02.06.2022 – Von Lone Pine nach Bishop

Der erste Gedanke am Morgen war: Schaffe ich es, aus dem Bett zu kommen? Welcher Knochen, welcher Muskel wird am meisten schmerzen? Aber ich hatte mich selbst unterschätzt. Anscheinend bin ich so durchtrainiert, dass mir ein kleiner 10 Meilen Hike nicht mehr viel anhaben kann. Retrospektive betrachtet: Wir waren schon einmal eine ähnlich lange Strecke gelaufen, auf dem Fairyland Trail im Bryce Canyon NP. Wir hatten auch schon einmal ca. 300 Höhenmeter bewältigt, zu Anfang des Urlaubs nach dem Besuch des Cedar Creek Falls. Aber noch NIE hatten wir eine derartige Strecke verbunden mit einem derartigen „elevation gain“ in so großer Höhe zurückgelegt. Mann, was bin ich stolz auf uns.

Logischerweise dürfen wir den Folgetag etwas ruhiger angehen lassen. Ziel der heutigen Tour ist Bishop, wo wir mit Best Western Punkten die nächsten drei Nächte verbringen werden. Das sind nur 60 Meilen, aber die kann man schon interessant gestalten.

Fangen wir mit unserem Dorf Lone Pine an. Ich hatte ja schon erwähnt, dass viele Western in den Alabama Hills gedreht worden sind. Logischerweise schlägt das Dorf Kapital daraus in Form eines Movie Museums. Wer die ganzen Filme kennt (ich gehöre nicht dazu), wird dort interessante und kurzweilige Unterhaltung vorfinden.

Logisch, dass die Stadt auch als Versorgungszentrum sowohl für die Cottonwood Lake Area als auch für die Whitney Portal Gegend dient. Irgendwo müssen die Hiker ja ihre Powerbanks aufladen und vielleicht auch mal waschen? Unsere mitfahrenden Gäste am gestrigen Tag hatten anscheinend keine Laundry gefunden, war wohl zu gut versteckt.

Jetzt geht es noch einmal in die Alabama Hills. Am „Eingang“ steht das Wahrzeichen, ein Felsen, der ab und zu neu geschminkt wird. Steht der „Miss Alabama“ auch zu.

Wir fuhren in die (heißt wirklich so) Movie Road rein und nahmen auch diverse Nebenstraßen mit.

Ganz austoben durfte ich mich nicht, meine Befahrerin traute unserem Dicken nicht besonders viel zu…

Am Trailhead der Moebius Arch ein korrekter Blick auf die Herz Arch, jetzt kann man die Form deutlich erkennen.

Wir fuhren die Movie Road weiter Richtung Norden, weil die Karten zeigten, dass wir irgendwann wieder auf der 395 landen würden.

Zwischendurch gibt es immer wieder Wasserläufe, die dann für einen grünen Streifen mitten in der Wüste sorgen. Hier ließen sich früher die Rancher nieder, weil Wasser das wichtigste zum Überleben war.

Auf der 395 angekommen, Tempomat auf gemütliche 55 Meilen eingestellt und nach Norden gerollt. Bis Bishop gibt es noch genau 2 Ansammlungen von Häusern, die zumindest die Bezeichnung Dorf verdienen. Das erste war Independence, welches mit einem eindrucksvollen Gerichtsgebäude aufwarten kann.

Noch etwas weiter nördlich liegt dann Big Pine, welches letzteres nicht kann. Daher gibt es auch kein Foto für Big Pine.

Links der Straße kann man kurz rausfahren und dann kommt man zur Mt Whitney historic Fish Hatchery. Das besondere an dieser Station ist das wunderschöne, kirchenähnliche Gebäude, welches aus 2-3 Fuß dicken Mauern aufgebaut wurde.

Noch besonders daran ist, dass die Steine nicht behauen wurden, sondern passend gesucht und eingebaut wurden.

Noch ein wenig weiter nördlich liegt dann die noch aktive Black Rock Fish Hatchery. Hier konnte man in zwei großen Becken sehen, wie sich 145.822 Forellen tummelten. Wie ich auf die Zahl komme? Einfach die Augen zählen und durch 2 teilen.

Schließlich erreichten wir Bishop, welches deutlich größer ist als Lone Pine und als Versorgungszentrum für die ganze Gegend dient. Untrügliches Kennzeichen dafür? Es gibt einen Grocery Outlet. Was für uns äußerst positiv ist, können wir uns doch sehr unkompliziert mit leckerer Nahrung eindecken.

Es gibt dort auch ein Besucherzentrum und hier gerieten wir an Joe, einen älteren Herren mit deutlich mehr Erfahrung und Motivation als dem Ranger in Lone Pine. Er beriet uns sehr ausführlich, was wir in den nächsten Tagen an Wanderungen unternehmen könnten.

Jetzt aber ab zum Hotel. Unsere Voranmeldung hatte uns als Upgrade ein Zimmer mit einem King Bed beschert. Auch sonst ist es schön groß, hier halten wir es drei Tage aus. Und in der Lobby gibt es Kekse!!!

Als Kurztrip für den Nachmittag hatte uns Joe den Pine Creek Canyon empfohlen, leicht zu laufen, zeitlich passend.

Ein paar Meilen nördlich von Bishop geht links die Straße Pine Creed Road ab, welche ca. 8-10 Meilen in die Berge führt. Dann auf der rechten Seite ein riesiger V-förmiger Einschnitt (A-förmig hätte keinen Sinn ergeben).

Wir suchten uns einen Parkplatz und kletterten den Weg hinauf.

Im Hintergrund die Berge am Ende des Tals.

Der Blick zurück verhieß wettertechnisch nichts Gutes.

Im Canyon selbst stiegen die Felswände links senkrecht nach oben. Und bei genauem Hinsehen sah man winzige Gestalten, die daran klebten. Felsenkletterer.

Verstehe ich zwar nicht, dieses Hobby, aber wenn es sie glücklich macht. Wenn man einen dann fragt, warum er den Berg rauf klettert, wird wohl als einzige Antwort kommen: Weil er (der Berg) da ist.

Wir fuhren dann noch bis zum Ende des Canyons, aber da war dann endgültig Schluss.

Zurück und den Grocery Outlett leerräumen. Wir blieben wieder bei der üblichen Salatschüssel hängen nebst einigen anderen (hoffentlich) leckeren Sachen.

Im Citypark ließen wir uns den Salat schmecken und uns auch nicht durch ein paar Regentropfen stören.

Mal sehen, wie gut wir morgen bei Kräften sind und was wir dann schaffen.

 

01.06.2022 – Cottonwood Lakes Trail

Kennt Ihr das, wenn man etwas total Verrücktes unternehmen möchte, sich dies realisieren lässt und sich hinterher als noch verrückter rausstellt, als man sich vorgestellt hat?

So was hatten wir heute.

Eigentlich hatte der Tag echt gut begonnen. Wir schauten aus dem Fenster und die Sierra Nevada erstrahlte im schönsten Morgenlicht. Und diesen Anblick konnten wir auch beim Frühstück genießen.

Tagesziel für heute: Wanderung zu den Cottonwood Lakes. Südlich der Whitney Portal Road zieht sich in langen Kehren eine ca. 20 Meilen lange Straße ungefähr 2000 Meter in die Höhe.

Vorher hatten wir noch einen Abstecher ins lokale Visitor-Center gemacht. Und waren ziemlich unbefriedigt von dannen gezogen. Normalerweise wird man an diesen Stationen mit Informationen schneller zugeworfen als man sich ducken kann. Aber dieser Ranger war entweder total unsportlich oder hatte einfach keine Ahnung. OK, verlassen wir uns auf unsere Intuition und Komoot.

Der Weg nach oben führt an einer unbekannteren Sektion der Alabama Hills vorbei. Aber das ist kein Grund, sie nicht vorzustellen.

Also kurzer Stop (die Straße war so gut wie unbefahren) und auch die Sierra-Berge abgelichtet.

An der Kreuzung nach „oben“ standen 4 Gestalten, heftig mit Rucksäcken bewaffnet und streckten den Daumen raus. Es sah so aus, als wäre die Wanderlust doch nicht sooo groß, dass man die 20 Meilen rauflaufen wollte.

Aber wofür hat man einen Truck? Rücksitzbank auf die Ladefläche leergeräumt, deren Gepäck kam ebenfalls dorthin. Und da unser „Billig-Silverado“ mit einem Mittelsitz vorne ausgerüstet ist, kam die kleinste Person – eine Australierin aus Canberra – zwischen uns. Die Wanderer wollten den Pacific Crest Trail komplett laufen. Der fängt an der mexikanischen Grenze im Süden an und führt bis nach Kanada. Na, da haben sie sich noch was vorgenommen. Selbst schuld. Wir versuchten ihr beizubringen, dass man das nicht MUSS. Aber die hatten ihren eigenen Kopf.

Oben angekommen waren sie jedenfalls ziemlich froh und verabschiedeten sich mit großem Hallo.

Wir stellten unseren Dicken in der Nähe des Wanderweges ab und verpackten unsere Lebensmittel in Bärentrunks. Das sind Metallkisten (mit Zahlenschlössern und die Bären kennen die Kombination nicht), rechts im Bild.

Los ging es. Wir starteten in einer Höhe von ca. 3000 Metern und der Weg ging eigentlich ziemlich langweilig durch den Wald, hätten die Ranger nicht dort zu einer Kunstausstellung eingeladen (so kam es mir jedenfalls vor). Vom Blitz abgefackelte Bäume strahlten so im Sonnenlicht, dass ich sie einfach ablichten musste. Einfach auf das Bild klicken zum Vergrößern.

Aber auch die Wurzeln hatten es mir angetan:

Selbst ich war in der Lage, im folgenden Bild ein Gesicht zu erkennen.

Aber auch andere Begebenheiten würzten den Weg:

Cowboys (die ich schon beneidete, hinterher umso mehr) kamen uns entgegen.

Reißende Ströme mussten unter Lebensgefahr überquert werden.

Höhere Berge kamen in Sicht und wir bekamen schon Panik, dass wir da rauf müssten. Mussten wir aber nicht.

Dann trafen wir zwei Wanderer, etwas jünger als wir, geschätzt und kamen ins Gespräch. Sie kam aus Hamburg und stellte sich vor: Hi, I’m Karin. Meine Göttergatten ebenfalls: Hi, I’m Karin. Das Eis war gebrochen, aber wir mussten doch weiter. Die andere Karin hatte uns Tipps gegeben, wie es weitergehen könnte. Auch ein kleiner Umweg von 20 Minuten zu einem Wasserfall wäre sehr empfehlenswert.

Das konnte ich zum Glück mit dem Tele erledigen. Denn mittlerweile – wir bewegten uns schon geraume Zeit auf über 3000 m Höhe, trat bei Karin die Höhenkrankheit ein. Das Ganze wurde so schlimm, dass sie bei 3300 m einfach nicht mehr weiterkonnte. Immer wieder Luftnot, Erschöpfung  Übelkeit. Wir beschlossen, dass ich die letzten paar Meter alleine hochklettere und zumindest ein Foto vom See abliefere:

Der Rückweg wurde wegen der Höhe nicht leichter und wir schleppten uns schließlich mit letzten Kräften Kilometer für Kilometer zurück bis zum Auto. Am Ende standen 15,8 km auf meiner App. Das reicht mir. Meinem Rücken auch. Ca. 14-15 kg ist was für jüngere Leute, die Backpacking machen wollen. Zum Schluss kam mir noch ein Spruch in Erinnerung, der glaube ich dem polnischen Sprachschatz zu Teilen zuzusprechen ist: Pirunje, mir brrrricht der Kreuz.

Was waren wir froh, als wir wieder in unserem Dicken saßen und gemütlich den Berg runterrollen konnten. Das Owens Valley wurde sehr schön von der Abendsonne beleuchtet.

Und ein Stück weiter hatten wir einen klasse Blick auf Lone Pine und die Alabama Hills.

Eigentlich hatte ich noch vorgehabt, zur Moebius Arch zu laufen. Aber meine unteren Extremitäten meldeten mir, dass es besser wäre, den Abend gaaanz ruhig im Hotel zu verbringen.

So schoss ich quasi im Vorbeifahren noch ein Foto der Hills im Abendlicht und wir kehrten total k.o., aber glücklich, dass wir es geschafft hatten, ins Hotel zurück.

 

31.05.2022 – Trona Pinnacles – Lone Pine

Schade, dass wir das schöne Hotel in Palm Desert verlassen müssen. Eine Nacht in der King-Suite hat uns sage und schreibe 102 USD gekostet, das war zum einen eine der preiswertesten Nächte und zum anderen das beste Zimmer zu diesem Preis. Frühstück cooked to order, Porzellan und Metallbesteck, freundliches Personal, was will man mehr?

Für heute ist ein relativ langer Fahrtag angesagt. Wir wollen nach Lone Pine an der Ostseite der Sierra Nevada.

Mit diesem Nest verbindet uns eine sehr lange Tradition, auch wenn wir das damals nicht so wahrhaben wollten. In den späten 80er Jahren haben wir erstmals am Tuttle-Creek Campground gezeltet, später dort mit dem Wohnmobil genächtigt. Ohne zu wissen, welche landschaftlichen Schönheiten sich an den Hängen der Sierra verbergen. Es war einfach nur die schnellste Strecke zwischen dem Yosemite-Park und Las Vegas.

Aber ich schweife ab bzw. greife vor. Um die Fahrt zu überstehen, stolperten wir noch kurz beim Grocery Outlet rein. Der Salat dort war zu gut und die Reispfanne können wir ebenfalls noch einmal essen. Tanken müssen wir auch nochmal, der nächste Costco am Zielort ist weit entfernt.

Und da wir unsere Tankkarte auffüllen müssen, können wir auch gleich in der Textilabteilung nach dem Rechten sehen. Denn mit leeren Händen rausspazieren ist doch langweilig.

Nach dem Tanken gab es im städtischen Bereich noch ein Zwischenziel: Outletshop von Merrel. Wir haben ja mit den Schuhen grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht, aber das letzte Paar (in Kanada gekauft) bereitete mir doch ein wenig Probleme.

Der Store stand kurz vor der Auflösung und es wurde 50% auf alles angekündigt. Sowohl meine Wenigkeit als auch Karin wurden fündig. Die Rechnung ursprünglich betrug 296 USD, von der Karte wurden dann 134 USD abgezogen. Ich kann die Rechnung nicht ganz nachvollziehen, wahrscheinlich in der 2. Klasse zu tief gepennt. Aber nicht beschweren und ab durch die Türe.

Jetzt wird es langweilig. Zuerst über die I10, die I215 und die I15 schließlich auf die 395, der Straße, die entlang der Sierra führt und die uns schon richtig heimisch geworden ist.

Diesmal allerdings nicht auf direktem Weg nach Norden, es gibt noch ein Zwischenziel. Die Trona Pinnacles. Eine Ansammlung von Tuffa-Felsen im Nirgendwo. Die offizielle Bezeichnung nennt sich National Nature Landmark. Man ist ca. 20 Meilen östlich von Ridgecrest auf der 178 unterwegs, bis es dann nach Süden abgeht, ungefähr 5-6 Meilen auf einer stellenweise üblen Dirtroad.

Und dann steht man vor den Felsformationen. Ungläubig. Staunend. Fasziniert.

Für den Wagen suchten wir uns eine freie Parklücke und begannen, bergauf und bergab die Formationen zu erkunden.

Wen es interessiert: Diese Steine waren häufig Filmkulisse. Unter anderem für Kampfstern Galaktika, Planet der Affen, Startrek V und andere.

Wer übrigens Fantasie genug hat, wird im folgenden Bild ohne Probleme einen Löwenkopf erkennen?

Nachdem wir genug durch die Gegend gekrabbelt waren, es war mittlerweile 16 Uhr geworden und die länger werdenden Schatten machten das Bild erstmal richtig interessant, drehten wir vorsichtig mit dem Auto noch eine Runde, bevor wir zurück auf die Hauptstraße hoppelten und uns der 395 Richtung Norden widmeten.

Endlich kamen die schroffen Felsen der Sierra in Sicht

und auch unser kleines, geliebtes Frontier-Hotel.

Wir hatten am Morgen bereits angerufen und um ein Zimmerupgrade gebeten und uns wurde auch ein King Bed zur Verfügung gestellt. Ich glaube, das war das größte Zimmer, welches wir bisher hier hatten.

Die Sonne ging langsam auf die Bergkette zu und wir hatten endlich die Zeit, unsere Salatschüsseln zu verzehren.

Eine Sache gönnen wir uns noch: Die Fahrt in die Alabama Hills. Aus vielen alten Western bekannt sind die runden Granitfelsen bei jedem Tageslicht schön. Wir hatten gehofft, die Moebius Arch noch vor Sonnenuntergang mitzubekommen, aber dazu waren wir doch etwas zu spät dran. Aber man kann wunderbar durchfotografieren zur gegenüberliegenden Bergkette, die gerade noch von der Sonne angeleuchtet wird.


Aber auch Schatten

und mit mir darin besonders

macht sie eine gute Figur.

Auf dem Rückweg noch die Herz-Arch mitgenommen und dann zurück zum Hotel.

Wer weiß, vielleicht schaffen wir es heute Abend noch zum Sterne gucken…

30.05.2022 – Pines to Palms National Scenic Byway

Obwohl wir gestern für unsere Verhältnisse spät ins Bett gekommen waren, wachte zumindest ich relativ erfrischt zeitig auf. Und konnte dann endlich den Reisebericht verfassen.

Für heute hatte ich auf den Plan geschrieben, einmal den Pines to Palms National Scenic Byway komplett durchzufahren.

Von Palm Desert nach Süden abzweigend führt die 74 in die Berge, ins Santa Rosa und San Jacinto Mountains National Monument. Vor einigen Jahren waren wir auch diese Strecke schon zu Teilen gefahren, allerdings war hinter Idyllwild aufgrund einer Straßensperrung Schluss gewesen.

Auf dem Weg nach oben liegt links der Straße der Cahuilla Tewanet Vista Point, ein kleiner Parkplatz mit einem Weg zu einem Aussichtspunkt über die Berge, beschildert mit reichhaltigen Informationen, wie die hiesigen Ureinwohner sich der Pflanzen sowohl zur Nahrungsaufnahme als auch zu allen anderen möglichen Zwecken bedienten.

Die Temperatur kühlte rasch ab und wir waren (diesmal nicht so sehr, aber damals) erstaunt, wie grün und erfrischend die Farmen im Fuß der Berge aussahen.

Hier ein Foto vom Urlaub 2019.

Weiter geht es, bis nach einigen Meilen der Weg zum Hemet Lake abzweigt. Hier suchten wir uns eine schöne Picnic Area, wo wir die kurz vorher im Grocery Outlet erstandenen Salate vernichteten.

Die Regularien besagten, dass wir einen entsprechenden Permit benötigen (nicht zum Essen, aber zum Parken). Da es sich um „national“ Gebiet handelte, also nicht um State- oder Regional Park, hingen wir unseren Nationalparkpass in die Windschutzscheibe. Und das war gut so.

Als wir von unserer Fototour am See zurückkamen, hatte gerade eine Rangerin die Autos kontrolliert und hinter einigen Scheibenwischern klebten Zettel. Nächstes Mal nehmen wir entweder die Scheibenwischer vorsichtshalber mit oder lassen sie die ganze Zeit laufen.

Weiter geht es nach Idyllwild. Man soll es nicht glauben, aber mitten in den Bergen, auf ca. 2000 m Höhe, hat sich eine Community eingenistet, die das Leben in der kühleren Witterung sehr genießt. Künstler sind schätzungsweise sehr willkommen, aber jeder mit Geld kann sich dort niederlassen.

Kurzer Stopp, dann ging es weiter. Die 74 war mittlerweile zur 243 geworden und der Verkehr hatte merklich nachgelassen. Lag vielleicht daran, dass die gesamte 74 als Abkürzung nach San Diego benutzt wird.

Am Indian Vista Scenic Overlook genehmigten wir uns dann einen Überblick in die andere Richtung, was uns noch bevorsteht.

Kurz dahinter liegt der Lake Fulmor. Ein hübscher kleiner See, der maximal zum Angeln verwendet werden kann.

OK, man darf auch picknicken und daran entlang laufen. Nice.

Dann ging es in endlosen Kehren wieder bergab. Bis wir an einem Turnout die Gelegenheit ins trockene Tal hatten, mit dem Blick auf Banning. Wem sagt der Ort was? Mir nicht.

Kurz bevor wir auf den Interstate fahren konnten, mussten wir noch die Bahngleise überqueren. War gar nicht so einfach, da ein wirklich meilenlanger Zug vor uns vorbeifuhr. Ich wollte schon den Grill rausholen und auf der Ladefläche aufbauen, als mitten im Zug zwei Loks vorbeiratterten und kurze Zeit später der Zug auch zu Ende war.

Zählen konnten wir leider nicht. Finger und Zehen hätten nicht ausgereicht.

Eigenlich hatte ich noch vorgehabt, dem Oswitt-Canyon einen Besuch abzustatten, aber dort waren zu vorgerückter Stunde schon alle Tore geschlossen.

Um über die Enttäuschung hinwegzukommen, musste ich zum Trost meine Göttergattin noch bei TJ-Max vorbeischicken. Hat offensichtlich gut geholfen, denn sie kam strahlend wieder raus.

Jetzt auf der 111 ab zum Hotel. Heute abend gibt es Futter aus der Mikrowelle:

Und was soll ich sagen? Es sah nicht nur so aus wie auf dem Bild, es schmeckte sogar richtig gut. Holen wir uns morgen wieder.

Ach ja, Corona ist in den USA ja mehr unter Covid19 bekannt. Dementsprechend dürften die deutschen Varianten dieser Produkte auch eher unter

Delta und Omikron vermarktet werden.

 

29.05.2022 – Die Wüste ruft

Und wir rufen zurück. Heute geht es weg von San Diego, weg von der schönen Küstenstadt, die laut Angaben eines Hotelbediensteten schön, aber auch teuer ist. Ziel ist ein Hotel in Palm Desert, welches wir vor 3 Jahren schon einmal besucht (und für gut befunden hatten). Als Zwischenziel hatten wir im Anza Borrego Statepark DEN Slot Canyon auserkoren. Um dahin zu kommen, mussten wir über die Berge (ca. 4000 Fuß Höhe). Darüber kann ich nicht viel berichten, da mich plötzlich eine Müdigkeitsattacke überfiel und ich den größten Teil der Bergetappe verschlief.

Als wir dann wieder im Tal ankamen, erreichte uns der Ruf der Wüste. Öde, trocken und leer zog sich die Straße über Meilen hin bis irgendwann das Navi sagte: In 18 Meilen links abbiegen.

Zwei Meilen Dirtroad ließen uns so langsam in Stimmung kommen. Am Trailhead angekommen, noch kurz überflüssige Flüssigkeiten entsorgen und es kann in der sengenden Hitze losgehen. Trailbeschreibungen gab es keine, aber andere Wanderer sprachen von 4 Meilen in die eine Richtung, eine halbe Meile in die andere.

OK, wir nahmen den kürzesten Weg und kletterten direkt in den Canyon runter.

Zuerst noch richtig gut zu begehen, verengte sich die Schlucht immer weiter, bis es schließlich so schmal wurde, dass ich meine Kameratasche abnehmen und seitwärts durchtragen musste.

Schließlich weitete sich das Tal wieder und da wir es nicht besser wussten, trabten wir den gleichen Weg zurück.

Kein Problem, insgesamt waren das dann nur 1,4 km. Weiter durch die Wüste, teilweise erschwerte der Sand die Sicht, vorbei an der Salton Sea gelangten wir dann gegen 15 Uhr an unserem Hotel an.

Wir hatten am Morgen schon kurz durchgerufen und um ein Zimmerupgrade gebeten und versichert bekommen, wir würden eine King-Suite bekommen. Sie hatten Wort gehalten, unser Zimmer ist wirklich sehr schön.

Danach ein wenig Mittagessen und eine Stunde Siesta.


Wohl ausgeruht und voller Tatendrang (ja, ich merke, langsam kommt der Urlaub durch) beschließen wir, endlich was Verrücktes zu unternehmen: Sonnenuntergang im Joshua Tree National Park. Beim vorletzten Mal waren wir im Cholla Cactus Garden gewesen, für heute hatte die Google Suche unter anderem Keys View ausgeworfen. Luftlinie 17 Meilen entfernt. Aber da wir keinen Helikopter besitzen, der uns auf direktem Weg dorthin bringt, müssen wir die 69 Meilen rund um den Park fahren, um dorthin zu gelangen. Schnell noch bei Costco den Tank vollmachen und dann geht es nach Westen auf den I10. Dort hatte sich ein mächtiger Staubsturm aufgebaut und ich war froh, dass unser Dicker sich davon nicht beeindrucken ließ und unbeirrt seine Bahn zog.

Der Sonnenuntergang war für 19.48 Uhr angekündigt. Das würde ein knappes Rennen werden. Und so langsam stieg die Nervosität, ob wir das schaffen würden. Ankunftszeit war laut Google Maps 19.30. Aber wer weiß, wie lange sich die Sonne über den Bergen hält? Finden wir einen Parkplatz? Wie weit müssen wir anlaufen? Vor uns ein Auto, dessen Fahrer es genauso eilig hatte. Am Parkplatz angekommen war logischerweise ALLES voll. Ich wollte gerade aussteigen, um meiner Göttergattin den Wagen zu überlassen, als sie mich zurückwinkte, weil direkt vor uns, quasi an der Pole-Position, ein Platz frei wurde. Ganz gegen meine Gewohnheit stellte ich den Wagen vorwärts rein und konnte erstmal erleichtert aufatmen.

Es hatten sich Scharen von Besuchern, davon die meisten aus Asien, warum auch immer, auf der Bergspitze eingefunden. Ein einsamer Joshua Tree stand – von den meisten unbeachtet – etwas daneben. Dabei gibt er doch einen so schönen Vordergrund ab.

Als die Sonne dann hinter den Bergen verschwunden war, warteten wir noch artig das Nachglühen ab

und fuhren dann Richtung Ausgang. Der Himmel hatte sich mittlerweile toll gefärbt und bot zusammen mit den Bäumen eine wunderbare Kulisse.

Als es dann noch dunkler wurde, suchten wir uns einen Platz, um die Sterne zu betrachten und zu fotografieren.

Der erste Platz war noch nicht ganz optimal.

Aber der nächste wurde schon besser. Allerdings war es gar nicht so leicht, die Fotos ohne Autos, die vorbeifuhren oder andere Hanseln, die mit ihren Stirnlampen durch die Dunkelheit wuselten, abzulichten.

Schließlich gelang eine Aufnahme halbwegs zufriedenstellend.

Und ich glaube, man kann dort auch schon die Andeutung der Milchstraße sehen. Leider war bei uns so langsam der Ofen aus, so dass wir uns nach diesem Foto auf die ca. eine Stunde lange Rückfahrt machten, um um 23.30 ins Bett zu fallen.