Nachdem wir wunderbar geschlafen hatten – die Klimaanlage musste „nur“ im Wohnzimmer laufen, genossen wir das Frühstück. Guter Best Western Standard, alles ist OK.
Was machen wir heute? Eigentlich besuchen wir von Las Vegas aus immer den Valley of Fire State Park verbunden mit einer Wanderung zur Fire Wave. Leider gibt es da im Moment zwei Probleme. Zum einen ist die Wanderung zur Fire Wave seit dem 1. Juni bis auf weiteres gesperrt. Und zwar wegen der Temperaturen. Die Ranger haben verständlicherweise keine Lust, immer wieder dehydrierte Wanderer aus den Sanddünen herauszuschleppen.
Zum anderen (quasi gleichzusetzen mit Grund 1) müssten wir sehr, sehr früh losfahren, um bei Temperaturen zu wandern, die uns noch ein Durchkommen ermöglichen.
Aber es gibt ja eine Alternative: Westlich von Las Vegas, gerade mal eine halbe Stunde entfernt, liegt die Red Rock National Conservation Area. Eingebettet in die weiß-gelben Felsen liegt ein Klumpen mit knallroten Brocken. Wir waren mit den Kids vor vielen Jahren schon einmal dort gewesen. Dort gibt es eine 13 Meilen Loop, die mit dem Auto bequem zu befahren ist. Von dort aus gehen Viewpoints ab, von denen man mal eben schnell in die Steine klettern kann.
Aber uns schwebte – nachdem wir ja dermaßen wandererfahren sind – mehr vor.
Im Besucherzentrum trafen wir auf eine sehr nette ältere Helferin, die sich offensichtlich aus eigener Erfahrung bestens dort auskannte. Als wir ihr erzählten, dass wir einen easy bis moderate Hike suchten, schlug sie uns den Calico Tanks Trail vor. Mal über Sand, mal über Sandstein, ein wenig klettern, Höhendifferenz ca. 170 Meter und insgesamt etwas über 2 Meilen zu laufen.
Von der Zeit, also auch der Temperatur, könnte das klappen, also los. Vorher musste ich aber noch in die Ornithologie abtauchen. Im Vorgarten eines Hauses hatte sich eine Quail, also eine Wachtel, niedergelassen.


Und das mit ihren 10-15 winzigen Jungen. Sie wuselte immer zwischen den Büschen hin und her, so dass es äußerst schwierig war, sowohl sie als auch die Kids zu erwischen (mit der Kamera natürlich). Sie achtet halt sehr auf die Privatssphäre der Kleinen. Hoffentlich gibt es keinen Ärger, wenn ich jetzt ein Foto poste und jemand sie erkennt…
Danach ging es auf die Ringstraße und nach kurzer Zeit hatten wir den Parkplatz Sandstone Quarry Overlook erreicht.

Der Weg war zuerst wie beschrieben leicht und teilweise sandig und zog sich dann immer mehr in die Berge rein.

Mit entsprechenden Pausen – es wurde ja doch langsam wärmer –

erreichten wir schließlich den Tank. Das ist eine im Moment ausgetrocknete Riesenpfütze, früher vielleicht mal ein kleiner See von vielleicht 50 m Länge. Aufgrund der seit 17 Jahren herrschenden Dürre war logischerweise kein Wasser mehr drin, aber Gräser, die aus dem Boden sprossen, zeigten, dass da noch eine Grundfeuchte sein musste.
Am Ende des Tanks (wir hatten uns schon so gefreut, dass wir da waren) ging es noch einmal den Berg rauf und wir hatten einen tollen Überblick über die Red Rocks und das dahinter liegende Tal.
Für den Weg zurück steckte ich die Kamera in den Rucksack, denn bergab brauchte ich beide Hände und auch meinen Allerwertesten, um die Berge wieder runterzukommen.
Gut, dass wir beide mit Merrel-Wanderschuhen ausgerüstet sind. Diese kleben geradezu am Sandstein, so dass man „einfach“ bergab laufen kann.
Zurück am Auto erfreuten wir uns der Klimaanlage und rollten gemütlich über den Rest der Rundstrecke. Dort gibt es noch einige Trails, die man laufen kann. Und ich glaube, dass wir das morgen mal machen werden.
Auf dem Rückweg liegt quasi ohne Umweg – welch Wunder – ein Costco. Eigentlich war mir nur nach einer Scheibe Pizza und einem Very Berry Sundae (Softeis mit Erdbeersauce). Und ein wenig durch die Probierstände durchessen. Diese waren nicht so sonderlich ergiebig. Aber meine Göttergattin hatte zumindest die Zeit sinnvoll genutzt und die Textilabteilung ein wenig leichter gemacht.
Nächstes Ziel auf dem Weg nach Südosten: Ein Ford-Händler. Wer uns kennt, weiß, dass wir schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem amerikanischen Pickup Truck sind. Eigentlich sollte es ein Ford F150 werden, nachdem Ford aber einen vollelektrischen F150 (Lightning) rausbrachte, gingen die Überlegungen in diese Richtung. Aber der Preis und die Lieferfähigkeit (der Ford-Händer sprach davon, dass er uns frühestens in einem Jahr einen zeigen könnte) sprechen leider gegen dieses tolle Auto.
In Bishop hatte ich dann erstmalig einen Ford Maverick gesehen. Ich hatte schon davon gehört. Größenmäßig ist er noch unterhalb des Rangers angesiedelt, was für deutsche Straßen und Parkplätze nicht unbedingt ein Nachteil ist. Leider konnte uns der Händler auch nur einen von außen zeigen, lobte diesen aber in höchsten Tönen. Auch deswegen, weil er als Hybrid zu bekommen ist. Verbrauch zwischen 5,6 und 7,7 l/100 km. Würde mich gerne mal reinsetzen, um die Größe und das Sitzgefühl zu testen.
Wieder ein Stück südlich, auf Höhe des Strips = Las Vegas Boulevard nur weiter südlich, liegt eine Outlett Mall, wo meine Göttergattin bei Oshkosh und Carters Childrens Wear ein paar Kinderklamottenaufträge zu erledigen hatte.
Sie bekam zwar ein paar Sachen, meinte aber, dass es viel teurer wäre als auf dem „Wühltisch“ bei Costco.
Jetzt ab ins Hotel und erstmal Siesta machen.
Als diese beendet war, meldete sich unser Magen. Grocery Outlet gibt es in Nevada so gut wie nicht. Walmart hatten wir keine Lust zu. Aber das Internet warf als weiteren Namen für einen Discounter „Smart & Final“ aus. Und nur eine Meile vom Hotel entfernt. Kann man ja fast hinlaufen. Aber so bescheuert sind wir bei der Hitze auch nicht.
Der Laden war sehr interessant, bot er doch Preise, die vereinzelt unter denen von Costco lagen. Wir deckten uns mit einer Reispfanne und diversen anderen Sachen ein und kehrten hungrig, aber gut gelaunt ins Hotel zurück.

Wir wollen uns noch ein wenig im Park rumtreiben, um dann am frühen Nachmittag in Las Vegas bzw. in Henderson aufzuschlagen.
Die Dünen machen eigentlich nur bei richtig schrägem Licht was her, wenn die Schatten den Hügel eine Plastizität verleihen. Genau genommen waren wir hier schon ca. eine Stunde zu spät. Aber zumindest wissen wir jetzt, WANN wir dort für noch bessere Fotos sein müssten.
Aber nach einer Viertelmeile drehten wir um, um uns in die Kühle des Wagens zu flüchten.
Aber der Canyon macht seinem Namen alle Ehre.
Da lässt sich vielleicht sogar der „Devils Golf Course“ ertragen. Ca. eine halbe Meile auf einer Dirtroad standen wir mitten im Tal, salzüberkrustete Brocken umgaben uns von allen Seiten. Hier möchte ich nicht mein Zelt aufschlagen müssen.
Zurück ging es wie gestern über den Artist Drive, diesmal im anderen Licht.
Wir wollten gerade aus dem Park rausfahren, als vor uns ein Coyote über die Straße lief. Er sah so aus, als täte ihm die Hitze auch nicht gut.
Dann ging es auf die 190, um aus dem Tal herauszukommen.
Beim Zabriskie Point stapfte ich noch einmal kurz zum Viewpoint rauf, um auch bei diesem Tageslicht die Landschaft einzufangen.
Letzter TOP auf der Parkliste war Dantes View. Damit verbindet sich eine Erinnerung aus dem Jahr 1987. Es war unser erster gemeinsamer USA-Urlaub und wir waren mit einem kleinen Mietwagen – schätzungsweise Golf- oder Polo-Klasse – unterwegs. Ob es am schlechten Sprit lag, den wir in Nevada getankt hatten (damals waren in den Staaten die Oktanzahlen durchaus unterschiedlich) oder an der geringen Motorisierung, wissen wir nicht. Jedenfalls hatte unser Auto ziemliche Probleme, in der Hitze auf 1600 m raufzuklettern. Die Temperaturanzeige des Kühlwassers drohte in beträchtliche Höhen zu schnellen und wir wussten uns keinen anderen Rat, als die Klimaanlage aus und die Heizung auf volle Touren einzustellen. Die Fenster haben wir dann aber aufgemacht.
Diesmal zog unser Dicker uns (wie nannte es ein anderer Truckfahrer) „effortless – mühelos“ den Berg rauf. Oben erwartete uns nicht nur ein extrem angenehmes Klima, sondern auch ein überwältigender Überblick, wie wir ihn von vor 35 Jahren nicht mehr in Erinnerung hatten.
Unser ältester Sohn hat die besondere Begabung, die Funk-Berge (oder wie nennt man das Gegenteil von einem Funkloch?) abzupassen und uns dort zu erreichen, wo wir ein Netz haben. In der Mitte vom absoluten Nirgendwo.
Wie durch ein Wunder hatten die beiden jungen Männer, Daniel und Louis, überlebt. Daniel hatte bis auf ein paar Kratzer vermutlich einen Schock erlitten, Louis lehnte an einem Auto eines anderes Fahrers, der auch zu Hilfe gekommen war. Er war an der Hand verletzt und stand auch unter Schock, war aber ansprechbar und bei Bewusstsein. Wir versuchten ihn (auch mit Hilfe anderer Reisender) mit Wasser und Kühlung zu stabilisieren und die Unfallstelle zu sichern. Der Fahrer des „Ersthelfers“ hatte schon die 911 gerufen. Nach einiger Zeit fanden sich allerlei Uniformierte ein und nahmen den Unfall auf. Noch einige Zeit später trafen erst zwei, dann zwei weitere Krankenwagen ein und verfrachteten die beiden Jungs ins Krankenhaus.
Das werden schöne vier Tage.
Nach einer kleinen Ruhepause fuhren wir zum Lake Mead, um den Sonnenuntergang einzufangen, was zeitlich so gerade noch gelang.
Auf dem Weg zurück noch bei Costco tanken. Der Sprit kostete 5,039 USD pro Gallone. Ein kleiner Unterschied zu den 8.849 USD im Death Valley (Korrektur des Wertes von gestern Abend).
Auschecken und noch einmal zum Grocery Outlet schräg gegenüber. Wir müssen ein wenig planen für die nächsten knapp zwei Tage. Gebucht haben wir zum ersten Mal ein Zimmer IM Death Valley zu einem für unsere Verhältnisse horrenden Preis, weit über 200 USD für EINE Nacht. Der Grund?
Die Gegend wird trockener und heißer als uns lieb ist und selbst ich, der gerne offen fährt und den Manta-Arm raushängen lässt, schloss das Fenster und machte die Klimaanlage an. Wir kletterten in die Berge und machten unseren ersten Halt am Father Crowley Overlook. Von dort aus schaut man ins Panamint Valley, einem Seitental vom Death Valley.
Kurz vor Stovepipe Wells ein Eindruck dessen, was uns bevorsteht.
Die letzte Bastion vor den Annehmlichkeiten im Tal selbst ist dann Stovepipe Wells, wo man sich mit Nahrung und Kraftstoff eindecken kann. Preis für Unleaded: 7 USD. Geht doch fast noch.
An der Ranch angekommen, wurden wir in einem schönen Gebäude in Empfang genommen und bekamen unser Zimmer zugeteilt. Wir entschieden uns für eins im oberen Stock, damit uns niemand auf dem Kopf rumtrampelt.
Die Hitze war schon ziemlich heftig, 43°C zeigte das Thermometer. Ich schlenderte eine Runde zum Pool, um mich abzukühlen, Karin legte ein Nickerchen ein, um die Abendstunden abzuwarten.
Etwas weiter die 190 rauf liegt noch der Twenty Mule Team Canyon, eine Dirt Road Schleife, auf der weder ein Team, noch ein einziges Maultier zu sehen war.
So langsam kam die Sonne tiefer und uns blieb gerade noch die Zeit, den Artist Drive zu durchfahren, der mit extrem bunten Felsen lockt.

Gerade rechtzeitig schafften wir es dann noch nach Badwater, dem Punkt, der ca. 70 m unter dem Meeresspiegel liegt. Gut, dass so viele Berg bis zum Ozean dazwischen liegen, sonst wäre das Tal schon vollgelaufen.
Dort konnte ich mich dann austoben, denn die Sonne deutete gerade an, dass sie hinter den Bergen verschwinden wollte.
Die ausgelaugte Erde bringt reizvoll als Vordergrund den Untergang zur Geltung.
Die ganze Zeit blies ein heißer Wüstenwind.
Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, ging es zurück zum Hotel.
Anstelle der Mikrowelle nutzten wir die Kaffeemaschine zur Zubereitung einer veganen Nudelsuppe, die aus Geschmacksgründen mit etwas Chickenbreast aufgepeppt wurde. Nicht mehr vegan? Kann ich mit leben.
Leider kam gerade der Mond hoch und daher wurden die Milchstraßenfotos leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte.
Hier haben wir einen tollen Überblick über die Sierra Nevada.
Uns wurden 3 Trails vorgeschlagen. In Anbetracht des gestrigen Tages (und der Höhe, wir hatten mal wieder die 3000 m überschritten) entschieden wir uns für den 1-Meilen-Weg. Und erfuhren hinterher, dass das der Weg mit den heftigsten Steigungen war. Clever. Jedenfalls stapften wir tapfer und vor allen Dingen langsam den Berg herauf und schauten uns jeden Baum einzeln und mit großer Wonne an.
Was macht diese Gegend so besonders? Die oben im Titel erwähnte Pinie ist das älteste Lebewesen auf dieser Erde. Edmund P. Schulman hatte mithilfe der Baumringmethode herausgefunden, dass dort Bäume WACHSEN, die ca. 2000 vor Christus damit angefangen haben. Damit sind sie über 4000 Jahre alt. Dies führte dazu, dass auch die Radiocarbonmethode überprüft bzw. quasi kalibriert werden konnte.
Das rauhe Klima sorgt dafür, dass andere Bäume wenig Überlebenschancen haben und auch dafür, dass die Bäume extrem langsam wachsen.
Nachdem wir unsere Runde gedreht hatten, gingen die Überlegungen los, was wir mit dem Rest des Tages anstellen könnten.
Die Gegend war zumindest optisch nicht zu öde, obwohl es stellenweise lange einfach nur geradeaus ging.
Dann auf der 6, immer wieder wurden uns Schilder mit kreuzenden Pferden gezeigt, stand wirklich ein einsames Wildpferd in der Pampa. Laut Angaben eines Herren, der aus der Gegend stammte, gibt es hier noch einige Wildpferdeherden, die allerdings nicht an der Hauptstraße, sondern mehr im Hinterland.
Auto parken und runterlaufen.
Eine freiwillige Helferin stand dort mit einem Fernrohr und zeigte uns einen Osprey, einen Fischadler, der einsam auf einer Tuffa-Säule saß. Besser komme ich mit meinem Tele da nicht ran.


Ein Familienvater wies uns freundlicherweise darauf hin, dass auf einem bestimmten Felsen eine Eule zu sehen war. Nach genauem Hinschauen erkannten wir sie und auch das Junge, welches neugierig hinter dem Felsen herlugte. Auf einem anderen Felsen saß der Ehepartner/die Ehepartnerin.
Das Besondere an diesem Sonnenuntergang waren die Wolkenformationen, die es uns angetan hatten.

Aber schließlich war das Licht weg und wir machten uns auf die einstündige Rückfahrt im Dunkel, bis wir schließlich um 21.35 Uhr unser Hotel erreichten.

Nochmal ein paar Meilen weiter auf der Straße, der Zustand verschlechterte sich deutlich, landeten wir dann auf dem gut besuchten Parkplatz.
Der Weg war zu Anfang auf jeden Fall angenehm zu laufen und auch der Blick zurück war vielversprechend.
Als ersten See nach etwas über einem Kilometer wurde uns der Mack Lake präsentiert.
Einfach schön, die grauen Felsen, die grünen Bäume, das blaue Wasser. Meine Göttergattin musste immer wieder folgenden Spruch loslassen: SO habe ich mir eine Wanderung vorgestellt. Irgendwann erinnerte ich sie daran, dass ich es jetzt wüsste, und dann erinnerte sie sich auch daran.
Wieder ein kleines Stück weiter liegt dann der Marsh Lake.
und fanden uns am Fuße eines kleinen Wasserfalls wieder. Hätte ich doch bloß mein Stativ mitgenommen. Dann hätte ich nur noch einen Sherpa gebraucht, der meine Ausrüstung und mich zurückträgt. So versuchte ich eine Langzeitbelichtung mit Bordmitteln, also Rucksack und ruhiger Hand.
Für die nächste Aufnahme brauchte ich zwar auch eine ruhige Hand, aber das Motiv bewegte sich sowieso nicht: Ruhepause.
Der Blick zurück war auch nicht ohne,
Und wieder mussten wir einen der reißenden Wildbäche überqueren. Todesmutig setzte die beste Wanderin von allen über die Steine, um trockenen Fußes weitergehen zu können.
Der nächste See, der uns im Weg lag, war der Long Lake. Hier erklärt sich der Name quasi von selbst.
Auf eine Schneeballschlacht haben wir verzichtet. Ich befand mich in einer sehr ungünstigen Position ohne Schnee.
