Hinter dem Fahrersitz gibt es im Fußraum eine Klappe mit einem Staufach. In dieses passte meine Dicke Berta exakt rein. So musste ich sie nicht immer mitschleppen und hatte sie trotzdem sichtgeschützt immer schnell griffbereit.

30.09.2024 – Big Sur Coast – North, zweiter Versuch

Wir haben gut geschlafen, obwohl in den Morgenstunden der Verkehr des Highway 1 deutlich vernehmbar war. Nicht auszudenken, wie es gewesen wäre, hätte unser Zimmer direkt an der Straße gelegen.

Da die Küste selbst am frühen Morgen nicht von Nebel eingetrübt ist, beschließen wir, den Highway 1 noch einmal runterzufahren und für Euch all die schönen Küstenabschnitte zu präsentieren, wenn sie in der Sonne liegen. Ich hoffe, Ihr wisst den Aufwand zu schätzen.

Wir lassen Carmel direkt rechts liegen und landen nach einiger Zeit am Garrapata State Park. Ein kurzer Weg führt an der Steilküste vorbei, ein anderer Abzweig geht an den Strand hinunter. Die Küste sieht man am besten von oben, daher sparen wir uns die nach unten absteigenden Treppen. Es würde uns ja auch keiner wieder rauftragen.

Während wir versonnen auf das Meer starren, fallen uns immer wieder an fast der gleichen Stelle Unregelmäßigkeiten auf. Wale. Man kann sie wirklich auch auf diese Entfernung noch erkennen. Anscheinend eine Mutter mit ihrem Kalb, so eng und synchronisiert, wie die Blasfontänen aus dem Wasser steigen. Es ist schon etwas anderes, Tiere im Zoo zu sehen oder sie in der freien Wildbahn zu stalken.

Die Wale könnten wir zwar fotografieren, aber Ihr könntet sie nicht erkennen. Daher freut es mich, ein anderes Tier in freier Wildbahn zu erwischen. Von gestern wissen wir: Es geht keine Gefahr von Schmetterlingen aus. Folglich traue ich mich nah ran.

Es geht weiter. Auch diese Stelle am Kasler Point hatten wir schon bei trübem  Wetter gezeigt. So macht sie doch bedeutend mehr her.

Und die Eidechse traut sich bei Sonnenschein auch raus.

In der Nähe des Rocky Point kann man sehen, wie die Felsen an der Küste in einen weichen Dunst wie in Watte gehüllt werden. Das ist ein Anblick, der das Herz höher springen lässt.

An der Rocky Creek Bridge dürfen wir die Brücke wieder einspurig befahren. Immer noch das ungute Gefühl: Was ist, wenn von dieser einen Spur auch noch was wegbricht? Während wir fahren oder bevor es zurück geht? Aber auch dieses Mal geht alles gut und wir machen unseren nächsten Stop an der Bixby Bridge. Diesmal haben wir mehr Glück und finden direkt an der „offiziellen“ Parkbucht einen Platz.

Als wir das Bauwerk abgelichtet haben, fällt uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Einmündung auf ohne Verbotsschilder. Da müssen wir rauf. Abenteuerlust bricht sich ihren Weg. Aber damit ist es schon kurze Zeit später vorbei: Wir bekommen einen schönen Blick auf die Bixby Bridge von hinten, aber haben keine Ahnung, wohin uns diese Dirt Road führt.

Also kehren wir um und setzen uns wieder auf den Highway 1.

Am Hurricane Point werfen wir den Blick nach Norden auf die Bixby Bridge.

Dann wird es lebhaft und wir erfahren, wohin die ganzen Autos unterwegs sind: Direkt oberhalb der Steilküste gibt es ein Restaurant namens Nepenthe. Es gibt reichlich Parkplätze. Aber deswegen kommen die Leute nicht hierhin. Sie kommen wegen tollen Aussicht auf die Landschaft und die Aussicht, was zu Essen und zu trinken zu bekommen.

Die Aussicht können wir bestätigen, aber ehrlich gesagt, es gibt noch schönere Punkte. Die allerdings ohne Bedienung zum Essen und Trinken.

Zum Beispiel den Julia Pfeiffer Burns State Park Vista Point. Auch hier hatten wir schon gehalten, auch hier MÜSSEN wir wieder ein Foto machen.

Und das ist auch schon der vorletzte Punkt auf unserem Trip nach Süden, direkt vor uns liegt der McWay Falls, dieser malerischen, wunderschöne Wasserfall mit seinem türkisen Wasser, wie man es sonst nur aus Prospekten kennt.

Aber auch zur anderen Seite lässt sich die Landschaft nicht lumpen. Wenigstens genauso spektakulär, aber weniger fotografiert ist der Anblick nach Norden von fast der gleichen Stelle aus.

Wir drehen um, denn wir haben noch ein straffes Programm: Picknicken und Erholen an der Küste vor Monterey, Schnellshoppen bei Walmart, Sonnenuntergang beobachten in Marina.

Um nach Monterey zu kommen, passieren wir auf dem Highway 1 wieder den Berg mit dem Big Sur Lighthouse, wo wir auf unserem ersten Trip diese tolle Führung bekommen hatten.

Monterey und der Sunset Drive sind schnell gefunden und wir lassen uns auf der Ladefläche nieder, um heute morgen von Costco mitgebrachten Salat zu genießen. Diesen und die Aussicht. Obwohl wir kürzlich erst zu einer ähnlichen Uhrzeit und an ähnlicher Stelle viele Walsichtungen hatten, kommt heute kein einziger vorbei. Ein Waltourboot tuckert vor der Küste entlang, die werden enttäuscht sein.

Dann geht es nach Hause, vorher bei Walmart vorbei und dann „hetzen“ wir die paar hundert Meter mit dem Auto zum Strandparkplatz, der wie immer gut besucht ist. Und das eine Stunde vor Sonnenuntergang. Schließlich finde ich in vierter Reihe ein Plätzchen und fange am mitgebrachten Rechner an, Fotos zu laden und den Text zu schreiben, während Karin unten am Strand Wellen zählt.

Schließlich macht sich die Sonne auf den Weg nach ganz unten. Sie plumpst bestimmt gleich über den Rand der Scheibe.

Als das geschehen ist, geht es zurück ins Hotel. Was für ein letzter Tag.