15.06.2018 – Grand Canyon North Rim

Heute lief mal wieder alles nach Plan – einfach deshalb, weil wir keinen gemacht hatten. Wir wollten unbedingt noch den nördlichen Rand der großen Schlucht (Grand Canyon North Rim) wiedersehen und uns auch ein wenig Zeit dafür lassen.

Zuerst aber mussten wir noch kurz bei unseren neuen Freunden vorbeischauen. Wir hatten am Vorabend unsere Campingstühle dort vergessen und ich wollte ihnen noch die Fotos vorbeibringen, die ich bei der Family Reunion gemacht hatte.

Übrigens bekam ich auch noch von unserer Sandaktion vom Vortag ein Foto geliefert, das ich dort dann eingebaut habe.

Von Kanab aus ist der Eingang des Parks ca. 68 Meilen entfernt, also tankten wir nochmal für 3,389 USD/Ga in Kanab voll. Man weiß ja nie, welche sandigen Dirt Roads dazwischen kommen…

Die Hälfte der Strecke verschlief ich – während Karin fuhr – und am Park erwartete uns eine angenehme Kühle, schließlich sind wir ca. 2500 Meter hoch. Auf der Karte kurz orientiert: Es gibt den Bright Angel Point, der direkt vom Visitor Center ausgeht, zu Fuß gut zu erreichen, auch für Kinder, wie die beste Mutter von allen noch panisch in Erinnerung hatte. Denn an manchen Stellen geht es direkt nach unten.

Von dort aus gibt es noch eine weitere Straße. Diese führt zum Point Imperial und zum Cape Royal. Wir hatten nicht mehr in Erinnerung, diese mal befahren zu haben und jetzt hatten wir Zeit.

An der Picnic Area vom Point Imperial legten wir erstmal ein kleines Päuschen ein, erst Lunch, dann Ladefläche und Augen zu.

Vom Visitor Center bis zu den beiden eben genannten Punkten sind es lockere 23 Meilen, diese führen über eine ziemlich gewundene Straße, also sollte man Zeit einplanen, denn mehr als 35mph sind nicht erlaubt. Dafür offerieren sich an diversen Aussichtspunkten tolle Blicke auf das große Tal, stellenweise kann man sogar den Fluss sehen.

Und auf der anderen Seite, auf den Fotos nicht mehr erkennbar, der Turm vom Desert View Point des South Rim. OK, Orientierung wiedergewonnen, wir wissen, wo wir sind.

Am Cape Royal machten wir dann noch einen etwas längeren Stop. Hier kann man auf dem Weg zum Cape noch ein Blick auf und durch das Angels Window werfen (möchte wissen, ob Bill Gates schon irgendwelche Rechte auf den Begriff „Window“ angemeldet hat). Auf dem Felsen unter dem Angel Window erwischten uns dann die ersten Regentropfen dieses Urlaubs, zum Glück nur ein paar Tropfen.

Und schließlich geht es zum Cape selbst. Leider versperrt ein Zaun den besten Ausblick nach unten, was uns aber nicht abhielt, etwas weiter vorne Position zu beziehen. Der Besucherverkehr, der am North Rim sowieso wesentlich spärlicher fließt als am South Rim, war hier noch weniger geworden und auf unserer „Spitze“ (keine Sorge, die Dame mit der klitzekleinen Höhenangst hatte immer noch lockere 10 Meter bis zur Kante) waren wir dann ganz alleine. Im Westen kämpfte sich die Sonne (leider vergeblich) durch die Wolken und tauchte ab und zu die eine oder andere Bergspitze ins Licht.

Würden wir hier einen guten Sonnenuntergang erleben? Meiner Meinung nach wären wir am Bright Angel Point besser aufgehoben, weil uns da der Bergkamm auf der rechten Seite nicht im Weg steht. Also wieder ab auf die Straße, die beste Zaunkletterin von allen graziös wie ein Reh

und dann zügig zum Visitor Center und dem Bright Angel Point zurück. Wir erreichten diesen „just in time“ und konnten noch mitbekommen, wie die Sonne sich hinter dem Bergkamm versteckte.

Dank der Wolken (die sonst in der Menge nicht so mein Fall sind), legte Arizona mal wieder einen Sonnenuntergang hin, wie wir ihn gewohnt waren. Danke, Arizona.

Mittlerweile war es etwas dunkler geworden (passiert üblicherweise, wenn die Sonne untergegangen ist) und wir mussten noch die 81 Meilen nach Hause fahren. Erschwerend kam dazu, dass wir wieder die Zeitumstellung nach Utah mitmachen mussten, d.h. wir kamen erst gegen 23 Uhr in unserem Haus an.

Ach ja, noch eine kleine Zusatzinfo: Fünf Meilen vor Kanab (Utah) liegt in Arizona das Nest Fredonia. Dort kostete der Sprit „nur“ 3,309 USD/Ga – anderer Bundesstaat, andere Steuern? Und bei den 200 Meilen, die wir an dem Tag verfahren hatten , lohnte sich das schon.

Auswertung der Fotos und Reisebericht wird verschoben auf den nächsten Tag.

Gute Nacht.

14.06.2018 – Peek-a-Boo Canyon? – North Rim Grand Canyon?

Man macht nur einmal einen Plan. Und sieht dann, wie dieser Stück für Stück über den Haufen geworfen wird.

Begonnen hatte der Tag mit einem wunderschönen Frühstück auf unserer Veranda, etwas, was wir in einem Urlaub sehr zu schätzen wissen.

Aber kurz danach drängte mich meine Göttergattin, wir müssten dringend zum Visitor Center des BLM (Bureau of Land Management) fahren, dort würde um 8.30 Uhr die Lotterie beginnen für die begehrten Tickets für die Wave, einem Wanderziel erlesener Schönheit. Blöd (und gut für die Landschaft), dass pro Tag nur eine begrenzte Anzahl an Wanderern zugelassen werden. Und die werden jeden Tag für den Folgetag ausgelost. Neben 50 anderen Leuten füllten wir also brav unser „application sheet“ aus.

Dann warf der Ranger wie bei 6 aus 49 Kugeln in die Lostrommel und fischte sich eine entsprechende Anzahl raus. Natürlich waren wir nicht dabei: Glück in der Liebe, Pech im Spiel. Aber wir können es jeden Tag wieder versuchen. Werden wir auch.

Auf dem Rückweg mal kurz unser Haus von vorne, es lag gerade so schön in der Sonne.

Die Gegend ist zum Glück so vielfältig, dass wir nicht lange überlegen mussten, was wir als Ersatz nehmen: Am Morgen der Peek-a-Boo Canyon, nur fünf Meilen von unserem Haus entfernt und am Abend den Sonnenuntergang am Grand Canyon North Rim beobachten.

An der Ranger Station gab man uns noch genaue Hinweise, wie man dort hinkommt: Vom Parkplatz aus 3,7 Meilen fahren, dann ein paar Schritte laufen. Aber dort wäre tiefer Sand. Ob wir ein 4×4-Auto hätten? Haben wir, kein Problem. Oder doch? Vom Parkplatz aus ging es los, noch so leidlich in der Geschwindigkeit, den Vierrandantrieb hatten wir direkt eingeschaltet. Und dann ging es einen Hügel hinab. Mir wurde langsam immer unwohler, als ich hörte, wie sich die Reifen durch den immer tiefer werdenden Sand wühlten. Der Entschluss stand schnell fest: Wir kehren nach 0.8 Meilen um. Leichter gesagt als getan. Die Wende bekamen wir noch eingeleitet, aber der Rückweg den steilen Hügel hinauf erwies sich für unseren braven Truck (mit seinen Straßenreifen) leider als unmöglich. Sch….

Uns kamen den Berg herunter drei Fahrzeuge entgegen: Zwei Ford F150 und ein Jeep Wrangler. Sie mussten etwas ausweichen und stehenbleiben, als sie unser Gewürge den Berg hinauf sahen. Und als sie feststellten, dass es bei uns nicht weiterging, trat die großartigeste Hilfsaktion in Kraft, die ich seit langem gesehen hatte. Der älteste Herr der Gesellschaft, Tom, setzte sich ans Steuer, stellte den 4-Rad-Antrieb um und alle Herren der Belegschaft fingen an zu schieben. Leider vergeblich. Wir bekamen die Karre nicht den Berg hinauf. Der Rest der Reisetruppe, die hauptsächlich aus Kindern zu bestehen schien, hatte es sich im Schatten eines Baumes bequem gemacht. Zum Zählen der Kinder reichten meine Finger und Zehen nicht, es waren ihrer 22. Wir hatten gemeinsam diverse Wege versucht und auch mit einem der Ford-Trucks einen vergeblichen Abschleppversuch, als ein Hummer die „Straße“ heruntergerollt kam. Er hatte eine der schließlich zum Ziel führenden Ideen: Lasst Luft aus den Reifen. Unsere waren auf die üblichen 45 PSI aufgepumpt. Also ließen wir sowohl bei dem Ford-Truck als auch bei uns Luft aus den Reifen (um eine größere Auflagefläche zu bekommen) und der Ford kam zumindest alleine den Berg rauf. Mit dem Jeep hätten wir unseren Dodge Ram nicht ziehen können, dazu war der zu leicht. Und der zweite Ford hatte auch keine Geländereifen drauf, der konnte auch nicht helfen. Letzte Möglichkeit, bevor man Hilfe eines Abschleppdienstes ruft: Wir unterlegten die Vorder- und Hinterreifen mit Ästen, Gestrüpp und den Fußmatten unseres Autos. Damit bekamen wir für ca. 10 Meter genug Fahrt, bis sich die Räder wieder eingruben. Aber nach 5 Versuchen hatten wir unseren Truck über den Berg.

An eine Weiterfahrt zum Canyon war nicht zu denken. Aber auch für die illustre Reisegruppe – unsere tollen Helfer – war der Weg hier zu Ende. Sie hatten diese Tour früher schon einmal mit dem Jeep (komplett) gemacht, aber in diesem Jahr hätten sie auch damit keine Chance gehabt. Der Sand war aufgrund eines regenarmen Frühjahres bis in große Tiefe total trocken und auch mit dem Geländewagen wären sie dort stecken geblieben. Also versuchten wir gemeinsam mit der mittlerweile erprobten Taktik, auch die beiden anderen Fahrzeuge zurück über den Berg zu bekommen, was auch gelang. Puuuuh, Glück gehabt. Na ja, nicht ganz. Bei der Reifenfreischaufelei unseres Wagens war Tom aufgefallen, dass wir vorne links im Reifen einen Nagel hatten. Auch das noch.

Am Parkplatz angekommen

tauschten wir unsere Telefon-Nummern und -adressen aus und versprachen, beim heutigen Family-Dinner vorbeizukommen. Bei unseren neuen Freunden handelte es sich um eine Family-Reunion. 2 Großeltern, 6 Kinder (nebst Partnern) und 22 Enkelkinder waren aus Idaho, Texas, Utah und Washington zusammengekommen, um in Kanab ein paar schöne Tage zu verleben.

Den Weg nach hause fuhren wir schön langsam (wir hatten ja weniger als die Hälfte an Reifendruck) und zu einer Reifenwerkstatt.

Jake von Napa Autoparts reparierte uns innerhalb einer halben Stunde das Loch im Reifen und pumpte auch die anderen wieder auf. Danach erstmal unter die Dusche und ein wenig entspannen.

Um 17 Uhr ging es wieder los zur Großfamilie, wo es High Life in allen Gassen gab. Die Kinder wuselten friedlich zwischen den Erwachsenen rum, es gab Nudelsalat und nach dem Essen noch eine kleine Vorführung von Sketchen und Tanzeinlagen. Das Ganze wirkte aber in keinster Weise gekünstelt oder aufgesetzt, so dass auch wir daran Spaß hatten. So ging der Abend langsam in die Dunkelheit hinein, bis bei der Kindern der Sprit alle war und sie reihenweise umkippten. Zeit auch für uns zu gehen. Von unserer Veranda aus machte ich noch einen Versuch, die Milchstraße abzulichten, aber da war (um 23 Uhr) noch nichts zu sehen.

Übrigens: Den Grand Canyon North Rim haben wir auch nicht gesehen.

Trotz allem: Ein schöner und vor allen Dingen aufregender Tag. Man macht nur einmal einen Plan. Aber Fotos gibt es heute weniger. Danach war uns beiden nicht der Sinn. Wir hatten Wichtigeres zu tun.

13.06.2018 – Fahrt von Page nach Kanab

Nun ist es endlich soweit. Wir brechen die Zelte in Page ab und begeben uns zu unserem nächsten Domizil, einem Ferienhaus im ca. 80 Meilen entfernten Kanab in Utah. So schön es in Page mit dem Lake Powell auch war, die Infrastruktur werde ich nicht vermissen. Auch nicht den gut gefüllten Frühstücksraum, in den sich gerade eine Busladung Gäste zwängte, um danach in den Bus zum Bryce Canyon geschubst zu werden.

Um nach Kanab zu fahren, kann man entweder die 89 über Big Water fahren (ca. 74 Meilen) oder man nimmt die längere Route über die 89A über Bitter Springs, den Marble Canyon und Jakob Lake. Wir entschieden uns für die längere, südliche Route, weil wir uns auf der nördlichen Route in den nächsten Tagen noch öfter rumtreiben werden.

Vor dem Start noch einen Großeinkauf mit frischen Lebensmitteln bei Walmart, die Kühltruhe aufgefüllt und noch einmal vollgetankt. Das Internet zeigte, dass die Spritpreise in Kanab rund 30 Cent/Ga über denen in Page lagen.

Die Strecke zum Marble Canyon hatten wir im letzten Sommer schon befahren, deshalb nur ein kurzer Stop an der Navajo-Bridge über den Colorado.

Und anschließend, aus alter Gewohnheit, Mittagspause an der Picnic-Area bei Lees Ferry. Beim letzten Mal hatte ich mir in dem heißen Sand fast die Sohlen verbrannt, also diesmal schön feste Schuhe anziehen. Der Colorado ist wie üblich Anziehungs- und Ausgangspunkt für Boat-Touren aller Art.

Dass die Jungs dort das Verpflegungs-Schlauchboot zu Wasser ließen, war für mich durchaus noch nachvollziehbar.

Aber Fahrräder zu Wasser lassen?

Nach der Pause bekamen wir noch Besuch von ein paar geschuppten Freunden, die die Picnicplätze wohl nach heruntergefallenen Nahrungsmitteln absuchen. Hübsch ist was anderes, aber wahrscheinlich haben sie ein gutes Herz.

Auf dem Rückweg der übliche Stop bei den Monolithen, die immer noch genauso wie vor einem Jahr in der Gegend rumstehen.

An einer Baustelle taten mir (nicht nur) die Flagmen Leid, die bei 40°C schnuckelig dick und warm angezogen waren. Aber vielleicht haben sie ja drunter eine Klimaanlage.

Dann ging es weiter auf der 89A, bis ein Abzweig auf die House Rock Road angezeigt wurde. Diese werden wir in den nächsten Tagen öfters von Norden aus befahren. Heute machten wir nur einen kleinen Abstecher, um die Condor-Aussiedlungs-Station anzuschauen. Wirklich viel sehen kann man dort nicht, aber zumindest, wie groß diese Viecher mit ausgebreiteten Flügeln sind.

Und wenn man an der Felswand nach obenschaute, konnte man mit dem bereitgestellten Fernglas die weißen Flecken in den Felsen sehen. Diese stammten nicht von irgendwelchen Malerarbeiten vor dem Einzug in die Felsenwohnungen. Ich tippe eher auf Ausscheidungen der übelriechenden Art.

Anschließend ging es in die Berge, ein Blick zurück ins Tal.

Jakob Lake war (obwohl es Tor zum North Rim des Grand Canyon ist) immer noch klein und verschlafen. Fredonia machte auch nicht viel mehr her. Kanab werden wir euch (falls es sich lohnen sollte), in den nächsten Tagen vorstellen.

Unsere Hütte für die nächsten neun Nächte ist ein wunderschönes Einfamilienhaus mit Garten, Garage und allem, was man für ein absolutes Wohlfühlen benötigt. Wir schoben uns erstmal eine mitgebrachte Pizza in den Backofen und schauten mal, was Netflix (im Preis inbegriffen) so zu bieten hatte, was es in Deutschland noch nicht gibt.

Und morgen geht es dann weiter.

12.06.2018 – Lake Powell – Alstrom Point

Und es begab sich zu der Zeit, da die besten Eltern von allen von ihren Söhnen eine Bootsfahrt auf dem Lake Powell geschenkt bekommen hatten – etwas, was sie sich sonst NIE selbst gegönnt hätten, worüber sie aber höchst erfreut waren.

Wir hatten uns uns eine halbe Stunde vor der um 9 Uhr beginnenden Bootstour an der Wahweap Marina einzufinden. Dies war insofern kein ganz leichtes Unterfangen, da unsere Uhren (bzw. Handys und Tablets) sich nicht auf eine eindeutige Zeit einigen konnten. Und wach werden und frühstücken mussten wir nun mal, zumal bei unserem Hotelaufenthalt etwas zu essen im Preis enthalten war. Das Breakfast-Buffet entsprach dem üblichen und gewohnten Hotel- auch Best-Western-Standard und sättigte uns auf schmackhafte Weise.

Auf zur Marina.

Dort warteten schon ca. 50-60 Leute. Das Einchecken klappte problemlos (dank der Tatsache, dass unser Sohn schon alles vorbereitet hatte). Dann ging es aufs Schiff. Ich konnte gerade noch für uns beide einen Platz auf dem Oberdeck ergattern, dort waren nur 35 Personen erlaubt. Eine freundliche Dame stellte mir ihren Platz an der Reling zur Verfügung, als sie sah, mit welcher Kameraausrüstung wir anrückten. Ich hatte nämlich ausnahmsweise die D4 zusätzlich mitgenommen und mit dem 14-24mm-Objektiv bestückt, um nicht dauernd die Linsen wechseln zu müssen.

Und los ging die Tour. Captain Elaine versorgte uns mit den Informationen, wo wir waren. Befahren wurden der Navajo Canyon. Dieser war schön, aber nicht direkt spektakulär.

Vorbei ging es an der einen oder anderen Marina, wo richtig viel Geld im Wasser lag.

Und anschließend ging es zum Antelope Canyon. Und da freute sich das Fotografenherz doch sehr deutlich. Die Felsen waren von einer wunderschönen Formation, dazu das tiefblaue bis grüne ins türkise reichende Wasser, einfach ein Traum.

Mit der Zeit leerte sich das Oberdeck, die Leute hatten schon zuviel gesehen. Ich nicht.

Dann noch einen kurzen Abstecher zur Staumauer.

Zurück an Land (11.45 Uhr, die Tour hatte über 2,5 Stunden gedauert) fuhren wir mit einem Zwischenstop an einem Viewpoint

ins Hotel zurück, um die Fotos auf den Rechner zu laden und die größte Mittagshitze in der angenehmen Kühle des Hotelzimmers zu verbringen.

Gegen kurz vor 17 Uhr machten wir uns nochmal auf (das Autothermometer zeigte 113°Fahrenheit = 45°C und besorgten uns einen Salat und tankten den Wagen voll. Spritpreis bei Shell: 3,099 USD/Ga.

Dann ging es auf der 89 Richtung Utah. Der Alstrom Point war unser Ziel. Wenn man diesen bei der größten Suchmaschine der Welt nachschlägt, wird man Fotos einer wunderschönen Landschaft finden. Aber vor diese Landschaft hat die Natur 25 Meilen Dirtroad gelegt, deren letzte Meilen nicht von Pappe sind.  In Big Water nach rechts abgebogen überquerten wir als erstes den Wahweap Wash. Hier hatten wir in früheren Jahren mit dem Wohnmobil und den Kids schonmal eine Nacht Station gemacht, weil der Dammbau damals zu einer der bevorzugten Beschäftigungen der jungen Herren gehörte. Aber da die Dämme jetzt nach 20 Jahren schon nicht mehr standen, bin ich froh, dass keiner von ihnen Ingenieur geworden ist…

Man fährt auf der 300 (Warm Creek Road) solange, bis man nach rechts auf die 340 abbiegt.

Diese Strecke kann man bei Tageslicht locker mit 30-45 Meilen/Stunden wegheizen. Auf der 340 bleibt man dann ca. 5 Meilen, bis an einem Schild der Abzweig zur 264 und zum Alstrom Point signalisiert wird. Am „Ende“ der 264 hat man dann nur noch ca. 5 Meilen zu laufen oder man weiß, was man seinem Wagen zutrauen kann. Meine Göttergattin wusste es noch nicht und bestand (zu Anfang) darauf, vorauszugehen. Aber ich konnte ihr dann doch klarmachen, dass ich mit dem Auto schneller bin. Sie wäre auch ein guter Blindenhund geworden: Vorsicht, da liegt ein Stein, da geht es runter, da ist eine steile Stelle. Gut, da ich mit immer mit geschlossenen Augen Auto fahre, sind diese Kommentare schon hilfreich 😉

Irgendwann hatten wir nach einem vorgelagerten Aussichtspunkt den eigentlichen Alstrom Point erreicht, holten unsere Stühle raus und vernichteten im Schein der tieferstehenden Sonne unsere Salate.

Das schönste war: Wir waren vollkommen alleine.

Und jetzt kommt der Punkt, wo bei mir dann auch ein Restfunken von Vernunft durchbrach (ich erinnere daran: Man darf ruhig bekloppt sein, wenn es in die gleiche Richtung geht): Ich hatte keine Lust, dieses ziemlich üble letzte Stück der Straße bei Dunkelheit zurückzulegen. Die tiefstehende Sonne machte es stellenweise nicht unbedingt leichter, weil man von den hochstehenden Steinen fast gar nichts sieht, aber irgendwann hatten wir auch das überstanden. Und auch keine Langohrhasen (Jackrabbit), keine Big-Horn-Sheeps (die uns in einem Rudel über den Weg liefen) und auch keine Kühe samt Kälbchen überfahren.

Aber dafür wurden wir mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt.

So ein Supertag. Und das schönste war: Autofahren und Boot fahren ist ein wunderbares Heilmittel gegen die Blasen an den Füßen meiner Wanderin.

Gut, dass ich die Bilder vom Vormittag schon hochgeladen hatte, am Abend ging es mal wieder quälend langsam bis gar nicht.

11.06.2018 – Fahrt vom Bryce Canyon nach Page

Wieder ein kleiner Nachtrag vom gestrigen Abend: Wir hatten es noch geschafft, zum Fairyland Canyon zu fahren, welcher insgesamt nur sieben Minuten von unserem Hotel liegt. Und vom Rim aus hat man einen schönen Blick in das Amphitheater vor sich. Dort stand schon eine Kamera von einem Fotografen, der über die ganze Nacht eine Timelapseaufnahme machen wollte. Zum Glück störten wir ihn (noch) nicht und so konnten wir die aufgehende Milchstraße mit dem bloßen Auge verfolgen und hinterher mit der Kamera und der entsprechenden Software rausarbeiten. Das LED-Panel leistete dabei gute Dienste.

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, am nächsten Tag den Sonnenaufgang im Bryce Canyon mitzunehmen. Dazu hätten wir um 5.15 Uhr aufstehen müssen. Wecker stellen kam allerdings nicht in Frage, so dass wir es dem Schicksal überließen, ob uns der Bryce Canyon zu so früher Stunde begrüßen darf.

Die innere Uhr schaffte es nicht, dafür aber unser Sohn, der uns eine Viertelstunde später mit einem Live-Video vom Rasenmähen weckte. So schööön.

Folglich waren kurz nach Mitternacht (also gegen 10 Uhr) auf der Straße. Ziel für die nächsten zwei Nächte: Page in Arizona. Man kann diese Route über Panquitch, Glendale und Kanab fahren, was eine Strecke von 153 Meilen und ca. 3 Stunden Zeitaufwand bedeutet hätte. Oder man wählt die etwas abenteuerlichere, landschaftlich mit Sicherheit nicht weniger reizvolle CCR (nein, nicht Credence Clearwater Revival, sondern Cottonwood Canyon Road), die wir zu Teilen am Tag zuvor schon befahren hatten. Da unser Wagen sowieso schon einiges an Staub abbekommen hatte, entschieden wir uns für die ca. 40 Meilen kürzere Strecke über die CCR.

Wir fuhren durch Tropic durch, ein letzter Abschied an die Bryce Area,

durchquerten Cannonville und bogen nach rechts ab.

Diesmal nahm ich mir die Zeit, die alte Scheune zu fotografieren, die bestimmt schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts dort gestanden hat.

Cowboyleben, wie man es aus Filmen kennt. Wie üblich trafen wir auf der CCR auf die schon bekannte Viehherde, die über die Straße getrieben wurde.

Landschaftlich gab es einiges zu sehen. So zum Beispiel den Felsen, den wir Shark Tooth getauft hatten.

Auch sonst war die CCR ein echter Leckerbissen.

Wir machten ausnahmsweise mal keine größeren Stops mehr, sondern fuhren bis zur 89 durch. Ca. 7 Meilen vor der Einmündung wurde die Landschaft dann deutlich „langweiliger“, aber wir wussten ja, dass die Gegend noch einiges in Petto hatte.

Nach links wäre es nach Page gegangen, aber wir drehten das Lenkrad nach rechts, weil dort a) die Toadstool Hoodoos und b) direkt dahinter eine Rangerstation lagen, letztere mit einem WC (und auch Infos über die Gegend). Nachdem wir Infos und Frischwasser gebunkert und Flüssigkeit dort gelassen hatten, ging es zurück zu den Hoodoos. Bei unserem letzten Urlaub hatten wir diese nur im letzten Tageslicht mitbekommen und auch nur den zentralen Hoodoo. Jetzt hatten wir etwas Zeit und liefen den ca. einen Kilometer zu den merkwürdigen Felsformationen, die so herrlich dekorativ in der Landschaft herumstehen.

Das fanden auch andere Besucher. Jedenfalls musste ich ca. eine Viertelstunde warten, bis sich ein Vater endlich mit allen Sprößlingen auf, vor und neben den Felsen abgelichtet hatte und sich bequemte, mir das Bild alleine mit den Felsen zu überlassen.

Wir hatten diesmal auch die Gelegenheit, diese wunderbare Felsenlandschaft nach links zu durchwandern, wo sich ein anderes kleines Tal auftat mit ein paar süßen kleinen weißen Hoodoos.

Das Pünktchen auf dem einen Felsen ganz oben mit dem roten Shirt ist übrigens kein Hoodoo, sondern die beste Pfadfinderin von allen.

Zurück in der „Hauptlandschaft“ der Heart Rock (ohne Kaffee) und der sowie andere Hoodoos von allen Seiten, auch gegen die Sonne.

Jetzt aber endlich nach Page.

Auf dem Weg in Big Water noch kurz ins Visitor Center reingesprungen, um Infos für den Alstrom Point abzuholen und dann ins Hotel. Ausnahmsweise mal kein Best Western, das wäre nicht zu bezahlen gewesen. So kosteten uns die zwei Nächte incl. Frühstück 178 Euro. Manch einer wäre froh gewesen, einen solchen Kurs zu bekommen. Das Hotel war OK, der Internet-Zugang passabel, auf jeden Fall um Größenordnungen besser als auf unserem letzten Zimmer im Bryce Canyon.

Einziehen, Pause. Ach ja, die Zeitverschiebung hat uns eine Stunde geschenkt. OK, die Sonne geht schon um 19.45 Uhr unter, das relativiert es etwas.

Gleich geht es weiter zum Horseshoe Bend, um dort den Sonnenuntergang mitzubekommen.

Es ist 18 Uhr, wir machen uns auf den Weg. Es ist noch immer muckeling warm und wir besorgen uns bei einem bekannten Schnellrestaurant ein kühlendes Milchgetränk/Eis. Am Parkplatz angekommen, wird schon der Lake Mead in warmes Abendlicht getaucht.

Völkermassen strömen in Richtung der Abbruchkante. Dadurch, dass wir recht früh unterwegs sind, gelingt es mir, ein Plätzchen recht nah an der Klippe zu bekommen. Wir sind ein nettes Trüppchen, ein Franzose, ein Holländer und ein Ami, jeweils mit weiblichem Begleitschutz, der aufpasst, dass die Kamera nicht runterfällt (und der Fotograf versucht, diese zu retten).

Alle schießen fleißig ihre Fotos, bis die Sonne untergegangen ist.

Dann geht es fast bei Dunkelheit wieder nach Hause. Jetzt noch schnell die Fotos auswerten und dazuladen, den früheren Teil des Tages hatte ich schon geschrieben.