04.05.2023 – Von Yuma nach Phoenix

Gestern wäre der Tag beinahe in einem Desaster geendet. Unser Hotel für die nächsten zwei Nächte sollte in Mesa sein, also am östlichen Rand von Phoenix. Erinnern wir uns (oder auch nicht?): Im Sommer 2019 waren wir vor den Hagelschauern in Flagstaff gen Süden geflüchtet, in ein schönes Hotel in Scottsdale, auch Phoenix. Mit dem uncharmanten Nachteil, dass sich sämtliche Diskotheken des Dorfes um das Hotel herumgruppierten mit dem entsprechenden Lärmpegel. Zum Glück konnten wir noch umbuchen in ein Hotel in Mesa.

Als ich dann gestern Abend in meine Best Western App schaute, lag dort eine Buchung für ein BW-Hotel in Chandler vor. Und diesen Stadteil hatte ich fälschlicherweise im Südwesten, und Mesa im Nordosten von Phoenix verortet.

Aber wie sich herausstellte, befindet sich Mesa mehr im Osten und Chandler direkt südlich davon. Und da liegt auch das Hotel. Also alles im grünen Bereich.

Es war angenehm warm am Morgen und wir nahmen das Frühstück im Innenhof des Hotels draußen ein. Das Frühstück war das reichhaltigste, das ich auf dieser Reise kennengelernt habe. Daran werden sich alle anderen Hotels messen lassen müssen.

Bevor es auf die Straße geht, noch kurz in Chandler anrufen und fragen, ob wir ein Upgrade bekommen können. Das machen wir jetzt immer so, da am Morgen die Zimmerbelegungen durchgeführt werden und wenn sie ein Upgrade zur Verfügung haben, sind die Chancen groß, dass wir es auch bekommen. In diesem Fall sollte es klappen.

Schauen wir uns jetzt noch kurz die Oldtown von Yuma an. Ich liebe diese alten Innenstädte mit ihren aus Stein gebauten Häusern, die einen eigenen Charm der „alten“ Zeit verströmen.

Nachdem unser Navi uns endlich dahin gelotst hatte – Computer sind auch nur Menschen – standen wir vor dem Eingangsbogen, der in vielen dieser Städte den Eingang markiert. OK, in San Francisco ist der Bogen zu Chinatown wesentlich größer, aber der Stadteil selbst ist auch nicht mit Yuma zu vergleichen.

Linker Hand steht das Gowan Building und beherbergt mittlerweile das Post-Office.

Ein Stück weiter die typische Häuserzeile, wie man sie häufig findet.

Die Fahrt auf der Autobahn war relativ langweilig, weshalb ich einen Teil der Fahrt verschlief (auf der Beifahrerseite).

Die einzigen „interessanten“ Unterbrechungen waren ein Großfeuer (ob von Menschenhand gelegt oder nicht, wissen wir nicht)

und einer von mehreren Zügen, die parallel zu uns fuhren. Der abgelichtete hatte sage und schreibe 235 Wagen und wenigstens 6 Loks.

Als wir uns Phoenix näherten, beschlossen wir, noch einen kurzen Umweg einzulegen und bei den Casa Grande Ruins einzulegen. Diese hatten wir vor einigen zig Jahren schon einmal besucht und wollten die Erinnerung auffrischen.

Ein freiwilliger Führer erzählte gerade etwas von dem Bauwerk, also stellten wir uns einfach dazu und hörten ihm zu.

Auf der Rückseite machte er uns auf ein Eulennest aufmerksam und begann dann, über die Eule als solche und die dortige Familie im speziellen zu referieren. Unter anderem erzählte er, dass die Eulen bei den native Americans ungefähr den gleichen Ruf haben, wie bei uns schwarze Katzen, die an einem Freitag von links nach rechts über die Straße gehen. Und deshalb lässt er diesen Teil in seinem Vortrag raus, wenn unter seinen Zuhörern native Americans sind. Diese Vögel haben trotz ihres schlechten Rufs offensichtlich die Genehmigung, dort zu nisten. Menschen dürfen nicht rein, das ist heiliger Boden.

Der Nachmittag war mittlerweile angebrochen und wir hatten noch ca. 20 Minuten zum Hotel. Unser Guide vom National Monument hatte uns noch auf eine Stelle hingewiesen, wo hunderte Saguaros in Blüte ständen. Nun zieht man ja von Behauptungen von „Fremdenführern“ erstmal die Hälfte ab, aber in diesem Fall war die Zahl eher noch zu tief gegriffen.

Die einzige Schwierigkeit bestand darin, ohne auf eine Klapperschlange zu treten, eine Blüte aus der Nähe abzulichten. Aber wozu haben wir einen Truck? Als einer dieser Kakteen ganz nah am Straßenrand stand, musste ich nur die Ladefläche entern und kam so zu diesem Foto.

Die Kreosote-Büsche leuchten schön gelb im Vordergrund und machen die Fahrt wirklich zu einem Erlebnis.

Im Hotel bekamen wir ein schönes Zimmer, machten uns aber sogleich wieder auf den Weg, erst zu Costco, Tanken und Futter einkaufen und dann zum „Hole in the Rock“.

Ich weiß auch nicht, was die Menschen an Löchern in Felsen so fasziniert, kann mich aber auch nicht davon ausschließen. Dieser Felsen befindet sich im Papago Park, ebenso wie der Phoenix Zoo und der Desert Botanical Garden. Da uns die ganze Fahrerei schon ziemlich geschwächt hatte, genehmigten wir uns erstmal ein gemütliches Abendessen, um dann anschließend den Felsen von hinten zu erklimmen. Ist halt ein Loch im Felsen, man kann durchschauen

im Loch posieren,

die umliegenden Felsen fotografieren

und wieder zurücklaufen.

Den Botanischen Garten hätten wir uns auch noch angeschaut, aber die Dämmerung brach herein und dafür pro Person 25 USD zu zahlen, empfand ich ein bisschen viel.

Folglich musste diese „Kunstblume“ herhalten, die dafür schön im Gegenlicht stand:

Danach zurück auf die Autobahn in unser gemütliches Hotelzimmer. Auch wieder ein schöner und sehenswerter Tag.

 

03.05.2023 – Fahrt von LA nach Yuma

Das Jetlag ist noch nicht vorbei, wir kommen früh aus den Federn, was uns mehr Zeit am Tag zum Erkunden lässt.

Das heutige Ziel ist die Stadt Yuma an der Grenze von Arizona, ca. 4,5 Autostunden entfernt. Mit ein paar schönen Zwischenzielen lässt sich die Fahrt bestimmt noch würzen.

Nachdem wir dem großen Stau in LA erstmal entkommen sind, biegen wir vom Interstate 8 einfach an einem Schild zu einem Beach Park ab. Der San Clemente Beach Park sollte es sein. Einfach das Meer sehen.

Der Himmel wird nur von ein paar Schäfchenwolken geschmückt und die Felsenschluchten laden zum Klettern ein. Aber immer, wenn es droht, interessant und schön zu werden, steht dort ein Schild, welches genau das verbietet. Nicht nur in Deutschland so.

Weiter geht es und an einem Vista Point südlich vom San Onofre State Beach legen wir eine Pause ein, um die süßen Squirrels zu beobachten und abzulichten.

Weiterhin gibt es süße Panzer, Landungsboote und genauso süße Hubschrauber zu sehen, die ihre Militärübungen machen, aber die Fotos werde ich aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht zeigen.

Das nächste Ziel, welches ich mir ausgesucht hatte, war das Salk Institute for Biological Studies, welches mir von der Architektur sehr interessant vorkam. Aber die beste Strandläuferin zog es mehr zum Meer und so fuhren wir über einen riesigen Dirt Parkplatz bis zum Ende, wo ein Trampelpfad an den Klippen nach unten führte.

Plötzlich überfielen meine Göttergattin heftige Zweifel, ob ihre Schuhe genau für diesen Sand, diese geografische Breite und Länge und die Steilheit geeignet seien. Kurz gesagt, sie hatte Schiss. Aber an Herausforderungen wächst man bekanntlich und so tapsten wir vorsichtig (wie Beamte: Immer einen Fuß vor den anderen setzen, und das in abwechselnd umgekehrter Reihenfolge) nach unten. Der Blick von oben war schon atemberaubend, was man meiner Göttergattin auch ansieht.

Am Rande einer Schlucht (in Spanien hieße sowas glaube ich Barranco) landeten wir schließlich auf dem Strand. In die Schlucht selbst durfte ich – wie üblich – nicht reingehen, gesperrt.

Wir genossen am Strand den herrlichen Sonnenschein, die Wellen, genau wie die anwesenden Vögel.

Ich glaube zu wissen, warum die Strandläufer so lange Schnäbel haben: Ich hätte auch keine Lust jedes Mal mit den Lippen im Sand zu wühlen.

Genossen wurde der Strand auch von einigen Männern, die offensichtlich total verarmt waren. Wie wäre es sonst zu erklären, dass sie sich noch nicht einmal Kleidung leisten konnten? Auch diese werde ich aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht zeigen (und weil ich sie nicht fotografiert habe)

Die Alltrails-App schlug uns für den Weg nach oben zwei weitere Optionen vor: Zum einen über gefühlt 100 Treppenstufen die hundert Meter wieder rauf.

Oder noch ein paar Meter weiter den Saigon-Trail versuchen. Den hatte ich auch schon auf dem Schirm gehabt, aber er war als deutlich schwieriger beschrieben als der von uns nach unten gewählte Pfad. Ein paar Meter zog ich mich an einem Seil empor, um zumindest einen Blick in dieses wirklich reizvolle Tal zu werfen, um dann vorsichtig wieder nach unten zu schlittern. OK, wir nehmen doch die Treppe – wenn kein Aufzug da ist.

Oben angekommen, liehen wir uns erstmal Sauerstoffzelte aus. Danach  „landeten“ wir am Torrey Pines Glideport. Dort startet die Gleitschirmflieger einzeln oder im Tandemflug. Das waren also die großen schwarzen Schatten, die immer wieder den Sand verdunkelten.

Wo ich schon gerade bei Torrey Pines bin: Dies ist der Name des etwas weiter nördlich gelegenen Stateparks, den man nach Zahlung des Eintrittsgeldes auch zum Wandern benutzen kann. Aber ich glaube, dass es dort auch nicht viel anders aussieht als das, was wir gerade erlebt haben.

Wandern macht hungrig. Und wofür haben wir einen Truck? Ladeklappe herunter geklappt und eine schöne Mittagspause mit Salat, Baguette von Costco und natürlich dem unvergleichlichen Artichoken-Jalapeno Dip gemacht.

Jetzt hatte ich aber immer noch das Salk-Institute auf dem Plan. Also fuhren wir so nahe wie möglich ran und ich machte mich alleine und zu Fuß auf den Weg. Als ich das küstennahe Ende erreicht hatte, versperrte mir ein Zaun den Zugang. Also einmal rum ums Gebäude, und da ist es genauso zu. Aber immerhin ein Schild mit „Visitor entrance“. Eintritt nur mit Registrierung. Aber ich bin jetzt nicht den ganzen Weg gelaufen, nur um mich dann abspeisen zu lassen. Ich wurde von einer sehr freundlichen Dame namens Angela begrüßt und teilte ihr mit, dass ich einen Travel-Blog schreibe und das Gebäude gerne fotografieren möchte. Ob ich registriert wäre? Äh, nein. Dann bitte hier ins Wlan einklinken, das Reg-Formular ausfüllen und schon bekam ich einen Bepper auf die Brust geklebt und durfte mich austoben. Geht doch.

Nun aber endlich auf die Piste. Eine etwas längere Fahrtstrecke liegt vor uns bis zu einem Zwischenziel, dem Valley of the moon. Dort angekommen hätten wir a) noch eine ganze Streck 4WD-Road fahren und danach noch laufen müssen. Und es war mittlerweile schon 16 Uhr geworden. Ziel gestrichen, in schwarzer Farbe.

An der gleichen Ausfahrt, auf der anderen Seite der Autobahn, gibt es angeblich den sogenannten Desert View Tower. War nicht allzuweit, macht optisch was her und liegt am Rande einer schönen Felsenlandschaft.

Weiter geht es in Richtung Osten, noch ca. 1,5 Stunden bis Yuma. Teilweise dicht entlang der mexikanischen Grenze, welche durch einen hohen Zaun gut erkennbar ist. Also der dunkle Strich im Hintergrund, falls das nicht klar sein sollte.

Eine letzte PP legten wir an der Sand Hills Rest Area ein, die Imperial Sand Dunes leuchteten schon im Abendlicht. Warum sind wir dazu eigentlich nach Colorado gefahren im letzten Urlaub.

In Yuma kamen wir kurz nach 18 Uhr an und bezogen unsere großzügige Suite, wo wir uns ein leckeres Abendessen schmecken ließen. Besonderes Highlight: An der Rezeption gab es sehr leckere Cookies.

Morgen geht es weiter nach Phoenix.

02.05.2023 – Los Angeles, Stadt der Engel

Wie der geneigte Reisebericht-Fan nicht anders erwartet haben wird, schlug das Jet-Lag trotz Melatonin-Zuwendung unbarmherzig zu. Und selbst, wenn wir um 2 Uhr hätten wieder schlafen können, in Deutschland hatte es sich noch nicht rumgesprochen, dass wir eine 9-stündige Zeitverschiebung haben. Folglich klingelte das Telefon…

Um 7 Uhr konnten wir dann endlich den Frühstücksraum aufsuchen und standen erstmal eine ganze Weile dumm rum, weil eine Reisegruppe, vermutlich aus Osteuropa, aber nicht genau zu lokalisieren, alle Tische und Stühle belegt hatte. Also verzogen wir uns mit dem ersten Teller in die Lobby. Als wir dann zurückkamen, hatte der Busfahrer anscheinend alle Schäfchen eingesammelt und wir konnten die zweite Runde am Frühstückstisch genießen. Also soweit man amerikanisches Frühstück genießen kann. Es ist nicht schlecht, aber mit Frühstücksbuffets in deutschen Best-Western Hotels nicht zu vergleichen. Aber egal, wir wurden satt, füllten unsere Isolierkannen mit Kaffee auf und eroberten unseren schönen neuen Truck.

Als erste Handlung am ersten Urlaubstag nach der Anreise füllen wir üblicherweise unsere Lebensmittelvorräte auf. Haltbare Sachen, die im Kühlschrank und unserer Kühlbox locker ein paar Tage überstehen. Eigentlich hatten wir den Walmart anvisiert, aber auf dem Weg fiel meiner Göttergattin ein Food 4 less auf. In dem bekommt man Lebensmittel meistens noch eine ganze Portion billiger – ohne auf Qualität verzichten zu müssen.

Wir zahlten ungefähr 130 USD und hatten den Wagen voll. Das haben wir schon lange nicht mehr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erlebt.

Klamotten verpacken und dann das erste Urlaubsziel ins Navi eingeben:

Schon seit Jahren träumen wir davon, mal den Santa Monica Pier zu besichtigen. Meistens scheiterte es daran, dass wir am Wochenende in LA ankamen und Parkplätze zum Preis einer kleinen Eigentumswohnung zu mieten waren oder wir hätten direkt vom Hotel laufen müssen.

Auf dem Weg dorthin stachen uns immer wieder Schilder mit Venice in die Augen. Dieser Ortsteil ist ja nicht nur durch seinen berühmten Strand, die Surfer und David Hasselhoff bekannt.

Man findet dort auch die Kanäle, die dem Ort seinen Namen gegeben haben. Wir waren vor einigen Jahren einmal durchgefahren, aber die Chance, dort drin einen Parkplatz zu finden, ist effektiv gleich Null.

Diesmal gondelten wir auf der Pacific Avenue entlang, parallel zu den Kanälen. Und dort gab es freie, kostenlose Parkplätze am Straßenrand, also merken. Und dann gibt es von dort Stichwege ins „Innere“, die wir dann nutzten, um ganz gemütlich zu lustwandeln. Wie man sieht war gerade Ebbe, und mit Hochwasser sieht es noch viel schöner aus. In manche Wohnungen und Häuser konnte man einfach so reinsehen und den Bewohnern beim Homeoffice zusehen.

In Santa Monica angekommen, fanden wir diesmal in akzeptabler Entfernung ein Groschengrab, welches sich zwar nicht mit meiner Amex-, aber dafür mit der Visa-Karte füttern ließ. Über den Preis schweige ich mich aus.

Ein wenig auf dem Boardwalk entlang, man wird von Joggern und Radfahrern überholt, genauso, wie man das aus Filmen kennt, stiegen wir dann die Treppen auf den Pier hinauf. Im Endeffekt sieht er aus wie jeder Pier, drei verschiedene Musiker gaben sich mit den verschiedensten Musikrichtungen die Ehre und die Andenkenläden hoffen auf das große Geschäft. Also jetzt wirklich, nicht um die Ecke denken bitte.

An der Küstenlinie flogen Pelikane vorbei, um sich ein über das andere Mal ins Wasser zu stürzen in der Hoffnung, dass niemand den Fisch gewarnt hatte.

Zurück am Auto setzten wir uns den Rest der Parkuhrzeit – wir wollen ja nichts vergeuden – auf eine Bank und testeten den Kartoffelsalat und die Würstchen an. Bingo, die nehmen wir wieder.

Nächstes Tagesziel war auch ein schon lange auf der Bucket-List stehender Ort: Die La Brea Tarpits. Wörtlich übersetzt sprechen wir von Teer, aber wir mussten uns belehren lassen, dass es sich eigentlich um Asphalt handelt. Unterhalb der Erdoberfläche befinden sich Ölvorkommen, die nach oben dringen und Öl/Asphalt-Seen bilden.

Tiere, die sich darein verirrten, kamen nicht mehr raus. Angefangen hat es wohl mit Pflanzenfressern. Und die gierigen Carnivoren, angefangen mit Diego, dem Säbelzahntieger, sahen diese als leichte Beute und blieben dann ebenfalls stecken. Auch Mammute und viele andere vorsintflutliche Sklette tauchen immer wieder aus der schwarzen Masse auf.

An einer Stelle kann man den Forschern sogar bei ihren unappetitlichen Arbeiten zusehen.

Wie man erkennen kann, schauen Teile von Skeletten aus der schwarzen Masse raus.

Ein paar Schritte hinter dem Hankock-Park (der die Tar-Pits sowie das dazugehörige Museum enthält) gibt es ein weiteres Museum, das LACMA (Los Angeles County Museum of Art). Und davor steht eine äußerst interessante Lampeninstallation, die schon bei Tageslicht sehr reizvoll aussieht.

Ob ich es mal schaffe, diese bei Nacht beleuchtet zu sehen?

Der Tag war noch jung und noch hatte uns die Müdigkeit nicht vollständig übermannt (bzw. überfraut). Nicht allzuweit entfernt liegt das J. Paul Getty Museum am Interstate 405 nach Norden. Auch hier hatten wir schon einmal einen Gedanken daran verschwendet, diese zu besuchen.

Allein, die Parkgebühren von 20 USD hatten uns für eine Stippvisite abgeschreckt.

Diesmal hatten wir mehr Zeit und fuhren mit unserem Dickschiff in die Parkgarage. Der Panik in den Augen des Einweisers zu entnehmen sollten wir wohl besser nicht bis ganz unten reinfahren. Er wies uns freundlicherweise einen Platz ganz nah am Eingang mit entsprechender Deckenhöhe zu.

Von dort geht es mit einer Art Zahnradbahn (nur ohne Zahnräder) in luftige Höhe bis zum Museum.

Architektonisch ist das für Fotografen schon ein Leckerbissen, die beste Pflanzepflegerin von allen war aber quasi sofort in den wunderschönen Garten verschossen, der wirklich in allen Farben vor sich hin blühte.

Von vielen Stellen des Museums, welches man problemlos von außen umlaufen kann, hat man einen fantastischen Blick über Los Angeles. Die große Hochhausansammlung im Vordergrund ist Century City, weiter hinten links davon ist dann endlich Downtown. Das gibt einem eine Vorstellung der Größe dieser Stadt.

 

 

Man kann übrigens auch das Museum innen betreten, nicht nur um die Toiletten aufzusuchen.

Alte Europäische Meister hängen an den Wänden und bilden einen kräftigen Kontrast zu modernen Architektur.

Irgendwann ließen bei uns die Kräfte nach und wir fuhren mit der Bimmelbahn zurück, um unser vorletztes Tagesziel in Angriff zu nehmen: Costco. In der Nähe unseres Hotels gab es einen, gut, dann sind wir danach schnell zuhause.

Das Navi zeigt 19 Minuten an, ein fantastischer Wert. Und dann flossen die Verkehrsdaten dazu: Verzögerung um 29 Minuten (wenigstens). Also quälten wir uns durch den zähfließenden Verkehr, konnten dabei aber zumindest schön Autos beobachten, unter anderem sah ich meinen ersten Ford F150 Lightning, der erste vollelektrische Truck von Ford.

Bei Costco lebte meine Göttergattin dann wieder auf: Costco hätte sie gerettet. Als ich die Rechnung sah, dachte ich eher, es wäre umgekehrt.

Unter anderem mit zwei Pizza-Stücken bewaffnet kehrten wir ins Hotel zurück. Für den ersten Tag ein ganz schön volles Programm. Aber schön.

01.05.2023 – Flug nach LA

Es ist – Gott sei Dank – wieder soweit. Lange Wochen vorher hatten wir gebangt, ob uns dieser Flug überhaupt vergönnt sein würde. Gesundheitliche Probleme innerhalb der Familie bescherten uns – hauptsächlich meiner Göttergattin – eine enorme Portion Stress. Was ist vorher noch abzuarbeiten, was ist zu bedenken, was ist zu organisieren, was kann zuhause alles schief gehen? Deshalb kann ich ohne zu übertreiben sagen, dass wir beide mehr als urlaubsreif waren.

Quasi mit vorletzter Kraft packten wir am Vortag unsere Klamotten. Dem kam zugute, dass wir aufgrund unseres verlorenen Silberstatusses nur noch einen Koffer pro Person mit 23 kg mitnehmen durften. Und natürlich ein bisschen Erfahrung, die man nach 36 Jahren USA Urlaub erworben hat. Und meine Checkliste in Form einer Einkaufs-App, wo ich seit einiger Zeit die wichtigsten Ausrüstungsteile sowohl in fotografischer als auch rechnertechnischer Hinsicht gespeichert habe und nur noch abhaken muss.

Mit letzter Kraft ging es dann am nächsten Morgen um 6 Uhr auf die Piste nach Frankfurt. Aufgrund des Feiertags war die Autobahn seeehr frei und Baustellen behinderten uns so gut wie nicht. Rechts und links blühen die Rapsfelder in leuchtendem Gelb, also eine Rhapsody in yellow. Die wenigen Autos auf der Straße hatten wohl auch den Tempomaten eingeschaltet, so dass ich mir fast wie auf einem amerikanischen Highway vorkam.

Nach 2 Stunden und 10 Minuten fuhren wir ins Parkhaus. Diesmal P3, weil wir nicht so weit laufen wollten wie aus P2 in den früheren Urlauben. Aber der Schuss ging nach hinten los. Wir befanden uns ganz am Ende des langen Ganges. Na gut, hat der Schrittzähler was zu tun.

Der United Schalter war schon geöffnet (ein Vorteil, wenn man nicht um 6 Uhr morgens fliegt). Die Schlange für „Baggage drop only“ hielt sich in Grenzen. Die Abfertigung ging auch flott und problemlos vonstatten. Und das, obwohl beim Online-Checkin am Vortag immer wieder eine Meldung aufploppte, das irgendwas nicht in Ordnung sei. Aber die App auf dem Handy zeigte unsere Bordkarten und den Status „Travel ready“ in grün. Also alles in Butter.

In der Luxx-Lounge wartete das übliche Frühstück auf uns: Brühwürstchen, Mini-Brötchen, Aufschnitt, Kaffee bis zum Abwinken (hätte ich schon auf der Fahrt brauchen können) und kalte Getränke.

Jetzt kann der Urlaub beginnen.

Aber vorher noch die Fotos von der Fete auf den Rechner spielen, sichten und dem Ex-Geburtstagskind zukommen lassen.

Gleich geht es weiter, über Washington, DC nach LA, wo hoffentlich ein schöner Pickup auf uns wartet.

Auf dem Flug nach IAD erwartet uns eine angenehme Überraschung (eine von mehreren, wie ich schonmal verraten darf): Wir hatten in einer Dreierreihe den Fenster- und den Gangplatz gebucht in der Hoffnung, dass sich keiner zwischen uns setzt. Eine Reihe schräge dahinter, die Viererreihe war fast komplett leer. Also machte ich es mir dort gemütlich und Karin konnte sich über die drei Sitze ausstrecken. Sehr angenehm.

Wir kamen einigermaßen pünktlich an. Die Immigration verlief so (neben den üblichen Schlangen) so unproblematisch und schnell, das haben wir bisher selten erlebt. Am Gepäckband warteten und warteten und warteten wir. Unnötig, denn unsere Koffer standen schon eine ganze Zeit aufgereiht in der Halle. Koffer aufs Band für den Weiterflug und wieder warten. Diese überflüssige Warterei brachte uns dann einen Platz weit hinten in der Schlange ein, weil wir direkt danach wieder durch die Security mussten. Nervig.

Für einen Lounge-Besuch waren diese zuweit entfernt, aber ein Restaurant bot Priority-Pass-Besitzern Essen im Wert von 28 USD an. Für mich ein vegetarischer Burger (die Kühe hatten heute Urlaub) und für Karin ein Salat, das passt gut.

Dann ab zum nächsten Gate und in die nächste Schlange einreihen. Wir hatten aufgrund unseres Economy-Plus Status‘ Plätze direkt hinter Business bekommen. Und das waren eigentlich Premium Economy Sitze, die nicht als solche deklariert waren. Schön viel Platz, alles gut.

Bei Dunkelheit schwebten wir dann um kurz nach 20 Uhr in LA auf dem Flughafen ein. Gepäck war alles da, schnell zur Hertz-Station mit dem Bus. Während der Fahrt ein kleiner Schreck: Die Reservierung für heute war nicht (mehr) in der App auffindbar. Hoffentlich ist da nichts schief gelaufen.

Bei Hertz auf die große Anzeigentafel geschaut: Platz 475, reserviert für Hitzbleck.

Und das ist der Nachteil unserer Pickup-Fahrerei: Die Autos stehen meistens am äußersten Ende des Parkplatzes.

Aber wir wurden für die Lauferei entschädigt. Auf dem Parkplatz stand ein wunderschöner Ford F150 Lariat mit Crew-Cabin, weniger als 7.500 Meilen gelaufen. Ein absolutes Träumchen. JETZT kann der Urlaub beginnen. Foto wird morgen bei Tageslicht nachgeliefert.

Das Handy verband sich auch ruckzuck mit dem Auto und wir konnten uns problemlos zum Hotel leiten lassen.

Wir haben eine schöne Suite bekommen, die wir in der nächsten Nacht auch behalten dürfen.

Ein Wochenende in Den Haag

Was gibt es schöneres, als ein Wochenende mit den lieben Kleinen zu verbringen? Gut, die lieben Kleinen sind jetzt mehr oder weniger erwachsen, aber für die Eltern bleiben sie so.

Wir hatten uns entschlossen, von Freitag bis Sonntag nach Den Haag zu fahren. Warum gerade dorthin? Wir kannten die Stadt noch nicht, sie liegt nah am Meer und machte von Fotos einen schönen Eindruck.

Also setzten wir uns von Essen aus gegen 13.30 auf die Autobahn nach Westen, um in die üblichen Freitag-Staus zu geraten. Was die Fahrt nicht gerade angenehmer machte, war das dichte Schneetreiben, welches uns ab der holländischen Grenze überfiel. Und wir hatten unsere Langlauf-Ski nicht eingepackt.

Aber nach ca. vier Stunden hatten wir das Hotel den Haag in Den Haag erreicht. Ein hübsches altes Haus in einer Reihe von vielen anderen hübschen alten Häusern, einige davon die Botschaften fremder Nationen (auch die Deutsche Botschaft liegt an der Straße, allerdings ein kompletter Neubau).

Die Befürchtungen, dass das Hotel innen so alt ist wie es von aussen ausschaut, wurden zum Glück nicht erfüllt. Wir hatten sogar einen riesigen Balkon, der allerdings am Abend mehr für einen Freischwimmer ausgereicht hätte. Von dort aus der Blick die Straße hinunter:

Die Zimmer waren alle hochmodern renoviert, bis auf die Fenster/Türen nach draußen, die waren im komplett alten Stil erhalten. Isolation? Fragwürdig. Aber es war gemütlich, das Internet funktionierte auch. Was will man mehr? Vielleicht noch etwas Ruhe, denn in der Vorhalle tummelten sich Dutzende Jugendliche, eine Schulklasse hatte sich einquartiert. Wir überlegten schon, ob wir uns nach einer großen Partie umsehen sollten, nur um die Nacht ruhiger als im Hotel zu verbringen. Aber vom Personal wurden wir beruhigt: Die Kids hätten nach 21.30 Ruhe verordnet bekommen. Valium für die ganze Klasse? Angeblich soll man ja in Holland leichter an Drogen kommen. Wir sind gespannt.

Da der Abend noch jung (und wir noch frisch) war(en), machten wir uns zu zweit auf den Weg zur nächstgelegenen Sehenswürdigkeit, dem Friedenspalast. Ca. ein Kilometer entfernt, ebene Straße, Obacht wegen der Radfahrer (fietse und fietse-brom), die ja in Holland einen ganz anderen Stellenwert erfahren als in Deutschland. Zu Einbruch der Dämmerung erreichten wir auch das imposante Gebäude, welches durch Gitter und Zugangsbeschränkungen gut gesichert war. Wir erfuhren dort, dass es sich um die Location des Internationalen Gerichtshofes handelt, kein Wunder also.

Für ein Foto, aufgelegt auf einen der Gitterstäbe, reichte es gerade noch, dann wieder ab ins Hotel,

Ca. eine Stunde später trudelten auch unsere Söhne ein, sie waren aus einer anderen Richtung angereist.

Da uns alle der Hunger quälte, liefen wir nochmal los, zu einem gemütlichen Thai-Restaurant, welches wir vorher auf dem Weg entdeckt hatten. War echt lecker.

Der nächste Morgen begann voll Trubel, die Schulklasse wollte auch frühstücken. Ich fragte mich schon, wo die Kids alle herkamen, hatte ich doch eine etwas ältere Begleitperson in Englisch mit deutlich amerikanischem Akzent sprechen gehört. Fragen kostet nichts: Die Kids kamen von einer internationalen Schule in Zürich und der Lehrer stammte aus Tampe in der Nähe von Phoenix, Arizona. Also richtig geraten.

Während des Frühstücks lagen auf dem „Lehrertisch“ dutzende Handys, eine sinnvolle Maßnahme.

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Die Nacht war übrigens so ruhig gewesen, wie die Hotelangestellte vorausgesagt hatte..

Draußen bläute der Himmel, was das Zeug hielt. Mein weiblicher Gegenpart hatte einen plötzlichen Anfall von Schlafsucht, die Kids waren noch nicht einmal wach, also beschloss ich, alleine noch einmal zum Friedenspalast zu laufen. Schön, das Gebäude in der Sonne zu sehen.

Auf dem Rückweg nahm ich noch ein paar andere Nebenstraßen mit, um das Flair der Stadt in mich aufzusaugen.

Echt hübsch hier.

Nachdem dann alle gefrühstückt hatten, ging es richtig auf in die „City“. Wenn schon die gewöhnlichen Straßen so hübsch aussehen, wie sieht es dann erst anderswo aus.

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Durch die Straßen, durch die Gassen ging es vorbei an bunt bemalten Häusern,

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durch Einkaufspassagen,

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Hollands Holzschuhe lassen grüßen (sind übrigens nicht nur in Holz erhältlich).

Ein Kaufhaus am Hofplaats,

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ein schönes Stadttor am Binnenhof nahe dem Mauritshuis.

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Am Hofvijver (ich vermute mal, es heißt auf deutsch Hofweiher, also Hofteich) ließen wir uns auf einer Bank nieder und ließen uns die Sonne in den Hals scheinen.

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Von der anderen Seite des Teichs hat man einen Blick auf das alte und das neue Den Haag auf einem Bild,

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dreht man sich um, der Markt (für touristische Zwecke).

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In der Grote Halstraat dann „The Sting“, eine Art P&C für die Niederlande,

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vorbei an Grachten schlenderten wir gemütlich solange, bis die Sohlen deutliche Abnutzungserscheinungen aufwiesen.

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Genug Stadt gesehen, auf geht es ans Meer. Unendliche Weite, Einsamkeit, Wellen. Mal sehen, was wir davon in Scheveningen mitbekommen.

Ca. eine Viertelstunde entfernt kamen die ersten Wohntürme in Sicht. Mit Einsamkeit müssen hier schonmal nicht rechnen. Die Stadt ist vollkommen auf Tourismus aufgebaut, ein paar ältere Gebäude wehren sich noch gegen den Fortschritt.

D835131Auf dem Pier ein Riesenrad und ein Turm für Bungee Jumping.

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Der Blick zurück offeriert den Kommerz in seiner vollen Größe und Schönheit. Vermutlich wird es einsamer, wenn man diesen Teil der Küste verlässt und sich nach Norden oder Süden orientiert. So erinnert es hauptsächlich an eine Mischung von Santa Monica Pier (Riesenrad) und Venice Beach (Verkaufsbuden) vor der Küste von Los Angeles. Nur, dass es dort deutlich wärmer ist.

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Letzter Halt  für heute: Der Hafen von Scheveningen. Nichts außergewöhnliches, Jachten, etwas Industrieschifffahrt

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und ein Sonnenuntergang zum Ausklang.

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Am nächsten Morgen (die Schulkinder aus der Schweiz waren bemerkenswert ruhig geblieben) war das Wetter eingetrübt, aber das konnte uns das Frühstück nicht vermiesen. Unser Arizona Cowboy (der amerikanische Lehrer), den wir dann trafen, meinte nur, er hätte es wohl geschafft die Kinder so kaputt zu bekommen, dass sie zu keinerlei Eskapaden mehr fähig gewesen wären. Wenn jemand das Rezept benötigt, ich kann versuchen, den Kontakt herzustellen.

Jedenfalls frühstückten wir ausgiebig und gemütlich, um uns dann gegen 12 Uhr aus dem Hotel auf den Weg zu machen. Ziel war Delft, dessen Windmühle im Netz der Netze groß angepriesen worden war. Aber lag es am Wetter?

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Irgendwie wollte der Funken nicht so recht überspringen. Aber Delft selbst soll ja auch ein nettes Städchen sein. Also suchten wir uns eine Parkgarage. Immer tiefer ging es bis zum 4. Stock unter die Erde, immer in dem Bewusstsein, dass direkt neben uns ein Kanal, eine Gracht entlangfloss. Die Holländer scheinen großes Vertrauen in ihre Baukünste zu haben.

Ein paar Schritte aus der Garage raus landeten wir in einem allerliebsten Städchen, noch gemütlicher als Den Haag mit vielen Grachten und Lädchen.

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Der Käseladen hat es uns besonders angetan.

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Dutzende (wirklich so viele) verschiedene Käsesorten luden zum Probieren ein, so ähnlich wie in der Cheese Factory in Tillamok, Oregon. Einen kleinen Käse nahmen wir auch mit.

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Zum Abschluss ging es noch in eine Art Bistro, mit Blick auf eine Gracht, wo zwischendurch auch ein Ausflugsboot durchfuhr.

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Interessant von der Wassertechnik her war die Tatsache, dass ein paar Räume und auch die Küche auf Höhe der Wasserlinie lag.

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Danach machten wir uns wieder auf den Weg.

Auf dem Weg noch der Blick auf eine Kirche, die Erinnerungen an Pisa weckte, so schief steht der Turm.

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Unser Wagen in der Parkgarage stand noch immer im Trockenen und die Rückfahrt gestaltete sich problemlos und ohne Staus.

Ein rundrum gelungenen Wochenende. Sowohl Den Haag als auch Delft haben uns sehr gut gefallen und können weiterempfohlen werden. Wenn man sich an die Tatsache gewöhnt hat, dass man, wo man kommt, steht und geht, sich in alle vier Himmelsrichtungen, oben, unten und in der Zukunft und Vergangenheit umsehen muss, um nicht von einem Fietse oder Fietse Brom überfahren zu werden.