12.11.2017 – Auf den Spuren von Wyatt Earp

O. k. heute war das Frühstück genauso wie gestern, sprich, es gab Rührei, Kartoffeln, Würstchen und Biquits mit Gravy. Logischerweise verzichtete ich auch heute auf Gravy, denn es schmeckte vermutlich immer noch, wie es aussah.

Wir hatten uns für heute einen Ausflug in die Vergangenheit vorgenommen und zwar in die Vergangenheit des wilden Westens. Was ist dort besser geeignet als Tombstone in Arizona?

Zuerst fährt man auf der Interstate 10 bis nach Benson und biegt dort nach Süden in Richtung Tombstone ab.

Bekannt geworden ist dieses Nest durch eine große Schießerei, dem sogenannten O. K. Coral shootout. Um die Touristen anzuziehen, wird dieses Event im stündlichen Abständen gegen Zahlung eines kleinen Unkostenbeitrages wiederholt. Wir waren vor vielen Jahren einmal dort gewesen und wunderten uns heute, wie weit sich das Nest verändert hatte. Die Hauptstraße war mittlerweile komplett für den PKW-Verkehr gesperrt, es verkehrten dort nur noch Kutschen mit Männern in merkwürdigen Verkleidungen.

Diese waren auch sonst über all in den Straßen zu treffen

und man fühlt sich wie in den wilden Westen versetzt. Absicht? Bestimmt. Wobei die Technik auch hier nicht stehengeblieben ist.

Wir schlenderten durch die Straßen über die geschichtsträchtigen Bürgersteige (die Holzwürmer in den Balken waren bestimmt noch nicht volljährig)

an den vielen Andenkenläden vorbei, warfen dann und wann auch einen vorsichtigen Blick hinein,

bis wir am historischen Gerichtsgebäude (Courthouse) ankamen. Dort wurde die Vergangenheit auf andere Weise touristisch ausgewertet, nämlich mit Fakten und Zahlen. Wir bekamen alte Fotos der damaligen Stars der Schießerei zu sehen, als da wären die Brüder Earp, bestehend aus Virgil, Morgan und natürlich Wyatt und der vierte im Kleeblatt war Doc Holiday.

Aber wir hatten auch einmal die Gelegenheit einen richtigen Gerichtssaal, wie man ihn nur aus dem Fernsehen kennt, zu besichtigen.

Daneben gab es logischerweise viele alte Relikte aus der damaligen Zeit. Als wir aus dem Gebäude raus kamen, begannen sie gerade in der Hauptstraße mal wieder eine Schießerei basierend auf einem Handgemenge nachzustellen.

Die Darsteller liefen logischerweise in den entsprechenden Kostümen herum, wobei ich der Meinung war, sie hätten sich schon mal die Stiefel putzen können. Als alle Hauptdarsteller tot am Boden lagen (Doc Holiday war gerade nicht da, um letzte Hilfe zu leisten),

marschierten wir weiter und stiegen in unser Auto, nicht in die Kutsche. Circa 20 Meilen südlich von Tombstone liegt das alte Bergbaunest Bisbee.

Auch dort war unser letzter Besuch viele, viele Jahre her und unsere Erinnerung war anscheinend auch hier etwas verblasst. Im Gegensatz zu Tombstone, welches komplett aus Holzhäusern (Ausnahme Courthouse) erbaut wurde, ist Bisbee zu großen Teilen mit Ziegelhäusern erbaut.

Während sich in der Schweiz  Banken und Uhrengeschäfte abwechseln, ist es hier etwas anders: Hier wechseln sich Galerien und Restaurants ab. Das ganze ist ein großes Künstlerdorf geworden

und erinnert sehr stark an Jerome. Auch hier hier spazierten wir gemütlich durch, fotografierten alles, was sehenswert war und fuhren wieder weiter. Bisbee ist ebenso wie Tombstone auf Minentätigkeit zurückzuführen und wir konnten nebenan direkt in einen großen ehemaligen Tagebau reinschauen.

Circa 100 m weiter fielen wir quasi über ein weiteres Dorf namens Lowell, welches offensichtlich in den fünfziger Jahren stehengeblieben ist, die Autos, die Tankstellen und alles andere erinnerten sehr stark daran.

Nächstes Ziel auf unserer Etappe war das Coronado National Memorial.

Eigentlich hatten wir hier eine Ausstellung voll mit Geschichte erwartet (Stichwort: Coronado, die sieben Städte von Cibola) , aber der Ranger, der sehr stark an einen Rasta-Man erinnerte mit seiner Frisur, meinte, es gebe auch andere interessante Sachen zu sehen. Auf einer kleinen Wanderung könnte man in eine Höhle hinein klettern und diese durchwandern. Da gab es natürlich bei uns kein Halten, denn die größte Höhlenforscherin von allen hatte sich auf so etwas schon lange gefreut. Wir bekamen zwar noch die Empfehlung, jeder zwei Stirnlampen mitzunehmen, aber diese schlugen wir in den Wind. Wir fanden, dass wir mit einer Fotostirnlampe und zwei Handy-Lampen bestens ausgerüstet sein. Circa 1/4 Meile vom Visitor-Center entfernt war dann auch der Parkplatz und wir begannen den Aufstieg

zum Eingang der Höhle, der circa 800 m weit entfernt war. Vor uns im letzten Tageslicht der Berg (vermutlich der Montezuma-Peak) in dessen Inneren sich die Höhle befinden sollte. Logisch, dass wir da ein wenig außer Atem waren.

Dann klettern wir ins Innere der Höhle hinein, zuerst noch mit Tageslicht, danach wurde es wirklich stockfinster. Da wir keine Lust hatten, unsere Handys zu verlieren bei der Kletterei über Stock und Stein, hauptsächlich Stein, begnügten wir uns mit der kleinen Stirnlampe, die ich normalerweise für Nachtfotografie auf dem Kopf habe. Klar, dass dann die Beleuchtung nicht gerade optimal ist. Wir tasteten uns mehr oder weniger im Halbdunkel bis zu drei viertel der Höhe durch und konnten auch schöne Stalagmiten und Stalaktiten fotografieren.

Danach war es uns dann aber auch genug, mit einer vernünftigen Lampe wären wir vielleicht noch weiter geklettert. Dann wieder ab aus der Höhle hinaus und zur nächsten Empfehlung des Rangers, dem Montezuma Pass. Die letzten Meilen den Berg hinauf fuhren wir über eine relativ schlechte Dirt-Road, und erreichten den Pass gerade noch zum Sonnenuntergang. Und wie ich schon gesagt habe, Sonnenuntergänge in Arizona können sich sehen lassen. So auch hier.

Die Felsen gegenüber wurden in ein wunderbares rotes Licht getaucht. Auf der Gegenseite des Passes konnte man bis nach Mexiko sehen.

Unter anderen konnte man den Zaun an der Grenze als dunklen Strich erkennen (schwarzer Strich vorne links im Bild).

Sonne ist untergegangen, wir fahren jetzt nach Hause. Eigentlich hätten wir die Straße auch weiterfahren können, aber das hätte uns sehr, sehr viel Zeit gekostet. Also drehten wir um und fuhren über Sierra Vista nach Norden. Auf dem Weg begegnete uns eine Tankstelle mit 2,249 USD/Gallone, ein sehr guter Preis, aber das war mir noch nicht genug, die nächste Tankstelle bot uns dann 2,229 USD pro Gallone an. Da schlug ich dann zu. Und ärgerte mich, dass an der nächsten Tankstelle der Sprit nur 2,209 USD pro Gallone kostete. Die Weiterfahrt nach Norden war nicht weiter aufregend, außer dass wir mal wieder in eine Grenzkontrolle kamen. Was mich dabei wundert, diese Grenzkontrollen sind soweit nördlich aufgestellt, da sind sämtliche illegalen Einwanderer schon längst im Land. Leicht hungrig fuhren wir in Tucson noch kurz bei einem Fast Food-Restaurant vorbei und beluden unserem Truck mit einem Burger für jeden. Endlich zu Hause.

11.11.2017 – Im Süden von Tucson

Der Tag begann etwas zähfliessend. Gesundheitstechnisch waren wir zu 90% wieder auf dem Damm, aber es dauerte seine Zeit, bis wir auf der Strasse waren. Zum Frühstücksangebot zählten heute Rührei, Würstchen, Bratkartoffeln und Biquits mit Gravy. Zu letzterem hatte ich ja meine Meinung schon kundgetan. Und da die Mischung auch nicht appetitlicher aussah als die letzten Male, ließ ich die Finger davon.
Ziel für heute: einige der Stateparks im Süden von Tucson. Aber immer liegen Steine im Weg. In diesem Fall als erstes ein Ross, wo die beste Göttergattin von allen nur mal kurz reinspringen wollte, um spezielle Damenbekleidung rauszufischen. Zu ihrer Ehrenrettung muss ich sagen, dass es diesmal schnell ging. DIESMAL. Auf dem Weg nach Süden mussten wir mal wieder Tanken, Costco liegt fast auf dem Weg mit dem billigsten Sprit: 2,259 USD/Ga. Und eigentlich wollten wir uns NUR noch einen Happen zu Essen mitnehmen. Eigentlich. Aber dann fiel der besten Kleidershopperin von allen ein, dass sie MAL EBEN für die Großnichte von Carters Childrenswear ein paar Sachen mitnehmen könnte. Was soll ich Euch sagen? Ich habe meine Berufung entdeckt: Klamotten hochhalten. Foto per Whatsapp verschicken. Kleidungsstück drehen, same procedure. Und das 5 Mal und dann zwischendurch immer wieder die Telefonate mit der glücklichen Mutter, die die Sachen total süß fand. Was bin ich froh, dass die Kleine noch nicht alt genug war, um ihren Senf dazuzugeben. Dann säße ich heute Abend vermutlich noch nicht am Rechner, um diese Zeilen zu tippen.
Auf dem Weg nach Süden (den wir dann doch noch einschlugen) landeten wir auf dem Interstate19, der bis nach Mexico führt. Witzig daran ist, dass an diesem Highway alle Entfernungsangaben in metrischen Einheiten angezeigt werden. Wohl als Vorbereitung für das Nachbarland. Einen Statepark erreichten wir auf diese Weise natürlich nicht, dafür aber die Mission Mine, eine noch aktive Kupfermine, wo wir gerade rechtzeitig für eine Führung (10 USD/Person) aufschlugen.
Was die Dame uns zu erzählen hatte, war sehr aufschlussreich und absolutes Neuland für uns. Z.B. dass 68% der Kupferförderung der USA dort im Tagebau geschürft werden. Dass Arizona den Beinamen „The Copper State“ hat. Dass der Stern im Inneren der Arizona-Flagge das Rot des Kupfers hat. Und noch vieles mehr, was ich mir auf die Schnelle nicht merken konnte.
Die Tour führte auf eine Abraumhalde (ca. 2/3 des geschürften Drecks ist Abraum).
Von dort hatten wir mal einen ungetrübten Blick auf das riesige Loch in der Erde. Und auch auf die dort arbeitenden Bagger und Wagen.
Ihr habt bestimmt schon in einer Doku bei N24 oder n-tv diese riesigen Muldenkipper gesehen. Dort waren sie live in Aktion. Der Bagger ist so hoch wie ein vierstöckiges Haus und wird ELEKTRISCH angetrieben. Er wird über ca. 7cm dicke Stromkabel mit 4160 Volt versorgt. Die Muldenkipper der neuesten Generation fassen 320 Tonnen Gestein. Die Schaufel des Baggers braucht drei Schüppen, bis der Wagen voll ist.
Dann ging es noch in die Mühle, wo das Gestein zerkleinert, gewaschen und aufbereitet wird. Irgendwann wird es in große Platten gegossen, die Anoden. Diese sind zu 99 % reines Kupfer und damit unbrauchbar. Mittels eines elektrochemischen Prozesses wird in einer speziellen Flüssigkeit eine hauchdünne Kupferkathode eingetaucht und durch den elektrischen Strom, der dort angelegt wird, scheidet sich das Kupfer an der Kathode ab, welches eine Reinheit von 99,9999 % hat. Der restliche Schlamm besteht dann aus Gold, Silber, Platin und einigen anderen selteneren Metallen. Das Silber, was daraus gewonnen wird, reicht, um die Stromrechnung in dem Jahr zu bezahlen.
Nach der Tour hatten wir noch die Gelegenheit, uns einen der ausgemusterten (weil zu klein) Muldenkipper aus der Nähe anzusehen. Die Mulden fassen NUR 240 Tonnen, klar, dass man die nicht mehr brauchen kann. Übrigens: Die Reifen dieser Monster, die ca. jedes halbe Jahr auszutauschen sind, kosten 6.500 bis 7.000 USD (pro Stück). Ich bleibe besser beim PKW.
Eigenartigerweise (wie kam das nur) war der Tag nach dieser nur 1,5 stündigen Tour schon so weit fortgeschritten, dass wir es gerade noch bis zum Tubac Presidio schafften. Tubac selbst ist ein nettes Dorf, wo sich Kunstgeschäfte und Andenkenläden aneinanderreihen.
Für den Statepark blieben uns ca. 20 Minuten, um einmal ober- und einmal unterirdisch durchzurauschen. Danach noch (die Sonne war hinter einem Berg schon verschwunden) einmal durchs Dorf.
Die freundliche Dame im Statepark hatte uns zum Sternengucken das Whipple-Observatorium (oder zumindest die Straße dorthin) empfohlen. Also machten wir uns im schwindenden Büchsenlicht auf den Weg dorthin.
Auf 1.500 Meter Höhe (weiter trauten wir uns nicht, siehe gestern) fanden wir einen Turnout, stellten die Kamera aufs Stativ und genossen die Lebensmittel, die wir von Costco mitgebracht hatten. Und siehe da, die Milchstraße erschien. Also schnell ein paar Fotos gemacht, bis es dunkel war und dann ab in Richtung Hotel.
Einen Stop musste ich noch einlegen: Links der Autobahn (übrigens wieder mit einer Border Patrol) sah ich die Mission San Xavier del Bac hell erleuchtet liegen. Kurz rausfahren und ein Foto von der Kirche machen.
Dann aber auf dem (fast) direkten Weg nach Hause – Rosse kreuzen immer wieder den Weg und dann aber wirklich ab ins Hotel.

10.11.2017 – Tucson – Chiricahua National Monument

Die Nacht war nicht wirklich erholsam. OK, nach drei Tassen Kaffee darf ich ein Durchschlafen auch nicht erwarten, aber meine „running nose“ wächst langsam zu einer echten Erkältung aus. Ich hatte noch die Hoffnung, es sei „nur“ Heuschnupfen, aber ein dicker Kopf zeugt von der anderen Vermutung.

Kurzer Zwischenstop am Frühstücksbuffet: Heute im Angebot: Tortillafladen mit Gemüsefüllung, Rührei, Kartoffeln und Schinken.

Daher heute keine großen Spaziergänge. Solange die Wegstrecke länger ist als das Auto, wird gefahren. Erstes Tagesziel die San Xavier del Bac Mission, die im Südwesten von Tucson abseits liegt. Sie hat auch den Beinamen „Weiße Taube der Wüste“. Wer möchte, kann sich nähere Informationen bei Wikipedia und auf der Seite der Missionskirche (oder sonstwo im Netz) holen.

Wir machten einen kleinen Rundgang

und dann ging es wieder auf die Straße. Ziel war das Chiricahua National Monument, ein Park, den wir vor einigen Jahrzehnten mal besucht hatten und wo wir die Erinnerung mit digitalen Fotos auffrischen wollten.

Karin war noch frisch und so verschlief ich die größte Strecke der 120 Meilen. In Wilcox biegt man von der I10 ab auf die 186 und fährt über Farmland

in die Berge.

Das Monument selbst sieht so aus, als wäre es eine Mischung aus Externsteinen, Bastei und vielleicht noch Bryce Canyon (nur nicht in rot). Die freundliche Rangerin empfahl uns, zuerst zum Massai Point (Ende der Straße) zu fahren, dort einen kleinen Rundgang zu machen und dann in den Echo-Canyon herunterzuwandern bis „The Grotto“.

Nachdem wir den kurzen Rundweg am Massai Point absolviert hatten (mit Fotos),

machten wir erstmal die längst fällige Mittagspause. Und in der Zeit verzogen sich dann auch die Schleierwolken, die mir kameratechnisch so gar nicht behagten.

Wir beschlossen, den Weg nach unten so lange zu gehen, wie wir Lust hatten, denn: Wer runter geht, muss auch wieder rauf. Und mit der Erkältung im Leib bitte keine richtig großen Klettertouren.

Auf dem Weg zu „The Grotto“ (eine wild durcheinandergewürfelte Ansammlung von dicken, fetten Steinen) bekommt man einen wesentlich besseren Einblick in die Gegend, als wenn man nur von oben reinschaut.

The Grotto selbst, zum Durchklettern interessant, aber ansonsten wenig aufregend, ist das eine oder andere Foto wert,

ließen wir dann liegen und kletterten noch ein wenig in den Canyon hinab. Irgendwann war aber auch das gut und wir begaben uns an den Aufstieg. Gut, dass wir auf dem Hinweg schon die meisten Fotos gemacht hatten.

Die Schatten wurden länger und tauchten die Felsen (unter anderem) in ein schönes Licht.

Oben überfiel uns beide eine heftige Müdigkeitsattacke und wir stellten die Rückenlehnen in Liegeposition für ein Nickerchen. Mich erfrischte dieses, wohingegen meine Göttergattin über Kopfschmerzen und Übelkeit klagte. Höhenkrankheit, ausgelöst durch Erkältung? Immerhin waren wir locker 2.000 Meter hoch.

Ich schwang mich hinter das Steuer (eine k… Karin wäre an der Stelle suboptimal gewesen) und wir machten uns auf den Weg nach Hause. Auf der Landstraße noch ein Sonnenuntergang, der sich sehen lassen konnte. Arizona steht (wenn es will) Hawaii in nichts nach.

Die Fahrt nach Hause verlief ziemlich einsilbig, weil meine Beifahrerin es vorzog, sich schlafender Weise in Schweigen zu hüllen.

Auf der Straße nach Wilcox verschlief meine Göttergattin neben dem Sonnenuntergang gleich 3 Sachen: Zwei Skunks, die (noch erkennbar und NICHT vor sich hinduftend) auf der Straße lagen und einen PKW, der auf der Gegenspur in die Balustrade eines Hauses reingerast war. Wie er das geschafft hat, ist mir rätselhaft.

Übrigens: Wer sagt, dass ein Auto mit 8 Zylindern und 5,7 Liter Hubraum viel Sprit fressen muss:

Um 7.15 Uhr waren wir dann auch wieder im Hotel und mittlerweile geht es ihr wieder besser. Keine Ahnung, was das war…

Hoffen wir mal, dass wir heute nacht Ruhe bekommen. Die kläffendenTaschenratten eines anderen Gastes lassen das Schlimmste befürchten…

09.11.2017 – Tucson – Arizona Sonora Desert Museum

Nun sind wir in Tucson. Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage blauen Himmel, Temperaturen 25-28°C. Das kann man lassen. Das Frühstück ist wieder gut. Auf Gravy verzichte ich dankend. Unser Lebensmittelvorräte sind in den letzten Tagen etwas zur Neige gegangen, daher machen wir uns auf den Weg zum nächsten Walmart. Auf dem Weg dahin eine Valero-Tankstelle, die die Gallone für 2,259 USD anbieten. Bitte volltanken.
Den Walmart-Einkauf bringen wir mit geübter Routine hinter uns und machen uns dann auf den Weg zum Arizona Sonora Desert Museum. Dieses liegt im Südwesten von Tucson, ca. 15 Meilen entfernt. Auf dem Weg dahin überqueren wir den Gates-Pass mit einem tollen Blick ins Tal.

Das könnte ein schöner Punkt für einen Sonnenuntergang werden, merkt meine Göttergattin an. Gemerkt und abgespeichert. Verlässt man den Gates-Pass nach links, landet man in Old Tucson, einer nachgebauten Westernstadt, in der (in der vorvorigen Version, zweimal ist die Location in den letzten 30 Jahren abgebrannt) viele alte Western gedreht wurden.
Wir aber halten uns rechts in Richtung Saguaro National Monument und biegen kurz vorher zum Museum ein.
Dieses hatten wir in früheren Jahren schon zweimal besucht, damals bei deutlich höheren Temperaturen. Der Eintritt kostet zwar 21,95 USD pro Person, aber das ist es auch wert.
Zuerst gelangt man in den Aquarienteil (ja, auch Fische werden dort gezeigt, denn die Bacha California und die Flüsse Arizonas gehören auch dazu). Es ist fürchterlich dunkel dort und ich stelle fest, dass meine D800 für derartige Lichtverhältnisse schlechter geeignet ist als das Galaxy S7 meiner Göttergattin.
Auch Reptilien aller Art sind dort zuhause.

Draußen läuft die Nikon wieder zur vollen Power auf. Es geht zuerst durch eine große Voliere mit Kolibris, Vögel, die wir ganz besonders lieben, nachdem wir sie in der Nähe von Flagstaff bewundern durften.

Oberhalb der Voliere macht sich eine fette Eidechse breit. Die Parkmitarbeiter achten darauf, dass diese nicht nach innen kommen, denn dann wären die zierlichen Vögel ernsthaft gefährdet.

Danach machten wir uns an vielen, vielen Kakteen vorbei auf den Weg zur Raptor-Show.

Nein, wir reden hier weder von Dinosauriern noch von der Spezialversion des Ford F150. Hier fliegen Raubvögel frei durch die Luft und wir als Zuschauer haben Glück, wenn wir nicht als Beute betrachtet werden. So meinte dann auch der Gentleman, der uns in das Geschehen einführte, dass es unklug wäre, Hände, Deppenzepter und auch kleine Kinder in die Höhe zu halten. Später merkten wir dann auch, warum. Die Vögel waren darauf trainiert, immer die kürzeste Strecke von A nach B zu fliegen. Und wenn das 2 Zentimeter an unseren Köpfen vorbei war, dann war das halt so.
Es wurden zwei verschiedene Falkenarten und eine Eule gezeigt.

Diese werden übrigens nicht aus der Natur eingefangen und für die Show gehalten. Meistens sind es Tiere, die verletzt aufgelesen wurden und in der Wildnis nicht überlebt hätten.

Sie haben auch die Wahl, sich in die Wildnis zu begeben, finden es aber bequemer, ab und zu einen Job auszuführen und dafür Kost und Logis zu bekommen. Anschließend ging es wieder vorbei an Kakteen (wo kommen die nur alle her?)

in den Cat-Canyon, wo wir Fuchs und Luchs einen guten Tag wünschen konnten.


Nächstes Tagesziel waren die Erdmännchen (Prairie-Dogs), die es mir bei den letzten Urlauben schon angetan hatten.

Vor dem Gehege der Geier (wir erinnern uns: sehen fürchterlich hässlich aus, haben aber ein Herz aus Gold)

tummelte sich eine Mini-Eule

und die Rehe lebten einen lauen Lenz, weil sämtliche Jäger in anderen Gehegen eingesperrt waren.

So auch Puh, der Bär

und auch der Puma, dem man durch eine (leider stark reflektierende) Glasscheibe direkt in die Augen blicken konnte.
Auf dem Rückweg (vorbei an Kakteen)

dann noch mal zu den Kolibris rein. Mittlerweile hatten sich die meisten Besucher verzogen und wir konnten in Ruhe diesen Leichtgewichtern (3 Gramm) zuschauen. Wieder aus dem Museum draussen, suchten wir die nächste Picnic-Area aus und machten uns recht hungrig über den morgendlichen Einkauf her.
Die Sonne machte sich auf den Weg zum Horizont und wir erreichten noch rechtzeitig den Gates Pass.
Fuhren mit dem Truck rückwärts auf den Parkplatz und ließen die Sonne auf der Ladefläche untergehen.
Es muss also nicht immer ein Strand auf Hawaii sein…
Jetzt ab nach Hause und Bilder wegwerfen. Es waren mal wieder viel zu viele geworden (386). Eigentlich wollte meine Göttergattin ja noch ein wenig shoppen, aber im Hotel war dann doch die Batterie leer.
Wieder ein toller Tag zu Ende.

08.11.2017 – Fahrt von Yuma nach Tucson

Eigentlich könnte ich den Bericht heute mal sehr kurz halten, um die Zeit der geneigten Leserinnen und Leser nicht zusehr zu strapazieren: Morgens nach dem Frühstück in Yuma aufgebrochen, abends in Tucson angekommen. Aber wir wären ja nicht die Hitzblecks, wenn wir nicht zwischendurch auch etwas zu zeigen hätten.

Ungewöhnlich ging der Morgen schon vor dem Frühstück los. Ein Blick aus dem Fenster zeigte einen kolorierten Himmel, der gerade zu schrie: Fotografier mich. Und da wir gestern mit dem Gefängnis bzw. dem Hügel, auf dem es liegt, gute Erfahrungen gemacht hatten, düsten wir kurzerhand mit dem Wagen dahin, um die Sonne zu begrüßen.

Anschließend begrüßten wir im Frühstücksraum den Koch, der neben zwei verschiedenen Sorten Rührei auch noch Kartoffeln und Corned Beef (ich würde es nach deutscher Sitte als Labskaus ohne Hering und Gurke bezeichnen) servierte. Eine weitere Schüssel enthielt Bisquits und Gravy. Zur Gravy kann ich sagen, dass sie besser roch als sie aussah, aber nicht so gut schmeckte, wie sie roch. Aber ansonsten ein sehr schmackhaftes Frühstück.

Aber bevor es auf die Piste geht, erstmal tanken. Wir sind in Arizona und dort bekamen wir die Gallone für 2,279 USD. Bei 22.614 Ga macht das dann 51.54 USD. Verbrauch ca. 11.7 Liter / 100km. Nicht so sparsam wie unsere Silverados, aber akzeptabel.

Es ging auf den Interstate 8 Richtung Osten. Ein ziemlich langweilige Strecke, die auch durch ein paar eingestreute Berge nicht interessanter wurde.

In Gila Bend bogen wir auf die 85 nach Süden ab, um nach Süden zum Organ Pipe Cactus National Monument zu fahren. Auf dem Weg dahin passierten wir die Stadt Ajo, die zuerst nach absolut heruntergekommenem Drecksnest aussah, sich aber dann mit einer wunderschönen Plaza und einer schönen Kirche präsentierte.

In dem Zusammenhang eine kleine Sprachkunde: Ausgesprochen wird die Stadt Aho, also mit stimmlosem „j“. Und das bringt mich zu einer weiteren Sprachverwirrung. Karin hatte ihr in den USA gekauftes TomTom-Navi vor der Fahrt einem Update unterzogen und das gute Stück machte alle Ansagen in deutscher Sprache. Wollten wir eigentlich nicht. Denn dabei kamen so Slapsticks wie 4th heraus, gesprochen vier te ha…

OK, in Ajo kehrten wir kurz ins Visitorcenter ein. Dort empfahl man uns, die Kupfermine zu besuchen. Diese besteht aus einem riesigen Loch und man kann nur kurz von oben reinschauen.

Abgesehen davon ist sie geschlossen. Auf meine Frage, wovon die Leute hier leben, bekam ich zur Antwort: Border patrol und retired. Also Grenzbeamte und Rentner (die ihr eigenes Geld schon mitbringen). Das erklärt es.

Auf dem weiteren Weg nach Süden wurde ich immer wieder durch die in der Nähe fliegenden Kampfflugzeuge gestört, die diverse Manöver flogen und offensichtlich auf dem Testgelände auch Abwürfe übten.

Und wir durchfuhren auf den ganzen Strecken mindestens ein halbes Dutzend Grenzkontrollen. In südlicher Richtung kein Problem, in nördlicher Richtung wollte man zumindest einen Ausweis sehen. Einmal führte man auch einen Drogenspürhund um den Wagen herum. Hoffentlich hatte der Vormieter die Kiste nicht für illegale Zwecke verwendet.

Im Organ Pipe Cactus National Monument ließen wir uns von der Rangerin aufklären, was man in dem Park unternehmen könne. Sie empfahl die 21 Meilen lange Ajo (Aho)-Mountain Loop.

Vor dem Visitor Center ein süßer kleiner Dodge Challenger, für alle Freunde des gepflegten Muscle-Cars.

Die Loop durchfuhren wir, machten an einer Stelle auch noch Picnic

und an vielen diversen Stellen Fotos von diversen Kakteen. Der Park heißt zwar Organ Pipe,

aber die allermeisten stacheligen Freunde sind Saguaros

und Chollas.

Speziell als wir auf der Rückrunde waren, stand die Sonne schon etwas tiefer und tauchte die Kakteen und deren Stacheln in ein herrliches Licht.

Mir haben es besonders die Cholla angetan, die wie kleine pelzige Knubbel aussehen, denen man aber besser nicht zu nahe kommt. Sie haben den Beinamen Jumping Cactus.

Während der Fahrt kamen wir noch auf die Schnappsidee, einen Saguaro nach Hause zu schicken. Ich fand, dass Blisterfolie nicht das richtige Verpackungsmaterial sei…

Nach der Runde noch einen kurzen Abstecher zum Zeltplatz. Hier hatten wir anlässlich unserer Hochzeitsreise, aus Oregon kommend, eine Nacht verbracht und unsere Super Solar Shower an einem Kreosote Busch aufgehängt. Der Busch war noch an der gleichen Stelle wie vor 27 Jahren.

Die Rangerin hatte bei unserem ersten Besuch gemeint, nach Tucson wären es zwei Stunden. Vermutlich hatte sie einen Überschall-Jet gemeint, unser Navi sprach von 3 Stunden und 150 Meilen. Also auf die Piste und über die 86 eine total langweilige Strecke durch das Indianerreservat bis zum Hotel. Dort hatten wir schon eine schöne Suite reserviert bekommen, die wir die nächste Woche bewohnen werden.

Good Night.