Heute geht es von der See in die Berge. Der Yosemite Nationalpark hat es uns angetan, wie schon zwei Jahre zuvor. Und dass man in der Zeit nicht alles sehen kann, haben wir damals schon festgestellt.
Also machten wir uns (nachdem wir bei Costco nochmal vollgetankt hatten) auf die über 3-stündige Fahrt gen Südosten.
Vorbei durch die Agrarlandschaften Californiens mit Mandelbäumen und Zitrusplantagen, Avocados wurden uns für 10 Stück/1 USD fast nachgeworfen.
Zuerst über die 152, vorbei am San Luis Reservoir,
dann ein Stück auf die 99 und dann ging es querfeldein. Wobei mich das Gefühl beschlich, die Namensgeber der Straßen hätten zuviel Harry Potter gesehen:
Die Landschaft wurde hügeliger, Landwirtschaft wurde von Viehwirtschaft abgelöst.
Am frühen Nachmittag ereichten wir dann Oakhurst, das Hotel kannten wir schon von vor zwei Jahren, hier fühlten wir uns damals wohl, hier fühlen wir uns heute wohl.
Schnell eingecheckt und die Sachen aufs Zimmer gebracht, denn wir wollten noch in den Park und das ist (so schön der Park auch ist) immer ein Schlauch. Ca. 23 Meilen über gewundene Straßen bis zum Parkeingang. Dann die Auswahl eines Ziels. Eigentlich hatten wir uns die Mariposa Grove mit ihren Mammutbäumen vorgenommen. Und wollten anschließend noch zum Glacier Point. Kurze „Krisensitzung“: Wenn wir zuerst zu den Bäumen fahren, liegt am Glacier Point das Tal im Schatten. Aber den Anblick wollten wir nicht verpassen. Die Grove können wir uns evtl. noch morgen früh ansehen.
Von der Hauptstraße geht die Straße zum Glacier Point nochmal 16 Meilen in die Berge bis auf eine Höhe von ca. 2200 Meter.
Von oben wie gewohnt ein wahnsinniger Ausblick. Und wie man an den Schatten erkennen kann, kamen wir keinen Augenblick zu früh. Majestätisch erhebt sich gegenüber der Half Dome, im Augenblick mal ohne Kletterer. Unten im Tal die Vernal Falls und die Nevada Falls.
Natürlich gibt es neben den felsigen Schönheiten auch noch weibliche Schönheiten (zumindest eine) zu bewundern.
Als die Sonne dann langsam hinter dem Berg verschwand, machten wir uns auf den Rückweg, ca. 1,5 Stunden hatte das Navi prophezeit. Und wir wollten nicht bei totaler Dunkelheit die Strecke abfahren (schließlich hatten wir bei Hertz zu unserem Auto keinen Jagdschein für Rotwild mitgebucht).
Auf dem Weg nach unten musste ich leider doch noch einen Stop einlegen. Gegenüber schickte sich die Sonne an, hinter den Bergen zu verschwinden. Und wenn ich diese Silhouetten sehe, werde ich immer schwach. Da müsst Ihr jetzt durch.
Endlich war die Sonne weg und wir konnten weiterfahren. Hätten wir gekonnt, wäre da nicht so ein schönes Nachglühen aufgetaucht.
Jetzt aber wirklich nach Hause (bzw. zum Hotel). Aber was ist das? Plötzlich ein heller Fleck am Himmel. Strahlen brachen durch die Wolken. Der Mond konnte es nicht sein, dazu war der Lichtpunkt zu klein. Bleiben nur noch ein Raumschiff oder ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfer. Mal sehen, wovon morgen in den Nachrichten berichtet wird.
Nun kommen wir doch noch in die Stadt? Nicht wirklich, aber ein paar Highlights wollen wir uns rauspicken. Der Plan sah vor, dass wir zuerst zu den Twin Peaks fahren, danach beim Golden Gate Overlook ein paar Fotos machen und dann schnell über die Brücke zum Golden Gate Park und nach Sausalito fahren. Aber wie das manchmal so ist: Pläne können sich ändern.
Wir starteten recht spät am Morgen mit einem Trip nach Costco. Die Brillenabteilung besteht dort durchweg aus freundlichen Menschen und innerhalb von Sekunden war das Glas wieder eingesetzt.
Ins Navi gaben wir die Twin Peaks ein und nach gefühlt 245 Stopp-Schildern und wenigstens 35 Ampeln kamen wir auf den Hügeln an. Was ich nicht erwartetet hätte, dort tummelten sich Scharen von Besuchern. Logischerweise waren die Parkplätze an der Aussichtsplattform alle voll. Und weiter weg parken, geht gegen die Ehre. Merke: Wenn die Wegstrecke länger ist als das Auto, wird gefahren. Also stellte ich mich in Warteposition, um in die Parklücke eines ausfahrenden Autos reinfahren zu können.
Irgendwann war es dann soweit und mit Hängen und Würgen quetschte ich unseren Silverado zwischen zwei kleine Kompaktwagen. Hoffentlich komme ich aus der Parklücke wieder raus. Meine Göttergattin hatte schon das große P (wie Panik) in den Augen stehen. Verstehe gar nicht, warum. Auf der einen Seite waren noch fast 10 cm Platz.
Jedenfalls war die Aussicht super und falls ich mal wieder unter Schlaflosigkeit leiden sollte, fahre ich auch mal Nachts hier rauf.
OK, jetzt wieder Ausparken. Wer wie ich mal einen LKW-Führerschein gemacht hat, kommt mit einem kantigen Teil wie unserem Pickup gut klar. Auch bei engeren Stellen. Nächstes Ziel war der von gestern bekannte Parkplatz beim Golden Gate Overlook.
Was immer irritierend war, waren die angegebenen Fahrzeiten: 24 Minuten für 7 Meilen. Ganz schön lange. Aber die Stoppschilder und die Ampeln – und nicht zu vergessen der Verkehr – ermöglichen kein so schnelles Vorankommen wie auf einem leeren Highway.
Wir kamen am Parkplatz an (der gestern fast leer war) und sahen das Schild „Parking lot ful“. Glaube ich nicht und fuhr drauf. Wieder mal Glück gehabt, gerade fuhr ein Auto raus (Parklücke diesmal groß genug) und strafte das Schild am Eingang Lügen.
Wir machten uns auf den Weg zur Brücke, um diese bei dem schönen Wetter abzulichten. Um uns herum Heerscharen an Fußgängern und auch Radfahrern. Für diese ist übrigens die westliche Seite der Brücke reserviert, während die Fußgänger landeinwärts gehen dürfen.
Als wir auf der östlichen Seite der Brücke ankamen, fiel uns der ungewöhnliche Fluglärm auf. Was ist denn hier los? Wir stellten fest, dass die San Francisco Fleet Week stattfand, eine Mischung aus Militär- und zivilen Vorführungen. Und letztere donnerte gerade über unsere Köpfe. Als wir noch nicht in Erfahrung gebracht hatten, was Sache war, hatten wir nur Panik, dass die Boing 777 der United Airlines ausser Kontrolle geraten war, so merkwürdige Kreise zog das große Flugzeug über der Bucht. Als wir aber dann die Kunstflugformation „Blue Angels“ in Reih und Glied daherdüsen sahen, fiel auch bei uns der Groschen. Und auch, warum die ganze Brücke mit Zuschauern besetzt war.
Dank meines wunderbaren Teles konnte ich die Flattermänner schön nah ranholen. Aber für das eine oder andere Foto der Bucht reichte es auch noch.
Nachdem die Jets ihren Sprit verflogen hatten, machten auch wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Wir waren nicht die einzigen und wir beschlossen, erstmal ein kurzes Picknik im Auto einzunehmen, bis sich die Menschenmassen verzogen hatten. Taten sie aber nicht. Und die paar Meilen über die Brücke hätten uns gut eine halbe Stunde gekostet. So änderten wir kurzerhand den Plan und fuhren auf der Seeseite gen Hotel, um evtl. Strände und schöne Buchten zu besuchen.
Die erste ergab sich direkt nach Erreichen der Küste: Der Baker Beach. Auch hier in vorderster Front ein freier Parkplatz und die Aussicht, die Brücke heute noch aus einem anderen Blickwinkel zu sehen bekommen.
Wir spazierten gemütlich am Strand entlang, bis uns Felsen den Weg versperrten. Warum nicht hier bleiben und die Stimmung, die Aussicht und das Meer genießen. Für Abwechslung war gesorgt. Gut ein halbes Dutzend Fotografen tummelte sich weit verteilt mit Blitzanlage und natürlich hübschen Models am Strand.
Mir juckte es auch in den Fingern, aber schließlich bin ich im Urlaub hier. Übrigens sind das, was die Dame im oberen Bild trägt, wirklich Engelsflügel.
Und da ich im Urlaubsmodus bin, ist die Landschaft eine meiner Hauptattraktionen:
Und wenn ihr glaubt, das Mädel sei komisch angezogen gewesen, es gab dort mehrere Herren, die es mit den Kleidervorschriften noch weniger eng nahmen:
Immerhin war der Gentleman nicht nackt (Kappe auf dem Kopf, das trägt der Nudist von heute).
Auf unserem Felsen hatte ich einen guten Ausblick in alle Richtungen.
Und so langsam ging die Sonne unter, warum groß irgendwohin weiterfahren, hier ist es so herrlich entspannend.
Als die Sonne dann ganz hinter dem Horizont verschwunden war,
machten wir uns auf den Weg nach Hause (wie viele andere auch).
Heute geht es nach San Francisco. Von Sacramento aus ging es relativ früh los und auch die Staus dort hielten sich in Grenzen. Google-Bärbel (so mein Name für die Maps-App) hatte mehrere Vorschläge in petto. Wir entschieden uns für die Route, die uns über die Oakland Bay Bridge nach SFO hineinführte. Der Grund? Die Brücke führt über Treasure Island, einer kleinen aufgeschütteten Insel, von der man angeblich einen guten Blick auf die Skyline hat.
Auf einer Rest-Area oberhalb von Oakland machten wir PP und schauten in die Bucht hinein.
Vor der Brücke dann der unvermeidliche Riesenstau, weil die Brücke Maut erfordert, und durch die Stationen müssen alle durch und zahlen (entweder elektronisch via FastTrack oder bar 4 USD). Danach ging es durch Baustellen auf verschlungenen Wegen auf die Insel bis zu einem Aussichtspunkt auf die Bucht und die Skyline.
Kleines Schmankerl, das (vermutlich nicht extra für uns) anberaumt wurde: Das Einlaufen eines Flugzeugträgers und eines Stealth-Schiffs. Beide wurden mit hohen Wasserfontänen begrüßt.
Das Wetter war echt klasse, nur den Dunst kann man logischerweise nicht abstellen.
Auf dem Parkplatz ein paar wunderschöne Motorräder der CHIPs.
Dann wieder rein in den Berufsverkehr und ab auf die Brücke.
Weiter geht es auf der 101 Richtung Süden nach Redwood City, wo wir ein einigermaßen bezahlbares Zimmer gebucht hatten.
Der Plan war, dass wir uns NICHT den ganzen Tag mit dem Auto oder zu Fuß durch San Francisco quälen, sondern auch was von der Küste mitbekommen und die Stadt hinterher für ein paar Nachtaufnahmen „betreten“. Daher legten wir in unserer Suite eine Pause für ein Nickerchen ein und machten uns am frühen Nachmittag auf den Weg. Vorher kurz bei Costco für ein paar Slices Piza und einen Salat vorbei und dann ging es nach Westen, in Richtung Half Moon Bay. Dort hatten wir vor einigen Jahrzehnten aus Verzweifelung den einzigen in der Nähe von SFO befindlichen Zeltplatz ersteigert und von da aus wollten wir auch die Küste wieder rauffahren.
Am Statepark genossen wir den Wind, das Meer, die Wellen und versuchten, ein wenig zu relaxen.
Auf dem Weg nach Norden passiert man einige Städte, die vom Tourismus sehr gut leben, aber auch einsame Buchten, die man gerne besucht hätte, hätte man mehr Zeit.
Als erkennbar war, dass der Sonnenuntergang nicht mehr lange auf sich warten ließ, drehten wir bei und versuchten, die Straße zu überqueren. Das ist nicht immer ein leichtes Unterfangen, daher mein Ratschlag an alle, die diese Küste abfahren wollen: Fahrt von Norden nach Süden. Es ist einfacher, sich auf der richtigen Straßenseite zu befinden.
Der Sonnenuntergang ließ nicht auf sich warten und bescherte ein paar nette Fotos:
Der nächste Punkt, den ich mir ausgesucht hatte, war ein Overlook für die Golden Gate Brücke. Hier waren wir noch nie gewesen und ich hatte schöne Fotos bei Nacht vom Wahrzeichen von San Francisco gesehen. Der Weg führte und durch Wohngebiete mit entsetzlich vielen 4-way-stopps. Aber schließlich landeten wir am Fort Scott und dem Golden Gate Overlook. Die blaue Stunde wurde gerade eingeläutet und es gab einiges an Arbeit:
OK, Golden Gate – Check. Weiter ging es in Richtung Coit-Tower, von dessen Hügel ich mir einen schönen Überblick über die Stadt versprach. Auf dem Weg dahin noch ein Stop beim Palace of Fine Arts:
und dann ging es die Hügel rauf und durch die gewundenen Straßen auf den Berg zum Aussichtsturm. Der Turm selbst war leider geschlossen und in den letzten Jahren waren die Bäume auf dem Hügel so gewachsen, dass sie leider einige schöne Stellen der Stadt verdeckten. Aber ein paar nette Aufnahmen kamen doch noch dabei raus:
So langsam nagte die Müdigkeit an meiner Göttergattin, aber ich konnte sie noch überreden, die 24 Minuten zum Treasure Island zu fahren. Was sich dann auch lohnte:
Und ich musste feststellen, dass sich mein 200-500er Tele nicht nur für Tierfotografie eignet.
Bevor wir losfuhren, noch ein mittelgroßes Disaster: Meiner besten Kartenleserin von allen war ein Brillenglas rausgefallen und auch mit Stirnlampe auf dem Weg und unserem Shooting Spot nicht wiederzufinden. Zum Glück fanden wir es am Morgen im Wagen liegend wieder.
Da der Wetterbericht (haha) für die ehemalige Goldroute durchgehend schlechtes Wetter angekündigt hatte, wollten wir uns lieber einer Stadt zuwenden, die in diesem Punkt besser beleumundet ist:
Wir waren vor vielen Jahren schon einmal in dieser Stadt (die auch die Hauptstadt von Californien ist – nicht Los Angeles und auch nicht San Francisco) und wollten Erinnerungen auffrischen bzw. digital mitnehmen.
Als erstes stand das Capitol auf dem Plan. Nachdem wir zweimal erfolglos um den Block auf der Suche nach einem Parkplatz gekreist waren, stellten wir mit einem gewissen Unbehagen unseren Silverado in einem Parkhaus ab. Unbehagen deshalb, weil wir immer die feste Vermutung hatten, irgendwann an einem Deckenpfeiler anzukratzen (was nach den Scharten dort schon einigen vor uns passiert war). Endlich, nach endlosem Kurven fanden wir endlich in der 5. Etage einen freien Platz.
Das Herunterlaufen im Treppenhaus ging eigenartigerweise ohne Ängste um den Kopf ab. Und dann standen wir nach einer halben Umrundung
vor dem imposanten Gebäude.
Das muss man den Amis lassen: Sie verstehen es, den Otto-Normalverbraucher zu beeindrucken. Kommen wir da überhaupt rein? Darf man fotografieren? Es ging durch eine Sicherheitsschleuse wie im Flughafen. Fotografieren kein Problem.
Und dann standen wir in der Rotunde und blickten geplättet nach oben.
Aber nicht lange, da kam schon ein kleines Männchen, ein Ex-Bediensteter im Ruhestand auf uns zu und erklärte uns lang und breit, was es mit der Statue vor uns auf sich hätte. Was dem unbedarften Betrachter auf den ersten (und auch auf den zweiten und dritten) Blick entgeht, ist der unheimliche Detailreichtum, mit dem der Künstler dieses Werk aus Marmor erschaffen hat. Nicht nur, dass reichlich Hohlräume auszuarbeiten waren. Auf der Weltkugel, die Kolumbus in seiner Hand hält, sind ganz fein bei genauem Hinsehen die Kontinente zu erkennen (zu Städten, Flüssen und Bergen fehlte dann wohl doch die Motivation), an seinem Umhang sind die Nähte zu erkennen. Schon beeindruckend, was Menschenhand in langer und geduldiger Arbeit erschaffen hat.
Dann ging es noch kurz über eine breite Treppe in die erste Etage mit Blick in die Rotunde
und einen in Richtung des Sacramento River über die Capitol Mall.
Wir wollten gerade das Gebäude verlassen, als wir die Fänge einer Dame liefen, welche wohl auch vom Tourismusbüro eingestellt war, um Shops und Restaurants Kunden zuzutreiben. Jedenfalls mussten wir uns ca. eine Viertelstunde einen Vortrag über die Oldtown anhören, wo man gut Essen und Trinken könne. Sie meinte es sicherlich gut, aber es war für mein Empfinden etwas zu ausführlich. Und als sie dann noch hörte, dass wir Deutsche seine, kam sofort der Link zur „german heritage“: Ihr Name sei Metzger. Schließlich einkamen wir ihr, verließen fluchtartig das Gebäude (wer weiß, wer hinter der nächste Ecke lauert), suchten unser Parkhaus auf und fuhren zur Altstadt.
By the way, vom muskelbepackten Österreicher haben wir nur ein Portrait an der Wand hängen sehen, er selbst war wohl gerade nicht da.
Die Altstadt ähnelt in gewisser Weise Virginia City, Steinhäuser mit hölzernen Boardwalks
In den Läden alles an Kleidung, was so typisch amerikanisch ist: Klamotten aus China, Peru etc.
Schließlich langten wir am Fluss und damit auch gleichzeitig an der Railway Station an. Wunderschöne alte Lokomotiven stehen dort einfach so rum. Anscheinend hat keiner Angst, dass sie geklaut werden.
Dann, auf dem Wasser, der alte Schaufelraddampfer, der mittlerweile am Ufer festgetackert wurde und als Hotel dient.
Im Hintergrund erhebt sich imposant eine alte Hebebrücke, die aber außer Funktion ist. Je nach Sonnenstand leuchtet die Farbe nicht in hässlichem Gelb, sondern wunderschön golden.
Auf dem Weg zurück noch ein kurzer Blick ins Wells Fargo Museum
und dann machen wir uns auf den Weg nach Fort Sutter. Dieses erschien uns weniger sehenswert und nach einem Foto in die Runde beschlossen wir, uns der regenreichen Gold-Rush-Route zuzuwenden.
Zentrale Anlaufstelle ist die „Stadt“ Coloma, bzw. der Marshall Gold Discovery State Historic Park.
Man fährt dazu auf der 50 nach Osten, um sich dann irgendwann über die Dörfer zum South Fork des American River durchzuschlagen. An dieser Stelle wurden vor mehr als 100 Jahren die ersten Goldfunde gemacht und lösten den Gold Rush aus. Eine freundliche Rangerin erklärte uns, dass es drei Arten von „goldenen“ Mineralien gäbe. Erstens natürlich richtiges Gold, zweitens sogenanntes „Fools gold“, Pyrit und drittens Mica (in Deutschland würde man dazu Glimmer sagen).
Dann zeigte sie uns noch einen faustgroßen Gesteinsbrocken, der von einer feinen Goldader durchzogen war und meinte, das darin enthaltene Gold sei ca. 200 USD wert. Mitgeben wollte sie ihn uns nicht.
Wir drehten eine Runde durchs Museum
und dann besichtigten wir die Außenanlagen, die Stelle, an der Sutters Mill (eine Sägemühle) stand,
der American River
und die Gerätschaften, um die Gesteinsbrocken zu zerkleinern.
Anschließend watschelten wir noch zum Fluss runter, um unser Glück bei der Goldsuche zu versuchen (schließlich liegen noch 80% der Goldvorräte im Land drin).
Aber der Versuch, unseren Urlaub gegenzufinanzieren, schlug kläglich fehl. Na ja, uns fehlt die Übung.
OK, ab in Richtung Sacramento. In Folsom (nicht im Gefängnis) machten wir einen Abstecher zu Costco, um mal wieder billig vollzutanken.
Danach ging es zu „The Walking Company“ für Schuhe. Meine Kreditkarte hatte Glück, es gab kaum was Passendes.
Und dann durfte sich die beste Shopperin von allen einen lange gehegten Urlaubstraum erfüllen: Endlich wieder zu Ross. Ich hatte das schon vorausgesehen und mir mein Tablet mit E-Books mitgenommen. So dass ich, anstatt zu quengeln, wann sie endlich fertig sei, ganz entspannt im Auto lesen konnte. Nach über einer Stunde kam sie dann mit ein paar Teilen Unterwäsche wieder raus. Das Zeit-Leistungsverhältnis war in Relation zu meinen Shopping-Aktivitäten extre miserabel. Auf der anderen Seite: Hätte sie die aufgewendete Zeit so effektiv genutzt wie ich neulich, die Kreditkarte hätte geglüht.
Jetzt ab nach Hause. Für einen Regentag sind wir ganz schön trocken geblieben.
Die Nacht im Hotel verlief ungestört und wir wollten zeitig in Richtung Sacramento aufbrechen. Zum Frühstück hatte ich mir die Kamera schon mitgenommen (schließlich hatten wir das hinterste Zimmer auf der höchsten Etage – uns stört so leicht keiner, noch nicht mal Funkwellen, die einen schnellen Internetzugang bedeutet hätten). Und nach dem ersten Kaffee brach die Sonne durch die Wolken durch und bescherte uns ein tolles Farbenspiel:
Nach dem Frühstück wollten wir noch kurz zum See fahren und einen Blick aufs Wasser werfen. Und da geschah dann die Geschichte mit dem Red Tailed Hawk. Auf einem Baum relativ nah der Straße saß der eben genannte Vogel und hielt Ausschau nach einem saftigen Frühstück. Ich wendete den Wagen in sicherer Entfernung und parkte so nah wie möglich an seinem Baum. Dann sollte meine Göttergattin das lange Tele aus ihrem Koffer holen. Also öffnet sie vorsichtig die Beifahrertür und raunt mir noch zu: Nicht die Türe knallen, sonst ist er weg. Sprachs und öffnete die Tür hinter dem Beifahrer. Holt das Objektiv heraus und mit einem Knall schlägt sie diese Türe zu. Mit der voraussehbaren Folge, dass das Vögelchen erschreckt von dannen flog. Oh, da hat sich jemand geärgert.
Als wir die Straße dann nochmal abfuhren (vielleicht kommt Mr. Hawk ja zurück), sahen wir auf einem Strommasten einen weiteren Vertreter dieser Gattung sitzen. Diesmal hatte ich die lange Linse schon in der Hand und musste nur aus dem Fenster (ohne die Tür zu knallen) noch abdrücken:
Beim Weiterfahren entdeckten wir dann noch eine andere Spezies, die mit ihrer kleinen Angel am Kopf eher an spezielle Tiefseefische erinnern:
Ein letzter Blick auf den See, die Sonne kam gerade durch
und wir machten uns auf die Piste nach Norden.
Wir durchfuhren zuerst Gardenerville und dann Carson City bei mehr oder weniger durchwachsenem Wetter.
Erstes Tagesziel für heute war Virginia City. Wer in meinem Alter ist, verbindet mit dem Namen logischer die Fernsehserie Bonanza. Aber wer die Movie-Location noch einigermaßen im Kopf hat, wird von den Fotos jetzt enttäuscht sein. Denn VC ist eine alte Goldgräberstadt mit der Comstock-Mine, in der nach Gold geschürft wurde. Wie auch Jerome in Arizona ist die Stadt am Hang gelegen und besteht aus vielen alten Steinhäusern.
Auf dem Weg in die Berge fiel uns ein Schild auf: Ähnlich wie der Hinweis auf Wildwechsel (schwarzer Hirsch auf gelbem Grund) gab es diesmal schwarzes Pferd auf gelbem Grund. Wieso? Offensichtlich gibt es dort wilde Pferde, die einfach so in der Gegend rumlaufen. Und dann hatten wir auch schon zwei Vertreter davon vor der Kamera:
Speziell die Frisur des Braunen erinnert mich an die heutige Jugend. Also topaktuell, der Zossen.
Wir suchten uns einen Parkplatz abseits der Hauptstraße (die dortigen waren mir zu eng und ich hatte Angst um meinen linken Außenspiegel) und trabten durch die Stadt.
Wie schon gesagt, viele alte schöne Gebäude, zu großen Teilen für die Tourismusindustrie aufbereitet. So auch das Visitor-Center, welches sich in einem alten Saloon befand und mit einem tollen Kronleuchter aufwartete.
Wir durchstöberten diverse Läden. In einem wurde ich fündig: Ein neues Hutband musste her und auch die Gürtel gefielen mir.
Zurück ging es an alten Minengebäuden, immer der Blick auf die weite, aber in der Nähe zerklüftete Landschaft.
Nächstes Tageziel war der Lake Tahoe. Ein mehr als beliebtes Touristenziel, welches im Sommer und im Winter Scharen von Touristen anlockt.
Wenn man von Osten kommt, überquert man als erstes die Grenze von Nevada nach Californien. Erkennbar an den Casinos auf der östlichen Seite der Grenze.
Den wirklichen Charme von South Lake Tahoe konnte ich bei diesem Wetter allerdings nicht nachvollziehen. Grau in Grau ging die Wolkendecke fast übergangslos ins Wasser über. Und von den vielgepriesenen Farben der Emerald Bay war nichts zu sehen.
Bevor es jetzt nach Sacramento ging, wollten wir uns noch in einem Fastfood-Tempel stärken. Der mit den goldenen Bögen war nicht auffindbar, der mit der Krone schien dort gar nicht zu existieren, schließlich landeten wir bei Jack in the Box. Zum Essen möchte ich gerne Evelyn Hamann aus dem Film „Papa ante Portas“ zitieren: Also, da war mir vorher besser.
An der Autobahn endlich die Möglichkeit, ein vernünftiges Foto eines Raubvogels zu machen.
OK, ist nur aus Blech, aber irgendwas ist ja immer.
Auf der 50 schlugen wir uns bei strömendem Regen durch die Berge. Stellenweise waren die Straßenränder weiß von Hagelkörnern und die tiefste Temperatur auf dem Thermometer lag bei 40° Fahrenheit = 4,44 °C. Schließlich verließen wir auf der Höhe von Folsom die Autobahn, um im dortigen Outlet im Store „Vanity Fair“ nach einer Hose für mich zu schauen. Das geht (wie ich früher schonmal berichtet habe) sehr schnell. Zwei Hosen anprobiert, zwei Hosen mitgenommen. In der Zeit konnte die beste Shopperin von allen noch nicht mal die Kleiderständer der Damen erreichen.
Nach VF noch einen Abstecher nach Merrel (dort stammen die Wandertreter meiner Göttergattin her) und mit einem Paar Schuhen mehr den Laden verlassen.
Jetzt noch eine halbe Stunde zum Hotel im Süden von Sacramento fahren. Dort hat man uns auf eine Suite hochgegraded, ein sehr schönes Zimmer und auch das Internet ist einigermaßen flott, wenn es denn funktioniert.