23.10.2021 – Von Sydney nach Halifax

Nun werden wir Cape Breton Island verlassen. Aber wir bleiben in Nova Scotia. Unser nächstes Ziel ist Halifax, genauer: Dartmouth, welches auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Halifax liegt. Das Wetter ist nicht besonders, also fällt der Abschied nicht schwer.

Auf der Straße 4 bei Middle Cape kommt kurz die Sonne raus und ich nutze die Gelegenheit, um den spärlicher werdenden Bewuchs der Bäume abzulichten.

Vielleicht ergeben sich dazu nicht mehr allzuviele Gelegenheiten.

Eine noch bei Port Hastings, als wir Plaster Cove überqueren. Die Bäume spiegeln sich so schön im Wasser.

Die Straßen sind so frei wie auf der Hinfahrt, ein äußerst entspanntes Fahren.

Wir nehmen nicht den direkten Weg zur Südküste, sondern biegen bei Truro ab auf die 236, um bei Maitland den Burncoat Gezeitenpark anzufahren. Hier wurde der (auch im Guiness Buch verzeichnete) höchste Tidenhub von 53,6 Fuß gemessen.

Als wir ankommen, ist der große Felsen auf der Meerseite schon vom Wasser umspült, ein Herumlaufen kommt nicht in Frage. Man kann sich schon noch auf dem Meeresboden rumtreiben. Und dabei aufpassen, dass man nicht als Insulaner endet:

Aber man sollte immer ein Auge auf die Flut haben.

Schaut Euch mal die drei folgenden Aufnahmen an. Zwischen den einzelnen Fotos liegen jeweils zwei Minuten.

Wir hätten noch warten können, bis das Wasser den Höchststand erreicht, aber meine Göttergattin hatte Größeres vor.

Die Sache mit der Tidal Bore in Moncton hatte ihr so imponiert, dass sie sich dieses Phänomen auch einmal am Shubenacadie River anschauen wollte (fragt mich nicht, wie man das ausspricht, ich bin schon froh, wenn ich es richtig geschrieben habe). Laut Tidenkalender sollte die Flutwelle um ca. 14.43 am Fundy Tidal Interpretive Centre in der Nähe von South Maitland ankommen. Wir machten uns früh genug auf den Weg und konnten in Maitland noch ein paar der wunderschönen alten Häuser fotografieren.

Als wir dann am Zielpunkt ankamen (weit vor der angegebenen Zeit), war die Flutwelle schon lange vor uns den Fluss raufgeströmt.

Enttäuschung machte sich breit. Was ist da schief gelaufen? Vielleicht finden wir es noch raus. Ein wenig entschädigt die Laubfärbung.

Wir machten ein paar Fotos vom Wasser, welches flussaufwärts strömt und machten uns dann auf den Weg nach Dartmouth.

Wir bekommen ein sehr schönes Zimmer mit Studio und schlimmstenfalls lebhaften Nachbarn über uns.

Da wir noch Zeit hatten, machten wir das ganz in der Nähe liegende Einkaufszentrum unsicher, Klamotten, Lebensmittel und was der Mensch ansonsten nicht braucht.

22.10.2021 Unterwegs auf Cape Breton Island

Ich tue mich mit dem Titel etwas schwer, weil nach meiner Definition Cape Breton Island die Insel ist, auf der sich der Cape Breton Highlands National Park befindet. Da die Landabschnitte, die wir heute besucht haben, nur durch Fähren oder Brücken erreichbar sind, sind dies für mich neue Inseln. Aber bei Maps konnte ich (bisher) keine Bezeichnungen dafür finden. Also bleibt es bei Cape Breton Island für den gesamten Inselkomplex.

Eine Aufnahme muss ich noch nachliefern: Den gestrigen Sonnenuntergang aus unserem Hotelfenster.

Wäre es heute so weitergegangen, der Tag wäre anders verlaufen. So begaben wir uns sehr gemütlich zum Frühstück, welches cooked to order gut und reichhaltig war. Nur der Kaffee hatte die Stärke von Batteriesäure und hätte normale Pappbecher glatt durchgeätzt.

So gaben wir uns noch ein wenig der Faulheit hin und starteten erst gegen 12 Uhr unsere Tour Richtung Süden. Ich hatte gesehen, dass nicht weit entfernt von unserem Hotel (also nur eine halbe Stunde) die Gillis Lake Wasserfälle liegen. Ein wenig Dirt Road hat uns noch nie gestört, aber um zu den Wasserfällen zu gelangen, mussten wir durch ein offenes Tor und über eine Brücke marschieren, die zu einem Privathaus führte. Andererseits stand dort nirgendwo ein Schild „Privat Property – no trespassing“ und im Notfall hätte ich jemanden angequatscht und um Erlaubnis gefragt. War aber nicht nötig. Direkt hinter der Brücke führte ein Trampelpfad (ähnlich wie gestern, nur ohne Seil und nicht ganz so steil) direkt zum Fuße des hübschen Wasserfalls:

Foto gemacht. Check.

Wir wollten diesen Teil der Insel über die Nordroute nach Süden befahren und wählten daher den direkten Weg durch die Wälder. Die Befürchtungen meiner Göttergattin, wir würden unseren Dicken über schmale Trampelpfade lenken müssen, waren absolut unbegründet. Eine riesig breite Dirtroad führte uns direkt zur Küste. Auf dem Weg nach Südwesten fuhren wir die Straße zum Christmas Island rein. Was erwartet uns dort? Weihnachtsschmuck? Nikoläuse? Geschmückte Tannen? Keine Ahnung, warum dieser Name vergeben wurde. Jedenfalls fuhren wir mit dem Pickup rückwärts auf den Strand (wie wir das von Hawaii gewohnt waren) und genossen dort die Mittagspause.

Auf einem Baum mehrere hundert Meter entfernt sah ich ein Geschöpf, welches kollossal einem Weißkopfseeadler ähnelte. Also das lange Tele (die dicke Berta) angesetzt und in Richtung des Baumes am Strand marschiert. Musste noch unter ein paar Angelleinen durchnavigieren, die ein älteres Ehepaar ausgeworfen hatte. Der Adler war mittlerweile verschwunden, aber wir kamen mit den Oldies ins Gespräch. Währenddessen zog die Dame des Hauses einen Teil des Mittagessens an Land, eine Regenbogenforelle mit ca. 30-40cm Länge.

Abgesehen davon erfuhren wir auch noch, dass eine Insel weiter, am South Cove, noch mehr Adler zu sehen seien. Das wollen wir mal sehen. Ehrlich.

Folgerichtig machten wir uns auf den Weg (nachdem wir es auf der Karte gefunden hatten).

Auf dem Weg überraschte uns der MacGormack Beach Provincal Park. Zum einen mit den karstigen Felsen, aber auch mit der wunderbar gepflegten Umgebung und der liebevollen Blumenbepflanzung. Das sahen wir auf unseren Fahrten sehr oft: Sorgsam gemähte Rasen und liebevolle Bepflanzungen.

Am Gillis Point Lighthouse ein schneller Blick über die Bucht, bevor es wieder Richtung Süden zum South Cove ging.

Dort führte eine Art Schotterdam über einen Meeresarm und ein Pickup mit Anglern stand drauf. Am anderen Ende am Waldesrand konnte ich schon Weißkopfseeadler Nummer 1 sehen. Also hielten wir erstmal an, um uns langsam ranzupirschen.

Da warf der Angler den großen Kopf eines gerade gefangenen Fisches mitten auf die Straße und der Adler breitete seine Schwingen aus, um sich diesen zu schnappen. Im Endeffekt ca. 10 m von uns entfernt. Leider hatte ich meine Kamera noch nicht perfekt eingestellt, so dass mir leider nur ein unscharfes Foto vom Zugriff gelang. Danach überflog er die Stelle noch einmal und ich konnte ihn dabei erwischen.

Er ließ sich auf einer Tanne nieder in Erwartung von noch mehr Futter.

Was leider nicht kam und er zog dann gelangweilt ab.

In der Zwischenzeit hatte sich ein anderer Artgenosse fliegend angepirscht

und ließ sich auf einem anderen Baum nieder. Der war vielleicht 50 m entfernt und wir starrten einander in die Augen. Man konnte förmlich sehen, wie er uns beobachtete.

Beobachtet wurde ich auch. Sogar mit Kamera.

Da uns mitgeteilt worden war, dass es im gesamten South Cove mehrere Adler gäbe (also vielleicht noch mehr als die zwei) drängte mich meine Göttergattin dazu, doch bitte weiterzufahren bis zum Ende der Straße. Was ich gerne tat. Und was sie kurz danach bereute. Denn die Straße wurde nicht nur schmaler, sie war auch von metergroßen Pfützen und Schlammlöchern durchzogen. Umdrehen ging nicht. Rückwärtsfahren? Nein danke, das brauche ich nicht. Also Gas geben und durch. Gut, dass neben der Straße niemand stand. Der wäre anschließend reif für die Dusche gewesen. Und das Gequietsche meiner Beifahrerin hätte seinen Ohren auch nicht gut getan. Jedenfalls meisterte unser Dicker alle Herausforderungen mit Bravour und wir kamen unversehrt am Ende der Straße an. Da war leider gar nichts zu sehen und mir blieb nur die Freude, den Wagen nochmal durch den Schlamm zu wälzen. Karin wollte auch nicht aussteigen und den Akt filmen. Schade eigentlich.

Aber sie kam neben dem kleinen Abenteuer doch noch auf ihre Kosten. Ich sage nur: Fähre. Wir kamen just in dem Augenblick in Little Narrows an, als die Beladung der Seilfähre begann. Keine Zeit verloren. Wirklich aufregend war die Fahrt für mich nicht, aber es ist doch immer schön, wenn sich neben dir im Wagen jemand freut.

Eigentlich hatten wir auf der Rückfahrt noch einen weiteren Wasserfall eingeplant, aber das Wetter war ziemlich trübe und die Dunkelheit kündigte sich an, so dass wir in Navi einfach nur die Hoteladresse eingaben, um das Abendessen auf den hübschen Stühlen der Hotelpromenade zu genießen.

 

21.10.2021 Cabot Trail, Ingonish nach Sydney

Als ich aus dem Fenster schaute, graute der Morgen. Oder sollte ich besser sagen: Graute dem Morgen? Jedenfalls zeichnete sich am Horizont eine Spur von rot ab, die Sonne geht bald auf. Ein Blick auf den elektronischen Gehilfen sagte, dass wir bis zum Sonnenaufgang noch etwas über eine halbe Stunde Zeit hätten. Genug, um zur Küste zu fahren und den Tag zu begrüßen. Wir fanden auch ein schönes Plätzchen direkt am Wasser. Ich setzte mich auf die Ladekante unseres Trucks (dafür sind diese Autos AUCH gut) und stellte die Kamera auf Dauerfeuer.

Bis mir dann einfiel, dass ich nicht beliebig viele Aufnahmen hier posten kann und sollte. Zart schob sich die Sonne gen Himmel und beleuchtete auf beinahe Hawaiianische Art die Wolken.

Die Strahlen durchbrachen die Wolken und zauberten eine Wahnsinnsstimmung hervor.

Jetzt aber zurück zu unserer Hütte.

Frühstück war trotz des nicht gerade niedrigen Preises und der minimalistischen Ausstattung im Übernachtungspreis nicht enthalten. Aber ich erinnerte mich daran, dass der Mann an der Rezeption etwas davon geredet hatte, dass „ein Stückchen weiter nördlich“ ein Restaurant Frühstück anböte. Was auch immer das in Kilometern bedeutet. Fastfood-Ketten sucht man hier vergeblich – was auch nicht unbedingt nachteilig ist.

Wir wurden tatsächlich im Bean Barn Cafe fündig. Durften unsere Impfnachweise vorzeigen und konnten uns dann ein frisches Frühstück zubereiten lassen. Eine ganz neue Erfahrung für uns. Aber lecker.

Dann sollte es auf die Straße gehen. Sydney war unser Ziel. Aber da wir schon wieder Probleme mit der Scheibenwaschanlage hatten, fassten wir nicht Australien ins Auge, sondern das in Nova Scotia. Reine Fahrzeit ca. 2 Stunden, die wir entsprechend würzen können.

Erster Halt in Ingonish Harbor mit Blick über die Bucht.

Übrigens hat sich irgendjemand offensichtlich die Rechte am Wort Ingonish gesichert. Es gibt  Ingonish, Ingonish Harbor, Ingonisch Centre, Ingonish Ferry und was weiß ich noch alles mit dem Namen.

Die Sonne kam raus und belohnte uns mit mal wieder mit Herbstfarben.

Auf der Höhe von North Shore der Stein, der für Wettervorhersagen in dieser Gegend verwendet wird. Und ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, dass es in Deutschland nicht viel anders gemacht wird.

Weiter geht es an schönen Häusern mit buntem Herbstlaub im Hintergrund.

Oder man hält mal mit dem Tele rein und lässt den Detailreichtum und die Farben auf sich wirken.

Auf einem Ex-Campingplatz eine einsame Boondockerin und natürlich wieder herbstliche Bäume.

Diese fand ich besonders schön, weil im Endeffekt alle Farben vertreten sind. Plus blauem Himmel als Add-On.

In Englischtown konnten wir Karins großem Wunsch mal wieder nachkommen, eine Fährfahrt durchzuführen. Das Besondere daran war diesmal, dass ein LKW mit einem Boot drauf mit uns auf die Fähre kam. Das Boot hätte doch genauso gut auch schwimmen können.

Kurz vor New Harris macht die Straße einen U-Turn, an dem wir aber geradeaus weiterfuhren, um zum Cape Dauphin Traihead zu gelangen. Dieser ist über eine ca. 6 km lange Dirtroad zu erreichen, die aber in einem besseren Zustand war als manche Landstraße, die wir gefahren sind. Unser F150 war so richtig in seinem Element.

Vom Ende der Straße führt ein Trampelpfad  zum Fairy Hole. Ich hatte schöne Fotos davon gesehen, aber die Wegbeschreibung war eher etwas wage. An einem Baumstamm war das Wort Fairy Hole eingeritzt und ein noch schmalerer Trampelpfad ging davon ab. Kontrolle per Google Maps: Wir befinden uns weit von dem dort eingezeichneten Pfad. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Weg führte schließlich etwas nach unten, was an den dicken Stricken, an denen wir uns festhalten konnten, erkenntlich war.

Wir standen vor einem Bachbett, welches wir nicht überspringen konnten. Aber auch hier war eine Leine gespannt. Mutig, und immer darauf bedacht, dass die Kameraausrüstung nicht schwimmen geht, hangelten wir uns rüber.

Etwas ging es noch weiter entlang des Bachbettes, aber dann wären wir ohne nasse Klamotten nicht weiter gekommen. Sind wir hier überhaupt richtig?

Das Handy sagte was GAAANZ anderes. Aber so geht es nicht weiter. Also zurück, wieder am Seil raufgehangelt und geschaut, ob wir den Abzweig zum richtigen Pfad verpasst haben. Hatten wir aber nicht. Später schaute ich mir noch andere Beschreibungen an und die zeigten genau unseren Kletterfelsen. Gut, nichts falsch gemacht, nur vorsichtig gewesen. Aber ein kleines Abenteuer war es doch und die beste Felsenkletterin von allen war (zu Recht) stolz darauf, das geschafft zu haben.

Der Rest der Fahrt verlief vergleichsweise ereignislos, wenn man davon absieht, dass wir uns bei Taco Bell etwas quasi-Mexikanisches Futter besorgten und versuchten, dies im Wagen ohne Schweinerei zu essen. Dining in ist dort zur Zeit out.

Das Holiday-Inn Hotel in Sidney ist ein riesiger Klotz direkt am Wasser. Corona wird nicht so richtig ernst genommen. Weder Impfnachweise noch irgendwelche anderen Covid-Dokumentationen wurden abgefragt. Wir bekamen ein Zimmer im 6. Stock (diesmal gut, dass das so ein hoher Turm ist) mit Blick aufs Wasser und auf Downtown.

Es war noch früh, aber wir hatten keine Lust nochmal rauszufahren (trotz 4 gesunder Reifen). Also spazierten wir einfach auf dem Waterfront-Boardwalk entlang, um das schöne Wetter zu genießen.

Dieser führte uns zu einem musikalischen Leckerbissen direkt im Fährhafen:

The Big Fiddle heißt dieses überdimensionale Musikinstrument, welches für Hagrid aus Harry Potter wie gemacht wäre.

Und die roten Stühle gibt es hier auch in XXXL. Man setzt sich auf die Kante und rutscht dann sehr unelegant nach hinten vor die Lehne.

Auf dem Rückweg oberhalb des Hafens unser Hotel am linken Bildrand.

Wieder im Hafen, wurden wir auf eine der Haupteinnahmequellen dieser Gegend aufmerksam gemacht. Da krabbelte ein kapitaler Lobster am Grund des Hafenbeckens entlang. Aber da unser Zimmer keine Mikrowelle hat, verzichteten wir auf weitere Anstrengungen in Richtung Seafood.  Jetzt noch einmal die Sonne kurz vor dem Untergang einfangen und dann einfach nur den Abend ausklingen lassen.

Gute Nacht zusammen.

 

 

20.10.2021 Cabot Trail, von Chétikamp nach Ingonish Beach

Fifty shades of sollte der Tag eigentlich heute heißen. Aber das „of“ lassen wir erstmal offen. Dazu kommen wir später. Wir starten von unserem gemütlich eingerichteten Zimmer. Unsere Wirtin kommt vorbei, um sich mit ein paar Keksen zu verabschieden. Einen Tip fürs Frühstück hat sie nicht so direkt, aber wir haben ja noch einiges in der Kühltruhe.

Auf dem Weg durch Chétikamp kommen wir an einem Laden namens Robin vorbei. Batman ist nirgendwo zu sehen, also trauen wir uns. Karin versucht sich an einem Bagle, wie er auch ähnlich (oder genauso?) bei MD serviert wird. Ich bestelle mir ein Turkey Sandwich und jeder einen Becher Kaffee. Karin noch einen Schoko-Donut.

Da wir dieses Superfrühstück nur in einer Super-Umgebung verzehren wollen, fahren wir ein wenig weiter nach Norden, bis wir an einem Aussichtspunkt über die Küste ein adäquates Ambiente gefunden haben. Und im Stehen tropft der Senf direkt auf den Boden statt auf den Autositz.

So, einigermaßen satt sind wir, das Abenteuer kann beginnen. Für heute steht der Cabot-Trail auf dem Plan. Übrigens: John Cabot hat 1497 auch amerikanischen Boden betreten, eben auf dieser Insel zu unseren Füßen. Mittlerweile ist ein großer Teil Nationalpark, der Cape Breton Highland NP. Die Meere ringsum sind gefüllt mit Walen, in den Wäldern Koyoten und Elche. Zumindest wird man durch die gelben Schilder ständig darauf aumerksam gemacht.

Aber ganz so einfach macht man es den Touristen doch nicht. Man muss sich die Viecher schon erwandern. Am besten über einsame Wege, nicht zuviel reden, um sie nicht zu verscheuchen, und dann sieht man welche. Wenn man Glück hat. Wir fragten in der Ranger-Station nach, wo die Wahrscheinlichkeit am größten sei. Benjie’s Lake sei eine gute Gelegenheit. Und nur ca. 1,5 km für eine Strecke. Am See angekommen, eine schöne Kulisse (Karin hält Ausschau nach Elchen, Koyoten und Walen)

und nebenan ein nicht allzu scheues Squirrel. Man muss nehmen, was man kriegen kann…

Auf dem Rückweg schauten wir auch hinter jeden Busch und jeden Baum, aber die Mooses hatten anscheinend gerade Teambesprechung. Jedenfalls waren wir komplett erfolglos. Ob die ihre Ausbildung wohl in einem Baumarkt gemacht haben?

Weiter ging es (aus dem Nationalpark heraus) nach Pleasant Bay. Hier machte mich die beste Naturforscherin von allen auf riesige Vögel aufmerksam, die kreisend nach Beute Ausschau hielten. Also suchten wir einen Parkplatz und warteten geduldig, bis sie sich in unsere Nähe bequemten. Nähe ist auch noch sehr gestrunzt. Selbst mit 750 mm waren sie nur ein Pünktchen auf dem Bildschirm.

Auf der Mole am gegenüberliegenden Ufer hatte sich dann ein Bald Eagle (ein junger, der Kopf war noch nicht weiß) niedergelassen und ließ sich in Ruhe ablichten.

Dann breitete er seine Schwingen aus und glitt majestätisch durch die Lüfte.

Und zum Glück so nah, dass sich auch eine Ausschnittvergrößerung noch lohnte.

Einen weiteren Stop legten wir am MacKenzie-Lookout ein (passiert heute öfter).

Und es geht weiter auf der Cabot-Trail-Road. Hier kommen wir etwas in die Berge (der „Pass“ liegt auf ca. 350 m Höhe, die Sauerstoffmasken brauchen wir NOCH nicht). Und hier erschlagen uns die Farben des Herbstes. Waren die Wolken über uns die vielen Variationen der fifty shades of grey, so kann man hier getrost von fifty shades of orange reden. So etwas habt ihr noch nicht gesehen. Ich jedenfalls noch nicht.

Zur Abwechslung mal ein Straßenschild in nüchternem Grün gehalten (vielleicht färbt es sich ja unter dem Einfluss des Herbsts auch noch gelb oder rot?).

Als schönes Beispiel für die normalsterbliche unleserlichen schottischen Namen. Übrigens übersetzt Google Translate die untere Zeile wie folgt: Der Zucker schlägt… Denkt Euch dazu, was Ihr wollt.

Von der Cabot-Trail-Road führt ab Cape North eine mehr oder weniger gute Straße in den Nordteil der Insel, bis nach Meat Cove.

Nicht zu verwechseln mit dem Sänger Meat Loaf. Dort fanden wir einen wunderbar einsamen Strand, den wir dank unseres Pickups auch mit Leichtigkeit erreichen konnten.

Mittagspause.

Gut gesättigt (wir haben IM Wagen gegessen, damit uns der Salat nicht vom Teller wehte) ging es wieder zurück bis Neils Harbor, ein hübscher kleiner Hafen (wie die anderen, die wir nicht extra erwähnt haben, auch).

Da die Sonne so schön schien, von diesem hier ein Foto.

Am Black Brook (übrigens: Brook heißt Bach, wusste ich bis gerade auch noch nicht) machten wir eine etwas längere Pause, weil der Strand dort mit seinen roten Felsen und den Kieseln besonders schön anmutete.

Und den Wasserfall mussten wir natürlich auch besichtigen.

Auf dem Parkplatz mal die Gelegenheit, die bunten Blätter etwas näher abzulichten.

Jetzt aber sollten wir uns wirklich auf den Weg machen, um unser Hotel zu erreichen.

OK, einen See nehmen wir noch mit, den Warren Lake.

Unsere Herberge, die ich soeben großmundig als Hotel angekündigt hatte, trug den Namen Skyline Cabins. Im Endeffekt ein Dutzend Doppelhüttenhälften, von denen das positivste, was man sagen konnte, war, dass sie sauber und trocken sind. Aber wir dürfen nicht meckern, sondern sollten froh sein, morgen macht der Laden für den Winter dicht. Aber das Internet funktioniert und die Mikrowelle auch. Für das Frühstück müssen wir morgen selbst sorgen, ich glaube nicht, dass uns der Landlord Kekse serviert.

Ach ja: Elche haben wir den ganzen Tag nur auf den Schildern gesehen, Wale noch nicht einmal dort.

 

19.10.2021 – Von Moncton nach Chétikamp

On the road again. Wir müssen unser kleines Studio – mit dem riesigen Schreibtisch (habe gar kein Foto davon gemacht) verlassen. Wir begeben uns auf die Reise auf die Insel Cape Breton Island. Reine Fahrzeit knapp 5 Stunden. Aber wer uns kennt, weiß, dass es nicht dabei bleibt. Zu oft und zu gerne geraten wir auf Abwege. Vorher noch nebenan zum Walmart, denn Lebensmittelläden dürften im Norden der Insel rar gesät sein.

Die Sonne lacht vom Himmel runter und wir erleben den Indian Summer (ich weiß, political incorrect) von seiner schönsten Seite. Am liebsten möchte ich alle zwei Meter ein Foto machen. So müsst ihr euch jetzt mit ein paar wenigen begnügen.

Irgendwann überqueren wir die Grenze nach Nova Scotia, nach Neu Schottland.  Im Welcome Center, wo wir uns mit Karten und Info-Material eindecken wollen, werden wir erstmal nach unserem Impfstatus befragt. Karin kann natürlich sofort ihr Handy zücken und über die ArriveCan App und CovPass die erforderlichen Nachweise erbringen. Da mein Handy – wir erinnern uns – gestern den Heldentod gestorben ist, zücken wir die Papierunterlagen und der Mitarbeiter wird gleich eine Runde freundlicher. Das Material, das wir erhalten, ist reichlich. Endlich erhalten wir mal eine vernünftige Karte dieser Provinz.

Kurz bevor wir die Brücke auf die Insel überqueren, wird noch einmal vollgetankt. Wahrscheinlich ist der Sprit hier billiger als weiter nördlich auf den Dörfern.

Wir wählen nicht die vom Navi vorgeschlagene Hauptroute über den Trans Canada Highway, sondern die weiter westlich gelegene Straße 19, die zu Teilen an der Küste vorbeiführt.

Süße Nester kreuzen unseren Weg. Und zu unserem Erstaunen sind die Schilder zwar auch auf Englisch ausgeführt, aber als zweite Sprache ist in dieser Gegend Gälisch (so vermute ich) anzutreffen.

An einem Rastplatz machen wir Mittagspause, keine Menschenseele sonst unterwegs, wir genießen das schöne Wetter.

Obwohl es mittlerweile deutlich kühler geworden ist als in Moncton. Nur Hemd ohne Pulli reicht auch mir nicht mehr.

Weiter geht es Richtung Norden. Eine drohende schwarze Wolke bietet einen tollen Kontrast zu den bunten Bäumen. Hoffentlich entlädt die sich nicht, während wir wandern.

Dann wieder direkter Kontakt zur Küste.

Sind wir hier in Oregon oder Nordkalifornien gelandet? Heimatliche Gefühle kommen hoch.

Schließlich passieren wir das Ortsschild von Chétikamp und das Navi weist uns von der Hauptstraße weg, aber immer noch 6 km zu fahren. Karin, in welche verlassene Berghütte hast Du uns gebucht?

Irgendwann (es gibt auch noch andere Häuser in der Umgebung und aus Lebkuchen ist die Hütte auch nicht) sehen wir das Schild vom Chetikamp Outback Inn.

An der Tür ein Schild: Wenn keiner im Office ist, bitte folgende Nr. anrufen…

Karin zückt ihr Handy, aber dieses findet keinen Provider. Suuuper. Ich mache mich also auf den Weg zum Nachbarhaus. Dort wohnt die Besitzerin des Etablissements und freut sich wie eine Schneekönigin, dass wir angekommen sind. Sie zeigt uns zuerst das Zimmer, was für uns vorgesehen war. Aber da ein Gast abgesagt hat, könnten wir auch ein etwas größeres bekommen. Total süß eingerichtet. Hier werden wir uns wohlfühlen. Wenn wir denn länger blieben.

Denn die beste Reiseplanerin hat für heute noch ein straffes Programm eingeplant: Den Skyline Trail im Cape Breton Highlands National Park. Das bedeutet ca. 20-25 min Fahrt, Eintrittskarte kaufen und dann noch ca. eine Stunde laufen. DAS wird sportlich.

Das Ticket ist schnell erworben und wir machen uns auf den Weg. Die Rangerin zweifelte daran, dass wir das bis zum Sonnenuntergang schaffen, aber die kennt nicht unsere deutsche Marschgeschwindigkeit. Bzw. die niedrige Flughöhe, wenn wir es eilig haben.

Vom Parkplatz aus ist es noch eine Zeit zu laufen. Zuerst durch waldiges Gelände, ganz zart bergab. Als der Wald dann endet, steht für die letzten Meter bergab ein Bretterbohlenweg zur Verfügung.

Die Ängste meiner Göttergattin, es könne sich um eine schmale Gratwanderung à la Angels Landing handeln, erweisen sich als unbegründet. Sonnenuntergang war auch noch nicht, so kann ich in Ruhe das Stativ aufbauen und die ersten Lichtstimmungen einfangen.

Alle genießen die tolle Stimmung. Es ist windstill und auch die indischen Touristen verstummen mal. Sehr wohltuend.

Die Sonne sinkt tiefer und taucht das Meer in ein eigenartig diffuses Licht. Ganz bekommen wir den Sonnenuntergang nicht mit, dazu sind zuviele Wolken davor.

 

Bevor es ganz dunkel ist, kämpfen wir uns wieder bergauf und brauchen für den Rückweg ca. 45 Minuten.

Zum Glück fängt es erst während der Wanderung leicht an zu nieseln. Der Parkplatz ist stockfinster, aber unser Auto hat zum Glück Licht.

Die Rückfahrt verläuft problemlos, obwohl das Navi schon manchmal merkwürdige Anwandlungen hatte.

Wir freuen uns auf unser Zimmer. Morgen geht es rund um das Kap auf die Ostseite der Insel.