Woran merkst Du, dass Du in Moab bist? Die Zahl der Offroad-Fahrzeuge nähert sich der der normalen Autos. Dieser Gedanke schoss mir als erstes durch den Kopf, als ich am Morgen aus dem Fenster schaute.
Aber obwohl dieses Städtchen ein Eldorado für Outdoor-Enthusiasten ist, muss man nicht unbedingt abseits der normalen Straßen fahren, um diese wunderschöne Landschaft zu erleben.
Wir hatten uns für heute – der Himmel bläute, was das Zeug hielt – den Arches National Park vorgenommen. Vorher ein kurzer Besuch im Visitor Center. Unter anderem für Informationsmaterial, aber auch, um herauszufinden, ob es vielleicht einen Sattler im Dorf gäbe, der mit ein paar Stichen meine Halterung an der Kameratasche behelfsmäßig flicken könnte. Zu ersterem konnte man uns weiterhelfen, zu letzerem leider nicht.
Der Arches National Park liegt ca. vier Meilen nördlich von Moab und hat sich mittlerweile zu einem der beliebtesten Parks im Südwesten gemausert. Obwohl dort nur Steine und Löcher in Steinen zu bewundern sind, zieht es jeden Tag Tausende Besucher dorthin. Wahrscheinlich wollen alle schauen, ob die eine oder andere Arch immer noch steht.
Jedenfalls standen wir vor der Eingangskontrolle direkt in einer langen Schlange. Karin meinte zu mir: Nimm die linke, die ist schneller. Aber wie das bei Murphy so ist: Die eigene Schlange ist IMMER die langsamere. Und so standen wir 40 Minuten, bis wir endlich in den Park einfahren konnten.
Man klettert mit dem Auto ein paar Serpentinen hoch und wird von einer großartigen Landschaft begrüßt. Im Hintergrund immer die schneebedeckten Manti La Sal Mountains.
Da wir keine Ahnung hatten, wie sich das Wetter entwickeln würde, hatten wir den Entschluss gefasst, zuerst durch den Park durchzufahren bis zur Wolfe Ranch, von wo aus ein Trail zur Delicate Arch losgeht.
Deshalb machten wir auf dem Weg auch keine kleinen Wanderungen mehr, sondern nutzten nur die Turnouts für kurze Fotostopps. Hier für die „3 gossips“.
Und hier für den „Balanced Rock“
An der Wolfe Ranch dann die befürchtete Parkplatzsuche, die aber durch einen jungen und freundlichen Ranger unterstützt schnell zum Erfolg führte.
Die Delicate Arch ist eines der Wahrzeichen von Utah und auf vielen Autokennzeichen als Hintergrund zu finden. Mächtig erhebt sich der doch so filigrane Bogen aus der Landschaft und man fragt sich, wie lange uns dieser Anblick noch erhalten bleibt.
Der Weg dorthin muss sich allerdings erst einmal durch eine 1,4 Meilen lange Wanderung erkauft werden, die zu großen Teilen über nackte Felsflächen steil nach oben führt. Wie die Ameisen sehen die Besucher aus, die sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen lassen wollen.
Schließlich biegt man um eine Ecke und – zack – steht sie da.
Logisch, dass man nicht der einzige ist, der sie fotografieren möchte. Und es ist verflixt schwierig, sie OHNE Menschen abzulichten. Denn offensichtlich ist ein Hauptziel der Menschen, sich innerhalb des Bogens fotografieren zu lassen.
Irgendwann gelang mir dann doch das eine oder andere menschenleere Foto und wir genossen einfach nur die Landschaft.

Der Wind hatte aufgefrischt und ich musste meinen Hut mittels angebrachtem Band fixieren.
Der Weg ins Tal war ungleich leichter und wir konnten lächelnden Gesichts den keuchenden Aufsteigern entgegengrinsen.
Wenn die Plackerei vorbei ist, hat man endlich auch wieder die Muße, sich der Flora am Wegesrand zu widmen.
Ein letzter Blick auf die Wolfe Ranch und wir stiegen in den Wagen, um weitere Bögen und Felsen anzustaunen.
Im Devils Garden war es Zeit für eine kurze Picknickpause
Weiter geht es mit der Skyline Arch, die direkt am Wegesrand liegt.
So langsam wurden die Wolken dichter und wir beschlossen, trotzdem den Weg in den Devils Garden zu wagen. Die beste Wanderin von allen hatte schon ihre Regenjacke angezogen und auch ich dachte zumindest darüber nach, meine Hemdsärmel runterzukrempeln.
Der Devils Garden ist eine Ansammlung von Arches, die alle von einem Wanderweg mit ein paar „Stichstraßen“ besichtigt werden können.
Als da wären:
Die Tunnel Arch.
Die Pinetree Arch.
Und natürlich die Arch mit dem größten Bogen, die Landscape Arch.
Der weitere Weg führt direkt die Felsen hinauf,
wo sich der besten Kletterin schönste Wanderschuhe mal wieder bestens bewährten. Wie komme ich nur ohne genau diese Schuhe den Berg rauf?
Oben angekommen besichtigten wir noch die Partition Arch, immer das Gefühl im Nacken, gleich könnte ein Regenschauer auf uns herunterprasseln.
Auf dem Weg nach unten immer wieder fantastische Wolkenformationen und zum Glück nur einmal ein paar Tropfen, die feucht vom Himmel fielen.
Zurück am Wagen war es mittlerweile später Nachmittag geworden und wir berieten, was zu tun wäre. Bisher noch gar nicht besichtigt hatten wir die Windows Section (ob es eine Apple Section gibt, ist mir nicht bekannt. Und würde Steve Jobs noch leben, würde er bestimmt alles dransetzen, einen Bereich so zu benennen).
Der Himmel war in der einen Richtung tiefgrau und so beschlossen wir, das schlechte Wetter im Auto einfach auszusitzen. Während der Regen auf unsere Windschutzscheibe tröpfelte, verordneten wir uns Entspannung.
Und das war eine gute Entscheidung. Denn irgendwann hörte der Regen auf und im Westen, wo die Sonne untergehen würde, klarte es sogar etwas auf.
Also stapften wir (die Dame mit den tollen Wanderschuhen und ich etwas schneller, meine Mutter etwas gemütlicher) den sanft ansteigenden Hügel bis zum North Window empor.
Wie man im Hintergrund sehen kann, könnte es einen schönen Sonnenuntergang geben.
Das North Window ist wie die Delicate Arch ein beliebtes Ziel für Selfie-Enthusiasten und auch hier ist es fast unmöglich, sie menschenleer auf die Platte zu bannen.
Aber man hat von dort aus auch einen schönen Blick auf die Turret Arch
und natürlich in Richtung Sonnenuntergang und einen anderen Teil der Windows Section.
Wie ich erhofft hatte, kam die Sonne dann hinter den Wolken hervor und tauchte (als wir schon wieder am Auto standen) das North Window in herrlich warmes Licht. Der Mond war hinter den Wolken aufgegangen, einfach nur schön.
Gegenüber lugten ein paar wenige Sonnenstrahlen durch die Felsen hindurch.
Und der Sonnenuntergang ließ uns dann das schlechte Wetter vergessen, das wir am Nachmittag mitbekommen hatten.
Auf der Ladefläche unseres Pickups konnte ich das Farbenspiel so richtig gut genießen.
Auf dem Rückweg hatte ich gehofft, den Balanced Rock noch im letzten Sonnenlicht zu erwischen, aber dieser Haltepunkt machte es (nicht leider) zunichte.
Als wir uns dann endgültig auf den Heimweg machten, war es schon dunkel. Zuhause noch ein paar Käsenudeln in die Mikrowelle und dann ab ins Bett. Reisebericht wird am nächsten Tag geschrieben.
Schlaft gut.

Bestimmt eine halbe Stunde später tauchte Karin dann wieder auf, um mich beim Warten abzulösen. Ich begab mich also schleunigst zum Aussichtspunkt, wo meine Göttergattin ein paar Minuten später auch auftauchte. Offensichtlich war ihr meine Wartezeit angerechnet worden.
Auch der Blick zu der Stelle, wo die Calf Creek Falls liegen, war möglich. Und mit dem Auto ist es ungleich leichter von oben draufzuschauen, als sich in stundenlanger Arbeit durch den heißen und tiefen Sand dorthin zu kämpfen.
Der Summit liegt bei 2.919 m und dann geht es gemächlich ins Tal, bis man irgendwann die roten Felsen des Capitol Reef National Parks vor sich sieht.
Wir machten nur einen kurzen Abstecher bis zum Grand Wash und wollten dort picknicken, aber auch dort war der Wind so heftig, dass wir nur roten Staub auf dem Futter gehabt hätten.
Deshalb ging es zurück nach Fruita, wo wir im Schatten der Bäume unser nachmittägliches Mahl vernichteten.
Jetzt geht es auf nach Hanksville. Die Strecke im Nationalpark lässt einen Blick in die weißen Felsen offen, anschließend wird es deutlich langweiliger.
Nördlich von Hanksville dann ein heftiger Sandsturm, zum Glück war der Wagen staubdicht und wir waren ausnahmsweise mit geschlossenen Fenstern unterwegs.
Auf dem weiteren Weg dann Einblicke in die San Rafael Swell, eine Gegend, die es sich irgendwann zu erkunden lohnt. Auf der anderen Seite die Manti La Sal Mountains, wolkenverhangen und schneebedeckt.
Dann ging es die 191 herunter nach Moab. Rechts die Stichstraße zu den Canyonlands, links grüßt der Arches National Park. Moab, das ist nach Hause kommen, nachdem wir mal 4 Wochen dort in einem Ferienhaus verbracht hatten. Im City Market erstmal Vorräte ergänzen und dann auf die Suche nach unserer Hütte machen. Die Wohngegend ist so neu, dass wir laut Google Maps im Nirgendwo übernachten. Zum Glück ist die Realität deutlich schöner. Im Adobestil ist es eines von vielen Häusern, welches wir gleich in Beschlag nehmen.
Pizza in den Ofen, Electronic-Center einrichten, Essen, Fotos sichten und hochladen. Bericht schreiben. Ich habe fertig.
Weiter ging es bis nach Escalante, wo ein Besuch im Visitor Center Pflicht ist.
Denn die Dirtroads können sich durchaus in einem unpassierbaren Zustand befinden. Und ein Steckenbleiben im Flussbett wollten wir meiner Mutter nicht antun. Sie hat sowieso ihre eigene Meinung zu dieser Art von Straßen und immer Angst um den Wagen. Sie beruhigte sich erst, als ich ihr sagte, dass ich immer versuche, einen Mittelweg zwischen „Vorankommen“ und „Wagen bleibt noch heil“ zu finden. OK, ab und zu hoppelte es doch ein wenig mehr, aber irgendwas ist ja immer.
Die Natur hat dort in die flache Ebene ein Naturschauspiel besonderer Güte hingesetzt. Türmchen und Zinnen, Hoodoos, Bögen und Arches, alles zum leichten Durchwandern.
Die Sonne kam zum Schluss ein wenig mehr durch, aber optimal ist was anderes.
In Escalante zurück bogen wir nach rechts ab in den Petrified Forest State Park. Dieser liegt an einem schönen – und mückenfreien – See und wir genehmigten uns das lange fällige Picknick. Der Statepark bietet zum einen für Senioren einen langen petrified log und einen süße kleine Schleife mit versteinerten Artefakten.
Der Nachmittag kündigte sich an und wir wollten auf dem Rückweg noch den Kodachrome Basin State Park mitnehmen. Aber als wir an der Abzweigung zur CCR = Cottonwood Canyon Road standen, beschlossen wir ganz abrupt, meine Mutter mit etwas imposanterem zu überraschen. Da sie ja mittlerweile auf Backcountry Roads abgehärtet war, hielt sich das Gequietsche auf dem Rücksitz in Grenzen. Auch ihre erste Flussdurchfahrt überstand sie ohne Schäden (ok, das Wasser war nur 10cm tief).
Jetzt noch die neun Meilen wieder zurück und einen kleinen Abstecher in den Kodachrome Basin SP.
Und dann ab nach Hause. Wir sind alle geschlaucht.
Meine Mutter überließen wir dem Bryce und machten uns auf die Wanderung ins Tal. Der Queens Garden Trail war offen, die Navajo Loop leider geschlossen. Auf dem Weg nach unten entlud sich (wie das bei analogen Clouds manchmal so üblich ist) ein kurzer Regenguss und verwandelte den Himmel auch sonst in grau. Das nutzte ich zu meinem Vorteil: Ich brauchte nicht groß zu fotografieren und wir liefen bis ans Ende des o.g. Trails, schauten der Queen ins Auge
und machten uns bei mittlerweile besser werdendem Wetter auf den Weg nach oben. Die Höhe von über 2000 m machen sich beim Luft holen schon bemerkbar.
Oben trafen wir dann auf meine Mutter und ich holte den Wagen vom Sunset- zum Sunrise Point. Da es mittlerweile Mittag geworden war, fuhren wir kurz ins Hotel zurück, um die Eindrücke zu verarbeiten.
Ich muss gestehen, dass ich NICHT JEDEN einzelnen Viewpoint abgelichtet habe. Zum Schluss wurde ich meinen Vorsätzen zum sparsamen Fotografieren doch wieder untreu, da wir auf ein paar Viewpoints landeten, die wir bisher noch nie gesehen hatten (vielleicht gab es sie damals noch nicht?). Dazu zählen der Bryce Point, der Paria Point und der Inspiration Point.
Nachdem diese Wissenslücken gefüllt waren, neigte sich die Sonne so langsam dem Horizont entgegen und wir waren froh, dass der Sunset Point nahe war. Während die Damen sich auf dem Parkplatz einen Snack als Abendessen schmecken ließen, musste ich Armer wieder schuften: Ich wollte eine Timelapseaufnahme vom Canyon machen. Habe es auch gerade geschafft, die Kamera aufs Stativ zu stellen. Meine D850 hat (wie möglicherweise auch andere SLRs) den Vorteil, dass nicht bei jeder Aufnahme der Spiegel hochgeklappt und der Verschluss geöffnet wird = silent mode.
Als die Felsen vor uns dann nicht mehr in der Sonne lagen, schnell nach Hause.
Was sind wir platt.
2 km waren es zu wandern und dann standen wir am oberen Ende dieser unwirklichen Felsenlandschaft.
Diesmal merkten wir uns den Einstiegspunkt und begannen den Abstieg. Das war der leichte Teil. Und der schwerere bedeutete, dass wir die ca. 100 Höhenmeter wieder raufmussten. Da merkten wir schon, dass wir was getan hatten.
Für den Rückweg packte ich dann das Makro-Objektiv auf die Kamera, um die ganzen Blümchen, die Karin zwecks besserer Wiedererkennung mit einem neongrünen Textmarker angepinselt hatte, aus der Nähe aufzunehmen. Und es ist um diese Jahreszeit absolut wahnsinnig. In jeder Ecke springen einen die rosa- und pinkfarbenen Kakteenblüten an, so als wäre die Natur auf Drogen.
Wieder am Auto hoppelten wir die Dirtroad zurück und fuhren die nördliche Route zum Bryce Canyon. Es hätte auch noch andere Strecken gegeben, aber dies war die schnellste und wir wollten noch vor Dunkelheit ankommen.
Diese führte durch Panquitch, einer Weltstadt mit Herz, aus Film, Funk und Fernsehen dem Publikum bestens bekannt. Wirklich? Nein, ein hübsches Drecksnest mit ein paar alten „historischen“ Häusern.
Weiter ging es durch den Red Canyon, die Vorstufe zum Bryce.
Im Hotel hatten wir eine total liebe Rezeptionistin, die uns alle Wünsche (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) erfüllte.
Ab ins Hotel, der Tag war anstrengend, aber auch superschön.