14.09.2024 – Von Reno nach Bishop

Wir verlassen die Biggest Little City. Viele Tränen weinen wir ihr nicht nach. Auch wenn wir aus den Bergen einen Blick zurück warfen.

Das Hotel war für den Preis OK, Frühstück haben wir uns wieder selbst gemacht. Diesmal Bagles mit Schinken und dann mit Käse überbacken.

Heute geht es nach Süden, nach Bishop in Kalifornien. Eigentlich kartentechnisch total langweilig, weil wir auf der 395 beginnen und unser Hotel liegt an eben dieser Straße. Aber damit ein wenig Abwechselung reinkommt, hat sich die Behörde etwas Besonderes einfallen lassen: Auf dem Stück zwischen Topaz Lake und Bridgeport wird eine Wilduntersquerung gebaut. Und deshalb ist die Straße an einer bestimmten Stelle komplett gesperrt. Natürlich nicht für die Tiere. Und wir dürfen einige zig Meilen Umweg fahren. OK, lernen wir mal was Neues kennen.

Aber vorher haben wir noch ein Zwischenziel eingeplant. Wer wie ich früher die Westernserie Bonanza gesehen hat, dem ist Virginia City durchaus ein Begriff. Wir waren vor mehr als 30 Jahren schon einmal dort gewesen. Das ist so lange her, meine Göttergattin (und die ist normalerweise der Inbegriff eines guten Gedächtnisses) konnte sich zuerst nicht daran erinnern. Aber als ich ihr dann den Laden zeigte, in dem wir im Westernstil ein Foto hatten machen lassen, kam die Erinnerung langsam wieder.

Ansonsten unterscheidet sich diese alte Minenstadt nur wenig von Jerome in Arizona.

Bar reiht sich an Andenkenladen und diese an Läden mit Western-Wear. Da wir zu sehr früher Stunde unterwegs waren, entgingen uns viele dieser Attraktionen, da manche Läden erst um 11 Uhr öffnen. Auch das Shootout auf offener Straße haben wir verpasst. Und darüber bin ich nicht unfroh. Denn wir hatten – oh Wunder – auf der Hauptstraße mittendrin einen Parkplatz ergattert. Ich hätte nicht gewusst, wie ich dem Autovermieter die Kugellöcher hätte erklären können.

Wir warfen noch ein paar Blicke in die wenigen geöffneten Türen und schwangen uns wieder in unsere (intakte) Black Beauty.

Über kurvige Bergstraßen landeten wir wieder in Carson City, diesmal nicht nur zum Tanken. Auch ein paar frische Lebensmittel landeten im Einkaufswagen. Unter anderem ein Cranberry-Walnuss-Brot. Dieses war von Konsistenz (also der Knautschbarkeit) sehr ähnlich unserem deutschen Brot. Ein Laib kostet 8,99 USD, aber das probieren wir. Werde demnächst darüber berichten.

Frisch getankt ging es dann weiter Richtung Süden auf der 395, bis wir etwas nördlich von Topaz Lake nach Osten auf die 208 abbogen. Diese führte uns dann direkt nach Bridgeport, einem kleinen Nest, was zumindest mit einem geschlossenen Visitor Center aufwarten konnte. Aber das dörfliche Museum war geöffnet und die Dame dort konnte uns bei der Suche nach heißen Quellen weiterhelfen.

Karin war von ihren Recherchen im Gedächtnis geblieben, dass es in der Gegend Hot Springs geben sollte. Die Einheimischen geben solche Quellen im allgemeinen nicht gerne bekannt. So auch diesmal. Erst nach einigem Bohren kam die Lady mit einer handgezeichneten Karte (immerhin eine Fotokopie und nicht auf Tierhaut eingeritzt) hervor: Noch ca. 2-3 Meilen auf der 395 nach Süden, dann auf die Jack Sawyer Road abbiegen. Und ab da war es dann sowieso ausgeschildert.

Wir passierten in Bridgeport noch das schöne Courthouse und setzten uns auf die 395.

So klein ist Bridgeport.

Man kommt sich bei den Travertine Hotsprings fast vor wie in Little Yellowstone. Es führt ein Rundweg zu verschiedenen heißen Quellen.

In manchen kann man baden (mehr als einmal). In anderen kann man nur Eier kochen. Manche sind extrem farbenprächtig.

 

Andere blubbern aus dem Boden einfach nur vor sich hin.

Es geht weiter nach Süden. Als nächstes Ziel haben wir die alte Minenstadt Bodie ausgewählt. Diese hatten wir schon einige Male besucht, das letzte Mal bei extrem schlechtem Wetter. Von Norden kommend biegt man nach Osten auf die 270 ab. 10 Meilen sind asphaltiert, danach folgen in Statepark 3 Meilen Gravelroad. Pro Person darf man 8 USD abdrücken und schon ist man in der Zeit einige Jahrzehnte zurückversetzt.

Der Unterschied zu Virginia City liegt darin, dass man diese Stadt im Status quo behält, maximal vor dem Verfall bewahrt, aber ansonsten keine touristischen Attraktionen zur Verfügung stellt. Das einzige ist eine Minenführung.

Aber man kann sich in Ruhe die alten Gebäude anschauen.

Auch ein Blick nach innen ist erlaubt. Ob diese Unterkunft allerdings auch nur für eine Ein-Sterne-Berwertung gereicht hätte, das wage ich zu bezweifeln.

Im Museum gibt es vieles aus den alten Tagen. Unter anderem gab es dort einen Elektromotor. Das ist nichts Besonderes. Fakt ist aber, dass dies der erste Motor war, dessen Strom nicht vor Ort produziert wurde, sondern in einem 13 Meilen entfernten Kraftwerk am Virginia Creek.

Wie mache ich mich vor dieser Kulisse? Vom Alter her passe ich schon ganz gut dazu.

Unser Wagen war deutlich bequemer als dieses Gefährt. Und dazu noch eine Anmerkung: Wir sind ja in den letzten Jahren in den USA regelmäßig „big trucks“ gefahren. Also immer die Klasse Ford F150 bzw. Dodge RAM 1500. Diese Autos bieten bei extremer Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit einen großen Komfort. Unser jetziger Dodge RAM 2500 ist deutlich mehr als Arbeitstier ausgelegt und ist auf der Straße (zumindest nach meinem Empfinden) ruppiger als seine kleineren Brüder. Dafür nahm er (vielleicht hat er größere Reifen) die Waschbrett-Wellen auf der Dirt Road wesentlich besser.

Während bei uns Selfie-Time war, trafen wir noch auf zwei Stuttgarter Pärchen, die mit zwei Trikes unterwegs waren. Nachdem die Verständigungsprobleme überwunden waren, konnten wir ihnen noch ein paar gute Tipps für den Yosemite geben und machten uns danach auf die weitere Reise.

Am Conway Pass gibt es einen Aussichtspunkt, von wo aus man das ganze Tal incl. Mono Lake gut überblicken kann.

Ein bisschen später waren wir dem See noch ein Stückchen näher und hielten für ein weiteres Foto an.

Dann kamen alte Erinnerungen hoch: Am westlichen Rand gibt es Tufa-Formationen, die wir bei einem früheren Urlaub besucht hatten. In meinem fotografischen Eifer war ich ein wenig über das Ziel (bzw. den festen Weg) hinausgeschossen und bis Mitte Oberschenkel in die matschige Brühe eingesunken. Gut, dass wir auch damals schon einen Truck fuhren, die dreckigen Klamotten hätten wir auf keinen Fall ins Wageninnere nehmen können.

Aber jetzt war ich ja vorgewarnt und holte ganz gemütlich meine dicke Berta raus und holte mir die Tufa-Formationen einfach nah ran. Geht doch.

Jetzt ist es nur noch eine knappe Stunde bis nach Bishop, wo wir 6 Nächte verbringen werden. Für die ersten 3 Nächte haben wir ein Upgrade auf eine Suite bekommen, hoffentlich klappt das auch für die nächsten drei Nächte.

 

13.09.2024 – Lake Tahoe

Die Nacht war angenehm und wir wurden (ich mit einer kleinen Melatonin-Hilfe) erst gegen sechs Uhr wach.

Da dieses Hotel – wie alle anderen in Reno auch – kein Frühstück anbietet, war es gut, dass wir vorgesorgt hatten. Überbackenes Baquette von Costco mit Turkey Bacon und Käse, das kann mit jedem Hotel-Frühstück problemlos mithalten.

Dazu dieser Ausblick. Was kann das Hotel-Leben schöneres bieten?

Heute geht es zum Lake Tahoe. Dazu eine kleine Unterrichststunde: Tahoe wird auf der ersten Silbe betont. Daher nicht Tahoe, sondern Tahoe. OK? Bekanntheit hatte der genau auf der Grenze von Kalifornien und Nevada liegende See durch die 1989 stattgefundenen Winterspiele erlangt. Seine Tiefe (501 m) und das extrem blaue Wasser sind immer wieder Anziehungspunkt für Millionen von Touristen. Auch wir hatten schon verschiedene Anläufe unternommen, um etwas von der Schönheit dieser Pfütze mitzubekommen. In Erinnerung geblieben sind mir ein Besuch, als wir mit den Kindern und Wohnmobil bei Eisregen durch die am südlichen Rand liegende Stadt Stateline fuhren und das andere Mal, als wir im strömenden Regen einen geschlossenen McDonalds entern wollten.

Heute war uns der Wettergott wohlgesonnen, auf nach Süden von Reno aus. Zwischendurch einen Abstecher nach Costco in Carson City machen (liegt direkt auf dem Weg) und den Tank vorsichtshalber füllen. Dort kostet der Sprit fast einen Dollar weniger als fast überall ringsherum. Dann geht es über die 50 in die Berge und wir sehen den See erstmalig auf mittlerer Höhe des Ostufers. Tiefblau zieht sich die Wasseroberfläche, so weit das Auge reicht.

Wir quälen uns durch Stateline (ist auch bei gutem Wetter nicht besser) und machen uns auf den Weg zum berühmtesten Teil, der Emerald Bay. Wie es Berühmtheiten so an sich haben, sind sie gut besucht und dieser Teil machte auch keine Ausnahme. Auf den Parkplatz passen vielleicht 40 Autos und um 11 Uhr waren diese alle belegt. Zuerst versuchten wir, den nächsten freien Platz einfach auszustehen, aber ein Parkranger meinte: keep moving. Also drehten wir langsam Runde um Runde, bis wir nach ca. 20 Minuten (gefühlt 2,5 Stunden) endlich eine Parkbucht ergattern konnten.

Nun nur noch ein Tagesticket für 10 USD lösen (gilt für alle Stateparks am See für diesen Tag) und schön können wir uns an der Bucht ergötzen.

Der Weg nach unten zum See ist mit ca. einer Meile ausgeschildert. In ein paar sanften Kehren geht es nach unten.

Auf der Route gibt immer wieder andere Ausblicke auf die einzige Insel im Lake Tahoe, welche Fanette Island genannt wird. Dort steht eine Ruine mit Namen „Teehaus“, welche von Lora Josephine Knight, der ehemaligen Besitzerin von Vikingsholm, errichtet wurde.

Unten angekommen fällt als erstes ein großes Gebäude auf: Vikingsholm. Es wurde vor fast 100 Jahr von eben jener Dame errichtet, im nordischen Stil mit dortigen Baumethoden, aber lokalen Materialien.

Heute kann man eine Führung für ca. 17 USD pro Person mitmachen. Ich fragte eine der Führerinnen, ob irgendwo eine Plakette „sponsored by IKEA“ stände, aber das wäre nicht so.

Interessant ist auch, dass ein Teil des Hauses mit Grassoden gedeckt ist, also einer Technik, die bei uns auch langsam wieder Einzug hält. Das wussten die vor 100 Jahren schon.

Wenn man sich dann dem See zuwendet, kann man auch abseits der Bootsverleihe die Ruhe am blauen Wasser genießen.

Wir ließen uns auf einer Bank nieder und genossen ein paar mitgebrachte Snacks.

Und ließen die Ruhe und ein paar Boote an uns vorbeiziehen.

Die nächste Attraktion sollten die Lower Eagle Falls sein. Etwa eine Viertel Meile geht es bergauf, bis man dann vor im Frühjahr bestimmt sehr schönen, aber zur Zeit nur sehr dürftigen Wasserfällen steht.

Da lohnen sich die Upper Falls auch nicht mehr. Also machten wir uns auf den Rückweg, immer schön langsam und bergauf. Denn die Höhe von ca. 2000 Metern machte sich bei meiner Göttergattin langsam bemerkbar.

Aber man sieht es ihr nicht an.

Oben angekommen Beratung, was tun?

Wir beschlossen, am Westufer des Sees entlang zu fahren und bei einer geeigneten Stelle ans Wasser zu gelangen. Selbiges ist gar nicht so leicht, da entweder Steilküste, Privateigentum oder kommerzielle Institutionen das Ufer für sich eingenommen haben.

Schließlich gelangten wir zum Sugar Pine Point Statepark, den wir mit unserer Parkplakette auch befahren durften.

Wir suchten uns ein stilles Stückchen See und genossen die heranplätschernden Wellen.

Ein Touristen-Schaufelraddampfer kam vorbeigecruist,

aber ansonsten war es sehr ruhig dort.

Noch ist es früh am Tag und noch durchströmt uns ein wenig Restenergie. Wir schwingen uns in unsere Black Beauty, um die Reno-Arch zu besuchen. Das ist ein Torbogen, der ein Wahrzeichen der Stadt ist. Wir kommen über Truckee und den Interstate 80 nach Reno rein.

Aber als es dann  auf der Hauptstraße in Richtung des Bogens geht, Straßensperren an allen Ecken und Kanten: Straßenfest in Downtown.

So weit reicht unsere Energie dann doch nicht, dass ich mich mit dem Dicken in ein Parkhaus quetsche. Wir geben das Hotel in unser Navi ein und sind dann doch froh, in relativer Ruhe das Abendessen genießen zu können. Aber es war ein toller Tag.

12.09.2024 – Von Dixon nach Reno – Feather River Canyon

Kleines Update bzgl. Jetlag: 4 Uhr war die Nacht zu Ende. Was kann man in der Zeit alles erledigen, bis es Frühstück gibt? Wer elektronisches Spielzeug dabei hat, der findet was.

Plan für heute: Fahrt nach Reno in Nevada. Die nach eigenem Bekunden „The biggest little city in the world“. Wir wollten diesen Ort allerdings nicht zum Gamblen, sondern als Ausgangspunkt für den Lake Tahoe nutzen. Und das Aiden Hotel war das deutlich preisgünstigste Best Western Hotel der Umgebung.

Auf dem kürzesten Weg wären es ca. 140 Meilen gewesen, knapp drei Stunden Fahrt. Aber was sollen wir schon mittags in Reno? Die Zeit können wir interessanter gestalten. Da gibt es nördlich der direkten Strecke den Feather River Canyon, der sich mit dem Feather River entlang der 70 durch ein mehr oder weniger enges Tal windet. Nehmen wir.

Aber vorher noch die letzten Vorräte ergänzen. Ein Walmart liegt auf der Strecke und wir ergänzen noch Lebensmittel, die wir vorher nicht bekommen haben. Und die unser Körper gaanz dringend benötigen.

Den Tank sollten wir vorher auch noch einmal füllen, wer weiß, wo und wie teuer es abseits der großen Städte wird.

In Yuba City finden wir einen Costco und laden uns den Tank für 4,149 USD/Ga voll.

Kurz hinter Oroville biegen wir auf die 70 ab. Kurz hinter Cherokee stoßen wir auf einen Arm des Lake Oroville, einem riesigen Stausee, der zur Wasserversorgung und zum Wassersport genutzt wird.

Zur Zeit ist der Wasserstand nicht ganz hoch, aber der Sommer ist ja auch schon einige Zeit aktiv.

Wir steigen höher und unter uns schlängelt sich der Feather River durch die Schlucht. Rechter Hand begleitet von Strom- und Telefonleitungen, links schmiegt sich die Eisenbahn einspurig an die Felswand. Wir sehen sogar einen Zug, der uns entgegenkommt.

Und mit der Eisenbahn werden wir noch des öfteren Kontakt haben. Eine der Besonderheiten dieser Strecke ist nämlich, dass sich die Railroad und die Autostraße auf Stahlbrücken über- und untereinander kreuzen. Ein äußerst interessanter Anblick.

Der Fluss gewinnt mit zunehmender Enge an Wildheit.

Die Stromschnellen zaubern eine tolle Stimmung in diesen sonnigen Tag. Es ist warm, aber nicht zu warm.

Eigentlich möchte man sofort die Badehose anziehen und in eines der vielen Swimmingholes springen.

Und da passiert es schon wieder: Eisenbahn- und Straßenbrücke kreuzen den Weg, um die Flussseite zu wechseln.

Immer wieder kommen uns schwere mit Baumstämmen beladene Logtrucks entgegen. Und manchmal fahren sie in der gleichen Richtung an uns vorbei, während wir einen Fotostop machen. Merkwürdig. Fahren die die Bäume wieder in den Wald?

Der Canyon weitet sich langsam wieder und das Wasser wird ruhiger. Es erinnert mich stark an den Black Canyon of the Gunnison, wo vor einer Staustufe das Bild sehr ähnlich aussah.

Während wir weiter fahren, stoßen wir immer wieder auf Bauarbeiten. Teilweise mit Ampelschaltungen, teilweise mit Flagmen. Und schauen auf die Straße, um herauszufinden, was dort gearbeitet wird. Wir sehen ca. 60cm breite und knapp zwei Meter lange Öffnungen im Boden, die bitteschön welchen Zweck haben? Und dann 10-20 Meter lange Gräben die unvermittelt anfangen und auch genauso unvermittelt aufhören. Beschäftigungstherapie? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Aber da wir es nicht eilig haben (und diesmal auch bzgl. der Mautstraßen keinen Fehler gemacht haben), üben wir uns in Geduld und zockeln gemütlich hinter den anderen Autos her.

Das Tal öffnet sich und plötzlich gibt es wieder urbanes Leben in der Einöde. Wir passieren die Stadt Quincy (deren Namen ich bisher nur aus einer alten Krimiserie kannte). Schön mit den Blumenampeln macht die Stadt einen ruhigen und friedlichen Eindruck.

Da unsere Blasen sich so langsam wieder vom Kaffee und anderen Flüssigkeiten trennen möchten, biegen wir kurzerhand auf einen verlassenen „Campground“ ein. Die Straße – eigentlich darf man sie nicht so nennen – würde ich mit einem PKW nicht befahren, ein Achsbruch wäre die Folge. Aber unsere Black Beauty schüttelt sich nur kurz und die Dixie-Toiletten im Nirgendwo sind sauberer als die meisten Autobahntoiletten in Deutschland.

Auf einer offiziellen Restarea tönt uns laute Musik entgegen. Zwei halbwegs wild, aber nicht ungemütlich aussehende Kerle sitzen auf einer Mauer vor ihren Harleys und lassen sich jeder eine Dose Coors schmecken. Wir kommen ins Gespräch und die Verwunderung ist groß, dass deutsche Urlauber mit einem Dodge Ram 2500 durch die Landschaft fahren. Sie erinnern mich irgendwie an den Film Wild Hogs. Die Jungs kamen von Calgary in Kanada herunter, waren durch Montana und Idaho gefahren und wollten bis zur Küste durch.

Ein Foto durfte ich machen und dann setzten auch wir uns wieder auf die Straße.

Es geht durch die weite und hügelige, aber sehr trockene Landschaft.

Vorbei an alten Farmhäusern von einer Bergkette zur nächsten.

Dann endlich biegen wir auf unsere Lieblingsstraße in Kalifornien ein: die 395. OK, wir sind noch sehr weit nördlich, die Sierra Nevada ist noch nicht mal in Sicht, aber wir sind schon fast „zuhause“.

Jetzt nur noch ein paar Meilen bis Reno durchfahren. Das Aiden-Hotel sieht aus wie eines der billigen Motels, die man entlang der Autobahnen sieht.

Ein Zimmerupgrade war leider nicht möglich, sie sind aufgrund der Brände, die in der Gegend lodern, ausgebucht.

Aber als wir unseren Raum betreten, sind wir angenehm überrascht. Sehr modern eingerichtet, funktional. Ein großer Kühlschrank ist auch vorhanden. Hier halten wir es zwei Tage aus.

Jetzt erstmal Abendessen, Vorräte haben wir ja genug gebunkert.

11.09.2024 – Von San Francisco nach Dixon

Wie üblich endet die erste Nacht in den USA sehr früh. Um neun Uhr am Vortag war der Ofen aus, dafür stand ich um 11 Uhr wieder wach im Bett. Also wurden Melatonin-Tabletten eingeworfen und versucht, den Matrazen-Horchdienst fortzusetzen.

Aber da das Hotel direkt am Flughafen liegt, gibt es zum Glück schon ab sechs Uhr Frühstück. Viel länger hätte ich auch nicht durchgehalten. Dieses war sehr gut, die Fleischpatties waren deutlich besser gewürzt, als ich es bisher kannte. Und als ich schon satt war, wurden noch Omlette bereitgestellt. Pech gehabt.

Der Blick aus dem Fenster auf die Bucht von Süden offerierte eigentlich einen schönen Tag.

Also machten wir uns auf den Weg nach Pazifica, welches nur eine Viertelstunde westlich liegt. Wie auch üblich liegt in den Morgenstunden die Küste im Nebel, die Friesen würden sagen: Küstennebel. Und sich drüber freuen.

Aber es begann schnell aufzuklaren. Am äußersten westlichen Rand des Golden Gate Parks liegt die Dutch Windmill. Was die Amis nicht alles importieren. Ich sage nur: Leavenworth in Washington State.

Fährt man die Straße ein Stückchen weiter, geht es in einer weiten Kurve bergauf und man sieht links unter sich die Sutro Baths liegen. Vom Lands End Lookout hat man einen schönen Blick auf das blaue Wasser. Und da der Lookout von der Nationalpark-Verwaltung betrieben wird, konnten wir dort sofort einen neuen Nationalpark-Pass zum Preis von 80 USD erstehen.

Etwas oberhalb liegt der Camino del Mar, von dessen Parkplatz ein schöner Blick auf die Golden Gate Bridge möglich ist.

Ein Schild wies darauf hin, dass man die „Legion of Honor“ in 0,4 Meilen erreichen könne. Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Aber irgendwo bog ich wohl falsch ab, so dass ich in einem riesigen Krankenhauskomplex landete. Kontrolle bei Google Maps: Ich weiß jetzt, wo ich hingehen muss, aber das wäre mir inclusive Rückweg dann doch zu weit gewesen. Also geht es die gleiche Strecke zurück.

Man kann das Museum auch mit dem Auto innerhalb von ein paar Minuten erreichen.

Dies taten wir dann auch und ich machte zumindest einen Rundgang durch den Innenhof des imposanten Gebäudes.

Besonders sprach mich die Säulengalerie an. Der Innenhof war fast menschenleer, eine friedliche Stille, nur das Rauschen des Windes und des Meeres umgab mich.

Vom Parkplatz aus kann man mit einem entsprechenden Tele Downtown etwas näher ranholen. Dort hatte es die Sonne noch nicht geschafft, die Wolken und den Nebel zu vertreiben.

Folgt man dem Lincoln Boulevard weiter Richtung Norden, lohnt sich immer ein Abstecher an den Baker Beach.

Dort stand unsere Black Beauty schön in der Sonne und ich stellte zum Größenvergleich einmal meine Göttergattin daneben. Bei diesem Wagen braucht man die Runningboards auf jeden Fall. Auch das Heraufklettern auf die heruntergeklappte Ladeklappe gestaltet sich nicht so einfach wie bei den kleineren Pickups.

Nächster Halt ist der vielfotografierte Aussichtspunkt, der Golden Gate Overlook.

Danach wollten wir eigentlich noch direkt an der Brücke parken, aber es war leider nichts frei.

Ok, nächster TOP: Das Museum of fine arts hatte es mir früher schon angetan, ich hatte es sowohl bei Tag als auch bei Nacht vom gegenüberliegenden Ufer des kleinen Sees abgelichtet.

Aber ich wolllte es aus der Nähe sehen. Und ich war mächtig beeindruckt.

Man kommt sich vor, als wäre man ins alte Griechenland versetzt worden: Säulen, aber ohne die Trümmer.

Und wenn wir schon soviel Glück mit Parkplätzen haben, dann versuchen wir es auch einmal mit den Painted Ladies. Diese wunderschönen viktorianischen Häuser sind eine der großen Sehenswürdigkeiten von San Francisco. Und es gibt rund um den Alamo Square (den direkt angrenzenden Park) so gut wie keine Parkplätze. Schon gar nicht für unsere Black Beauty. Aber das Glück war uns hold. Zwischen zwei Ausfahrten war gerade genug Platz, um den Hausbesitzern noch das Herauskommen zu ermöglichen. Also hüpfte ich schnell wie ein Reh in den oberen Teil des Parks, um endlich mal ein Foto der Häuser zu bekommen.

Und man hat von dort aus auch einen schönen Blick auf Downtown.

Für die weitere Planung des Tages (es war mittlerweile Mittag geworden) hatten wir uns vorgenommen, auf der Durchreise quasi von der Oakland Bay Bridge einen Abstecher nach Treasure Island zu machen.

Beim Befahren der Brücke hat man zuerst ein Highlight: Man kommt sehr nah an den in der Sonne glänzenden Hochhäusern vorbei.

Nachteil danach: Fährt man auf dem unteren Teil der Brücke, beschleicht einen der Gedanke: Was, wenn jetzt ein Erdbeben kommt…?

Die entsprechende Fotolocation war schnell gefunden. Allerdings trieb mich eines fast in den Wahnsinn: Das GPS der Kamera war nicht in der Lage, ein Ortssignal festzumachen. Ich vermute, dass dort irgendwo ein militärischer Störsender aufgestellt ist, der den Empfang unmöglich macht.

Jedenfalls verließen wir Treasure Island und fuhren im direkt angrenzenen Yerba Buena Island zum Panoramapark, wo das Satellitensignal genauso schlecht, aber die Aussicht noch ein bisschen besser war.

Der Blick nach Westen zeigt die Skyline von San Francisco und die Oakland Bay Bridge,

im Osten sieht man den anderen Teil: „The Bay Bridge“.

Und schaut man nach oben, sieht man eine spitze Nadel, die wohl die Wolken ansticht, was das Wetter in SFO erklären würde. Es ist der „Point of Infinity“ von Hiroshi Sugimoto.

Genug gesehen und fotografiert, wir wollen ins Hotel. Und an dieser Stelle begann unsere große Odyssee.

WIR kennen es, dass die aus SFO führenden Brücken ohne Gebühren zu befahren sind, in die Stadt hinein bezahlt man Brückenzoll. Im Navi meiner Göttergattin war deshalb vermutlich verankert: Mautstraßen vermeiden.

Die Strecke nach Dixon (wo sich unser Hotel befindet) sollte ungefähr 79 Meilen betragen.

Aber plötzlich leitete uns das Navi über eine komplett andere Route um. Wegstrecke über 140 Meilen, Fahrzeit eine Stunde länger. Wir waren etwas verwirrt. Starteten das Navi neu, wendeten Beschwörungsformeln an :“Ommm“. Aber nichts half. Bis Karin bei einem erneuten Neustart die Option „Mautstraßen vermeiden“ ausschaltete. Des Rätsels Lösung: Folgende Brücken sind „outbound“ mittlerweile mautpflichtig:

  • Alfred Zampa Memorial Bridge
  • Benicia-Martinez Bridge (so laut Google, sie hat mittlerweile einen anderen Namen: Congressman George Miller Bridge)
  • Antioch Bridge

Wenn man sich das auf der Karte anschaut, wird man sehen, dass wir eine halbe Weltreise hätten unternehmen müssen, um ohne Maut an unser Ziel zu gelangen.

Als wir dann die Mautpflicht akzeptiert hatten, ging es komischerweise deutlich schneller. Ein paar Staus gab es immer noch, aber kurz nach 17 Uhr erreichten wir unser Hotel.

Obwohl wir nicht vorher mit der Herberge gesprochen haben (die Telefonverbindung klappte mehrfach nicht),

gab uns die gute Anabelle ein Upgrade auf eine King Suite, die ich hiermit kurz präsentiere.

Ach ja, ein kleines Update zu unserer Black Beauty: Es ist äußerst praktisch, die doppelten Spiegel zu haben. Eigentlich sind sie für den Anhängerbetrieb gedacht, aber richtig eingestellt zeigen sie sehr gut den toten Winkel.

Und die Einstellung für den Bordcomputer habe ich mittlerweile auch gefunden.

10.09.2024 – Flug nach San Francisco

Und wieder geht es los. Der weite und wilde Westen lockt. Diesmal haben wir einen Direktflug nach San Francisco gebucht. Von dort aus geht es nach Reno, dann südlich auf der 395 an der Sierra Nevada entlang und über den Yosemite Nationalpark zur Küste zurück.

Der Tag vor der Abreise war ziemlich hektisch, so dass wir nicht sicher waren, ob wir wirklich nichts vergessen haben. Wir werden sehen (oder auch nicht).

Relativ pünktlich sogar vor sieben Uhr waren wir auf der Straße, Staus wurden nicht angezeigt, wir sollten um 9.31 Uhr am Parkhaus ankommen. Besonderheit diesmal: Die beste Reisebucherin hatte im Parkhaus „Holiday Parking Süd“ ein Ticket für ca. 60 Euro geschossen, dafür nimmt man ein paar Unannehmlichkeiten gerne in Kauf. Unter anderem, dass man vom Parkhaus mit einem Shuttle Bus zum Flughafen fahren muss. Selbiger fährt jeweils zur vollen und halben Stunde. Wenn wir den um 9.30 Uhr erreichen wollen, müssen wir uns ein wenig sputen. Zu Anfang sah es auch gut aus, ich konnte unter Beachtung der Geschwindigkeitsbeschränkungen ca. 12 Minuten rausholen. Aber kurz vor Wiesbaden erwischte es uns dann doch. Eine Wanderbaustelle – wir haben keine Ahnung ob und was dort gearbeitet wurde – kostete uns dann eine knappe halbe Stunde.

Das Parkhaus fanden wir trotz Baustellen und merkwürdiger Ausschilderung dank Google Maps präzise und schnell. Und auch in der Nähe des Aufzuges einen Parkplatz.

Der Bus fuhr pünktlich um 10 Uhr los und landet am Terminal 1 am Medical Center. Von dort aus ist es ungefähr die gleiche Strecke zu laufen wie bei einem Terminal-nahen Parkhaus. Wir betraten das Gebäude dort, wo die Arrivals landen, also sind wir auf dem Rückwg gut dran.

Da wir auf unserer United App schon den eingescheckt-Status hatten und dieses auch für uns „Travel Ready“ auswies, war die Abgabe der Koffer auch in kurzer Zeit erledigt. Jetzt ab in die Luxx-Lounge und noch ein wenig entspannen. Diese war gut gefüllt, aber für uns gab es noch Plätze und ein paar leckere Snacks. Der Urlaub kann beginnen.

Nachdem wir uns ordentlich gesättigt hatten (die nächste Mahlzeit im Flieger gibt es erst in paar Stunden), trabten wir zu unserem Gate im Z-Bereich. Die US-Kontrolle war sehr lax, Security ebenfalls. Obwohl die Mitarbeiter darauf bestanden, meine Kameraausrüstung zu reinigen. OK, wird nicht schaden. Vor dem Fließband stand zwar, dass alle Gegenstände in den Taschen bleiben könnten – auch Computer, aber dann musste der Laptop doch extra gelegt werden. Dafür konnte ich die Schuhe anbehalten. Für alle Beteiligten die beste Lösung.

Im Flieger hatte Karin uns in der Premium Economy die vordersten Plätze geschossen. Auf dem Platz vor unseren Sitzen hätten wir Tango tanzen können.

Nach einiger Zeit wurde das Mittagessen zelebriert. Nicht nur optisch ein Genuss, auch der Magen freute sich. Interessantes Detail: Die Stoffserviette hatte ein Knopfloch, um sie am obersten Hemdenknopf zu befestigen. Nicht dass es mir viel genutzt hätte, aber der Gedanke zählt.

Wir flogen fast über den Nordpol und die Stunden vergingen mit Filme gucken und dösen.

Zum „Frühstück“ noch einmal eine schmackhafte Mahlzeit. Der Salat war leider mit Gurken verseucht, so dass ich mich opfern musste.

Schließlich waren wir froh, in SFO anzukommen. Gepäck kam komplett an und dank der MPC (Mobile Passport Control) waren wir innerhalb von fünf Minuten durch. Wir mussten noch nicht einmal wie beim letzten Urlaub uns selbst mit dem Handy fotografieren.

Per Skytrain ging es dann zum Rental Car Service.

Wie üblich hatten wir einen Pickup der Klasse Ford F150 bestellt. Aber diese Größe war nicht vorhanden. Statt dessen standen in den Boxen ausschließlich Dodge Rams, und zwar eine Nummer größer: 2500 Heavy Duty, Ausstattung Bighorn.

Oh ha, was steht uns da bevor? Unsere erste Wahl fiel auf einen schönen roten Truck, der hatte allerdings schon fast 20.000 Meilen runter.

Der nächste schöne war in Nachtblau gehalten, aber Android Auto lief damit auf einen Fehler.

Schließlich landeten wir beim dritten Laster, ab sofort mit „Black Beauty“ tituliert.

Eigentlich hatte ich von der Ausstattung „Bighorn“ eine sehr luxuriöse Variante erwartet, aber weit gefehlt. Bordcomputer? Bisher nicht gefunden. Display für Android Auto? Etwas größer als Briefmarke, aber noch ablesbar.

Immerhin hat er einen Tempomat und das Blubbern des Motors erinnert an einen Öltanker. Den werden wir vermutlich auch brauchen bei dem Spritverbrauch.

Das Hotel fanden wir sehr schnell und waren froh, in der obersten, der neunten, Etage unser Zimmer beziehen zu können.

Jetzt noch kurz zu Costco und zu Smart and Final, um die wichtigsten Lebensmittel zu bunkern.

Eigentlich wollten wir ja noch bei Abendlicht von einem der südlichen Hügel einen Blick auf die Stadt werfen, aber der Nebel ließ uns davon Abstand nehmen.