19.09.2024 – Virginia Lakes

OK, wir sind auf einer Seen-Tour. Aber nach der Erfahrung, die wir am Convict Lake gemacht haben, erscheint es uns sehr erholsam, damit fortzufahren.

Wir suchen uns einen weiteren in den Bergen gelegenen See aus (bzw. gleich mehrere): Die Virginia Lakes. Leider liegen diese ein ganzes Stück nach Norden, so dass wir vorbei an Mammoth und vorbei an der Abfahrt zum Tioga Pass auf der 395 fahren.

An diesem Morgen liegt der Crowley Lake in der Sonne. Ich versuche mein Glück mit etwas Telewirkung. Wenn man dann in das Bild hineinzoomt, kann man wahrhaftig die Säulen erkennen. Aber direkt davor zu stehen ist noch etwas ganz anderes.

Kurz vor dem Conway Summit geht nach Westen die Virginia Lakes Road ab und nach ein paar Meilen stehen wir auf dem Parkplatz. Genauso ruhig und überschaubar wie gestern der Convict Lake.

Da es sich hierbei um mehrere Seen handelt, die wie Perlen auf einer Perlenkette aufgereit sind, werde ich sie in der Reihenfolge des Besuches vorstellen. Dabei hilft mir ungemein die Tatsache, dass meine Kamera ein eingebautes GPS hat. D.h. in meinem Fotobearbeitungsprogramm Lightroom klicke ich bei jedem Foto einfach auf Karte und bekomme angezeigt, wo das Foto gemacht wurde.

Obiges entstand beim ersten See, dem Big Valley Lake. Malerisch fügt er sich in die Landschaft ein, umgeben von hohen Bergen, die zum Teil mit Schee bedeckt sind.

Wir wandern daran entlang und müssen dann unseren ersten Anstieg bewältigen. Ingesamt erwarten uns auf dem Green Creek Trail ca. 250 Höhenmeter. Was insofern beachtlich ist, fangen wir doch laut meinem Kamera-Navi auf 2.991 Meter an.

Nachdem der erste Anstieg bewältigt ist, stehen wir – etwas außer Atem – vor dem Blue Lake. Der Name erklärt sich von selbst.

Wir laufen auch an diesem entlang und auch der Blick zurück offeriert eine schöne Aussicht auf diesen See.

Mittlerweile haben wir die 3.000 Meter überschritten. Und bei der besten Bergwanderin von allen stellen sich – wie schön – keine Anzeichen von Höhenkrankheit ein. Was habe ich ihr heute morgen in den Kaffee getan. OK, wir sind an einigen Dispensaries vorbei gekommen (die die grünen Blätter im Logo haben). Aber ich kann mich nicht erinnern, dort angehalten zu haben.

Auf dem weiteren Weg nach oben geraten wir in ein Trümmerfeld von Bäumen. Ich vermute, dass hier ein Orkan durchgerast ist. Sieht richtig unheimlich aus und erinnert ein wenig an den Sturm Ela, der mal in NRW gewütet hat.

Als nächstes passieren wir eine Cabin. Ich werfe einen Blick hinein und stelle fest: Diese Hütte bietet niemand bei Booking.com oder auf irgendeinem anderen Portal an. Ein Bettrahmen ist vorhanden, aber eine Matratze und Bettzeug muss man selbst mitbringen. Gleiches gilt für Küchengeschirr etc.

Die Türe sieht aus, als hätte sie Hagrid beim Abholen von Harry Potter eingetreten.

Hier bleiben wir heute nach nicht. Auf dem weiteren Weg höre ich ein deutliches Rauschen, welches nicht vom Wind und den Blättern stammt. Ein Wasserfall befindet sich am Auslass des nächsten Sees, des Cooney Lakes.

Und da ich mich sowieso gerade umdrehe, kann ich auch einen Blick zurück ins Tal und die weite Ebene werfen. Die Wolkenformationen sind es wert.

OK, jetzt sind wir also am Cooney Lake. Genauso hübsch wie die anderen, mit einer interessanten Felsenkulisse am gegenüberliegenden Ufer.

Die könnte man glatt für eine Winnetou-Verfilmung nutzen. Weiter geht es. Rechter Hand lassen wir einen der Frog Lakes liegen, aber ein Foto muss sein.

Dann endlich erreichen wir DEN Frog Lake, der laut Alltrails den Endpunkt dieser Wanderroute markiert.

Der Himmel reißt auf und diese wahnsinnige Bergkulisse und die Wolken spiegeln sich in dem ruhigen Wasser.

Wir marschieren noch ein kleines Stückchen am See entlang, bis wir einen Felsen gefunden haben, auf dem wir Pause machen können.

Dort verdrücken wir jeder einen Müsli Riegel und beobachten am gegenüberliegenden Ufer einen Coyoten, der auf dem Weg zur Arbeit durch das Gebüsch streift. Uns hat er offensichtlich nicht wahrgenommen oder wir stören ihn nicht.

Die Wegstrecke betrug bis hierhin ca. 2,5 Kilometer und das letzte Foto wurde auf einer Höhe von 3.155 Metern aufgenommen. Und immer noch keine Anzeichen von Höhenkrankheit. So langsam hat sich meine Göttergattin dran gewöhnt. Und das ausgerechnet jetzt, wo wir morgen Bishop verlassen müssen.

Aber jetzt geht es erstmal zurück ins Tal. Vereinzelt begegnen wir Wanderern. Einen fragen wir, wohin es schwer bepackt geht. Seine Antwort: Yosemite. Na ja, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wir wünschen ihm eine gute Reise und hoffen, dass er nicht eines Tages in der Zeitung auftaucht. Denn in diesen Bergen hat es Bären. Am Anfang des Trails hatte ich einen deutlichen Haufen „bear poop“ gesehen. Erkenntlich an den zum Teil unverdauten Beeren, mit denen sich Meister Petz gestärkt hatte. Meine liebe Gattin fragte mich doch glatt, warum ich den nicht fotografiert hätte. Meine Antwort: Ich fotografiere doch nicht jeden Sch…

Der Rückweg war deutlich weniger beschwerlich und an der Straße tummelten sich mal wieder Rehe.

Die Straße selbst ist ja gut ausgebaut und wenn man dann ins Tal und hinüber zu den White Mountains schaut, ist man immer wieder vom Anblick überwältigt.

Eigentlich wollten wir direkt nach Bishop zurück fahren, aber ein Zusatzziel gestatteten wir uns: Wie schon erwähnt, führen immer wieder Straßen in die Berge der Sierra, die wie heute auch interessante Endpunkte haben.

So auch die McGee Creek Road. Der Name erinnert an einen Mitarbeiter der US-Serie Navy CIS, aber das war nicht der Grund. Wir wollten einfach sehen, wohin die Straße führt.

Sie führt in ein enger werdendes Tal. Dort werden Trail Rides angeboten, aber auch ein Parkplatz für Wanderer ist vorhanden.

Und die Bergwelt? Muss man nicht kommentieren, sondern einfach nur genießen. Ein ingesamt 8 Meilen langer Trail führt zu einem Biberteich, aber das schaffen wir heute Abend nicht mehr.

Also drehen wir um und machen vom Mono Lake Vista Point auf der 395 noch ein Foto vom Mono Lake.

Als wir dann langsam nach Bishop reinrollen, türmt sich vor den White Mountains eine riesige Gewitterwand auf. Gut, dass wir da nicht drin sind.

Noch einmal kurz Tanken und Vorräte auffrischen, denn morgen soll es nach Oakhurst auf der anderen Seite der Sierra Nevada gehen. Gestern war der Tioga Pass im Yosemite Nationalpark wegen Schnees gesperrt, heute nachmittag war er wieder offen. Hoffentlich bleibt das morgen so.

 

 

18.09.2024 – Convict Lake

Heute wachen wir mal wieder bei grauem Himmel auf. Also kein Grund zu hetzen und um neun Uhr auf der Straße zu sein. Also trödeln wir noch etwas rum, legen noch ein Vormittagsnickerchen ein und sind dann irgendwann zwischen 11 und 12 Uhr auf der Straße.

Es geht wieder nach Norden, Ziel ist der Convict Lake. Überall an der 395 gehen Straßen in die Berge und am Ende vieler dieser Straßen befindet sich ein See. In den meisten Fällen kann man durch heftige Wanderungen auch noch weitere Wasserbehälter erreichen, aber wir hatten ja die Feststellung gemacht, dass körperliche Anstrengungen in großer Höhe nicht kompatibel mit meiner Mitwanderin sind. In diesem Fall erschien uns der Convict Lake als geeignetes Ziel.

Es geht auf der 395 ca. eine halbe Stunde Richtung Norden. Kurz vor dem Abzweig nach Westen gibt es noch einen Viewpoint nach Osten auf den Crowley Lake, wo wir die gleichnamigen Säulen gesehen hatten.

Auch wenn man sehr angestrengt schaut (und das liegt jetzt nicht am Wetter), ist es nicht möglich, das am gegenüberliegenden Ufer befindliche Naturschauspiel zu erkennen.

Aber wir wissen ja, wie es dort aussieht und wenden uns dem See in den Bergen zu.

Nach zwei Meilen ist er erreicht. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass Ausbrecher aus Carson City hierhin geflohen waren und hier in einer Schießerei teilweise ihr Leben ließen.

Davon ist außer der Metallplakette nichts mehr zu erkennen.

Wir schauen von einer Brücke in die Berge. Ein gewaltiges Panorama tut sich auf. Die Felsen im Hintergrund sind eine einzigartige Kulisse, wie ich sie bisher in der Sierra noch nicht gesehen habe.

Wir rollen weiter in Richtung Parkplatz, eine Rehmutter zockelt gemächlich mit ihrem Rehkitz vorbei.

Überhaupt ist hier alles gemütlich. Einige Angler stehen am Seeufer, andere spazieren einfach nur so am Wasser entlang.

Wir schauen uns die Gegebenheiten an und beschließen, der Trail rund um den See zu wagen. Er ist ca. drei Meilen lang und wir befinden uns auf ca. 2200 Metern Höhe. Das sollte zu schaffen sein.

Als wir auf der linken Seite eine Baumgruppe erreichen, kann ich aus den Augenwinkel ein kleines Flugobjekt erkennen. Als es näher kommt, sieht man den weißen Kopf und die weißen Schwanzfedern: Ein Weißkopfseeadler. Das ist eine tolle Sichtung. Schade, dass das Wetter und die Entfernung kein vernünftiges Foto zulassen.

Als wir die Spitze des Sees erreicht haben, dort, wo die Bäche aus den Bergen ihr Wasser einspeisen, geht es über Stege weiter über den Rundweg.

Der Blick zu den Parkplätzen ist deutlich weniger spektakulär, aber auf dem weiteren Pfad können wir ja immer wieder in die Berge zurückblicken.

Von hier aus führt auch ein Trail zum Lake Meredith. Ab dem Abzweig noch ca. fünf Meilen und 700 Höhenmeter. Das lassen wir mal lieber.

Auf dem Rückweg laufen wir hinter zwei Anglern her, einer schleppt eine Regenbogenforelle an einem Haken. Wir kommen ins Gespräch und hätten die Forelle schon fast geschenkt bekommen. Aber wir haben im Hotelzimmmer ja keinen Grill oder ähnliches. Glück gehabt.

Noch ein Stückchen weiter kommen wir mit einem Oldtimer (oder sollte ich besser sagen: Waldschrat?) ins Gespräch und wir unterhalten uns über heiße Quellen in der Gegend. Wir sind uns einig (und so hatten wir ihn auch eingeschätzt), dass er weniger für die Ressorts mit Quellen als für die freien hot springs zu haben ist.

Uns hat es hier sehr gut gefallen. Die beeindruckende Bergkulisse würde ich gerne noch einmal bei Sonne betrachten. Und es ist alles so ruhig, gemütlich und unkommerziell. So lieben wir das.

Und damit uns das so richtig bewusst wird, fahren wir noch ein paar Meilen weiter zu Mammoth Lakes. Diese Stadt ist das genaue Gegenteil von Bishop. Die Einwohnerzahl ist ungefähr doppelt so hoch und ALLES ist auf Tourismus, Sommers wie Winters ausgelegt. Jedes Jahr zieht es ca. vier Millionen Touristen in dieses Bergdorf. Wir drehten einfach nur eine Runde um einen der vielen Seen, wobei schon alleine das Finden einen Parkplatzes fast zum Problem wurde.

So langsam machte sich der kleine Hunger bemerkbar und wir kehrten bei Carls Junior ein. Nichts Besonderes, aber der Magen hat was zu tun. Der Regen, der uns die ganze Zeit schon begleitet hatte, bestärkte uns in unserem Beschluss, schnellst möglich wieder ins Hotel zurückzukehren.

Wenn ich den Tag so an mir vorüberziehen lasse: Der Convict Lake war unheimlich schön, Mammoth Lakes in gewisser Weise abschreckend, obwohl die Landschaft bei entsprechendem Wetter auch unheimlich schön ist. Wenn man sie denn genießen kann.

 

17.09.2024 – Ancient Bristlecone Pine Forest – Alabama Hills

Nachdem wir gestern im Regen unser Hotelzimmer aufgesucht hatten, schien heute morgen die Sonne, was das Zeug hielt. Sehr schön. Während des Frühstücks steigen wir in die Tagesplanung ein. Und nicht erst, während wir vom Hof rollen. Ein Fortschritt. Wir waren schon einige Male dort, aber uns fasziniert immer wieder der Ancient Bristlecone Pine Forest. Das ist ein unter der Nationalparkverwaltung stehendes Gebiet hoch in den Bergen, auf dem extrem alte Bäume wachsen.

Um dahinzukommen, ist man ca. 40 Meilen unterwegs. Zuerst geht es auf der 395 ungefähr 13 Meilen nach Süden bis Big Pine.

Am Morgen ist es besonders schön, diese Straße zu befahren, da dann die Berge der Sierra wunderbar im Morgenlicht liegen.

Übrigens trägt die 395 noch zwei hübsche Beinamen: Bei Google Maps wird sie Eastern Sierra Scenic Byway genannt, bei der spanisch sprechenden Bevölkerung El Camino Sierra. Klingt beides gut.

Jedenfalls bogen wir nach Osten auf die 168 ab, um uns nach einer gewissen Zeit auf in die Berge zu machen.

Stückchen für Stückchen schraubt sich unsere Black Beauty in die Höhe, bis wir die Marke von 10.000 Fuß überschritten haben. Das Visitor Center und die Picknicktische sind noch vom Schnee bedeckt, der vermutlich über Nacht gefallen ist. Aber in der Sonne taut es langsam vor sich hin.

Wir lassen uns im Visitor Center beraten: Da gibt es zum einen die Discovery Loop und zum anderen die Methusalem Loop. Letztere ist ca. vier Meilen lang und es geht stellenweise steil bergauf. Der andere Rundweg ist nicht weniger steil, aber dafür wesentlich kürzer.

Eigentlich wollen wir den längeren Weg laufen, aber bei meiner Göttergattin macht sich relativ schnell die Höhe bemerkbar. Daher drehen wir nach kurzer Zeit um. Die Discovery Loop kommt für sie auch nicht in Frage, die Anstrengung würde die Höhenkrankheit schnell verstärken.

Also beschließen wir, für kurze Zeit getrennte Wege zu gehen: Sie bewacht unser Auto und schaut den Skipmunks beim Sammeln zu.

Und ich mache mich gegen den Uhrzeigersinn auf die Discovery Loop, weil ich weiß, dass nach weniger als einem Kilometer zwei wunderschöne Exemplare der Pinien auf mich warten. Und das im schönsten Sonnenlicht und mit blauem Himmel im Hintergrund. Und das auf einer Höhe von 3086 Metern.

Danach kehre ich um und wir lassen unseren Dicken gemütlich wieder den Berg runterrollen.

Als wir auf die 395 gelangen, müssen wir eine Entscheidung treffen. Aber das ist schnell gemacht: Wir wollen nochmal in die Alabama Hills, ein Muss, wenn man in der Eastern Sierra unterwegs ist. Und es sind ja auch nur knapp 60 Meilen. Ein Katzensprung.

Während unsere Black Beauty mit gemächlichen 65 Meilen dahingleitet, überlegen wir, was wir spezielles in den Hills sehen wollen. Bekannt geworden ist die Gegend durch viele Western, die in den Felsen westlich von Lone Pine gedreht wurden. Einer der letzten Filme war Django unchained.

 

Lone Pine ist immer noch das verschlafene Nest, was es vor einigen Jahren schon war. Aber eine Neuerung hat Einzug gehalten: Die Stadt leistet sich eine Baustelle mit einer Straßensperre. Ausgerechnet die Whitney Portal Road, welche zum Anfang der sogenannten Movie Road führt, ist auf einem Teilstück gechlossen. Eine Umleitung ist ausgeschildert. Was wir nicht schlimm finden, führt die Strecke doch über die südliche Sektion der Hills. Allerdings bekommen wir die Miss Alabama nicht zu sehen. Ihr wisst nicht, was das ist? Auf dem abgesperrten Teilstück gibt es einen Felsen, der je nach Jahreszeit und Event als Gesicht bemalt ist. Miss Alabama halt.

So biegen wir direkt in die Movie Road ein und fahren bis zum Parkplatz der Moebius Arch durch. Von dort startet ein ca. 1 Kilometer langer Rundweg zu besagter Arch.

Diese kann man von allen Seiten besichtigen und fotografieren.

Auch ein kleinerer Abkömmling steht direkt in der Nähe.

Wir haben genug fotografiert und laufen den Rundweg weiter. Hoch oben in den Felsen eine merkwürdig geformte Öffnung, soll die Heart Arch sein. Allerdings kann ich auch mit größter Fantasie diese Form nicht erkennen.

Erst als wir wieder am Parkplatz sind, ich mein Tele auf die Kamera geschraubt habe und die Arch aus einem anderen Winkel betrachte, wird der Name verständlich.

Die Sonne steht langsam etwas schräger am Himmel und wir machen uns auf den Weg zum Hotel. Ca. eine Stunde veranschlagt das Navi auch über die Umleitung, über die wir hergekommen sind.

Links von uns die Berge der Sierra, rechts eine weitere Bergkette, die allerdings merkwürdig flach im Sonnenlicht erscheint.

Erst als die weiter nördlich aufkommenden Wolken ihre Schatten auf die Berge werfen, wird der Anblick deutlich plastischer.

Wieder ein toller Tag.

16.09.2024 – Lake Sabrina

So langsam kommen wir im Urlaub an. Wir sind nicht pünktlich um neun Uhr auf der Straße, sondern lassen es gemütlich angehen, so dass wir erst um 11 Uhr den Hof verlassen. Vielleicht ein Fehler, weil das Wetter für den Nachmittag nicht mehr so gut sein soll.

Ziel für heute ist der Lake Sabrina. Dieser liegt ca. 20 Meilen südöstlich von Bishop an der 168. Wenn man an der Sierra vorbeifährt, schaut man immer sehnsüchtig in die Berge und fragt sich, was sich hinter dem ersten Wall von Felsentürmen verbirgt. Finden wir es heraus. Bevor es einige Meilen bergauf geht, machen wir noch einen Abstecher auf die Buttermilk Road.

Diese hat ihren Namen von der Buttermilch, die den Vorbeireisenden von den ansässigen Siedlern angeboten wurde. Damals eine Besonderheit und von allen sehr geschätzt. Heute ist dieser Name allerdings nicht mehr Programm, denn entlang der Straße türmen sich tonnenschwere mehr oder weniger runde Felsbrocken auf.

Diese werden gerne von Kletterern aus nah und fern zum Bouldern genutzt. Ein Vertreter dieser Spezies verriet uns, dass es das Disneyland der Kletterer wäre.

Wie schon nach der Wettervorhersage zu erwarten türmten sich im Norden die ersten größeren Wolken auf.

Wir nutzten die spärlich ausgetretenen Wege, um nach oben zu klettern und einen Blick in die Runde zu werfen.

Einige Kletterer waren auch aktiv. Sie kamen mit ihren dicken Matten angewandert, um sich dann an den Felsen zu versuchen. Ob sie wissen, dass sie dass nicht müssen?

Auf dem Weg zurück zur 168 zeigten sich auch im Süden interessante Wolkenformationen.

Da wir aber in die entgegengesetzte Richtung mussten, ignorierten wir sie einfach und kletterten weiter die 168 bergauf. An der Straße gibt es einen Turnout, den wir auch früher schon für ein Foto genutzt hatten. Das grüne Tal, die grauen, schroffen Felsen und der blaue Himmel mit den weißen Wolken. Ein Traum von einem Bild. Einziges Problem: Man muss ein wenig Geduld haben, bis die Sonne wirklich so steht, wie sie es für dieses Foto tat.

Und dann dauerte es nicht mehr lange, bis wir vor dem Lake Sabrina standen.

Er kam mir irgendwie bekannt vor. Nur die in der Sonne leuchtenden Felsen hatte ich so noch nicht gesehen (in dieser Gegend ist nicht immer gutes Wetter, habe ich gehört).

Ein paar wenige Boote liegen dort vor Anker, auf der Staumauer tummeln sich nimmermüde Angler.

Aber uns interessierten weder die einen noch die anderen. Uns zieht es weiter auf Schusters Rappen. Nach Möglichkeit um den See.

Das klappte leider nicht, aber nach ca. einem Kilometer wildem Trampelpfad begegneten wir nur wenigen Wanderern . Und das war auch gut so. Da die Temperatur deutlich niedriger als im Tal war, hatte meine Göttergattin erstens wegen der Kälte und zweitens zur Abwehr von Pumas meine neonfarbene Jacke mitgenommen. Das mit der Puma-Abwehr klappte auch bei Wanderern.

Bei ca. 3/4 des Weges machten wir dann auf einem hochgelegenen Felsen eine Pause und ließen uns die warme Sonne in den Hals scheinen.

Auf dem Rückweg dann noch ein optischer Leckerbissen: Felsen eingerahmt in Bäume, jeder Kunstliebhaber würde sich danach die Finger lecken.

Auf dem weiteren Rückweg schenkten wir der bunten Laubfärbung etwas Beachtung, das dürfte in den nächsten Tagen und Wochen so richtig losgehen.

Im Auto kurze Beratung, was tun? Auf der Straße liegt ganz grob noch der South Lake, da waren wir noch nicht, also los.

Es geht wieder weiter nach oben. Auf dem Weg linker Hand die Misty Falls, die vielleicht schon ihren ersten Regen nach unten transportierten. Am Lake Sabrina jedenfalls waren die ersten schüchternen Schneeflocken auf dem Weg nach unten.

Kurz vor dem South Lake liegt noch der Weir Lake.

Und der South Lake beeindruckt ebenfalls mit einer tollen angrenzenden Bergkulisse. Wir befinden uns laut GPS meiner Kamera auf 2.964 Metern.

Jetzt haben wir wirklich genug gesehen. Schließlich sind wir im Urlaub und nicht auf der Flucht.

Es geht mit teilweise 8% Steigung bergab, ich schalte händisch den Wagen in einen niedrigeren Gang.

Vor uns tut sich die gegenüberliegende Bergwelt unseres Tales auf. Die Schneekuppen waren heute morgen noch nicht da.

Gut, dass wir es nicht weit zum Hotel haben. Heute Abend gibt es Nudeln, verlängert mit Brühwürstchen und Schinken.

Und wir haben Glück: Wir dürfen nach unserer dritten Nacht die Suite für drei weitere Nächte behalten. Alles in Butter.

15.09.2024 – Nördlich von Bishop

Unsere erste Nacht in Bishop war gut. Es ist stark runtergekühlt und ich habe mir überlegt, ob ich auf dem Weg zum Frühstücksraum die fellbesetzten Flip-Flops anziehe. Beim Frühstückstisch kamen wir ins Gespräch mit einem deutschen Ehepaar, vermutlich aus Norddeutschland, die relativ unbedarft in die Urlaubsplanung (so man so etwas nennen kann) eingestiegen waren. Am Morgen in Las Vegas aufgebrochen hatten sie es immerhin bis Bishop geschafft. Allerdings war ihnen der Begriff „Alabama Hills“ und vieles andere, was man nördlich von Lone Pine auf der 395 sehen kann, nicht bekannt.

Zur ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass wir es auf unserem ersten Trip ähnlich gemacht haben. Und noch viel schlimmer: Wir haben quasi in den Alabama Hills, auf dem Tuttle Creek Campground, übernachtet und dabei die Schönheit dieser Gegend nicht erkannt.

Aber die Youngsters hatten für heute Abend ein Zimmer in Mariposa, also dem westlichen Ausgang des Yosemite Parks gebucht. Technisch machbar, aber man benötigt heute, am Sonntag, ein Permit, um überhaupt in den Park einfahren zu können. Schade, dass wir nie erfahren werden, ob sie sich irgendwie in den Park gemogelt haben.

Wir hatten uns für heute auf die Fahne geschrieben, die Gegend nördlich von Bishop zu erkunden. Ein Ziel, von dem ich schon lange träume, sind die Säulen am Crowley Lake. Selbiger liegt ca. eine halbe Autostunde nördlich von Bishop und zieht sich ein paar Meilen entlang der 395. Wenn man am südlichen Ende in eine Straße einbiegt, gelangt man auf asphaltiertem Untergrund ca. 4 Meilen weit. Dann macht (so Alltrails) der Weg eine scharfe Kurve und es geht auf einer Dirtroad weiter. Soweit so gut. Mit einem Sportwagen wäre hier der Weg zu Ende (haben wir später erfahren). Man kann also jetzt zu Fuß ca. zwei Meilen laufen oder man hat ein äußerst geländegängiges Gefährt unter dem Hintern. Beschreibungen im Internet wiesen deutlich darauf hin, dass ein Teil der Wegstrecke nur mit einem Fahrzeug mit Vierradantrieb und hoher Bodenfreiheit zu passieren sei. Vor allem, weil es auch sandig sei. Ich bekam meine Zweifel, ob wir wirklich die Strecke fahren sollten. Schließlich waren wir vor einigen Jahren mal im tiefen Sand trotz Vierradantrieb elendig steckengeblieben.

Aber es gibt ja Youtube-Videos. Und die zeigten fast halbmeterhohe Bodenwellen, einen steilen Anstieg zum Gipfel, aber keinen tiefen Sand. Das kann unsere Black Beauty.

Also kletterten wir erst vorsichtig die Buckelpiste runter. Dann den Vierradantrieb (niedrige Übersetzung) rein und ganz gemütlich zwar unter einigem Schwanken (einen offenen Kaffeebecher hätten wir nicht auf dem Armaturenbrett stehen lassen können), aber ohne durchdrehende Räder auf der entgegengesetzten Seite des Hügels wieder rauf. Das war leicht.

Auf den restlichen zwei Meilen lasen wir dann noch Tiffany auf, die ganz vorne ihren Mustang hatte stehengelassen und nun mehr oder weniger wohlgemut die zwei Meilen hinter sich brachte.

Den Parkplatz erreichten wir dann ohne die geringsten Probleme, neben uns stand nur noch ein Toyota Tacoma, genauso geländegängig wie wir.

Und dann kam der erste Blick nach unten an den Strand.

Die Säulen (Crowley Lake Columns) könnte man fast als weiteres Weltwunder betrachten. Seit der Wasserspiegel des Sees sinkt, werden tausende bis zu sechs Meter hohe Säulen sichtbar. Über die Enstehung gibt es verschiedene Theorien. Die Säulen entstanden durch Wasser, das in heiße Vulkanasche sickerte.

Um in die Nähe der Säulen zu gelangen, müssen wir jetzt nur noch vom Hügel runterlaufen. Obwohl es keinen festgelegten Weg gibt, waren vor uns schon genug Leute gegangen, so dass uns dies keine Probleme bereitete.

Unten angelangt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Obwohl sie schief stehen, ist der Anblick absolut beeindruckend.

Der See ist fast spiegelglatt und zeigt ein schönes Abbild der beeindruckenden Bergkulisse.

Dann ist irgendwann der Weg zu Ende. Und um weiterzukommen, muss man sich an der Säulenwand vorbeiquetschen, kurz über das Wasser laufen und man ist in der nächsten Sektion.

Irgendwann hatten wir alles abgegrast und machten uns wieder auf den Weg nach oben. Wir waren die meiste Zeit zu dritt unterwegs, Tiffany hatte ein ähnliches Tempo drauf wie wir. Klar doch, dass wir sie zu ihrem Wagen mit zurücknahmen und der gebürtigen Kalifornierin noch ein paar gute Tipps zu ihrem Staat mitgaben. Fremdenführer für Einheimische.

Noch haben wir Zeit, noch brauchen wir nichts zu Essen, schauen wir, was die Karten hergeben. Nicht weit nördlich vom Crowley Lake liegt der Flughafen von Mammoth. Und nördlich von ihm geht nach Osten eine Straße ab zur Hot Creek Geological Site. Vor vielen Jahren waren wir mal mit den Kids und dem Wohnmobil auf dieser Straße unterwegs gewesen. Bei schlechtem Wetter. Und außer dem Aussichtspunkt war dort alles gesperrt. Diesmal hatten wir mehr Glück.

Vom Rand des Tales aus bot sich dieser Anblick. Gemächlich zieht der Hot Creek seine Bahnen in seinem Bett und an seinem Rand gibt es immer wieder thermische Aktivität.

Satt leuchtet das Grün des Grases und hebt sich wunderbar vom hellen Braun der Erde und vom tiefen Blau des Himmels ab.

Und auch eine heiße Quelle wird zur Verfügung gestellt. Leider wird an allen Stellen davon abgeraten, an diesen Stellen zu baden.

Weiter geht es Richtung Norden. Dort biegt von der 395 in westlicher Richtung die June Lake Loop ab. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um den June Lake.

Wir ließen uns am Südende in einer Picknick Area nieder und ließen uns auf der Ladefläche unserer Black Beauty das Mittagessen schmecken. Was beinahe nicht geklappt hätte. Der Dicke ist so hoch, dass Teile der Familie ernsthafte Probleme hatten, die Ladefläche zu besteigen. Aber mit Räuberleiter ging es anschließend.

Was kann es schöneres geben, als gemütlich bei diesem Anblick Picknick zu machen? Sich vorne in die Sitze zu setzen und ein Nickerchen einzuschieben.

Der June Lake ist nur einer von vier Seen, welche sich an der Loop wie Perlen auf einer Perlenkette aneinanderreihen. Den zweiten See ließen wir aus (keine Ahnung, warum), aber den Silver Lake stelle ich doch gerne noch vor:

Zum guten Schluss seht ihr noch den Grant Lake. Allerdings ist die Bergkulisse imposanter.

Wenn man die Loop bis zum Schluss durchfährt, landet man wieder auf der 395, direkt nördlich von der nach Osten führenden 120, welche einen Abzweig zur South Tufa Area des Mono Lake hat.

Diese ist in meinen Augen der schönste Teil des Mono Lake, hier kann man aus der Nähe oder aus der Ferne die bizarren Tuff-Formationen bewundern.

Wir durchwanderten den Trail und konnten sogar auf einer der entfernten Säulen ein Nest mit zwei Fischadlern sehen.

Wie gut, dass ich meine Dicke Berta eingepackt hatte.

Noch ein letzter Blick zurück und dann geht es zum Parkplatz. In den Bergen sammelten sich bedrohliche Wolken an und wir waren uns nicht sicher, ob wir noch ein weiteres Zwischenziel einlegen sollten.

Aber fahren wir erstmal Richtung Süden, Richtung Bishop. Nach ein paar Meilen schien es deutlich besser zu werden, so dass wir südlich des Mammoth Airport nach Westen abbogen, um zwei Meilen zum Convict Lake zu fahren. Aber das Wetter war schneller.

Es reichte gerade für ein Foto und dann machten wir uns endgültig auf den Weg zum Hotel. In Bishop angekommen, noch ein kurzer Einkaufsbummel bei Smart & Final und dann gibt es Abendessen. Wieder mal ein toller und erlebnisreicher Tag.