Wenn man in St. George wohnt, ist ein Besuch in einem der bekanntesten National Parks der USA unabdingbar, dem Zion National Park.
Leider ist der Park nicht nur uns bekannt, sondern auch vielen Amerikanern. Und am Wochenende strömen die Leute gerne von Las Vegas aus mal eben in diese schöne Ecke von Utah. Das hatten wir bei unseren letzten Urlauben schon schmerzhaft erfahren müssen (ok, wir sind auch ein Teil des Problems). Da die vielen tausend Besucher mit ihren eigenen Autos die eine Straße ins Tal hoffnungslos überlasten würden, hat sich die Parkverwaltung dazu entschlossen, ein Shuttle-Bus System aufzubauen. Das klappt eigentlich ganz gut, verlagert aber das Problem der vielen Autos nur nach außerhalb des Tals. Und wir standen schon mehr als einmal gegen 10 Uhr vor vollen Parkplätzen am Visitor Center, hatten keine Lust, in Springdale teures Geld für einen Platz zu zahlen und uns dann irgendwo an den Straßenrand gequetscht, wo wir so gerade eben nicht abgeschleppt wurden, dafür aber 15 Minuten zum nächsten Bus-Stop zu laufen hatten. Diese Lösung kam mit meiner Mutter nicht in Frage.
Also stellten wir den Wecker auf früh – oder sagen wir besser seeeehr früh – und waren um sechs Uhr auf der Straße und um sieben Uhr auf einem regulären Parkplatz innerhalb des Parks. Draußen war es noch ziemlich kühl, die Sonne war zwar schon aufgegangen, schien aber noch nicht an den senkrechten Felswänden ins Tal hinein. Wir packten unsere Campingstühle und unsere Kühlbox vom Wagen und ließen uns erstmal das mitgebrachte Frühstück schmecken. Heerscharen von Besuchern trippelten an uns vorbei und brachten uns das eine oder andere Lächeln ein.
Gut gesättigt quetschten wir uns dann auch in den Bus und fuhren bis zur Station, wo es zu den Emerald Pools ging.
Eigentlich hatte meine Mutter ja vorgehabt, uns zu Angels Landing hochzuschleifen,
aber wegen meiner schweren Kameratasche konnte ich sie gerade noch überreden, es bei den Emerald Pools zu belassen. Weiter als bis zu den Lower Pools geht es sowieso im Moment nicht, Erdrutsche haben den weiteren Weg in die Berge versperrt.
Es ist immer wieder schön, hinter dem Wasservorhang herzulaufen und dann in die Sonne zu schauen.
Auf dem Rückweg mussten wir hin und wieder wilden Tieren ausweichen, hier: Squirrel in Angriffsposition.
Und die Motte von gestern abend hatte uns wohl getrackt. Jedenfalls sah sie genauso aus wie die im Pioneer Park.
Wieder zurück am Fluss
nahmen wir den nächsten Shuttle und fuhren zum Weeping Rock. Auch hier sind die Felsen undicht und es läuft an allen Ecken und Kanten raus.
Letztes Tagesziel im Tal war dann noch die Haltestelle „Big Bend“ (nicht verwandt oder verschwägert mit dem Nationalpark in Texas). Hier hatten wir neben einem tollen Blick auf die Felsen noch die Gelegenheit, einen der im Park wild lebenden Condore zu beobachten. Majestätisch, wie sich diese Tiere von der Termik scheinbar schwerelos in die Höhe treiben lassen.
Jetzt aber zurück auf Anfang. Wir waren froh, als wir unseren Wagen wieder bei uns hatten. Den benutzten wir, um in östlicher Richtung durch den Tunnel zu fahren. Direkt dahinter ergatterten wir einen Parkplatz und krabbelten auf die Berge zum Canyon Overlook Trail.
Wie immer erwartete uns dort ein atemberaubender Ausblick, den wir mit Fremdhilfe festhalten ließen.
Zurück erwartete uns noch ein kleines Extra. Vom Parkplatz aus starteten gerade in der Mittagshitze vier Männer in Neoprenanzügen und dicken Schuhen. Genau die richtige Kleidung für die Wüste: Wenn die Anzüge dicht sind, läuft wenigstens nichts raus. Aber nein, die Herren waren dort zum Canyoneering. D. h. sie folgten dem Fluss auf dem direkten Weg. Über Stock und Stein, durch Wasserlöcher. Ein abenteuerliches, wenn auch nicht ganz ungefährliches Unterfangen.
Und um zu sehen, wie der Blickwinkel eines solchen Abenteurers aussieht, stiegen wir den Berg hinab bis auf Flusshöhe und bekamen eine wunderschönen Einblick in die Canyonlandschaft.
Eigentlich hätten wir uns auf den Heimweg machen müssen, aber die rot geteerte Straße lockte Richtung Osten einfach zu sehr. Also fuhren wir bis zur Checkerboard Mesa durch diese wahnsinnige Landschaft.
Jetzt aber wirklich ab nach Hause.
Am Tunnel in Richtung Westen erwartete uns nur eine kurze Wartezeit und nach einer knappen Stunde waren wir dann wieder in St. George. Hier sprangen wir noch kurz bei Panda Express raus und genossen auf dem Balkon das Abendessen. Die Temperatur hatte mittlerweile wieder die 30°C erreicht, so muss das in St. George.
Und da wir ja schon früh unterwegs gewesen waren, lockte das Bett für ein kurzes Schläfchen, das dann bis 19.30 Uhr dauerte. Zu spät für weitere Aktivitäten, nur noch „eben“ Fotos auswerten und Reisebericht schreiben. Morgen geht es weiter zum Bryce Canyon.

Also Essen eingepackt und ab auf die Straße. Der Parkplatz war schnell gefunden (es standen noch ein halbes Dutzend anderer Autos dort – soviel zum hidden secret) und eine Dame mit ihrer Tocher (Hiesige) machten sich gerade auf zu ihrem Samstags-Workout.
Sie zeigten uns den Einstieg und wir folgten zuerst dem neongrünen Shirt, später den Cairns und Spuren im Sand. Es ging durch eine fantastische Landschaft über haufenweise Brainsrocks (IQ unbekannt, trotz soviel Brain),
bis wir nach einem atemraubenden Aufstieg vor einer atemraubenden Kulisse standen. Ein Hampelmann (Engländer) musste unbedingt in der größeren der beiden Schüsseln seine Wat-Versuche machen.
Aber schließlich hatten wir sie personenfrei und konnten danach zum eigentlichen Naturwunder weiterstapfen. The Vortex ist vielleicht 10 m tief und 20 m im Durchmesser an der höchsten Stelle. Es geht ziemlich steil nach unten, ist aber offensichtlich für Menschen begehbar, wie die ganzen eingeritzten Namen in den Felswänden zeigten. Ich sage nur: Idioten.
Auf dem Rückweg hatte sich eine Familie mit Kindern und Hunden eingefunden. Einer der Hunde war noch nicht ausgewachsen und musste unbedingt probieren, wie das Wasser unten schmeckt. Blöd nur, dass er alleine nicht mehr rauskam. Aber Herrchen kam zu Hilfe und zog ihn die ersten Meter aus dem Wasser. Das Tier war so verschreckt, dass es sich winselnd keinen Schritt an der schrägen Wand weitertraute. Erst ein beherzter Schubs trieb den Hund dann nach oben.
Der Rückweg war wesentlich leichter, es ging ja schließlich die meiste Zeit bergab. In einem der vielen Wasserlöcher tummelten sich sogar Kröten. Was machen die hier? Wovon leben die, wenn die Wasserlöcher austrocknen? Jobs sind vermutlich keine zu finden, der nächste Fast Food-Tempel und auch Walmart und erst Recht Modegeschäfte sind weit weg. Ich verstehe diese Viecher nicht.
Endlich zurück am Wagen und ein Blick zurück auf die erwanderten Strecken.
Meine Runtastic-App zeigte etwas über 3 km gelaufen an und dass wir 446 Höhenmeter überwunden hatten. Wäre ich doch nur bei meiner Mutter am Trailhead in einem gemütlichen Stuhl sitzen geblieben und hätte die Landschaft bewundert.
Offensichtlich sind Wasserfälle an dieser Stelle etwas ganz besonderes, denn es tummelten sich gefühlt Hunderte von Menschen neben, in, über und jenseits der Fälle.
Genug Trubel gehabt. Auf dem Rückweg über den Damm gab es logischerweise wieder einiges in der Nähe zu besichtigen. Diesen merkwürdigen Kaktus habe ich einfach mal Paprika-Kaktus getauft:
Und an die Eidechse kam ich nur mit meinem 500er Tele nah genug heran.
Mittag war überschritten und so fuhren wir kurz zurück in den Park. Dort gab es Sonnensegel, von denen sogar eines frei stand. Wir packten unsere Campingstühle und die Kühlbox aus und ließen es uns beim Picknick gut gehen.
Danach ab nach Hause und ein Nickerchen machen.
Zum Schlafengehen war es noch zu früh, also fuhren wir noch in den Pioneer Desert Garden. Eine wunderschön angelegte Parklandschaft mit sämtlichen heimischen Pflanzen, alle schön beschildert. Ich will die geneigte Leserschaft jetzt nicht mit ALLEN Pflanzen, die dort stehen, langweilen, aber zwei zeige ich einfach mal.
Und bei den Chaparall Sages fanden sich gleich zwei verschiedene Tiere ein. Zum einen eine richtig fette Motte (hoffe, ich liege damit nicht falsch).
Es war verflixt schwer, diese auf die Platte zu bannen. Denn zum einen wurde es langsam dunkler und ein 500er Tele ist nicht gerade mit einer hohen Lichtstärke gesegnet. Dazu noch eine kurze Verschlusszeit, da muss der ISO-Wert schonmal auf 1000-1600 hoch.
An den Park schließt sich noch eine kleine Schleife an, die man mit dem Auto befahren kann und vielen Parkplätzen. Wir wählten den am weitesten westlich liegenden und kletterten auf einen der Felsen, um dem Sonnenuntergang zu huldigen.
Danach schnell ab nach Hause und Bettenpflege. Wieder ein aufregender Tag vorbei.


Ca. 40 Meilen ging es Richtung Norden bis zur Kolob Section des Zion National Parks. Der Zion Park hat drei Zugänge. Der am meisten befahrene und bekannte ist der südliche Zugang. Ein weiterer führt zum Lava Point und der dritte zum Kolob Canyon. Dieser liegt in der nordwestlichen Ecke des Parks und war in den letzten Jahren aufgrund umfangreicher Straßenbauarbeiten komplett gesperrt. Am Visitor-Center erstanden wir einen Nationalpark Pass für das nächste Jahr und fuhren in die Berge. Majestätisch ragten die roten Felsen bis in die tief hängenden Wolken.
Auch der Blick zurück war nicht ohne.
Der Weg führt teilweise über merkwürdige Bohlenstege, die mehr nach Landgewinnung als nach Wegen aussehen.
Auf dem Weg zurück wieder das Makro aufgesteckt und Blümchen aus der Nähe betrachtet.
Wir hatten noch ein wenig Zeit, also beschlossen wir, auf dem Rückweg noch einen Abstecher in die Red Cliffs Recreation Area zu machen. Aus früheren Urlauben wussten wir, dass dass man dort schön am Fluss entlang bis zu einem Wasserfall und an diesem vorbei laufen kann. Und nach den Erfahrungen vom Gunlock Reservoir nahmen wir an, dass der Fluss mehr Wasser führen dürfte als bei früheren Urlauben.
Dem war auch so. Auf dem Weg eine Baumformation, aus der selbst ich unschwer etwas elefantöses erkennen konnte.
Der Weg führte so einige Male über steinige Übergänge. Auch hier meisterten Karins Treter die Steine souverän.
Am Wasserfall selbst high live in allen Gassen, der Trail wird von Familien mit Kindern gerne gelaufen. Den Pre-Waterfall bekam ich nicht ohne Menschen drauf.
Der Hauptfall selbst war dann irgendwann von Menschen befreit und stellte sich mir für eine Langzeitbelichtung zur Verfügung.
Dann ging es rechts an den Felsen rauf. Kameras und Handys wegpacken, denn man braucht beide Hände frei, um sich mit Hilfe der Seile die Stufen hochzuarbeiten.
Oben dann schöne weitere Ausblicke in das enge Tal.
Hoffentlich hält die Klebestelle, wenn der Kleber morgen ausgehärtet ist.
Jetzt aber nichts wie hin, bevor es sich der Wettergott anders überlegt. Unser Navi (Android Auto natürlich) führt uns zum nördlichen Eingang. Das war eine glückliche Fügung, denn ein paar Meter oberhalb der Einfahrt gibt es noch einen Parkplatz mit einem Trailhead, der zum White Rock Amphitheater führt.
Bis zu den Felsen war der Weg einigermaßen gangbar, also schnallte ich mir einen Campingstuhl an die Fototasche und wir dackelten los.
Es ging bergauf, bis wir in die Schlucht hinab- und auch in die Schüssel zurückschauen konnten.
Die Schuhe machten genau das, was sie sollten: Sie hielten stabil und die beste Gemsenkletterin von allen ging rauf, runter, quer, hin und her. Kein Ton der Beschwerde kam über ihre Lippen. Und ab und zu ein Stöhnen der Begeisterung, wie guuuut diese Treter seien.
Auf dem Rückweg lasen wir meine Mom wieder auf und ich machte an fast jedem Blümchen Halt, um sie auf ihre fotografische Geeignetheit zu untersuchen.
Am Wagen angekommen, ging es in den eigentlichen Canyon rein und dann auf den Petrified Dunes Trail. Hier gab es im Gegensatz zu den weißen Felsen die rote Variante, angenehm zu laufen. Und auch auf dieser Felsfarbe bewährten sich die neuen Schuhe.
Zurück von der Wanderung suchten wir uns ein Picknickplätzchen und ließen uns die in der Kühlbox mitgebrachten Salate schmecken.
Ein letztes Ziel im Canyon hatten wir noch vor Augen: Jenny’s Canyon. Hier bekommt man ohne viel Federlesens einen waschechten Slotcanyon zu sehen. Wir hatten ihn früher schonmal besucht, aber jetzt passte das Wetter einfach besser.
Und weil es so schön in der Sonne liegt: Das Logo unseres F150.
Wir verlassen den Park und wollten uns gerade Richtung St. George wenden, als mir noch einfiel, dass ich vom Gunlock State Park Wasserfälle gesehen hatte.
den Berg wieder hinauf und Langzeitbelichtungen üben. Leider tröpfelte es immer wieder leicht aus Leckagen in den Wolken. Sollte in den nächsten Tagen die Sonne scheinen, fahren wir nochmal rauf.
Jetzt aber ab in die Stadt. Auf dem Weg dahin eines der nicht ganz so eleganten Gebäude, die sicher in der Wochenmiete sehr erschwinglich sein dürften.
Der Geschäftsführer von Ross hätte beinahe schon eine Vermisstenmeldung aufgegeben, weil wir uns seit Beginn der Reise noch nicht in einem der Stores hatten blicken lassen.
Fahrtag – wie langweilig
Unterwegs wechselten sich Sonne und Wolken in schöner Regelmäßigkeit ab.
Die Gorge selbst ist immer wieder imposant und ein tolles Stück Ingenieurskunst. Im letzten Jahr hatte ein Erdrutsch einen Teil der Straße zerstört, aber in bewundernswerter Schnelligkeit wurde diese wieder instand gesetzt.
Am Ende der Schlucht (in nördlicher Richtung) befindet sich eine Ausfahrt, die in östlicher Richtung zu einem Campingplatz führt, in westlicher Richtung in die Berge. Und da wir diese Dirtroad in früheren Jahren schon komplett durchgefahren waren, wussten wir, dass sich dort riesige Felder von Joshua Trees befanden. Außerdem musste unser F150 auf Geländetauglichkeit getestet werden.
Und natürlich auch auf die Joshua Trees. Wie konnte ich die nur vergessen?

Unser Domizil war schnell gefunden und wir eroberten die Hütte, die uns in den nächsten fünf Nächten ein Dach über dem Kopf bieten wird.
Schätze, wir haben schon schlechter gewohnt.